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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Tropfen auf heißem Stein
White_FangWie fast alle Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft, habe ich lange Jahre Antworten auf die essentiellen Lebensfragen gesucht. Wer bin ich? Was bin ich? Wie bin ich?
Ich fühlte mich eingeengt und erdrückt von Normen und Idealen einer Gesellschaft die nicht die meinen waren. Erwartungen die ich nicht erfüllen konnte oder wollte. Ich betrachtete mich als Gefangener meiner Selbst. Zerrissen durch den Machtkampf zwischen Gefühl und Verstand. Gefühle und Passionen die nur als Chimäre sich zu erkennen gaben und deren Ursprung ich nicht kannte, die ich nicht verstand und wieder vergingen. Meine Bestrebungen waren darauf konzentriert das unbändige Chaos in mir, die unzähligen Paradoxien meines Wesen und mein Verständnis der Welt in Harmonie zu bringen.
Aber irgendwann erkannte ich, dass das alles, sit venio verbo, Hirnwichserei ist. Ich war dem Hybris aufgesessen das meine kleinen Probleme jede Anstrengung rechtfertigen, ob sie zu einer Lösung führten (was nie der Fall war) oder nicht.
Aber was sind schon meine Probleme? Wer bin schon ich; der nie wirkliches Leid erfahren hat, nie Hunger leiden musste, dessen Existenz nie ernsthaft gefährdet war? Was bedeuten schon die Zerwürfnisse eines Menschen, angesichts der Flut aus Leiden, Schmerzen und Schrecken die ständig den Großteil der Menschheit peinigt? Was bedeutet schon ein Tropfen für einen Ozean? Während den Jahren meines Lebens Millionen Menschen an Hunger, Krieg, Gewalt, Seuchen Hass und vielem mehr zugrunde gingen, empfand ich es als vornehmliche Aufgabe mich dem Luxus des Selbststudium zu widmen. Ein Schlag ins Gesicht jedes Menschen der von einer Antischützenmine verstümmelt wurde, der 19 Stunden am Tag arbeitet und trotzdem nicht seine Familie ernähren kann et cetera.
Unsere Überflussgesellschaft gebärt mehr als nur Fatalismus, Konsumgeilheit, Indolenz geistige Verarmung und ähnliches. Sie gebärt eine Form der Idiotie die sich als etwas geistiges ausgebt, aber in Wirklichkeit eine Travestie auf das echte Leben ist. Eine Form der Selbstbeweihräucherung, die gerade die Menschen praktizieren die in ihrer Nussschale sitzen und glauben mit der Sublimierung von Unwichtigem zu Wichtigen gegen die Missstände der Gesellschaft zu arbeiten.
Die Welt ist nicht zu interpretieren, sondern zu ändern.


P.S.:Ich werde erst nächstes Wochenende antworten können.
bloodymina*wow* ich bin gerade etwas erschüttert/überrascht, wie man es auch immer nennen will. gestern nacht sass ich vor dem computer und habe mir so etwas ähnliches von der seele geschrieben(wenn ich denn deinen text jetzt richtig verstanden habe).
ich entwickele gerade fast schon einen enormen selbsthass auf mich selbst, wenn ich mich objektiv betrachte und meine "probleme" ansehe und im gegensatz dazu an die menschen denken, die jeden tag um ihr leben kämpfen müssen. ich glaube diese menschen würden, wenn sie davon erfahren würden, dass ich trotz allem nie so etwas wie glück empfinde, mir in den hintern treten, ins gesicht schreien, ich weiss nicht was.
ich lebe sozial gesehen gut, habe alles, was man zum leben braucht, könnte dennoch nicht sagen, dass ich so etwas wie glück empfinde, stattdessen sehe ich nur die schlechten dinge in meinem leben statt einmal mich darüber zu freuen, dass es mir gut geht. denke den lieben langen tag über mich, die welt, meine umgebung etc nach und verliere mich in meinen gefühlen, meiner vergangenheit, schmerzen, verwirrten gedanken. gerade bin ich wirklich dabei, mich dafür zu hassen.
ich kann es nicht so gut ausdrücken, wie du. aber ich verstehe, was du meinst. das einzige was zurückbleibt ist das gefühl der absurdität meines eigenen lebens, meines daseins, meiner gedanken.
liebe grüsse
mina
isidorJa, wir können uns oft nicht beschweren, wir leben oftmals in guten Verhältnissen.
Trotzdem sind wir nicht glücklich, weil wir uns über die nächsten Probleme Gedanken machen. Das liegt nunmal in der NAtur des Menschen. Wir müssen uns weiterentwickeln, ob wir wollen oder nicht. Ob unsere momentane Entwicklung aber ein Schritt nach vorn oder nach hinten ist, ist uns oft nicht bewußt.
Ich sehe in meinem Leben die Chance, mich spirituell weiterentwickeln zu können, weil ich keine Sorgen haben muß, was meine physische Existenz angeht.
Da ich fest von Wiedergeburt ausgehe, habe ich mir diesen Status in vorigen Leben hart erarbeiten müssen, um heute in dieser Position sein zu dürfen. Deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen für meine Situation.
Trotzdem habe ich die Pflicht, jedem Menschen, der sich hilfesuchend an mich wendet, zu unterstützen, so gut ich kann. Denn irgendwann werde ich auch einmal wieder auf andere angewiesen sein.
Ich weiß, sollte ich es mir irgendwann mal auf meinem erreichten gemütlich machen und mich der Egopflege hingeben, mich selbst verleugnen, werden mir Umstände widerfahren, die mich von diesem Weg wieder abbringen.
So bin ich froh, heute in meiner jetzigen Position zu sein und mir über meinen Status Gedanken machen zu können, ohne mich zu fragen, wie es morgen aussieht.

Mit einem Wort White Fang:

Sei froh darüber das es dir gutgeht und nutz die Chance, dich auf anderen Gebieten weiterzuentwickeln.
Aber sei immer auch für andere da!
hagzissa13Oh ja, Du sprichst mir in so vielen Dingen direkt aus meiner Seele...
So viele der von Dir ausgesprochenen Gedanken sind auch mir schon durch den Kopf gegangen.
Wie oft stelle ich fest, wie krank doch unsere Gesellschaft ist. Wir machen uns Gedanken um krumme Nasen, Cellulite, fünf oder zehn Kilos zu viel auf den Rippen, abstehende Ohren, zu kleine Titten, zu schmale Lippen, ob die Einrichtung unseres Wohnzimmers im Trend liegt, ob die Freunde das Outfit gut finden, ob der Nachbar das Auto bewundert...

... und in Afrika verhungern Kinder, sterben an Krankheiten, die längst heilbar sind, überall auf der Welt wird Menschen Gewalt in jeglicher Form angetan... da kann man schon zum Misanthrop werden, oder?

Ich meine, ich schließe mich nicht aus, auch ich habe meine Probleme, die mir riesig erscheinen und um die mich jeder wirklich existenziell bedrohte Mensch beneiden würde.

Dieses ewige Angebot von ewig vielen Möglichkeiten der Wahl, was wir tun wollen, glaube ich, macht uns so krank. Uns steht im Grunde jede Möglichkeit im Leben offen. Wir können im Prinzip jeden Beruf wählen, den wir wollen, wir können uns einrichten, wie es uns gefällt, kleiden, wie es uns gefällt (ja ich weiß, einiges wird von der Norm nicht toleriert, aber im Gegensatz zu den meisten Menschen dieser Erde haben wir wirklich „die freie Wahl“) und leben, wie es uns gefällt, solange es in der von der Gesellschaft tolerierten Norm bleibt.
Überall bekommt man ungebeten Ratschläge, ob in Zeitschriften, Fernsehen oder sonst wo.
Wir werden gelenkt, wie eine Herde Tiere, aber eine Herde, in der jedes Schaf innerhalb von doch recht weit gesteckten (wenn man das mal realistisch im Gegensatz zu den Möglichkeiten der Menschen in der 3. Welt z.B. betrachtet) Grenzen selbst entscheiden kann.

Wir wissen nicht mehr wohin, was wir wollen und wer wir sind, weil uns verdammt viele Möglichkeiten der Entscheidung offen stehen und von überall hört man Rat und Hinweise, was doch beste für uns sei, es verwirrt uns...

Während andere Menschen die einzige (weil elementarste) Frage quält, wo sie die nächste Mahlzeit herbekommen, haben wir die Zeit, uns darüber Gedanken zu machen, ob die Klamotten der letzten Saison noch „in“ sind, die Cellulite noch tolerabel ist, die Frisur richtig sitzt, die von mir bevorzugte Lieblingsmargarine, die zu meiner Person passende ist, während ich gerade wieder was neues in der Werbung lerne: Ich brauche ein neues Reinigungsmittel, denn mein altes schafft die Bakterien nicht komplett... ja Mist, dabei dachte ich doch bisher, das ökologische Präparat sei das beste...

Doch ich sehe, ich stehe mit meinen Gedanken nicht alleine da... ich finde das sehr beruhigend... und wie Du schon richtig sagtest: Tropfen auf heißem Stein... wer weiß, vielleicht finden sich ja viele Menschen, die so denken, wie wir?

Da fällt mir ein Liedtext von „such a surge“ ein:

DU SAGST, ES IST NUR EIN TROPFEN AUF DEN HEISSEN STEIN
UND MIT MEINER MEINUNG BLEIBE ICH JA SOWIESO ALLEIN,
DOCH WENN MAN STUNDENLANG WASSER AUF DIE STIRN TROPFT,
WIRST DU SEHEN, ES KANN DIE HÖLLE SEIN...


Hagzissa


- per aspera ad astra -
NeoForsetiSchön, dass ihr euch so viele Sorgen macht.

Aber halt, das scheint ja schon alles zu sein (ist es so?)-

Ihr habt die Wahl, tragt die Welt oder tragt euch selbst, für beides sind eure Schultern zu klein.
Und wenn ihr euch entschieden habt, rechtfertigt euch nicht, es gibt kein richtig und falsch.
isidorOk, was siehst du denn als richtig und falsch?
Nach welchem Gesetz sind wir denn jeweils in unser Leben gekommen?
Wofür soll man sich rechtfertigen? Daß ich in meinem Leben so leben darf?
Ich hätte auch nichts gegen ein anderes einzuwenden! So geil find ich meins auch nicht!
Wie wärs als Yogi in Indien, als einzige Habe ne lustige Baumwollwindel?
Ich scheiß auf den Wohlstand! Aber ich lebe nunmal hier und die Möglichkeiten, die ich habe, nutze ich.
Aber ich würde mich nur für etwas rechtfertigen, was ich als Vorteil anderen gegenüber sehe. Und dafür, daß man Dasein eine Strafe ist brauche ich mich nun auch nicht wirklich bedanken
NeoForseti"Ok, was siehst du denn als richtig und falsch?"
Wie schon gesagt, es gibt kein richtig und falsch, ob du für andere da bist oder nicht, ob Altruist oder Egoist, ist völlig egal, der einzige, der damit leben muss, bist du (und der einzige, der dir in der Beziehung was zu sagen hat, bist auch du).

"Nach welchem Gesetz sind wir denn jeweils in unser Leben gekommen?"
Kein Gesetz, du lebst, fertig.

"Wofür soll man sich rechtfertigen?"
Man soll sich nicht rechtfertigen.
isidorNa, dann ist ja alles wunderbar!
Es klang nur etwas anklagend, wofür ich keinen Grund sah.
Denn ich halte es durchaus für sinnvoll, sich mal nach dem Grund seines Daseins und nach dem Hintergrund für die jeweiligen Lebensumstände, in die man geboren ist, zu fragen.
DarkWraithWir haben so wenig Probleme das wir sogar Zeit haben drüber nachzudenken, darüber sollte man sich mal Gedanken machen!

(der Satz ist hit-verdächtig!)
SchwarzbärTatsächlich leben wir in einer suspekten Situation. Auf der einen Seite haben wir uns so fest an den Konsum gebunden, daß wir kaum mehr loslassen können. Wir sin die Huren der Wirtschaft. Wir gehen für sie anschaffen, zieren uns aber auch nicht abzulassen die Dienstleistungen anderer Huren in Anspruch zu nehmen. Dieses zu erkenen bringt uns aber in keiner Weise weiter, da uns nur übrigbleibt unseren Teil zu diesem Freudenhaus beizutragen und stillen Protest auszuüben.
Es bleibt nur in seinem Freundeskreis andere Werte zu pflegen und solche somit zu vermitteln. Aber auch dies funktioniert nur solange jeder seinen Teil zum gelingen des Festes beiträgt.
Wir leben in einem goldenen Käfig. Ein ausbruch kommt allerdings auch kaum in Frage. Unsere Konsumsucht würde uns einholen.....
shadowwolf[gelöscht]
decay73[QUOTE][i]Original geschrieben von shadowwolf [/i]
[B]wenn ihr euch so viele gedanken macht, über euch, euer leben, andere menschen, krankheiten, hunger, konsum, spaßgesellschaft, egoismus etc, warum versucht ihr dann nicht etwas zu verändern ? [/B][/QUOTE]

nun, ich denke, da der geist der ist, der als erstes in aktion tritt, ist es schon mal das wichtigste, wenn man sich “gedanken gemacht” und zu erkenntnissen gekommen ist. das ist die voraussetzung von allem. ohne den gedanken keine tatabsicht und ohne tatabsicht keine tat.

der punkt ist, sich nicht bei seinen gedanken auszuruhen, sondern konsequent zu sein und seinen schönen gedanken taten folgen zu lassen.

die tat ist das, was offensichtlich wird, aber voraussetzung ist immer der gedanke. deshalb ist es in meinen augen wichtig, seine gedanken vielleicht zunächst mal einer überprüfung zu unterziehen. z.b., ob sie hilfreich sind und ob sie dazu geeignet sind, sie in die tat umzusetzen. natürlich gibt es schöne, hilfreiche gedanken, die aber nur unerreichbare luftschlösser hervorbringen. deshalb ist es sicher gut sie immer wieder zu überprüfen und den gegebenheiten anzupassen.

wenn man aber dann einen hilfreichen gedanken gefaßt hat, ist es m.e. am geschicktesten ihn zunächst zu kultivieren, damit irgendwann automatisch dem gedanken die entsprechenden taten folgen. das ist nämlich nicht immer einfach und oft vergißt man ihn in einer konkreten situation. deshalb ist es also wichtig, ihn zu kultivieren und ihn einzuüben und ihn zur gewohnheit werden zu lassen. es gibt viele beispiele, wo man das schon macht, z.b. beim anschnallen im auto. man braucht darüber nicht mehr nachzudenken, weil es bereits “in fleisch und blut” übergegangen ist. mit anderen dingen kann man es doch genauso machen?!
irgendwann wird es dann zur gewohnheit, das zu tun, was man ja eigentlich tun will, es nur noch nicht geschafft hat umzusetzen. man braucht “nur” etwas training. etwas, was man bei anderen dingen (z.b. beim sport) für selbstverständlich hält - warum micht auch bei seinem geist?

und wichtig ist sicher auch, nicht gleich die welt retten zu wollen, sondern ganz klein bei sich selbst anzufangen und einmal sein eigenes leben zu durchforsten. das ist das, was man am schnellsten und besten ändern kann. je mehr das machen, desto weniger ist es nötig, alleine die welt zu retten zu wollen...

ich denke aber, daß die meisten hier bereits damit angefangen haben...und wenn man das getan hat, verschwindet automatisch auch der selbsthaß und der generelle haß auf andere (z.b. die gesellschaft), weil man merkt, daß man selbst aktiver teil derselben ist... :)
shadowwolf[gelöscht]
Demon17Der Hauptgrund für Hunger und Armut in der Welt ist inzwischen der Krieg und die Diktatur. Das war bis vor einigen Jahrzehnten nicht so. Es war Jahrtausende normal das große Teile der bevölkerung in Armut und Elend lebten. Mißernten ließen noch vor einigen Jahrhunderten Millionen Menschen auch in Europa verhungern. Wir leben in einer Welt, in der sich der Massenwohlstand explosionsartig ausweitet. Man bedenke nur die Entwicklung in Asien. Bald lebt die Mehrheit der Menschheit in gesicherten sozialen Verhältnissen. Ein bisher nie dagewesener Zustand in der Menschheitsgeschichte. Diese Entwicklung macht mich nachdenklich. Was all die Idealisten nicht geschafft haben, schafft ein materialistisches System, das auf den Egoismus der Menschen zugeschnitten ist.

Man kann sicher etwas tun, um diese entwicklung voranzutreiben. Zum Beispiel etwas gegen Waffenexporte aus Europa in Entwicklungsländer unternehmen und sich bei Amnesty International engagieren. 120€ im Jahr oder doch lieber ein paar CD´s. Ich habe mich für die CD´s entschieden. Es ist kein Problem zu helfen. Man muß sich nur über die eigenen Prioritäten im klaren sein.
Anaximander[quote]Da ich fest von Wiedergeburt ausgehe, habe ich mir diesen Status in vorigen Leben hart erarbeiten müssen, um heute in dieser Position sein zu dürfen. Deshalb habe ich auch kein schlechtes Gewissen für meine Situation.[/quote]

Soso - dann hast du es dir also mühsam im letzten Leben verdient, dass du nun auf der Schokoladenseite des Planeten lebst, und musst dich nicht nur nicht schämen, sondern darfst dir auch noch auf die Schulter klopfen, während die Menschen, die gegenwärtig am Verhungern sind oder um ihr Überleben kämpfen, im letzten Leben wahrscheinlich Mörder und Vergewaltiger waren und deshalb nur ihre gerechte Strafe erhalten?

Was für ein verabscheuungswürdiger, selbstgerechter Glaube.
Corona Elementi[QUOTE][i]Original geschrieben von White_Fang [/i]
[B]Was bedeutet schon ein Tropfen für einen Ozean? [/B][/QUOTE]

Im Ozean sind zwar endlos viele Tropfen, aber ohne sie gäbe es den Ozean nicht.

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