| Menedemos | Wie wäre es, wenn wir anläßlich dieser betrüblichen Zeit ein Kompendium von Gedichten (egal ob eigene oder fremde) gegen den Krieg zusammenstellen würden? Ich fange mal mit Matthias Claudius an: [b]Kriegslied[/b] 's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede du darein! 's ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein! Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen Und blutig, bleich und blaß, Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen, Und vor mir weinten, was? Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten, Verstümmelt und halb tot Im Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchten In ihrer Todesnot? Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute, So glücklich vor dem Krieg, Nun alle elend, alle arme Leute, Wehklagten uber mich? Wenn Hunger, böse Seuch' und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab Versammleten, und mir zu Ehren krähten Von einer Leich herab? Was hülf mir Kron' und Land und Gold und Ehre? Die könnten mich nicht freun! 's ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein! |
| selana | Krähenfraß Einst ging spazieren ich allein sah ich zwei Krähen heiser schrein die eine krächzte: Freundin mein wohin lädst du mich heute ein? es liegt erschlagen ein Soldat im Graben hinter Stacheldraht Sein Blut ist dem des Feindes gleich ein Festmahl für das Krähenreich es wird ein guter Abendfrass ich krieg die Augen du die Nas' dann teilen wir zum Fest den Rest polstern mit seinem Haar das Nest Der Schädel knirschend spaltet sich zwei Hälften Hirn für dich und mich kein Galgen auf der weiten Welt ernährt uns wie das weite Feld getränkt vom Blut der Heldenbrust der Krieg ist stets der Krähen Lust Wir reissen auf die Heldenbrust der Tod ist stets der Krähen Lust die blanken Knochen werden rein noch lange uns erhalten sein und künden leuchtend aus dem Dreck von der Soldaten Sinn und Zweck |
| Aramathea | Krieg dem Kriege Sie lagen vier Jahre im Schützengraben. Zeit, große Zeit! Sie froren und waren verlaust und haben daheim eine Frau und zwei kleine Knaben, weit, weit -! Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt. Und keiner, der aufzubegehren wagt. Monat um Monat, Jahr um Jahr... Und wenn mal einer auf Urlaub war, sah er zu Hause die dicken Bäuche. Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft. Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft: "Krieg! Krieg! Großer Sieg! Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!" Und es starben die andern, die andern, die andern... Sie sahen die Kameraden fallen. Das war das Schicksal bei fast allen: Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod. Ein kleiner Fleck, schmutzigrot- und man trug sie fort und scharrte sie ein. Wer wird wohl der nächste sein? Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen. Werden die Menschen es niemals lernen? Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt? Wer ist das, der da oben thront, von oben bis unten bespickt mit Orden, und nur immer befiehlt: Morden! Morden! - Blut und zermalmte Knochen und Dreck... Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck. Der Kapitän hat den Abschied genommen und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen. Ratlos stehen die Feldgrauen da. Für wen das alles? Pro patria? Brüder! Brüder! Schließt die Reihn! Brüder! das darf nicht wieder sein! Geben sie uns den Vernichtungsfrieden, ist das gleiche Losbeschieden unsern Söhnen und euern Enkeln. Sollen die wieder blutrot besprenkeln die Ackergräben, das grüne Gras? Brüder! Pfeift den Burschen was! Es darf und soll so nicht weitergehen. Wir haben alle,alle gesehen, wohin ein solcher Wahnsinn führt- Das Feuer brannte, das sie geschürt. Löscht es aus! Die Imperialisten, die da drüben bei jenen nisten, schenken uns wieder Nationalisten. Und nach abermals zwanzig Jahren kommen neue Kanonen gefahren.- Das wäre kein Friede. Das wäre Wahn. Der alte Tanz auf dem alten Vulkan. Du sollst nicht töten! hat einer gesagt. Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt. Will das niemals anders werden? Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden. |
| Patchoulie | Ihr mögt es für unpassend halten, aber eigentlich ist mir das egal. Das ist meine persönliche Meinung Mein Voodoo-Schaf ist klein und lieb es kassiert den ein oder anderen Hieb Leg ich ein Foto von Herrn Bush dazu hat das Volk im Irak seine Ruh Mein Voodoo-Schaf erleidet viel doch dieses Quälen hat ein Ziel Herr Bush muss leiden, das steht fest und dafür kämpf ich bis zulest Vielleicht gibt es Menschen unter euch, die nach diesem Gedicht die Sache nicht mehr ganz so verbissen sehen... Liebe Grüße Patchoulie |
| DunkleWasser | auch wenn es vielleicht nicht für oder gegen den Krieg ist.. Menschen sterben jeden Tag Kinder leiden jeden Tag es ist Krieg Krieg im Herzen Krieg auf den Feldern auf blühenden Wiesen getränkt vom Blut Menschen sterben jeden Tag Kinder leiden jeden Tag und doch er nimmt es von ihnen allen das Leben die Hoffnung den Schmerz das Leiden beendet das sinnlose Dasein in einer letzten sinnlosen Schlacht und wer wird da sein und diese Schlacht besingen? nur der Wind der Wind zwischen Ruinen in den Städten in den Herzen Menschen sterben jeden Tag Kinder leiden jeden Tag auch ohne Krieg.. |
| Sensus Moriendi | "schtzngrmm" - Ernst Jandl schtzngrmm schtzngrmm t_t_t_t t_t_t_t grrrmmmmm s--c--h tzngrmm tzngrmm tzngrmm grrrrnmmmm schtzn schtzn schtzngrmm schtzngrmm tsssssssssssssssssssssssssss grrt grrrrrt grrrrrrrrrt scht scht t-t-t-t-t-t-t-t-t-t scht tzngrmm tzngrmm scht scht scht scht scht grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr t_tt [I]wirkt vielleicht sehr seltsam... aber wer es einmal vorgetragen gehört hat, versteht es... [/I] |
| DunkleWasser | [QUOTE][i]Original geschrieben von Sensus Moriendi [/i] [I]wirkt vielleicht sehr seltsam... aber wer es einmal vorgetragen gehört hat, versteht es... [/I] [/B][/QUOTE] wo kann man das denn sich anhörn? so in schriftform wirkt es in der tat etwas seltsam ^^ soll wohl gewehrfeuer sein oder so? |
| Sensus Moriendi | wo man es hören kann, weiß ich leider nicht... wir haben es uns im deutschunterricht auf schallplatte angehört.... aber ich hab [URL=http://www.epos.uni-osnabrueck.de/multimedia/tonbandarbeiten/5/5_txt.htm]hier[/URL] diese ganz gute interpretation gefunden: [i] Der österreichische Schriftsteller Ernst Jandl (geb. 1925) begann mit traditionellen Gedichten ("Andere Augen" 1956), wandte sich aber dann dem experimentellen Gedicht (u. a. Laut + Luise 1966) zu. In den Texten der experimentellen Lyrik werden musikalische Eigenschaften der Vokale, der Konsonanten und ihrer Kombination exponiert und durchgeführt. Wortfetzen werden aneinandergereiht, variiert, durcheinandergeschuttelt und immer wieder neu zusammengesetzt. Die Wortfetzen sind häufig mit Assoziationen behaftet, die aufgrund der Konstruktion bzw. Komposition der Wort -oder Lautgruppen die Entwicklung einer Assoziationskette beim Leser, Hörer, Sprecher bewirkt. (vergl. Bausteine für Musikerziehung und Musikpflege, v. G. Kleiuen u. a. , S. 104) Bei der Lautmalerei wird nicht ein außersprachliches Geschehen frei vertextet, sondern ein von vorn herein beschränktes Phoneminventar wird künstlich derart sprachrhythmisiert, daß es sich selbst auszusagen vermag. Das Gedicht "Schtzngrm" ist eines der bekanntesten Werke Jandls, welches neben anderen Gedichten unter der Rubrik "Krieg und so" steht. Jandl selbst schreibt: "(Dem) Basiswort (Schützengraben) sind die Vokale entzogen (. . . )" . . . "Vokale kommen in dem Gedicht nicht vor. Wenn Sie wollen: der Krieg singt nicht". Die benutzten Grapheme/Phoneme sind nicht frei aus der alphabetischen Zeichenliste gewählt, sondern bereits durch die Wortvorgabe selektiert. So konstruiert Jandl aus der Ordnung lexikalisch konventionalisierter Minimalzeichen einen sprachlich konkreten Text um/über den Begriff "Schützengraben" durch Zerlegung des Wortes und Zusammenfügung seiner Elemente zu neuen, ausdrucksstarken Lautgruppen. Allein die Nutzung der zufälligen Phoneme in der Komposition schafft die Suggestivkraft des Textes. Die Beziehung Oberfläche - Intention, die von einer möglichen Assoziation zu einer sicheren Ausrichtung erhoben wird, ist Teil der Komposition, die durch die wörtliche Nennung des Gedichtes als Kriegsgedicht durch Jandl, die Bestimmtheit des Textes und die Richtigkeit der Interpretation verbürgt. Die Untermauerung durch den Nachweis einer Laut-Emotion oder überhaupt Laut-Sinnhaftigkeit -Beziehung ist bei den Texten dieser Art nicht als natur- oder sprachbedingt anzunehmen. Vielmehr ist auf das Verhältnis von Komposition (Lautkonstellation) und außersprachlichen Lautvorkommen(wie etwa Geschoßgeräusche) hinzuweisen, welches letztlich die synthetische Entwicklung eines semantisch_poetischen Zeichens vorantreibt. Beispielhaft steht der Schluß, gewissermaßen die Pointe: die Lautfolge t_tt, die das Wort "tot" suggeriert. (Vgl. Wulff, Michael. Konkrete Poesie und sprachimmanente Lüge. Stuttgart 1978) I. 1 Interpretation und Intention des Gedichts "schtzngrmm" Das Basiswort "Schztngrmm" wird zu Anfang in doppelter Nennung vorgestellt. Diese Doppelnennung ist für Autor, Leser und Hörer gewissermaßen eine Ortsorientierung. D. h. also: "Wir befinden uns in einem Schützengraben und so ist der Schützengraben, in dem und um den herum das Geschehen abläuft." In semantischer Nähe des Begriffes "Schützengraben" liegt der des Todes. Das dreimalige, später achtmalige t einiger Zeilen, das den Begriff "tot" suggeriert, entstammt dem Inventar des Wortes "Schützengraben". Auch die folgenden Grapheme/Phoneme wie das grr, schtzn, scht usw. haben Suggestivkraft. Die Zeilen (1, 2), 5, (8, 9, 1O), 11, (16ff, 26ff) lassen sich als "Grimm" lesen. Sie werden auch tatsächlich mit einem, wenn auch schwachen "i" gesprochen. Die gestische Haltung des Zähnezusammenbeißens ist geradezu typisch für die Bedeutung "Grimm,". Dieser Grimm könnte schlimmstenfalls der Grimm des Soldaten auf den ihm als Feind deklarierten Soldaten der anderen Seite gedeutet werden. Es kannte ebenso der Grimm des gedichtsimmanenten Soldaten sein, den er gegen die Lage hat, in die man ihn gebracht hat. Es könnte sogar der "Grimm" werden, der beim Lesen des Textes im Perzipienten aufkomrnt: im Zorn gegen den Krieg, d. h. gegen die, die Kriege machen. Weiterhin kann der Perzipient beim Lesen des Textes die Lautkonstellation "grrrmmm" mit dem außersprachlichen Lautvorkommen eines Kriegssirenenheultones verbinden. Auch die Lautfolge "gr", in den Zeilen 19, 20, 21 und 34 imitiert bzw. konstruiert einen Geschoßlaut. Die Lautfolge "schtzn" in den Zeilen 11 und 13 haben starke Suggestivkraft. Es könnte beim Perzipienten die Assoziation einer marschierenden Soldatengruppe oder gar einer zujubelnden Militärparade hervorufen. Die eher konventional-semantische Aussage des Textes ist die Teilnahme eines Soldaten am Krieg, (sein) Tod im Krieg. Die Sekundäraussage schließt auch den Testperzipienten in sich ein: dem Soldaten sind seine Kriegserfahrungen samt seinem Tod "verordnet", also eine implizite Anklage gegen diejenigen, die anderen den Krieg "verordnen", die für ihre Interessen Kriege führen. Die Absurdität und Unfaßbarkeit der Kriege, die Unfaßbarkeit dessen, daß ein Mensch auf einen von "oben verordneten" Befehl hin einen ihm unbekannten Menschen erschießt, kann für Jandl nicht mehr in Worten gefaßt werden, denn man weiß von wem und warum Kriege gemacht werden und man weiß, daß sie von denen konzipiert werden, die weit genung vom Schützengraben entfernt sind. [/i] |
| Tharkún | Hört auf Todesröcheln und Gestöhne! Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne, Schuften schwer, wie ihr, um's bißchen Leben. Wollt Ihr denen nicht die Hände geben? Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben Über'n Graben, Leute, über'n Graben! Kurt Tucholsky |
| Twosides | hab das Gedicht zwar schon in den Gärten veröffentlicht, aber es passt hier ganz gut rein, deshalb nochmal: Sinn und Unsinn Angsterfüllt sitzt er seit Tagen dort, Der Tod reisst ihn von der Erde fort, eng umschlungen hält er ihn in seinem Griff, er sitzt fest wie auf einem sinkenden Schiff. Ringsum fallen seine Kameraden, Es riecht nach totem Fleisch und Maden, Kugeln zischen an seinem Kopf vorbei, eine Stimme sagt ihm, dass dies das Ende sei. Er hört des Feindes Schritte, schickt zum Himmel eine Bitte, im Krieg ist er allein, er will leben, der Sieger sein. Der letzte seiner Kameraden ist gefallen, sein Gebet wird zwischen Kugeln verhallen, Er weiss, seine letzte Stunde schlug bereits, „Warum bin ich hier?“, fragt er sich seinerseits. Er fühlt einen Stich in seinem Herzen, Blut ist warm wie Wachs von Kerzen, Er findet sich auf seinen Knien wieder, hört bereits des Todes Lieder. Keinen Schmerz fühlt er mehr, sein Blick, seine Seele ist nun leer, mit offenen Augen auf dem Boden, Er lebte die Angst von tausend Toden. Wofür sterben solche Männer? Wofür werden sie geschlachtet wie Lämmer? Wofür reisst man sie aus dieser Welt? Für Reichtum, Reichtum, Macht und Geld. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Patchoulie [/i] Herr Bush muss leiden, das steht fest und dafür kämpf ich bis zulest[/QUOTE]Wer im Feind den Menschen ignoriert, der ist des Menschen Feind. Wer für den Frieden kämpft, nicht aber für des Feindes Frieden, der ist des Friedens Feind. ( [URL]http://www.initiative-dialog.de[/URL] ) |
| Catherine | Weiß nicht genau, ob es ein Friedensgedicht ist, aber na ja ... ~*Fern aller Freiheit*~ Müde lächelnd schaut sie herab auf ihre Kinder, sie leben in einer Welt, die sie nicht mehr wieder erkennt Traurig wendet sie sich ab, geht wieder ihres Weges, wandert auf und ab Oh, Mondgöttin Luna, lass uns erkennen, was aus unserer Erde geworden ist Keiner kümmert sich um morgen, gleichgültig stehen sie dem Jetzt gegenüber Jeder Baum ist ein Hindernis für die Straßen Jede Pflanze blüht umsonst Die Menschen sind nicht mehr Besonderheiten Jeder gleicht dem anderen, fern alle Hoffnung auf Freundschaft Schmutz schwebt in der Luft, verdrängen allen Schmerz Nur noch eine Sorge, Geld brauchen wir alle Längst vergessen sind alte Bräuche, längst verloren die Natur |
| Demon17 | unbescheiden wie ich bin geb ich meinen Blutgott zum besten Aus den Tiefen der Seelen steigt er empor Die Liebe zum Leben verflucht ihn zuvor Der Tod ist sein Vater und die Mutter heißt Sieg Vernichter des Friedens Dein Name ist Krieg Die Angst ist die Hure und der Hass ist sein Knecht Er ist die Rache der Götter am Menschengeschlecht Die Falken lechzen nach der Tauben Blut Mit dem Fleische sie nähren die gierige Brut Dieser Gott gebiert das was er verzehrt Er tötet den Krieger der ihn verehrt Doch indem er verbreitet Armut und Not Erschafft er sich neue für Wasser und Brot Erst wenn das Land ist tot, leer und verbrannt Verliert er an Macht und wird langsam verbannt Doch triumphieren die Sieger und verlangen nach mehr Besucht er die Nachbarn mit grausamem Heer Erst wenn die Einsicht den Blutgott lähmt Weil das Volk sich seiner Toten grämt Zerbricht des Krieges gieriger Schlund Versinkt er wieder auf der Seelen Grund Er wartet geduldig auf den traurigen Tag An dem wir ihn rufen zum Gegenschlag Denn immer haben die Feinde zuvor Zum Blutgott gebetet in kreischendem Chor by demon17 |