| Trauerwesen | Mir ist vorhin irgendwie ein Gedanke gekommen, den ich gerne diskutieren würde. Und zwar habe ich irgendwie das Gefühl bekommen, dass sich meine Identität aus meinen Erfahrungen heraus bildet. Umso älter ich werde, umso mehr ich erlebe, umso klarer ist meine Identität. Bei Nationen gibt es das ja auch, dass die Geschichte zur nationalen Identität beiträgt. Ich meine, gerade in Deutschland ist es ja so, dass man immer noch Goethe, Schiller und Hitler (o, passt gerade toll, sorry) und andere assoziiert werden, wenn es um ein Land geht. Die US-Amerikaner beziehen sich auch immer wieder gerne auf die Puritaner, die Mayflower und den Unabhängigkeitskrieg. Nun aber zurück zu den Individuen: Ein Kind, das noch nicht viel lebte, hat ja auch eine Identität. Wird diese wirklich klarer mit dem Alter, und ja, mir ist bewusst, dass Erfahrung nicht alles sind, was Identität ausmacht, es da aber noch viel mehr gibt, die ich hier aber ausgrenzen möchte. Mit Euch würde ich diesen gedanken gerne weiterspinnen, natürlich bin ich auch bereit, dass man mir etwas gegenteiliges liefert, dass die Erfahrung und die persönliche Vergangenheit keineswegs was mit der eigenen Identität zu tun hat. Dass das Leben prägt und auch verändern kann, ist auch nicht ganz neu, das können wir vielleicht mit einbauen, aber das ist nicht das, in welche Richtung ich gehen möchte. Ist das denn in etwa verständlich, was ich nun überhaupt will *g*? PS: Wusste nicht, wonach ich bei der Suche suchen sollte, falls solch ein Thema doch schon existiert, bitte ich dies zu entschuldigen und die Moderation, zusammenzugügen, danke. |
| Cold Rain | Also, ich kann deinen Gedankengang bestätigen. Die Vergangenheit ist Teil unserer Identität. Deshalb verlierst du auch deine Identität, wenn du dein Gedächtnis verlierst, z.B. durch einen Unfall oder Alzheimer. Unsere Erfahrungen, die wir gemacht haben und vorallem unser Verhalten wird ja abgespeichert und wirkt sich auf unser zukünftiges Denken, Handeln und Fühlen aus. Man durchlebt jeden Tag Konflikte und die unangemessene oder angemessene Lösung dieser Konflikte bewirkt, dass du beim nächsten mal weißt, wie du reagierst oder reagieren solltest. Mal ganz grob gesagt. (Identität ist ein etwas schwammiger Begriff und, wie du ja schon geschrieben hast, natürlich noch durch viele andere Faktoren beeinflusst.) Im Laufe des Lebens bildet sich die Identität aus, vorallem die Jugend ist hier ein wichtiger Abschnitt. Später ändert sich die Identität noch, aber ein gewisser "Kern" bleibt immer gleich, weil ja die vergangenen Dinge immer die gleichen bleiben. Hm, mir fällt bestimmt noch was dazu ein, wir machen das grad im Unterricht. falls du an Theorien interessiert bist: Erik Erikson und Lothar Krappmann sehen die Sache auch ähnlich (daher z.T. meine Infos *g*) edit: was vergessen :cool: |
| Dichterseele | Nun, ich persönlich denke eher, dass unsere Vergangenheit unsere Persönlichkeit mitformt, d.h. das, was uns passierte, beeinflusst unseren Charakter, es hilft unter anderem auch, wie du schon sagtest, uns über uns selbst klarer zu werden, uns unter anderem auch selbst zu finden. Aber ich sehe die Vergangenheit als etwas beeinflussender, aber nur, wenn man sich davon beeinflussen lässt. |
| Seneca | [QUOTE][i]Original geschrieben von Dichterseele [/i] [B]Aber ich sehe die Vergangenheit als etwas beeinflussender, aber nur, wenn man sich davon beeinflussen lässt. [/B][/QUOTE] Dürfte schwer werden, sich dem Erlebten zu entziehen, selbst wenn man Großmeister der Verdrängung ist. Auch wer heute der größte Hundefreund ist, weiß noch wie es sich anfühlt, wenn schon mal einer zugebissen hat. |
| Trauerwesen | Erstmal vielen Dank für Eure Antworten. Das Thema kam bei mir heute, als ich reflektierte und bemerkte, dass ich mich durchaus durch bestimmte Dinge, die ich erlebt habe, definiere (Abitur, auch die dazugehörige Zeit, Urlaube, Auslandsaufenthalte, usw). natürlich ist das nicht alles, eine Persönlichkeit besteht ja aus mehr, nur scheint es da doch nicht ganz so toll zu klingen, wenn man sich auch über Negativerfahrungen definiert, aber dem ist wohl immer so, eben weil es auch die Persönlichkeit ausmacht. Hm, vielleicht ist es wirklich so, dass man sich über so etwas direkt definiert, weil es einfacher ist, als die Auswirkungen der jeweiligen Erfahrung in Betracht zu ziehen, um sich selbst zu sehen. |
| buntschatten | Ich denke, wir Menschen unterliegen einem ständigen Wandel. Dabei definieren wir uns einersets durch Selbsterlebtes, andererseits beeinflusst uns aber auch das Umfeld. Als ich beispielsweise von Alice Miller "Am Anfang war Erziehung" gelesen habe, ist mir bewusst geworden wie sehr ich auch heute noch mit 26 durch den Erziehungsstil meiner Mutter sowie meiner Großeltern geprägt worden bin. Gerade die Prägung in der Kleinkindphase lässt sich nicht abschütteln, sondern nur durch Erfahrungen bereichern. Identität nur an Erfahrungen zu messen ist mir zu simpel und zu einseitig. |
| Trauerwesen | buntschatten: Deswegen schrieb ich ja auch, dass es andere Einflüsse auf die Identität gibt, diese aber hier ausgeblendet werden sollen, dass Erfahrung nicht alles ist, ist klar. Ich finde es nämlich gar nicht so unwesentlich, wenn man sich dann halt auch nationen anschaut, bei denen die Geschichte extrem wichtig ist, wohl halt noch wichtiger als beim Individuum. |
| Seneca | Prägung ist genaugenommen nichts anderes als Erfahrungen. Sowohl progressive wie klassisch Prägung basieren auf einem Feedbacksystem...das Feedback wird als Erfahrung abgelegt. |
| nullpromille | und wenn die erfahrung produkt der identität ist? |
| buntschatten | Klingt interessant, denn gleiche Erfahrungen werden von verschiedenen Individuen grundsätzlich unterschiedlich bewertet. Also weist mir meine Identität auch, wie ich mit neuen Erfahrungen umzugehen und sie zu verarbeiten habe... |
| nullpromille | ja, und man zieht gewisse erfahrungen aufgrund der eigenen identität auch an. dazu kommt die von außen auferlegte identität. wenn ich als armer hund geboren werde, mache ich aufgrund dieser identität schon vollkommen andere erfahrungen als ein reicher mensch. auch die definition der eigenen identität, lässt einen schon gewisse erfahrungen "aussuchen". oder die vorstellung der eigenen identität? edit:interessanter empfinde ich aber die frage der aufgezwungenen identität. werde ich als verlierer gebrandmarkt, durch welche äußeren einflüsse auch immer, werde ich weiterhin erfahrungen machen die mir das bestätigen. da andere menschen mich in dieser identität wahrnehmen- ein teufelskreis in dem ursache und wirkung verschwimmen. hier ist ein ausbruch natürlich möglich. anders liegt es mit identitäten, die einem z.b. durch nationale zugehörigkeit aufgezwungen werden, auch wenn man sich später darein fügt oder nichts anderes kennt. hier ist kaum auszusteigen. |
| buntschatten | Wenn ich dich richtig verstehe, verstehst du Identität als Kombo aus Genen, Erziehung und Sozialisation. So zumindest würde ich es sehen. Das Ganze steht dann wiederum in einem Wechselspiel mit Erfahrungen und Psychologie... |
| nullpromille | in erster linie verstehe ich identität als vorstellung. ich halte den einzelnen menschen für ahistorisch, die nation aber nicht. darum ist nur die nationale identität eines menschen historisch. meine these ist noch in arbeit. wahrscheinlich gibt es ein buch dazu, wenn ich aber nicht darauf stoße, muss ich selbst suchen, bis ich mir sicher bin - vorübergehend. |
| Dark Butterfly | Alle Handlungen sind von einem selbst formbar -um mal allen Deterministen hier zu wiedersprechen. Wenn Kinder beispielsweise traumatische Erlebnisse hatten, die sie zu verkraften nicht in der Lage wären, sperrt das Unterbewusstsein automatisch eine Tür davor. Während man die ganzen nächsten Jahre nichts mehr davon weiß und meint man handle frei und unabhängig, fällt man sämtliche Entscheidungen doch in Abhängigkeit des Erlebnisses aus der Kindheit. Charakter, Vorlieben, Abneigungen, Beziehung, Freunde... alles, was in eine Identität mit rin spielt, ist davon betroffen. Doch Jeder hat auch einen starken freien Willen und wenn man nur Mut hat und es möchte, findet man die Tür wieder, kann sie öffnen und alles aus freien Stücken ändern. Es ist jedermans eigene Entscheidung! Es ist nicht vorbestimmt! Es wäre so einfach und bequem, Anderes zu behaupten. Ich bin auch der Meinung, dass zu Identität noch mehr gehört, zum Beispiel nicht beeinflussbare Dinge wie Geburtsland etc. Auch dies bestimmt das Schicksal vor, da zum Beispiel Diskriminierung usw. darauf aufbaut, dass es einen Rassebegriff gibt. Diesen Einflüssen kann man sich gewiss nicht entziehen, doch man kann mit Hilfe seines freien Willens seine Grenzen frei festlegen und dadurch entscheiden, wie viel man an sich herankommen lässt. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas auf der Welt gibt, dem man ganz und gar ausgeliefert ist. Oder? |
| Dark Butterfly | An nullpromille: (Weiß nicht wie man zitiert) Aber das ändert doch nichts an der Gewichtung von Identität, oder? Warum ist der Mensch ahistorisch? |
| nullpromille | [QUOTE][i]Original geschrieben von Dark Butterfly [/i] [B]Alle Handlungen sind von einem selbst formbar -um mal allen Deterministen hier zu wiedersprechen. Wenn Kinder beispielsweise traumatische Erlebnisse hatten, die sie zu verkraften nicht in der Lage wären, sperrt das Unterbewusstsein automatisch eine Tür davor. Während man die ganzen nächsten Jahre nichts mehr davon weiß und meint man handle frei und unabhängig, fällt man sämtliche Entscheidungen doch in Abhängigkeit des Erlebnisses aus der Kindheit. Charakter, Vorlieben, Abneigungen, Beziehung, Freunde... alles, was in eine Identität mit rin spielt, ist davon betroffen. Doch Jeder hat auch einen starken freien Willen und wenn man nur Mut hat und es möchte, findet man die Tür wieder, kann sie öffnen und alles aus freien Stücken ändern. Es ist jedermans eigene Entscheidung! Es ist nicht vorbestimmt! Es wäre so einfach und bequem, Anderes zu behaupten. Ich bin auch der Meinung, dass zu Identität noch mehr gehört, zum Beispiel nicht beeinflussbare Dinge wie Geburtsland etc. Auch dies bestimmt das Schicksal vor, da zum Beispiel Diskriminierung usw. darauf aufbaut, dass es einen Rassebegriff gibt. Diesen Einflüssen kann man sich gewiss nicht entziehen, doch man kann mit Hilfe seines freien Willens seine Grenzen frei festlegen und dadurch entscheiden, wie viel man an sich herankommen lässt. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas auf der Welt gibt, dem man ganz und gar ausgeliefert ist. Oder? [/B][/QUOTE] was du da predigst ist schlimmer als der ärgste determinismus, weil es determinismus ohne konsequenz ist. sobald du die sache kausal betrachtest und ein kindheitserlebnis wäre kausal, hast du den menschen und alles determiniert, weil jede ursache, wieder eine ursache hat und nicht nur eine wirkung. deine theroie nimmt dem menschen auch noch die würde. weil du den menschen zwar in die kausalität setzt, in der er determiniert ist und ihm dann auch noch sagst: du kannst aber aus freiem willen auch anders. damit treibst du ihn dann in den wahnsinn. weil es wirklich nur als frotzelei zu verstehen ist, auch wenn du deine these gut meinst. |
| Trauerwesen | Ich denke, zwischen Erfahrung und Identität besteht eine Wechselwirkung, welche da stärker ist, ist zweifelhaft, kommt auf die Gewichtung verschiedenester Dinge an. Wenn ich Angst vor Sonne habe, fahre ich nicht in ein südliches Land zum Urlaub, fahre ich woanders hin, habe ich erneut eine Erfahrung gemacht. Aber mal zurück zu dem ahistorischen Menschen, klar, Kulturen/Nationen definieren sich zum grössten Teil über Vergangenheit, bei Menschen ist dies nur ein kleinerer Satz, andere Faktoren sind da genauso entscheidend, wenn nicht eventuell sogar auch entscheidender. Aber wieso sind Menschen denn nun ahistorisch? |
| Dark Butterfly | [QUOTE][i]Original geschrieben von nullpromille [/i] [B]was du da predigst ist schlimmer als der ärgste determinismus, weil es determinismus ohne konsequenz ist. sobald du die sache kausal betrachtest und ein kindheitserlebnis wäre kausal, hast du den menschen und alles determiniert, weil jede ursache, wieder eine ursache hat und nicht nur eine wirkung. deine theroie nimmt dem menschen auch noch die würde. weil du den menschen zwar in die kausalität setzt, in der er determiniert ist und ihm dann auch noch sagst: du kannst aber aus freiem willen auch anders. damit treibst du ihn dann in den wahnsinn. weil es wirklich nur als frotzelei zu verstehen ist, auch wenn du deine these gut meinst. [/B][/QUOTE] Ich sage ja nur, dass nichts ohne Konsequenz ist, dass man aber auch nicht sagen kann auf a folgt b und auf b folgt c. Sondern auf a kann auch d oder e oder f oder... folgen. Das ist kein Determinismus. Im Determinismus gibt es keine Alternativen, sondern nur eine Möglichkeit, nur eine Kausalkette. Ich glaube nicht, dass meine Ansicht den Menschen in den Wahnsinn treibt. Aber wie gesagt; anders wäre es bequem. Mag sein, dass es unangenehm und schwer ist und dass es weh tut. Ich habe nicht gesagt, dass es einfach ist. |
| nullpromille | [QUOTE][i]Original geschrieben von Dark Butterfly [/i] [B]Ich sage ja nur, dass nichts ohne Konsequenz ist, dass man aber auch nicht sagen kann auf a folgt b und auf b folgt c. Sondern auf a kann auch d oder e oder f oder... folgen. Das ist kein Determinismus. Im Determinismus gibt es keine Alternativen, sondern nur eine Möglichkeit, nur eine Kausalkette. Ich glaube nicht, dass meine Ansicht den Menschen in den Wahnsinn treibt. Aber wie gesagt; anders wäre es bequem. Mag sein, dass es unangenehm und schwer ist und dass es weh tut. Ich habe nicht gesagt, dass es einfach ist. [/B][/QUOTE] es gibt nicht einwenig kausalität. wer eine ursache setzt, zieht das ganze netz und der mensch ist determiniert. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Dark Butterfly [/i] Alle Handlungen sind von einem selbst formbar -um mal allen Deterministen hier zu wiedersprechen. Wenn Kinder beispielsweise traumatische Erlebnisse hatten, die sie zu verkraften nicht in der Lage wären, sperrt das Unterbewusstsein automatisch eine Tür davor.[/QUOTE]Bereits dein zweiter Satz widerlegt deinen ersten Satz. Ein Kind, das ein traumatisches Erlebnis hat, das es nicht verkraften kann, kann es bei allem guten Willen nicht bewusst verarbeiten, also ist sein Wille nicht frei. [QUOTE]Während man die ganzen nächsten Jahre nichts mehr davon weiß und meint man handle frei und unabhängig, fällt man sämtliche Entscheidungen doch in Abhängigkeit des Erlebnisses aus der Kindheit. Charakter, Vorlieben, Abneigungen, Beziehung, Freunde... alles, was in eine Identität mit rin spielt, ist davon betroffen.[/QUOTE]Es gibt aber nicht nur dieses eine traumatische Erlebnis, sondern noch viele andere Erlebnisse, die dort mit einfließen. [QUOTE]Doch Jeder hat auch einen starken freien Willen und wenn man nur Mut hat und es möchte, findet man die Tür wieder, kann sie öffnen und alles aus freien Stücken ändern. Es ist jedermans eigene Entscheidung! Es ist nicht vorbestimmt! Es wäre so einfach und bequem, Anderes zu behaupten.[/QUOTE]Meiner Ansicht nach werden aber "hinter den Türen" nicht Erlebnisse gespeichert, sondern Sinneseindrücke oder auch nur die Ergebnisse der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Es kann also sein, das man zwar die Türen wiederfindet, aber dahinter wird man nicht immer etwas finden, was über die damaligen Geschehnisse Aufschluss gibt. [QUOTE]Ich bin auch der Meinung, dass zu Identität noch mehr gehört, zum Beispiel nicht beeinflussbare Dinge wie Geburtsland etc. Auch dies bestimmt das Schicksal vor, da zum Beispiel Diskriminierung usw. darauf aufbaut, dass es einen Rassebegriff gibt. Diesen Einflüssen kann man sich gewiss nicht entziehen, doch man kann mit Hilfe seines freien Willens seine Grenzen frei festlegen und dadurch entscheiden, wie viel man an sich herankommen lässt.[/QUOTE]Ich sehe es so, dass es bestimmte festgelegte Grenzen gibt (zum Beispiel das physisch Ertragbare), und dass man innerhalb dieser Grenzen wählen kann. [QUOTE]Ich glaube nicht, dass es irgendetwas auf der Welt gibt, dem man ganz und gar ausgeliefert ist. Oder? [/QUOTE]Zumindest den Grenzen der physischen Existenz ist man ganz und gar unterworfen, zum Beispiel Umgebungstemparaturen, chemische Zusammensetzung der Umgebung, wirkende physikalische Kräfte (Zug, Druck), Radioaktivität und andere. Daneben gibt es scheinbare Grenzen, die durch die Begrenztheit unserer Sinne gesetzt werden, während wir andererseits manche echten Grenzen (z.B. Radioaktivität) durch die Begrenztheit unserer Sinne nicht ohne Hilfsmittel erkennen können. Zusammengefasst meine Ansichten zum Thema: Unsere Identität gründet sich nicht direkt auf bestimmte Dinge, sondern auf die Abbildungen dieser Dinge durch unsere Sinne. Wir verarbeiten im Geiste also nicht Dinge, sondern nur Abbilder davon, die sehr eingeschränkt und verzerrt und auch vollkommen verkehrt sein können. Die Sinnes-Abbilder (z.B. Fernsehbild und -Ton), die wir im Wachzustand nicht bewusst verarbeiten, werden im Schlafzustand unbewusst verarbeitet, was sich teilweise in Träumen widerspiegelt. Unsere Erfahrungen ergeben sich dann aus unseren Sinnes-Abbildern und aus den Produkten deren bewusster und unbewusster Verknüpfungen. Unsere Identität ergibt sich daraus, welche Auswirkungen unserer eigenen Handlungen wir erfahren. Dabei müssen diese Erfahrungen, wie schon angedeutet, nicht auf wirklichen Dingen beruhen. In einer Zeitung wurde mal berichtet, dass ein Kleinkind sich schwer verletzt hat, als es in den Fernseher hineingesprungen ist, um sich darin einen Schokoriegel zu holen ... |
| Dark Butterfly | [QUOTE][i]Original geschrieben von nullpromille [/i] [B]es gibt nicht einwenig kausalität. wer eine ursache setzt, zieht das ganze netz und der mensch ist determiniert. [/B][/QUOTE] Es ist nicht ein wenig Kausalität, wenn verschiedene Konsequenzen möglich sind. Du machst es dir sehr einfach... |
| Dark Butterfly | [QUOTE][i]Original geschrieben von TheTurningPoint [/i] [B] Es gibt aber nicht nur dieses eine traumatische Erlebnis, sondern noch viele andere Erlebnisse, die dort mit einfließen. [/QUOTE] Da gebe ich dir Recht. Das wiederspricht meiner Meinung ja auch nicht... [QUOTE] Meiner Ansicht nach werden aber "hinter den Türen" nicht Erlebnisse gespeichert, sondern Sinneseindrücke oder auch nur die Ergebnisse der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Es kann also sein, das man zwar die Türen wiederfindet, aber dahinter wird man nicht immer etwas finden, was über die damaligen Geschehnisse Aufschluss gibt. [/QUOTE] Aber man muss doch von dem damaligen Standpunkt aus gehen, um Aufschluss zu bekommen. [QUOTE] Ich sehe es so, dass es bestimmte festgelegte Grenzen gibt (zum Beispiel das physisch Ertragbare), und dass man innerhalb dieser Grenzen wählen kann. [/QUOTE] Vielleicht hast du Recht. [QUOTE] Zusammengefasst meine Ansichten zum Thema: Unsere Identität gründet sich nicht direkt auf bestimmte Dinge, sondern auf die Abbildungen dieser Dinge durch unsere Sinne. Wir verarbeiten im Geiste also nicht Dinge, sondern nur Abbilder davon, die sehr eingeschränkt und verzerrt und auch vollkommen verkehrt sein können. [/QUOTE] Aber diese Abbilder sind doch unsere subjektive Realität. Ist es nicht mit Allem so? Über was können wir denn überhaupt was aussagen? An nullpromille: Warum ist der Mensch ahistorisch? |
| nullpromille | [QUOTE][i]Original geschrieben von Dark Butterfly [/i] [B]Es ist nicht ein wenig Kausalität, wenn verschiedene Konsequenzen möglich sind. Du machst es dir sehr einfach... [/B][/QUOTE] ich seh das wie laplace (oder so ähnlich) |
| schattenlichter | wie definiert ihr eigentlich den begriff erfahrung? meiner meinung nach sind erfahrungen nicht nur ereignisse im lebenslauf, sondern eben auch (wie schon geschrieben) die bewertung dieser erfahrung (welche ebenfalls durch erfahrung und durch wahrscheinlich genetisch definierte interessen und charaktermerkmale,sowie rein durch physische gegebenheiten bestimt werden), eigene gedanken und der gefühlszustand, erziehung und wertvorstellungen. wenn man das so sieht wie ich, ist die erfahrung also der hauptbestandteil der identität, und nicht irgendetwas, was von der identität losgelöst existiert.die erfahrung wiederum wird durch andere bestandteile der identität stark beeinflusst (siehe oben) grüße sarah |
| Trauervogel | [QUOTE][i]Original geschrieben von nullpromille [/i] [B]in erster linie verstehe ich identität als vorstellung. ich halte den einzelnen menschen für ahistorisch, die nation aber nicht. darum ist nur die nationale identität eines menschen historisch. meine these ist noch in arbeit. [/B][/QUOTE] Warum soll der Mensch ahistorisch sein?? [QUOTE] ich seh das wie laplace (oder so ähnlich) [/QUOTE] Und wie sieht der/die Gute das?? |
| Trauerwesen | Mal ein wenig was anderes, mich beschäftigt das auch ein wenig und passt auch einigermassen hierhin, geht es ja um Identität. Würde die These nicht auch gleichzeitig bedeuten, dass unsere Entscheidungen und Taten uns ausmachen? Kann ein Mensch respektiert werden, wenn wir seine Taten und Entscheidungen nicht respektieren oder nachvollziehen können? Denn wenn die Vergangenheit die Idenität ausmacht, dann zählen ja nicht nur Erfahrungen von aussen, sondern eben insbesondere auch von innen, also Entscheidungen und Taten dazu, die das Ich dann ausmachen. Was natürlich nicht bedeutet, niemand dürfe Fehler machen, sondern eher, dass ich das bin, was ich getan habe und wozu ich mich entschieden habe. |
| sereminie | Ich würde den Begriff Identität definieren als: " die Antwort auf die Frage: wer bin ich?" Auch wenn diese Definition vielleicht etwas profan erscheinen mag, denk ich, dass sie zwei bisher weitgehend unberücksichtigte Aspekte miteinschließt: die Gegenwart und die Zukunft! Denn gehören nicht auch auch Wünsche und Ziele zur Identität- und sind Wünsche und Ziele nicht auf die Gegenwart und die Zukunft bezogen? Ich jedenfalls kann mir schwer vorstellen, meine eigene Identität zu beschreiben, ohne dabei darauf einzugehen, welche Ziele, Hoffnungen, Befürchtungen und Wünsche ich habe... Natürlich kann man jetzt sagen, dass sich Ziele und Wünsche hauptsächlich aus den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen ableiten- das mag sicher teilweise richtig sein, aber ich denke die jeweiligen Bedingungen, die wir aktuell- also in unsrer Gegenwart vorfinden modifizieren unsere Ziele und unsere Vorstellungen von der Zukunft: manchmal mag es notwendig seine Ziele aufzugeben, weil man erkennt, dass sie nicht realisiert werden können, aber es kann auch durchaus vorkommen, dass man neue Ziele fasst oder bereits aufgegebene Ziele wieder aufgreift, weil die ZUKUNFT unerwartet die Möglichkeit eröffnet, diese zu verwirklichen...? |
| VampireMiyu | Hi, ich denke, dass Vergangenheit dich zwar prägt, aber nicht bestimmen muss. Du allein bestimmst dein Leben und auch deinen Charakter. Mfg Mi |
| Trauerwesen | [QUOTE][i]Original geschrieben von VampireMiyu [/i] [B]Hi, ich denke, dass Vergangenheit dich zwar prägt, aber nicht bestimmen muss. Du allein bestimmst dein Leben und auch deinen Charakter. Mfg Mi [/B][/QUOTE] Bei Charakter wäre ich nicht so sicher, ich bin davon überzeugt, dass er zum einen Teil angeboren, zum anderen sozialisiert wird, und gegen jene kann man sich nicht wehren. Sicherlich kann man entscheiden, und ich denke auch, dass unser "ich" (nicht aus Freudianischer Hinsicht) sich auch aus dem zusammensetzt, was wir selbst entscheiden und wie wir entscheiden. Aber dennoch finde ich, bin ich halt die, die dort und dort zur Schule ging; die, die dann und wann im Ausland war; die, die hier und da Abi machte, was doch irgendwie einem eine gewisse Identität gibt. Ist ja nichts negatives, das bestimmt ja nicht mein Leben, es bestimmt nur, wer ich bin, in gewisser Hinsicht. |