| Strix-aluco | Warum nennt sich diese Nichtfarbe eigentlich "Elfenbeinschwarz"? Bei SCHMINCKE Künstlerfarben bekannt unter nr. 780 Elfenbein ist doch bekanntlich gar nicht Schwarz, oder? |
| gekitsu | a) es ist keine nichtfarbe, da dieser begriff sich auf farbphaenomene bezieht, nicht auf farbe im sinne von "pigment in traeger" b) elfenbeinschwarz besteht aus verkohltem knochen. |
| Strix-aluco | Soll das heissen, daß ich mit verbrannten Knochen male? Wenn ja, wüsste ich gerne wessen Gebeine auf meinem Malpapier landen... |
| gekitsu | mal am besten nur mit wasserfarben, denn der binder, gummi arabicum, ist garantiert umweltfreundlich, nicht irgendeine ausgepresste, arme pflanze und auch kein so ein kuenstliches pfui-pfui-acrylharz. diese ganzen wirklich guten pigmente, wie kobaltblau, kadmiumrot/orange/gelb, echten zinnober und so weiter laesst du am besten auch links liegen, denn diese boesen giftstoffe haben in einem kunstwerk nichts zu suchen! zur herkunft der knochen im elfenbeinschwarz hab ich nur die bemerkung gefunden, dass es als "ein pigment tierischen ursprungs" bezeichnet wurde. aber eigentlich egal woher die knochen sind - man darf sich doch den tod nicht aufs bild schmieren! das ist ja geschmacklos... kauf am besten bei den ganzen billigen "kuenstler"-farbenherstellern. die sind zwar fuer kuenstler ungeeignet, aber dafuer garantiert politisch korrekt. da scheint momentan naemlich DER trend schlechthin zu sein. |
| gahi | muss jetzt dochma grinsen. ich steh auf cadmium. |
| fraeulein grau | a-hem.. also echtes elfenbeinschwarz ist tatsächlich aus elfenbeinabfällen, beinschwarz dagegen aus knochen.. aber heutzutage achtet ja kein schwein mehr auf sowas. das von kremer ist ein knochenschwarz, aber der name ist eben schicker- verkauft sich eben besser so, und echtes elfenbeinschwarz ist schwer zu kriegen. seufz. oh tempora, oh mores.. im vergleich ist das echte elfenbeinschwarz noch samtiger im farbton. die knochen sind schlachtabfälle. und, wenn wir schon bei ekelpigmenten sind: "mumie" war bis ins 19. verbreitet- so'n mattes braun. jetzt ratet, woraus man das hergestellt hat.. |
| gekitsu | frollein, elfenbeinverkohlung zur farbgewinnung ist zumindest bei uns soweit ich weiss verboten. a propos weiss: ich haett noch ne frage bezueglich bleiweiss und dieser giftstoffblahdingsverordnung da... du bist ja in einem der "ausgenommenen" bereiche taetig - wird sowas irgendwie kontrolliert oder ist das ganze mehr son papiertiger, den eh niemand stoert? |
| Strix-aluco | Kann man etwa davon ausgehen, daß dieses Elfenbeinschwarz auf die Zeit der Höhlenmalerei zurückzuführen ist? Wenn ich Lampenschwarz nehme, ist das wohl Ruß. Schwarze Tusche ist ja auch noch eine Alternative... Die nr. 780 & 782 werde ich trotzdem weiterverwenden. |
| fraeulein grau | bleiweiss: wird, eben weil's so schön verschwärzen kann (in nicht-fetten bindemittelsystemen), kaum noch eingesetzt. in öligen bindemittelsystem wird es schnell trynsparent, also auch nicht soo toll. wir nehmen titan- oder zinkoxid, das ist stabiler. von der gefahrenstoffkontrolle her- psha, da kümmert sich keiner wirklich drum, das zeug steht halt im schrank und hat'n kleinen totenkopfaufkleber drauf. allerdings muss man ja auch nicht unbedingt das bleihaltige pigment nehmen, wenn's vernünftige alternativen gibt. verboten sind die illegale einfuhr von elfenbein und elfenbeinprodukten, aber auch hier hab' ich mal wieder eine gloriose sonderstellung- wir dürfen das benutzen, alle anderen nicht. allerdings werden zur herstellung elfenbeinabfälle verwendet, nicht ganze stücke, und die kriegt man legal von der fh pfortsheim- dort gibt es (ebenfalls sondergestellte) elfenbeinschnitzer, und für die wird tatsächlich etwas legales elfenbein eingeführt. also macht mein pigment keine elefanten tot- wäre mir allerdings auch egal, das bisschen, was ich verwende- da reicht ein toter elefant auf lebenszeit, und das kann ich mit meinem gewissen grade noch vereinbaren. höhlenmalerei: ich denke nicht, dass das elfenbeinschwarz irgendwie auf die höhlenmalereien zurückzuführen ist, erstmals erwähnt wird es bei den griechen. es ist auch nicht ganz einfach herzustellen, man braucht einen recht heissen, reduzierenden brand und ich denke nicht, dass das damals technisch schon möglich war. ausserdem hatte man nicht so viel elfenbein und hat es dann eher für werkzeug, schmuck und jagdwaffen verwendet. das schwarz in höhlen ist ruß (C mit geringen oganischen beimengungen) und eisenoxidchwarz. tuschen können aus allem möglichen zusammengerührt sein, meist aber auch ruß.. wofür brauchst du denn die ganzen schwarze? es gibt ja noch viieeleviele mehr.. |
| gekitsu | das ist fein zu hoeren, frollein. sowohl die ausfuehrung zum legalen elfenbeinschwarz als auch zur quasilegalitaet des bleiweiss. titanweiss taugt meines erachtens naemlich nicht zum mischen, weil es eine geradezu einzigartige kalkigkeit produziert. :) zink ist mir wegen des halblasierenden auftrages und des schnell auftretenden kuehlen untertones her nicht mein traumkandidat. ich habe diesbezueglich echt was fuer gutes bleiweiss uebrig. zum einen fliesst blei wie sonst fast nichts vom pinsel, blei hat ausserordentlich gute oxidationseigenschaften und wenns gut gemacht ist, dann gilbt es bestenfalls in lichtarmut leicht an - und dies verschwindet mit lichteinwirkung wieder. |
| fraeulein grau | uhm, jaa, die bleiweiss-diskussion.. wenn ich sage, dass sich ein pigment "schnell" verändert, heisst das für mich, so zwischen 50 und 100 jahren.. davon merkst du natürlich wenig. für die ganz experimentellen unter uns: man kann's auch infach selbst herstellen, rezept steht- ah, fast überall, vitruv? cennini? auf jeden fall in reklams handbuch der künstlerischen techniken.. kann ich bei bedarf auch hier 'reinschreiben. und wenn dir das titanweiss zu kalkig wird, benutz' es weniger zum mischen, es ist ideal, wenn man damit die helligkeit einer fläche bestimmt und dann mit warmfarbigen lasuren darauf arbeitet- das wummst! yay, leuchtkraft! (am besten mit stark bindemittelhaltigen lasurfarben, von wg. tiefenlicht, aber das geht jetzt zu weit) |
| fraeulein grau | ach ja, das noch: was da vergilbt und im lichte wieder hell wird ist das öl und nicht das pigment. |