| Misericordia | Als ich mich auf einem Konzert befand, welches letzten Endes wegen eines schweren Unwetters mit Blitz Donner, Sturm und Hagel abgesagt werden musste, konnte ich von einigen Anwesenden Ausrufe hören wie: "Diese Musik beschwört ja eine wahre Apokalypse!" oder "Wie schön, dieses Konzert und bei einem Unwetter sterben." Ich selbst musste mir eingestehen, dass die Vorstellung bei der wunderbaren Musik der eigenen Lieblingsband den Tod zu finden, einen merkwürdig makabren Reiz besitzt. Nicht dass es für mich erstrebenswert wäre, von mehreren tausend Volt eines Blitzes durchschossen zu werden. Dennoch gibt es viele Assoziationen zum Tod, die selbst diesen auf gewisse Art und Weise schön oder romantisch erscheinen lassen. So ruft beispielsweise die sterbende Jungfrau nach ihrem Geliebten, um in seinen Armen zu sterben, sowie wunderschöne Bilder der Renaissance tragische Geschichten eines gefallenen Heroen oder eines durch den Tod getrennten Liebespaares erzählen. Wie kommt aber diese Todesromantik zustande, und was macht das Ganze so faszinierend? |
| Herr van Rees | Vielleicht ist es dasselbe Gefühl, das man als Kind hat, wenn man Heilig Abend erstmal ellenlange Gedichte aufsagen oder Lieder singen muß, bis man dann endlich auspacken darf. Sozusagen ein zeremonielles Zusammenreißen. Also wäre Neugier die Motivation für das, was man dann 'Todesromantik' nennt. Doch weil man noch nicht 'auspacken' kann, ergeht man sich mit all seiner Energie im Kult. Und nichts kann so prickelnd sein, wie WARTEN MÜSSEN! [b][center]?[/center][/b] |
| Katzenschatten | Dem Tod haftet die Ewigkeit und das Finale an, es ist wohl so, dass ein solcher schöner Moment der letzte im Leben sein soll, weil einen schöneren gibt es nicht mehr. |
| Mondsilbertaufe | Der Tod ist weder schön noch romantisch. Pubertäre Menschen stellen sich das Sterben oft so vor, wie wenn eine Mutter ihr Kleinkind ins Bett bringt. Da gibts noch ein Glas Milch und eine Geschichte und das letzte, was man sieht bevor die Augen zufallen, ist das Nachtlicht mit lustigen Figuren drauf. Dann liegt man schön eingekuschelt im warmen Bettchen und träumt vom Weihachtsmann... Selbst wenn es so wäre, müsste man dann nicht auch daran denken, dass die Mutter ihr totes Kind morgens voller Entsetzen aus dem Bett reißen würde, ungläubig, dass die Totenstarre schon eingesetzt hat? Das wäre der Romantik wenig zuträglich. [QUOTE]Ich selbst musste mir eingestehen, dass die Vorstellung bei der wunderbaren Musik der eigenen Lieblingsband den Tod zu finden, einen merkwürdig makabren Reiz besitzt. [/QUOTE] Jedes Wochenende sterben junge Menschen mit der Musik ihrer Lieblingsband - meistens betrunken hinterm Steuer oder als Beifahrer. Reizvoll ist was anderes. Ich glaube auf Konzerte sind auch schon Leute gestorben. Sie sind niedergetrampelt worden, weil Panik ausbrach. Auch nicht sonderlich reizvoll. [QUOTE]So ruft beispielsweise die sterbende Jungfrau nach ihrem Geliebten, um in seinen Armen zu sterben, sowie wunderschöne Bilder der Renaissance tragische Geschichten eines gefallenen Heroen oder eines durch den Tod getrennten Liebespaares erzählen.[/QUOTE] Naja, sterbende junge Menschen kannst du täglich in Krankenhäusern begegnen. Irgendeine Krebsart, irgendein Gendefekt... Und wenn sie dann von ihren Liebsten gehalten werden, ist das nicht romantisch, sondern entsetzlich. Wenn alte Menschen, vom Siechtum gezeichnet, endlich gehen dürfen und darüber glücklich sind, dann kann man dem Tod auch etwas Gutes abgewinnen. Tod und junge Menschen sollten nicht zusammengehören. Das sollten Gothics auch wissen. Sowas romantisch zu finden zeugt von Ahnungslosigkeit. Vielleicht meinst du den Abschied: 2 Menschen trennen sich und der Beobachter empfindet das Ende der Beziehung als wäre es seine eigene. Es ist aber niemals das Ende. Der Tod ist es schon. Fazit: Romantisch sind nur Abschiede und literarische Tode, weil man weiß, dass die Abschiedenden weiter leben und es Ritter und Jungfrauen gar nicht gibt. Tip: Wenn beim nächsten Mal Leute "sterben" wollen, dann erstmal überlegen: Ist die Metflasche in ihren Händen noch voll? Und: Ist die Pubertät erfolgreich beendet worden? Grundsätzlich sollte man nicht immer allen alles glauben. ;) |
| Misericordia | [QUOTE][i]Original geschrieben von Mondsilbertaufe [/i] [B] [...] Vielleicht meinst du den Abschied: 2 Menschen trennen sich und der Beobachter empfindet das Ende der Beziehung als wäre es seine eigene. Es ist aber niemals das Ende. Der Tod ist es schon. [...] Grundsätzlich sollte man nicht immer allen alles glauben. ;) [/B][/QUOTE] Nun, mit der Romantik des Todes meinte ich weniger die Tatsache, dass ein sterbender Mensch an sich romantisch oder schön ist, wie du ja auch anhand des toten Kindes beispielhaft angeführt hast. Ich wollte bloß das Phänomen hinterfragen, dass der Tod, der durch seine lebensverneinende und ultimative Eigenschaft alles andere als schön ist (da stimme ich dir vollkommen zu!) dennoch mit etwas Schönen assoziert werden kann, so makaber oder merkwürdig das auch sein mag. Möglicherweise kann man es als eine schreckliche Faszination bezeichnen. Das kann natürlich auch auf den Abschied zweier Menschen bezogen sein, wie du bereits geschildert hast, da dieser als gerechtes Ende für eine tragische Liebesgeschichte empfunden wird. Ich möchte damit auch nicht sagen, dass ich den Menschen dieses Konzertes "glaube", sondern vielmehr, dass mich diese Aussprüche zum Nachdenken angeregt haben und ich mich nun frage: Gibt es eine Verknüpfung zwischen Romantik und Tod, welcher Art sie auch immer sei? Und wie wird diese hervorgerufen? Zum einen ist es die Tatsache, dass der nahende Tod die letzten Momente eines menschlichen Lebens einleitet, und diese nunmal die schönsten sein sollen, wie in diesem Thread ja bereits erwähn worden ist. Jedenfalls muss es doch Gründe für diese, meinetwegen "Verschönigung" des Todes genannte Romantik geben, welche wir in den zahlreichen literarischen Toden zu erkennen scheinen. |
| CoeurNoir | Für mich hat der Tod ebenfalls nichts Schönes oder Romantisches. Wenn ein Mensch stirbt verwest der Körper, zerfällt, wird zu Erde. Ob es für uns Menschen ein Leben nach dem Tod gibt wissen wir nicht. Die Religion gibt uns eine "Antwort" die wir genauso gut als als verzweifelten Versuch, uns die Angst zu nehmen, abtun können. (aber ich will jetzt auch nicht auf die frage der Religion eingehen). Viel wichtiger: wenn ein Mensch stirbt trauern andere unglaublich, teilweise werden andere Leben zerstört, Menschen die sich liebten wurden getrennt, können sich nie wieder in den Armen liegen, sehen sich nie wieder. Nie! Und ich frage mich nun wirklich was an dem Tod nun romantisch sein soll! Oder gar schön (wenn man bedenkt, das ein Mensch in im Angesicht des Todes vielleicht unglaubliche Schmerzen erleidet oder unbeschreibliche Angst hat)! Meiner Meinung nach ist der "romantische Tod" eine Erfindung unserer verwöhnten Gesellschaft! Unser Leben ist normalerweise, im Vergleich zu anderen auf dieser Welt, mit allem ausgestattet was man sich nur wünscht: wir hungern nicht, wir müssen nicht in slums leben, wir sind sozial abgesichert, in unserem Land herrscht kein Krieg - will heißen es fallen keine Bomben. Diese Dinge und noch so viel mehr ist für uns schon Alltag und normal geworden. Und wenn man diesen Luxus gewöhnt ist, vergisst man ihn zu schätzen - das Leben zu schätzen - vergisst man, dass das Leben schöner ist als der Tod - kann man es sich leisten, vielleicht aus Langeweile, vielleicht weil man immer mehr will, immer krasser denkt, weil unsere Medien den Tod immer mehr verharmlosen, weil es vielleicht in Mode gekommen ist, als besonders "cool" gilt eine solche Einstellung zum Tod zu haben ( was sind wir alle gruftig...), oder unsere Angst davor entweder verdrängen oder verbergen wollen, so über dieses Thema zu reden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen in Afrika, die jeden Tag hungern, ums Überleben kämpfen, von Seuchen dahingerafft werden, auch nur irgendetwas romantisches damit verbinden können. Sie würden so gern leben, täten alles dafür, obwohl sie am Existenzminimum leben, keine Perspektive haben... Und wir? Wir finden ihn romantisch... Ja, der Tod hat vielleicht etwas, was uns ergreift, uns nachdenklich werden lässt. Vielleicht fasziniert uns auch der Gedanke daran, das wir nicht wissen, was danach kommt. Der vielleicht einzig unerforschte Bereich in unserer Welt, in der es keine Wunder mehr gibt, nur immer der selbe graue Alltagstrott. Aber trotzdem sollte man nicht vergessen was "Tod" und "sterben" eigentlich bedeutet.... |
| Schwarze Traene | Dass der Tod nichts schönes ist, ist finde ich schon klar für die meisten, aber für viele ist es auch eine Erlösung. Jemand, der z. B. Krebs hat und sich quält freut sich über den Tod wahrscheinlich, er wird seine Familie wahrscheinlich nie wieder sehen, aber er muss nicht mehr leiden.... Es ist aber auch was faszinierendes am Tod, z. B. das danach wahrscheinlich alles aus ist, was teilweise unvorstellbar erscheint. Und würde man bei seiner Lieblingsmusik sterben ist es auch bestimmt schöner als im Feuer zu verbrennen, soll jetzt aber nicht heißen, dass man sich umbringen soll, damit man einen schönen Tod hat! |
| Phoenix1384 | Ich denke, man kann auch hier wieder nichts verallgemeinern! Der Tod ist weder per se schön, noch entsetzlich. Entsetzlich ist der Tod, wenn er in jungen Jahren durch einen Unfall zum Beispiel eintritt. Schön kann er sein, wenn er vom sterbenden Menschen und seinem Familiären Umfeld (das allzuoft nur daran denkt, dass SIE etwas verloren haben, was meiner Meinung nach zutiefst egoistisch ist!) als Erlösung begriffen wird. Als klar war, dass mein Vater vor sechs Jahren seine Chemotherapie nicht überleben wird, hatte ich mich innerlich schon damit abfinden können, dass er Weihnachten nicht mehr erleben wird und ich ganz ohne Eltern ins Erwachsenenleben eintreten muss. Sein Tod war eine Erlösung für ihn, er quälte sich Tag für Tag und konnte nachher nichts mehr selber machen.. Sein Tod war nicht entsetzlich... Eher die Art wie er von den Ärzten behandelt und beraten wurde und dass ich bei seinem Tod nicht bei ihm sein konnte.... Ich denke, es ist auch für die Angehörigen leichter mit dem Tod eines geliebten Menschen klar zu kommen, wenn der Tod nicht als Tabuthema, widernatürlich und als ein zu bekämpfendes Schreckniss (ich meine damit künstliche Lebenserhaltund, wenn keine Hoffnung mehr besteht) angesehen wird. Meine Oma wird wahrscheinlich das nächste Jahr nicht mehr erleben und deswegen möchte ich ihr noch etwas mehr Aufmerksamkeit widmen, als die letzten Jahre, damit sie spürt, dass ihre Enkel sie lieben und sie vielleicht sogar mit einem Lächeln auf den Lippen eines Tages einschlafen (romantisertes Wort für "sterben") kann. Der Tod ist nichts weiter, als die logische Fortsetzung des Lebens! Alles weitere ist kultureller Natur und somit wechselbar. Ich sehe keinen Grund, warum man den Tod nicht auch romantisieren sollte. Auf dieser Welt werden schon genug Tränen vergossen... |
| Air | Mh, Tod...Romantik.. Für mich wäre der Tod romantisch in einer Situation in der jemand stirbt, umringt von seinen Liebsten oder der Liebsten und er/sie in seinen/ihre Armen dahingeht. Weil: Wenn jemand jemanden bis zum Tode begleitet, muss das heissen das da Liebe ist. Das stelle ich mir ein bisschen wie das ultimative Glücksgefühl vor... Ansonsten würde ich mich eher an Mondsilbertaufes Meinung dazu halten. Aber für mich Grundsäzlich gilt: Tod in der Verbindung von Romantik gibt es wohl nur in Romanen, weil Fiktion. Air |
| Cold Rain | Ich schließe mich Phoenix voll an. Und hilft uns diese Romantisierung nicht auch, uns ein bisschen die Angst vor dem Sterben zu nehmen? Wenn man an seinen eigenen Tod denkt (und ich denke, dass das fast jeder irgendwann tut oder tun wird, z.B. wenn er mit dem Tod von Angehörigen/Freunden konfrontiert wird.) und ihn sich nicht als qualvoll, einsam und schrecklich vorstellt, sondern z.B. in den Armen des Menschen, der einem am nächsten steht - geht dann nicht ein Stück Angst vor diesem Augenblick verloren? Ich denke, so war es auch bei dem Konzert gemeint: Wenn ich sterben müsste, dann wäre es schön, wenn es so passiert, mit der Musik, die ich liebe. Ob es im Endeffekt wirklich so kommt, kann man nicht wissen - vielleicht verblutet man einsam in irgendeinem Straßengraben, aber welchen Sinn hat es, sich DAS als das eigene Ende vorzustellen? Und wenn man es sich aussuchen kann, weil der Tod nicht plötzlich kommt, dann wird doch jeder Begleitung dabei wünschen und nochmal gerne die Menschen um sich spüren, die man liebt. Das macht auch für die Angehörigen das Abschiednehmen leichter. Ich denke, es ist einfach eine Art, mit dem Tod umzugehen, ihn zu akzeptieren und irgendwie mit dem Leben zu vereinbaren. |
| gunslinger | Ja, also, ich muss sagen, das hat was.Dazu fällz mir eine kleine Geschichte von mir ein: Eines Im Winters stark angesoffen nach Hause an einen See vorbei, der Morgen dämmerte und dichter Nebel lag auf dem Wasser. Das fand ich so makaber schön, das ich dachte, ich rauche jetzt noch eine und lege mich dazu indas eiskalte Wasser unter dem Nebel. Wo mich dann so schnell keiner findet. Und bri der Kälte, so schätzte ich, wäre ich in 30 Minuten tödlich unterkühlt und bis man mich findet dürften Tage vergehen. Gut, aber letztendlich wollte ich lieber zu Hause noch einen Absacker trinken, und wollte mich der Nachwelt auch nicht als aufgedunsene Wasserleiche präsentieren, dazu war ich dann doch zu eitel. und ich dachte auch an meine Eltern und Kinder, wie sollten die das verkraften, was würde ich denen damit antun? So, und da ich nicht gestorben bin, lebe ich noch heute schönen Gruß, gunslinger |
| Valnar | Für mich ist der Tod etwas ganz normales. Gehört zum Leben dazu. Wir leben um zu sterben. Wir sterben um wiedergeboren zu werden. Macht vieles einfacher, diese Ansicht. |
| Milowén | Ich denke, beim Tod kommt es auf die Position und auf die Situation an. Wenn man selbst stirbt, kann es eine Erlösung sein, allerdings auch ein aus-dem-Leben-gerissen-werden der übelsten Art. Für die Angehörigen kann der Tod eines Familienmitglieds ebenfalls etwas Gutes als auch etwas Schlechtes bedeuten. Den Tod zu romantisieren empfinde ich als normal und tröstend. Man kann dem Tod ohnehin nicht entrinnen, warum also nicht das unvermeidliche in Gedanken so angenehm machen wie möglich, wenn man sowieso nie wissen kann, wie es mit uns letztendlch zu Ende geht? Mag sein, dass es in Romanen immer eine Spur romantischer läuft als im echten Leben, aber das ist nicht nur im Bezug auf das Sterben der Fall, sondern generell. Ich würde mich nicht daran orientieren, der Tod kann auch in der Realität etwas Schönes sein. Denke zumindest ich. Die romantischste Vorstellung ist für mich die, dass zwei Menschen zusammen sterben. Dass sie von allem, was sie belastet, erlöst werden, und sich nicht einmal vermissen müssen, denn wo immer der Weg nach dem Leben hingeht, sie gehen ihn zu zweit. |
| Phoenix1384 | [QUOTE]Die romantischste Vorstellung ist für mich die, dass zwei Menschen zusammen sterben. Dass sie von allem, was sie belastet, erlöst werden, und sich nicht einmal vermissen müssen, denn wo immer der Weg nach dem Leben hingeht, sie gehen ihn zu zweit.[/QUOTE] Milowén, meinst du das so wie in Shakespears "Romeo und Julia", dass ein Paar, welches im Leben nicht zusammen sein kann wenigstens im Tode vereint sein kann (zb. durch gemeinsamen Freitod wie im erwähnten Stück). Oder meinst du es eher so, dass der Tod nicht vom Pärchen ausgeht, sondern die beiden durch irgendwelche Umstände gemeinsam ereilt? |
| hidden peak | über den Tod wurde soviel geschrieben und gesagt. Soviel Mystizismus, Glaube und Philosophie wurde um ihn herum gepackt. Und dabei ist der Tod imho einfach nur banal. |
| CoeurNoir | Für mich ist der Tod ebenfalls etwas normales, etwas, was zum Leben dazugehört. Ich habe keine Angst davor, verbinde aber gleichzeitig auch nichts Schönes damit. Das schließt sich denke ich nicht gegenseitig aus. Der Tod gehört zum Leben dazu, und wer will schon ewig leben.... Eine Angst vor dem Tod sollte man denke ich nicht haben. Viele Menschen haben diese Angst, und das liegt wohl daran, das man den Tod als viele Tabu-Thema abhandeln, sich so damit nich auseinandersetzt und was uns unbekannt ist, macht uns ja bekanntlich Angst. Aber gleichzeitig denke ich, dass eine zu starke Romantisierung des Themas auch nicht "richtig" ist. Lässt dies uns nicht auch Respekt verlieren, und damit meine ich keine Angst, einfach nur, das wir uns diesem letzten großen Schritt ins Ungewisse einfach nicht mehr bewusst werden? Das wir ihn uns vielleicht auch schön reden? (Ich meine hier eine wirklich starke Romantisierung). Ich kenne diesen Gedanken an den romantischen Tod ebenfalls: Im Sommer bin ich mit Freunden an die See gefahren. Hatte mich schon das ganze Jahr darauf gefreut, an das, und nichts anderes. Sonst gab es nichts, worauf ich mich hätte freuen können. Und als ich nun endlich, langersehnt, mit meinen Freunden am Strand war, im Sand lag und den Wellen zugehört habe, dachte ich: "So möchte ich sterben. In diesem schönen Moment, indem ich erreicht habe, was ich mir so lang gewünscht habe" Dieser Gedanke ist zwar schön, doch habe ich wohl in diesem Moment vergessen, dass ich solche Momente noch oft erleben kann, das es nicht die letzten gewesen sind. Wäre ich gestorben, wären es die letzten gewesen. Wenn ich sterbe, ja, dann möchte ich in den Armen eines geliebten Menschen sterben, aber vorher, möchte ich mit ihm leben(!) , und diese Vorstellung erscheint mir wirklich romantisch. Und natürlich kann man auch dieses Thema nicht verallgemeinern. Das kann man denke ich niemals. Sicherlich gibt es Situationen, in denen der Tod Erlösung sein kann, und wiederum andere, in denen er als grausam und schrecklich erscheint. |
| Milowén | [QUOTE]Milowén, meinst du das so wie in Shakespears "Romeo und Julia", dass ein Paar, welches im Leben nicht zusammen sein kann wenigstens im Tode vereint sein kann (zb. durch gemeinsamen Freitod wie im erwähnten Stück). Oder meinst du es eher so, dass der Tod nicht vom Pärchen ausgeht, sondern die beiden durch irgendwelche Umstände gemeinsam ereilt?[/QUOTE] Ursprünglich dachte ich zwar an den Freitod, aber die andere Möglichkeit läuft meiner Meinung nach auf das gleiche hinaus. Allerdings meinte ich das auch nicht genau in dem Sinne von Romeo und Julia, sondern so, dass diese zwei Menschen noch zusammen leben, aber zusammen beschließen, sich zu töten, weil sie auf der Erde, wenn auch zu zweit, nicht mehr glücklich sein können. Aber wie gesagt: auch die beiden anderen von dir angesprochenen Situation haben ungefähr das gleiche Ergebnis, denke ich. |
| Cold Rain | Zum Thema "Paar-Tod": Mein Freund sagte mir auch mal, er würde am liebsten mit mir zusammen sterben. Allerdings erst in 60, 70 Jahren. Jedenfalls nach einem sehr langen, glücklichen, gemeinsamen Leben. Dann muss nicht der eine den anderen schmerzlich vermissen und ohne den anderen weiterleben. Keine schlechte Idee, freiwillig gemeinsam den letzten Schritt zu gehen, aber ich möchte nochmal betonen, in ferner Zukunft, wenn man sagt, jetzt reicht es mir, ich will mich nicht am Ende nur noch quälen, um ein, zwei Jahre herauszuschlagen. |
| CoeurNoir | Mhh...verstehe irgendwie nicht, wie man sich als Paar umbringen kann. Schließlich kann es doch nichts wundervolleres geben, als die Liebe zu erleben. Und wenn man sich dann endlich gefunden hat, warum es dann gleich wieder beenden? nya aber das gehört ja eigentlich nicht zum topik |
| Cold Rain | @ CoeurNoir: Auf mich ist dein Kommenatr nicht bezogen, oder? Ich meine (wie ich oben betonte), am ENDE des gemeinsamen Lebens. Alles andere, da muss ich dir zustimmen, halte ich für unsinnig. Da würde mich auch mal interessieren, was die Menschen dazu motivieren kann. |
| Misericordia | [QUOTE][i]Original geschrieben von CoeurNoir [/i] [B]Für mich ist der Tod ebenfalls etwas normales, etwas, was zum Leben dazugehört.[...]das wir uns diesem letzten großen Schritt ins Ungewisse einfach nicht mehr bewusst werden?[...] [/B][/QUOTE] Nun, der Tod mag zwar zum Leben dazugehören, da jeder von uns, und wirklich ohne Ausnahme jeder, irgendwann einmal sterben muss. Damit wird der Tod unentrinnbar und gleichzeitig auch in gewisser Weise alltäglich. Allerdings ist er nicht wirklich normal, denn dieser "letzte große Schritt ins Ungewisse" ist schließlich auch alles andere als normal und stellt etwas recht Ungewöhnliches dar. Schließlich weiß niemand, was da nun tatsächlich nach dem Tod ist, da sind ambivalente Gefühle wie Angst, Respekt oder eben Romantik wohl schon vorprogrammiert. |
| CoeurNoir | @ Cold Rain Nein, nein... auf deinen Beitrag habe ich mich nicht bezogen! Meinte mit dem "unverständlichen" den Freitod von einem Paar, das mitten im Leben steht, und noch so viel Zeit miteinander verbringen könnte. Ich stimme dir zu indem was du sagst. @Misericordia mit dem "normal" meinte ich durchaus "alltäglich"! und wenn etwas alltäglich ist, kann es dann gleichzeitig ungewöhnlich sein? Der Tod ist für uns natürlich etwas Fremdes und Unbekanntes. Und deswegen kann er auch mit Angst verbunden werden. Ich meinte mit meinem Eintrag keinesfalls die Einstellung das man das eigene Sterben als normal empfindet. Nur der Tod begleitet uns in unserem Leben so alltäglich, dass er einfach normal ist. Jede Sekunde sterben Mensche. Wir machen es uns nur nicht bewusst, weil es uns unangenehm ist, also verliert der Tod den Status, das er zum Leben dazu gehört. Und das etwas normal ist, heißt doch nicht, das die Sache an sich den Schrecken verliert, den sie vielleicht hat, oder? Es scheint uns nur so, weil wir uns daran gewöhnen. Aber wie gesagt, ist halt meine Meinung. |
| Dirchi | ...Ich denke das dieser Anfangs beschriebener Moment der Todes-Romantik und der mentalen Gradwanderung zwischen Leben und Tod, weitaus interessanter, romantischer und ergreifender ist, als die Realität des Sterbens und Todes. Denn etwas unspektakuläreres als den Tod gibt es vermutlich nicht! Drum finde ich diese todes-romantischen Emotionen, die immer auch eine reflektive Auseinandersetzung mit sich und dem Leben mit sich bringen, wirklich sinnvoller und sogar spirituell fruchtbarer, als dann doch authentisch-wirklich vom Blitz getroffen und über'n Jorden mitgenommen zu werden! - Und wenn doch - Leben ist bekanntlich immer lebensgefährlich und der Tod auch nur das Leben selbst. ...Ich liebe den Herbst und noch lieber Herbsgewitter - und den Kampf mit und gegen den Freund Hein! Lieben Gruß: Dirchi ;) |
| Herr van Rees | Es gibt Menschen, in denen ist die Todesromantik oder -sehnsucht als Gemütsbewegung derart stark ausgeprägt, daß sie schöpferischen Einfluss auf das gesamte Leben des Betreffenden hat, unabhängig von einer Entwicklungsperiode wie zB der Pubertät. Und so, wie nicht jeder Mensch ein geborener Hochleistungssportler ist, der, um sich ausleben zu können, mindestens einen Fitnessraum braucht, sind eben auch nur wenige Menschen geborene Todesromantiker, die mindestens einen Friedhof brauchen, um sich wohl zu fühlen. Beides könnte man als Krankheit begreifen. Beides könnte man sich abgewöhnen. Dazu dauerhaft in der Lage sind aber nur die, die beides nicht sind. |
| Misericordia | Hm, hm, die Todesromatik also als eine "Gemütsbewegung", oder noch drastischer, als eine "Krankheit"? Nun, es scheint tatsächlich Fakt zu sein, dass es Menschen gibt, oder vielleicht sogar gesagt, dass es üblich ist, den Tod nicht mit einer Romantik zu assozieren; schließlich ist der Tod an sich - als Naturerscheinung, die jeden Menschen betrifft und daher auch "normal" ist(hab´s jetzt verstanden @CoerNoir) - alles andere als romantisch: zum einen aufgrund seiner Uneinzigartigkeit, zum anderen durch die meist verhehrende Grausamkeit, mit welcher er Menschen aus ihrem Leben und ihrer Umwelt reißt. Schließlich bedeutet Tod eine definitive Auslöschung einer individuellen Persönlichkeit und ist somit als irreversibler Zustand zur gleichen Zeit auch sehr machtvoll und unnahbar. So könnte man sich zumindest eine gewisse Faszination herleiten. Die Romantik, die nun ebenso ins Spiel zu kommen scheint, ist meiner Meinung nach eher eine Vorstellung oder eine Vision, die lediglich in den Köpfen von Menschen entsteht, die noch am Leben sind und sich den Tod eben "nur" vorstellen können. Ich würde damit Todesromantik weniger als eine Krankheit beschreiben, sondern eher als eine vage Ahnung von dem, was den Menschen noch erwarten wird; und diese ist in diesem Falle überraschend positiv. |
| Andy | Die frage die gestellt wurde war doch wie kommt diese Todesromantik zustande und was macht das ganze faszinierend? Ich habe mir jetzt zwar nicht alle Beitrage intensiv durchgelesen, bitte vergebt mir, aber ich glaube nichts von der Epoche der Romantik und Novalis gelesen zu haben. Ich denke mal die Todesromantik kommt aus dem Zusammenhang mit der Philosophie aus der Epoche der Romantik. Korrigiert mich wenn ich jetzt was falsch sage aber war es nicht so, dass die Menschen in der romantik, in sich selber und jeden noch so kleinem Teilchen dieser Welt Gott gesehen haben. Sprich das Ich ist gleich das absolute oder synthetische Ich der Schöpfung überhaupt und Gott begrenzt sich im synthetischen Ich. Um mit den synthetischen Ich völlig identisch zu sein, müsste das analytische Ich, das Individuum, sich von der stofflichen Materie befreien. Die stoffliche Begrenzung besteht aber im Ich-Bewusstsein das ich von mir habe. Also muss ich versuchen mich von mein Ich-Bewusstsein zu lösen um ins unbewusste zu gelangen. Dieses gelingt durch Traum, durch Extasse, durch Rausch oder halt durch den Tod. Wobei in der damaligen Vorstellung nicht der Selbstmord bzw. Freitod mit gemeint ist, denn ein Selbstmörder gelangt nicht ins Paradies. So zumindest das denken damals. In Essen war oder ist glaube ich noch die wunderbare Kunstausstellung von Caspar David Friedrich. Ist echt empfehlenswert. Die Bilder sind für jemanden der auf Gotische Gebäude und die Philosophie der romantik stehet sowie eine melancholischer Typ einfach nur perfekt. |
| Herr van Rees | Ich halte nichts von Todesromantik. Wohl aber von Poesie. Die Poesie des Todes .... Der Tod wird durch den Genius der Poesie beredt. Ebenso wie das Leben und all die Kleinigkeiten des Alltags, einschließlich aller Krankheiten und Gemütsregungen. Poesie ist wie Mathematik eine exakte Wissenschaft, aber in ihrem Ausdruck so different wie unterschiedliche Landessprachen. Romantik dagegen ist sowas wie ein Schmarotzer, der sich von der Poesie nährt und nur GLAUBENS-Blüten zu treiben in der Lage ist. In diesem Schwammpilzgeflecht ist der Fanatismus des Idealisten zu Hause. Todesromantiker sind Idealisten. |
| Cold Rain | Kannst du das mal näher erläutern, Herr van Rees??? Wäre dir sehr dankbar :) |
| Herr van Rees | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cold Rain [/i] [B]Und hilft uns diese Romantisierung nicht auch, uns ein bisschen die Angst vor dem Sterben zu nehmen?[/B][/QUOTE] Warum sollte ich meine Angst nicht zulassen? Wenn ich meiner Angst eine Stimme gebe, den Genius der Poesie also walten lasse, dann drücke ich aus, was unmittelbar IST, nämlich mich selbst. Wäre ich ein Romantiker, würde ich meine Angst leugnen und damit die Augen vor mir selbst verschließen. Und damit auch vor der Welt, die mich umgibt. Egal, wie bezaubernd ich mich und die Welt zu beschreiben imstande wäre. Egal, wie lebendig ich mich dabei fühlte. Ich würde stagnieren, im Sinne von schlafen, träumen, dahinvegetieren. Das kann ich nicht. Ich habe Angst vor dem Sterben. Und diese Angst hätte ich auch dann, wenn ich mich dazu entschließen würde, vom Hochhaus zu springen. Ich würde mit meiner Angst springen. Denn ICH würde springen. Ich wüsste also 100%ig, daß ich, inkl. Angst, sterben WILL bzw bereit bin, zu sterben. Ich wüßte also, was ich tue. Würde ich meine Angst ausblenden und mit romantischen Bildern überdecken, wär es keine 'runde Sache' - verstehst Du? Denn dann wäre es möglich, daß es mir, während ich falle, plötzlich leid tut, überhaupt gesprungen zu sein :eek:. Die Poesie des Todes ..... Ist vllt eher die Poesie des Sterbens zu nennen. Des Verfalls. Des Morbiden. Und Gottfried Benn klingt einfach anders als Novalis oder Eichendorff. Irgendwie ehrlicher. Also, für mein Empfinden .... |