| Naila | viele sagen,sie sind ehrlich. mir ist ehrlichkeit sehr wichtig. wie geht es euch damit,aber vorallem: was versteht ihr darunter? ehrlichkeit zu sich selbst? ehrlichkeit gegenueber anderen? notluegen? auch wenn man ehrlich ist, zieht man dennoch trotzdemoft nicht die noetigen konsequenzen, oder? Naila |
| Dokuro | Ich denke das die Wahrheit immer vorzuziehen ist, vorausgesetzt eine dieser bedingungen sind erfüllt: 1. Die andere Person hat ein anrecht sie zu erfahlren( es geht sie auch nur im entfernteste was an), 2 Die andere Person hat es verdient ( hat sich nicht irgendwie verschludet). 3. Die andere Person richtet keinen Schaden an wenn sie die Wahrheit erfährt. |
| Rigor M. | Sich selbst versuchen zu belügen ist selten dämlich. Ich frage mich ob das überhaupt möglich ist, es sei denn man ist irgendwie gestört. ;) Ich bevorzuge die brutale Ehrlichkeit und habe keine Lust auf Menschen, die nicht ehrlich zu mir sind. Glücklicherweise darf ich meine Freunde zu absolut ehrlichen Menschen dazu zählen. Ich weiß allerdings, daß es Situationen gibt, die einer Lüge bedürfen, um Menschen oder ihre Gefühle unmittelbar zu schützen. Ich kann auch verstehen, daß Menschen, die in solche Situationen geraten es tun und würde auch damit kein Problem selbst von einem Freund in solch einer Lage belogen zu werden, da der Schutz des Menschen in dem Moment höher wiegt als das Prinzip der absoluten Ehrlichkeit. Zum Glück sind solche Situationen sehr selten und sie sollten auch nicht zu irgendwelchen Lügengerüsten führen und das Lügen sollte wirklich der absolut letzte Ausweg sein. Grüße. Rigor M. |
| Naila | @AeOn Da gebe ich Dir recht, was die Notluegen angeht. Ich sehe es vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass zum einen alles ans Licht kommt und zum anderen finde ich es schwierig sich in seinem absoluten Vertrauen zu jemandem nicht beirren zu lassen, wenn man weiss, dass bei diesem anderen Notluegen okay sind. Jeder definiert doch Notluege anders. Schlimmstenfalls rechnet man mit allem. |
| Naila | @ Rigor M. Glaubst du wirklich, dass es niemanden gibt, der sich selbst beluegt? bewusst machen das sicher viele nicht. aber denk mal an das thema alkoholismus: "Das eine bier geht doch! deswegen bin ich doch kein alkoholiker" es gibt menschen, die das noch behaupten, wenn sie schon sternhageldicht sind.... brutale ehrlichkeit: da versteh cih auch drunter, dass man keine notluegen benutzt. die koennen meiner meinung nach nur zu weiteren Missverstaendnissen fuehren...und dazu, dass man vielleicht irgendwann gar kein vertrauen mehr hat. es gibt immer noch einen unterschied zwischen etwas nicht sagen und luegen. gerade in einer beziehung kann man doch nicht alles besprechen. bloed gesagt, wenn mich ein typ auf der strasse anmacht, muss ich damit nicht gleich zu meinem freund rennen, weil es einfach total unwichtig ist, das zu erzaehlen. wenn der freund allerdings mich fragen wuerde, ob das passiert ist, und ich sage nein, ist das eine luege. und die kann cih mir verkneifen. ich hab einfach die meinung, dass man nur dann lernt mit seinen aengsten umzugehen, wenn man mit ihnen konfrontiert wird. Naila |
| Rigor M. | @ Naila Ich meinte ja auch, mit einem leichten Augenzwinkern, daß diejenigen schon gestört sein müssen, wozu für mich auch eine Krankheit wie Alkoholismus zählt. Zum anderen Wollte ich aussagen, daß für mich Ehrlichkeit eines der höchsten Prinzipien mit Umgang mit anderen Menschen ist, aber es nicht auszuschließen ist, daß Situationen auftreten in denen ein anderes Prinzip Vorrang erhält. Ein höheres Prinzip wäre für mich z.B. der Schutz eines Menschen, seelisch als auch körperlich. Ich meinte hiermit also nicht die kleinen Notlügen, die von Menschen fast täglich angewandt werden Es ist allgemein so, daß ein höheres Prinzip überwiegt und zu Gunsten dessen darf das bei diesem Vergleich "unterlegene" Prinzip übergangen werden. auch wenn es sich hierbei um die Ehrlichkeit handelt. Jemand der stets seine Prinzipien durchsetzt und, damit eventuell einer Situation unangepasst gegenüber Reagiert kann damit sogar im Endeffekt mehr zerstören als er mit seiner Ehrlichkeit aufwiegen kann. Grüße. Rigor M. |
| Somnifer | Ehrlichkeit bedeutet für mich, in allen Punkten und unter allen Umständen stets die Wahrheit zu sagen. Ich halte das nicht für richtig. Man sollte dann ehrlich sein, wenn sich für das Gegenüber unangenehme Konsequenzen daraus ergeben würden, dass sie die Wahrheit nicht kennt - und natürlich dann, wenn man keinen triftigen Grund hat, zu einer Lüge zu greifen, sondern das nur aus Gewohnheit tut. Dann, wenn die Wahrheit einen Menschen nur verletzen würde, das Wissen darüber allerdings in keiner Weise notwendig für ihn ist, finde ich Lügen in Ordnung - wenn nicht gar sinnvoll. Beispiel: Einem Süchtigen sollte man direkt in's Gesicht sagen, dass er süchtig ist - nur so kann er einen Versuch starten, sich aus seiner Misere zu befreien bzw. sich in eine Therapie zu begeben. Eine Lüge wäre hier fatal. Aber muss man jemandem, der einen geliebten Menschen bei einem Verkehrsunfall verloren hat, auf die Nase binden, dass dieser stundenlang zwischen Autoteilen eingeklemmt war, fürchterlich gelitten hat und letztendlich bei lebendigem Leibe verbrannt ist? Ich denke nicht. Das Wissen darüber hilft dem Menschen in keiner Weise weiter, stürzt ihn aber möglicherweise in massive Depressionen und Selbstvorwürfe. Hier erleichtert man es der Person, mit dem Verlust fertig zu werden. Allerdings - wie Naila hier schon angemerkt hat - in diesem Fall würde es sich eher um ein "nicht sagen" als eine tatsächliche Lüge handeln. Aber was ist, wenn der Betroffene danach fragt? Wichtig ist natürlich, sicherzustellen, dass diese Lüge im Nachhinein nicht aufgedeckt wird, was sicher nicht immer so einfach ist. Schwieriges Thema - aber ich würde Ehrlichkeit nicht zum obersten Prinzip erheben. Es ist auch nicht wahr, dass jede Lüge früher oder später enttarnt wird - überlegt mal, mit wie vielen kleinen Lügen Ihr in Eurem Leben bereits durchgekommen seid, ohne dass das negative Konsequenzen hatte. Sich selbst zu belügen halte ich zwar für falsch und kann es nicht nachvollziehen - aber auch hier fällt es mir schwer, denjenigen, der so etwas tut, zu verurteilen. Ist es wirklich besser, sich selbst in einer miserablen Situation realistisch zu sehen und in tiefen Depressionen vor sich hinzuleben, als sich in eine Traumwelt zu verkriechen, die einem das Leben wieder lebenswert macht? |
| Bucky | Also... Was gewisse Dinge anbelangt, sollte man schon mal etwas lügen. Aus Rücksicht einem anderen Menschen gegenüber. Ich denke da grad an eine Freundin von mir - Sie wundert sich, daß sie so Probleme damit hat, einen Freund zu finden, wobei das Problem auf der Hand liegt: Leider ist sie nun mal nicht die hübscheste... und hat deswegen erst 2 "Beziehungen" hinter sich (Sie ist 29). Die jeweiligen Partner haben sie aber auch nur verarscht... oder besser: Benutzt. Es war halt grad nichts besseres da. Ihr Selbstbewußtsein ist dementsprechend ziemlich angeknackst und wenn dann mal die Sprache auf´s leidige Thema kommt, sag ich lieber: "Nee, nee... Am Äußeren wird´s wohl weniger liegen." Ich weiß, würd ich ihr die Wahrheit sagen - Davon würde sie sich so leicht nicht mehr erholen. Da leb ich lieber mit dieser Lüge. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Bucky [/i] [B]Ihr Selbstbewußtsein ist dementsprechend ziemlich angeknackst und wenn dann mal die Sprache auf´s leidige Thema kommt, sag ich lieber: "Nee, nee... Am Äußeren wird´s wohl weniger liegen." Ich weiß, würd ich ihr die Wahrheit sagen - Davon würde sie sich so leicht nicht mehr erholen. Da leb ich lieber mit dieser Lüge. [/B][/QUOTE]Ist das denn überhaupt eine Lüge? Ist es nicht vielmehr die Wahrheit, dass es nicht an [b]ihrem[/b] Äußeren liegt, sondern an der Unfähigkeit der potentiellen Partner, [b]innere Schönheit[/b] zu erkennen? Deine Entscheidung, mit deinen "Lügen" die innere Schönheit deiner Freundin zu stärken, kann ich nur begrüßen. |
| Nihilx | Wahrheit und Lügen sind beide nichts mehr als Werkzeuge. Unsere Besessenheit von Wahrheit folgt entweder aus Eitelkeit oder Dummheit, denn ist es nicht Torheit, eine glückliche Lüge für eine schreckliche Wahrheit zu vernichten? Leute scheinen irgendwie zu glauben dass "das finden von einer Wahrheit", sie von etwas sparen kann oder ihren Leben mehr "Wert" geben wird. Das könnte nur wenn es ein Leben nach dem Tod geben wurde und falls sowas wie "Gut" und "Böse" mehr sein wurde als rein menschliche Begriffe. Ausserdem, ist eine Lüge nur eine Lüge wenn entdeckt. Der einzige Grund, dem die Wahrheit vorzuziehen ist, ist, weil es gewöhnlich weniger Bemühung verlangt. |
| Weinender Ozean | Mir ist Ehrlichkeit auch am Wichtigsten, liegt wahrscheinlich daran, weil sie so selten irgendwo anzutreffen ist. Ehrlichkeit ist Ehrlichkeit. Ehrlichkeit zu sich und den anderen. Es gibt nur einfach zu viele Regeln und Gesetze, die uns binden und an die wir uns nicht alle halten können, deswegen tun wir Unrechtes und wollen es aber nicht preisgeben, deswegen entsteht eine Lüge. Notlügen. Also, wenn mich mein Kumpel fragen würde, ob seine Verlobte ihn wirklich liebt und ich aber wüsste, sie treibt ein falsches Spiel, würde ich nicht lügen können. Wenn lügen bedeutet, einem nicht wehzutun, dann würde ich es gerne tun, aber nur die Wahrheit zählt. [b]Und nur weil alle dasselbe lügen, wird daraus nicht die Wahrheit![/b] Bleibt ehrlich, denn später wird nichts anderes zählen. |
| rosenkind | wahre Ehrlichkeit beginnt dort, wo man vor sich und/oder vor anderen dazu steht (und sich eingesteht), dass man selbst nicht immer 100 % ehrlich ist. Seien es nun Notlügen oder (unbewusster) Selbstbetrug. |
| Naila | @nihilx und auch wenn man nich weiss, ob es ein leben nach dem tod gibt oder nicht, geht es um das jetzt und nicht , was nach dem tod sein wird. ich kann mcih nicht mit gutem gefuehl kreuz und quer durchs lebens luegen und damit gluecklich sein. und nach glueck sucht doch jeder. wahrheit ist nicht dumm, luegen ist oft einfach feige, meiner meinung nach. |
| Naila | @nihilx "Ausserdem, ist eine Lüge nur eine Lüge wenn entdeckt. Der einzige Grund, dem die Wahrheit vorzuziehen ist, ist, weil es gewöhnlich weniger Bemühung verlangt." reicht es nicht schon aus, wenn man selbst der mensch ist, der fuer sich selbst entdeckt, dass er luegt? |
| Trauerwesen | Aber wenn man lügt, egal ob es herauskommt oder nicht, dann ja nicht, um dem anderen was gutes zu tun. Sondern nur sich selbst, und wenn man schon nicht die Lüge verurteilen könnte, dann wenigstens den Egoismus, welcher die Basis dieser ist. Ich bin Fan von Ehrlichkeit, also von meiner seite aus, jedoch nicht unbedingt zu mir selbst, aber zu anderen, ist für mich moralisch richtig, auch wenns ihnen weh tut, aber ich denke, so soll es sein. |
| OLED | Auch ich bin ein Fan von Ehrlichkeit, jedoch ist es nicht immer möglich 100% Ehrlich zu sein. Daher ist es auch meine Devise besser nichts zu sagen als zu lügen. Allerdings kann man mitunter auch durch Schweigen ebenso großen Schaden anrichten, nämlich durch das verschweigen wichtiger Informationen und so jemanden sehenden Auges ins "Messer" laufen lassen. Eine solche Handlung ist in meinen Augen ebeso verwerflich wie eine Lüge um einen Vorteil willen. |
| Desira | Ja, das kann ja auch schon in Richtung Straftat laufen, wenn's in größerem Umfang ist... Aber sowas wie schlechte Noten verschweigen, was ich grade tue :(, ist okay? Desira |
| Nihilx | Diese ganze negative Einstellung was lügen angeht, ist oft masochistisch. Nicht was wahr ist, aber was man für Wahr halt is wichtig. Wenn die Lüge erfreut, wieso weiter suchen? "Policy Of Truth You had something to hide Should have hidden it, shouldn't you Now you're not satisfied With what you're being put through It's just time to pay the price For not listening to advice And deciding in your youth On the policy of truth Things could be so different now It used to be so civilised You will always wonder how It could have been if you'd only lied It's too late to change events It's time to face the consequence For delivering the proof In the policy of truth Never again Is what you swore The time before Never again Is what you swore The time before Now you're standing there tongue tied You'd better learn your lesson well Hide what you have to hide And tell what you have to tell You'll see your problems multiplied If you continually decide To faithfully pursue The policy of truth Never again..." -- Depeche Mode |
| Naila | @ nihilx ...wenn einen eben die luege erfreut... aber es gibt auch einfach menschen, die koennen gar nicht absichtlich luegen, zum einen, weil mans mir gleich anmerkt, und zum anderen, weil ich eben jemand bin, fuer den die wahrheit wichtig ist was zwischenmenschliche beziehungen angeht. Naila |
| OLED | [QUOTE][i]Original geschrieben von Desira [/i] [B] Aber sowas wie schlechte Noten verschweigen, was ich grade tue :(, ist okay? Desira [/B][/QUOTE] Wenn du dir die Schlechte Note(n) wieder ausbesserst, warum nicht? Das erspart einem ne gigantische Menge Stress mit den Eltern. |
| Nihilx | [QUOTE][i]Original geschrieben von Naila [/i] [B] die wahrheit wichtig ist was zwischenmenschliche beziehungen angeht. Naila [/B][/QUOTE] Die Wahrheit ist meistens nicht sehr Höflich. |
| oskadis | Ich finde es echt interessant, wie ihr mit Begriffen um euch wirft :) Habt ihr über die Bedeutung der Schlagwörter "Wahrheit", "Lüge" und "Ehrlichkeit", die ihr so munter benutzt mal nachgedacht? Sowohl Wahrheit wie auch Lüge sind Begriffe, die jeweils subjektiv auszulegen sind. Was für eine Person wahr ist kann für eine andere wieder eine Lüge sein, nur weil die andere Person eine andere Sichtweise der Dinge hat oder meint was anderes wahrgenommen zu haben. Oder betreffende Person sieht sich nicht objektiv (was auch immer das sein mag) und fühlt sich durch die "Wahrheit" seines Gegenübers angegriffen ("Du bist süchtig" -> Angesprochener fühlt sich gekränkt und verleumdet, weil er/sie in seinen/ihren Augen zwar etwas gern macht/zu sich nimmt/was auch immer - aber sich nicht süchtig fühlt). Was man selbst für wahr erachtet jemanden ins Gesicht zu schleudern/bzw unverblümt mitzuteilen mag zwar für einen selbst befriedigend sein (man lügt ja nicht), aber was ist mit dem gegenüber? Was ist euch wichtiger - euch gut zu fühlen, oder die andere Person nicht zu verletzen oder generell sie zu einer Einsicht zu bewegen? Nochmal zum Beispiel des Süchtigen: Ein Süchtiger wird oft (meistens) sich nicht selber gestehen süchtig zu sein - denn würder er das, dann müßte er wohl früher oder später was dagegen unternehmen müssen. Ich würde lieber diese Person zur Einsicht bewegen, als ihr sagen "Du bist süchtig". Diese unverblümte Aussage wird nur Widerstand und sogar eventuell Aggression verursachen - und ehrlich: das ist es nicht was ich anderen antun will.... Es gibt viele Möglichkeiten die Wahrheit zu sagen. Für manche wird es nicht hart genug sein - für andere wieder zu schwammig, aber ich bevorzuge es meine Ausdrucksweise der Empfindlichkeit meines Gegenübers anzupassen. Das Leben hat mich schon zu oft für unverblümte Aussagen bestraft ... :rolleyes: Jetzt mal zu [B]Ehrlichkeit[/B] : In Ehrlichkeit steckt das Wort ehrlich und darin wieder Ehre. Ehrlich bedeutet eigentlich im ursprünglichen daß man sich der Ehre gemäß gibt (nein ich meine NICHT Ehrenhaft) Daß dazu gehört die Wahrheit zu sagen ist eh klar. Doch denke ich, daß dieses Wort mehr beinhaltet: die Wahrheit alleine bringts nicht - diese sollte von der eigenen Haltung begleitet werden und für mich betrifft es wie ich mich der Person gegenüber verhalte, der ich die Wahrheit sage - ob ich sie damit verletzen will oder nicht, ob ich ihr böses oder gutes will - denn Wahrheit ist ein zweischneidiges Schwert, welches man vorsichtig schwingen sollte .... So! Genug gelabert. Ich geh euch bestimmt schon auf den Keks. Lg ~Oskadis~ |
| Nihilx | [QUOTE][i]Original geschrieben von oskadis [/i] [B] Habt ihr über die Bedeutung der Schlagwörter "Wahrheit", "Lüge" und "Ehrlichkeit", die ihr so munter benutzt mal nachgedacht? [/B][/QUOTE] Ja. |
| Nyzun | Lügen um andere zu schützen oder ihnen Leid zu ersparen? Es ist, finde ich, etwas vermessen zu behaupten, man wüßte, was das Beste/Bessere für einen anderen Menschen wäre. In den seltensten Fällen kann man das wirklich wissen. Oft genug wissen es die Personen selbst nicht mal. Mit "Anmaßungen" dieser Art sollte man sehr vorsichtig sein. Hm, Notlügen. Im Grunde sind sie eigentlich nur egoistischer Natur, wie Trauerwesen schon sagte. Die meisten zumindest. Man will sich damit unnötige Erklärungen ersparen oder eine Beziehung zu einem anderen Menschen nicht gefährden. Gewisse Lügen sind einfach sehr viel bequemer als die Wahrheit. Man kann es gar nicht, immer ehrlich sein. Sei es, wegen der Konsequenzen, sei es weil man in einer Gemeinschaft mit anderen lebt, etc. Mir fällt da gerade noch so ein Spruch ein. Schade, daß ich den Autor nicht kenne. "Die Wahrheit ist ein leerer Becher." Richtig, oskadis. Wahrheit oder Lüge: Immer nur eine Frage des Standpunkts. |
| Kildare | Richtig ist, dass man selten beurteilen kann, ob es für eine Menschen besser wäre, belogen zu werden. Zu diesem Problem gibt es ein Gedankenspiel: Ein alter Mann liegt im Sterben. Sein letzter Wunsch ist, sich mit seiner Tochter auszusöhnen, mit der er sich zerstritten hatte. Sie wird gebeten zu kommen, weigert sich aber. Schließlich belügen seine Angehörigen den Sterbenden und machen ihm vor, sie sei anwesend und habe ihm verziehen. Er stirbt also in dem Glauben, er habe sein Ziel erreicht, glücklich. Wäre dies eine Situation, die eine Lüge erlaubt? Er wird, wenn man nicht an eine Existenz nach dem Tod glaubt, nicht erfahren, dass er belogen wurde. Es hat ihn glücklich gemacht. Das zweite Problem ist, dass man sich durch seine subjektive Wahrnemung eigentlich permanent - unwissentlich- selbst belügt und somit auch, wenn man denkt, man sagt die Wahrheit, das für andere nicht so sein muss, wie Oskadis es bereits ausgeführt hat. |
| Montrose | Wir sind indem, wie wie handeln und planen, auf die Ehrlichkeit anderer angewiesen. Wenn man merkt, daß man angelogen wurde, tut das viel mehr weh, als wenn jemand gleich die Wahrheit gesagt hätte. Es ist so demütigend, falschen, erlogenen Fährten zu folgen und sich dann plötzlich als verirrter Narr wiederzufinden. Ich kann gegen diesem Gewäsch "Wahrheit ist relativ" "Notlügen sind höflich" nur Verachtung entgegenbringen. Weil Wahrheit definitiv nicht "relativ" ist. Meine Wahrheit, die Wahrheit eines anderen, sie bilden eine gemeinsame Realität, egal wie "subjektiv" die einzelne Wahrheit sein mag. Lügen als notwendiger Selbstschutz? Nun, vielleicht manchmal notwendig. Sicher doch, Wissen ist Macht. Und natürlich ist es bisweilen angebracht sich zu überlegen: inwiefern braucht der andere ein bestimmtes Wissen über mich, um mir zu schaden .... und wenn es nur die totale Kontrolle ist. Und doch, man sollte sich Lügen nicht zur Gewohnheit werden lassen. So vor ein paar Tagen kam mir die Idee, ob es nicht sinnvoll wäre, bestimmte Konzepte wie "gut-böse", "wahr-falsch" unscharf zu machen. Also statt gutt böse Segen-Verfehlung .... das Pendant zu wahr-fasch such ich noch. Wozu diese Idee? Ich denke, daß diese Konzepte isoliert für sich wenig bedeuten, sondern nur in einem größeren Kontext. Die Idee von Oskadis, von Ehre zu reden, find ich ziemlich gut. Vielleicht ist Würde ein besserer Ausdruck. Wenn man mich nicht wie ein blinder Narr zum Tanzbären macht, dann läßt man mir meine Würde als Person. [QUOTE]Ein alter Mann liegt im Sterben. Sein letzter Wunsch ist, sich mit seiner Tochter auszusöhnen, mit der er sich zerstritten hatte. Sie wird gebeten zu kommen, weigert sich aber. Schließlich belügen seine Angehörigen den Sterbenden und machen ihm vor, sie sei anwesend und habe ihm verziehen. Er stirbt also in dem Glauben, er habe sein Ziel erreicht, glücklich.[/quote]Ein schönes Scheißbeispiel. Diese Sülze funktioniert ja nur, weil der alte Mann ....gottlob.... bald sterben wird. Wie in einem beschissenen Hollywood-Schinken wird da etwas hinkonstruiert, daß im wirklichen Leben so gut wie niemals vorkommt. Und über diesen Quatsch reiben sich die Menschen dann weinend die Augen und bilden sich ein, ein Stück Weisheit gesehen zu haben .... in Wirklichkeit aber wurden sie nur verarscht. Also, liebe Bubels und Mädels, normalerweise wird einem nicht die Gnade eines schnellen Todes zuteil, wenn man angelogen wurde. Sondern man muß damit weiterleben ... |
| ~*E*~ | Hm... hab mir jetzt nicht alle beiträge durch gelesen... Aber die Mehrheit von euch verlangt ganz klar: Ehrlichkeit... Und ich? Ich denke... ja,... Ehrlichkeit ist wichtig und ich wünsche mir auch das die Leute um mich herum ehrlich zu mir sind... doch... eig. darf ich das gar nich verlangen... denn ich weiß das ich es oft nicht bin... und ich leide darunter... Ich lüge nicht... OLED hatte das schon angesprochen... lieber mal schweigen... Aber leider ist es bei mir so, das es eine belastende Gewohnheit geworden ist.... Ich habe Menschen denen ich sehr Nahe stehe... mit denen ich persönlich aber eigentlich gar nicht klarkomme... Doch sagen kann ich ihnen das nicht... Meistens sind das so "Problemfälle". Es geht ihnen nicht gut, sie wollen einfach nur mal das ihnen jemanden zu hört. Sie sind mir ja so dankbar. Also schweige ich, höre zu... und lüge... Doch ist das so verwerflich?? Ich mein,... Ich will ihnen einfach nicht weh tun. Das hat auch nichts mit "Ich weiß was das Beste für sie ist" zu tun. Aber ich will sie einfach nicht allein lassen... denn ich weiß selbst, wie es ist wenn niemand zu hört. Wenn ihr aber jetzt sagt, das ihr das könnt. Ihr könnt jedem ganz gerade aus ins Gesicht sagen, was ihr denkt... Dann beneide ich euch ganz ehrlich... Ich kann es nicht... Das heißt jetzt aber nicht, das ich nur am "lügen" bin. Im Großem und Ganzen bin ich schon ein ehrlicher Mensch. Nur das ich manchen Menschen einfach nicht direkt sagen kann,... was ich wirklich von ihnen denke. Sehr kompliziert.... ~*E*~ |
| Kildare | Montrose, zumindest meine Wahrheit differiert, besonders in Punkten, die die Ehre berühren, stark von der anderer Menschen. Ich persönlich würde er zum Besipiel als falsch erachten, den alten Mann aus dem Hollywodbesipiel zu belügen. ich hätte das Gefühl, ihn um sein Vermächtnis zu betrügen. Und was wird mir an diesem Punkt entgegengehalten? Genau, dass er so glücklicher war und es ihn nicht mehr kümmert. Mich hatte interessiert, wie andere in einer Diskussion diese Problematik beurteilen würden. Na ja, anscheinend gar nicht, da sie zu realtiätsfern ist. Wie ~*E*~ schon angesprochen hat, gitb es auch Dinge, die man jemand anderem nicht einfach ins Gesicht schleudern möchte. Ab welchem Punkt sollte man es doch tun? Was ist, wenn man weiß, dass die "Wahrheit" dem anderen weh tun wird, allerdings nicht sicher ist, ob er sie jemals erfährt? Sprechen oder schweigen? Wenn man schweigt, trifft sie ihn eines Tages vielleicht unvorbereitet. Wenn man spricht raubt man ihm vielleicht eine glückliche Zeit. Ich persönlich bevorzuge sprechen, da ich die Meinung vertrete, dass ein Glück, dass auf Unkenntnis der Tatsachen baut, nicht erstrebenswert ist und man dem anderen wenigstens die Chance einräumen sollte, selbst zu handeln. Aber damit tut man ihm definitiv weh. Bei Variante 1 besteht nur die Möglichkeit hierzu. Was das Gewäsch von der "relativen Wahrheit" angeht, so erscheint es mir durchaus nachvollziehbar. Meine Ehrvorstellung, muss nicht die eines anderen sein. Mein Bild von Gerechtigkeit muss sich nicht mit dem eines anderen decken. Und meinen Wunsch nach "Selbstbestimmung" (ja, auch so ein Schlagwort) muss nicht jeder teilen. Es gibt tatsächlich Menschen, die es vorziehen, die "Wahrheit" nicht so schnell wie möglich zu erfahren. Anderes Beispiel: Zwei Menschen führen eine Beziehung. Einer von beiden geht grundlegend davon aus, dass diese nicht von Dauer sein wird. Dies sagt er seinem Partner nicht. Gelogen hat er nicht, aber ich bin der Meinung, dass die Ehrlichkeit verlang hätte, dass er dies seinem Partner mitteilt, damit dieser weiß, womit er zu rechnen hat. Eine andere Auffassung argumentier allerdings, dass er ja nicht definitv wisse, ob die Beziehung nicht halten wird. In der Zeit dieser Ungewissheit leben beide glücklich und es besteht die Chance, dass sie zusammenbleiben. Wenn dieser Fall eintritt, wäre der Partner durch die "Wahrheit" nur unnötig belastet worden. |
| Mondsilbertaufe | [QUOTE]Ein Süchtiger wird oft (meistens) sich nicht selber gestehen süchtig zu sein - denn würder er das, dann müßte er wohl früher oder später was dagegen unternehmen müssen. Ich würde lieber diese Person zur Einsicht bewegen, als ihr sagen "Du bist süchtig". [/QUOTE] Na das würde ich aber gern mal sehen, wie man einen Süchtigen zur "Einsicht bewegt". Einsicht bedeutet hier doch nichts anderes, als dem kranken Menschen die gleiche Bedeutung der Wahrheit verinnerlichen zu lassen wie du sie hast. In Wirklichkeit weiß ein süchtiger Mensch sicher besser der Notwendigkeit seiner Droge, als du es zu wissen glaubst. Dass er abhängig davon ist, hat er bestimmt früher gemerkt als es dir auch nur aufgefallen ist. Für einen Süchtigen hat es kaum Bedeutung zu sagen: "Ich bin süchtig." Denn für ihn ergeben sich daraus keine Konsequenzen. Für ihn ist diese Wahrheit, deine Interpretation davon, er müsse etwas dagegen tun, irrelevant. Für ihn bedeutet es, ohne dem nicht mehr leben zu können, folglich muss er weiter machen. Die Wahrheit - die Tatsache der Krankheit besteht für beide. Die Bedeutung für den einzelnen ist allerdings grundverschieden. Was man dem Kranken als Gesunder aufzudrücken versucht, ist keine Wahrheit mehr, sondern lediglich eine Meinung, was richtig ist oder falsch, irgendwelche Normen von der Gesellschaft geprägt, die man als Mitglied zu befolgen hat. Bis der Süchtige diese Meinung übernimmt, muss er oft mit Isolation bestraft werden. Das heißt: Job weg. Freunde weg. Frau weg. Kinder weg. Hütte weg. Meines Erachtens ein schlechtes Beispiel um Wahrheit zu erklären. Man sollte zumindest beide Seiten kennen, um ernsthaft darlegen zu können, ob es wirklich Wahrheiten sind, die sich unterscheiden als vielmehr deren Inderpretation. Zudem ein sehr komplexes Thema, das selbst in der Medizin unzureichend bekannt ist, denn Heilungschancen sind denkbar gering. Da sind jene Denkanstöße schon besser: [QUOTE]Was ist, wenn man weiß, dass die "Wahrheit" dem anderen weh tun wird, allerdings nicht sicher ist, ob er sie jemals erfährt? Sprechen oder schweigen?[/QUOTE] Ist es nicht so, dass man in solchen Situationen geneigt ist die Klappe zu halten, weil das für einen selbst unangenehme Konsequenzen hat? Oder anders: Ist das Überbringen einer Hiobs-Botschaft nicht deswegen so schwer, weil man dann zuschauen muss, wie der Gegenüber zusammenbricht? Ist es nicht die eigene Hilflosigkeit, die man zu umgehen versucht? |
| Montrose | @Kildare, Mondsilbertaufe. Volle Zustimmung. |
| Kildare | ~*E*~s Erwähnung des Schweigens finde ich persönlich sehr interessant. Ist es unehrlich, wenn man schweigt? Man lügt ja nicht. Man sagt einfach nichts. Für mich ist Schweigen dann unehrlich, wenn ich annehme, dass die verheimlicheten Informationen für das Gegenüber und dessen Planung von Bedeutung sein könnten. Aber hier maße ich mir natürlich wieder eine Wertung an. Und eigentlich sind auch verschwiegene Informationen unehrlich. Denn, wenn sie vollkommen unwichtig wären, würde man ja keien Konsequenzen auf der eigenen Seite oder beim Gegenüber befürchten und könnte ganz problemlos sprechen. Ab wann wäre man also nach dem Prinzip der Ehrlichkeit verplichtet zu sprechen? Und wem gegenüber? Muss ich etwaige unangenehme Konsequenzen für jeden auf mich nehmen, einfach weil er mein Mitmensch ist? Oder nur für solche, die mir nahe stehen? Diese Frage beschäftigt mich und mich würden Meinungen hierzu interessieren, da ich nicht zu einer Antwort komme. |
| ubiesttristania | lügen haben ja bekanntlich kurze beine und ehrlich währt am längsten. grundsätzlich bin ich ein ehrlicher mensch, man muss halt auf die richtige wortwahl achten. aber trotzdem würde es ohne manche notlüge nicht gehen *ehrlichgesagt* ich habe einmal gelesen,dass wenn man immer die wahrheit sagen würde gar keine freunde hätte;) |