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  Forum: Kunsthalle
    Thema: Die Kunst des Lesens
TurricanKennt ihr das auch, da ist man eingesperrt, in ein Netzwerk aus Zahlen, aus Seiten, aus Bildern, die den Deckel zieren, vielleicht sogar das Ende markieren und dann noch diese vielen endlosen Satzzeichen, die einem sagen sollen, wo Anfang und Ende ist.

Ist das wirklich nötig? Warum nicht können wir Bücher lesen ohne all diese Dinge, warum diese Absperrungen vom eigentlich Wichtigen?

Wie wäre es, mit einem Buch, ohne Satzzeichen, ohne Seitenzahlen, ohne Begrenzung auf eine bestimmte Größe einer Seite, ohne ein Vorwort, ohne ein Bild auf dem Umschlag, ohne Unterschrift des Autors?

Ist nicht gerade diese Doktrin das wahre Gefängnis? Wir werden von all diesen Dingen beeinflusst, dabei wollen wir doch nur - etwas lesen, uns etwas verlieren, in eine fremde Welt eintauchen und nicht ständig damit genervt werden, auf welcher Seite wir sind, gefragt werden, wie sieht denn das Buch aus, das Du gerade liest oder wer hat es denn geschrieben?

Können wir ein Buch - ein paar Zeilen, mehrere aneinander gesetzte Worte, nicht einfach lesen, ohne diese ganzen Zwänge?
FayveIm Dadaismus und im Surrealismus gab es versuche mit solchen Begrenzungen zu brechen.
Aber das ganze ist nur bis zur einem gewissen Punkt möglich, da sonst die Information die man vermitteln möchte nicht mehr entschlüsselt werden kann. Wenn man sich mit anderen verständigen will muss man sich auf ein System einigen das mehrer verstehen, Man kann sich auch nicht mit jemandem in einer Phantasiesprache unterhalten wenn dieser diese nicht versteht.
Das weglassen von Satzzeichen, Seitenzahlen, Groß- und -Kleinschreibung und Ähnlichem würde den Inhalt nicht umbedingt unerkennbar und unverständlich machen.
Vieles dient der dem besseren Verständnis, ein Text ist wesentlich einfacher zulesen wenn Kommata gesetzt sind.
Manche Dinge hingegen dienen einer Form die als ästetisch empfunden wird.
Als Beispiel für die Ästhik der Form und der Struktur kann man Sonette im Barock nehmen. Die Abwendung von Formen wie im Dadaismus wäre damals auf Unverständnis gestoßen.
Im Barock hat man Strukturen erzeugt die Parallelen zu Bibelstellen hatten. Man findet zum Beispiel in dem Sonett "auf den Sonntag des guten Sämans" von Andreas Gyphius 8 Ausrufezeichen was einen Verweis oder eine Verbindung zu der Vorlage Lukas 8 in der Bibel darstellt.

Für manche ist Ordnung ein Gefängnis und für andere etwas schönes ästhetisches.

Ich bin überzeugt das das Schöne und Ästhetische nie Ordnungslos ist.

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