| TrashStar | Ich bin sehr nachdenklich im Moment. Mein Leben ist eigentlich wunderschön, ich habe einen Mann, den ich nie wieder an meiner Seiten vermissen möchte, er ist der Seelenverwandte, den ich stets suchte. Ich habe eine Familie, die mir alles gibt, was mir eine Familie geben kann. Ich studiere Fächer, die mich einfach glücklich machen weil sie so interessant sind. Ich habe Tiere, die mir mein Leben liebevoller gestalten. Und obwohl ich all das habe, und es mir so gut geht, schimpfe ich stundenlang wie ein Rohrspatz über die beschissenen Bahnverbindungen und mein Handy, was nicht mehr richtig funktioniert, nehme mir einfach heraus, den ganzen Abend lang schlechte Laune zu haben und mich schlecht zu fühlen. Und dann der Anruf- jemand den ich mein Leben lang kenne, weil er neben mir wohnt, ist gestorben. 20 Jahre jung, mit mir zusammen aufgewachsen, war sie auf einmal ihrer chronischen Krankheit nicht mehr gewachsen und ist auf einmal tot. Neben der leisen Trauer, die sich einschleicht, obwohl man schon solange nichts mehr miteinander zu tun hat, kommt der große Schock. Warum gehe ich so achtlos mit meinem Leben um und weiß es so wenig zu schätzen? Und wann passiert in meinem Leben so etwas schlimmes? Muss das zwangsläufig geschehen? Um mich herum ist auf einmal soviel Leid... jemand stirbt, ein anderer erkrankt an Leukämie, jemandes Mutter stirbt, ... mir geht es doch so gut. Und so langsam kriecht die quälende Angst in mir hoch, dass ich bald die nächste bin, die so etwas schlimmes erleiden muss... ich würde am liebsten in ohnmächtiger Angst meinem Mann die Motorradschlüssel wegnehmen, alle jede Woche zum Arzt schicken und dann in mein Haus einsperren... Ich sehe gleichzeitig, wie sehr ich mein schönes Leben doch genießen müßte, und spüre dennoch, wie mir vor Angst um meine Lieben fast die Luft wegbleibt... |
| Silent Scream | Hey Miriam, was glaubst Du? Ich denke, dass wir in unserem Leben unsere Ziele uns selbst setzten, will sagen, dass Du Dir Deine Ziele erschlossen hast: - Du hast einen Dich liebenden Mann, mit dem Du harmonierst. - Deine Familie macht Dich glücklich - Bist offensichtlich vom emotionalen Aspekt was Stabilität angeht mit Dir im Reinem, wenn ich das so sagen darf... Und, die Ziele sind erreicht, man beginnt den Trivialitäten des Alltags zu fröhnen, sich darüber aufzuregen, die utopische Perfektion anzustreben. Aber was ist, wenn einschneidende Erlebnisse, auch Schicksale und Leid von anderen präsent wird, man es plötzlich beginnt wahrzunehmen? Geschockt? Machst Du Dir hin und wieder bewusst, dass es Dir und Deiner Familie recht gut geht? Was ist, wenn Du eines Tages auf dem Sterbebett liegst und Dein Leben betrachtest? Glaubst Du, Du wärest zufrieden? Jemand hat mir mal gesagt ich solle nach diesem Prinzip leben, vor allem aber auch für das Leid anderer offen sein.... Lebe, geniesse, aber vergiss die um Dich herum nicht....... |
| TheTurningPoint | "... das Leben ist nicht fair ..." Hallo Miriam, das ist wirklich traurig, was du da berichtest. Mir ging es vor kurzem ähnlich. Meine ehemalige Klassenkameradin wohnte mit ihrer Familie im Nachbarort. Ihr Mann war oft die ganze Woche über auswärts auf Montage. Für den Freitag nach dem 3.Oktober hatte er Urlaub genommen, um ein paar Tage mit seiner Familie zu verbringen. Meine Klassenkameradin hat sich auch sehr darauf gefreut, ein paar Tage mit ihm zusammen verbringen zu können. Am Mittwoch noch ein paar schöne Sachen zum Essen eingekauft, die Wohnung sauber gemacht, die Fenster geputzt ... ... und beim Fensterputzen fällt sie einfach um und ist tot. Ihr Mann kommt nach Hause und findet sie ... Zum letzten Abschied erklang das Lied "Der Weg" von Herbert Grönemeyer - und mir kommen jedesmal die Tränen, wenn ich das Lied im Radio höre ... "Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet ... Das Leben ist nicht fair ..." Ich glaube, das Einzige was wir tun können ist, unser Leben zu leben und jede Minute zu genießen, uns nicht immer gleich über jede Kleinigkeit aufzuregen und auch unseren Mitmenschen das Leben nicht so schwer zu machen. |
| Silent Scream | TP, das ist eine äußerst traurige Geschichte.... Du hast recht, in der Tat....... |
| decay73 | Nehme Dein Leben so, wie es ist und geniesse die schönen Stunden! Es muss nicht zwangsläufig etwas schreckliches passieren, aber es kann jeder Zeit. Ich habe mich auch lange Zeit gefragt, warum um mich herum so viele Dinge passieren, die nicht passieren sollten. Und getroffen hat es immer die, die es niemals verdient hätten. Auch ich habe mich gefragt, warum immer die anderen und nicht ich. Bis dann eines Tages ein Arzt zu mir sagte: "Lieber Herr ******, sie sind krank. Chronisch krank. Eine Chance auf Heilung besteht zur Zeit nicht, aber in der Regel führt es auch nicht mehr zum Tode." *PENG!* War es das jetzt? Was steht mir bevor? Keiner kann es mir sagen. Noch gibt es keine grösseren Probleme, aber wer weiss wie lange? Aber es hatte auch was Gutes! Ich sehe das Leben jetzt anders. Es ist schöner und erfüllter als je zuvor!! Verspätete Bahnen haben keine Bedeutung mehr. Das, was im allgemeinen "Alltagsstress" genannt wird, ist irrelevant. Und das ist, was ich Dir jetzt mitgeben will: Mach Dir nicht zu viele Gedanken darum, was passieren könnte! Nichts muss passieren. Geniesse das Leben, das Zusammensein mit Deinem Mann und Deiner Familie. Geniesse es ehrlich und ganz bewusst. Jede Minute. Nimm Dir immer mal wieder die Zeit dir bewusst zu werden, was das Leben dir bietet, und nimm Dir auch die Zeit zum nachdenken und zum "melancholisch sein". Ich denke, dass das Leben dann erfüllter ist, und die Angst vor dem, was passieren [I]könnte[/I] nicht mehr so gross ist. Ansonsten ist dem, was TheTurningPoint sagt, nichts mehr hinzuzufügen: [QUOTE]das Einzige was wir tun können ist, unser Leben zu leben und jede Minute zu genießen, uns nicht immer gleich über jede Kleinigkeit aufzuregen und auch unseren Mitmenschen das Leben nicht so schwer zu machen.[/QUOTE] ~decay~ |
| BO 41 | Ich kann mich in vielen Punkten meinen Vorgaengern nur anschliessen, moechte aber auch ein, zwei Sachen aeussern: Du hast, was viele begehren, Dein Leben ist lebenswert, da fragt man sich natuerlich "Wie lange haelt das dann noch an?". Aber was waere ein Leben, das geniessenswert ist, wenn man die ganze Zeit in Angst darueber lebt, dass es kaputtgehen koennte .... ? Ein kaputtes Leben ... Natuerlich soll man andere Menschen nicht vergessen, das macht ja gerade auch unsere Menschlichkeit aus, oder doch zumindest einen wichtigen Teil ... aber man kanns auch uebertreiben. Ich kuemmer mich auch um andere Menschen ... aber meine Beduerfnisse haben trotzdem meistens Vorrang (kommt drauf an, um wen ich mich grad kuemmer). Soviel von mir, hoffe, ich konnte dir helfen. Mata ne BO 41 *vanishesintothedark* |
| ServantOfEquity | Das hört sich sicher hart und unglaublich bösartig an aber... Sowas passiert einfach. Das ist leben... |
| anima nata lacrimans | Hallo! Zum Glück ist mir soetwas noch nie passiert... Aber ich kann den gedankengang gut nachvollziehen, dass man sich über solche Kleinigkeiten aufregt, wo es doch so viel wichtigeres gibt... Manchmal wird einem dies schlagartig bewusst, auch wenn man nicht unbedingt, wie Du, selbst betroffen ist von solche einem Ereignis... Aber ich glaube, dass man in solchen Momenten bewusster lebt, sich erinnert, wie gut es einem doch geht...dann sind die bahn und das handy ganz unwichtig... Trotzdem ist es doch okay, wenn man sich sonst darüber richtig heftig aufregt...was wäre denn, wenn man jeden moment nur daran denkt, was alles schlimmes passieren könnte oder wieviel Schreckliches gerade in diesem moment passiert? - Man würde doch verrückt werden, nicht auszuhalten wäre das! Natürlich sollte man nicht gleichgültig sein...aber ein gewisser "Abstand" muss doch da sein, damit man überhaupt noch zufrieden werden kann, oder? |
| White_Fang | Wirklich helfen kann ich ihnen auch nicht TrashStar, da ich ehrlich gesagt vom Leben noch so gut wie keine Erfahrungen habe. Höchstens mit theoretisches Wissen, kann ich dienen. Mein Philosophielehrer sagte immer:“ Es gibt kein gut oder böse. Nur der Standpunkt ist ein andere“. Recht hat er. Wenn ein Nachbar, Bekannter etc, stirbt tangiert das einen, und man projiziert sein Leiden auf das eigene Leben. Andererseits, habe ich irgendwo einmal gelesen, das in jeder Sekunde fünf Menschen weltweit sterben. Das heißt grob geschätzt, kommen fünf Tote auf jedes Wort das ich hier schreibe. Oder auch viermillionendreihundertzwanzigtausend pro Tag. Darunter fünftausend Kinder die jeden Tag verhungern. Ist es da nicht etwas Zynisch vom EINEM Toten mehr, ins Grübeln gebracht zu werden, wo zig Millionen andere einen kein Stück interessieren? Es ist nicht zynisch sondern einfach nur menschlich. Der Mensch kann auf Dauer keine großen Gefühle, egal ob Glück oder Leid, ertragen. Bildlich gesprochen, hat der menschliche Geist, nur einen Begrenzten Vorrat an Gefühlen, und die hebt er sich eher für wichtige und seltene Situationen auf, als für den Alltag. Ob KZ-Häftling oder Lottomillionär, nach ein paar Wochen blickt man gleichgültig auf den Alltag. Lange Rede kurze Sinn: Deine Grübelei und Angst wird sich schon bald in Luft auflösen.Paff! |
| BO 41 | WhiteFang, Du hast da einen interessanten Punkt angesprochen, aber ich kann Dir nicht voll und ganz zustimmen. Natürlich spart sich der Mensch seine Emotionen für wichtige Dinge auf, aber es bleibt trotzdem immer genug Zeit, auch mal über dsa leben und was darin immo eigentlich gut/schlecht läuft. Das hat automatisch mit Leid zu tun, und auch mit dem Leid anderer (schliesslich ist der Mensch ein Gesellschaftstier .... oder so ähnlich ;) ). Die Sorgen und Gedanken werden demnach nicht einfach verpuffen, sondern sich nur in der Intensität ändern. Auch ein KZ-Häftling denkt über dsa Leben nach, und die Sorgen die es ihm bringt. Und der Lottomillionär kennt das Leben auch anders, und um seine alten Freunde macht er sich auch Sorgen, er will sie nämlich nicht verlieren ... Soviel von mir ... Mata ne BO 41 *vanishesintothedark* |
| anima nata lacrimans | Alsos, ich würde de auch soweit zustimmen, bis auf den Punkt, dass es kein gut und Böse gibt und es nur auf den Standpunkt ankommt...ich denke nämlich schon, dass man da unterscheiden kann... |
| Larmedesuicide | Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch ein Recht auf Liebe, Hass, Wut, Glück und sämtliche andere Emotionen hat. Sollst du dich freuen wenn die Bahn zu spät kommt? Sicher bist du wütend, das ist dein gutes Recht. Klar ist der Tod einer Person etwas viel schlimmeres....aber deine Wut immer von einem schlechten Gewissen begleiten zu lassen, weil es anderen Menschen schlechter geht....so solls doch auch nicht sein oder? Nicht jeder kann immer glücklich durch die Welt springen, im Bewusstsein dass es anderen Menschen ja schlechter geht als uns. |
| BO 41 | Hmmm, so kann man's auch ausdrücken ... Ist sogar ganz gut zusammengefasst, wenn ich so überlege .... Mata ne BO 41 *vanishesforbreakfast* |
| FallenSisko | @trashstar Erstmal mein Beileid. .... Kann es sein das das Schwarzsein dich wieder einholt? Vielleicht kannst du es garnicht schaffen dich vor der dunklen seite des Lebens zu verschließen. Tod, Trauer und Schmerz holen jeden ein. :( Auch irgendwann wird es mich oder mein Umfeld treffen. Obwohl ich jahrelang verschont wurde, fühle ich jeden Tag dieses Gefühl der Sterblichkeit. Ich weiß das ich mich vor diesem Gefühl oder aber auch vor den dunklen Seiten des Lebens nicht verstecken kann. Du kannst es auch nicht. Obwohl ich es dir wünschen würde. |
| TrashStar | Vielen Dank für eure lieben Antworten. Es hat mir ein bißchen Hoffnung gemacht, und der Schock in mir hat sich ein wenig gelegt. Schließlich sollte es auch mir nicht neu sein, das jeden Tag Menschen sterben, und auch dass meine behütete Welt irgendwann davon betroffen sein wird... aber es ist so massiv, soviel auf einmal. Dienstag wird noch einmal der schlimmste Tag, die Beerdigung. Soviele Menschen um mich herum die ich schon mein ganzes Leben lang kenne, und alle trauern... und dazu sie, die auf einmal nicht mehr neben an wohnt. Aber ist das die schwarze Seite, die mich einholt, Sisko? Ich weiß nicht... ich habe ja nicht mit ablegen des Titels "Gothic" nur noch rosa Farben gesehen. Oder vielleicht doch? Ich bin mir momentan nichts mehr sicher, ich sehe nur eines- die schwarze Kleidung, die ich im Moment trage, die hat mit Gothic nichts zu tun... Und doch, irgendwo spüre ich unter der Angst ein Gefühl der Dankbarkeit, mein Leben zu haben... und die Traurigkeit um die einstige Gefährten stellt sich langsam in der Ehrlichkeit ein, in der sie es verdient hat. Die Trauer um meine zerstörten Illusionen läßt langsam nach, und vielleicht, irgendwo... ist doch auch ein Sinn dahinter? Ich wünsche es, ich glaub es kaum... |