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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Ein ganzes Leben lang schizophren
SlowdiveHi ich habe mich heute grade erst neu angemeldet. Lese aber schon sehr lange interessiert in diesem Forum mit.
Häufig habe ich Threads zu dem Thema Borderline oder SVV gefunden aber noch keinen zum Thema Schizophrenie.
Deshalb wollte ich hier einen eröffnen.
Zurzeit befinde ich mich mal wieder in stationärer psychiatrischer Behandlung. Heute habe ich Belastungserprobung, deshalb kann ich zu Hause an den Computer.
Meine Frage an Euch wäre kennt ihr Schizophrene Menschen oder seid ihr selbst Schizophren ??
Aber ich kann Euch erstmal etwas über mich und zu meinem Betreff schreiben.
Durch Therapie weiß ich, das ich bereits mit 12 / 13 Jahren in eine sogenannte Prodromalphase gerutscht bin. Diese Phase ist gekennzeichnet durch Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall in der Schule. Dazu kam es wohl weil ich schon als Kind Beziehungsprobleme hatte. Die aber in dem Alter durchaus normal sind. Zurückblickend muß man wohl sagen, das das meine angeboren Übersensibilität war ( die Ärzte sagen Vulnerabilität ).
Ich habe mich damals 1989 / 1990 in meine Phantasiewelt mit Hilfe von Gothic Musik ( Cure , Joy Division, Christian Death, Myrna Loy, Dead Can Dance ) geflüchtet.
Mit 16 Habe ich meine erste Freundin kennengelernt, und da begann meine Selbstmedikamention mit Hilfe von Cannabis, LSD und XTC. Innerhalb dieser Beziehung bin ich paranoid geworden.
Bis 1 Jahr nachdem ich mich von ihr gerennt habe die Diagnose Schizophrenie stand und ich mich in eine Klinik habe einweisen lassen.
Seitdem kämpfe ich gegen diese Krankheit und bis auf ein paar gelegentliche schwache Momente halte ich mich für heilbar.
Denn Psychosen wollen einem was sagen, das muß man verstehen und in sein Leben integrieren. Ausserdem kann man sich innerhalb von Psychotherapie mit Wahn auseinandersetzten und sich davon lösen.
So langsam finde ich raus aus meiner eigenen Welt.

So ich hoffe ich habe euch nicht belästigt mit meiner Story und freue mich auf eine Diskusssion mit Euch.
Wie gesagt würde mich freuen, wenn ihr Erfahrungen im Umgang mit schizophrenen habt oder selbst betroffen seid.
Denn ich finde das dieses Thema ein bißchen unterrepräsentiert ist in diesem Forum obwohl es rein statistisch 1 von 100 trifft.
AzaPsychosen sind Heilbar...!
Ich hab einen Kumpel, der selber unter einer Psychose litt.
Leider, oder Gott sei dank hab ich selber nicht viel davon mitbekommen. Er war auf einmal weg und nach ein paar Monaten sah man ihn wieder...
Njo also im Umgang mit dem Erkrankten habe ich keine Erfahrung.
Aber er hats hinter sich gebracht... Auch wenn man durchaus gewisse bleibende Verhaltensmuster der Psychose erkennen kann. (extrem externalisierter charaktertyp z.b.)
m0rtisOb die Schizophrenie nun aber heilbar ist, ist immer eine andere Frage. Psychosen sind nicht das Selbe!

Meine Ex-Freundin ist Schizophren. Die letzte "schwere Phase" hatte sie aber vor meiner Zeit, so dass ich vieles in der Theorie kenne, aber wenig davon selbst mitbekommen habe.
SlowdiveDanke für die schnellen Antworten.

Also ich hatte bisher fünf Schübe. Und spüre an mir selbst einen Heilungsprozess. Ich denke mal das ich in 10 Jahren vielleicht ohne Medikamente leben kann. Es dauert lange ober ich halte Psychosen für heilbar. Eine Zeitlang war ich auch in einer Selbsthilfegruppe und habe dort Menschen kennengelernt die geheilt sind. Es gibt auch Literatur die Mut macht.

Was mich mal interessieren würde, wie empfindet es ein aussenstehender wenn er jemanden in einer PSychose erlebt ??
Beängstigend, Peinlich oder doch verständlich ??
BeowulfUnterrepräsentiert würde ich nicht sagen, die anderen Krankheiten finde ich nur Überrepräsentiert.
Und ich finde "Selbstmedikation" ein toller Euphemismus.
Ich kenne einige Menschen die an Schizpophrenie leiden; oder litten. Eine Person hat sich dieser Krankheit mit einem Suizid gestellt.
Nun ist Schizophrenie ein Sammelbegriff für ein breites Spektrum an Symptomen. Und wegen der Vielfältigkeit seiner Formen ist auch nicht gerade ein einheitliches Bild machbar. Einige von denen die ich kennen lernte, litten unter Halluzinationen, andere dafür gar nicht jedoch sagen wir dachten sie sehr unkonventionell. Sich mit ihnen zu unterhalten war eine Herausforderung.
Ob Psychosen einem etwas sagen wollen, wage ich an der Stelle mal zu bezweifeln. Natürlich können Psychosen psychologische Ursachen haben auf die sie hindeuten. Aber bei hinorganische Schäden zum Beispiel glaube ich nicht dass es einen tieferen Sinn in der Psychose gibt.
Da nichts spezielles gefragt wurde, kann ich auch nicht spezielles sagen.
Mich persönlich würde aber die Art deine Schizophrenie interessieren, und welche "Wahnvorstellungen" du denn hattest.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Slowdive [/i]
Was mich mal interessieren würde, wie empfindet es ein aussenstehender wenn er jemanden in einer PSychose erlebt ??[/QUOTE]

Kommt darauf wie er sich verhält. Aber ehrlich gesagt, eigentlich finde es einfach nur interssant.
annettawie hat sich deine schizophrenie denn gezeigt?
Ich kenne mich damit leider kaum aus, habe einmal einen Film über eine junge Frau gesehen die in ständiger Begleitung einiger Soldaten durchs Leben ging. Sie konnte mit ihnen sprechen und sie beschützten sie. Als man ihr Medikamente verabreichte verschwanden die Soldaten, einen Gefallen tat man ihr damit in ihren Augen nicht. Sie fühlte sich schutzlos, einer guten Sache beraubt, die ihr selbst und anderen nicht schadete.
blindes AugeDa ich nun nicht so bewandert in diesen Themen bin
und auch keinen kenne der´s mir erklären könnte,
wollte ich mal fragen ob sowas wie ein 2tes ich
auch unter sowas zählt?
Ich mein das jetzt nicht in dem Sinne dass "es" mich kontroliert,
sondern eher als so eine Art sprechendes Unterbewusstsein
mit Persöhnlichkeit.

P.s. das ist die Wahrheit, ne konstruktive Antwort währ nett:)
BeowulfAkustische Halluzinationen, wie Stimmen, sind ein häufiges Symptom der Schizophrenie. Aber wegen einem Symptom gleich eine Diagnose stellen ist vor allem im psychologischen Bereich Unsinn. Geh zu einem Psychiater wenn du Zweifel hast.
FrostwyrmIch habe einmal in einer "Gesprächsrunde" bei einem Jugendpsychologen jemanden kennengelernt, der an einer Psychose litt. Leider erschien er nicht lange zu diesen Gesprächen, und seine Handynummer existierte nicht mehr. Ich weiß bis heute nicht, was aus ihm geworden ist...

Direkte Fälle von Schizophrenie kenne ich persönlich nicht, interessiere mich aber für diese Krankheit, da sich der Ex-Drummer einer meiner lieblingsband, der daran litt deswegen umgebracht hat.
rainravenIch denke, zu dem Thema tauchen immer wieder mal Threads auf, die dann irgendwoanders hin verschoben werden...

Ich erinnere mich daran, weil mir dieses Thema selbst sehr nahe geht, da mein Exfreund auch unter schizophrenen Psychosen und Wahrnehmungsstörungen litt, ebenfalls hervorgerufen durch vermutlich Veranlagung in der Familie, schwere Kindheit und jahrelangen Drogenmißbrauch.
Ich war beim ersten Ausbruch der Krankheit bzw. beim ersten Auftreten der Symptome anwesend und wir waren alle so verwirrt und verunsichert wie mein Ex selbst. Zwei Jahre lang habe ich vergeblich versucht, ihm zu helfen und ihn sowohl von den Drogen als auch von der Krankheit wegzubringen-ohne Erfolg. Heute, viele Jahre danach, geht es ihm etwas besser, soweit ich weiß, aber er nimmt nach einigen Schicksalsschlägen und Unfällen im Wahn nun wohl auch regelmäßig seine Medikamente, was er früher stets verweigert hat.
Soweit man mir sagte, ist Schizophrenie behandelbar oder heilbar, wenn sie früh erkannt und therapiert wird, aber das war leider im Falle meines Exfreundes nicht gegeben, da er alles nur Erdenkliche tat, um nicht wieder in der Klinik zu bleiben und nicht seine Medikamente, jedoch seine Drogen, zu nehmen. :(

Für mich als "Außenstehende" war es schwer, zu begreifen, daß der Betroffene uns besorgte und helfen wollende Angehörige und Ärzte vielleicht als Bedrohung wahrnahm und das, was wir als richtig ansahen (Medikation, Therapie), als falsch, seine Drogen jedoch als "Heilmittel" interpretierte (sie machten es jedoch nur noch schlimmer). Und ich war rettender Engel und verschwörender Teufel zugleich in den Wahnvorstellungen meines damaligen Freundes. Ich war "schuld" an alldem und ich war das Einzige, was er hatte.

Ich versuchte, mich in ihn hineinzuversetzen und entgegnete ihm mit Verständnis und Mitleid, soweit ich konnte, argumentierte sachlich und beruhigend und versuchte, ihm immer nur zur Seite zu stehen, ihn nicht alleine zu lassen und ihn zu beschützen-vor der Welt und vor sich selbst. Wir konnten nicht miteinander und nicht ohne einander. Es war eine sehr intensive, aber auch sehr traurige Beziehung, da ich immer dachte, ich muß nur hart genug kämpfen und könnte den Menschen, den ich liebte, zurückgewinnen. Was leider nicht so war.

Er bzw. sein "Ich" während der Psychosen machte mir aber oft genug auch Angst und ich entwickelte fast selber schon Verfolgungswahn, da ich nicht wußte, ob er mir z.B. was antun oder mir auflauern würde, weil er unter den akustischen Halluzinationen, die er hatte, auch meine Stimme hörte, die ihm befahl, sich selbst oder jemanden umzubrigen oder solche Sachen. Wie soll man als "Gesunder" auf sowas reagieren? Wenn es dann noch der geliebte Mensch ist, der sich so verhält? Es verstört einen total. Aber man versucht auch, dahinter zu kommen, was sich wohl in seinem Kopf abspielt, warum, wie er denkt, was ihn dazu verleitet. Was die Ursprünge dieser Ängste und Qualen waren. Und ich versuchte immer, ihn zu beruhigen, zu trösten, ihm Mut zu machen, ihn da raus zu helfen...und habe dabei mich selbst verloren.

Vieles von der Kraft, die ich damals für uns beide hatte, bräuchte ich nun selber. Aber ich habe sie nicht mehr. Ich habe zuviel gekämpft. Und ich konnte nicht gewinnen. :(
Montrose[QUOTE]wollte ich mal fragen ob sowas wie ein 2tes ich
auch unter sowas zählt?[/QUOTE]Nein.

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