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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Perfekte Kommunikation?
PyrettaIch habe mich in letzter Zeit sehr viel mit dem Kommunikationspsychologen Paul Watzlawick beschäftigt, und ich muss sagen ich find seine "Möglichkeiten erfolgreicher Kommunikation" wirklich toll...aber glaubt ihr wirklich man kann sich einfache Wörter, die so einen Grundsatz bilden, komplett so verinnerlichen, dass man bei jedem Zusammentreffen mit einem oder mehreren Menschen, diese immer anwendet? Man kann doch nicht, bevor man einen Satz spricht sich überlegen ob dieser Satz nun alle 5 Axiome (Grundsätze) erfüllt? Ich glaube es gibt keinen Menschen, der die perfekte Kommunikation beherrscht, nicht einmal Paul Watzlawick selbst. Außerdem wäre Kommunikation ganz ohne Reibungen auch irgendwo langweilig!
MahsheedHallöchen, Pyretta ...

Was du da ansprichst, finde ich wirklich interessant.

Nur ...

Könntest du noch mal kurz darstellen,
was denn die Grundgedanken von Watzlawick
bezüglich Kommunikation ausmachen?
YoMegoHi,
ich glaube, ich würde jetzt jede von Watzlawicks Theorien mit denen von Schulz von Thun durcheinanderwürfeln :)
Bräuchte also auch noch einmal eine kurze Aufführung von den Grundsätzen :)

Ich habe mich aber schon öfters mit deren Kommunikationstheorien auseinandergesetzt und hatte immer dabei das Gefühl, dass es sich wirklich ´nur`um Theorien handelt, die theoretisch sich vielleicht gut anhören, aber praktisch nicht durchzuführen seien.

Wäre es aber überhaupt noch Kommunikation, wenn man hierbei immer im Hinterkopf haben würde, dass man auch alles "richtig" macht ???
Ich denke eher nicht !

Dunkle Grüße
YoMego
PyrettaAlso ich versuch jetzt mal die Theorie kurz und bündig zusammen zu fassen: Watzlawick geht von den 5 Axiomen aus, wobei ein Axiom ein Grundsatz ist, der keines Beweises bedarf:
Das 1.Axiom besagt, dass man in einer sozialen Situation nicht nicht kommunizieren kann, d. h. jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter. Ob man sich nun anschweigt, die Arme verschränkt, lacht usw. dies alles ist Kommunikation.
2.Axiom:Menschl. Kom. verläuft auf einer Inhalts- u. einer Beziehungsebene. Jnhaltsebene=der Ihnhalt, das Was einer Information. Beziehungsebene=sagt etwas darüber aus wie ein K`partner seine Information verstanden haben möchte und gibt an welche emotionale Beziehung (pos./neg.) zwischen den K`partnern herrscht. 3.Axiom: Kom. als Regelkreis: das bedeutet, dass das Verhalten des einzelnen K`teilnehmers sowohl Reaktion auf das Verhalten des anderen alsauch Reiz und Verstärkung für das Verhalten des anderen ist, also wenn ich z. B. sag, ich bin ja nur sauer weil du vorher so launisch warst...kennt man ja oder???? 4.Axiom: Menschl. Kom. bedient sich analoger und digitaler Modalitäten. analog=nonverbal, Mimik, Gestik, Tonfall....digital=verbal 5.Axiom: Es gibt 2 Beziehungsformen,die jeweils unterschiedlich ausgeprägt sind: symmetrische Bez.:K'partner sind spiegelbildlich, ähnlich(gleige Hobbies, gleiche Meinung, Einstellung...) komlementäre Bez.: auf Ergänzung hin ausgerichtet, unterschiedich
Und wenn man alle diese Axiome immer bereit hat, sie anwenden kann und die Konsequenzen, die sich aus ihnen ergeben weiß, dann kann man perfekt kommunizieren!
Ich hoffe ich hab euch jetzt mit dem ganzen Theoriekram nicht all zu stark gelangweilt!
Schulz von Thun würd mich auch mal interessieren...sind sich die Theorien von Watz. und Thun recht ähnlich?
fluchtraumIch habe mich auch mit Watzlawicks Arbeiten beschäftigt und denke, hier liegt in erster Linie ein Missverständniss über den [i]Zweck[/i] seiner Theorien vor.
Watzlawicks Kommunikationsmodelle sind keine Gebrauchsanweisung nach dem Schema "In nur 10 Tagen zum perfekten Kommunikator". Sie sind Grundlagenforschung, die weite Bereiche der Kommunikationspsychologie erst ermöglicht haben. Watzlawick hat als erster die Theorie entwickelt, viele sogenannter psychischer Krankheiten entständen durch fehlerhafte Kommunikation oder seinen nur ein Symptome derselben, und das war eine ziemlich wichtige Beobachtung.
Aber auch, wenn man sich nicht irgendwie professionell psychologisch damit beschäftigt (mache ich ja auch nicht ;)), kann man aus Watzlawicks Texten einiges interessantes lernen.
Es geht doch nicht darum, eine 'perfekte' Kommunikationsmethode zu entwickeln - das ist, denke ich, auch gar nicht möglich - sondern eher darum, daß man ein Gespür bekommt für gewisse 'Fallen' in der Kommunikation...
Um mal einen Vergleich zu bringen: Die Fahrschule macht niemanden zu einem perfekten Fahrer, aber zeigt einem gewisse Gefahrensituationen im Verkehr und wie man darauf reagieren kann. Unfälle und Fehler sind trotzdem möglich und auch nicht völlig vermeidbar.
Watzlawicks Analysen stellen, um mal bei diesem Bild zu bleiben, die Frage: 'Was sind denn so die häufigsten Unfallursachen?'
Das ist, meiner Meinung nach, eine hoch interessante Untersuchung - auch einfach nur als Gedankenspiel ohne direkten praktischen Nutzen.
Es scheint allerdings ein Symptom unserer Zeit zu sein, daß jede Überlegung, Analyse und Philosophier immer unmittelbar auf ihren 'Nutzwert' reduziert wird... (<-- nicht als Vorwurf oder Angriff gegen irgendjemand persönlich gemeint
, ist 'ne allgemeine Feststellung.)

Gruß, der fluchtraum
SIG- TIUvon Thun war der erklärte Kommunikationspapst meines Dozenten. Leider habe ich keine Unterlagen mehr griffbereit, um vergleichen zu können.
Die Kommunikationsmodelle waren Bestandteil des Nebenfaches Psychologie, Wahrnehmung im Speziellen, der viel interessantere soziologische Aspekt spielte eher eine untergeordnete Rolle.

Die Aufteilung in Axiome ist mir neu, deren Inhalte aber nicht. Inhalts- und Beziehungsebene, die vier Seiten einer Nachricht, Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren, alles schon mal gehört.

Die Nachrichten anderer richtig zu empfangen und zu decodieren, umgedreht perfekt zu verschlüsseln und zu versenden nur, wenn man um die Axiome weiß, ich kann mir das nicht vorstellen. Falls doch: Unbedingt als Pflichtfach in der Schule einführen!! Wir kämen der heilen Welt erstaunlich nahe...
White_FangDas fünfte Axiom stimmt so nicht ganz. Eine symmetrische Beziehung bedeutet, in der Terminologie von Watzelwick, das zwei gleichwertige Gesprächpartner keine Superior und Inferior Beziehung zueinander eingehen. Beide versuchen, das Gespräch in gleicher Weiße zu dominieren. In einer Komplementären Beziehung, akzeptier der eine die Überlegenheit, des anderen, in dem Gespräch.

Eine perfekte Kommunikation, ist kommunikationstheoretische kein Problem. Allerdings eine Utopie in der Realität. Es ist das Prinzip der Sprache an sich, das ein absolutes Verständnis zwischen verschiedenen Menschen unmöglich macht. Die Sprache ist ein Werkzeug, mit dem Zweck, auf der Maxime einer allgemeingültigen Semantik, den Austausch auch abstraktester Informationen zwischen Individuen zu ermöglichen. Bei Watzelwick, fehlt, meiner Ansicht nach, die Einbindung des subjektiven „Es“. Denn der Inhaltliche Aspekt, wird nicht nur über die soziale Komponente entfremdet, sondern auch durch das subjektive Verständnis. Die Semantik eines Wortes, oder auch Satzes, wird durch diese eigene, sukzessive Entwicklung zu einer Art – sit venio verbo – subjektiven Korrelat, welches auf die jeweilige Terminologe des Individuums determiniert ist.

Nietzsche hat dazu auch, sehr schönes gesagt, ich glaube es hieß „Über die Wahrheit“.
PyrettaDoch das 5. is schon richtig, was du meinst sind die aus dem 5.Axom resultierenden K`störungen: symmetrische Eskalation und starre Komplemetarität

Dass Watzlawick die Ursachen für viele psychische Störungen erkannt hat weiß ich durchaus, ich will auch Watzlawick nicht als 0815-durch-perfekte-Kommunikation-Weltverbesserer hinstellen, ich bewundere seine Theorie. Ich wollt einfach nur darstellen, dass, selbst wenn man 1000 Kommunikationstheorien im Kopf hat, perfekte Kommunikation einfach nicht möglich ist...Missverständnis - so schnell kanns gehn...;)
fluchtraumOkay, da stimme ich dir zu, Pyretta.

Und da haben wir auch schon den Beweis: Obwohl wir beide den Watzlawick gelesen haben, hatte ich dich mißverstanden. ;)

Gruß, der fluchtraum

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