| SinRaziel | Wie der eine oder die andere vielleicht aus früheren Beiträgen von mir mitbekommen haben mag, arbeite ich im Justizwesen. Da mir immer wieder dieselben Sachen auffallen - vorzugsweise im Bereich Strafrecht -, möchte ich diese hier gerne mal zur Diskussion/Interpretation stellen. Das Strafrecht unterteilt sich in zwei Bereiche, dem Jugend- und dem Erwachsenenstrafrecht. Mir geht es hauptsächlich um Ersteres. Das Jugendstrafrecht soll erzieherisch wirken. Zu bestrafen sind erst Jugendliche, die mindestens 14 Jahre alt sind. In der heutigen Zeit werden aber die Kinder immer früher "alt" und begehen statistisch auch immer häufiger üble Straftaten. Wenn ein 13jähriges Kind einen Tag vor seinem 14. Geburtstag einen anderen Menschen tötet, kann es dafür nicht bestraft werden. Wenn ich mir aber die heutigen 13jährigen (und jüngere!) anschaue, kommen mir da ernste Zweifel, ob das noch gerechtfertigt ist. Aber wo soll man die Grenze setzen? Ab wann ist ein Mensch in der Lage, die Folgen seines Handelns zu begreifen? Man sollte doch meinen, dass es auch einem Unter-14jährigen klar sein muss, dass Tötungsdelikte - lapidar formuliert - inakzeptabel sind. Einer der Richter meinte recht sarkastisch (aber durchaus zutreffend), dass man dann also die Grenze auf 12 Jahre herabsetzen könnte. Oh, aber wenn DAS passiert, werden die Rufe laut, dass man die Elfjährigen vielleicht auch nicht vergessen sollte.. wo endet es? Ob dann irgendwann auch Säuglinge nicht mehr schuldfrei sein werden, wenn sie beim Krabbeln etwas kaputt machen? Der Ruf der Bevölkerung nach härterten Strafen wird lauter - aber keiner tut was dafür bzw. keiner ändert was in den oberen Lagen der Regierung, vielleicht weil auch keiner weiß, wie man es besser machen kann? Ich habe schon häufiger versucht, mit Richtern darüber zu diskutieren, aber ich ernte immer die gleiche Antwort: "Gehen Sie in die Politik, junge Frau. Sobald Sie die Gesetze ändern, handeln wir entsprechend danach." [I]Was[/I] ihrer Meinung nach geändert werden kann oder muss.. das können sie mir nie sagen. Beim Jugendstrafrecht gibt es im Prinzip laut JGG drei Möglichkeiten der Bestrafung: a) Erziehungsmaßregeln: Das sind Erteilung von Weisungen (Ge- und Verbote, welche die Lebensführung des Jugendlichen regeln und dadurch seine Erziehung fördern und sichern sollen, § 10 JGG), d.h. eine Ausbildung oder Arbeitsstelle anzunehmen, sich unter Betreuung stellen, soziale Trainingskurse besuchen etc.., b) Zuchtmittel: Verwarnung, Erteilung von Auflagen und Jugendarrest (von einem Wochenende bis maximal vier Wochen in einer öffentlichen Einrichtung, quasi Hausarrest) und c) Jugendstrafe: Diese wird dann verhängt, wenn "wegen der schädlichen Neigungen des Jugendlichen (...) Erziehungsmaßnahmen oder Zuchtmittel nicht ausreichen oder wenn wegen der Schwere der Schuld Strafe erforderlich ist", § 17 JGG. Jetzt ist das Ganze aber ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stimme ich zu, dass man versuchen sollte, straffällig gewordene Jugendliche wieder in die richtige Bahn zu lenken.. aber andererseits sehe ich in der Praxis da ganz andere Sachen. Heutzutage scheint es die Kinder nicht mehr zu interessieren, dass sie etwas falsch gemacht haben - geschweige denn dass sie Recht oder Rechtsprechung respektieren. Wenn ich dann sehe, dass ein 14jähriger schon ein Dutzend Straftaten begangen hat und trotzdem noch die Hoffnung besteht, ihn mit Verwarnungen wieder gerade zu biegen.. der steht dann vor der Richterin oder dem Richter und ist tödlich gelangweilt. Das sind dann allerdings schon Fälle, wo ich nicht einmal glaube, dass da die Jugendstrafe noch was bringt, sinngemäß: Schlimmer kann es eh nicht werden, was hält mich also davon ab, weiterzumachen? Ein Jugendlicher kann maximal für zehn Jahre in den Jugendarrest. Im Erwachsenenstrafverfahren kann nach Ablauf von 15 Jahren lebenslängliche Sicherheitsverwahrung angeordnet werden. Gibt es denn keine Möglichkeit, einen schon in frühester Jugend straffällig gewordenen Menschen dazu zu bringen, wieder auf den Pfad der Tugend zurückzukehren? Es kann doch nicht zweckmäßig sein, nach der Jugendstrafe auf die nächste Straftat zu warten und dann den- oder diejenige bis zum Lebensende wegzusperren, mal ganz abgesehen davon, dass das den Opfern auch nicht wirklich weiterhilft. Verhindern sollte das Ziel sein - nicht bestrafen. Aber wenn Bestrafung, dann doch mit Wirkung! Vor allem, wenn man dann im Erwachsenenalter diagnostiziert bekommt, dass der Betreffende eine schwere Kindheit hatte? Wichtig: Das soll kein Gehetze gegen Rechtsprechung oder Gesetzgebung sein oder werden! Mich interessiert: Wo kann oder muss man ansetzen, um solche Probleme zu beheben? Was läuft schief, dass immer früher immer mehr Menschen zu Dieben, Tierquälern, Vergewaltigern und Mördern werden? Was ist möglich, um das Übel schon an der Wurzel zu packen? Man kann ja schließlich nicht einen 14jährigen, der eine sogenannte Jugendsünde begangen hat, gleich lebenslang wegsperren - aus Fehlern soll man ja eigentlich lernen. Ich habe dafür auch keine Patentlösung, aber vielleicht hat einer von euch ja ein oder zwei brauchbare Ansätze parat. |
| Goat93 | Meine Meinung dazu: Sobald jemand die Rechte der "Erwachsenenwelt" in Anspruch nimmt, sollte die Person auch die Pflichten zubekommen. Wahlrecht, Vertragsrecht, Mündigkeit usw. usf, das meiste war früher immer ab 18 (ebenso wie Alkohol oder Pornografie, Gewaltdarstellung usw usf.). Da passt dann ein Erwachsenenstrafrecht eben auch.... |
| SinRaziel | Heißt also, dass auch ein Zwölfjähriger wählen und Verträge abschließen soll, wenn ich dich richtig verstehe? Ob das auf das Strafrecht anwendbar ist, ist so die Frage.. ich könnte mir schon vorstellen, dass man ein Kind wirklich noch abschrecken / erziehen kann, anstatt gleich mit harten Bandagen zu kämpfen; vor allem unter dem Aspekt des "Wenn ich dafür schon so hart bestraft werde, kann ich auch gleich richtig loslegen"-Gedankens. Ich glaube nicht, dass ein Kind oder Jugendlicher genauso zu behandeln sein sollte wie ein Erwachsener, dem ich nun doch ein bisschen mehr Weitsicht im Hinblick auf die Konsequenzen der Tat unterstelle. |
| Goat93 | nein, genau das gegenteil. Ich halte es für sinnvoller, die ganzen sachen erst ab 18 bzw. 21 zu machen und dementsprechend auch ein Erwachsenen- Strafrecht ab 18 bzw. 21. ein 17 jähriger würde dann eben noch jugendstrafrecht bekommen. Dabei gesagt kommt es auf die Tat und deren ausführung ebenso an, wie man urteilen sollte |
| SinRaziel | Korrigier mich, wenn ich dich wieder missverstehen sollte: Ein 17jähriger WIRD doch nach dem Jugendstrafrecht bestraft. Auch ein 18- bis 21jähriger kann, geistige Reife nicht vorausgesetzt, nach Jugendstrafrecht belangt werden. Und genau das ist ja das Thema - die meisten Jugendlichen werden von den verhängten Maßnahmen leider nicht abgeschreckt, geschweige denn, dass sie irgendwelche Konsequenzen aus ihrem Verhalten und der erfolgten Strafe ziehen. |
| ceravien | Meine Kinder kommen erst mit 18 aus dem Keller raus... nein, war´n Scherz... Mir fällt zu dem Thema gerade das Buch ein, welches ich gestern Morgen zu Ende gelesen habe und welches sehr gut zu dem angesprochenen Thema passt. Jack Ketchums - Evil Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit, die in den 60ern wirklich passiert ist. Das Schlimmste daran ist, dass der Autor die Story nicht im Geringsten geschönt oder etwas dazu gedichtet hat. Im Grunde geht es darum, dass zwei Mädchen, die gerade ihre Eltern durch einen schweren Unfall verloren haben, bei ihrer Tante unterkommen. Die Tante ist alleinerziehend von drei Jungs und ist mit diesen total überlastet. Sie behandelt die Mädchen als Menschen zweiter Klasse und beschimpft zuerst "nur" die Ältere der beiden Mädchen als Schlampe, die nur die Beine breit machen will...etc. Im Verlaufe des Buches wird dieser Hass auf das Mädchen so groß, dass die Frau anfängt, das Mädchen zu mißhandeln. Später erlaubt sie ihren Söhnen ebenfalls, die Hand gegen das Mädchen zu erheben und diese zu verletzen. Die Söhne erzählen das ihren Freunden, die dann in dem Haus ein- und ausgehen und sich an dem Mädchen vergehen wollen, wie es ihnen passt und die Mutter willigt dazu ein, bzw. steht noch daneben und sagt ihnen, was sie noch machen könnten. Gegen Ende des Buches, versucht das Mädchen, mit Hilfe eines anderen Jungen, der immer nur zugeschaut hat, aber nie etwas machen wollte, zu flüchten. Wird aber bei dem Versuch, ihre kranke Schwester zu befreien, wieder eingefanen. Von da an ändert sich alles. Die Mutter der drei Jungs hebt die vorherigen Einschränkungen, dass sie nicht angefasst werden dürfte, auf und erlaubt ihren minderjährigen Söhnen, sich an dem minderjährigen Mädchen zu vergehen...und sie für den Rest ihres Lebens zu brandmarken, indem sie ihr "fick mich ich ficke" auf der Brust einbrennen und ihr zum Schluß, damit sie nie wieder Lust auf Männer hat, die Klitoris verbrennen. Das Mädchen geht aufgrund ihrer schlimmen Verletzungen zu Grunde. Der Junge, der ihr helfen wollte und ihre kleine Schwester werden allerdings befreit... Der Junge, der auch das Buch erählt, stößt dann die Mutter bei der Verhaftung die Treppe runter... Ihre Söhne allerdings werden aufgrund ihrer Minderjährigkeit, aber nur in eine Besserungsanstalt für Jugendliche geschickt...obwohl sie einen Mord (Raz ist das Richtig? oder doch Totschlag? ) begangen haben.. Um auf den Punkt zu kommen - ich bin der Meinung, dass aufgrund der Schwere des Verbrechens entschieden werden sollte, ob nach dem Erwachsenen- oder nach dem Jugendstrafrecht entschieden werden sollte... zwar sollte ein 13-jähriger bei Mord nicht für 15 Jahre hinter Gitter, aber dennoch sollte er schon für längere Zeit in Gewahrsam genommen werden... Ob es durchführbar ist, oder nicht, stelle ich mal ganz ausser Frage... |
| ceravien | Für alle die sich das ganze mal durchlesen wollen... [COLOR=crimson][URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Evil_(Roman)]Jack Ketchums - Evil[/URL] [/COLOR] unten ist dann auch der Link zu der wahren Begebenheit... |
| SinRaziel | Das müsste Mord sein. "Mörder ist, wer aus Mordlust (...) oder sonst aus niederen Beweggründen heimtückisch oder grausam (..) einen Menschen tötet." Ich vermute mal, dass das im Buch zutrifft - auch wenn ich es nicht gelesen habe. |
| Goat93 | Ob das Strafrecht wirkt bzw. abschreckt ist aus meiner sicht, eine völlig andere Sache, denn in dem meisten fällen bringt weder das Jugend- noch Erwachsenenstrafrecht irgendetwas. Hier versagt die Moralische Grundstruktur völlig. Wie bei dem Thema des Buches sind es oftmals Moralische oder Ethische Grundlagen, die man gemeinhin als "zivilisiert" bezeichnet, die irgendwie fehlen oder abgelehnt werden. Um bei dem Beispiel des Buches zu bleiben einmal aufgezeigt, wo das Problem der Strafrechtsprechung und der Moral ist. Die Jungen bekommen von der Mutter die Situation so vor- gelegt, das es anscheinend "normal" ist, das mädchen zu misshandeln (am ende auch sexuell und brutal). Sie wachsen also in diesem Umstand hinein. Hier ist der Moralische Punkt, ineiweit sind diese Kinder straffähig, wenn man ihnen aner- zogen hat, das gar keine Straftat vorliegt? Aus dem Verständnis der Kinder heraus ist es ja "normal" geworden, die Mutter der Jungen kann man ganz einfach und leicht Moralisch verurteilen, da sie die treibende Kraft ist und dementsprechend moralisch völlig versagt hat. Die Jungen allerdings werden an erster Stelle keinerlei Moralische Konsequenz daraus ziehen können, da ihnen das Verständnis der Moralischen Situation erst gar nicht anerzogen wurde. Dies ist übrigends auch ein Problem bei den Spannungen der Islamischen und Westlichen Kultur und dem Umgang mit den Mädchen dort. An sich muß man den Kindern bzw. generell den Personen ersteinmal ein Gefühl dafür vermitteln, das sie eine Straftat vollzogen haben um sie danach zu bestrafen. Sehr viele büßen eine Stratat ab, die sie nicht nachvollziehen können, die sie dann einfach erdulden und danach so weitermachen wie vorher, die Strafe ist also Sinnlos verpufft... |
| Cabal | [QUOTE][b]Zitat: SinRaziel[/b] Wenn ein 13jähriges Kind einen Tag vor seinem 14. Geburtstag einen anderen Menschen tötet, kann es dafür nicht bestraft werden.[/QUOTE] Dass diese Tat für das Kind ohne Folgen bleibt glaube ich nicht. Aus Amerika kenne ich Fälle, bei denen unter Berücksichtigung der geistigen Reife fehlendes Alter kompensiert wurde, und man Jugendliche bereits nach der nächsten Stufe des Rechts behandelte. Ein Beispiel, das mir spontan dazu einfällt, war die erfundene Vergewaltigungsgeschichte eines Teenies. So wie du es formuliert hast wird eigentlich eines doch klar: Nach dem Alter kann keine Schuldfrage gerichtet weden. Das man sich vor Jahren noch einbildete, unter 14-Jährige sind kollektiv unschuldig-jungfräuliche Engelchen, in derem Hirn beim Erreichen des 14. Lebensjahres irgendein "Schalter" umlegt und man spontan erwachsener ist, ist womöglich nicht mehr zeitgemäß, oder wird nicht mehr so interpretiert wie vor einigen Jahren. Ich denke mir, dass die Grenze zum 14. Lebensjahr vorallem dazu diente, einem Kind eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen, inder es allzu verantwortunsschwere Dinge nicht tragen muss, und auch eine Altersgrenze plus Zeitrahmen für verantwortliche Eltern waren, ihr Kind bis zum Erreichen dieses Lebensalters entsprechend zu erziehen, dass es tatsächlich verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen kann. Danach fallen seine Taten unter die Fittiche der Justiz. Wer als Kind mit 13 Jahren Verbrechen begangen hat, wird mit 14 damit nicht aufhören. Ab diesem Zeitpunkt ist die Schonungsfrist vorbei und zur Vorbeuge massivem Schadens an der Gesamtgesellschaft werden diesen dann juristisch aussortiert. Die 14 Jahre waren für mich [b]nie[/b] eine Reifelösung. Ein Kind wird nuneinmal durch Erziehung und Erfahrung in unserer Gesellschaft reif, und nicht von ganz alleine aus heiterem Himmel. Sie sind eine Zeitspanne der Erziehung. Versagt diese, müssen die anderen Menschen trotzdem vor fehlgeschlagenen Erziehungen geschützt werden. Da spielen die Gründe leider eine untergeordnete Rolle. Just my 2 Cent. MfG Cabal |
| SinRaziel | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cabal [/i] [B]Dass diese Tat für das Kind ohne Folgen bleibt glaube ich nicht. Aus Amerika kenne ich Fälle, bei denen unter Berücksichtigung der geistigen Reife fehlendes Alter kompensiert wurde, und man Jugendliche bereits nach der nächsten Stufe des Rechts behandelte.[/B][/QUOTE] In Amerika herrscht ein anderes Justizsystem als in Deutschland - zum Beispiel auch die Todessstrafe. Nach deutschem Recht ist das 13jährige Kind nicht strafmündig. Wenn es aber mit dem Alter nichts zu tun hat, wie du sagst - was wären denn deiner Meinung nach Möglichkeiten, die immer häufiger und immer früher auftretenden Straffälligkeiten einzuschränken? @Goat: Es ist nachvollziehbar, dass ein Kind/Teenager dem vorgelebten Vorbild entsprechend handelt - aber das ist selbstverständlich nicht tolerierbar: Nur weil die "Großen" Scheiße bauen, auf gut Deutsch gesagt, dürfen die "Kleinen" es noch lange nicht nachmachen.. und unabhängig davon gibt es mit Sicherheit doch genug Kinder, die schlechte bis sehr schlechte Vorbilder haben (alkohol- und drogensüchtige Eltern, Gewalt in der Familie) und trotzdem auf dem rechten Weg bleiben. |
| Cabal | Kinderstraffälligkeit sollte es gar nicht geben. Weil Kinder abhängig von ihren Vormündern sind. Ich mag damit altmodisch klingen, aber ich lebe da mehr nach der Einstellung: Eltern haften für ihre Kinder. Natürlich heißt das nicht dass dem Kind eingeredet wird, dass es ein gesellschaftliches Opfer ist & Bullshit sondern durchaus aktiv umerzogen wird, mir wird nur viel zu schnell aus den Augen verloren, wer die ursprüngliche Verantwortung trug, es nie soweit kommen zu lassen. Wenn ich dann noch sehe, dass die Kinder eher ihre Eltern kontrollieren, kommt mir akut der Begriff "Elternverweichlichung" in den Sinn. MfG Cabal |
| SinRaziel | Interessanter Gedanke.. mich würde mal interessieren, was die Eltern hier auf dem Board dazu sagen. |
| Goat93 | [QUOTE]@Goat: Es ist nachvollziehbar, dass ein Kind/Teenager dem vorgelebten Vorbild entsprechend handelt - aber das ist selbstverständlich nicht tolerierbar: Nur weil die "Großen" Scheiße bauen, auf gut Deutsch gesagt, dürfen die "Kleinen" es noch lange nicht nachmachen.. und unabhängig davon gibt es mit Sicherheit doch genug Kinder, die schlechte bis sehr schlechte Vorbilder haben (alkohol- und drogensüchtige Eltern, Gewalt in der Familie) und trotzdem auf dem rechten Weg bleiben.[/QUOTE] Es geht mir um das Verständnis der "kleinen", können diese überhaupt ein Strafmaß nachvollziehen? Du hast absolut recht, das man ein Strafmaß ansetzen muß, aber zuerst muß der bestrafende verstehen, wofür er bestraft wird ;) |
| Xenomorph | Gesetze, Bestrafung und Zwang sind und bleiben der unmittelbarste Zugang von Herrschaft auf den Menschen. Sie dienen der Abrichtung des Menschen zu einem nützlichen Werkzeug der Gesellschaft, sollen korrigierend eingreifen, wo vorangegangene, subtilere Methoden von Herrschaft vermittelt durch strukturelle Gewalt, bereits versagt haben... Es gilt dabei stets das "Recht" der Herrschenden, deren Moral - die wiederum auf ihre Ziele und Interessen zugeschnitten und auf diese rückführbar ist - deren Interessen allein geben den Ausschlag, was in einer Gesellschaft als "Norm" anzusehen und anzuerkennen ist...nichts ist so relativ wie die Moral, da diese immer ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse insgesamt abbildet..."gut" ist immer nur das, was der Gesellschaft im ganzen nützt - und den einzelnen eingrenzt und beschneidet...doch nützen Gesetze nie der "ganzen" Gesellschaft - sondern immer nur einer privilegierten Schicht, die zumeist eine Minderheit ist... denn ein einheitliches, gesamtgesellschaftliches Interesse muss in einer Klassengesellschaft ohnehin als Fiktion betrachtet werden... Das herrschende "Recht" ist somit das Recht der Herrschenden...und für "unsere" (aber nicht meine, da ich kein Sklavenhalter bin, der erwartet, dass andere seinen Interessen dienstbar sein müssten) Jugend bedeutet dies, dass diese an den Le(e)hranstalten "unseres" (aber wiederum nicht meines) Staates von Kindesbeinen an einem Drill unterzogen werden, der sie später einmal zu "tauglichen Mitgliedern der Gesellschaft" machen soll, d.h., ihnen für das kapitlistische Wirtschafts- und Herrschaftssystem zentrale Begriffe und Denkschablonen wie Eigentum, "Recht", Konkurrenz, (Lohn)Arbeit und Geld einzubläuen, um die sich in der kapitalistischen Gesellschaft alles dreht - und sie ebenso früh wie möglich mit den Folgen vertraut zu machen, wenn sie vor dem Angesichte dieser absolut gültigen Konstanten versagen sollten: denn "Versagern" geht es im Kapitalismus immer schlecht - für sie ist der "soziale Abstieg" bereits als erste von vielen möglichen Strafen für "individuelles Versagen" vorgesehen...und als weitere mögliche Steigerungsformen folgen dann Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Sozialhilfe sogleich auf dem Fuße...und sollten sie sich nicht anstandslos in die ihnen auf und in den Leib eingeschriebene Verleriererrolle fügen -muss eben die staatliche Justiz eingreifen und mit weiteren Verschärfungen für den nötigen Anpassungsdruck durch weitere und noch stärkere Angsterzeugung als sie der "soziale Abstieg" allein schon heraufbeschwört sorgen, indem sie als letztmögliche drakonische Massnahme bei der schrittweisen und durch den Staat gesteuerten Verschlechterung der Lebensumstände Knast als Endlösung zu verordnen imstande ist... Denn persönliches "Versagen" ebenso wie persönlicher "Erfolg" werden in der kapitalistischen Klassengesellschaft stets "individualistisch" erklärt...so wie der sozial "Erfolgreiche"den alleinigen Ruhm für den vermeintlichen Erfolg in Beruf wie im Privatleben ernten und für sich beanspruchen, ihn sich als Lorbeerreif umhängen darf - so fällt die gesamte Schmach und Schande auf den "Looser" zurück und brennt sich ihm als entstellendes Kainsmal ein, einem der es nicht verstand, die ihm gnädigerweise zudiktierte "Chancengleicheit", welche die Schmach des Scheiterns umso schlimmer macht - in einen "Erfolg" umzumünzen...denn dies ist eine Lüge - "Chancengleicheit" kann es schon allein deshalb nicht geben, weil Menschen - noch - nicht nach einem einheitlichen genetischen Bauplan aus der Retorte hüpfen, sondern mit höchst unterschiedlich gelagerten mentalen wie körperlichen Fähigkeiten ausgestattet sind, die durch das Milieu im übrigen weiter modifiziert, teils verstärkt und befördert, teils geschwächt und unterdrückt werden...dennoch werden in dieser Gesellschaft alle einem einheitlichen Denk- und Wertesystem zwangsweise angeglichen, das aus den einen im Endeffekt Gewinner, aus den übrigen unweigerlich "Verlierer" konstruiert...alle sollen gleich sein, bla, bla bla...sind sie aber nicht, ätschbätsch, und allein die "Gleicheren" machen schliesslich das Rennen beim Verteilungskampf um den gesellschaftlichen Reichtum, beim Kampf um den vielbeschworenen Platz an der Sonne... Und Gesetze, Polizei, Knäste und Militär, d.h. der Staatsapparat, sollen diese "Gleicheit" aller "vordem Gesetz" aufrechterhalten, da gerade jene künstlich geschaffene pseudo- "Gleicheit" der effektivste Garant für die materielle Ungleicheit der Menschen an Gütern und Produktionsmitteln bildet - und damit ein Fortbestehen der Klassengegensätze sicherstellt - als Vorraussetzung für das reibunglose Funktionieren der kapitalistischen Gesellschaft, der sich der "individualistische" Mensch bedingungslos unterzuordenen hat, der er seinen "Erfolg" wie sein "Scheitern" ja schliesslich selber in den Händen hält - anstatt dass er sie von einem unpersönlichen Schicksal oder gar den genetischen und gesellschaftlichen Rahmenbedigungen seiner Existenz zudiktiert bekommen hat... |
| herbstliebe | Dazu fällt mir nur eine Frage ein. Was wären die "Looser" ohne Recht und Gesetz? Altmodischer Weise schliesse ich mich den Ausführungen von Cabal an, denn wenn mein Kind straffällig wird muss ich mich fragen, was ich falsch gemacht habe. |
| SinRaziel | @Xenomorph: Ich bezweifle, dass man das so schwarz-weiß sehen kann - Grauzonen gab und gibt es und wird es immer geben. In einem anderen Thread ging es mal um das Thema der Massenregistrierung und die darauf folgende These des sog. "Gläsernen Menschen" - durchaus ein mehr als diskutables Thema. Es geht (mir) nicht darum, ein Individuum gleich welchen Alters in ein vorgefertigtes und maßgeschneidertes Schema zu pressen, wie es zum Beispiel in "Equilibrium" oder "V wie Vendetta" der Fall ist. Ich höre nur aus Beiträgen wie dem deinen immer bloß den Ruf nach unbedingtem Individualismus heraus - gleich in welchem Chaos das enden mag. Schafft die Gesetze ab, back to the roots und lang lebe die Anarchie. Das ganz große Problem, das ich darin sehe (Individualismus ist schließlich wirklich wichtig), ist, dass ich es immer irgendwie vermisse, mal ein bisschen an Opferschutz zu denken. Klar, alle wollen frei und gleich und brüderlich behandelt werden - aber Straftäter tun genau das nicht. Und das sind die Personen, um die es geht. Du sagst: "Gesetze, Bestrafung und Zwang sind und bleiben der unmittelbarste Zugang von Herrschaft auf den Menschen" - was ist mit den Menschen, die einer (Gewalt-?) Straftat zum Opfer gefallen sind? Haben sie nicht unter sehr viel mehr unwillkommener Herrschaft gelitten als jedes bisher bestehendes Gesetz anzurichten vermag? Das Recht der Herrschenden, wie du es nennst, soll für JEDEN Bürger in Deutschland gelten - das ist fest im Grundgesetz verankert und wird im Großen und Ganzen und so gut wie möglich auch eingehalten - es ist nicht nach Klassen unterteilt. Der arbeitslose Hartz-IV-Empfänger wird straftechnisch genauso behandelt wie der millionenschwere Starfußballer. Es ist absolut unmöglich, einen Freischein auszustellen - zumindest wenn wir Wert auf eine sichere Welt für jeden Menschen unseres Systems legen. @Herbstliebe - dem stimme ich zu.. aber was tust du, um dein Kind davon abzuhalten? Wie hälst du deinen Sohn oder deine Tochter auf der legalen Bahn? |
| herbstliebe | Ich denke, damit ein Kind nicht auf die schiefe Bahn gerät, braucht es dazu den Grundstein, der schon in frühester Kindheit gelegt wird und ein gefestigtes und vertrauensvolles Zuhause. Vom Umgang mit anderen hängt aber auch viel ab, bei dem ich mir im Moment aber keine Gedanken mache. |
| SinRaziel | Ist vielleicht auch eine schwierige Frage. Man kann es schlecht beantworten, wenn man selbst nicht damit konfrontiert wird, sprich, wenn das Kind nichts schwerwiegendes angestellt hat. Häufig erzählen mir Eltern auch von der gefühlten Ohnmacht dem Sprößling gegenüber, dem Gefühl, versagt zu haben und der Traurigkeit. Kann man dem vorbeugen? Schon früh eingreifen? Ich selbst habe (noch) keine Kinder. Aber ich sehe ja auch bei Erwachsenen später ein ähnliches Problem - wie kann man jemandem helfen, der sich nicht helfen lassen will, z.B. beim Konsum von härteren Drogen? Kinder kann man nicht an die Kette legen.. ich hatte nur den Hoffnungsschimmer, dass vielleicht jemand eine Idee hat, wie man das eigene Kind davor bewahren kann. Oder vielleicht von der jüngeren Fraktion hier, wie sie selbst zum Thema Strafe stehen - im Umfeld vielleicht sogar schon erlebt? Wie seid ihr damit umgegangen? Wie reagiert ihr auf Mutproben und Gruppenzwang? Und ja, ich weiß, es ist ein schwieriges Thema.. es geht nicht um Lösungen, sondern um Ideen. Hat sonst außer den bisher Beteiligten keiner eine Meinung hierzu? |
| herbstliebe | Wenn du in einer kriminellen Umgebung aufwächst, hilft dir nur eine starke Persönlichkeit, nicht auf die schiefe Bahn zu kommen. Genauso wie auf dem Sportplatz, in der Disko, etc. |
| Xenomorph | [QUOTE][i]Original geschrieben von herbstliebe [/i] [B]Wenn du in einer kriminellen Umgebung aufwächst, hilft dir nur eine starke Persönlichkeit, nicht auf die schiefe Bahn zu kommen. Genauso wie auf dem Sportplatz, in der Disko, etc. [/B][/QUOTE] Da magst du ausnahmsweise Recht haben - wenngleich in gänzlich anderer Weise als du es vermutlich glaubst - denn die kapitalistische Gesellschaft ist eine [I]höchstgradig[/I] kriminelle Umgebung - und die lieben Kleinen ahmen bekanntlich nur nach, was ihnen die "Großen" so vormachen, nicht wahr: Bankiers, Politiker, Manager...wo nur Geld und Konkurrenz über Erfolg oder Scheitern, der Erwerb von Geld und sozialen Machtpositionen über "gutes" oder "schlechtes" Leben entscheiden - da ist eben jedes Mittel recht und der Zweck heiligt jedes dieser Mittel - ich kann es niemandem wirklich verübeln, wenn er dann das, was er von den "Starken" bzw. den sich "stark" vorkommenden, den Machthabern in Politik und Wirtschaft, sich abgeschaut hat, mangels äquivalenter Möglichkeiten, andere auf von diesem System anerkannte "legale" Weise zu untedrücken und auszubeuten - sich solche zu Opfern auserwählt, die noch tiefer in der Hackordnung stehen als der "Looser"selbst...anstelle eines Finanzmanagers, der seine Skrupellosikgkeit legal ausleben darf, wird der "Versager" dann halt ein U-Bahn-Schläger oder Gang-Anführer - denn nichts anderes ist der Manager, bzw. Boss eines Großkonzerns in einem Größenverhältnis von ca. 1:1 Million gegenüber dem Chef einer Straßengang ja auch... |
| herbstliebe | [QUOTE][i]Original geschrieben von Xenomorph [/i] [B]Da magst du ausnahmsweise Recht haben - wenngleich in gänzlich anderer Weise als du es vermutlich glaubst [/B][/QUOTE] Oh danke du Erhabener. *genervtdieaugenverdreh* Keine Ahnung was du so vermutest, aber meinst du nicht, dass Manager usw. eine starke Persönlichkeit brauchen um der Versuchung zu widerstehen? Zumindest hättest du dann nicht solche Probleme mit denen. Wie wär's, wenn du anstelle deiner "Oh die bösen Bosse Haltung" mal meine Frage von oben beantwortest? Übrigens, die Looser kehren sich einen Dreck um Politiker, Manager und Banker, vonwegen, sie schauen sich was von denen ab. Die existieren nur dann, wenn sie ihre Opferhaltung einnehmen und jammern "aber die da, die dürfen". |
| Ceryni | Das ist schon ein komplexes Thema. Da ich selber in diese Richtung gearbeitet habe, habe ich einige Illusionen verloren. In meiner Zeit beim Jugendstrafgericht und später beim Erwachsenenstrafgericht und auch bei der "Gegenseite" - also den Rechtsanwälten - ist so manche Luftblase geplatzt, vorallem beim Jugendgericht. Ich stimme Herbstliebe zu, man muß stark sein, um in einer kriminellen Umgebung aufzuwachsen. D.h. aber nicht, dass man selbst zum Kriminellen werden muß. In meiner Jugend wuchs ich in einem sozialem Brennpunkt auf u habe den Absprung geschafft, nicht selbst in die Kriminalität - sei es nun Drogen, Gewalt o.ä. - abzurutschen. Gut meine Ausbildung und der Wunsch nach einem "besserem" Leben waren starke Anreize, aber es gibt auch Leute, die es mit anderen Argumenten geschafft haben. Die Zeit beim Jugendgericht haben mir damals schon die Augen über unser Strafrechtssystem geöffnet. Die Bestrafung - was für ein witzloses Wort in diesem Zusammenhang - fiel oft so mäßig oder gar nutzlos aus, dass es klar war, dass der Angeklagte in wenigen Wochen/Monaten wieder vor dem Richtertisch steht. Einmal sprach ich mit einem der Jugendrichter darüber und er war selbst schon ziemlich desillusioniert, er meinte, ihm seien die Hände gebunden, härtere Strafen wären erst nach stärkeren Vergehen oder gar bei Verbrechen statthaft, das habe ich sogar eingesehen, da das Landgericht viele der "härteren" Strafen für Jugendliche und Heranwachsende aufhob und minimale Strafen verhängte. Selbst und vorallem bei Wiederholungstätern. Einige der Amtsgerichtsrichter waren allerdings der Meinung, dass diese geringen Strafen, also Sozialstunden und ab und an - bei Heranwachsenden - eine Geldstrafe, welche meist umgewandelt wurde, weil kein Geld vorhanden - ausreichend seien und man an das Gute im Angeklagten glauben muß. Es war oft so frustrierend, wenn ich die Bewährungsakten bearbeitete oder neue Fälle hereinbekam *kopfschüttel* Einer der Richter in unserem Bereich griff da härter durch, doch wie schon geschrieben, diese Urteile wurden oft vom LG abgemildert oder gar aufgehoben. Auch waren einige Angeklagte oder Beschuldigte, dermaßen frech und anmaßend, dass es mehr als beleidigend war, für Richter, Staatsanwälte und uns Protokollführer. Trotzdem wurde nicht wirklich dagegen vorgegangen. Ich erinnere mich an einen Wiederholungstäter - langes Vorstrafenregister, zum damaligen Zeitpunkt 17 Jahre -, der diesmal wegen Raub, schwere Körperverletzung - das Opfer lag im Koma, hatte viele Knochenbrüche etc - angeklagt war, sich auf seinem Platz rumlümmelte und nur breit in den Gerichtssaal grinste. Er bekam 1 Jahr auf Bewährung. Dieses Urteil wurde von seinem Verteidiger angefochten und sie gingen in die Berufung. Der Kerl kam mit Sozialstunden drumrum, die er nicht mal ausführte. Da die Bewährungsauflagen vom AG überwacht werden, hatte ich die Sache einige Wochen später wieder auf dem Tisch. Doch er machte keine einzige dieser Stunden. Und das ging einfach so durch. Zusätzlich stand er einige Wochen später wieder vor Gericht, leichte KV, Fahren ohne Ticket in der Straßenbahn und kleinere Delikte dieser Art. Was ist das für ein System? Kein Wunder, dass es soviel Straftaten - schon in der Jugend - gibt und sich dies bis ins Erwachsenenalter zieht. Es wird nicht eingegriffen und wenn doch, dann gibt es ja immer noch Berufung oder in manchen Fällen Revision. Und meistens wird die Strafe dann herabgesetzt. Ehrlich, ich hatte in den ganzen Jahren nur einen Fall, wo das LG härter bestrafte als das AG. Dabei ist das alles so ein Riesenaufwand an Schriftverkehr, an Vorbereitung an all den Kleinigkeiten, die nach außen so gering erscheinen. Ist jemand geständig, so wird ihm dies nachgesehen, die Strafe geringer, egal ob das Geständnis erst nach Aussage der Zeugen gemacht wurde oder davor - was ansich ja schon ne Frechheit ist - oder in krassen Fällen wie Mißbrauch von Schutzbefohlenen von Erwachsenen im JUGENDstrafrecht geahndet werden, angeblich zum Schutz der meist kindlichen Opfern, und dann so gering ausfallen. Es ist einfach zum kotzen, sorry... Kann man etwas ändern, wenn ja was? Schwierige Frage. Man MUSS was ändern, denn sonst wird sich nichts ändern. Härtere Strafen? Längere Arreste? Herabsetzung des straffälligen Alters von 14 auf 12? Ich sage ja. Zu allen drei Dingen. Ob es was ändert, glaube ich weniger - zumindest bei dem jetzigem System -, denn die Beschuldigten sehen ja, dass es keine wirklichen Strafen für ihre Straftaten oder Vergehen gibt. Bzw. dass die Strafen in der nächsten Distanz herabgesetzt werden. Das ist doch schon ein Fast-Freifahrschein für jegliche Delikte *find* Auch Ersttäter können einen Arrest absitzen und sei es nur um diesen zu zeigen, dass es so eben nicht ok ist, wenn sie einen Mitschüler verprügeln, weil er ihnen ihr Essensgeld nicht gegeben hat und dafür nen Armbruch erlitt, Sozialstunden bringen da überhaupt nichts. Die werden mehr oder weniger auf einer Ar***backe abgesessen und dann gehts schön weiter. Das soziale Umfeld des Täters wird natürlich berücksichtigt, ist in einigen Fällen auch gut so, doch wieso sollte es unbedingt schützen, nur weil eine schwierige eigene Kindheit da ist/war? Meine Kindheit war auch kein Zuckerschlecken, ich mußte mich durchkämpfen und trotzdem landete ich nicht auf der schiefen Bahn... Besonders stark bin/war ich nicht, sogar eher labil, wenn man meiner Mutter glauben darf ;) , und trotzdem habe ich keine Schläge ausgeteilt oder jemandem sein Essensgeld weggenommen etc, dabei hatte ich oft kein Essen für die Schule oder mußte zu Fuß zu derselben, da kein Geld für den Bus vorhanden war. Meine Perspektive war nicht besonders gut, gerade weil ich an einem sozialen Abgrund aufwuchs und nein, ich bin nicht einmal verurteilt oder gar angeklagt worden. Dabei war ich kein liebes Mädchen. Wievielen meiner ehemaligen Freunde/Bekannte habe ich eine Anklageschrift oder einen Strafbefehl in meiner Eigenschaft bei Gericht geschickt, kann ich nicht mehr sagen, doch dies war immer ein solcher Schlag, das ich mir schwörte, nie so zu enden. Mal so gesagt, wenn man in der Kindheit geschlagen wird, so ist dies kein Grund selber zuzuschlagen. Egal ob Jugendlicher oder Erwachsener. Ich glaube auch nicht, dass sich die Jug. das von der kapitalistischen Gesellschaft "abschauen" und so handeln. Viele haben doch gar keine Ahnung, in was für einer Gesellschaft sie leben. Ja, sie schauen sich so einiges von den Erwachsenen ab, aber nicht von den sogenannten Bonzen sondern von ihren eigenen Eltern, Verwandten oder ihren erwachsenen "Vorbildern", die ihnen mehr Elternersatz sind, als sonstwer. Dies kann durchaus auch positive Auswirkungen haben. Lange Rede kurzer Sinn: Aufklärung, Schutz und positives Einwirken ist da eher eine Chance für die Jugs. Bei uns gab es die Mobile Jugendarbeit. Nach ca. 5 oder 6 Jahren drehte die Stadt den Geldhahn zu und es wurde wieder abgeschafft. Die Sozialarbeiter hatten viel zu viele Jugs und Heranwachsende zu betreuen, doch ihre Arbeit war nicht wirklich umsonst. Diese Jahre waren prägend, nicht nur für mich, auch für andere und ja einige gingen unter, verpaßten den Drehpunkt zu einem anderem Leben, doch einige - darunter auch ich - schafften es. Gerade und weil wir als labiler und unsteter galten als die sogenannten "Starken", die im Alkohol- und Drogensumpf landeten. Die Stadt sah das wohl weniger, auch wenn die Zahlen der Statistik die Kriminalität in unserem Viertel betreffend sank, was durchaus mitunter durch den Einfluß der Sozialarbeiter kam. Dabei hattenn die keinen leichten Stand, da wurde versucht, verführt und was weiß ich noch alles, doch sie gaben nicht auf. Desweiteren bewundere ich den Mut und die Einsatzfähigkeit der damaligen Sozis. Vergleiche mit den heutigen Sozis fallen da eher schlecht aus. Es ist keine Durchsetzungsfähigkeit da, kein wahres Engagement, kein positives Licht. Manchmal scheint es mir, als sehen die Sozis ihre Aufgabe als Strafe an *seufz* Wieso entscheiden sie sich dann für so einen Job? Nein, nicht alles war gut damals, es gab während dieser Zeit auch zwei brutale Morde von Heranwachsenden aus dem betreuten Gebiet, ich will hier keinesfalls irgendwas beschönigen, doch anderen hat diese Betreuung eine Chance gegeben, derjenige, der sie ergriff "entkam" diesem Viertel nach einigen Jahren auch, andere leben immer noch dort und schafften trotzdem den Absprung. Andererseits habe ich mir geschworen, wenn ich jemals eigenen Kinder haben sollte, dass diese nicht so leben sollen, nicht um Aufmerksamkeit buhlen und diese mit Gewalt "heranbringen" müssen, diese sollen nicht in so einem Viertel aufwachsen und die gleichen Kämpfe durchstehen. Ob ich das schaffe steht auf einem anderem Scheffel, doch hoffe ich es sehr. Allerdings hoffe ich, dass ich die Hilfe der Sozis als Mutter auch annehmen werde und nicht abwertend beurteile, wie meine eigene Mutter damals. Für sie war der soziale Abstieg damals auch ein Grund wieder hochzukommen, trotzdem dauerte der "Kampf" über 8 Jahre, bis wir dort "rauskamen". |
| SinRaziel | Jawoll. Amen. Ernsthaft - wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, wir sind irgendwie verwandt. Auf jeden Fall sprichst du mir aus der Seele; während ich deinen Beitrag las, dachte ich, ich hör mich selbst. Ich hab genau die gleichen Diskussionen geführt, genau die gleichen Antworten zu hören bekommen und dachte nur, jetzt geht gar nichts mehr. Andererseits hab ich mit den Jahren gelernt, zumindest zu versuchen, die Richter etc. zu verstehen, und ich kann den Gedanken nachvollziehen, dass man nicht gleich mit Knast aufwarten sollte - man hat dann nach oben keine Steigerungsmöglichkeit mehr, sinngemäß das "wenn ich dafür schon so hart bestraft werde, kann es ja nicht mehr schlimmer kommen." In der JA in Schleswig (Jugendanstalt) wo wir mal waren, kam von einigen Häftlingen der Spruch: Hier gehts mir besser als draußen - ich WILL gar nicht mehr raus.. .. woraufhin mir der kleine leise Gedanke kam: Okay, also ab morgen nur noch Brot und Wasser in einer Steinzelle ohne alles mit ein bisschen Stroh - mal schauen, wie lange du dieser Meinung bleibst? Aber so kann und darf ich nicht sein in meinem Beruf.. und wenn man diese Meinung ausspricht, wird man für (rechts-) radikal gehalten. Schöner Deutscher Land, jaja. :rolleyes: Aber andererseits will man auch nicht so enden wie in anderen Staaten, die z.B. noch Folter- oder Todesstrafen verhängen, auch wenn der Bürger in mir oft genug den Gedanken daran hatte, gerade wenn es um Kindesmisshandlungen geht. |
| Ceryni | Puuh, und ich dachte schon der Beitrag ist zu heftig, hab ewig dran rumgeschrieben ;) Doch im Endeffekt gibt es nichts zu beschönigen oder groß zu ändern. Die Erfahrung in der JVA hab ich auch gemacht, als wir von der Ausbildung her im Frauengefängnis in Schwäbisch Hall waren (da sind u.a. auch Heranwachsende weibliche Insassinnen), da traute ich kaum meinen Augen, die schulischen Gegebenheiten (Chemie- und Physiksaal z.B.) waren besser ausgestattet als in meiner eigenen früheren Schule. Zudem durften die Insassinnen ihre Kinder bis zum 3. Lebensjahr dort aufziehen, in einem eigenen Gebäude nicht in der eigentlichen Haftanstalt. Wobei ich mein Kind dort nicht aufziehen wollte, andererseits war für Mütter und Kinder alles vorhanden. Da geht es in einem Mutter-Kind-Heim anders zu. Die Verurteilten hatten meist Einzel"zimmer", mit Fernseher, Videogerät (damals eben noch in) etc. Nur PC und Telefon fehlte. Wir durften auch an verschiedenen "Gruppen"sitzungen teilnehmen. Einige machten genau die gleiche Aussage, draußen ginge es ihnen schlechter, also lieber im Knast bleiben. Ich fand das unfassbar. Auch die JVA Stammheim hat zum Teil solche Gegebenheiten. Ich glaube nur die U-Haft-Insassen haben Nachteile, zumindest bis sie verurteilt und dann ggf. einsitzen. Auf mein erstauntes Nachfragen, wieso die Gefangenen solche Dinge besitzen dürfen kam die lapidare Antwort, sie sollen schließlich nicht immer im Gefängnis bleiben, es sei schon Teil der Rehabilitationsarbeit und zufriedene Gefangene sind ruhiger. Äh, hallo? Das ist keine Strafe ab"büßen", sondern zumeist ein Pensionsaufenthalt :rolleyes: Zur Klarstellung, das ist nicht in jedem Knast der Fall, doch in einigen, ich habe auch mit Kollegen gesprochen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Aber du hast recht. Wer seine Meinung in dieser Sparte offen ausspricht, der wird für rechtsradikal und ähnliches gehalten und hält sich in dieser Branche nicht lange. Natürlich ist es nicht nur ein Zuckerschlecken. Die Drogenabhängigen haben oft immense Probleme in der Haft, doch teilweise floriert der Handel auch in der Anstalt, malen wir uns da mal keine Utopia *seufz* Doch wenn ein Leben im Knast angenehmer ist als in der Außenwelt, was sagt das dann über unser Rechtssystem? Da wären gewaltige Umstrukturierungen erforderlich, die keiner in Angriff nehmen will. |
| SinRaziel | Mittlerweile war ich in zwei Jugendanstalten und drei Erwachsenenvollzugsanstalten - und ich habe überall dasselbe gesehen. Fernseher und DVD-Player vorhanden, dazu eine gut sortiere Bücherei, immense sportliche Betätigungsmöglichkeiten, die Chance, dort zu arbeiten, eine Lehre zu machen (natürlich gegen Bezahlung..), Einkaufsmöglichkeiten, eigene Küche zum Selbst-Kochen, einige Häftlinge bekommen Hafturlaub (ist das Wort an sich nicht schon Ironie? Und ja, Hafturlaub heißt auch genau das. Freigang über mehrere Tage, unbewacht.) Irgendwie läuft da was falsch.. Teil der Rehabilitation - okay. Kann ich bis zu einem bestimmten Rahmen auch nachvollziehen. Mir ist aber noch nirgendwo aufgefallen, dass das erst kurz vor Haftende passiert. Aber es gibt da diese leise Stimme, die sich fragt, warum jemand, der gegen das Gesetz in grobem Maße verstoßen hat, noch so massiv "betüdelt" wird, wie man hier in Norddeutschland sagen würde. Zufriedene Gefangene sind ruhiger - ach ja. Wo ist bloß die Überzeugung für den Job hin? Was das Drogenproblem angeht - ich weiß zwar nicht, WIE sie es machen, aber die Drogen werden auch in der JVA beschafft und konsumiert. Okay, das wäre also mal ein erster plausibler Gedanke: Abschaffung von Vergünstigung bereits straffällig Gewordener. .. klingt ein bisschen nach Taschengeldentzug, mag aber seine Wirkung entfalten. |
| herbstliebe | Ich kenne mindestens einen Weg Drogen in die Anstalt zu schmuggeln. Hab ich irgendwo im Forum schon mal gepostet: [URL=http://www.zeit.de/2006/49/JVA_Siegburg]Das schöne Leben in der JVA[/URL] |
| Ceryni | Begünstigungen für Haftinsassen zurückstellen, ist schonmal ein guter Punkt, aaaber: Dafür müssen die ja erstmal in den Knast kommen. Da fängt es ja schon an *find* Meistens kommts gar nicht bis zu diesem Punkt, weil die Verurteilung schon so gering ausfällt, trotz der ellenlangen Vorstrafen der größeren wie auch kleineren Delikte. Und gerade bei jungen Leuten wird zu oft ein bzw. zwei Augen zugedrückt. Daher ja auch meine Empörung. Auch bei Erwachsenen, doch da ist es nicht immer so offensichtlich. Bei den Jungen heißt es oft, die sind noch "formbar" und "lenkbar", dass das denen irgendwo vorbeigeht bemerkt man spätestens nach der 2. weiteren Straftat, aber dann wird es auf die grausame Kindheit - aha - und auf den falschen Kontakt geschoben. Darüber kann ich echt nur lachen, sorry... Wieso, hab ich oben schon ausgeführt und ok, ich bin nie verprügelt worden von den Eltern, allerdings hab ich schon mit dem Kochlöffel "Schläge" erhalten, trotzdem ist es mir nie wirklich in den Sinn gekommen, meinen Gegenüber zu schlagen, nur weil der mich "schief angeschaut" hat... Ich mag mir z.B. auch keine Sendungen mehr anschaun, die aufmüpfige Jugs und deren hilflose Eltern zeigen. Nicht nur weil vieles davon gestellt ist, sondern weil es sinnlos ist. Es nützt keinem anderem, da jeder Mensch - ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener - individuell ist und so sollte auch entschieden und gehandelt werden. Nur weil Jug A sich wie das eigene Jug C verhält, heißt das noch lange nicht, dass die gleichen Maßnahmen der richtige Weg sind. Allerdings fängt nun Ende Februar wieder diese "Wild-West"-Aktion an, wo "unbelehrbare" Jugendliche sich 14 Tage oder 3 Wochen lang mit einigen Sozialarbeitern durch die Wüste schleppen müssen und dort Zusammenhalt und Aktionismus kennenlernen sollen. Das kam im vergangenen Jahr schonmal und ich fand einige Methoden ganz annehmbar. Vorallem weil es die Jugs auch vom Knast "bewahrt" hat, andererseits weil es kein Zuckerschlecken war, sondern mal das RL. Wenn auch etwas "abgeändert", denn wer läuft schon durch die Wüste, zeltet in kleinen Baumwollfetzen usw... Aber die Kids haben da was dabei gelernt, die Frage ist nur, ob sie es auch umgesetzt haben, als sie nach D zurückkamen. Angeblich liegt die Erfolgrate höher als bei den Knast"brüdern"... Bin mir gerade allerdings nicht so sicher, wer die Kosten trägt, ich glaube es war "Mama Staat", was ich nun nicht so dolle finde, andererseits kamen viele aus soziale Brennpunkten und deren Eltern können sich das sonst nicht leisten, daher auch wieder ok... Die etwas radikalen Methoden der Sozis waren da schon eher etwas grenzseitig. Aber realistisch. Weil die Änderung schon bei der Äußerlichkeit eines Menschen anfängt, womit sie auch recht haben. |
| Xenomorph | In die Wüste sollten besser die Politiker geschickt werden - und zwar alle quer durch die Bank und ohne Rückfahrschein...dieses Wüsten-Experiment finde ich nebenbei gesagt eigentlich recht interessant - aber natürlich nicht aus dem Grunde, dass ich glaube oder gutheisse was der Staat damit bezweckt, nämlich "bessere Menschen" aus "Kriminellen" zu formen - denn jeder Kriminelle ist nur so kriminell, wie die Gesellschaft, in der er gelebt hat - nein, es wäre einfach interessant zu erfahren, was geschehen würde wenn man ein solches Experiment wirklich über einen langen Zeitraum hinweg fortführen würde... Würden die Menschen sich in dieser völlig anders gearteten Umgebung irgendwann grundlegend anders verhalten...? Einen neuen, eigenständigen sozialen Ehrenkodex entwickeln...? Würden sie abseits und ohne Verbindungen mehr zur kapitalistischen Zivilisation mit ihrem kranken Gegensatz von arm und reich, ganz auf sich allein gestellt, ohne Geld, Staat, Knast und Konsum, ohne Glotze und Videos, ohne alles an Zivilisationsmüll, wirklich zu ganz neuen Menschen heranreifen, höheren, würdigeren Menschen...? Oder würde schon bald wieder alles in den alten gewohnten Bahnen verlaufen...? Würden sich abermals Herren- Und Sklavenkasten herausbilden, staatliche "Führer" und auf der anderen Seite deren duckmäuserische Untertanen, die die staatlichen Machthaber und Despoten als ihre Götter anerkennen...? - und würden jene "Starken" die Menschheit erneut in "gut" und "böse" einteilen...? Würde also das geschen, was William Golding in seiner bekannten Antiutopie "Herr der Fliegen" beschreibt...? |
| Xenomorph | Desweiteren stecken hinter solchen unorthodoxen Methoden, auf die der Staat heute gern mal zurückgreift, Erwägungen ganz anderer und zwar ökonomischer Natur, die mit dem zu erwartenden Erfolg der "Tharapie" nur wenig zu tun haben - denn, man höre und staune, der Staat muss sparen - und nicht nur das, in seinem stationären "Thearapieprogramm" wird es allmählich eng, bereits heute sind die Knäste überbelegt, es gibt inzwischen einfach schon zu viele Menschen, denen vom Staat höchstoffiziell "Korrekturwürdigkeit" attestiert wurde, alsdass sie von dem bestehenden Justizapparat noch adäquat "versorgt" werden könnten, denn dieser hat den Sättigungspunkt seines Fassungsvolumens schon lange überschritten... Doch was sagt uns das, bzw. was sollte es uns sagen...? Dass es immer mehr Kriminelle gibt. Ist doch einfach logo und klar wie Kloßbrühe, nicht...?...nur, sollte es uns nicht noch viel mehr sagen...? Nämlich, dass die imperialistische Gesellschaft immer größere Anstrengungen zu unternehmen gezwungen ist, um sich vor sich selbst zu schützen - denn genau das sind all jene, die irgendwann in die Reihen der Kriminellen "abrutschen", wie es immer so schön heisst, doch eigentlich - nicht das genaue Gegenteil, nicht der Auswurf dieser Gesellschaft - sondern nur deren genaues Spiegelbild... Denn wo es ein Gesetz gibt, da gibt es auch zwangsläufig den dazu passenden Verbrecher - also gibt es umso mehr Kriminalität je mehr - und vor allem desto mehr überflüssige und schikanöse - Gesetze von den Politikern gemacht werden... Nur ein sehr geringer Teil der staatlichen Gesetze behandelt wirklich schwerwiegende Dinge wie Mord oder Körperverletzung - ein sehr roßer Teil dagegen - vermutlich der bei weitem überwiegende - fällt auf die sogenannten Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Betrug und Erpressung in sämtlichen Varianten - was in der kapitalistischen Gesellschaft, die sich ausschliesslich über Geld und Eigentum definiert, ja auch nicht Wunder nimmt, da diese "Delikte", von den falschen Personen am falschen Ort und zur falschen Zeit begangen, ja genau das Wesen der imperialistischen Gesellschaft insgesamt ausmachen, welches ebenjenes ist: räuberisch und erpresserisch... Was sonst noch alles in all den Paragraphenwälzern haarklein reglementiert ist, ist wirklich nur noch hanebüchen, denn dieser Restbestand dreht sich vor allem um eines - die "richtige" Gesinnung, die "richtige" Moral und dergleichen, die "richtige" Einstellung zu Politik und Religion - was mir erlaubt ist zu sagen und wo mir der Mund verboten werden soll...also der gesamte Komplex des Gesinnungsrechts - denn auch und gerade hier gibt es nicht nur Dinge, die ich in diesem System nicht tun darf, nein, die ich nicht einmal [I]sagen[/I] darf...so darf ich mich z.B. weder zu einer links- noch einer rechtsextremen Weltanschauung offen bekennen, was ich hingegen ebenfalls als ein natürliches Recht betrachte, das ich selber mir gebe und das ich mir von keinem nehmen lasse, denn was scheren mich irgendwelche schnöden Menschen-Meinungen, die nur darum besser sein sollen als meine, weil sie der Mehrheit gehören...?...ich muss ja obendrein auch noch jeden Simpel, der mir dumm kommt, höflich und mit Respekt behandeln, darf ihm keinesfalls offen ins Gesicht sagen, was ich in meinem Innersten über ihn für eine Meinung habe - sofern absusehen ist, dass jener Simpel sich durch das Aussprechen jener Meinung nicht gebauchpinselt fühlen wird...insbesondere muss ich dergleichen tunlichst vermeiden, wenn ich es mit einem "sozial höhergestellten", einem Chef oder sonstigen Lamettafuzzi zu tun habe...hier ist dann nur noch ein " Sir, Jawohl Sir!", als Akt "freier Meinungsäusserung" gestattet...ich muss, um unter Demokraten zu leben, zumindest um ihrer herrlichen "Freiheiten", die sie mir zuzugestehen bereit sind teilhaftig zu werden - mit den Wölfen heulen und um jeden Preis ein Demokrat sein - oder doch so tun als ob ich einer wäre...ich darf mich zu nichts anderem als der bürgerlichen Demokratie als dem "einzig richtigen und dem Menschen gerechten System" bekennen...ja, "Demokratie" für Nichtdemokraten ist die Sache des Demokraten nicht... |