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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Zufriedenheit
ClytieHallo - insbesondere an die unter euch, die auch so um die Dreißig sind:

Seit einiger Zeit beobachte ich bei mir und in meinem Freundeskreis eine zunehmende Unzufriedenheit - egal, in welcher Lebenssituation sich die Betreffenden befinden, ob sie verheiratet bzw. sonstwie liiert oder Single sind, mit oder ohne Kind, mit oder ohne Job, in der Stadt oder auf dem Land wohnend... Alle beklagen sich irgendwie über das gleiche bzw beschäftigen sich mit den gleichen Fragen: Will ich eigentlich so leben wie gerade jetzt? Das und das passt mir nicht und ich kann´s nicht ändern - heißt das, dass das immer so weitergeht? Und wenn ja, was mach ich dann? Wie geh ich mit sowas um? Will ich so leben, wie die anderen es von mir erwarten oder kann ich meine eigenen Vorstellungen realisieren? Werde ich das an Vorstellungen und Ideen, die ich innerhalb der letzten zehn Jahre nicht geschafft habe zu realisieren, jemals umsetzen können?

Das scheint diese O-Gott-ich-werde-Dreißig-Torschlusspanik zu sein - gibt´s hier jemanden, der weiß, wie man das abstellt? Das Problem erledigt sich wahrscheinlich irgendwann - genauso wie die Pubertät auch - irgendwann von selbst, aber das dauert ganz schön lange... *seufz*

Daher meine Frage: Was ist Zufriedenheit überhaupt? Und wie erlangt man sie? Gibt es Faktoren, die Zufriedenheit begünstigen und trotzdem nicht von den jeweiligen Lebensumständen abhängig sind?

Wär schön, wenn sich dazu jemand meldet - würde eine Menge Quengelei und Genervtsein mehrerer Leute abstellen...;)

Clytie.
SenecaIch verspüre es auch schon, obwohl ich doch "noch" über ein halbes Jahr bis zum Dreißigsten habe...
Ich habe mal gelesen das es dafür schon einen Namen gibt, die quarter-life-crisis, weil diese Phänomen in den USA meist schon Leute um die 25 trifft...
Es ist im Prinzip nur die vorgezogene Half-life-crisis, die unsere Generation schon früher trifft, weil wir uns meist nicht die Auszeit zur Selbstfindung (herumgameln) der 68. Generation geleistet haben.
Und vielleicht auch die Frustration, das eigene Leben nun doch nicht in der Hand zu haben, wie uns ja durch die Wirtschaftslage gerade hinreichen bewiesen wird... Stichwort: ...Jung, top ausgebildet, und arbeitslos, oder untermotiviert ohne Aufstiegschancen, weil da schon die 40er sitzen, und nicht wegwollen...!

Dazu kommt vielleicht noch der Druck, den der Erfolg einiger anderer ausübt...einige meiner Mitabiturienten sind jetzt Rechtsanwälte, Ärzte oder Manager... verheiratet und auch nicht glücklicher als ich, aber eben situiert...

Und dann sollte ein Faktor nicht vergessen werden, wie sind eine der neuen Zielgruppen einer Industrie, die davon lebt, ihre Zielgruppen unzufrieden zu machen... der Werbebranche...

Merke: "Ein mit sich zufriedener Mensch ist ein schlechter Konsument"
ClytieHm, damit hast du sicher recht... Es ist wohl tatsächlich so etwas wie eine Neuorientierungsphase. Es ist nur so ein komisches Gefühl - als wäre man zum zweiten Mal in die Pubertät gekommen;man reibt sich an sehr ähnlichen Dingen, gegen die man schon vor mehr als zehn Jahren was hatte. Dazu eine große Unsicherheit: Wer bin ich eigentlich? Kann ich das, was ich meine verpasst zu haben, jemals aufholen? Man kommt plötzlich auf die Gedanken, alte Achtzigerjahrefotos rauszuholen und sich darauf anzugucken: Bin das ich? Immer noch? (Obwohl: frisurentechnisch wenigstens nicht mehr *schüttel*:D) Oder man spielt mit dem Gedanken, sich die Haare mal so richtig dunkel zu färben, obwohl man hellblond ist. Oder sich eine geschnürte Lederhose zu kaufen, so wie sie früher immer die Leute getragen haben, die man cool fand (was natürlich nicht bedeutet, dass man selber damit cool aussieht - deshalb lässt man solche Sachen dann doch lieber bleiben ;))...

Letztens las ich auf dem Deckblatt irgendeiner Frauenzeitschrift "Glücklichsein in jeder Lebenslage"; es wurde auf einen Titel hingewiesen, der zum Inhalt hatte, dass es nicht von den jeweiligen Lebensumständen (Arbeitsplatz, Partner oder nicht etc.) abhängig sein soll, ob man mit seinem Leben zufrieden ist. Ich frag mich: Wovon dann? *grübel*

Clytie.
Sigglo@Clytie:

(ja, ich schon wieder...)

...bei mir schleicht sich allmählich auch ein immer stärker werdendes gefühl des "nichtwissenwohin" ein - ich stelle meine lebenssituation in frage und verkrieche mich immer mehr in mein schneckenhaus - grübel, grübel...

ich habe mich in der letzten zeit nach und nach von vielen meiner alten freundschaften gelöst weil mir diese, wie ich nach reiflichen überlegungen leider feststellen mußte, nichts mehr geben konnten - mit den einen konnte ich nur noch über erlebte "alte zeiten" sprechen (als wenn es keine zukunft mehr geben würde!) - und mir auf ewig die alten geschichten wieder und wieder anzuhören - nein, ohne mich! die anderen leben nur noch für ihren job oder/und ihre familie und auch diese gespräche langweilen mich allmählich - und dann gibt es noch jene, die mir mit ihrer gespielten coolness und ihrer oberflächlichkeit nur noch auf die nerven gehen... und solche, die nur noch dem drogenkonsum frönen und einem ihren letzten wochenendflash als was superinteressantes verkaufen wollen...maria hilf!

tja, und irgendwie scheint mir als wenn jeder auf seine weise irgendwie seinen weg gefunden hat - und auch nichts mehr spektakuläres von seinem leben erwartet - so ganz nüchtern eben...und ich?

ich möchte weder zu den einen noch den anderen gehören, bei mir stellt sich immer mehr die frage "wohin jetzt?"
und wo sind die gespräche, die sich nicht in der oberflächlichkeit verlieren und keine angst davor haben zu zweifeln?

ich denke darüber nach wieder ganz von vorne anzufangen - und etwas zu wagen, was schon seit jahren in mir schlummert... und dann stellt sich wieder die frage, ob ich denn dafür schon zu alt bin - schrecklich! aber ich denke man sollte einfach mehr riskieren in seinem leben...

und sich äusserlich so extrem zu geben, dafür fühle ich mich auch schon irgendwie zu alt manchmal - auf der anderen seite fühlt man sich dann wieder zu massenkonform wenn man sich unauffälliger gibt - echt doof irgendwie...

"ich bin zu wild um brav zu sein
und zu brav um wild zu sein"

- das einzige was mir momentan hilft, ist das in meiner vergangenheit erlebte niederzuschreiben (80 seiten sind es schon geworden...). um dann, nach dessen beendigung, was nicht mehr sehr lange dauern wird, einen neuanfang wagen zu können... ich muß mein leben einfach neu ordnen - das scheint das einzig wahre zu sein in meiner situation - mir klar darüber werden zu können wer ich bin und wohin mich mein weg vielleicht führen könnte - und um dieses "hinundhergerissensein" endlich zu beenden...

oh entschuldige, ich glaube ich habe jetzt auch eine ganze menge gequengelt...

entweder man ist unzufrieden und ändert daraufhin etwas grundlegend in seinem leben oder man findet sich mit seiner situation irgendwie ab und hört damit auf anderen das ohr blutig zu jammern... - es gibt nur diese zwei möglichkeiten - klingt zwar hart, aber ich denke es ist so...

gruß.
ClytieHallo Sigglo,

DU schon wieder? O nein!;) ;)

Ja, ich fürchte, mir geht´s wie dir gerade - das mit den Freundschaften ist ähnlich. Sie ganz aufgeben mag ich nicht, was aber auch nicht schlimm ist, denn ich nehme an, sie werden irgendwann von selbst einschlafen. Drogenfreunde habe ich schon vor einigen Jahren als erste und auch ganz bewusst rausgekickt - waren sehr ungesunde Verhältnisse. Dafür kommen seit ein paar Wochen glücklicherweise ein paar neue dazu, die zu einem anderen "Typ" gehören - wohl ein Zeichen, dass man sich verändert hat.

"Wohin jetzt?" - das frag ich mich ebenfalls. Ich merke, dass in mir irgendwas passiert, dass sich etwas verändert, aber ich weiß noch nicht, was. Leider habe ich auch wenig Gelegenheit, mal in mich hineinzuhorchen und es herauszufinden, weil ich viel arbeite und kaum Freizeit bzw. die Ruhe habe, das zu tun (obwohl ich das sehr vermisse) - glücklicherweise ist das zeitlich begrenzt, es wird nur noch ein Jahr so gehen.
Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass dieses Hin- und Hergerissensein wohl ein Zeichen dafür ist, dass sich gerade etwas entwickelt - und dann eines Tages mehr oder weniger plötzlich zutage tritt, wie bei einer Blumenknospe, die sich öffnet. Das Entfaltetsein ist schön, aber davor muss sich erst mal ein gewisser Druck aufbauen - alles wird einem zu eng, und man reibt sich an vielem (auf).

Find ich gut, dass du versuchst, etwas zu verwirklichen, was du schon lange vorhast - egal, ob sich nachher rausstellt, dass man dafür zu alt ist oder nicht: Man kann´s erst rausfinden, wenn man´s ausprobiert. Ich finde übrigens nicht, dass du gequengelt hast - ist ja eher eine Darstellung der Verhältnisse, und Quengeleien sind nur Klagen über diejenigen Langzeitprobleme, an denen man entweder nichts ändern kann oder nichts ändern will. Insbesondere im letzteren Fall find ich das besonders nervig, aber du tust ja bereits was... Ich muss zusätzlich auch zugeben, dass ich selber sehr gut quengeln kann. Es gibt seit Jahren ein paar wenige Kapitalprobleme in meinem Leben, deren Ursachen ich kenne, an denen ich im Moment jedoch nix ändern kann - da kann ich mir das Jammern auch nicht verkneifen.
Ich fand´s halt so auffällig, dass ich nicht mehr die einzige bin, die sich solche Gedanken bin, sondern zur selben Zeit ein Haufen anderer Leute, die ungefähr genauso alt sind wie ich...

Clytie.
Any BodyZufriedenheit - ich denke nicht, dass man jemals mit dem zufrieden ist, was man erreicht hat, weil einem die Ziele nicht immer vor Augen sind, oder einem klar sind, was man überhaupt erreichen will.

Viele Dinge werden einem in frühen Jahren auferlegt durch die Erziehung, ohne dass man sie je machen wollte,es sei denn man hat damals bereits rebelliert und seinen eigenen Kopf durchgesetzt - wer von uns hier auf Nachtwelten hat das schon?

Bilder entstehen einem im Kopf, Mensch Kind, warum hast Du noch keinen Mann, oder der sehnlichste Wunsch Urgrossvater zu werden schwebt unausgesprochen im Raum - naja, vielleicht auch nicht -

Zufrieden kann man m.E. nur sein,wenn man ausgeglichen ist, sich alles die Waage hält und man sich mit dem abgefunden hat, was ist. Wenn man immer in Bewegung ist, um den Ausgleich zu suchen, dann kann einem diese Zufriedenheit nicht erreichen und hat man sie für kurze Zeit erwischt, wird es immer einen unbedachten Einfluss geben und sie ist dahin.

Es an Freunden oder Lebenspartnern festzumachen halte ich wenig für sinnvoll, die Frage betrifft einen doch eher selbst. Wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist, wie können es denn andere sein? Andere sind nicht schuld,niemals - an dem was mit einem selbst ist, zumindest ist das meine Erfahrung, sie können einen nur helfen, das Leben angenehmer zu Leben in dem man sich zur Zeit gerade befindet.

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