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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Frühkindliche PTSD
enolA*kudos* an die Mod's! Ich bin mir sicher ob's hier her passt oder Hospital. Ich entscheide mich für den Bereich. ggf. bitte rücken! Gracias!


Also ich hab mal überlegt, wie PTSD (Post traumatische Stress Disorder) entstehen.
Ein Trauma ist ja ein Ereigniss in der Vergangenheit, dass man nicht verarbeiten konnte, wie einen Unfall, eine Naturkathastrophe oder sonstiges was ich jetzt nicht unbedingt beim Namen nennen möchte) ...

Ich habe im Rahmen meiner angefangen Krankenschwesterausbildung das Thema Neugeborenenstation durchgemacht und dabei ist mir etwas interessantes aufgefallen und mich würde interessieren, wie ihr das seht oder was ihr dazu meint.
Wenn ein Mensch (also kein Säugling) Todesangst hat, kann man Hirnstöme messen, und genau beobachten und beschreiben, was in einem Körper physikalisch abläuft. Erst kommt ja (zum Beispiel wenn man auf der Straße steht und ein Auto rast auf einen zu) einen Fluchtreflex. Dabei wird das ZNS (Zentrale Nervensystem) aktiviert und das denken sozusagen ausgeschaltet. Parasymaptische Nerven beschleunigen das Herz, die sind nicht beeinflussbar- und man rennt weg. Wenn man aber festgekettet ist, und man steht auf der Fahrbahn, kriegt man -folgerichtig- Todesangst.
Ein Neugeborenes, kann zB nicht weglaufen. Er ist darauf angewiesen, dass jemand reagiert wenn er zum Beispiel schreit. Reagiert niemand, kriegt der Säugling Todesangst. In Frankreich gab es in den frühen 80'gern diese Säuglingshäuser. Da konnten Mütter ihre Babys abgeben, das diente dazu, dass sie nicht getötet wurden von der Mutter, weil sie damit vielleicht überfordert war. Nun, 80% der Babys sind gestorben. Nicht an Hunger, nicht an Hygiene, an Liebe.... die Schwestern haben alles gemacht, nur nicht mit den Kindern geredet oder Körperkontakt gehabt... ich finde das erschreckend.
Nun habe ich überlegt, ob es nicht vielleicht eine Frühkindliche PTSD geben könnte, weil ich glaube, dass solche Kinder ihr Leben lang vielleicht Angst vor dem verlassen werden haben, Angst vor Enttäuschung, Angst vor Sexualität...
Ich könnte mir vorstellen, dass so eine "Vernachlässigung" für einen Säugling eventuell und ggf. viel traumatisierender sein können, denn schon in so einem Alter Abwendung und "nicht gehört werden" erfahren zu müssen, stelle ich mir gruselig vor.
Was haltet ihr davon, diese Hypothese hatte schon mal ein Arzt und Psychiater aufgestellt, das hab ich irgendwo mal gelsesn, aber erst nachdem ich das so bedacht hatte...
Ich hoffe, ihr haltet mich nicht für voll bescheuert, mich würde es einfach mal so interessieren... wer damit was anfangen kann...
the_DragonriderHeiho enolA,

alles in allem finde ich deine Idee recht Interessant.
Die Frage die ich mir aber stelle, ist ob diese Säuglinge tatsächlich
an "Todesangst" erkranken würden, wenn ihnen der Kontakt zu einer liebenden Person abbricht, und ob es sich dabei nicht um ein anderes Phänomen handelt. Würde der Vergleich zweier Hirnstrommessungen (eines erwachsenen der Todesangst hat, und eines Säuglings in diesem Stadium) identisch oder zumindest ähnlich sein?

Womit ich dir auf jeden Fall Recht gebe, ist dass diese Kinder, die so früh verlassen wurden, in ihrem späteren Leben sicher häufiger an psychischen Problemen leiden, als Kinder aus einer "normalen" Mutter-Kind-Beziehung.

Wie gesagt, klingt vielversprechend, bleib dran

Dragonrider
enolAes ist bewiesen, dass Säuglinge, deren brüllen ignoriert wird, Todesangst haben, weil ein Säugling ja so angewiesen ist darauf, dass er gehört wird! Die Hirnströme sind messbar und im vergleich zu der Todesangst eines Erwachsenen nahezu identisch.

Interessant ist auch, dass ein Säugling wirklich an Liebesmangel stirbt! Dass die mangelnde Aufmerksamkeit und Bindung einfach ausbleibt, dass das Baby scheinbar wirklich an seiner Psyche, die einsam ist, zu Grunde geht!

(aber danke für die Antwort, ich dachte schon ihr haltet mich echt für bescheuert...)
atra_umbraalso ich kenne diese frühkindliche vernachlässigung, die zu späteren psychischen erkrankungen führen kann (sowie zu entwicklungsrückständen) als "kaspar hauser syndrom".

psychischer hospitalismus (leiden an kontaktarmut) zieht ähnliche folgen nach sich.

die theorie, die du vorstellst ist interessant und schockierend. allerdings kann ich mich als laie (verstehe studienbedingt nur was von sportmedizin) dazu nicht äußern.

atra_umbra
BlackDawnIst das nicht praktisch ein Trauma was eine Borderline-Persönlichkeit ausmacht?
enolAist eine Möglichkeit, jedoch nicht ein Indiz dafür, dass eine Borderlinestörung unbedingt daher rührt. Fakt ist, dass eine Borderlinestörung höchst wahrscheinlich ein Frühkindliches Trauma ausgelöst ist, welches jetzt aber nicht unbedingt genau das sein muss.
Generell liegst du damit schon richtig -zumindest meines erachtens- dass eine Borderlinestörung in den meisten Fällen aus dem Kleinkindalter stammt.
pulSarwenn sich mensch schon als kind ungliebt vorkommt und dinge einfach ganz anders wahrnimmt als der rest (der kinder)?

viel sensibler und empfindlicher vielleicht???

und schon sher früh zu jören bekommt "du denkst zu viel"..

passt sowas?
enolAja, das passt. Es ist eine Art Kettenreaktion. Meine Theorie:
Ein Säugling hat Todesangst, weil er nicht beachtet wird und bekommt auch später nicht viel beachtung.
Als Kleinkind leitet es viel an Bauchschmerzen, die Mutter fährt zum Arzt, der Vater kocht Tee und liest dem Kind vor-->positive Konsequenz -->erneutes Verhalten. Bauchschmerzen.
Als Jugendliche fängt das Kind an zu hungern. Die Eltern kaufen für das Kind leckere Sachen, machen sich Sorgen, fragen nach. Fazit: positive Konsequenz --> verstärkung des verhaltens...

so ist es in vielem. Ein Kind wird sensibler für die Affektivität der Eltern und die Interaktion ist besonders intensiv. Die Kinder agieren um ihre Umwelt drum herum um einmal Fokus zu sein, die Aufmerksamkeit nachzuholen, die sie vielleicht nie bekommen haben... ist auch nur ne Theorie, aber ich hab's schon oft so beobachten können.
Es gibt auch Kinder -ich bin eines davon- die von ihren Eltern schon Aufmerksamkeit bekommen haben, die Eltern aber so in die eigenen Probleme verwickelt waren (zumindest ein Elternteil) dass sie das gar nicht wirklich an das Kind gegeben haben oder das Kind nicht in der Lage war, das, was die Eltern geben, wahr zu nehmen und aufzunehmen....
pulSarich glaube hier via posterei kann ich mich nur "am rande" mit deinen theorien wirklich auseinandersetzen..
das ganze feld der menschen-entwicklung ist ja auch nicht umsonst eines, das jahrelang studiert werden kann...

jedoch... interesierts mich (hier).


ich frage mich, ob wirklich das säuglingsalter so ausschlaggebend ist - bzw sein muss..

[b]oder ob das nicht mechanismen sind, die auch noch wesentlich später greifen..[/b]

ich meine - irgendwo macht das ja jeder - also bestimmte verhaltensweisen zeigen (und seien sie auch noch so "überzogen" bzw symtom-bezogen.. im sinne von allen möglichen sachen, um die man sichsdorgenmuss) um irgendwo dann doch stets aufmerksamkeit und zuwundung - oder bestätigung zu erlangen...

ich weiss - edas ist ein echt harter sprung - aber ist HIER im virtuellen vieles nicht sehr ähnlich gestrickt?

letzendlich ist doch sicher nicht wenig die suche - suche nach dem, was womöglich ganz am anfang des programms (säuglingslter, frühkindheit) irgendwie gefehlt hat... verhaltensmuster generiert hat, die - wenn ich dich richtig verstanden habe - oft so: -->positive Konsequenz -->erneutes Verhalten laufen...

hier ist das nur ne ganz ganz andere ebene - und per se abstrakt..
aber was ist mit all den "warmen worten" ? auf grund von vielen "bauchschmerz"äußerungen?
ist da nicht auch irgendwie ne art ersatz-eltern-funktion, die einem aus dem buch vorliest?

.....

ich will hier NICHT offtopic werden - aber ich habe halt einfach weitergesponnen...

ich denke einfach weiter - an die alten kinder...

was "damals" nun wirklich war - das weiss man oft nicht mehr - ist manchmal eben ziel einer therapie (der suche).... oder schlichtweg privateste privatsache, die hier nicht herausposaunt gehört...

ich habe mich oft gefragt, was viele zu dem machte, was sie sind....
(viele wohl selbst auch).

......

das kind ist ein erwachsener mensch - alt...
eltern haben ihre rolle längst verloren und all die gesllschaftlichen und existentiellen pflichten und aufgaben und herausforderungen kommen hinzu..

aber....
[b]sind da nicht noch die selben mechanismen aktiv?
wie tief sitzt sowas?

KANN sich ein mensch seiner mechanismen ünerhaupt bewußt werden, wenn sie auf einer unterbewußten ebene stattfinden?[/b]


ich will dir, enolA, nicht wiedersprechen... aber vllt hast ja selbst lust mit weiter zu spinnen...

-----

es gibt noch eine facette, die ich nicht unter den tisch fallen lassen KANN...
GERADE was die kindheit und ihre (immese) prägung angeht...

[b]was ist mit ZUCKERBROT und PEISTCHE???[/b]
also eben jedem belohnen und bestrafen seitens der eltern (peistche stadnardmäßig seiten des vaters..) von aktionen...
vor allem in kombination zur aufmerksamkeit und zuwendung...

was wird aus einem menschen, der z.b. "früher" nur gelenrt hat, dass er/sie versagt? nur böses macht? nichts auf die reihe bekommt? weil z.b. ein elternteil oder beide sehr streng (zu) waren? oder weil es das kind - warum auch immer (gern nehm ich ier deine säuglings-therie) - einfach eine ganz andere wahnehmung hat.... als andere.. und vieles vlt viel intensiver und höärten ankommt???

und wieder:
[b]wie tief gräbt sich sowas ein?[/b]


und zurück:
Fazit: positive Konsequenz --> verstärkung des verhaltens...

[b]bekommen WIR HIER nicht täglich unsere süßigkeiten, in dem wir worte erhalten auf UNSER "hungern" hin? [/b]
((ich will das keinesfalls abwerten oder verurteilen - ich seh das wertfrei.. im moment))

DAS ist die kleine klitzernde facette, die deine worte mir aufleuchten ließ...

schaffen wir uns nicht hier irgendwo die art von realität, wie wir sie gerne hätten? eben weil sie nicht so enttäuschend schient, wie das, was wir erlebten?
ist es vielleicht eine art konsequenz.... hier zu landen??


hmm....

fragen über fragen...

in der hoffnung den fluß hier nicht zu sehr abgewürgt zu haben...
würd ich mich tatsächlich freuen, den austausch hier (nach zeitresourcen) weiter zu treiben...

es grüßt,
der ¶uls
cloudZeroEs gibt Untersuchungen, wonach Neugeborene, die unmittelbar nach der Geburt nicht von der Mutter getrennt werden (zwecks Waschen, usw.), ruhig auf dem Bauch der Mutter liegen bleiben. Sie suchen den Augenkontakt zu der Mutter und fangen erst gar nicht an zu schreien.

Unter anderem mit diesem Thema beschäftigt sich -> [url="http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/001827.html"]dieser[/url] <- Beitrag von Arno Gruen, der sehr schön beschreibt, wie die Erfahrungen in der Kindheit unser späteres Leben prägen.

Ich glaube, dass die Traumata aus der Zeit, bevor man sprechen konnte, besonders fatal sind. Wie soll man jemals den Zugang dazu finden? Wer kann sich schon an diese Phase "erinnern".
PhilpsUnd trotzdem sollte man die "Säuglingsphase" nicht überbewerten, denn allzu leicht werden darauffolgende fast ebenso wichtige Stadien verdrängt.
Ich meine damit, dass ein Säugling, der optimal behandelt wurde, trotzdem nicht zu einem rundum glücklichen, selbstbewussten, optimistischen,... Menschen werden muss(so klingt der Mensch wie eine Industrieware; der optimal funktionierende Mensch als Produkt der Fertigkeiten seiner Hersteller), wenn die daurauffolgenden Lebensjahre weniger positiv verlaufen sind.

Andersherum ist da allerdings wieder die Frage, ob eine negativ verlaufene "Säuglingsphase" später (im Kleinkindalter) wieder einigermaßen ausgeglichenwerden kann.
ScheolHmm..interessant.

Ich kann dazu nur was aus der Tierwelt berichten...wir wissen das Tiere auch ein soziales Umfeld und Nähe brauchen.

Wir hatten damals Ziegen gehabt und die wurden behandelt wie Kinder. Eigentlich nur 2 aber eine war trächtig und gebar weitere 2 Ziegen.
Sie wurden aufgezogen wie "Menschenkinder".
Es war immer jemand da der mit ihnen redete (wir wissen das Gespräche sich positiv auf Tiere auswirkt), gespielt und sie gefüttert hat.
Nun, wir sind dann umgezogen und mussten diese Tiere an einen Bauernhof abgeben.
Sie hatten alles gehabt....einen Stall und Futter.
Aber eines hatten sie eben nicht...und zwar die Nähe die wir ihnen gaben.
Sie sind nach 3 Wochen Aufenthalt beim Bauer gestorben.

bb
Scheol
FledriIch denke das die Körperliche Nähe die wichtigste Nähe ist. Zudem kommt der Geruch der Mutter dazu den der Säugling kennt. Und dadurch sich beschützt fühlt. Worte sind zweitrangig. Wenn ein Mensch taubstumm ist kann er trotzdem vermitteln. Die Körpersprache! Es ist doch auch erforscht das die ersten 3 Lebensjahre enorm prägend für die Person ist. Klar macht man danach auch seine Erlebnisse die sicher auch beeinflussen,aber ich denke in den ersten 3 Leb.-jahren wird der Grundstein gelegt.
Fledri
MelisandeHallo zusammen!

Das die ersten 3 Lebensjahre sehr ausschlaggebend für die spätere Entwicklung sind ist richtig, aber die frühkindliche Prägung beginnt schon im Mutterleib.
So ist es z.B. erwiesen, das ungewollte Kinder (z.B. durch Vergewaltigung empfangene) oft kein Urvertrauen haben und dieser "Schaden" kann nicht wieder gutgemacht werden, auch, wenn diese Kinder nach der Geburt von der Mutter geliebt werden. Abgelehnte Kinder empfinden schon im Mutterleib diese Todesangst und kommen auch damit auf die Welt. Und wenn dann noch ein paar andere Traumata hinzukommen (das kann dann auch nach den 3 Jahren sein) hat man sein ganzes leben damit zu kämpfen.
So hat mir das meine Analytikerin mal erklärt.

Liebe Grüße
Claudia
WinterlichtIch finde die Fragestellung sehr interessant. Auch ich glaube, daß Liebe , Wärme und Nähe das sind, was Babies neben der Nahrung am Leben erhält. Nur so entwickelt man sich ja weiter und kann später auch Beziehungen aufbauen. Erhält man dies nicht, ist man auf jeden Fall in irgendeiner Form gestört.

Daß man daran stirbt, kann man ja auch bei alten Leuten beobachten (sorry, daß ich offtopic werde).

Da gibt es bei dem überlebenden Ehepartner oft das Phänomen, daß er trotz familiärer Zuwendung kurz nach dem Tod des Ehepartens ebenfalls stirbt. Auch der Tod und damit der Verlust kann ein Trauma sein und zum Tode führen.

Ich denke, daß das ganze Leben über Beeinflussungen stattfinden und einen immer wieder neu formen. Aber die grundsätzlichen Bausteine einer Person werden sicherlich in den ersten Lebensjahren festgelegt und machen dise Person im Verhalten, Charakter, ect. aus.

Ach wenn man doch die Zeit zum Studium für die Beantwortung solcher Fragen hätte..:rolleyes:
hagzissa13Glaubt man Freud, befinden sich Neugeborene in den ersten Wochen in der intentionalen Phase, bei der die Beziehung zwischen dem Säugling und seiner Umwelt im Vordergrund steht. Kommt es in dieser Phase zu einer Störung, kann sich, laut Freud, in späteren Jahren eine schizoide Störung entwickeln. Innerhalb des ersten Jahres, liegt laut Freud die orale Phase vor, in der die Beziehung zwischen Säugling und der Bezugsperson (Ich-Du-Beziehung) dominiert. Kommt es in dieser Phase zu Entwicklungsstörungen, kann es im späteren Leben zu depressiven Störung kommen.

Geht man also von Freud aus, wären die Probleme, die sich bei solchen Kindern entwickeln können im späteren Leben, von schizoider oder depressiver Natur.

Die posttraumatische Belastungsreaktion gehört zu einer der vier Stufen der Belastungs- und Anpassungsstörungen, zugehörig zu den psychogenen Störungen im triadischen Prinzip der Psychiatrie.
Laut Definition beginnt die posttraumatische Belastungsreaktion mit einer Latenz von [B]höchstens 6 Monaten nach der Belastung[/B] und persistiert in der Regel zwischen einem Monat und zwei Jahren.

[B]Somit kann bei einem Kind/Erwachsenen, der als Säugling "schlimmes durchgemacht" hat, per definitionem keine PTSD vorliegen.[/B]


Gruß
Hagzissa

- per aspera ad astra -
enolADiese Theorie meine ich widerlegen zu können.
Es gibt Fälle von PTSD, in denen die Folgen erst wesentlich später erscheinen.
Vernachlässigung, Missbrauch (physisch und psychisch)
Francine Shapiro entdeckte EMDR: Eye Movement Desensitization and Reprogressing.
Durch diese Art von Traumatherapie wurden verdrängte Erlebnisse wieder bearbeitbar gemacht, die von ein paar Wochen bis zu 20 Jahren verdrängt waren.

Wo ich dir rechtgeben kann ist, dass die Reaktion/Präsenz nur einen Monat bis zu zwei Jahren voll da ist.
Danach gehört es nicht in die Kathegorie "abgearbeitet" sondern "hübsch verdrängt"
Folglich hört auch das reagieren (negative Kognitopnen) auf bzw. wird schwächer und verblasst schließlich irgendwann... was ja auch eine recht logische Reaktion des menschlichen Hirn's ist, damit man nicht aus den Pflichten des Alltags geworfen wird und die praxeologische Weiterentwicklung nicht zu sehr und zu lange beeiträchtigt wird.
Es ist nicht jedes Bremsenquitschen (nach Unfall zB.) ein potentieller Trigger* und nicht jeder Mann (nach Missbrauch) eine Gefahr-somit vermeidet man Flashbacks*- man lernt sich mit gg. Situation abzufinden und sich zu arangieren. Was letztendlich nichts mit der wirklichen Präsenz der PTSD zutun hat.


*Trigger=Erinnerungsauslöser
*Flashbacks=Erinnerungen die blitzartig in den Vordergrund treten
hagzissa13Es ist vollkommen richtig, daß verdrängte Erlebnisse jahrelang "schlummern" können, sozusagen in "Kisten" verpackt sind und durch "Zufallsfunde" wieder "reaktiviert" werden können. Jedoch zählt dies per definitionem nicht mehr zur PTBS, sondern wird zu "bleibenden Persönlichkeitsveränderungen" gezählt.



Quellen: Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik
S. Brunnhuber, K. Lieb

Psychiatrie
W. Frank

Psychiatrie und Psychotherapie
Duale Reihe
Alexander Bob, Konstantin Bob

Neurosenlehre, psychotherapeutische und psychosomatische Medizin
Hoffmann, Hochapfel
enolAweißt du, wie viel Schwachsinn in Definitionen sein kann?!

Hast du ausser Büchern sonstiges Wissen, studierst du irgendwie sowas oder so?! ... weil, ich kann dir aus einmal persönlicher Erfahrung und aus Wissen und praktischer Erfahrung durch Einsatz in Psychiatrie sagen, dass ich nicht denke, dass das so wie du es beschreibst der Fall ist.
Bücher -wenn man mehr als nur eins zum gleichen Thema liest- erzählen dir alle was anderes.
So mögen vielleicht die Grundsätze die gleichen sein aber der Inhalt und die Ansichten der Autoren/Psychiater/Psychologen verschieden.
Und genau darum geht es hier-was du wohl nicht so ganz verstanden hast.
Ich weiß selbst sehr gut, was die Definitionen in den Büchern sagen, aber darum geht es nicht, es geht hier um Ansichten, Klärung, Versuche, etwas zu verstehen... da braucht es keine Definitionen, keine Freudschen Theorien oder sonstige Bücherlehren...

Wenn das deine eigene Meinung wäre, deine eigenen Gedanken, könnte man daraus neues schöpfen, aber es scheint Bücherwissen zu sein.
Und Bücher können manchmal Schwachsinn vermitteln.

Natürlich gebe ich dir Recht, dass das, was bleibt, eine Persönlichkeitsveränderung ist, ich habe auch nichts anderes behauptet. Nach einem Autounfall ist es sicher eine Persönlichkeitsveränderung, wenn man danach panisch auf Reifenquietschen reagiert-würde es aber nicht tun, wenn da nicht mal ein Ereigniss gewesen wäre, dass unverarbeitet geblieben ist.

Oder was sonst sollte es sein deiner Ansicht nach?!
TajelaHallo an alle!!!

@enolA

Von diesen Säuglingshäusern in Frankreich habe ich auch schon gehört, früher im Pädagogikunterricht am Gymnasium.

Damals haben wir gelernt, dass diese Kinder, wenn sie denn überhaupt überleben, unter sogenannten Hospitalismusschäden leiden, d. h. (ich hoffe, ich erinnere mich richtig), dass aufgrund der Vernachlässigung in den ersten drei Lebensjahren bestimmte Teile des Gehirns nicht richtig ausgebildet sind, was zu erheblichen Schäden führt, z. B. können diese Kinder nicht richtig laufen oder sprechen. Wir haben einen Film darüber gesehen in der Schule, das ist schon interessant.

Aber auch weniger krasse Vernachlässigungen abgesehen mal von diesen Säuglingshäusern führen, denke ich, zu Schäden beim erwachsenen Menschen. Wenn überhaupt gar keine Liebe und Zuneigung zu eben beschriebenen Schäden führen kann, können doch auch geringfügigere "Schäden" beim erwachsenen Menschen, z.B. Defizite im emotionalen/ sozialen Bereich aus dem Säuglingsalter herrühren.

Man kann sich vielleicht nicht erinnern, aber diese Gefühl der Todesangst verarbeitet das Gehirn doch in irgendeiner Form.

Also denke ich schon, dass Du recht hast mit Deiner Theorie!!

Liebe Grüße
Tajela
hagzissa13Hallo Enola,

ich will Dir Deine Kompetenz gar nicht streitig machen, schließlich hast Du recht, wenn Du sagst, daß Definition nicht alles ist, jedoch verstehe ich nicht nicht ganz, warum Du so gereizt reagierst... Ich versuchte die Frage, ob es eine solche PTBR bei Säuglingen gibt/geben kann, lediglich durch das Wissen psychiatrischer Fachbücher und meinen persönlichen Erfahrungen bezgl. PTBR zu beantworten... Ich will ja gar nicht abstreiten, daß Säuglinge, denen schon in früher Zeit schlimmes widerfährt, im späteren Leben u.U. unter diversen Problemen leiden...


Du fragst nach meiner Kompetenz...

... nun ja... ich kann nicht mit 30jähriger Berufserfahrung in der Psychiatrie aufwarten...

Ich studiere im 12. Semester Medizin, stehe also kurz vor meinem Abschluß, habe meine Kurse in Psychotherapie, Psychiartie und Psychosomatik mit guten Noten absolviert und bin im 2. Staatsexamen in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik geprüft worden, mit einer 1, u.a. über die oben genannten Themen.

Zum anderen habe ich fast vier Jahre im Kriseninterventionsdienst des Landkreises gearbeitet und habe im Rahmen dieser Arbeit einige Kurse und Fortbildungen an der Bundesschule für Katastrophenschutz in Bad Neuenahr/Ahrweiler besucht.
Die Aufgabe des Kriseninterventionsdienstes bezieht sich genau darauf, posttraumatische Belastungsreaktionen zu verhindern, bei Opfern, wie Einsatzkräften.
Ich habe Menschen an Ort und Stelle betreut, die Partner/Familienangehörige noch keine Stunde zuvor in suizidaler Absicht erhängt auf dem Dachboden, oder verblutet in der Badewanne aufgefunden haben. Ich kam zu Eltern, deren Kind nur eine halbe Stunde zuvor durch plötzlichen Kindstod aufgefunden wurden, habe mit Menschen gearbeitet,deren Haus gerade am abbrennen war und noch Angehörige in diesem Haus hatten oder betreute in der Klinik Fahrzeuginsassen, die gerade bei einem Unfall die Mitfahrer verloren.... Ich könnte noch unzähliges aufzählen...

Desweiteren betraf mein Aufgabenfeld u.a. auch die Betreuung von Einsatzkräfte (Rettungsdienst, Feuerwehr etc.) nach schweren Unfällen etc. und leitete die Einsatznachbereitung.
Diese Einsatzkräfte werden nach einer "schwerverdaulichen" Situation häufig vergessen... und wie hart das sein kann, weiß ich aus eigener Erfahrung, denn ich bin sehr lange Zeit im Rettungsdienst gefahren.


Hagzissa

- per aspera ad astra -
DeusExMachinaSag mal .....
wieso arbeitest du mit Einsatzkräften etc. zusammen ?
gehört das zum studium ? kann ich mir kaum vorstellen ? mich interessieren die umstände , denn ich ziehe auch in erwägung medizin zu studieren.
hagzissa13@ Deus

OT: Ich arbeite seit weit über 20 Jahren ehrenamtlich bei einer HiOrg: Katastrophenschutz, Sanitätsdienst, Ausbildung (vom Führerschein-EH-Kurs, über Erste Hilfe am Kind, Schwesternhelferinnen bis hin zu Rettungssanitätern) und RD. Mit dem Studium hat das rein garnichts zu tun. Lediglich in meinem Wahl-PJ-tertial (Anästhesie) fahre ich mit im Notarzteinsatzfahrzeug....


@ Enola:

Um noch hinzu zu fügen:
Wie gesagt, ich streite nicht ab, daß solche Störungen auftreten können, im Gegenteil, ich habe in meiner Arbeit auch mit traumatisieten Kindern zu tun gehabt. Meiner bescheidenen Meinung nach ist jedoch in diesem Kontext von "posttraumatischen Belastungsreaktion" zu sprechen eben nur eine falsche Wortwahl. Dieser Begriff impliziert, daß es sich über eine [B]vorübergehende[/B] Störung handelt, die sich in einem Rahmen von höchstens zwei Jahren abspielt. Schaue ich mir Kinder/ Heranwachsende an, die im Säuglingsalter traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt waren und noch 10 oder 20 Jahre später daran "knapsen", empfinde ich den Begriff PTBR einfach nur als einen [B]zu harmlosen[/B] Begriff für solch schauerliche Dinge...


Hagzissa

- per aspera ad astra -
IshvaraVON ENOLA, NICHT ISHVARA...

(hab dummerweise den Nick meines Freundes benutzt, shit... sorry!)

@hagzissa13: Ich rege mich lediglich über Definitionen auf. Sonst nichts. Kann schon sein, dass ich gereizt reagiert habe. Man kann als Arzt nicht wissen, wie es sich anfühlt ich nenne es "mit einer PTSD" zu leben.
Man kann auch als RetSan/As /NA nicht wissen, wie es sich anfühlt in einer beschissenen Situation wie Unfall oder so zu stecken. Daher sollte man nicht so schreiben "kann nicht sein"

Vielleicht habe ich mich nicht richtig ausgedrückt, aber bisher scheinen es alle richtig verstanden zu haben

[QUOTE]
habe meine Kurse in Psychotherapie, Psychiartie und Psychosomatik mit guten Noten absolviert und bin im 2. Staatsexamen in Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik geprüft worden, mit einer 1, u.a. über die oben genannten Themen.[/QUOTE]
ich will ja nicht unverschämt werden, aber gute Noten in was auch immer spricht nicht immer gleich für Kompetenz und Wissen.
Es kommt da glaube ich auf die eigene Sensibilität an, mit welchem persönlichen Interesse und Elan man an die bestimmten Bereiche geht.
Aber das soll jetzt um Himmels Willen nicht heißen, dass ich dir deine Kompetenz in irgendeiner Form abstreiten will, es ist nur eben so, dass nicht immer die Theorie für spätere gute Ärzte/Psychiater spricht... (und das kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen...)

[QUOTE]Dieser Begriff impliziert, daß es sich über eine vorübergehende Störung handelt, die sich in einem Rahmen von höchstens zwei Jahren abspielt. Schaue ich mir Kinder/ Heranwachsende an, die im Säuglingsalter traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt waren und noch 10 oder 20 Jahre später daran "knapsen", empfinde ich den Begriff PTBR einfach nur als einen zu harmlosen Begriff für solch schauerliche Dinge... [/QUOTE]

Genau das wollte ich auch sagen, habe wohl nur nicht die korrekten Worte gefunden, vielleicht haben wir da aneinander vorbeigeredet, ich hatte es so verstanden, dass Betroffene nicht daran leiden, wenn sie in ihrer frühen Kindheit traumatisiert wurden sondern es einfach vergessen und das nicht länger als zwei Jahre geht.
Somit entschuldige ich mich für meine Gereiztheit und hoffe, du hast auch verstanden, wo man sich hier missverstanden hat
*handreich*

[QUOTE]Diese Einsatzkräfte werden nach einer "schwerverdaulichen" Situation häufig vergessen... [/QUOTE]

Oh ja, ich arbeite auch im Rettungsdienst bzw. habe gearbeitet. Ich mag vielleicht nicht so viel Erfahrung haben, dazu muss man sagen, dass ich mit 16 das erste Mal auf einem RtW gesessen habe (und ich weiß selbst, dass ich da nicht hätte sitzen dürfen) und ich weiß, wie scheiße hilflos man ist, wenn man zu einem Einsatz gerufen wird, wo der Sohn sich auf dem Speicher erhängt hat, der NA nachkommt weil man von der verwirrten Mutter zu einem Unfall des Sohnes gerufen wird und die völlig verwirrte Mutter hinter der Tür gekauert sitzt, der dämliche NA reinkommt und sagt "müssen sich die Jugendlichen heutzutage eigentlich alle so hängen lassen?!" Unmöglich, aber eine der Arten, wie man das nur aushalten kann. aber das ist was anderes.

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