German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Polarität...
SolanumSacrificSalvete!


Entsteht Polarität ausschließlich im Bewusstsein des erlebenden Individuums?
Sobald der Mensch zwischen "Ich" und "Du", zwischen Subjekt und Objekt differenziert ist er bereits Opfer der Polarität und erlebt sein "Inneres" als Ego und seinen anderen Seinsbereich als "Außen". Er unterscheidet nun alles und analysiert die Wirklichkeit um zu vergleichen, unterscheiden und erkennen zu können. Doch unterscheiden bedeutet Entscheidungen treffen, "ja" oder "nein" zu sagen. Das führt uns immer tiefer in die Polarität, denn durch jedes "ja" dementieren wir das "nein". Dennoch sind beide voneinander abhängig, denn Gegensätze schließen sich nicht aus, vielmehr benötigt Negatives Positives und Positives Negatives.
Ein weißer Punkt auf einem weißen Blatt bleibt unsichtbar, erst auf einem schwarzen Blatt wird er sichtbar. Gleiches gilt umgekehrt. Doch diese Tatsache zwingt den Menschen schließlich nicht nur zu ständiger Analyse und Entscheidung, sondern auch zur Wertung. "Das ist böse, weil das Gegenteil gut ist." "Ich entscheide mich gegen Krieg und damit für Frieden, weil Krieg schlecht ist und Frieden gut".
Das Erleben der Realität findet in unserem Gehirn, in uns selbst statt. Wir erkennen "Außen" und "Innen" also in uns selbst - das Außen existiert nur außerhalb des Seinsbereiches unseres Egos aber nicht außerhalb unseres Selbst. Das Selbst verbindet "Außen" und "Innen", Selbsterkenntnis bedeutet sich als Gefangene(r) der Polarität zu erkennen und sie zu überwinden. Denn wer sein Selbst entdeckt, entdeckt die Einheit und Polarität ist für die Einheit nicht zulässig. Einheit ist allumfassend, d.h. sie kann sich nicht verändern sondern IST einfach.
Man verzweifelt schnell, wenn man nun an die Grenze des Vorstellbaren trifft, weil man erkennt, dass in der Einheit folglich weder Zeit noch Raum existieren können. Aber wie soll man sich auch das bloße SEIN vorstellen, wenn man doch in Polarität gefangen ist. Man kann es sich nicht bewusst machen, denn dafür würden wir den entsprechenden Gegensatz benötigen - das NICHTS. Das NICHTS ist aber genauso wenig vorstellbar, denn das NICHTS entzieht sich ebenso der Polarität und wird mit dem (allumfassenden) SEIN gleichbedeutend. Unveränderlich, zeitlos, raumlos, einfach da und doch nicht vorhanden. Ein Paradoxon, welches sich aus der Unfähigkeit, das Selbst in der Polarität zu erkennen, bildet.
Nun verhindert Polarität zwar den Weg zur Einheit, so trägt sie trotzdem bereits die Einheit in sich. Einheit ist allumfassend - Polarität lebt von zwei Polen. Negativ und Positiv, Gut und Böse, Subjekt und Objekt - zusammen eine Einheit, nur dass wir sie innerhalb der Polarität immer nur getrennt erleben können.
Wie bereits gesagt sind sie voneinander abhängig: wenn wir (um ein bereits genanntes Beispiel noch einmal aufzugreifen) den weißen Punkt auf dem schwarzen Blatt erkennen, erleben wir im nächsten Moment auch die schwarze Fläche. Es wäre falsch hier vom "gleichzeitigen Erkennen bzw. Erleben" zu sprechen, denn Polarität bedeutet nicht wie Einheit ein SEIN, sondern Analyse, Entscheidung und - Nacheinander. Mit anderen Worten: Einheit verbirgt sich hinter der Polarität, durch unser Bewusstsein sind wir jedoch gezwungen, die Polarität nicht als Einheit in ihrer Gleichzeitigkeit erkennen und erleben zu können sondern die Wirklichkeit in die Polarität selbst (in unendliche gegensätzliche Pole) zu zerlegen und NACHEINANDER zu erleben.
Dafür benötigen wir aber Zeit - und den bisherigen Gedanken zufolge bildet sich Zeit folglich durch das bewusste Erleben der Polarität. Ohne Polarität keine Zeit und ohne Zeit keine Polarität. Polarität bildet sich aber in unserem Selbst durch Differenzierung zwischen "Innen" und "Außen". Zeit bildet sich demnach auch nur in uns selbst.

Der folgende Gedanke mag manchem fremd erscheinen, aber die logische Konsequenz des Seins ist, dass es zerlegt in Subjekt und Objekt trotz allem einen Ursprungs ist. Sehe ich irgendwo ein Objekt, so scheint es "außen" zu sein. Eine Struktur aus Atomen, die ich in meinem Bewusstsein integriere, interpretiere und schließlich damit etwas (hier eben das Objekt) identifiziere. Dieser Prozess der Bewusstwerdung findet aber (wie bereits erwähnt) in uns selbst statt. Es ist erschreckend wenn man sich nun vorstellt, die Realität nur als Anordnung von Atomen zu erleben, die erst in unserem Gehirn zu einem Bild werden. Sogar die Atome selbst existieren nur in unserem Gehirn. Wir versuchen natürlich, uneinsichtig und die Polarität nicht erkennen wollend (könnend?) trotzdem weiterhin zu differenzieren.

In der Einheit ist alles, und somit muss sich nichts entwickeln. Einheit bedeutet Überwindung der Polarität und ist somit raum- und zeitlos. Zeit durch Polarität lässt uns aber noch etwas erkennen: Entwicklung. Denn Entwicklung ist von der Zeit abhängig. Verständlich, dass in der Einheit keine Entwicklung mehr statt findet. Wenn aber alles nur in uns selbst existiert, müsste auch Zeit sich nur in uns selbst bilden. Zeit ist also psychisch. Aber existiert sie wirklich nur aufgrund der Polarität? Scheinbar ist sie ein erforderliches Mittel um eine Entwicklung (die ja nur in der Polarität statt finden kann) zu durchleben.
Entwicklung bedeutet Veränderung, Veränderung ist ein bewusster Prozess, Veränderung erfordert Polarität. Polarität bildet Zeit, da sie die Einheit in sich birgt, aber nur durch das Nacheinander zweier Pole, durch das Ausbalancieren des einen Poles durch den anderen erlebt werden kann. Hier wird wieder die unbedingt erforderliche Zusammengehörigkeit zweier Pole deutlich da sie in ihrer Existenz voneinander abhängig sind.
Wenn Veränderung aber ein bewusster Prozess ist, ist Veränderung psychisch. Im "Außen" kann sich nichts verändern, da das Außen nur eine Projektion innerer Bereiche ist, die wir über unser Gehirn entsprechend wahrnehmen.
Wie soll man aber die Polarität überwinden und Einheit (durch Einsicht) erlangen, wenn man durch sein Bewusstsein Subjekt und Objekt differnziert erlebt? Wenn man in ständiger Entwicklung gefangen ist und sich scheinbar alles verändert? Veränderung ist ja in der Einheit nicht zulässig, bzw. überhaupt nicht erforderlich. Hier ist wieder der Gedanke "Alles ist psychisch" von zentraler Bedeutung. Das Erleben der Wirklichkeit in uns selbst erzeugt eine Perspektive, die bedingt durch die Polarität das "Innen" und "Außen" schließlich zum Erleben zweier (gegensätzlicher) Bereiche werden lässt. Dennoch ist ja alles einen Ursprungs und Polarität birgt Einheit in sich. Einheit ist unveränderlich.
Man kann sich diesen (scheinbar) paradoxen und komplizierten Gedanken anhand eines beliebigen Prozesses klar machen. Prozess bedeutet in diesem Sinne Entwicklung und Erkennen eines bereits vorhandenen Zustandes. Ein Buch, welches ich lese weist bereits den gesamten Inhalt auf. Ich selbst benötige aber Zeit um diesen Inhalt zu integrieren. Dadurch ändert sich aber keineswegs der Inhalt, sondern nur mir selbst wird dieser bewusster.
Das Erleben der Wirklichkeit ist ebenfalls ein Prozess. Doch auch hier verändert sich nicht die Realität sondern sie wird mir nur in immer neuem und unterschiedlichen Maße bewusst. Die durch das Erleben der Wirklichkeit in uns erzeugte Sichtweise ist also einem Wandel unterworfen - nicht aber das Erlebte selbst. Veränderungen finden also nicht im "Außen" statt sondern das einzig veränderbare ist unsere Perspektive.
Dadurch unterliegen wir aber wieder Wertungen und ein Dualismus von einander abhängiger Gegensätze bildet sich, der uns wieder in die Polarität zwingt.

Bleiben wir immer Opfer der Polarität? Oder können wir Polarität sogar als erkenntnisreiche Hilfe ansehen, die uns den Weg zur Einsicht und Einheit offenbart? Ist es nicht die Polarität, durch die wir unsere Welt erleben und die verschiedenste Ansichten und Sichtweisen erzeugt? Sind wir nicht durch sie dazu verdammt, zu fragen, was "richtig" und was "falsch" ist? Wir versuchen, das Richtige zu tun - aber was ist das Richtige? Und wenn wir uns entscheiden, resultiert dies wiederum aus der Polarität.
Kann es innerhalb der Polarität ein absolutes (objektives) Gut und Böse, Richtig oder Falsch überhaupt geben, wenn jede Sichtweise und die sich daraus ergebende Wertung subjektiv ist?
Gibt es dann überhaupt eine - absolute Wahrheit?


SolanumSacrific


Anmerkung (Nachtrag): Das Wort "bewusst" meint hier nicht jenen Zustand einer Bewusstheit, die im Gegensatz zum Unbewussten steht. Gemeint ist ein Bewusstsein an sich, welches im Gegensatz zu jenen Bereichen des Bewusstseins steht, die als "Außen" erlebt werden.
GothtigmaWir betrügen mehr als oft mals die Umwelt ....
und gleichzeitig Uns selber.........
Egal was man mcht denkt tut ..das hat seinen Grund....egal ..wiso weshalb warum...
Ob Krieg ob Frieden ...ob Liebe oder Hass....
das prenzip ist das selbe!...
Jede Sache die unsere Leben führt bestimmt....auch wenn wir es selber sind!.....
hat Negative wie auch Positive Seiten....
was für jeden selber eine Wahrheit ist kann für den zweiten schon eine Lüge sein ......

Wen es dieses zusammspiel nicht gebe.......das gebe es immer von etwas das Gegenteil?

*gruß Gothtigma
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
[B]Entsteht Polarität ausschließlich im Bewusstsein des erlebenden Individuums? [/B][/QUOTE]Meiner Auffassung nach: Ja. Polarität ist immer nur ein kleiner Ausschnitt aus einem großen, viel komplexeren Prozeß. Polarität ist ein Modell, daß für eine Betrachtung eines (Teil-)Prozesses unter bestimmten Gesichtspunkten ausreichend ist, aber den Gesamtprozeß nicht erfassen kann.[QUOTE][B]Man kann sich diesen (scheinbar) paradoxen und komplizierten Gedanken anhand eines beliebigen Prozesses klar machen. Prozess bedeutet in diesem Sinne Entwicklung und Erkennen eines bereits vorhandenen Zustandes. Ein Buch, welches ich lese weist bereits den gesamten Inhalt auf. Ich selbst benötige aber Zeit um diesen Inhalt zu integrieren. Dadurch ändert sich aber keineswegs der Inhalt, sondern nur mir selbst wird dieser bewusster. [/B][/QUOTE]Ein Buch ist ein ungünstiges Beispiel, da es von Menschen künstlich erzeugt worden ist. Aber selbst bei diesem Beispiel gilt: Auch das Buch ist einem Prozeß (z.B. einem Alterungsprozeß) unterworfen. Unter ungünstigen Umständen könnten die Seiten eindunkeln, bevor man das Buch zu Ende gelesen hat, es könnten Seiten verloren gehen usw. Im Extremfall wird das Buch während des Lesens inhaltlich verändert (man denke an "elektronische Bücher", Internet-Seiten als spezielle Buchform, oder die Zeitungen in "1984". Im Allgemeinen, wie an natürlichen Dingen besser zu sehen ist, sind auch alle Dinge, die wir betrachten, Prozesse bzw. Teile von Prozessen. Das Objekt, das wir wahrnehmen, ist nur eine Momentaufnahme aus diesem Prozeß.[QUOTE][B]Das Erleben der Wirklichkeit ist ebenfalls ein Prozess. Doch auch hier verändert sich nicht die Realität sondern sie wird mir nur in immer neuem und unterschiedlichen Maße bewusst. Die durch das Erleben der Wirklichkeit in uns erzeugte Sichtweise ist also einem Wandel unterworfen - nicht aber das Erlebte selbst. Veränderungen finden also nicht im "Außen" statt sondern das einzig veränderbare ist unsere Perspektive.
Dadurch unterliegen wir aber wieder Wertungen und ein Dualismus von einander abhängiger Gegensätze bildet sich, der uns wieder in die Polarität zwingt. [/B][/QUOTE]Ob wir Veränderungen wahrnehmen oder nicht, hängt vor allem davon ab, mit welcher Geschwindigkeit die Prozesse ablaufen. Prozesse, die schneller ablaufen als Bewegungen unseres Körpers, erkennen wir als solche. Momentaufnahmen von Prozessen, die langsamer als die Bewegungen unseres Körpers ablaufen, sehen wir als Zustände an.[QUOTE][B]Bleiben wir immer Opfer der Polarität? Oder können wir Polarität sogar als erkenntnisreiche Hilfe ansehen, die uns den Weg zur Einsicht und Einheit offenbart? Ist es nicht die Polarität, durch die wir unsere Welt erleben und die verschiedenste Ansichten und Sichtweisen erzeugt? Sind wir nicht durch sie dazu verdammt, zu fragen, was "richtig" und was "falsch" ist? Wir versuchen, das Richtige zu tun - aber was ist das Richtige? Und wenn wir uns entscheiden, resultiert dies wiederum aus der Polarität.
Kann es innerhalb der Polarität ein absolutes (objektives) Gut und Böse, Richtig oder Falsch überhaupt geben, wenn jede Sichtweise und die sich daraus ergebende Wertung subjektiv ist?
Gibt es dann überhaupt eine - absolute Wahrheit?
SolanumSacrific [/B][/QUOTE]Polarität ist, wie oben schon gesagt, der Ausschnitt aus einem Prozeß, den wir wahrnehmen. Durch unsere Handlungen nehmen wir auf Prozesse mehr oder weniger Einfluß und bewirken damit andererseits mehr oder weniger Einfluß des Prozesses auf uns selbst. Je nachdem, ob diese Rückwirkung "positiv" oder "negativ" ist, empfinden wir unsere vorangegangene Handlung als "richtig" oder "falsch". Zur Erziehung von kleinen Kindern mögen die Kategorien "gut" und "böse" für diese Zusammenhänge noch dienlich sein. Mehr und mehr sollte man ihnen aber Einsicht in die komplexeren Prozesse geben. Die Kategorien "richtig und falsch", "gut und böse" usw. gibt es also immer nur innerhalb der "Momentaufnahme" Polarität.
Um seine eigenen Handlungen beurteilen und lenken zu können, sollte man also versuchen, die komplexen Prozesse begreifen zu lernen.
SolanumSacrific@Gothtigma:

Heißt das, du glaubst nicht an eine absolute und objektive Wahrheit? Innerhalb der Polarität scheint sie tatsächlich nicht zu existieren, aber kann man sich ihr vielleicht nähern? Oder durch das bewusste Erleben der Polarität begreifen? In der Einheit muss es sie geben, aber ist "Einheit" womöglich nur ein fiktiver Gedanke?


@*Aurora*:

Du meinst im Leben muss man erst das Negative erleben, um dann in die Positivität zu wechseln. Dadurch BEWERTEN wir aber bereits, und Bewertung ist immer subjektiv. Die Polarität zwingt uns zwar zur Entscheidung zwischen "Richtig" und "Falsch", aber diese Entscheidung (und die daraus resultierende Bewertung) kann sehr unterschiedlich ausfallen.
Die Reihenfolge Negativ -> Positiv wirft noch weitere Probleme auf: denn es muss im Prinzip in beide Richtungen gültig sein. Wie kann man Weisheit erkennen, wenn man nicht Demut durchlebt hat (was deinem Gedankengang entspricht), aber wie kann man Demut erkennen, wenn man nicht Weisheit erfahren hat? Die jeweiligen Pole sind ja voneinander abhängig und schließen sich nicht gegenseitig aus. Wir gelangen wieder in die Lage, zu bewerten, da wir nun einen Bezugsrahmen brauchen. Wann ist ein Mensch weise? Wann ist er tolerant? Wir benötigen also nicht nur den gegensätzlichen Pol, sondern sogar Bezüge, um zu vergleichen (alles relativ). Vergleichen zieht uns wiederum immer tiefer in die Polarität. Damit ist es zwar noch immer richtig, dass "jung" nicht ewig währt, "alt" aber schon, doch stellt sich hier die gleiche Frage. Wann bezeichnen wir etwas als "alt"? Wieder ist ein Bezug notwendig, darüberhinaus ist dies ein Prozess und Prozesse sind dynamisch. Auch Dinge, die Millionen Jahre alt sind, kann man als "jung" bezeichnen, wenn andere bereits Milliarden Jahre alt sind. Dadurch währt aber auf einmal alles unendlich lange. Sowohl "alt" als auch "jung". Unendlichkeit heißt Einheit, und in der Einheit gibt es keine Polarität. Innerhalb der Polarität ist zwar das "alt" immer dem "jung" ein Stück voraus, aber wenn man unendlich "alt" ist, ist das "jung" auch unendlich und somit gleichbedeutend - einheitlich eben.
Um das ganze noch deutlicher zu machen: älter werden bedeutet Entwicklung, in der (unvergänglichen) Einheit existiert jedoch keine Entwicklung. Einheit IST einfach. "Jung" und "alt" werden gleichbedeutend, sowie alle anderen gegensätzliche Pole gleichbedeutend werden.
Außerdem: zwar kann "jung" -> "alt" tatsächlich nur in eine Richtung verlaufen (zumindest innerhalb der Polarität!), aber deshalb "jung" als Negativ zu betrachten, und "alt" als Positiv, ist eine willkürliche Festlegung (!) und somit auch in diesem metaphysischen Zusammenhang nicht zulässig.
Ich habe in meinem ersten Beitrag aufgeführt, dass das Erleben der Wirklichkeit ein Prozess ist, bei dem sich die Realität nicht verändert, sondern mir nur in immer stärkeren Ausmaß bewusst wird. Dadurch ändert sich die Sichtweise kontinuierlich, nicht aber die Wirklichkeit an sich.
Diese ständige BEWUSSTWERDUNG (oder Bewusstseinserweiterung) benötigt beide Pole, Bewusstwerdung an sich unterliegt aber keiner Wertung. Bewusstwerdung bedeutet Integration, nur leider ist der Mensch durch die Polarität gezwungen, auch zu interpretieren (wodurch er unterscheidet und bewertet). D.h. der Bewusstwerdungsprozess selbst gibt nicht ein definitives Nacheinander der zu durchlebenden Pole an, ist aber der Weg zur Unvergänglichkeit und damit zur Einheit.


@TheTurningPoint:

Interessante Gedanken... Habe leider keine Zeit mehr darauf zu antworten aber werde heute sicherlich noch dazu kommen :)
Eine Frage allerdings schon einmal: Du schreibst, um seine eigenen Handlungen beurteilen und lenken zu können, sollte man also versuchen, die komplexen Prozesse begreifen zu lernen. Wäre es nicht auch möglich, dass wir gar nicht in der Lage sind, diese komplexen Prozesse in ihrer Ganzheit zu erfassen? Sind wir möglicherweise immer an Polarität gebunden?
SolanumSacrific@TheTurningPoint:

Stellt Polarität nicht das zentrale im (und am) Leben überhaupt dar? Ohne Polarität kein Leben, denn Leben bedeutet Entwicklung und ist von der Zeit abhängig - und Zeit entsteht durch Polarität, durch das aufeinander folgende Erfahren der Pole. Warum bist du der Ansicht, dass Polarität ein Modell sei, das den Gesamtprozess nicht erfassen kann? Wenn Polarität die Einheit doch bereits in sich trägt. Allerdings wäre Polarität, die den Gesamtprozess erfasst hat, bereits Einheit und somit überwundene Polarität. Bleibt offen, ob der Mensch in der Lage ist, Polarität zu überwinden.
Ein Buch scheint bei näherer Betrachtung tatsächlich ein ungeeignetes Beispiel zu sein. Allerdings konnte man auch daran das eigentliche Prinzip verdeutlichen. Dein Gedanke, Dinge als (Teil-)Prozesse zu betrachten, in denen das wahrgenommene Objekt nur eine Momentaufnahme des jeweiligen Prozesses ist, birgt das gleiche Prinzip in sich, wenn man den Prozess nicht als Veränderung eines Zustandes betrachtet sondern als Wandlung der eigenen Sichtweise (Prozesse finden so gesehen nur in einem selbst statt). In welchem Maße wir die Veränderung wahrnehmen oder ob wir sie als reinen Zustand betrachten (der sich allerdings auch irgendwann ändert, wenn man davon ausgeht, dass es einzig und allein von der Sichtweise abhängt) ist hierbei zu vernachlässigen, da es nicht um die Frage geht, wann wir eine Veränderung wahrnehmen oder nicht, sondern wie wir sie wahrnehmen und wodurch sie zustande kommt.
Dass man durch Handlungen einen Prozess beeinflussen kann, stimmt natürlich. Dazu muss ich nur (als Beispiel) ein Papier zerreissen, schon habe ich eine Zustandsänderung hervorgerufen. Ich möchte aber klar zwischen physischen und psychischen Prozessen differenzieren. Ferner bin ich sogar der Ansicht, dass physische Prozesse nur Ausdruck psychischer Prozesse sind. Ich schrieb im ersten Beitrag bereits, dass ich unter Prozess Entwicklung und Erkennen eines Zustandes sehe; wir haben uns aber momentan nur auf die Entwicklung, also die Veränderung konzentriert. Das Erkennen ist jedoch ein rein psychischer Prozess. Erkennen bedeutet Bewusstwerden (habe in einem vorangehenden Beitrag "Bewusstwerdung" geschrieben, was glaube ich falsches Deutsch ist :))
Die durch den Einfluss eines Prozesses auf uns selbst entstehende Rückwirkung (um dich zu zitieren) ist ja nichts anderes, als eine solche Bewusstwerdung, bzw Bewusstseinserweiterung, die (wie schonmal aufgeführt) Integration bedeutet, nicht aber Interpretation und eine sich dadurch ergebende Unterscheidung und Bewertung. Dies geschieht dadurch, dass wir Opfer der Polarität sind. Polarität erzwingt Subjektivismus und die Rückwirkung, ob ein veränderter Zustand durch eine vorangehende Handlung nun "positiv" oder "negativ" und wir somit "richtig" oder "falsch" agiert haben, ist folglich selbst subjektiv!
Dadurch behält die Wahrheit leider ihre vielen Gesichter und eine absolute Wahrheit scheint innerhalb der Polarität nicht existieren zu können.
Das leitet direkt zu einem neuen (nun eher ethischen) Themenpunkt über: wie soll der Mensch handeln? Können wir vielleicht diese Frage aufgrund der Polarität nie beantworten?Sollte man es nicht zumindest versuchen, sich einer möglichen Lösung zu nähern - mit allen möglichen Konsequenzen? Können wir uns vielleicht über die Polarität hinwegsetzen? Selbst wen uns dies nicht möglich ist, ausschließen darf man nichts - Polarität währt schließlich nicht ewig.
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
[B]
Du schreibst, um seine eigenen Handlungen beurteilen und lenken zu können, sollte man also versuchen, die komplexen Prozesse begreifen zu lernen. Wäre es nicht auch möglich, dass wir gar nicht in der Lage sind, diese komplexen Prozesse in ihrer Ganzheit zu erfassen? Sind wir möglicherweise immer an Polarität gebunden? [/B][/QUOTE]Das ist ja gerade unsere Tragik, daß wir die komplexen Prozesse nicht in ihrer Ganzheit erfassen können. Unsere Handlungen werden deshalb zwangsläufig auch immer irgendwelche von uns nicht bedachte Auswirkungen haben, die von anderen Menschen (anderen Lebewesen) als "negativ" empfunden werden. So kann es passieren, daß eine Handlung, die "gut gemeint" ist, von jemand anderem als "böse" angesehen wird. Unsere Handlungen sind aber in ihrer Wirkung auf einen bestimmten Raum und eine bestimmte Zeit begrenzt, so daß auch die "negativen" Auswirkungen begrenzt sind (wobei zum Beispiel die räumlichen und zeitlichen Auswirkungen einer Atombomben-Zündung beträchtlich sind).
Um so "weiter unser Horizont" ist, d.h. je mehr wir von den Gesamtprozessen erfassen können, um so verantwortungsbewußter können wir unsere Handlungen steuern.

Da fällt mir gerade [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&postid=197599#post197599]ein zu diesem Thema passender Beitrag[/URL] aus einem anderen Thread ein, der ein Beispiel für die Verkettung von komplexen Prozessen enthält.

Wahrscheinlich ist meine Ansicht zu diesem Thema stark durch die Beschäftigung mit Elektrotechnik geprägt, die ein Teil meines Studiums war, und in der Polaritäten immer im Zusammenhang mit Feldern, Schwingungen und Wellen stehen. :)

TP
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
[B]Stellt Polarität nicht das zentrale im (und am) Leben überhaupt dar? Ohne Polarität kein Leben, denn Leben bedeutet Entwicklung und ist von der Zeit abhängig - und Zeit entsteht durch Polarität, durch das aufeinander folgende Erfahren der Pole. Warum bist du der Ansicht, dass Polarität ein Modell sei, das den Gesamtprozess nicht erfassen kann? [/B][/QUOTE]Ich sehe als Voraussetzung des Lebens die Bewegung (Schwingungen, Wellen), die Biologen sehen speziell den Transport von Stoffen (=Stoffwechsel) als Hauptmerkmal von Leben an. Polaritäten entstehen durch Bewegung. Zum Beispiel entstehen durch die Bewegung von Elektronen in oder auf einem Stab elektrische oder magnetische Pole (also Polarität). Die Betrachtung dieser Pole allein vernachlässigt aber den Prozeß ihrer Entstehung und auch den Prozeß ihrer Auflösung. Der Betrachter erschrickt vielleicht über einen "plötzlich aus heiterem Himmel" auftretenden Blitz und schreibt diesen womöglich irgendeinem Gott zu.[QUOTE][B]Dein Gedanke, Dinge als (Teil-)Prozesse zu betrachten, in denen das wahrgenommene Objekt nur eine Momentaufnahme des jeweiligen Prozesses ist, birgt das gleiche Prinzip in sich, wenn man den Prozess nicht als Veränderung eines Zustandes betrachtet sondern als Wandlung der eigenen Sichtweise (Prozesse finden so gesehen nur in einem selbst statt). [/B][/QUOTE]Ja, die Wandlung der eigenen Sichtweise ist auch ein Prozeß. Dieser läuft ab, währenddessen sich auch das wahrgenommene Objekt verändert. Um noch mal auf das Buch zurückzukommen: Wenn du das Buch bis zur Hälfte gelesen hast, kannst du dir ein Urteil über die gelesene Hälfte bilden. Gleichzeitig sind nun auf den Seiten der ersten Hälfte deine Fingerabdrücke zu finden, und diese Seiten waren (durch dich) länger dem Licht ausgesetzt als die Seiten der zweiten Hälfte.
Oder ein anderes Beispiel. Du versuchst gerade herauszufinden, wie ich die Welt sehe. Während du glaubst, meine Ansichten einigermaßen verstanden zu haben, habe ich neue Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt und sehe die Welt schon wieder etwas anders. Aus diesem Grund wehre ich mich dagegen, Menschen als "gut" oder "böse" zu bezeichnen, oder sie in Schubladen wie "Linker", "Rechter", "Neonazi" usw. zu stecken. Die Ansichten und Verhaltensweisen von Menschen und anderen Lebewesen können sich ändern.[QUOTE][B]Das Erkennen ist jedoch ein rein psychischer Prozess. Erkennen bedeutet Bewusstwerden (habe in einem vorangehenden Beitrag "Bewusstwerdung" geschrieben, was glaube ich falsches Deutsch ist :)) [/B][/QUOTE]Das sehe ich etwas anders. Erkennen ist mit der Aufnahme von Sinneswahrnehmungen verbunden, d.h. es sind Sinnesorgane notwendig, die bestimmte "Signale" (Lichtwellen, Schallwellen usw.) aufnehmen, es müssen Nervenzellen zur Weiterleitung und Verarbeitung der "Signale" vorhanden sein ... [QUOTE][B]Die durch den Einfluss eines Prozesses auf uns selbst entstehende Rückwirkung (um dich zu zitieren) ist ja nichts anderes, als eine solche Bewusstwerdung, bzw Bewusstseinserweiterung, die (wie schonmal aufgeführt) Integration bedeutet, nicht aber Interpretation und eine sich dadurch ergebende Unterscheidung und Bewertung. Dies geschieht dadurch, dass wir Opfer der Polarität sind. Polarität erzwingt Subjektivismus und die Rückwirkung, ob ein veränderter Zustand durch eine vorangehende Handlung nun "positiv" oder "negativ" und wir somit "richtig" oder "falsch" agiert haben, ist folglich selbst subjektiv! [/B][/QUOTE]Das hat meiner Meinung nach wenig mit Polarität zu tun sondern mit der Frage, ob und wie wir von diesen Rückwirkungen räumlich und zeitlich betroffen sind. Unsere subjektive Interpretation ist von unserer Beziehung zu den (Rückwirkungs-)Prozessen bezüglich Raum und Zeit geprägt.[QUOTE][B]Dadurch behält die Wahrheit leider ihre vielen Gesichter und eine absolute Wahrheit scheint innerhalb der Polarität nicht existieren zu können. [/B][/QUOTE]Ja, im Prinzip hat jeder seine eigene Wahrheit, die von seinem räumlichen und zeitlichen Bezug zu den verschiedenen Prozessen abhängt. Eine absolute Wahrheit scheint nicht zu existieren. Eine Gruppe von Menschen, die sich innerhalb eines bestimmten räumlichen und zeitlichen Rahmens befindet, kann sich auf eine "objektive Wahrheit" einigen.[QUOTE][B]Das leitet direkt zu einem neuen (nun eher ethischen) Themenpunkt über: wie soll der Mensch handeln? Können wir vielleicht diese Frage aufgrund der Polarität nie beantworten?Sollte man es nicht zumindest versuchen, sich einer möglichen Lösung zu nähern - mit allen möglichen Konsequenzen? Können wir uns vielleicht über die Polarität hinwegsetzen? Selbst wen uns dies nicht möglich ist, ausschließen darf man nichts - Polarität währt schließlich nicht ewig. [/B][/QUOTE]Wir sollten uns die Frage stellen, welche Wirkungen unsere Handlungen haben - unter Berücksichtigung anderer Prozesse, die diese Wirkungen noch beeinflussen könnten. Und dann sollten wir uns fragen, ob wir diese Wirkungen haben wollen. Ich glaube, wir sind schon einen Schritt weiter, wenn wir immer ein wenig über die möglichen Folgen unserer Handlungen nachdenken, bevor wir sie ausführen.

TP
SolanumSacrific1. Ersteinmal eine kleine (wenn auch von einigen Wiederholungen geprägte) Verbesserung und Fortsetzung der bisherigen Theorie:

...Dann können wir scheinbar die komplexen Prozesse innerhalb der Polarität nie in ihrer Gesamtheit erfassen, da Polarität Subjektivismus erzwingt und subjektives Denken unterschiedlich ausfällt. Die Polarität ist also Ursache dafür, dass wir nicht zu einer absoluten Wahrheit gelangen können. Im Grunde scheint dies allein deshalb logisch, weil eine absolute Wahrheit kein "entweder-oder" zulässt, sondern bereits alle Pole integriert haben muss. Nur in der Einheit kann man folglich eine absolute Wahrheit finden, zumal ja auch erst hier Subjekt und Objekt nicht mehr differenziert werden (können).
Einheit ist aber ein sehr abstrakter Begriff, bezeichnet er doch jenen Zustand, den zu erreichen wir nicht fähig sind - zumindest nicht solange wir in der Polarität gefangen sind. Und im Irdischen scheinen wir Polarität nicht überwinden zu können, oder doch?
Wiederum stellt sich jedoch die Frage: wie soll der Mensch handeln? Wir benötigen nun Maßstäbe, Normen, müssen vergleichen, erkennen, einsehen, lernen. Vor allem müssen wir akzeptieren, dass wir stets von Polarität umgeben sind und somit der Subjektivität unterliegen. Polarität kann man nicht bekämpfen (was aber jeder macht!), man versucht sie zu überwinden. Das ist für uns scheinbar unmöglich, aber wir können trotzdem versuchen die Polarität als Hilfe zu verwenden, uns der Einheit zu nähern.
Damit sind wir bei einem neuen Gedankenkonstrukt angelangt: Polarität bedeutet ja, dass zwei (gegensätzliche) Pole vorhanden sind, die zusammen jedoch die Einheit in sich tragen. Es stellt sich die Frage, ob diese Pole in ein Ungleichgewicht kommen können. Wären Pole im Gleichgewicht, wären wir der Einheit sehr nahe. Was uns noch von ihr trennen würde, wäre die Zeit (und wie im Folgenden deutlich wird, die bewusste Integration beider Pole im Bewusstsein!). Denn wir können die Polarität, auch im ausgeglichenen Zustand trotzdem nur als Nacheinander (zweier Pole) erleben und nicht als allumfassendes SEIN. Ein Ungleichgewicht kann bestehen, besteht vermutlich sogar fast immer, auch wenn (oder gerade weil!) alles innerhalb der Polarität subjektiv ist, bzw. wir uns vom "Du" durch unser Ego trennen.
Wie wird dieses Ungleichgewicht ausgeglichen? Ein Gleichgewicht in allem setzt voraus, dass wir alle Polaritäten als gleich "richtig" und gleich "falsch" betrachten, da jegliche Wertung bereits die Balance verändern würde. Alles innerhalb der Polarität trägt ja zur Einheit bei und somit ist alles von gleicher Bedeutung. Wie bereits bekannt ist ja auch der eine Pol vom jeweils entgegensetzten Pol abhängig. Leider scheinen die Versuche, sich der Einheit zu nähern, zu scheitern, da man dafür alles wertungslos in das eigene Bewusstsein integrieren müsste, da andernfalls wieder die Balance gestört wäre.
Zurück zur eigentlichen Frage nach einem möglichen Ausgleich eines Ungleichgewichts. Wenn wir bewusst daran scheitern (da Bewusstsein bereits das Selbst in Subjekt und Objekt spaltet, wir aber nur bewusst denken können), ein natürliches Gleichgewicht (d.h. Näherung zur Einheit) aber logischer erscheint, als ein Ungleichgewicht gegensätzlicher Pole, müssen nun un(ter)bewusste Faktoren eine Rolle spielen. Verständlich, stellt das Unterbewusstsein doch den Gegenpol zum Bewusstsein dar. Bewusst können wir die Einheit nicht erlangen, wie auch, wenn dies nur ein Pol ist. Zur Einheit werden eben beide Pole benötigt.
Wir haben also nun zwei Bereiche: jenen Bereich, der uns bewusst ist, der alle Pole (egal welcher Bewertung sie unterliegen) beinhaltet, die wir sehen, sehen wollen, akzeptieren und integriert haben - und jenen Bereich, der die gegensätzlichen Pole beinhaltet, die wir nicht erkennen wollen und somit verdrängen. Dieser Bereich manifestiert sich nun im Unbewussten, da er aus dem Bewusstsein ja verdrängt wird. Er grenzt sich vom Ego des erlebenden Individuums ab, denn das "Ich" will ihn nicht integrieren. Alles was das "Ich" aber nicht integrieren will, begegnet uns als "Du" und stellt somit das "Außen" dar. Der nicht erkannte, nicht akzeptierte und folglich ungelebte Bereich manifestiert sich also nicht nur im Unbewussten, sondern begegnet uns nun im "Außen". Verständlich, denn würden wir ihn im "Innen" ERKENNEN, also in uns selbst, wäre er Teil von uns selbst und somit Teil unseres Egos. Dann wäre er aber nicht mehr besagter verdrängter (nicht erkannter) Bereich. Genau dieser Bereich ist für uns aber sogar bedrohlich, schließlich kennen wir ihn nicht und wir wollen ihn auch nicht kennen. Was bedrohlich ist, muss bekämpft werden und so bekämpfen wir alles, was wir nicht integriert haben, im Außen. Das ist paradox, denn dadurch, dass wir etwas bekämpfen, widmen wir uns gleichzeitig diesem "etwas" und setzen uns damit auseinander. Die Polarität ist wieder ihrem Gleichgewicht nahe, denn nun überwiegt nicht jener bewusste und integrierte Teil, sondern die unbewussten Pole kompensieren das Ungleichgewicht, in dem sie (scheinbar!) von außen auf uns einwirken und sich nun unserer Aufmersamkeit nicht mehr entziehen.
Wohlbemerkt bedeutet Gleichgewicht zweier Pole nicht Einheit, sondern nur Annäherung an die Einheit. Einheit selbst erfordert Einsicht und eine damit zusammenhängende Bewusstseinserweiterung, d.h. Integration der verdrängten, nicht gelebten Anteile des Selbst! Bereits Sokrates bezeichnet in der "Apologie" die Inschrift am Orakel zu Delphi: "Erkenne dich selbst" - sich selbst erkennen heißt, sich seiner Selbst bewusst werden, und nicht im Ego gefangen sein. Auch das "Du", also das "Außen", die ungelebten Pole zu integrieren.
Die Polarität - Hilfe zur Selbsterkenntnis?!


2. Du schreibst, Erkennen sei mit der Aufnahme von Sinneswahrnehmungen verbunden. Da wiederspreche ich dir keineswegs, aber das eigentliche Erkennen finden ausschließlich im Gehirn statt und ist somit psychisch. Auch wenn ich dafür zahlreiche weitere (nicht-psychische) Faktoren benötige. Selbst Nervenzellen sind zwar der grundlegende "Baustein" im Gehirn und leiten Impulse und Signale weiter, stellen aber dadurch auch nur das Mittel dafür dar, neben verschiedenen anderen Aufgaben ein gedankliches Bild hervorzurufen. Dieses gedankliche Bild wiederum ist rein psychisch.
Außerdem müsste man, der bisherigen Theorie zufolge, jegliche äußere Faktoren, die zumindest für das Erkennen notwendig sind, ebenso als psychisch betrachten, da sie erst in der Psyche interpretiert und erkannt werden können. Das ist ein schwer verständlicher, scheinbar paradoxer Gedanke, denn er läuft darauf hinaus, dass das Außen nur Projektion des Innen ist und alles psychisch ist. Oder siehst du im Außen einen Bereich, der keine Illusion ist? Eine Illusion deshalb, weil mit "Projektion des Innen" jener Bereich gemeint ist, den wir nicht bewusst integrieren und somit verdrängen. Die durch die Polarität auftretenden Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt und zwischen Innen und Außen lässt uns glauben, das Außen sei ein gegensätzlicher Bereich zum Ego, was ja für sich gesehen auch stimmt, doch stellt es darüberhinaus eben auch eine Illusion dar, da es schließlich all das repräsentiert, was wir gar nicht wahrhaben wollen. Nicht wahrhaben wollen heißt, nicht erkennen wollen, nicht bewusst machen wollen, nicht integrieren wollen, ins Außen verbannen und somit als Bereich zu sehen, der NICHT Teil des Selbst ist - das ist Illusion! Denn das Selbst verbindet Subjekt und Objekt, Außen und Innen.

Wenn durch den Einfluss eines Prozesses auf uns selbst eine Rückwirkung entsteht, muss diese Rückwirkung zwangsläufig einer subjektiven Interpretation unterliegen. Da Polarität Subjektivismus erzwingt, interpretiert der Mensch und bewertet dadurch.
Wenn unsere subjektive Interpretation von unserer Beziehung zu den (Rückwirkungs-)Prozessen bezüglich Raum und Zeit geprägt ist (um dich zu zitieren), so hat dies meiner Ansicht nach also metaphysisch betrachtet sehr viel mit Polarität zu tun, da die (Rückwirkungs-)Prozesse zwar von außen kommen, das Außen jedoch nur Projektion des Selbst ist und durch die Polarität hervorgerufen wird. Ferner hängen Polarität und Zeit eng mit einander zusammen, denn ohne Polarität keine Zeit, da Polarität das Nacheinander zweier Pole bedeutet, zu deren Erfassung wir eben Zeit benötigen.
Noch unklar ist mir, wie du hier den "Raum" einbeziehst?
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
[B]1. ... Verbesserung und Fortsetzung der bisherigen Theorie:
...Dann können wir scheinbar die komplexen Prozesse innerhalb der Polarität nie in ihrer Gesamtheit erfassen, ...
Einheit ist aber ein sehr abstrakter Begriff, bezeichnet er doch jenen Zustand, den zu erreichen wir nicht fähig sind - zumindest nicht solange wir in der Polarität gefangen sind. Und im Irdischen scheinen wir Polarität nicht überwinden zu können, oder doch? [/B][/QUOTE]Im großen und ganzen Zustimmung. Einheit beinhaltet aber meiner Meinung nach nicht nur ein Pol-Paar, sondern alle Pol-Paare, die aufeinander einwirken, sowie Raum und Zeit, in denen sie wirken. Deshalb denke ich, daß wir Einheiten erfassen können, die wir in Raum und Zeit "überblicken können", d.h. deren Raum und Zeit ein (Bruch-)Teil unseres Lebensraumes und unserer Lebenszeit sind.
Die Menschen haben jedoch eine besondere Fähigkeit: sie können durch Hilfsmittel Wahrnehmungen über ihren Tod hinaus speichern, z.B. visuelle Abbilder (Fotos, Zeichnungen), Geräusche (Tonband, CDs), sogar recht komplexe Vorgänge (Videos). Darüberhinaus können sie Wahrnehmungen und Erkenntnisse in Textform beschreiben. Das ist wohl DIE besondere Fähigkeit, die uns von den anderen Tieren unterscheidet !? Das ermöglicht uns, auch Prozesse zu erfassen, die länger als ein Menschenleben dauern und über den Lebensraum eines Menschen hinausgehen.[QUOTE][B]Wiederum stellt sich jedoch die Frage: wie soll der Mensch handeln? ... , aber wir können trotzdem versuchen die Polarität als Hilfe zu verwenden, uns der Einheit zu nähern. [/B][/QUOTE]Ja, für den Raum-/Zeitabschnitt, in dem sie den komplexen Prozess einigermaßen genau abbildet, kann sie als Hilfe dienen. Sie muß aber immer wieder mit dem laufenden Prozeß verglichen werden: "Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein."[QUOTE][B]Es stellt sich die Frage, ob diese Pole in ein Ungleichgewicht kommen können. [/B][/QUOTE]Polarität sagt nichts über meßbare Größen aus. Für die Betrachtung von Gleichgewicht oder Ungleichgewicht müßten die Pole irgendwie meßbar oder vergleichbar sein.[QUOTE][B]Wie wird dieses Ungleichgewicht ausgeglichen?[/B][/QUOTE]Wie ich schon geschrieben hatte, sehe ich Polarität als eine Momentaufnahme, als ein "Teilstück" eines komplexeren Prozesses an, der in Zeit und Raum abläuft, und den man als Einheit bezeichnen könnte. Ein Gleichgewicht ist dann erreicht, wenn sich die Wirkungen über Zeit und/oder Raum ausgleichen. So schwankt z.B. die Körpertemparatur um 37 Grad Celsius, ist mal höher und mal niedriger, aber so lange sie in einem bestimmten Rahmen bleibt, kann man von einem Gleichgewicht sprechen. Das gleiche gilt für Blutdruck, Hezschlag-Frequenz usw. (Das ist meine Auffassung, sie erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit, taugt aber dazu, die meisten mich umgebenden und/oder betreffenden Sachverhalte irgendwie zu erklären.)
Wenn die Temperatur sehr stark steigt, und den "zulässigen Rahmen" überschreitet, entsteht ein Ungleichgewicht, das wir Fieber nennen, und das nicht über die Zeit wieder ausgeglichen wird. Wenn wir das erkennen, können wir dem möglicherweise mit Hilfsmitteln entgegenwirken.[QUOTE][B]... stellt das Unterbewusstsein doch den Gegenpol zum Bewusstsein dar. Bewusst können wir die Einheit nicht erlangen, wie auch, wenn dies nur ein Pol ist. Zur Einheit werden eben beide Pole benötigt.
Wir haben also nun zwei Bereiche: jenen Bereich, der uns bewusst ist, der alle Pole (egal welcher Bewertung sie unterliegen) beinhaltet, die wir sehen, sehen wollen, akzeptieren und integriert haben - und jenen Bereich, der die gegensätzlichen Pole beinhaltet, die wir nicht erkennen wollen und somit verdrängen. [/B][/QUOTE]Ich sehe Unterbewußtsein und Bewußtsein nicht als gegensätzliche Pole an, sondern als Teile eines Prozesses: der Verarbeitung (Auswertung) von Wahrnehmungen. Während das Unterbewußtsein nur Wahrnehmungen mit früheren "Meßwerten" vergleicht, und sie abhängig von gefundenen Zusammenhängen "abspeichert", wählt das Bewußtsein daraus diejenigen Wahrnehmungen aus, die zu der gerade "im Vordergrund" ablaufenden Verarbeitung passen. Die Auswahl der "im Vordergrund" ablaufenden Verarbeitung wird durch die am stärksten wirkenden Reize bestimmt. Beispiel: Ich habe Hunger und suche unter den gerade sichtbaren Dingen etwas, das mir als eßbar bekannt ist.
Ich glaube nicht, daß wir die vom Unterbewußtsein verarbeiteten Wahnehmungen immer verdrängen wollen, sondern daß unsere Fähigkeiten, Wahrnehmungen bewußt zu verarbeiten, eben begrenzt sind. [QUOTE][B]Dieser Bereich manifestiert sich nun im Unbewussten, da er aus dem Bewusstsein ja verdrängt wird. Er grenzt sich vom Ego des erlebenden Individuums ab, denn das "Ich" will ihn nicht integrieren. Alles was das "Ich" aber nicht integrieren will, begegnet uns als "Du" und stellt somit das "Außen" dar. Genau dieser Bereich ist für uns aber sogar bedrohlich, schließlich kennen wir ihn nicht und wir wollen ihn auch nicht kennen. [/B][/QUOTE]Das "Ich" ist nach meiner Auffassung die Summe aus den bewußt und unbewußt verarbeiteten und gespeicherten Wahrnehmungen. Man könnte es auch als die Summe aus Denk- und Verhaltensmustern bezeichnen. Da nie zwei Individuen jeweils zur gleichen Zeit die gleichen Wahrnehmungen verarbeiten und speichern, ergibt sich daraus die Einzigartigkeit jedes Individuums.
Was das Bedrohliche des Unterbewußtseins betrifft, ist das eine Frage, ob wir gelernt haben, uns selbst erkennen zu wollen. Die Verhaltensmuster unter bestimmten Bedingungen kann man im Vergleich mit Verhaltensmustern anderer Individuen unter gleichen Bedingungen abschätzen, genau voraussagen kann man sie nicht. Wenn aber Unterbewußtsein und Bewußtsein Teile des gleichen Prozesses sind, dann lassen sich auch Denkmuster nicht genau voraussagen, das Bewußtsein ist also nicht weniger bedrohlich. [QUOTE][B]Was bedrohlich ist, muss bekämpft werden und so bekämpfen wir alles, was wir nicht integriert haben, im Außen. Das ist paradox, denn dadurch, dass wir etwas bekämpfen, widmen wir uns gleichzeitig diesem "etwas" und setzen uns damit auseinander.[/B][/QUOTE]Diese Auseinandersetzung ist aber sehr einseitig und bezieht sich wahrscheinlich nur auf dessen Widerstandsfähigkeit gegen unsere Zerstörungsversuche. Die Zerstörung ist also einkalkuliert und verhindert dann oft eine uns nützliche Verarbeitung. [QUOTE][B]Einheit selbst erfordert Einsicht und eine damit zusammenhängende Bewusstseinserweiterung, d.h. Integration der verdrängten, nicht gelebten Anteile des Selbst!
... sich selbst erkennen heißt, sich seiner Selbst bewusst werden, und nicht im Ego gefangen sein. Auch das "Du", also das "Außen", die ungelebten Pole zu integrieren.
Die Polarität - Hilfe zur Selbsterkenntnis?! [/B][/QUOTE]Wegen der Gefahr der Zerstörung des "Außen" ist Bekämpfen des Verdrängten kein Weg zu dessen Integration. Deshalb halte ich Polarität nicht für ein geeignetes Mittel zur Selbsterkenntnis.[QUOTE][B]... aber das eigentliche Erkennen finden ausschließlich im Gehirn statt und ist somit psychisch.
... Selbst Nervenzellen sind zwar der grundlegende "Baustein" im Gehirn und leiten Impulse und Signale weiter, stellen aber dadurch auch nur das Mittel dafür dar, neben verschiedenen anderen Aufgaben ein gedankliches Bild hervorzurufen. Dieses gedankliche Bild wiederum ist rein psychisch.[/B][/QUOTE]"er-Kennen" impliziert den Vergleich mit Wahrnehmungen, die man "kennt", die irgendwo im Gehirn gespeichert sind.[QUOTE][B]Außerdem müsste man, der bisherigen Theorie zufolge, jegliche äußere Faktoren, die zumindest für das Erkennen notwendig sind, ebenso als psychisch betrachten, da sie erst in der Psyche interpretiert und erkannt werden können. Das ist ein schwer verständlicher, scheinbar paradoxer Gedanke, denn er läuft darauf hinaus, dass das Außen nur Projektion des Innen ist und alles psychisch ist. [/B][/QUOTE]Wenn ich jetzt meine Ausführungen konsequent weiterdenke, dann umfaßt "Psyche" genau den Prozeß der (bewußten und unbewußten) Verarbeitung von Wahrnehmungen, aber nicht die äußeren Faktoren. [QUOTE][B]Oder siehst du im Außen einen Bereich, der keine Illusion ist?
[/B][/QUOTE]Das "Außen" ist ein Bereich, der unabhängig von unserer Psyche existiert. Aber bereits unsere Wahrnehmungen davon sind Abbilder, die nur noch die Eigenschaften des Außen enthalten, die unsere Sinnesorgane erfassen können. [QUOTE][B]
Die durch die Polarität auftretenden Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt und zwischen Innen und Außen ... [/B][/QUOTE]Wenn wir davon ausgehen, daß Polarität eine "Momentaufnahme", ein Teilbild eines Prozesses ist, dann ist sie ein aus unserer Sicht, auf der Grundlage unserer Wahrnehmungen entstandenes Bild, eine von unserer Psyche erzeugte Illusion. Damit ist aber auch die Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt und zwischen Innen und Außen eine Illusion. [QUOTE][B]Denn das Selbst verbindet Subjekt und Objekt, Außen und Innen.[/B][/QUOTE]Beim Nachdenken über diesen Satz bin ich zu dem Schluß gekommen, daß "das Selbst" die Psyche (inkl. gespeicherter Wahrnehmungen und Produkten der Psyche) und den eigenen Körper (inkl. seiner Sinnesorgane) umfaßt. Über den Körper wird die Rückverbindung wieder hergestellt. [QUOTE][B]Wenn durch den Einfluss eines Prozesses auf uns selbst eine Rückwirkung entsteht ...[/B][/QUOTE]Ich meinte hier vor allem Rückwirkungen der von uns "gestörten" Prozesse auf unseren KÖRPER, z.B. ich fälle einen Baum, und der Baum erschlägt mich. [QUOTE][B]Noch unklar ist mir, wie du hier den "Raum" einbeziehst? [/B][/QUOTE]Wir hören und sehen z.B. nur das, was in unserer Nähe abläuft. Aber vielleicht sind Zeit und Raum das Gleiche? Wenn ich so an den Begriff "Lichtjahr" denke ... :)
SolanumSacrific[quote]Im großen und ganzen Zustimmung. Einheit beinhaltet aber meiner Meinung nach nicht nur ein Pol-Paar, sondern alle Pol- Paare, die aufeinander einwirken, sowie Raum und Zeit, in denen sie wirken. Deshalb denke ich, daß wir Einheiten erfassen können, die wir in Raum und Zeit "überblicken können", d.h. deren Raum und Zeit ein (Bruch-)Teil unseres Lebensraumes und unserer Lebenszeit sind.[/quote]
Einheit beinhaltet meiner Meinung nach ebenso alle Pol-Paare, habe ich mal was anderes behauptet? :) Einheiten gibt es meiner Meinung nach nicht, sondern nur jene objektive und absolute Einheit, die alle Pole integriert hat. Zeit und Raum kann sie meiner Meinung nach nicht mehr beinhalten (vielmehr ist sie zeit- und raumlos), da Zeit und Raum (Zwangs-)Produkte der Polarität sind.

[quote]Die Menschen haben jedoch eine besondere Fähigkeit: sie können durch Hilfsmittel Wahrnehmungen über ihren Tod hinaus speichern, z.B. visuelle Abbilder (Fotos, Zeichnungen), Geräusche (Tonband, CDs), sogar recht komplexe Vorgänge (Videos). Darüberhinaus können sie Wahrnehmungen und Erkenntnisse in Textform beschreiben. Das ist wohl DIE besondere Fähigkeit, die uns von den anderen Tieren unterscheidet !? Das ermöglicht uns, auch Prozesse zu erfassen, die länger als ein Menschenleben dauern und über den Lebensraum eines Menschen hinausgehen.[/quote]
Stimmt, so bewusst habe ich mir das noch gar nicht gemacht... Nur bringt dies alles jenen nichts, die gestorben sind, sondern nur den Verbliebenen - außer aber, wir beziehen die Reinkarnationstheorie mit ein, dann könnte dies tatsächlich ein sehr aufschlusreiches Medium darstellen. Aber wenn wir hier nun auch noch auf Reinkarnation eingehen, wird das Thema überkomplex.

[quote]Ja, für den Raum-/Zeitabschnitt, in dem sie den komplexen Prozess einigermaßen genau abbildet, kann sie als Hilfe dienen. Sie muß aber immer wieder mit dem laufenden Prozeß verglichen werden: "Was heute richtig ist, kann morgen falsch sein."[/quote]
Ich glaube wir reden hier aneinander vorbei. Ich will nochmals darauf hinweisen, dass ich Einheit als jenen Zustand verstehe, der durch Überwindung der Polarität erreicht wird (und wir durch die Polarität zum Nacheinander und zur Bewertung gezwungen sind). Das heißt, alle Pole sind integriert und alle haben ihre Berechtigung. Daraus folgt, es gibt keine Wertung mehr, da Einheit allumfassend ist und somit gut und böse (die Bezeichnungen werden aber hinfällig, da ja keine Bewertung mehr zulässig ist) wie alle anderen Pole auch einheitlich werden. In der Einheit kann "morgen" nichts "falsch" sein, weil weder Zeit noch Wertung existieren. Auf dem Weg dorthin kann es aber natürlich durchaus sein.

[quote]Polarität sagt nichts über meßbare Größen aus. Für die Betrachtung von Gleichgewicht oder Ungleichgewicht müßten die Pole irgendwie meßbar oder vergleichbar sein.[/quote]
Da bin ich gleicher Meinung. Aber wir vergleichen ja gerade in der Polarität, vergleichen die Pole selbst (ein großer Fehler des Menschen?). Das ist gut, weil das andere schlecht ist. Wenn das gute nun überwiegt, weil es quantitativ oder qualitativ (Wertung!) "mehr" ist, haben wir schon ein Ungleichgewicht.

[quote]Wie ich schon geschrieben hatte, sehe ich Polarität als eine Momentaufnahme, als ein "Teilstück" eines komplexeren Prozesses an, der in Zeit und Raum abläuft, und den man als Einheit bezeichnen könnte. Ein Gleichgewicht ist dann erreicht, wenn sich die Wirkungen über Zeit und/oder Raum ausgleichen. So schwankt z.B. die Körpertemparatur um 37 Grad Celsius, ist mal höher und mal niedriger, aber so lange sie in einem bestimmten Rahmen bleibt, kann man von einem Gleichgewicht sprechen. Das gleiche gilt für Blutdruck, Hezschlag-Frequenz usw. (Das ist meine Auffassung, sie erhebt keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit, taugt aber dazu, die meisten mich umgebenden und/oder betreffenden Sachverhalte irgendwie zu erklären.)
Wenn die Temperatur sehr stark steigt, und den "zulässigen Rahmen" überschreitet, entsteht ein Ungleichgewicht, das wir Fieber nennen, und das nicht über die Zeit wieder ausgeglichen wird. Wenn wir das erkennen, können wir dem möglicherweise mit Hilfsmitteln entgegenwirken.[/quote]
Dass sich Wirkungen über Zeit und/oder Raum ausgleichen können stimmt. Habe ich nicht mit einbezogen. Ich selbst ging aber von jenen Ungleichgewicht aus, welches sich nicht "selbst" wieder ausgleicht. In einem solchen Falle bin ich noch immer der (bereits genannten) Meinung. Von zentraler Bedeutung ist die Psyche, über die ich mir den jeweils überwiegenden Pol bewusst machen muss und ihn integrieren muss, da er - gemäß der bisherigen Theorie - ja nur dadurch (auf einmal) überwiegt, weil er zuvor verdrängt wurde und sich nun beispielsweise als Symtpom auf körperlicher Ebene manifestiert. Das Hilfsmittel ist also jene Ebene, die wir im "Außen" finden - als Körper, Person, etc.

[quote]Ich glaube nicht, daß wir die vom Unterbewußtsein verarbeiteten Wahnehmungen immer verdrängen wollen, sondern daß unsere Fähigkeiten, Wahrnehmungen bewußt zu verarbeiten, eben begrenzt sind.[/quote]
War von mir tatsächlich ziemlich unpassend ausgedrückt. Zwar sehe ich im Unterbewusstsein und Bewusstsein weiterhin zwei gegensätzliche Pole, aber das Unbewusste repräsentiert natürlich nicht nur Verdrängtes.
Ich habe wohl den passenden Begriff und nähere Erklärungen nicht gefunden, muss mir auch später nochmal näher darüber Gedanken machen, im vorraus aber schonmal: auf jeden Fall muss es einen Bereich geben, der wohl ein Teil jenen Teiles (oder genau jener Bereich) des Unterbewussten ist, der nicht direkt bewusst gemacht werden kann. Sondern im Falle eines Ungleichgewichtes durch Verdrängung eines Poles scheinbar von "außen" auf uns einwirkt, sei es nun durch Somatisierung in Form eines Symtpoms oder durch etwas anderes. Vielleicht ist es auch ein vom Unterbewusstsein getrennter Bereich, den wir nicht direkt bestimmen können.

[quote]Das "Ich" ist nach meiner Auffassung die Summe aus den bewußt und unbewußt verarbeiteten und gespeicherten Wahrnehmungen. Man könnte es auch als die Summe aus Denk- und Verhaltensmustern bezeichnen. Da nie zwei Individuen jeweils zur gleichen Zeit die gleichen Wahrnehmungen verarbeiten und speichern, ergibt sich daraus die Einzigartigkeit jedes Individuums.[/quote]
Da ich wie bereits beschrieben den Begriff "Unterbewusstsein" falsch verwendet habe, sind auch die genannten Folgen nicht in direkten Bezug zum Unterbewusstsein zu setzen, sondern wiederum nur zu jenem oben beschriebenen Bereich. Werde mir dazu nochmal Gedanken machen.

[quote]Was das Bedrohliche des Unterbewußtseins betrifft, ist das eine Frage, ob wir gelernt haben, uns selbst erkennen zu wollen. Die Verhaltensmuster unter bestimmten Bedingungen kann man im Vergleich mit Verhaltensmustern anderer Individuen unter gleichen Bedingungen abschätzen, genau voraussagen kann man sie nicht. Wenn aber Unterbewußtsein und Bewußtsein Teile des gleichen Prozesses sind, dann lassen sich auch Denkmuster nicht genau voraussagen, das Bewußtsein ist also nicht weniger bedrohlich.[/quote]
Betrachten wir das ganze mal fern vom metaphysischen sondern vom neurologischen Standpunkt, so ist das Unterbewusstsein gerade deshalb weitaus bedrohlicher, weil es nicht vollständig kontrollierbar ist. In ihm finden wir u.a. die emotionalen Zentren (wobei es kein Widerspruch ist, dass wir Emotionen bewusst erfassen und auch beeinflussen können). Grundsätzlich erreichen alle Signale immer zuerst diese emotionalen Zentren, bevor sie uns vollständig bewusst werden, d.h. rational interpretiert wurden. Allerdings stimme ich soweit mit dir überein, dass auch das Bewusstsein eine gewisse Bedrohlichkeit aufweist.
Die Selbsterkennung ist allerdings ein wichtiger Schritt, der die Gefährlichkeit von Unterbewusstsein (und Bewusstsein) nimmt, weil wir genau diese erkennen und integrieren.
Erkennen findet im Bewusstsein statt, weil wir im Symtpom einen Sinn erkennen, nämlich einen verdrängten (nicht gelebten) Pol! Das Symtpom auf körperlicher Ebene zu bekämpfen, uns aber nicht die Zusammenhänge klar zu machen, ist als würde man ein Kontrolllämpchen, welches uns auf irgendeine Gefahr aufmerksam macht, zerstören, mit dem Gedanken, dass die Gefahr nun weg sei.

[quote]Diese Auseinandersetzung ist aber sehr einseitig und bezieht sich wahrscheinlich nur auf dessen Widerstandsfähigkeit gegen unsere Zerstörungsversuche. Die Zerstörung ist also einkalkuliert und verhindert dann oft eine uns nützliche Verarbeitung.[/quote]
Es geht mir hier weniger darum, wie gut die Verarbeitung nun ist (was auch wieder Bewertung wäre), als um die Tatsache, dass wir überhaupt zu einer Auseinandersetzung gezwungen werden.

[quote]Wegen der Gefahr der Zerstörung des "Außen" ist Bekämpfen des Verdrängten kein Weg zu dessen Integration. Deshalb halte ich Polarität nicht für ein geeignetes Mittel zur Selbsterkenntnis.[/quote]
Auch hier scheinen wir aneinander vorbeizureden: Das "Außen" kann nicht zerstört werden, da es Teil des Selbst ist und somit nur eine Projektion des Selbst. Es wird durch die Bekämpfung erst wirklich erkannt und im eigenen Bewusstsein integriert. Das ist ja das Ziel der Selbsterkenntnis, dass man jene verdrängten Pole im "Außen" erkennt (denn dort manifestieren sie sich zwangsweise), durch bewusste Auseinandersetzung integriert, und sich somit der Einheit nähert.
Zwar unterliegen wir hier natürlich auch Prozessen, aber das ist Indiz dafür, dass wir die Polarität nie überwinden können, weil wir nicht dazu in der Lage sind.
SolanumSacrific[quote]"er-kennen" impliziert den Vergleich mit Wahrnehmungen, die man "kennt", die irgendwo im Gehirn gespeichert sind.[/quote]
Stimmt :) Zentral nämlich zum einen der Hippocampus, der emotionale (und unbewusste) Informationen speichert und zum Vergleich "abruft", zum anderen kortikale Bereiche, die bewusste Informationen speichern und verwenden können. Wiederum sind das Mittel dafür (vereinfacht) die Neuronen, das erkennen an sich bleibt aber psychisch.

[quote]Wenn ich jetzt meine Ausführungen konsequent weiterdenke, dann umfaßt "Psyche" genau den Prozeß der (bewußten und unbewußten) Verarbeitung von Wahrnehmungen, aber nicht die äußeren Faktoren.[/quote]
Genau das ist ja der Punkt. Der Theorie zufolge sind nun aber auf einmal auch äußere Faktoren psychisch, da sie Projektion des Selbst sind - zwangsweise, nämlich aufgrund der Polarität. Somit umfasst Psyche weiterhin nur das Unbewusste und Bewusste, integriert aber das "Außen" unter dieser Perspektive als Bereich des Selbst, welches nur in einem [i]selbst[/i] existiert.
Deshalb sind ja auch Symtpome nur (somatisierter) Ausdruck verdrängter Bereiche des Selbst, hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht zweier Pole. Im Prinzip wiederhole ich mich hier, muss aber zugeben, dass es schwer ist, für diese komplexen Zusammenhänge geeignete Worte zu finden. Werde es aber immer wieder in zusammenhängenden Texten versuchen.

[quote]Das "Außen" ist ein Bereich, der unabhängig von unserer Psyche existiert. Aber bereits unsere Wahrnehmungen davon sind Abbilder, die nur noch die Eigenschaften des Außen enthalten, die unsere Sinnesorgane erfassen können.[/quote]
Meiner Meinung ist es eben ein Irrtum (eine Illusion), das "Außen" als einen solchen Bereich zu sehen, da es eigentlich [i]Teil meines Selbst[/i] ist. Das Selbst wird aber durch die Polarität gespalten in "Ich" und "Du", "Innen" und "Außen".

[quote]Wenn wir davon ausgehen, daß Polarität eine "Momentaufnahme", ein Teilbild eines Prozesses ist, dann ist sie ein aus unserer Sicht, auf der Grundlage unserer Wahrnehmungen entstandenes Bild, eine von unserer Psyche erzeugte Illusion. Damit ist aber auch die Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt und zwischen Innen und Außen eine Illusion.[/quote]
Eben. Illusion, die wir durch das bewusste Integrieren jeweiliger Pole entlarven und somit die ins "Außen" verschobenen Bereiche wieder im Selbst integrieren können, sodass es nicht mehr gespalten vom "Innen" ist.

[quote]Beim Nachdenken über diesen Satz bin ich zu dem Schluß gekommen, daß "das Selbst" die Psyche (inkl. gespeicherter Wahrnehmungen und Produkten der Psyche) und den eigenen Körper (inkl. seiner Sinnesorgane) umfaßt. Über den Körper wird die Rückverbindung wieder hergestellt.[/quote]
Der Körper ist für mich nur Ebene, auf der verschiedene, unerkannte Pole sich verwirklichen können (womit wir wieder beim Beispiel der Symtpome wären). Das Selbst an sich ist meiner Meinung nach bereits Einheit, weil es "Ich" und "Du", "Außen" und "Innen", und dadurch auch alle anderen Polaritäten innehat. Gar nicht so unwichtig, diese Selbsterkenntnis...

[quote]Ich meinte hier vor allem Rückwirkungen der von uns "gestörten" Prozesse auf unseren KÖRPER, z.B. ich fälle einen Baum, und der Baum erschlägt mich.[/quote]
Ein Prozess kann natürlich eine (erschlagende :)) Wirkung auf unseren Körper haben.
Wir könnten uns nun fragen, warum der Baum (um beim Beispiel zu bleiben) uns erschlagen hat -> weil wir ihn gefällt haben. Warum fällen wir ihn? -> Weil wir Holz brauchen. Warum benötigen wir Holz? -> Für ein Feuer. Warum wollen wir ein Feuer machen? -> Weil uns kalt ist. [i]Undsoweiter![/i]

Damit sind wir bei einem für die metaphysische Thematik wichtigen Punkt. Diese endlosen Kausalitätsketten führen irgendwann zur Frage, wie der Urknall entstand und folglich kann der Mensch nie eine Ur-Ursache für alles finden, sondern muss irgendwo bei einer Ursache Halt machen. Als Beispiel: wir haben eine Entzündung, weil bestimmte Erreger im Körper dafür verantwortlich sind. Somit nehmen wir als Ursache der Entzündung die Erreger. Wir bekämpfen nun also die Ursache, nämlich die Erreger und die Entzündung verschwindet. Zumindest auf körperlicher Ebene. Aber der bisherigen Theorie zufolge (auch wenn sie teils sehr unklar ist) stellt die körperliche Ebene ja nur einen Bereich dar, in dem sich verdrängte Bereiche (Pole) verwirklichen können, sich durch Somatisierung Ausdruck verschaffen und somit erkannt und gelebt werden wollen. Wir reagieren darauf natürlich ziemlich negativ, schließlich handelt es sich ja auch um Verdrängtes, Nicht-Gewolltes.
Die komplette, moderne Medizin glaubt durch das Auslöschen einer festgelegten Ursache etwas Vorhandenes zu beseitigen und den Menschen (wenn es sich z.B. um ein Symtpom handelt) heiler zu machen. Das ist unter unserem metaphysischem Blickwinkel ein Irrtum (ich erinnere an das Beispiel mit dem "Kontrolllämpchen". [i]Heil-werden können wir nur durch bewusste Integration verdrängter Pole.[/i] Kausales Denken alleine hilft also nicht weiter, wir müssen zu einer Analogie übergreifen und im Symtpom ein Indiz für jenen verdrängten (nicht-gelebten) Pol sehen, was natürlich sehr schwer ist. Wer will sich schon genau das eingestehen, was er verdrängt hat. Machen wir dies aber, können wir die eigentliche Heilung schließlich finden, in dem wir jenen Pol akzeptieren, integrieren, leben.

[quote]Wir hören und sehen z.B. nur das, was in unserer Nähe abläuft. Aber vielleicht sind Zeit und Raum das Gleiche? Wenn ich so an den Begriff "Lichtjahr" denke ...[/quote]
Oder der Begriff "Raumzeit" :) Physikalisch, aber nicht uninteressant.


Übrigens eine interessante (und für mich auch recht aufschlussreiche) Diskussion.
Zafira[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
[B]
Stimmt :) Zentral nämlich zum einen der Hippocampus, der emotionale (und unbewusste) Informationen speichert und zum Vergleich "abruft", zum anderen kortikale Bereiche, die bewusste Informationen speichern und verwenden können. Wiederum sind das Mittel dafür (vereinfacht) die Neuronen, das erkennen an sich bleibt aber psychisch.


Genau das ist ja der Punkt. Der Theorie zufolge sind nun aber auf einmal auch äußere Faktoren psychisch, da sie Projektion des Selbst sind - zwangsweise, nämlich aufgrund der Polarität. Somit umfasst Psyche weiterhin nur das Unbewusste und Bewusste, integriert aber das "Außen" unter dieser Perspektive als Bereich des Selbst, welches nur in einem [i]selbst[/i] existiert.
Deshalb sind ja auch Symtpome nur (somatisierter) Ausdruck verdrängter Bereiche des Selbst, hervorgerufen durch ein Ungleichgewicht zweier Pole. Im Prinzip wiederhole ich mich hier, muss aber zugeben, dass es schwer ist, für diese komplexen Zusammenhänge geeignete Worte zu finden. Werde es aber immer wieder in zusammenhängenden Texten versuchen.


Meiner Meinung ist es eben ein Irrtum (eine Illusion), das "Außen" als einen solchen Bereich zu sehen, da es eigentlich [i]Teil meines Selbst[/i] ist. Das Selbst wird aber durch die Polarität gespalten in "Ich" und "Du", "Innen" und "Außen".


Eben. Illusion, die wir durch das bewusste Integrieren jeweiliger Pole entlarven und somit die ins "Außen" verschobenen Bereiche wieder im Selbst integrieren können, sodass es nicht mehr gespalten vom "Innen" ist.


Der Körper ist für mich nur Ebene, auf der verschiedene, unerkannte Pole sich verwirklichen können (womit wir wieder beim Beispiel der Symtpome wären). Das Selbst an sich ist meiner Meinung nach bereits Einheit, weil es "Ich" und "Du", "Außen" und "Innen", und dadurch auch alle anderen Polaritäten innehat. Gar nicht so unwichtig, diese Selbsterkenntnis...


Ein Prozess kann natürlich eine (erschlagende :)) Wirkung auf unseren Körper haben.
Wir könnten uns nun fragen, warum der Baum (um beim Beispiel zu bleiben) uns erschlagen hat -> weil wir ihn gefällt haben. Warum fällen wir ihn? -> Weil wir Holz brauchen. Warum benötigen wir Holz? -> Für ein Feuer. Warum wollen wir ein Feuer machen? -> Weil uns kalt ist. [i]Undsoweiter![/i]

Damit sind wir bei einem für die metaphysische Thematik wichtigen Punkt. Diese endlosen Kausalitätsketten führen irgendwann zur Frage, wie der Urknall entstand und folglich kann der Mensch nie eine Ur-Ursache für alles finden, sondern muss irgendwo bei einer Ursache Halt machen. Als Beispiel: wir haben eine Entzündung, weil bestimmte Erreger im Körper dafür verantwortlich sind. Somit nehmen wir als Ursache der Entzündung die Erreger. Wir bekämpfen nun also die Ursache, nämlich die Erreger und die Entzündung verschwindet. Zumindest auf körperlicher Ebene. Aber der bisherigen Theorie zufolge (auch wenn sie teils sehr unklar ist) stellt die körperliche Ebene ja nur einen Bereich dar, in dem sich verdrängte Bereiche (Pole) verwirklichen können, sich durch Somatisierung Ausdruck verschaffen und somit erkannt und gelebt werden wollen. Wir reagieren darauf natürlich ziemlich negativ, schließlich handelt es sich ja auch um Verdrängtes, Nicht-Gewolltes.
Die komplette, moderne Medizin glaubt durch das Auslöschen einer festgelegten Ursache etwas Vorhandenes zu beseitigen und den Menschen (wenn es sich z.B. um ein Symtpom handelt) heiler zu machen. Das ist unter unserem metaphysischem Blickwinkel ein Irrtum (ich erinnere an das Beispiel mit dem "Kontrolllämpchen". [i]Heil-werden können wir nur durch bewusste Integration verdrängter Pole.[/i] Kausales Denken alleine hilft also nicht weiter, wir müssen zu einer Analogie übergreifen und im Symtpom ein Indiz für jenen verdrängten (nicht-gelebten) Pol sehen, was natürlich sehr schwer ist. Wer will sich schon genau das eingestehen, was er verdrängt hat. Machen wir dies aber, können wir die eigentliche Heilung schließlich finden, in dem wir jenen Pol akzeptieren, integrieren, leben.


Oder der Begriff "Raumzeit" :) Physikalisch, aber nicht uninteressant.


Übrigens eine interessante (und für mich auch recht aufschlussreiche) Diskussion. [/B][/QUOTE]

Also erstmal, Hut ab!!
Diese Beiträge sind endlich mal intelligent und beinhalten ne Menge Wissen!!!
Sehr interessant zu lesen!!!
LG Zafira
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SolanumSacrific [/i]
--------------------------------------------------------------------------------
[B]TP: [/B]... umfaßt "Psyche" genau den Prozeß der (bewußten
und unbewußten) Verarbeitung von Wahrnehmungen,
aber nicht die äußeren Faktoren.
--------------------------------------------------------------------------------
Genau das ist ja der Punkt. Der Theorie zufolge sind nun aber auf einmal auch äußere Faktoren psychisch, da sie Projektion des Selbst sind - zwangsweise, nämlich aufgrund der Polarität. Somit umfasst Psyche weiterhin nur das Unbewusste und Bewusste, integriert aber das "Außen" unter dieser Perspektive als Bereich des Selbst ...
--------------------------------------------------------------------------------
[B]TP: [/B]Das "Außen" ist ein Bereich, der unabhängig von unserer Psyche existiert.
Aber bereits unsere Wahrnehmungen davon sind Abbilder,
die nur noch die Eigenschaften des Außen enthalten,
die unsere Sinnesorgane erfassen können.
--------------------------------------------------------------------------------
Meiner Meinung ist es eben ein Irrtum (eine Illusion), das "Außen" als einen solchen Bereich zu sehen, da es eigentlich [i]Teil meines Selbst[/i] ist. Das Selbst wird aber durch die Polarität gespalten in "Ich" und "Du", "Innen" und "Außen".
--------------------------------------------------------------------------------
[B]TP: [/B]Wenn wir davon ausgehen, daß Polarität eine "Momentaufnahme",
ein Teilbild eines Prozesses ist, dann ist sie ein aus unserer Sicht,
auf der Grundlage unserer Wahrnehmungen entstandenes Bild,
eine von unserer Psyche erzeugte Illusion.
Damit ist aber auch die Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt
und zwischen Innen und Außen eine Illusion.
--------------------------------------------------------------------------------
Eben. Illusion, die wir durch das bewusste Integrieren jeweiliger Pole entlarven und somit die ins "Außen" verschobenen Bereiche wieder im Selbst integrieren können, sodass es nicht mehr gespalten vom "Innen" ist. [/QUOTE]Wenn ich jetzt mal versuche, die wesentlichen Unterschiede zwischen deiner Theorie und meiner Auffassung zusammenzufassen (die wohl auch der Grund für unser Aneinander-Vorbeireden sind), ergeben sich für mich die folgenden:
1. Deine Theorie geht von Polarität als etwas Gegebenem (Realem) aus, während meiner Auffassung nach Polarität eine Illusion ist.
2. Nach deiner Theorie ist "das Außen" ein Teil "des Selbst", während nach meiner Auffassung "das Selbst" ein Teil "des Außen" (der Welt, der Materie) ist.

Mit meinem "erschlagenden Baum-Beispiel" wollte ich bekräftigen, daß "das Außen" unabhängig vom "Selbst" existiert und auf dieses REAL (und teilweise vernichtend) einwirkt. [QUOTE][B]Übrigens eine interessante (und für mich auch recht aufschlussreiche) Diskussion. [/B][/QUOTE]Das kann man wohl sagen! Beim Formulieren der Antworten habe ich über vieles nachgedacht, über das ich mir vorher noch nie den Kopf zerbrochen habe.
Ich bin eigentlich erstaunt darüber, daß ich mit meinen Auffassungen offenbar gar nicht so weit von den Spezialisten entfernt bin (Stichwort Hippocampus und kortikale Bereiche), weil ich eigentlich weder beruflich noch hobbymäßig mit Biologie oder Psychologie zu tun habe, sondern mich mit Computern herumschlage. Vielleicht ist "Künstliche Intelligenz" gar keine so ferne Utopie mehr :) .

Zum weiteren "Zerpflücken" deiner beiden letzten Beiträge werde ich wohl in den nächsten Tagen keine Zeit haben. Heute Nacht muß ich mal wieder ein paar Stunden schlafen. Und morgen Abend spielt "Ole Lukkoye" [URL=http://www.rosenkeller.org]im Rosenkeller[/URL] :cool: (da kann ich die Grenzen zwischen Realität und Illusion mal wieder live erfahren).

TheTurningPoint
TheTurningPointIch habe gerade in der Heise-Telepolis [URL=http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/13543/1.html]einen interessanten Artikel zum Thema "Augen und Gehirn"[/URL] gefunden.

TP
SolanumSacrific[quote]Also erstmal, Hut ab!!
Diese Beiträge sind endlich mal intelligent und beinhalten ne Menge Wissen!!!
Sehr interessant zu lesen!!!
LG Zafira[/quote]
Danke... Wäre erfreut, deine Meinung zu diesem Thema zu erfahren :)

[quote]Ich bin eigentlich erstaunt darüber, daß ich mit meinen Auffassungen offenbar gar nicht so weit von den Spezialisten entfernt bin (Stichwort Hippocampus und kortikale Bereiche), weil ich eigentlich weder beruflich noch hobbymäßig mit Biologie oder Psychologie zu tun habe, sondern mich mit Computern herumschlage.[/quote]
Um keine falschen Vermutungen aufkommen zu lassen. Ich würde mich keineswegs als Spezialisten bezeichnen, da die Gehirnforschung nur in meinen Interessenbereich fällt, ich damit aber nicht aktiv etwas zu tun habe.

[quote]Zum weiteren "Zerpflücken" deiner beiden letzten Beiträge werde ich wohl in den nächsten Tagen keine Zeit haben. Heute Nacht muß ich mal wieder ein paar Stunden schlafen. Und morgen Abend spielt "Ole Lukkoye" im Rosenkeller (da kann ich die Grenzen zwischen Realität und Illusion mal wieder live erfahren).[/quote]
Alles klar, wünsche dir (etwas verspätet) einen schönen Abend. Werde vielleicht auch erst in ein paar Tagen die Zeit finden, noch näher darauf eingehen.
SolanumSacrificNun, im Vergleich mit der unendlichen Einheit sind bis heute tatsächlich nur "ein paar Tage" verstrichen, letztendlich hoffte ich aber, bereits früher diesen thread fortsetzen zu können. Was mir jedoch leider nicht möglich war.

Wenn man die Kernpunkte aufgreift, die zuletzt diskutiert wurden, ist man mit zwei Fragen konfrontiert:

1. Ist das vom Individuum erlebte "Außen" Teil des "Selbst", welches sich - bedingt durch die Polarität - in "Außen" und "Innen" spaltet. Oder ist das "Selbst" Teil des Außen, wodurch aber meiner Ansicht nach ein Konflikt in Bezug zur bisherigen theoretischen Ausführung über das Polaritätsprinzip und dessen Konsequenzen entsteht. Ferner zeigt sich ein Problem bei der neurologisch-metaphysischen Betrachtung, da wir ein Sub- oder Objekt im "Außen" über die Wahrnehmung in unserem Gehirn erfassen, was bedeutet, dass wir eine Ansammlung von Atomen über Sinnesorgane aufnehmen, in unserem Gehirn verarbeiten und schließlich über entsprechende neuronale Verbindungen das jeweilige Sub- oder Objekt damit identifizieren. Das Erkennen spielt sich also allein im Gehirn ab, somit im Bereich des "Innens". Zwar dementiert diese Erkenntnis nicht die Existenz eines Sub- oder Objektes im "Außen", ebenso wenig dementiert sie aber die Existenz, die sich im Gehirn bildet.
Da nun das "Außen" im Bereich des "Innen" erkannt wird, und somit eine gesonderte Existenz vorhanden ist, impliziert das "Innen" eine veränderte Form des "Außen". Sollte das "Selbst" nun aber Teil des "Außens" sein, würden wir dieses Selbst ebenso im Bereich des "Innens" erleben (nur eben in veränderter Form). Dadurch wird das "Selbst" zu einem Teil des "Außens", jedoch auch zu einem Teil des "Innens". Es ergibt sich also kein Widerspruch bei der Aussage, das "Selbst" sei Teil des "Außens", da dies für sich genommen richtig ist. Jedoch kann man das Gedankenkonstrukt komplexer gestalten und unter Berücksichtigung bisherige metaphyisischer Überlegungen zur Polarität gelangt man zu der These, dass das Selbst sich in "Außen" und "Innen" spaltet, somit "Außen" und "Innen" in sich trägt und nicht Teil des "Außen" ist.
Rekapitulierend möchte ich dies durch die Theorie bekräftigen, dass das erlebende Individuum seinen eigenen Egobereich (ich schreibe bewusst nicht Seinsbereich) getrennt von der Außenwelt wahrnimmt und identifiziert. Dadurch kommt es zu einer Differenzierung zwischen "Subjekt" und "Objekt", zwischen "Innen" und "Außen". Wir befinden uns in der Polarität, sind in ihr gefangen. Sie ist für das Vorhandensein aller Gegensätzlichkeit, insbesondere des "Außens" und des "Innens" verantwortlich. Ohne Polarität würden "Außen" und "Innen" sowie alle anderen Gegensätze, die stets voneinander abhängig sind, zur Einheit verschmelzen. Sie würden das "Selbst" bilden, welches sich jedoch aufgrund der Polarität in "Innen" und "Außen" spaltet. Selbsterkenntnis bedeutet Erkennen der Polarität, sowie den Versuch, diese zu überwinden.
Zum Besseren Verständnis empfielt es sich natürlich, vorangegange Beiträge (insbesondere den einleitenden Beitrag) zu lesen.
Mit bisherigen Ausführungen möchte ich meine Annahme, dass sowohl "Außen" als auch "Innen" Teil des "Selbsts" sind, bekräftigen.

2. Ist Polarität etwas Gegebenes (Reales), oder eine Illusion? Dies hängt mit den zuerst aufgeführten Problem zusammen, da man sich hier wieder bewusstmachen sollte, dass sich die eigentliche Realität letztendlich im Gehirn bildet, und somit alles psychisch ist (was ebenso bereits ausführlicher behandelt wurde).
Somit liegt zwar das im "Innen" wahrgenommene "Außen" in veränderter Form vor, was jedoch nicht einer Illusion gleichkommt. Illusion wäre es vielmehr, wenn man sagt, dass die Außenwelt so existiert, wie wir sie wahrnehmen. Polarität ist durchaus real, wir erleben sie tagtäglich, bzw. müssen sie erleben.
Ist sie dadurch etwas Gegebenes? Ist es die (leider unüberwindbare) Selbstverschuldung des erlebenden Individuums, dass es eine Trennung zwischen "Außen" und "Innen", "Subjekt" und "Objekt" vollzieht? Oder ist es die "Schuld" der Polarität, die dafür ja verantwortlich ist? Vermutlich ist es wie die Frage, ob zuerst die Henne existierte, oder das Ei (ohne Henne kein Ei, aber ohne Ei auch keine Henne). Ohne Polarität kommt es nicht zur Spaltung des "Selbst" in "Außen" und "Innen", doch woher soll jene Polarität kommen? Früheren theoretischen Ausführungen zufolge ist Polarität etwas nicht Erfassbares, was hier aber nicht nochmals aufgegriffen wird. Diesem Gedanken zufolge kann man also die These aufstellen, dass die Polarität vor allem existiert und somit verantwortlich für die Spaltung des "Selbsts" in "Außen" und "Innen" ist. Zweifler könnten aber entsprechend anbringen, dass einzig und allein erst durch jene Spaltung Polarität entsteht.
Dies wäre ein weiterer Punkt, der für eine Diskussion interessant wäre.
Jedoch spricht es in keinem Falle der Polarität ihren Realismus ab. Polarität lässt sich möglicherweise nicht als etwas definieren, dass IST (außer man verfolgt jene Theorie, dass Polarität etwas nicht Erfassbares ist), sie lässt sich möglicherweise aber als Ursache für die Spaltung des "Selbst" definieren und an ihrer Wirkung erkennen.

Damit verbleibe ich und hoffe auf einen Diskurs :)
LaChatte[QUOTE]1. Ist das vom Individuum erlebte "Außen" Teil des "Selbst", welches sich - bedingt durch die Polarität - in "Außen" und "Innen" spaltet. [/QUOTE]

Das erachte ich für eine Frage, die auf verschiedenen Ebenen verschieden beantwortet werden muss:

Für unser "Alltagsbewusstsein" gibt es eine klare Trennung von Innen und Aussen. Ich, mein Körper, meine Gedanken, meine Gefühle = Innen. Alles andere = Aussen. Und das ist eine Definition, die für den Hausgebrauch auch hervorragend funktioniert.

Anders sieht es bei spirituellen Erfahrungen aus, bei denen ich zwar immer noch ein "Ich" wahrnehme, aber dennoch eine Verbundenheit mit allem sehr stark spüre, eine Verbundenheit, die über die Polarität hinausgeht. Formulierungen wie "ich bin das ganze Universum, ich durchdringe alles, alles ist eins" sind in diesem Zusammenhang häufig zu hören, und auf dieser Ebene auch absolut richtig.

[QUOTE]2. Ist Polarität etwas Gegebenes (Reales), oder eine Illusion? [/QUOTE]

Auch hier muss die Frage auf verschiedenen Ebenen verschieden beantwortet werden:

Wir leben in einer Welt der Polarität und nehmen diese Polaritäten wahr, wir arbeiten mit ihnen, wir kämpfen mit ihnen, sie sind Teil unserer Conditio humana, und in diesem Sinne real und keine Illusion. Unser Körper ist so ausgestattet, dass er für ein Leben in der Polarität geeignet ist. Er ist selbst in Polen organisiert (oben unten - links rechts etc) Anders wär es gar nicht möglich, hier auf der Erde zu sein.

Wieder auf einer höheren spirituellen Ebene, einer göttlichen Ebene, existiert Einheit und Absolutheit. Auf dieser Ebene, die man zB durch Meditation oder Gebet erreichen kann (und alle Menschen tun das, wenn viele auch unbewusst), erkennt man, dass es eine absolute Einheit gibt, und dass die Polaritäten, mit denen wir uns herumschlagen, alle Ausdruck dieser Einheit sind. Und wir sind in diese Welt der Polarität gestellt, um die Erfahrung zu machen, und zu lernen, dass die Quelle allen Seins die Einheit von "allem was ist" ist. Gut und böse existieren auf dieser Ebene nicht - es gibt einfach Erfahrungen, und was man daraus macht.

Und ich denke, dass es die Aufgabe jedes Menschen ist, zu erkennen, dass die Polarität in diesem Sinne eine Illusion ist und überwunden werden sollte. Polarität ist relativ: "Dunkelheit" ist gut, wenn ich Fotos entwickeln möchte, aber schlecht, wenn ich Sonnenbaden möchte. Das Einssein ist absolut, verbindend, und unsere wahre Heimat.

Ein starker Hinweis für die Richtigkeit dieser Ansicht ist meiner Meinung nach die grosse Sehnsucht nach der Einheit, die wir alle verspüren. Ein Theologe hat mal formuliert: "Wir haben Durst, weil wir trinken müssen, um zu leben. Wir haben Hunger, weil wir essen müssen, um zu leben. Und haben wir nicht auch die Sehnsucht nach dem Göttlichen, weil wir Gott brauchen, um zu leben?" Das war zwar eine christlich orientierte Formulierung, trifft aber in einem weiteren Sinn meiner Meinung nach den Kern der Sache.
SolanumSacrific[quote]Für unser "Alltagsbewusstsein" gibt es eine klare Trennung von Innen und Aussen. Ich, mein Körper, meine Gedanken, meine Gefühle = Innen. Alles andere = Aussen. Und das ist eine Definition, die für den Hausgebrauch auch hervorragend funktioniert.[/quote]
Da stimme ich dir zu.


[quote]Anders sieht es bei spirituellen Erfahrungen aus, bei denen ich zwar immer noch ein "Ich" wahrnehme, aber dennoch eine Verbundenheit mit allem sehr stark spüre, eine Verbundenheit, die über die Polarität hinausgeht. Formulierungen wie "ich bin das ganze Universum, ich durchdringe alles, alles ist eins" sind in diesem Zusammenhang häufig zu hören, und auf dieser Ebene auch absolut richtig.[/quote]
Zwar kann man bei spirituellen (und ähnlichen) Erfahrungen eine starke Verbundenheit mit allem empfinden, so ist dies meiner Meinung nach jedoch nicht mehr als der Versuch, für einen Moment das Gefühl(!), in der Polarität gefangen zu sein, zu überwinden. Allein schon deine Beispielformulierung zeigt, dass man noch immer Gefangener der Polarität ist: "ICH bin das ganze Univrsum, ICH durchdringe alles." ICH bedeutet aber, man lebt noch immer seinen Egobereich, auch wenn die Grenze zur Außenwelt vielleicht verschwommen erscheinen mag. Eine absolute Überwindung der Ich-Grenze, ein Zusammenfügen von "Innen" und "Außen" zum "Selbst", zur absoluten Einheit, ist zumindest im Irdischen Dasein nicht möglich. Ein weiterer Beleg dafür ist die Tatsache, dass gemäß bisherige theoretischer Aufführungen in der Einheit Zeit und Raum nicht existieren. Ebenso verlieren aber auch jegliche Wertungen an Bedeutung, ja, sie sind nicht einmal mehr zulässig, da Einheit nur eine Verschmelzung aller Pole ist, und somit jede Gegensätzlichkeit in sich einschließt.


[quote]Wieder auf einer höheren spirituellen Ebene, einer göttlichen Ebene, existiert Einheit und Absolutheit. Auf dieser Ebene, die man zB durch Meditation oder Gebet erreichen kann (und alle Menschen tun das, wenn viele auch unbewusst), erkennt man, dass es eine absolute Einheit gibt, und dass die Polaritäten, mit denen wir uns herumschlagen, alle Ausdruck dieser Einheit sind.[/quote]
Hier spalten sich unsere Ansichten, denn wie oben bereits erwähnt glaube ich nicht, dass das erlebende Individuum dazu fähig ist, im irdischen Dasein Polarität überwinden zu können, auch nicht durch spirituelle Erfahrungen oder ähnliches.
Ein reines Erkennen kann aber auch unabhängig von solchen Erfahrungen eintreten, beispielsweise durch rein rationale Schlussfolgerungen, durch einen Diskurs wie diesen, etc.


[quote]Und wir sind in diese Welt der Polarität gestellt, um die Erfahrung zu machen, und zu lernen, dass die Quelle allen Seins die Einheit von "allem was ist" ist. Gut und böse existieren auf dieser Ebene nicht - es gibt einfach Erfahrungen, und was man daraus macht.[/quote]
Diese Erfahrungen empfinden wir jedoch unterschiedlich. Sie können gut sein, sie können aber auch schlecht sein. Sie stimmen uns glücklich oder traurig - sie spiegeln die Polarität wieder und somit existieren auch die Gegensätzlichkeiten (wie Gut und Böse) auf der Ebene der Polarität. In der Einheit verschwinden diese Pole, aber damit auch die Erfahrungen. Erfahrungen sind immer abhängig von Wertungen (oder umgekehrt), sonst wären es keine Erfahrungen. In der Einheit kann man keine Erfahrung mehr machen (in welchem Zustand auch immer man in ihr existiert). Erfahrung würde einer Bewusstwerdung gleichen (auf die ich in früheren Beiträgen bereits einging), die nur in der Polarität zulässig ist.


[quote]Und ich denke, dass es die Aufgabe jedes Menschen ist, zu erkennen, dass die Polarität in diesem Sinne eine Illusion ist und überwunden werden sollte. Polarität ist relativ: "Dunkelheit" ist gut, wenn ich Fotos entwickeln möchte, aber schlecht, wenn ich Sonnenbaden möchte. Das Einssein ist absolut, verbindend, und unsere wahre Heimat.[/quote]
Gewiss ist Polarität relativ, dies verdeutlicht jene Wertungen, zu denen wir innerhalb der Polarität gezwungen sind. Etwas ist böse, und das Gegenteil davon ist gut. Im nächsten Moment kann dies aber auch wechseln. Dies hängt jeweils von der subjektiven Sichtweise ab, und auch hier treffen wir wieder auf die Polarität. Denn ohne Polarität gäbe es keine Subjektivität, und Polarität zwingt uns zur Wertung, die entsprechend subjektiv ist, und diese Wertungen, die wir ständig machen, sind nicht mehr als kontinuierliches Erleben zweier gegensätzlicher Pole, zwischen denen wir entscheiden (und differenzieren) müssen. In diesem Sinne ist Polarität also äußerst real, es sei denn, man spricht seiner eigenen Existenz oder der Existenz aller anderen Sub- und Objekte die Realität ab. Jedoch kann etwas Nicht-Reales nicht zu einer realen Einheit verschmelzen.
"Unsere wahre Heimat" - das denke ich auch, nur können wir jene wahre Heimat, die Einheit, erreichen? Ich wiederhole mich: ich halte es für unmöglich, solange wir im Irdischen die Polarität erleben. Und wir sind dazu verdammt, sie zu erleben.


[quote]Ein starker Hinweis für die Richtigkeit dieser Ansicht ist meiner Meinung nach die grosse Sehnsucht nach der Einheit, die wir alle verspüren.[/quote]
Das ist subjektiv ;) Die Sehnsucht nach Einheit mag aus dem Erkennen der Polarität resultieren, dies folgert aber nicht die Möglichkeit, der Polarität zu entrinnen (was du ja auch keineswegs hier explizit gesagt hast, wollte es nur nochmals anmerken). Im Prinzip führt uns jeder Versuch, sich der Polarität zu entheben, uns tiefer in sie hinein. Wer sich gegen die Polarität entscheidet, entscheidet sich für die Einheit. Und damit haben wir wiederum an sich zwei Pole (aber auch nur an sich), wieder haben wir eine Entscheidung getroffen, wieder haben wir differenziert, wieder haben wir bewertet - wieder haben wir die Polarität durchlebt.

Vielleicht wären wir ohne Polarität überhaupt nicht überlebensfähig..?
LaChatteAuf der Erde sicher nicht - solange wir hier sind, können wir erahnen, dass es noch etwas anderes gibt als die Polarität, und diesen Zustand auch für eine kurze Zeit überwinden und Erfahrungen jenseits der Polarität machen, aber wir kommen auch immer wieder zurück, da bin ich einverstanden.

Ich hab mir noch überlegt - was müssen wir nun mit der Polarität tun? Integrieren finde ich nun ein besseres Wort als überwinden - zu erkennen, dass alle Pole etwas mit mir zu tun haben, und dann zu erkennen, dass ich sie alle umfassen kann. Hell und dunkel wären bedeutungslos, wenn wir keine Augen hätten - und unsere Aufgabe ist, das Helle und das Dunkle gleichermassen als Ausdruck einer Einheit anzunehmen, und aufhören zu urteilen, dass das eine besser als das andere sei. Beides ist, und beides hat mit uns zu tun. Und wir können lernen, beides zu umfassen, sowohl "hell" als auch "dunkel" gleichermassen zu leben.

Und die Sehnsucht nach Einheit, nach Ordnung, nach dem grösseren Plan ist bestimmt da - warum wäre sonst die Sexualität so wichtig für uns? Das Verschmelzen mit einem Anderen, das Gefühl, dass alles in Ordnung ist, genauso, wie es ist? Sexualtiät ist ein Bereich, wo das sehr stark zum Ausdruck kommt, aber es gilt genauso für andere Bereiche.

Sind wir "verdammt", die Polarität zu erleben? Ist doch eine wahnsinnig spannende und bereichernde Erfahrung - macht doch Spass, oder nicht? Auch "schlechte" Erfahrungen wie Schmerz, Hass, Eifersucht, Leid können uns doch ein Gefühl unserer Kraft vermitteln, und können uns dazu führen, der Einheit näher zu kommen.

Ich fasse den Begriff "spirituelle Erfahrung" auch sehr weit, also nicht nur für das, was man in Gebet oder Meditation im klassischen Sinn erlebt. Das kann auch für mentale Erlebnisse gelten - als Einstein seine berühmte Formel E=mc2 notierte, war das bestimmt eine sehr spirituelle Erfahrung, die Wahrnehmung der Schönheit und Einfachheit dieser Formel, das Gefühl, der Einheit ein Stück näher gekommen zu sein, das Gefühl, zwei bisher unvereinbare Dinge zusammengebracht zu haben. Oder für Sport - viele, die hervorragende Leistungen bringen, sprechen von dem Gefühl, dass sie ohne überlegen, "einfach so", das richtige machen und Höchstleistungen erbringen.

Aber eben: solange wir auf der Erde leben, leben wir in und mit der Polarität. Es ist richtig, dass es keine Urteile und Wertungen mehr geben kann, wenn wir nicht mehr drin wären - aber wir können ja schon etwas üben. Ein grosser Lehrer hat schliesslich gesagt: "Urteilt nicht, damit nicht über euch geurteilt wird"
TheTurningPoint@ LaChatte:
Ich kann mich langsam des Eindrucks nicht mehr erwehren, daß wir irgendwie seelenverwandt sind. :) Dein letzter Beitrag hätte wortwörtlich ebenso von mir stammen können. Ich hätte nichts wegzulassen oder hinzuzusetzen.

@ SolanumSacrific:
Ich habe seit längerem leider nicht mehr die Zeit, und vor allem nicht die nötige Konzentration, um auf deine Beiträge in entsprechender Weise antworten zu können. :rolleyes: Da kann ich LaChatte nur danken, daß sie mich hier würdig vertritt.
LaChatte@turning Point

ist gern geschehn:)
ChimonasVerzeiht, wenn ich nicht alles gelesen, oder verstanden haette,
doch die Frage beschaeftigt mich auch.

Zunaechst einmal zur Zeit. Die gibt es nicht nur in der menschlichen Vorstellung, aber sie besteht neben der "Unendlichkeit". Allerdings gibt es nicht so sehr Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie eben in der menschlichen Vorstellung. Es gibt in unserer Galaxie, in der Zeit, also auch Veraenderung stattfindet, auch Schwarze Loecher in denen sich das alles etwas anders verhaelt.

Zurueck zu Polaritaet. Diese existiert fuer mich in gewissem Umfang auch nur um sich selbst abzuschaffen. Ein einfaches Beispiel waehre eine Batterie, in der nur solange Elektronen vom Minus-Pol zum Plus-Pol fliessen (sich also Zeit abspielt), bis die
Spannung ausgeglichen ist (und sich die Zeit aus diesem Vorgang ebenfalls verabschiedet hat).

Polaritaet und (ich glaube) Singularitaet bestehen nebeneinander,
nur das die Polaritaet sich selbst verbraucht, also vergeht und damit endlich ist, die Singularitaet aber nach ihrem "Tod" ewig bestehen kann.

Gruss
Chimonas
SolanumSacrific@LaChatte: Da ich momentan mit anderen geistigen Aktivitäten konfrontiert bin, wird eine Antwort auf deinen Beitrag noch etwas dauern, da ich ungern etwas schreibe, ohne mich damit ausreichend auseinandergesetzt zu haben.

@Chimonas:
Du schreibst, Zeit gäbe es nicht nur in der menschlichen Vorstellung. Wie begründest du dies? Wie ich bereits ausführte, entsteht Zeit meiner Ansicht nach durch Polarität, da diese ein Erleben verschiedener Pole als "Nacheinander" bedeutet. Jenes Erleben spielt sich jedoch im Gehirn ab. Ferner entsteht Polarität für das erlebende Individuum erst durch Spaltung zwischen Innen und Außen, Subjekt und Objekt, etc - zwei Gründe, welche zeigen, dass Zeit an sich psychisch ist, bzw. in der Psyche entsteht. Natürlich finden wir die Zeit im Außen (beispielsweise bei einer Batterie, um dein Beispiel aufzugreifen), doch dieses Außen muss auch erst in unserem Geiste erlebt werden, und so ist alles stets Ausdruck psychischen Erlebens.
Wahrscheinlich ist es die individuelle Betrachtungsweise: man kann der Zeit ihre Exitenz außerhalb der Psyche zusprechen, wenn man das Außen als getrennten Bereich wahrnimmt, der sich unabhängig vom subjektiven Erleben verändert, womit Zeit nicht nur psychisch ist.
Ich ging jedoch in bisherigen Ausführungen einen Schritt weiter und sprach dem Außen seine Existenz an sich insofern ab, dass das erlebende Individuum jenes Außen überhaupt erst als Außen vom Innen differenzieren (was die Ursache der Polarität ist) und darüberhinaus das Außen psychisch erleben muss. Dadurch manifestiert sich das Sein des Außens als Sein psychischen Erfahrens - wodurch es an Bedeutung für das erlebende Individuum gewinnt. Ein Universum mag sich unabhängig vom Menschen, ja vor dessen Existenz entwickelt haben (und Entwicklung bedeutet Zeit), so ist dies aber bedeutungslos, solange bis es dem Menschen bewusst wird. Erst dann spielt Zeit eine Rolle, denn jener der Polarität unterliegende Mensch kann die einzelnen Zustände nicht als Ganzes, als Einheit und somit als von der Zeit gelöstes Sein erfahren, sondern (eben aufgrund der Polarität) nur als Nacheinander. Dies ist die erste Kernaussage bei dem Gedanken, der Zeit ihre Existenz außerhalb des Psychischen abzusprechen, die jedoch noch nicht ausreicht.
Das Entstehen des Universums (als Beispiel) ist solange von der Zeit losgelöst, wie es nicht einer Bewusstmachung und somit einer psychischen Erkenntnis in Form eines psychischen Erlebens/Erfahrens unterliegt. Ohne die Erkenntnis darüber, dass sich ein Universum erst entwickelt hat, kann diese Entwicklung auch nicht Zeit integrieren, genauer: entwickeln kann es sich erst durch Manifestation im psychischen Erleben, da Entwicklung Folge der Polarität ist, weil Zeit aus der Polarität resultiert. Polarität wiederum entsteht aber nur durch die Differenzierung der jeweiligen Pole, durch Spaltung der Einheit. Dies spricht keineswegs dem Universum eine Entwicklung unabhängig von der Existenz des erlebenden Individuums ab, doch die Entwicklung (also auch das Währen von Zeit) ist ausschließlich ein psychisches Erleben, da das Universum als Außen fungiert, was in seinem Sein und seiner Entwicklung erst durch das erlebende Individuum erfahren werden kann, da es als Außen ausschließlich von dem erlebenden Individuum differenziert erlebt werden kann, nicht jedoch für sich. Solange es nicht als Außen fungiert, weil keine Spaltung der Einheit in Außen und Innen durch das erlebende Individuum erfolgt, ist es Einheit und somit von der Zeit gelöst. Dies ist die zweite zentrale Aussage. Die gesamte Heranführung von der ersten zentralen Aussage bis zur zweiten lässt bei kritischer Betrachtung tatsächlich fortwährend die Möglichkeit offen, der Zeit eine Existenz außerhalb des Psychischen weiterhin zuzusprechen. Erst durch die Berücksichtigung des Entstehens der Zeit als Spaltung der Einheit und somit als (notgedrungenes) Erleben der Polarität des erlebenden Individuums unter Berücksichtigung der Erkenntis, dass das Universum Teil/Bereich des Außens ist, kann man nun endgültig und absolut das Wirken der Zeit im Universum als von der Psyche losgelöst leugnen.

Um die Singularität nicht unbeachtet zu lassen: sie ist möglicherweise Ausdruck der Einheit und somit immerwährend. Jedoch möchte ich mir darüber erst nochmals Gedanken machen, bevor ich mich ausführlicher dazu äußere.
Polarität ist dann vergänglich, wenn wir ihr die Möglichkeit (oder die "Gefahr") einräumen, durch Verschmelzung aller Pole zur Einheit zu werden. Doch es scheint mir für das erlebende Individuum unmöglich, die Polarität zu überwinden und somit wirkt zumindest für uns die Polarität ewig.
Chimonas@ SolanumSacrific

Wenn Zeit wirklich in dir selbst und nur dort entstuende, muessten alle Uhren, fuer jeden Menschen etwas anderes anzeigen, da fuer jeden Menschen die Zeit anders ablaeuft.

Wenn jemand etwas in Langeweile tut, vergeht fuer ihn die Zeit langsamer, als wenn er es mit Eifer macht, dabei vergeht die Zeit schneller. Entstuende Zeit wirklich nur in uns, muesste sich das auch auf die Uhren auswirken, sie muessten also fuer jeden auch seine Zeit anzeigen koennen, was sie aber meiner Meinung nach nicht tun.

Dass der Mensch, sein ganzes Leben nicht von der Polaritaet wegkommen kann, denke ich auch.



Gruss
Chimonas
SolanumSacrificWenn Zeit wirklich nur in uns selbst entsteht, so bedeutet dies zunächst nicht mehr, als dass jeder ein individuelles Empfinden von Zeit aufweist. Und wie du selbst bereits schreibst, ist dies der Fall. Habe ich viel zu tun, verstreicht die Zeit schneller als in Momenten der Langeweile.
Ich gehe davon aus (bitte korrigiere mich wenn du es anders meinst), du betrachtest Uhren bisherigen Ausführungen zufolge als jenes "Außen", welches sich ja letztendlich nur im "Innen" bildet, womit Uhren in ihrem Scheinbereich ("Außen") nur Projektionen des eigentlichen Bereiches ("Innen") sind und daher für jeden individuell eine Zeit anzeigen. Verzeih´, sollte ich mich mit dieser Interpretation irren.
Doch nun zur eigentlichen, allgemeinen Problematik "Zeit - Psyche- Uhren": was ist beispielsweise, wenn wir einen grünen Apfel sehen? Natürlich bezeichnen wir seine Farbe als "grün", sehen dies als objektiven Fakt. Doch niemand weiß, wie der jeweils andere diese Farbe tatsächlich sieht. Umso interessanter wird es, wenn man an Farbenblinde oder gar an andere Lebewesen denkt (die Bezeichnung erlebendes Individuum schließt ja auch beispielsweise ein Tier ein, für das eine Uhr sichtlich uninteressant sein dürfte).
Dieses Paradoxon von objektiven und subjektiven Wahrnehmungen wurde bereits [url="http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=9616"]hier[/url] (link) diskutiert, weshalb ich darauf nicht näher eingehen möchte.
Vergleichbar mit dem Erfahren eines Apfels (dessen Farbe, aber auch z.B. dessen Geschmacks) verhält es sich mit jedem anderen Sub- und Objekt. Auch eine Uhr gibt uns einen scheinbar objektiven Fakt (nämlich die Uhrzeit). Dies ändert aber nichts an dem subjektiven Erlebens der Zeit.
Ein Beispiel: zwei Menschen können auf die Uhr schauen und feststellen, dass es 16:00 ist. Der eine wird sich vielleicht fragen, warum die Zeit "so schnell" umging, der andere wird klagen, dass es "erst 16:00" ist. So kann man zwar den objektiven Fakt einer Uhrzeit bestimmen, dies ändert aber nichts an dem subjektiven Erlebens der Zeit (bzw. des Zeitgefühls), welches aus der Tatsache, dass Zeit psychisch ist, resultiert.
Die Uhren zeigen natürlich für jeden Menschen die gleiche Uhrzeit an. Ein weiterer Grund dafür (nun unabhängig vom Aspekt des psychischen Ursprungs und Erlebens von Zeit) ist die Tatsache, dass eine Uhr ein vom Menschen geschaffenes Mittel ist, Zeit objektiv zu machen.

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur