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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Des Menschen eigene Wahrheit...
juline2000Hallo an Euch da draußen...

Kennt jemand von euch Konflikte mit Menschen, die allen Anscheins nach ein ernsthaft psychisches Problem haben? Das soll nicht bösartig oder dieskriminierend klingen...
Meine erste Begegnung war vor 2 Jahren mit einem jungen Mann in meinem Alter (ich 27, er 26), mit dem ich ca. ein dreiviertel Jahr zusammen war. Diese Beziehung ist schon lange her und dennoch belastet mich das Thema immer noch sehr. Er hatte manchmal solche Schübe, war aufeinmal wie ausgewechselt und bösartig, warf mir immer üblere Sachen vor. Brachte mich irgendwann ganz weit nach unten...Ich kann es schlecht erklären, aber irgendwie hatte er dadurch eine gewisse Kontrolle über mich. Irgendwie war ich dem ganzen nicht gewachsen. Auch seine Eltern hatten ein riesen Respekt vor ihm, versuchten ihm alles recht zu machen, nur damit er keinen Ausraster bekommt. Das schlimmste war jedoch, dass er nie wirklich mich zu treffen schien, sondern viel mehr sich selbst. Denn alles was er mir vorwarf, betraf im Grunde ihn...so, als würde er sich einen Spiegel vorhalten...Ich hoffe, ihr wisst, wie ich das meine.
Und nun, 2 jahre später und wieder auf die Beine gekomen, glaube ich, das ganze so ähnlich wieder erleben zu müssen.
Eine Arbeitskollegin von mir hat seelische Probleme (Depressionen) und ist auch deswegen in Behandlung. Nun entwickelt sie beim Job den Wahn, ich hätte mich gegen sie verschworen. würde das Team auseinander reißen und Unruhe reinbringen...Dazu muss ich sagen, dass ich bisher ein sehr freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis zu ihr pflegte. Trotz ihren Sarkasmus und ihrer doch sehr barschen Art anderen gegenüber. Ihr Verhalten ist auch der Grund dafür, dass ich eigentlich so gut wie jeden aus der Firma hinter mir zu stehen habe, inklusive meiner Chefin.
Auch sie warf mir wieder Dinge vor, die sie sich eigentlich selbst vorzuwerfen hatte - auch sie änderte ihr Verhalten grundlos von heute auf morgen.
Wie soll ich mich also verhalten? Auch habe ich das Gefühl, immer wieder an solche Menschen zu geraten, denen ich geistig irgendwie (trotz des Wissens über ihrer Krankheit) nicht gewachsen bin.
Ihr könnt mir glauben, ich bin ein Mensch, der vieles hinterfragt und sich selbst und sein Verhalten anderen gegenüber oft genug reflektiert...und ich bin mir in beiden Punkten sicher, nicht die treibende Kraft sondern eher die Opferrolle einzunehmen, auch wenn das kein tolles Gefühl ist, und ich mich stark gegen diese Position zu wehren versuche...
Hat jemand schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich meine, dass man Dinge vorgeworfen bekommt, die eigentlich den betreffen, der sie vorwirft? Dass man nur als eine Art Spiegel / Projektionsfläche für den anderen fungiert?

Bin wirklich sehr gespannt auf eure Meinungen!!!
TheTurningPointHallo juline2000,

Sei herzlich willkommen hier im German Gothic Board !

"Konflikte mit Menschen, die allen Anscheins nach ein ernsthaft psychisches Problem haben"

Ich glaube nicht, dass diese Menschen ein ernsthaft psychisches Problem haben. Ich schrieb gerade in einem anderen Thread "Der Mensch ist ein Subjekt und handelt demzufolge subjektiv, aus seiner Sicht heraus." Ein misstrauischer Mensch glaubt zuallererst, dass die Anderen ihm misstrauen usw.

Wie du dich in den konkreten Situationen am besten verhalten kannst, kann ich dir auch nicht sagen, aber vielleicht helfen dir [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&postid=928214#post928214][b]--> mein Beitrag in dem anderen Thread[/b][/URL] und das dort genannte Buch etwas weiter.

Ich würde nicht gleich hinter allen Seltsamkeiten ernsthafte psychische Probleme vermuten. Oft sind die Ursachen ganz banaler Natur.
juline2000@TheTurningPoint:

Hallo und lieben Dank für die Antwort!

[QUOTE]Ich würde nicht gleich hinter allen Seltsamkeiten ernsthafte psychische Probleme vermuten. Oft sind die Ursachen ganz banaler Natur.[/QUOTE]
Was, wenn es doch erwiesen ist, dass Erkrankungen vorliegen? Ich seh da schon einen gewissen Zusamenhang...

Juline
TheTurningPointWenn wirklich Erkrankungen vorliegen, dann kann wahrscheinlich auch nur ein erfahrener Facharzt weiterhelfen. In diesem Falle wäre allerdings dein Beitrag hier im German Gothic Board am falschen Platz, denn höchstwahrscheinlich wirst du hier keine Fachärzte finden, und das Halbwissen von Laien richtet dann eher Schaden an, als dass es nützt.
juline2000Hallo nochmals...

da ich nichts von dem Hospital-Problem wusste, möchte ich das Thema gern in einen andere Richtung bringen.

Wie oben schon mal angeführt, hab ich nun schon 2x die Funktion eines Spiegels eingenommen. Welche Ursachen das auch immer haben mag, kennt das jemand von euch? Sachen vorgeworfen zu bekommen, die absolut nichts mit einem selbst zu tun haben, sondern viel mehr mit dem Gegenüber? So, als würde die Person eigentlich seine eigenen Fehler aufzählen?
Es ist mir wirklich sehr wichtig, und ich brauche deshalb eure Meinungen!!!

Lieben Dank im Voraus,

Juline2000
MayaneWas mir da als erstes zu einfällt, ist eine Theorie (der ich Glauben schenke und die mir bisher viel weiter geholfen hat) die besagt, dass Rollen, die erwachsene(!!!) Menschen (die nicht psychisch oder sonstwie voneinander abhängig sind!!!) in ihren Beziehungen zueinander einnehmen, zum größten Teil frei gewählt sind. Will heißen, wenn du immer wieder von anderen als Spiegel benutzt wirst, wäre es eine Möglichkeit, sich selbst zu fragen, warum und wodurch gerade du die anderen dazu einlädst, sich in dir zu spiegeln.
Ich habe auch mit Situationen zu kämpfen gehabt, in denen ich immer wieder Opfer geworden bin, bis mir irgendwann klar geworden ist, dass ich hauptsächlich deswegen die Opferrolle habe, weil ich bereit bin, sie anzunehmen.
Bleibt die Frage, warum man so etwas tun sollte.
Ich für mich habe festgestellt, dass ich dieses Opfersein tief in mein Selbstbild integriert hatte, so nach dem Motto "Es sind ja eh alle gegen mich, ich werde eh immer nur geärgert und gequält". Und jedes Mal, wenn das wieder pasierte, hat mir das eine Bestätigung meines Selbstbildes gegeben. Ich bin in Selbstmitleid quasi zerflossen und habe mich beweint, weil die Welt so gemein zu mir war. Im Endeffekt habe ich mich damit in der Welt gespiegelt, weil ich mich als ungeliebt und hassenswert empfunden habe, weil ich mich gequält habe und mich als gequält erleben musste, um mit meinem Selbstbild im reinen zu sein.

Ich kenne das ganze also auch von der anderen Seite. (Bitte denk nicht, dass ich impliziere, dass du ebensolche Gedankengänge hast, ich schließe hier ausdrücklich nicht von mir auf andere, sondern berichte einfach, wie es bei mir war.)

Erst, als ich mit viel Kraft und Kampf mein Selbstbild geändert habe, aufgehört habe, mich selbst zum Opfer zu machen, hat auch meine Umwelt aufgehört mich als Fußabtreter zu sehen. Inzwischen würde es niemandem mehr einfallen, auf mir rumzuhacken, weil es "keinen Spaß mehr macht". Mein Bruder hat mich zum Beispiel immer mit der Begrpndung gepiesackt "Du ärgerst dich so schön". Wenn mich jetzt jemand ärgert, über meine Grenzen geht, dann warne ich vor und wehre mich dann so, dass es weh tut und demjenigen ziemlich der Spaß verdorben ist. Ich habe inzwischen einen wunderschönen funktionierenden Freundeskreis, in dem ich mich sehr wohl fühle.

Ich denke, das war alles ein bißchen wirr, aber vielleicht hast du trotzdem verstanden, was ich meine.

Wenn nicht, versuch ichs gern nochmal.


NACHSATZ: Ich meine hiermit ausdrücklich NICHT, dass Opfer zum Beispiel von Straftaten in irgend einer Art und Weise selbst schuld sind. Täter sind immer für ihre Taten selbst zur Verantwortung zu ziehen, in keinem Fall sind die Opfer verantwortlich. Ich weiß, dass man das mit ein bißchen Mutwillen aus meinen Ausführungen herauslesen kann und distanziere mich hiermit ganz massiv von solchen Gedanken und Äußerungen. Wer ein Opfer sucht, wird auch (leider) meistens eins finden und wird nicht erst dadurch zum Täter, dass jemand Opfer sein will.
Ich hoffe, das ist klar geworden.
WillowGrüß Dich Juline,

und wie ich das alles kenne...
Ich habe 20 Jahre lang als Spiegel meiner Mutter gedient.
Heute weis ich beim besten Willen nicht wie ich das zulassen konnte. Ich hab nicht gesehen was dahinter steckte.
Jahre lang habe ich all die Worte in mich hineingerfressen. Nun bin ich ein für alle mal satt, da ich jetzt erst begriffen habe von was ich ernährt wurde. Es ist wahnsinn!!! Als Spiegel herhalten zu müssen ist meiner Meinung nach furchtbar gefährlich.
Weil man sich tatsächlich den Dingen annimmt für die man gar nichts kann.
Aber es ist gut wenn man es erkannt hat- und zwar für beide Seiten!!!
Für Dich ist es gut, weil Du so gewaffnet bist Dich solcher Dinge nicht anzunehmen und davon mit gutem Gewissen Abstand nehmen kannst.
Für Dein Gegenüber ist es gut, weil er durch Dich lernen kann selbst in den Spiegel zu schauen.
Deine Aufgabe wäre es nun, nicht zu schweigen sondern ganz bewusst Dein Gegenüber darauf aufmerksam zu machen.
Nur muss man dabei behutsam vorgehen... Vorallem fordert es feingefühl um heraus zu filtern was Dein Gegenüber nun wirklich beschuldigt.
Ich möchte Dir jetzt beim besten Willen dafür keine Gebrauchsanweisung vorlegen. Versuche einfach herauszufinden wie Du ausgesprochene Dinge deines Gegenübers zu Ihm zurücklenken kannst. Das ist meist von Person zu Person unterschiedlich. Viele reagieren verstört und abweisend. Aber wenn man sich nicht einschüchtern lässt, dann kann es Erfolge einbringen!
Ich wünsche Dir viel Glück und Kraft dabei!!!
So kann man versuchen zu helfen, und muss nicht länger die Opferrolle spielen.

Liebe Grüße von Will

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