| Lemuria | Ich bin jetzt 17, bald 18. [...] Ich stelle nur fest: Wir Jungen haben je länger, je weniger eine Chance. Die Chancen der Jungen waren noch nie so gering, entegegn all dem Anschein. Es heißt: Die Welt steht euch offen! Man bildet euch aus, man fördert euch, man hat tausenderlei Gesetze zu eurem Wohl erkämpft, noch nie hat es eine Jugend so leicht gehabt, noch nie ist eine Jugend so verwöhnt worden, noch nie war die Welt so jung! Was man nicht alle sagen kann! Ich sehe die Zukunft so zugemauert, wie die Landschaft hier zugemauert worden ist. Es ist alles durchorganisiert.Die Wände sind zwar nicht mehr kerkerfeucht, die sind augenfreundlich. Eingesperrt und isoliert bist du aber mehr denn je. Wie zum Hohn heißt es noch, man werde uns dereinst eine Welt übergeben, die besser sei als damals, als man sie seinerseits von den Alten übernommen habe.[...]Erstens übergibt man uns rein gar nichts, wir müssen kriechen, sonst sind wir out. Und zweitens ist das keine Welt mehr, sondern ein Berufssklavengewimmel. [...] Ich brauche mir nur meine Schule in ihrer verheerenden Leerlauffreudigkeit anzusehen. Die Reportagen über [...] die Sauerein mit dem Wal, mit dem Erdöl, mit Südamerika[...] brauche ich gar nicht. Ich muss nur den Lehrern ins Gesicht sehen, wenn sie uns, weil sie dafür bezahlt werden, den Unflat verkaufen, an dem sie selbst ersticken[...]. Was ist "die Welt"? Diese kontinuierlich von Flachkopftechnoranten und perversen Hochleistungsfetischisten im Kreis herumjagende Irrwitzgesellschaft?[...] Ich bin mir trotz aller Zwänge und des idiotischen Drucks zu schade für den Schuss, für die totale Verweigerung, noch zu schade und hoffentlich lange noch. [I](Aus Gerold Späth- Angela Sutter-Ein Lebenslauf)[/I] Als ich diese Kurzgeschichte beim Durchblättern meines Deutschbuchs gefunden habe, war ich erstaunt, dass der Text schon 1980 verfasst wurde. Allerdings passt dieser Text ziemlich zu meinem jetzigen Leben. Ich habe keine Ahnung, was ich mal mit meinem Leben anstellen soll, höre immer nur, Schüler sind eh alle verdummt und generell...ich habe einfach keine Lust, auf eine eigene Familie zu verzichten, weil ich mir grad keine Kinder leisten kann. Ich finde es einfach unverschämt, dass man sich heute das selbstverständlichste der Welt zweimal überlegen muss, weil man das dritte Kind evt. nicht ernähren kann... Ich habe keine Ahnung, was mal aus mir werden soll. Ideen habe ich viele, aber ich zweifle immer mehr an den Umsetzungsmöglichkeiten. Meiner Meinung nach werden Jugendliche(oder junge Leute genrell) mit ihren fragen und Problemen viel zu schnell allein gelassen. Ich habe keine Ahnung von der Arbeitswelt, da hilft mir auch kein 2wöchiges Praktikum... ich habe keine ahnung vom leben... ich hoffe auf ein paar antworten. Liebe Grüße, Lemuria |
| LaChatte | [QUOTE]Ich habe keine Ahnung, was mal aus mir werden soll. [/QUOTE] So ging es mir recht lange auch. Ich musst dreissig werden, bis ich diese Frage einigermassen beantworten konnte. Udn zum Dreissigsten erhielt ich von meiner kleinen 18-jährigen Schwester eine Karte mit dem Text "Herzlichen Glückwunsch, nun bist du erwachsen!" - Recht hat sie.:D Ich habe einfach irgendwas gemacht, solange ich nicht wusste, was ich denn genau machen sollte. Ich hab seit meinem Erwachsenenleben praktisch immer gearbeitet, und ich hab praktisch immer gerade etwas gelernt. Heute bin ich froh um die Vielfalt an Erfahrungen, die ich machen durfte. [QUOTE]Ich habe keine Ahnung von der Arbeitswelt,[/QUOTE] Das geht schnell genug, wenn du nur mal eine Arbeit findest... ich hab schon gearbeitet als Zeitungsverträgerin, Bäckereiverkäuferin, Fabrikarbeiterin, Büroaushilfe, Confiserieverkäuferin, Call-Center-Agentin, Receptionistin, Lehrerin, Sekretärin/Sachbearbeiterin. Mal länger, mal weniger lang, und es war immer interessant, und immer eine gute Erfahrung. Und als ich aus der Schule kam, habe ich auch jede mir angebotene Arbeit angenommen. Das fand ich auch gut, obwohl, heute würde ich das nicth mehr tun. Aber wenn man jung und unerfahren ist, ist es eigentlich nicht so wichtig, wo die Erfahrungen herkommen. Und auch Dinge wie ein mühsamer Chef, der mich nicht ausstehen konnte, oder lange Arbeitszeiten, oder monotone Arbeit sind ganz besondere Herausforderungen, denen man sich mindestens einmal stellen sollte, finde ich.;) [QUOTE]Ideen habe ich viele, aber ich zweifle immer mehr an den Umsetzungsmöglichkeiten.[/QUOTE] Sezte einfach um, was gerade möglich ist. Nutze gute Gelegenheiten, und sei nicht zu streng zu dir. Freue dich ab dem, was geht, und ärgere dich nicht über Dinge, die im Moment nicht gehen. [QUOTE]ich habe keine ahnung vom leben...[/QUOTE] Das kommt in der Regel von selbst... und wenn du es schaffst, auf gute Tips von Älteren zu hören, mach es. Ich habs nicht geschafft und hab dadurch einige Probleme bekommen, die ich leicht hätte vermeiden können. Aber ich bereue es trotzdem nicht.;) |
| Montrose | [QUOTE]Ich finde es einfach unverschämt, dass man sich heute das selbstverständlichste der Welt zweimal überlegen muss, weil man das dritte Kind evt. nicht ernähren kann... [/QUOTE]Wieso heute? Das war schon immer so. Außerdem finde ich es nicht gut, in jungen Jahren gleich an Familiengründung zu denken. Man sollte doch erst mal mit sich selbst zurande kommen und ein bißchen sein eigenes Leben gehen, bevor man sich zu solch einem Schritt entschließt. [QUOTE] Ideen habe ich viele, aber ich zweifle immer mehr an den Umsetzungsmöglichkeiten.[/QUOTE] Das ist bei den Jungen immer dasselbe Problem: sie haben einen Haufen Ideen, aber andere (Papi, der Staat, die Revolution) sollen das dann realisieren. Das funktioniert (zum Glück) nicht, denn sonst hätten wir lauter 18jährige Despoten. Sich für etwas konkret einzusetzen, an einer Sache arbeiten, was riskieren, einen Preis dafür zu bezahlen, das gehört halt auch zum Leben, und nicht nur Ideen. [QUOTE]Meiner Meinung nach werden Jugendliche(oder junge Leute genrell) mit ihren fragen und Problemen viel zu schnell allein gelassen. [/QUOTE]Niemand kann dem anderen sagen, wie er sein Leben gestalten soll. Das muß dann doch jeder selbst entscheiden. [QUOTE]Ich habe keine Ahnung von der Arbeitswelt[/QUOTE]Was soll "Arbeitswelt" denn sein. Die Tätigkeitsbereiche sind ja dermaßen grundverschieden, das kann man doch nicht verallgemeinern. [QUOTE]ich habe keine ahnung vom leben[/QUOTE]Wenn Du erst mal 30 bist, wirst Du erst recht keine Ahnung mehr vom Leben haben. Dann wirst Du nämlich feststellen, daß vieles, was Du bisher gelernt hast (Eltern, Schule usw.) gar nicht wahr ist. Dann fängst Du auch nochmals drüber an, wer Du eigentlich selbst bist und was Du richtig oder falsch gemacht hast. [QUOTE]und wenn du es schaffst, auf gute Tips von Älteren zu hören, mach es[/QUOTE]Nein, laß es bleiben, Denn womit der eine Erfolg gehabt hat, das klappt meistens beim anderen nicht nochmals. Tips von Älteren haben mir in meinem Leben sehr viel mehr geschadet als genutzt. Denn wenn Dir Ältere was erzählen, wollen sie Dir oft nicht helfen, sondern sich und ihr Leben rechtfertigen. Und dabei stellen sie Dir den größten Murks als ihre "Meisterleistung" hin. [QUOTE]Das geht schnell genug, wenn du nur mal eine Arbeit findest... ich hab schon gearbeitet als Zeitungsverträgerin, Bäckereiverkäuferin, Fabrikarbeiterin, Büroaushilfe,[/QUOTE]Zeitverschwendung ohne Sinn und Ziel. Wenn Dir einer sagt: mach dies und das, sammle diese und jene Erfahrungen, geh ins Ausland, mach dieses und jenes Praktikum .... es wird Dir im Endeffekt auch nichts nützen. Die Antworten, die Du suchst, findest Du entweder in Dir selbst oder nirgendwo. |
| thetrooper | hallo ich kann dir auch keine antwort geben das leben ist mal so mal scheisse man kann nur fehler machen die kunst des lebens ist nur aus ihnen zu lernen !!! schönes leben noch trooper |
| Mayane | Hallo Lemuria Ich kann mir vorstellen, dass es dich überrascht, wenn du einen Text, der deine derzeitige Situation wiedergibt, zum ersten Man findest und feststellst, dass er älter ist als du. (Ging mir genauso in einer ähnlichen Situation) Wenn du dann ein bißchen weiter suchst, wirst du das gleiche Problem. Schon vor 3000 Jahren hatten Jugendliche Probleme mit der Welt, in die sie hineingeworfen wurden und haben sich fast im gleichen Wortlaut darüber beschwert, schon vor 3000 Jahren haben Eltern im gleichen Tonfall über den Verfall der Sitten und Werte der missratenen Jugend geschimpft wie heute. Und was sagt mir das alles? Zum einen, dass die Welt wider Erwarten immer noch nicht untergegangen ist Zum anderen, dass eben in den Gefühlen der Orientierungslosigkeit und der Wut, des An-Grenzen-Stoßens, die du beschreibst, eine unheimlich große Chance liegt. Die Chance überhaupt nämlich für Veränderungen, Verbesserungen, für neue Ideen und Wege. Nur, wer Grenzen schmerzlich spürt, kann sie überschreiten, nur wer keinen für sich passenden Weg sieht, sucht und findet neue, nur wer wütend ist, kann alte Strukturen zerschlagen um neue wachsen zu lassen. Das ist die Aufgabe jeder Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die noch einen relativ unverstellten, ungebrochenen Blick auf die Probleme dieser Welt, aber auch auf ihre Wünsche und Träüume haben. (Leider) Fast nur Jugendliche haben noch dieses kleine bißchen Größenwahn und Utopie, dass man braucht, um die Welt verändern zu können. Natürlich wird man nie alle seine Träume und Wünsche erreichen, aber wenn man sich entscheidet, alles daran zu setzten, es zu versuchen, kann man auf dem Weg dahin sich selbst und ein kleines Stück der Welt verändern und verbessern. Und das ist meiner Meinung nach die schönste Art des Erwachsenwerdens. Deswegen ist es auch so schwer, Ratschläge zu geben, weil es wahrscheinlich das beste für dich ist, wenn du deinen Weg allein findest, wenn du für deine Ziele kämpfen musst, weil nur diese Kämpfe, die du jetzt mit dir, deinen Eltern, Lehrern und der Welt kämpfst, die dir Kraft geben, mit einem selbstständigen Leben als Erwachsener, als Elternteil, als eigenverantwortlicher Mensch umzugehen. Und ich weiß ein kleines bißchen wovon ich rede, weil ich mir in meinem jugendlichen Größenwahn mit 22 zugetraut habe, ein Kidn zu bekommen und großzuziehen. Jetzt hab ich das Kind und obwohl es mich immer wieder fast überfordert, ist es mein ganz großes Glück und ich wachse jeden tag an den neuen Aufgaben, die das Leben mir stellt. Wenn ich nicht schon ein paar Jahre kampferprobt wäre, würde ich allerdings kläglich scheitern, wie das meinem Freund grad passiert, der diese Kraft durch Kämpfe noch nicht geammelt hat. Ich hofe, das macht dir alles ein kleines bißchen Mut, weil ich glaube, das ist es hauptsächlich, was man für ein Leben braucht. und noch kurz @Montrose: Und wie soll man dann rausfinden, was gut für einen ist? Ratschläge Annehmen ist schlecht für einen, Ausprobieren ist Zeitverschwendung und nur durch bloßes Überlegen bekommt man nicht raus, was man für sein leben will und erreichen kann. Wie soll man seinen Weg finden, wenn man weder fragt noch einfach Wege ausprobiert? Abgesehen davon finde ich es durchaus keine Zeitverschwendung, zum Beispiel neben der Schule zu jobben, weil es einem ein ziemlich gutes Gefühl dafür gibt, was Geld und Arbeit wert sind, ganz abgesehen davon, dass es einen unabhängig macht, aber vielleicht hast du das ja einfach nicht nötig. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Montrose [/i] [B]Nein, laß es bleiben, Denn womit der eine Erfolg gehabt hat, das klappt meistens beim anderen nicht nochmals. Tips von Älteren haben mir in meinem Leben sehr viel mehr geschadet als genutzt. Denn wenn Dir Ältere was erzählen, wollen sie Dir oft nicht helfen, sondern sich und ihr Leben rechtfertigen. [/B][/QUOTE]Also solltest du auch dem Montrose nicht alles glauben, Lemuria, der ist um einiges älter als du. :D |