| Burzur | Grüsse. Ich weiss selbst nicht so genau, weshalb ich dies hier überhaupt schreibe; Ich habe dieses Forum zufällig gefunden und sehe, das hier offenbar viel über Gefühle gesprochen wird. Manch einer wird das was ich hier alles aufschreibe als Seelenstriptease meinerseits empfinden und mich einen unwürdigen, weinerlichen Tropf schimpfen dennoch; Manchmal ist es so das die eigene Einsamkeit so schwer wiegt, das man glaubt sie nicht weitertragen zu können. Dann schreit man etwas hinaus und machmal wird es dadurch erträglicher, manchmal nicht aber man weiss dann das man nur weitergehen kann. Hier also Teile meiner Lebensgeschichte. Es ist so das meine Eltern beide alkoholabhängig waren, ich war ein ungeplantes Kind einer wackeligen Ehe. Irgendwann wurde ich da hineingeboren. Ich kann nicht sagen das meine Eltern mich nicht geliebt haben, aber dennoch war es so das mein Vater meine Mutter wohl oft geschlagen hat wenn er getrunken hatte. Meine Mutter schaffte es wegen mir mit der Trinkerei aufzuhören mein Vater jedoch nicht. Deshalb zog sie schon ein paar Monate nach meiner Geburt zu ihren Schwiegereltern, den Eltern meines Vaters, da sie Geld hatten und sie bei ihnen eine sichere Existenz für mich erhoffte. Leider führten auch meine Großeltern keine harmonische Ehe und meine Großmutter war eine tyrannische, unzufriedene Frau die meine Mutter und mich mit ihrer herrschsüchtigen Art quälte. Mein Großvater war ähnlich veranlagt, jemand der gewohnt ist das alle ihm aufs Wort gehorchen. Da meine Mutter ohnehin ein Nervenbündel und depressiv war, musste ich ihr immer auch den Ehemann ersetzen und helfen diese Situation hier zu ertragen, gleichzeitig musste ich immer dafür sorgen das meine Großeltern zufrieden waren, denn wenn sie unzufrieden waren war es... sagen wir mal nicht schön. Dazu kam die Tablettenabhängigkeit der Schwester meiner Mutter, die davor ebenfalls alkoholabhängig war. Überhaupt bin ich und meine Cousine (die Tochter meiner Tante) die einzigen in der Familie die nicht alkoholabhängig sind auch wenn es mit mir als ich mit 18 Jahren meinen ersten richtigen Urlaub genoss, beinahe einen ähnlichen Weg genommen hätte. Ich habe es aber nie zur Abhängigkeit kommen lassen. Als ich 20 Jahre alt war, starb meine Großmutter und von da an hatte ich sogar 2 Rollen: Ehefrau ersetzen für meinen Großvater und Ehemann ersetzen für meine Mutter. Trotzdem hatte ich da endlich etwas mehr Luft zum Atmen. Richtige Schulfreunde hatte ich nie... es gelang mir einfach keine tiefere Bindung zu ihnen aufzubauen, da sie meine Gefühle nicht verstehen konnten so war ich immer der ausgegrenzte. 2 Freunde mit denen ich oft etwas unternahm hatte ich dennoch: Beide hatten sich gegen mich gewandt als die Grundschule zuende war und es eine neue Klasse gab, der beide gefallen wollten. Als die Schule dann zuende war, gelang es mir über mein Interesse an Rollenspielen neue Freunde zu finden. Die mit denen ich am meisten Kontakt hatte, wollten beide tief in der Szene verwurzelt sein. Der eine wedelte ständig mit LaVeyschen Zitaten herum und betonte ständig wie wichtig ihm das Szeneleben und der LaVeysche Satanismus ist. Naiv wie ich war, lieh ich ihm Geld als er mich darum bat, da er genau wie ich immer Probleme hatte und ich glaubte die Freundschaft sei aufrichtig. Nachdem wir uns dann etwas aus den Augen verloren, schrieb er mir irgendwann übers Internet er wolle nun ein neues Leben beginnen und ein guter Christ sein. Mein Geld hat er mir deshalb aber nicht zurückgegeben. In dieser Zeit hatte ich auch 2 Beziehungen. Für mich ungewohnt denn normalerweise werde ich garnicht wahrgenommen. Ich bin eigendlich der, dem man seinen Beziehungsärger erzählt und den man gelegentlich "süss" nennt, offenbar weil ich nicht sehr repräsentativ oder auffällig aussehe und versuche immer Rücksicht zu nehmen und zu vermitteln. Die erste scheiterte weil es eine Fernbeziehung war und sie mich umformen wollte in etwas was ich nicht war, was ich aber eine Weile trotzdem mitmachte. Ich weiss das ist furchtbar feige und verachtenswert aber ich habe es dennoch getan. Menschen tun merkwürdige Dinge aus Liebe. Die zweite scheiterte ebenfalls wegen der Enfernung und weil sie und ich einfach zu unterschiedlich waren. Tja seis drum. Alles keine Gründe sich zurückzuziehen, was ich aber trotzdem getan habe. Ich weiss ich bin jämmerlich. Ich habe nunmehr seit 1 1 1/2 Jahren nicht mehr richtig mit jemandem gesprochen, bin auf niemanden mehr zugegangen, habe mein Misstrauen gepflegt, bin auch nirgendwo mehr hin. Ich habe mir meine eigene Welt aufgebaut, da aber der Mensch leider ein soziales Wesen ist und Austausch braucht, war ich dennoch nie zufrieden und wenn man garkeinen Anreiz von außen mehr hat, beginnt man nach einer Weile sich gedanklich im Kreis zu drehen. Bis man irgendwann stehen bleibt. Ich zumindest. Ich versuche mir etwas aufzubauen, was mir Halt gibt, suche einen Grund weiterzumachen, habe auch etwas gefunden. Dennoch bin ich entwurzelt, habe kein Ziel mehr, sehe auch kein Ziel, sehe auch keinen Weg um irgendwohin zu kommen. In einer Welt die keinen Sinn, kein Ziel und keine Schönheit mehr hat fällt es schwer irgendein Ziel zu finden. So ich weiss das alles werdet Ihr irgendwie schonmal gehört haben, es ist auch nicht besonders interessant es durchzulesen. Ich habe ähnliches in mein Tagebuch geschrieben, was mich aber nicht zufrieden stimmte weil es da eh keinen interessiert (gut das tut es so auch nicht was solls). Zerreist mich nicht gleich in der Luft. Lichtgruss |
| Cold Rain | Hey Burzur! Eins vorweg: hier wird man schon mal dumm angemacht, "in der Luft zerrissen", aber nimm das nicht so ernst. Es gibt immer Leute, denen irgendwas nicht passt. Und vllt wird dein Thema in die Auswege verschoben. Ich würd dir gern was irgendwie sinnvolles schreiben, aber ich weiß nicht so recht, was das sein soll. Ich kann dich verstehen, was die Sache mit der Einsamkeit und dem Drang, etwas anderen mitzuteilen angeht, weil man sie nicht mehr alleine tragen kann. Ich beschränk mich meistens auf mein Tagebuch. Ich denke, du wirst hier ein paar Menschen finden, die dich verstehen, vllt sogar welche, mit denen du engeren Kontakt pflegst.. gegen die Einsamkeit ;) Alles Gute, rainy |
| Burzur | Hm ich dachte eigendlich hier würde es nicht so verkrampft zugehen und das ich mich durchaus an die Regeln gehalten habe, da ich nirgendwo meinen Selbstmord angekündigt habe. Ich habe auch garkeine "sinnvolle" Antwort erwartet, ich wollte das alles eigendlich nur aufschreiben. Aber für Deinen Versuch bin ich dir auf jeden Fall dankbar. |
| Fylgia | Hallo Burzur, kann sein, dass das hier jemand als Seelenstriptease empfindet, aber ich finde, Du bist keinesfalls jämmerlich oder ein weinerlicher Tropf. Im Gegensatz zu mr eher richtig mutig. Na gut, hab Deinen Text 3 mal gelesen, um festzustellen, dass es mir auch mal genauso ging. Ich war immer für alle da, die gute Freundin usw. Ich habe auch nie mit jemandem gesprochen. Aber wenn man seinen Mitmenschen/Freunden nicht ausdrücklich sagt, dass es einem schlecht geht, dann bleibt man alleine mit seinen Problemen. Das weiss ich mittlerweile auch schon. Vor einigen Jahren, habe ich ganz schwere Zeiten durchgemacht und gemerkt, dass ich zwar wenige, aber doch sehr gute Freunde/Freundinnen habe, denn: Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da. Dieser Spruch stand auf einer Karte, die mir eine Freundin mal zum Geburtstag schenkte. ( Hab danach zu Hause nächtelang geheult. Keine Ahnung wieso) Ab und zu denke ich an diesen Spruch, wenn ich, gerade Nachts, wieder das Gefühl habe der einsamste Mensch auf der ganzen Welt zu sein. Manchmal geht´s mir danach sogar besser. Und was die Ziele im Leben betrifft: Mein damaliger Therapeut hat mir mal vorgehalten, was ich so alles in meinem Leben erreicht hätte, von wegen diversen Schulabschlüssen, Ausbildung etc. und was in wirklich naher Zukunft meine Ziele sein werden. Jaja, immer nur in kleinen Schritten, hab ich gedacht und mich gefragt, ob der überhaupt weiss, wovon er redet und was mein Problem ist. Denn er hatte ja schliesslich seinen Job und so. Geholfen hat´s mir aber trotzdem. Hm, ich weiss zwar nicht, ob ich Dir damit so richtig weiterhelfen konnte, aber ich wünsche Dir, dass Du auch irgendwie einen Weg findest, so wie ich. Manchmal hilft es ja schon, wenn man weiss, dass es anderen ähnlich geht. Gruss, Fylgia |
| Burzur | Es ist nett von Dir, das du mich aufbauen willst und auch Dir bin ich dankbar dafür. Nur ist es so, das man diese Sprichworte irgendwann nicht mehr glaubt, so schön sie für den ein oder anderen auch klingen mögen. Ich denke Freunde sind eher Pulsare, die mal dahin und mal hierhin leuchten und irgendwann ganz ausbleiben. Freunde fallen einen in den Rücken, sobald man nicht mehr von Nutzen ist. Freundschaft ist ein schlechter Witz und Liebe nur ein Vorwandt für Unterdrückung. Ja ich weiss wie sich das anhört und ich versuche sogar etwas von dieser Einstellung wegzukommen, aber völlig trennen werde ich mich von ihr nicht, dafür beschützt sie mich zu gut. Aber ich finde es schön, das du weinen kannst das bedeutet das man noch irgendwie bei seinen Gefühlen und damit bei sich ist. Therapien mache ich auch schon lange. Mit dem Erfolg das die Liste an Dingen, die ich haben soll, immer länger wird. |
| Nox | Wenn man kein Licht am Ende des Tunnels sieht, kann man sich manchmal nur langsam vortasten... Die ersten Schritte hast du schon gemacht: du bist selbstreflektiert, du weißt wie und warum du so bist, wie du bist. Du weißt auch, was du ändern müßtest oder wölltest. Du hast dir alles von der Seele geschrieben und dich schon an andere Menschen gewandt, zeigt das nicht, daß du auf den richtigen Weg bist? |
| Natsu | *maunz* Ich hab zwar keine ahnung wo helheim liegt, aber ich schätze du wirst es wissen *wärschlümmwennnicht* also würd ich dir empfehlen, dich mal mit ein paar mehr leuten per net zu unterhalten (also ich nenn das richtig reden), bevorzug leute aus deiner gegend und wenn du dich dann mit ein paar leuten gut verstehst greifst du dir ans herz und triffst dich mit ein paar von denen.. *sichanbietet* Am besten geht ins kino oder so, dann ist am entspannter ^^ also fall du vorbei kommen willst... kein problem! Ich leb zwar in´nem kuhkaff und die Punk-Metaller-Psycho-Gothic-Szene ist klein aber fein, sehr offen und ich kenn da mehr als eine, die zumindest deinen Hintergrund nachvollziehen kann... Aber ich befürchte Helheim liegt nicht grade in NRW nahe bei der hollländischen Grenze.. *seufz* Naja.. schreib mir einfach´ne pn |
| Fanhir | @ Burzur Ich kann dich nur teilweise verstehen, denn ich habe bei weitem nicht dasselbe erlebt und durchgemacht wie du. Wahrscheinlich bin ich auch noch eine ganze Ecke jünger. Trotzdem, die Mauern, die du andeutest, kenne ich auch. Die Distanz, die sie entstehen lassen, ist tröstlich. Niemand wird verletzt und doch ist ein kleines Bisschen Nähe da. Gerade so viel um nicht zugrunde zu gehen. [QUOTE][i]Original geschrieben von Burzur [/i]Ich denke Freunde sind eher Pulsare, die mal dahin und mal hierhin leuchten und irgendwann ganz ausbleiben. Freunde fallen einen in den Rücken, sobald man nicht mehr von Nutzen ist. Freundschaft ist ein schlechter Witz und Liebe nur ein Vorwandt für Unterdrückung. Ja ich weiss wie sich das anhört und ich versuche sogar etwas von dieser Einstellung wegzukommen, aber völlig trennen werde ich mich von ihr nicht, dafür beschützt sie mich zu gut.[/QUOTE] Viele Menschen, die ich als meine Freunde bezeichnen würde, habe ich nicht. Bin lieber alleine, oder rede mir das ein. Mit diesen Menschen habe ich oft über Monate keinen Kontakt und kann doch darauf vertrauen, dass wenn ich mich melden würde, sie da sein würden. Weil ich in gleicher Weise für sie einstehen würde. Warum weiss ich nicht. Es dauert lange, bis sich jemand den Status "Freund" bei mir erlangt hat, aber wenn er einmal vergeben ist, kann er so einfach nicht mehr genommen werden. Wenn mir ein solcher Mensch in den Rücken fallen würde... hm... meine Verachtung hätte er auf ewig. Verletzt wäre ich sehr, aber irgendwie würden die Wunden heilen. Ich bin ein Stehaufmännchen. Wenn Liebe derart besitzergreifend ist, dass man sie als Unterdrückung empfindet, ist es keine Liebe mehr. Der Partner muss so respektiert werden wie er ist, mit seinem ganzen Freiheitsdrang und all seinen Macken. Das fällt den Wenigsten wohl leicht, freut man sich doch ungemein, wenn man endlich jemanden gefunden hat, den man lieb haben kann. Ich wünsche dir eine Person, die dir unvoreingenommen ihre Freundschaft geben kann und nichts dafür zurückerwartet. (Denn das könntest du nicht, glaube ich.) Ich wünsche dir, dass sie kommt und geht, wie es ihr passt, damit du siehst dass die Freiheit nicht leiden muss. Und ich wünsche dir, dass du deine Mauern Krume für Krume abtragen kannst. Nur so kannst du den Horizont wieder sehen. |