| Nachtelbin | In unserer Schule steht momentan, wie es vermutlich in fast jeder Schule einmal der Fall ist, die Möglichkeit vor der Tür, das ehemalige KZ in Bergen-Belsen zu besichtigen. Wie gesagt, die Möglichkeit, d.h., man muss nicht mitfahren, wenn man nicht will. Und genau vor dieser Problematik stehe auch ich: Fahren oder nicht? Ich habe nicht vor, hier die Lösung meines Problems zu erreichen, mich würden allerdings eure Meinungen zu diesen KZ-Führungen interessieren. Ist die Öffnung dieser Stätten Vertretbar? Geht dadurch nicht der Respekt dem ganzen Leid gegenüber verloren? Ist es nicht irgendwie makaber, eine Stätte zu [I]besichtigen[/I] an der so verdammt viele Menschen gestorben sind, darunter vielleicht sogar Verwandte? Mit dicken Reisebussen anzurollen, in Schulklassen über das Gelände zu wandern und "Geschichte live" zu erleben? Im KZ gedrehte Filme über die Behandlung von Juden zu sehen (also keine Nachgestellten), über die Bahnschienen der damaligen Transportzüge zu laufen und, inklusive Führung, die Stationen der Juden im KZ nachzugehen? Meiner Meinung nach ist es sicherlich wichtig, dass die Menschen aufgeklärt werden wie es war, gerade an solch erschreckenden Beispielen; dadurch wird quasi mit geballtem Entsetzen einmal wirklich deutlich gemacht, das es eben nicht "alles ja gar nicht so schlimm war"...die Grausamkeit, zu der Menschen fähig waren... ...aber trotzdem, ist es korrekt, eine solche Stätte des Elends zum Tourismusziel, das es ja im Endeffekt ist, zu machen? Dann auch noch für Schüler, die das ganze zum Großteil eh nicht aufnehmen werden? Oder hat das ganze möglicherweise sogar den gegenteiligen Effekt? Eine Bekannte, die schon zweimal da war, war geradezu begeistert davon, davon, "dass so schönes Wetter war, dass man sich gefühlt hat, als würde man im Park spazieren gehen." Schulklassen hätten gelärmt, Leute gelacht...erreicht das ganze dann noch seine Wirkung? Ist es nicht eher eine Verharmlosung des ganzen, eine Reduzierung auf einen Schulfreien Tag? Wenn ich mir jetzt vorstelle, dort langzulaufen, den Ort zu sehen, an dem so viele Menschen pure Verzweiflung erleiden mussten, dort zu stehen, wo Menschen angeliefert wurden wie Vieh, ausgestiegen sind mit der Gewissheit, nie wieder die Familie zu sehen... ...mir würde schlecht werden. |
| Veron | Tja, ob du es als Spaziergeng im Park annehmen möchtest, musst du wohl für dich allein entscheiden. Falls nicht, dürfte das aber eine sehr wichtige Erfahrung sein. Es ist schließlich schlimm genug all die glatzköpfigen Trottel zu sehen, die gleich hirnamputierten Drohnen Parolen brüllen, deren Hintergrund sie nicht im Ansatz verstehen. Das Schlimmste für die Opfer ist das Vergessen! Na, ich würde jedenfalls hingehen. |
| Philps | Bei mir an der Schule wird zwar nicht Bergen-Belsen "angeboten", sondern das Euthanasiezentrum Bernburg, was im Endeffekt dasselbe ist. Du schreibst etwas von Öffnung für den Tourismus. Und gleichzeitig etwas von Schulklassen. Es sind wirklich hauptsächlich schulische Einrichtungen, die diese Möglichkeit das Vergangene einmal zu "sehen", nutzen, und nicht die Touris die mit dem Fotoapparat alles festhalten um später mal zu zeigen, wenn die Sprache auf diese Zeit kommt, dass sie da waren. Es heisst ja auch nicht umsonst Gedenkstätte. Und das ist es auch für viele Menschen - neben den Schulklassen. Und deine Bekannte...ich kenne sie nicht, aber so wie du ihre Reaktion beschreibst, denke ich, dass sie rein gar nichts kapiert hat. Das Gelächter wiederum und die herumtollende Klasse kann ich mir so erklären: es ist nun mal ein schulfreier Tag über den man sich freut, das ist doch normal. Aber bedenklich wirds für mich erst, wenn diese unbeschwerte Laune die "Führung" lang anhält. Dann sind die irgendwie falsch da. Und das Lachen...tja, ich selbst versuch Sachen, die mich erschrecken oder ängstigen irgendwie die Spitze zu nehmen, in dem ich einen kleinen Spass mach o.ä., was aber nicht heisst, dass ich keinen Respekt habe. Makaber ist es also aus meiner Sicht heraus nicht, nicht so stark jedenfalls, als dass man deshalb solche Veranstaltungen schliessen lassen sollte. Es war nun mal eine schlimme Zeit, es gab viele Opfer und es gibt Menschen, die das durchgemacht haben und gefragt werden: Holocaust? Was ist das? DAS ist makaber (finde ich). Ich würde gerne fahren - wenn es wahrscheinlich auch nicht klappen wird, da politisch gesehen man ja der Meinung ist, die Zuschüsse etc. einfach wegfallen zu lassen -_-; |
| bloodymina | ich denke, es kommt darauf an, wie man mit diesem besuch umgeht. eine grundvorraussetzung, dass man teilnimmt ist, dass man sich damit auseinandersetz wieso man mitfährt, dh nicht einfach mitfährt, weil deswegen die schule ausfällt, kann mir kaum vorstellen, dass es jemand deswegen tut. ich finde diese fahrten, oder die besichtigung gut und teils auch sehr wichtig, da es eine möglichkeit ist, sich fern von trockenen geschichtsbüchern mit der vergangenheit des eigenen landes und der eigenen verwandten auseinanderzusetzen und sie nicht einfach zu verdrängen, wie es schliesslich lange der fall war, was irgendwie auch nachzuvollziehen ist, es ist immer schmerzhaft und schwierig sich mit dieser vergangenheit auseinanderzusetzen. natürlich könnte man dies auch ohne einen besuch in einem ehemaligen kz, durch lesen und diskutieren im unterricht. aber es wird einem doch immer wieder bewusst, wie selbstverständlich manchmal mit krieg und menschenverachtendem verhalten umgegangen wird, vor allem wenn man selbst noch nie davon betroffen war. im geschichtsunterricht, in den nachrichten hört man ständig davon, aber wird es einem auch wirklich bewusst, die ausmasse dessen? ich denke, es geht manchmal allzuschnell an einem vorbei. und daher finde ich diese direkte auseinandersetzung damit gut, solange man auch respektvoll damit umgeht. natürlich hat es nicht bei jedem die wirkung, die man erhofft, aber das kann auch nicht sein. ich denke nicht, dass es zu einem tourismusziel a la "ach komm lass uns noch schnell das kz anschauen, is hier ganz in der nähe" verkommt, hoffe ich zumindest. Mina |
| angel of sorrow | Ich denke, dass man erst 100% verstehen kann, was die Leute damals durchgemacht haben, wenn man das Ganze auch gesehen hat. Sicherlich sieht man es nicht so, wie es war, aber man kann sich ein besseres Bild machen, als rein von Erzählungen und Disskussionen ect. Es kommt draufan, wer mitfährt. Wenn du in deiner Klasse auch so unreife Spezialisten hast, die sich daraus einen Spaß machen, kann man der Führung gar nicht richtig folgen, sich hineinversetzen. Durch solche Leute geht dann der Respekt vor dem Leid der Juden verloren und das ist sehr schade. Ich würde mitfahren, weil es mich um eine Erfahrung reicher machen würde und sicherliech einiges an Wissen mit sich bringt. |
| Patchoulie | Ich denke, ich würde nicht fahren. Wir hatten vor einigen Wochen eine Wanderausstellung über Kz etc. in unserer Aula. An die Aula grenzen die naturwissenschaftlichen Räume, d.h. jedesmal wenn wir Chemie, Physik oder Biologie hatten, standen wir in der Aula und es ist unmöglich, all die Bilder und Texe zu übersehen, bzw. zu überlesen. Das führte dazu, dass in den ersten Wochen der Ausstellung die naturwissenschaftlichen Stunden immer mit einem mulmigen Gefühl in Bauch losgingen, denn so einfach kann man das eben gesehene nicht abstreifen. Auch erinnere ich mich noch gut an die Eröffnung der Ausstellung 2 Tage vor meinem Geburtstag. Unser Schulchor hatte das Lied von den Moorsoldaten und das Dachaulied, sowie ein instrumentales jiddisches Hochzeitslied vorbereitet, wobei die beiden ersten Lieder melancholisch und das letztere fröhlich und schwungvoll vorgetragen werden soll. Für die Leute, die mit diesen Liedern nichts anfangen können, ein paar Textzeilen: "Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit in, graben bei dem Brand der Sonne, doch zur Heimat steht der Sinn. Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut, wo wir fern von jeder Freude hinter Stacheldraht verstaut. Auf und nieder gehn die Posten, keiner keiner kann hindurch, Flucht wird nur das Leben kosten, vielfach ist umzäunt die Burg. Schlepp den Stein und zieh den Wagen, keine Last sei dir zu schwer, der du warst in fernen Tagen, bist du heut schon lang nicht mehr und im eignen Schweiße werde selber du zu Stahl und Stein." Nachdem wir diese Lieder gesungen hatten, war es niemandem aus der Band mehr möglich, das jiddische Hochzeitslied fröhlich und schwungvoll vorzutragen, die Leute haben geweint, der Chor hat geweint, das war eine schreckliche Eröffnung. Als wir in der Woche davor Theater in der Schule hatten, wurde die Ausstellung angeliefert und wir wurden spontan zum Auspacken und aufbauen eingespannt. Wir haben die Bilder und Stellwände wirklich nur hereingetragen und ausgepackt, aber in der gesamten Aula, wo die Ausstellung aufgebaut wurde., herrschte eine gedrückte Stimmung, weil jeder doch aus Neugierde ein paar Fetzen von dem gelesen hat, was da stand. Wir mussten auch mit 5 Mann zwei alte Zugtüren aufbauen, die auf einen Ständer gestellt wurden. Um die Zugtür herum wurde Stacheldraht gespannt und dazwischen wurden Gipshände gesteckt, die dann aussahen, als würden sie aus der Zugtür nach außen greifen. Ich glaube, es hieß "Bittende Hände" Auch eine Häftlingskleidung war dabei und Fotos von Leuten, die das KZ überlebt haben, aber noch die Nummer qualvoll eintätowiert bekommen hatten. Auch bei den Proben für die Lagerlieder mit dem Chor fanden es viele "unpassend" bis "geschmacklos" nach "den Moorsoldaten" das Lied "Rama-Lama-Ding-Dong" zu singen. Auch meiner Meinung nach war es einfach von der Stimmung her nicht möglich nach solchen Texten wieder Leben in den Chor zu bringen. So viel von meiner Seite, das sind die Erfahrungen, die ich mit diesem Thema hatte |
| Empress | ... und so schlimm war es nicht. Also, dass man Bergen-Belsen auch mit nem Spaziergang durch nen Park vergleichen kann, das stimmt schon irgendwie. Was einen aber von netter Stimmung abhält, sind die entwürdigenden Bilder halb aufgefressener Menschen, die auf einem Haufen Liegen und schimmeln, oder das Video in dem man sieht, wie all die Leichen wie alte, stinkende Säcke auf auf einen Wagen geschmissen werden. Das ist schon komisch mit anzusehen, aber dann kann man sich wenigstens vorstellen, was da wirklich abging!! Also wenn man nen wenig ekel vertragen kann, würd ich auf jeden Fall die Chance nutzen und mir mit eigenen Augen ein Bild von den grausamen Dingen machen, die da passiert sind. Dann weiß man wenigstens wovon man wirklich spricht, und zitiert nicht nur Texte aus dem Geschichtsbuch.. ;o) ...Empress... |
| Fee | Ich weiß zwar nicht wieso, aber in meiner Klasse wurde damals keine Besichtigung des nahegelegenen KZ Buchenwald angeboten, obwohl das eigentlich mit zum Standard-Schulausflug jeder Klasse gehörte. Nun ja, ich war ehrlich gesagt auch nicht sonderlich erpicht darauf, denn nachdem ich als 12-jährige meine Eltern bei zwei KZ-Besichtigungen begleiten mußte (KZ Sachsenhausen und Ravensbrück) hatte ich für meinen Teil genug der erdrückenden Stimmung erlebt. Ich möchte meinen, ich war für ein solches Erlebnis damals noch zu unreif - ich konnte das ges(ch)ehene nicht verarbeiten. In die grausamen Filme durfte man in dem Alter sowieso nicht rein, aber mein Vater schaute sie sich an. Ich wartete mit meiner Mutter draußen auf dem Hof, da wo die Galgen standen, an denen Gefangene zur Strafe stundenlang an den Handgelenken, die hinter dem Rücken verbunden waren, aufgehängt wurden - dabei kugelten sie sich die Arme natürlich aus. An dem Tag war auch strahlender Sonnenschein, doch dem konnte ich auf dem heißen Platz nichts positives abgewinnen. Ich sah die Gefangen vor meinem inneren Auge, wie sie bei brütender Hitze stundenlang zum Appell stehen mußten. Aber am schlimmsten war der Gang durch eine der Barracken, in denen die Ärzte ihr Unwesen trieben. Es ist weniger das, was man sieht, als das, was man sich vorstellt, was dort geschehen ist, das einen das kalte Grauen kommen läßt. Ravensbrück war nicht ganz so schlimm für mich, es war angelegt wie ein normales Gefängnis - keine Barracken usw. Sicherlich wären die Frauen, die dort damals umkamen, anderer Meinung, aber ich war nach Sachsenhausen schon abgehärtet/abgestumpft. Makaber fand ich allerdings, daß das KZ in einer wunderschönen Gegend an einem malerischen See gelegen ist. Fazit: Ich finde die Besichtigung solcher Gedenkstätten ungeheuer wichtig und richtig. Schade ist nur, daß diejenigen, die mit Ehrfurcht, Fassungslosigkeit und Trauer diese Stätten besuchen, ohnehin die damaligen Geschehnisse genau kennen und verurteilen. Jugendliche, die sich in ihrer Nazirolle gefallen, sind für diese Eindrücke unempfänglich und suchen die Gedenkstätten höchstens auf, um sie zu schänden. |
| AlienSexFiend | ...also ich finde dass es nicht schaden kann das mal gesehen zu haben...hatte den Eindruck dass es bei mir immer die Sinne noch weiter geschärft hat...war auch in Buchenwald, Dachau und was mich am meisten mitgenommen hat in Auschwitz...klar möchte ich die Schicksale in Buchenwald oder so nicht verharmlosen oder so, aber Auschwitz war für mich persönlich noch mal was ganz anderes... |
| Sensus Moriendi | bei uns in der schule war es standart, dass die 8. klassen eine geschichts-exkursion in das KZ mauthausen machten. auch ich war dabei, und ich muss sagen, dass ich es zwar furchtbar fand, aber im nachhinein denke das es sehr richtig ist, diese exkursionen zu machen. man hört im geschichtsunterricht und auch anderswo ständig so viel über diese KZs... aber kann man es sich wirklich vorstellen? als wir dann dort auf der mauthausner todestreppe standen, die gaskammern und die brennöfen, die baracken in denen die gefangen untergebracht waren und den steinbruch besichtigten, bekamen diese worte, die man im geschichtsunterricht erzählt bekommt, ein kleines bisschen mehr gestalt... natürlich wird man es nie vollkommen nachvollziehen können wie es war und vielelicht ist es auch ganz gut so... aber zu den worten gesellen sich bilder... es wird viel wirklicher, als wenn man das alles nur in den büchern liest... wir wurden aufgefordert zu versuchen einen steinblock von der größe wie die gefangenen sie damals diese furchtbar steile, ewig lange und brüchige treppe hinauftragen mussten... wir konnten ihn nicht einmal richtig anheben... das wort 'todestreppe' das in geschichte im zusammenhang mit mauthausen so oft gefallen ist, bekam erst dort eine wirkliche bedeutung... bei manchen der erzählungen der führer wurde mir regelrecht übel und ich kenne einige leute, die die führung abbrechen mussten und zum bus zurückkehrten weil sie es nicht aushielten... aber für mich selbst war es sehr wichtig dies alles zu sehen... und ich kann jeden, der diese zeit verharmlosen möchte jetzt noch weniger verstehen... ebensowenig wie die menschen, wegen denen das kz mauthausen am hitler geburtstag immer geschlossen bleiben und stark bewacht werden muss, da sie an diesem tag zu einer pilgerstätte für rechte wurden, die alle denkmale mit hakenkreuzen vollschmierten... hmmm... und wegen der 'spaziergang im park' sache.... ich muss zugeben, von der ganzen führung gibt es ein bild, dass mir am allermeisten im gedächtnis geblieben ist.... die kirschbäume die im ehemaligen steinbruch blühten und blendendweiß in der sonne strahlten... vielleicht auch gerade deshalb, weil es so friedlich und wunderschön wirkte und so schwer mit den bildern zu vereinbaren war, die wir minuten vorher gesehen hatten... Sensus Moriendi |
| mordock | nun, ich hab mir das Lager schon 3 mal ansehen müssen. Ich denke wenn man es ein mal gesehn hat und sich auch nicht mit diesem Thema auseinandersetzen will, reicht das. :) |
| Nebelstern | Wir wurden nicht gefragt, ob wir mit wollen oder nicht, da unser damaliger Geschichtslehrer der Auffassung war, dass das jeden etwas angeht, und keiner die Augen verschließen darf. Hat er einerseits recht mit, andererseits muss er sich Fragen, ob er das einer gesamten 9. Klasse zumuten kann, oder ob es für manche zu früh ist...wie auch immer, wir waren halt geschlossen als Klasse da. Am Anfang wars ok, da sind wir halt über diese Wiesen gegangen, haben die Steine mit Inschriften angeschaut und ein Führer (den ich persönlich ätzend fand) hat erklärt. Als wir uns dann den richtigen Lagerteil angeschaut haben, da wars echt heftig. Der Film war auch total heftig...ich konnte nie verstehen, wieso einige Idioten aus meiner Klasse dabei essen konnten..und so.... Ich denke schon, dass der Besuch geschichtlich sinnvoll ist, und das durch diesen Besuch erst wirklich klar wird, aber halt auch net ganz, was passiert ist damals... Und ich denke auch, dass sich jeder in gewissem Maße dafür interessieren sollte.... Aber ob man diesen "Besuch" jetzt mit der Klasse machen sollte bezweifel ich...allerdings nimmt das auch etwas von der Heftigkeit.... |
| Julya | ich würde mitfahren! ich habe mir schon viele solcher stätten angesehen, weil ich es für sehr wichtig halte, daß alle jungen leute soetwas mal gesehen haben. ich glaube, die letzte gedenkstätte war das kz theresienstadt in tschechien. ich gehe mit einer wahnsinnigen ehrfurcht in solche "lebendigen museen". ich kapsele mich immer etwas von den führungen ab, versuche immer hinterher, vielleicht nocheinmal mit dem erzähler zu sprechen... ich versuche immer, die atmosphäre zu spüren. ich berühre die alten mauern, alte gestelle von betten oder in den duschräumen ganz vorsichtig, kaum spürbar und mit großer ehrfurcht... das gefühl ist erdrückend, es schnürt mir die kehle zu, aber ich will das! ich will wissen und spüren soviel wie möglich, denn nur so kann man verhindern, daß ähnliches wieder geschieht! |
| Clytie | Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass man so etwas mal gesehen hat. Ich selberhabe mehrmals überlegt, nach Bergen-Belsen zu fahren und mir das Lager anzugucken, hab´s dann aber nicht gemacht, weil ich glaubte, das nicht ertragen zu können - dabei hab ich mich wirklich schon ziemlich ausführlich mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Dass es Leute gibt, die sowas mit einem Spaziergasng im Park vergleichen oder rumkichern, hat vielleicht auch mit ihrer Art des Umgangs mit dem bedrückenden Gefühl, das sich einstellt, zu tun. Klar ist es für einen leichter, das ganze zu ertragen, indem er es ausblendet und sich statt dessen an dem schönen Wetter freut, oder indem man sich darüber lustig macht. Dennoch glaube ich, dass auch bei solchen Leuten etwas haften bleibt - wenn auch nur in einem versteckten Winkel. Ob man eine Verpflichtung daraus machen sollte, so etwas zu besichtigen - hm, da kann man sicher drüber streiten: Zum einen ist es sicher wichtig, dass man so etwas mal gesehen hat. Man muss aber auch überlegen, ob man die Leute nicht einfach mit dem Thema "überfüttert" - ich kann mich erinnern, dass wir in meiner eigenen Schulzeit in fast jedem Fach jedes Schuljahr damit konfrontiert wurden, bis es uns zu den Ohren wieder rauskam und wir damit gar nichts mehr zu tun haben wollten - damit hat man nicht gerade eine Auseinandersetzung mit dem Thema erreicht. Dass eine Führung in einem KZ aber zu einer bloßen Touri-führung wird, halte ich für eher unwahrscheinlich; dafür sind die Geschehnisse dort zu schrecklich und noch zu präsent; ich denke auch, dass man sich von von offizieller Seite her schon überlegt, wie man das verhindern kann. Clytie. |
| Tharis | Ich denke, es ist schon sinnvoll, mitzufahren. Unsere Schule hat solche Ausflüge leider nie angeboten. Das Einzige, was jemals auf dem Programm stand, war die Besichtigung der Wevelsburg, wo allerdings nur eine halbe Stunde Zeit war und fast die gesamte Stufe 11 (!) wohlgelaunt durchs Gelände getollt ist. In Bergen-Belsen war ich mit meinen Eltern. Das Museum ist sehr interessant und wirklich gut gemacht. Damit will ich sagen: man kann versuchen, nachzufühlen, wie es gewesen sein muss, obwohl die Baracken und das Krematorium (fast) nicht mehr stehen. Buchenwald fand ich jedoch eine Ecke beeindruckender... besser vielleicht: erschreckender. In Bergen-Belsen ist in diesem Sinne nicht mehr wirklich viel zu sehen, was anscheinend immer wieder Leute dazu veranlasst, dies alles für einen (eventuell lehrreichen) Spaziergang zu halten. Einige hatten noch nicht einmal den Anstand, ihre kleinen Kinder (die es einfach noch nicht verstehen konnten) zurückzupfeifen, als diese die Denkmäler wieder "herrichten" (also die Steine runternehmen) wollten. Ich habe immer wieder das dumpfe Gefühl, dass eine Ausstellung nicht das rechte Bild zu vermitteln scheint. Vielleicht braucht man wirklich die Holzhammermethode à la "Und hier sehen sie Lampenschirme und Etuis... aus Haut. Von Menschen." In Buchenwald habe ich niemanden lachen hören. Aber ich denke, wenn sich die Chance bietet, sollte man es sich ansehen. Und ich denke, man sollte so etwas schon gesehen haben. Es ist etwas ganz anderes, es nur im Geschichtsunterricht zu hören (wenn überhaupt, meistens kaut man ja sowieso nur Verträge durch), als es wirklich zu sehen und sich bewußt zu sein, auf der Erde zu stehen, auf der Tausende von Menschen ihr Leben lassen mussten. Die Augen davor zu verschließen wäre sicherlich der falsche Weg. Ich kann Fee (Ich durfte Buchenwald mit 13 sehen, Bergen-Belsen mit 10) nur zustimmen, es war schon erschreckend, aber im Nachhinein auch wichtig. Man kann den Spruch: "Vergessen ist ansteckend" nicht nur auf AIDS, sondern auch auf Geschichte in Bezug auf politische Einstellung beziehen. Und zur eigentlichen Frage (Doch schon?): Ich denke nicht, dass hier das Leid von so vielen zur Touristenattraktion wird. Die meisten realisieren doch sehr schnell, was sich dort abgespielt hat, auch wenn sie vorher lachend und scherzend "einmarschiert" sind. Ohne die Möglichkeit, Geschichte greifbar zu machen, gerät sie zu schnell in Vergessenheit. Sicherlich bliebe es zu wünschen, dass manche Menschen mit mehr Ehrfurcht und Respekt einen Friedhof und ein KZ betreten würden, aber letztendlich sind es doch eher wenige. Und ich denke, viele dieser wenigen könnten anders gar nicht mit dem Gesehenen umgehen. Im Nachhinein zählt, wieviel sie davon mit nach Hause nehmen. Und ich hoffe, dass jeder, dem sich die Chance bietet, auch wirklich ein wenig davon in Erinnerung behält. Bitterbunte Grüße, Tharis |
| isidor | Also, ich war da. Mit der ganzen Kompanie. Damals beim Bund. Es hat sich nicht gelohnt. All die ganzen Fotos kennt man schon aus der Schule, die Geschichte ist auch nichts Neues. Filme und all das Zeugs. Und weil ja das ganze LAger abgefackelt wurde, wegen Seuchen oder so, damals, sieht man echt nur noch die Ausstellung. Und mich ödet dieses Thema ohnehin nur an. Wir haben das Thema drittes Reich allein in Religion bestimmt fünfmal ein halbes Jahr totgelabert. Davon abgesehen, daß auch ich nichts vom NS halte, man kanns auch echt übertreiben.... Naja, man soll ja nicht nörgeln. Wer unbedingt hin will, solls tun, aber man kann sich auch alle Fakten und Bilder sicherlich auch aus dem Netz zu hause saugen. |
| Julya | [QUOTE][i]Original geschrieben von isidor [/i] [B][...] aber man kann sich auch alle Fakten und Bilder sicherlich auch aus dem Netz zu hause saugen. [/B][/QUOTE] meine güte. es geht doch nicht um fakten und bilder. es geht um das gefühl, das einem direkt vor ort vermittelt werden soll. und das funktioniert einfach nicht, wenn man zu hause schön in der warmen bude sitzt, wenn die glotze im hintergrund läuft, man links die cola und rechts die schokolade liegen hat. natürlich kann man nie im leben nachempfinden, wie das früher war, wenn man nicht selber dabei war, aber es ist wenigstens ein ansatz, dorthin zu fahren. aber da kommt es natürlich auch immer auf die eigene einstellung an. wenn es einem von anfang nicht interessiert und es einem scheißegal ist, findet man solche fahrten nahtürlich auch nicht gut! |
| BleedingHeart | Ich war im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück vor ein paar Jahren. Da die Grundrisse der Gebäude und z.B. das "Gefängnis" noch erhalten sind, taucht man in die Zeit recht intensiv ein. Ich finde, man sollte das nicht in Vergessenheit geraten lassen und immer wieder, gerade für Jugendliche, solche Fahrten und Führungen organisieren. |