| vengeance | Tag zusammen mir ging es vor Kurzem wieder so: ich habe an einer Folkwerkstatt auf einer Burg teilgenommen.. donnerstag bis sonntag und jetzt rückwirkend sehe ich, wie schön das war.. Kalr, als ich dort war genoß ich das sehr, tagsüber gab es Kurse und abends dann wurde zum Tanz aufgespielt mit Akkordeon, Dudelsäcken, Gitarren, Drehleiern, Nyckelharpas, Flöten... Es war wirklich wie in einer anderen Welt. Wir waren die ganze _Zeit auf der Burg, schliefen dort und wurden auch verpflegt. Insgesamt so 60-70 Leute, vom 14-jährigen bis zum 70- oder 80- jährigen. Und alle waren irgendwie sehr verwandt, da die Musik alle verbunden hat. Musikalisch standen traditionelle Stücke im Vordegrunde, aus Frankreich, niederlande, England, Irland, Schottland, Schweden. Viele Tänze wie AnDro oder Bourée. Dann, als ich am Sonntag nach Hause fuhr, war das irgendwie wie ein Schlag ins Gesicht, denn es war vorbei und dann wartete "nur" der Alltag. Der ist aber bei mir wahrlich nicht schlecht, ich habe viel Freizeit, nette Freunde und Bekannte und beschäftige mich natürlich auch privat mit Mittelalter und Musik z.b aus der Renaissance. Dennoch war es hart irgendwie. Ich frag mich halt, ob es immer so sein muss. Warum gibt es diesen krassen Unterschied zwischen dem einen un dem anderen Leben? Oder: Würde ich glücklich werden, wenn ich dort z.b. arbeiten würde und nicht hier -würde mir wieder etwas anderes fehlen? War es die Musik oder die Gemeinschaft, die fehlt? Klar - es ist ja bekannt, dass man so etwas danach vermisst, aber es war hier irgendwie anders. Gings anderen auch schon so.. vielleicht auch in Verbindung mit Musik? vengeance |
| more | Ich kenne das Gefühl und vor allem aus meiner Kindheit. Ich konnte kaum zwischen dem einen Moment und dem anderen Wechseln. Ich konnte kaum wieder in den Alltag zurück finden und befand mich total unter Schock. Ich weinte bitterlich und diese Schockzustände - ich nenne sie mal so - gingen lange, fast bis ich zwanzig war. Ich glaube einfach, dass ich mich viel zu sehr auf diese Freizeitaktivitäten oder bestimmte Menschen fixiert hatte. Mir keine neuen Ziele stecken konnte und ich immer das Gefühl hatte, danach "käme ja nichts mehr". Ich glaube da steckt etwas sehr tiefes und unergründliches dahinter. Ich bin bis heute nicht darauf gekommen, was diese "Schocks" wirklich verursacht. Nach ein oder zwei Tagen hat sich der Zustand wieder normalisiert. Irgendwann hat sich das bei mir umgedreht und gerade solche "Events" haben in mir einen wahnsinnigen Stress hervor gerufen, so dass ich froh war, wenn alles wieder normal war. Ich glaube, dass ich selbst heute nicht wirklich in der Lage bin vom Freizeitgefühl auf Normalbetrieb umzuschalten. Aber ich habe versucht meinen Alltag so zu strukturieren, dass sich Alltagsphasen und Eventphasen gut abwechseln. Ich plane meine Freizeit und auch den Alltag und versuche meine Emotionen auf einem erträglichen Level zu halten. Sonntag Abende sind zwar noch immer Horror für mich, aber im Prinzip ist meine Umgehensweise damit, eine gute Strucktur für mich zu finden. Aber ich weiß auch, dass das auf wackeligen Beinen steht. Andererseits glaube ich nicht, dass sich der Zustand mit anderer "Arbeit" wesentlich verbessern ließe. Der Alltag ist eben Alltag. Und der ist oft langweilig und auch frustrierend. Egal wo man arbeitet. Wenn du natürlich grundsätzlich mit deiner Beschäftigung unzufrieden bist, solltest du wirklich überlegen ob es für dich noch andere Perspektiven gibt. Aber das Grundproblem des Wechsels zwischen Freizeit und Alltag ist damit nicht gelöst. |
| rainraven | Mir geht das jedesmal so nach dem WGT, das für mich eine Veranstaltung von fast einer ganzen Woche ist, auf die ich mich jedes Jahr irre freue, daraufhin fiebere, bis alles klappt (Unterkunft, Urlaub, Karten, Outfit, Gesundheit etc.) und in das ich anscheinend super hohe Erwartungen reinsetze. Es ist DER Höhepunkt des Jahres für mich. Und hinterher ist immer alles grau und alltäglich und meist regnet es auch noch... Ich habe auch Freunde, die trifft es noch schlimmer, die fallen hinterher lange in ein richtiges Depri-Loch und können sich gar nicht mehr in den Alltag einfinden, obwohl dieser speziell bei ihnen bei weitem kein spießiger, langweiliger ist, und sie dieses Phänomen jedes Jahr durchmachen und eigentlich kennen müßten. Mir ging es aber auch schon so nach einem Traumurlaub auf einer schönen sonnigen Insel mit vielen Tieren, von dem ich wußte, ich kehre zurück in Arbeitslosigkeit, gesundheiltliche Probleme und ein Leben, in dem ich einen geliebten Menschen verloren hatte. Da ist das verständlich. Ich denke mir dabei aber auch, wenn das Leben IMMER in diesem schönen "Ausnahmezustand" verlaufen würde, wäre es auch nichts Besonderes mehr, und es würde nach und nach an seiner Faszination verlieren und ebenso eintönig werden wie der graue Alltag (der ja mitnichten immer grau sein muß, wenn man ihn sich selbst bunt gestaltet und etwas von dem geselligen Zusammensein und Aktionen mitnimmt und selbst veranstaltet). Man würde sich gar nicht mehr auf das Event oder den Workshop oder das WGT freuen. Und mir geht es dabei auch so, ich bin während dieser speziellen Zeit auf dem Fest, Treffen oder der Veranstaltung so überwältigt von Sinneseindrücken, daß ich meist verwirrt, abwesend, genervt und müde wirke (und mich auch so fühle), einfach, weil mir alles schnell auch zuviel wird. Man wird auch viel schneller enttäuscht und es kommt leider auch oft zum Gezicke und Streit, wenn Freunde so oft, lang und eng in einer Extremsituation aufeinander hocken. Deswegen bin ich zumindest körperlich auch wieder froh, wenn sowas dann zu Ende ist und ich in meinen gewohnten, abschätzbaren Trott zurückkomme. Ich kann mich ja dann wenigstens schon wieder auf nächstes Jahr freuen, und die Vorfreude ist immer das Beste daran. :) |
| lightandspark | Identifikation mit dem Thema geglückt! Ich kann euch gut nachvollziehen, diese Wechsel sind schon lebenslang ein unvorhersehbarer Begleiter in meinem Alltag. Und sie können in oder nach jeder Situation überraschen. Auch wenn ich schon seit Jahren flexiblen Arbeitszeiten ausgesetzt bin, die den Begriff "Wochenende" mindestens 25-30 mal im Jahr ausklammern, kommen bei mir sehr gerne diese "trüben Sonntage" vor. Die Welt scheint ruhig und still zu stehen, ich sehe oder bilde mir ein, dass an Sonntagen gern Wolken den Himmel verdecken... Extrem auf besondere Art und Weise ist es, wenn man in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf Party oder mit / bei Freunden war... Man steht auf, so gegen Mittag, gegebenenfalls brummt der Schädel noch dazu... Endstation Tag 7. Weitaus mehr beschäftigt mich da teilweise der Übergang von Schlaf zum "wach werden und sein". Meine Träume sind derart intensiv. Es ist meine zweite Welt, mein zweites Leben, mit einer überwältigenden Aura die mich dabei umgibt. Ich vergesse keine Träume, auch wenn sie manchmal nur bruchstückhaft im Kopf bleiben. Erinnern tu ich sie (nicht 100 % aller) bis etwa ins 3te / 4te Lebensjahr zurück. Bald werde ich 24... Nun gut, fies ist wenn man wach wird. Der Traum ist nicht zu Ende. Das Ziel im Traum wurde nicht erreicht. Das wird es nie! Drum, egal ob man die Zeit vom Tag verschwendet (natürlich nur, wenn man die Gelegenheit hat, ausschlafen zu können), ich muss mich umdrehen und wieder einschlafen um weiter zu träumen. Irgendwann sollte man dann jedoch aufstehen oder kann nicht mehr weiter schlafen. Eine relativ kurze, dennoch intensive Tiefphase über den "gefühlten" Verlust dieser Welt, ist die Folge. Ich vermisse die Orte, wo ich in den Träumen agiere oder umherwandle. Es sind oft reele Dinge, die stark verändert oder verfremdet sind, anders aussehen, besser aussehen, ultimativ sind. Es kommt allgemein gerne vor, wenn etwas "vorbei" ist. Nicht erfüllte Erwartungen, Trennungen, nach Reisen und Festivals. Der Körper bzw. das Gehirn scheint nicht in der Lage zu sein, in der Verfassung anzuknüpfen, die vorher herrschte oder auf plötzliche, unerwartete Situationen zu reagieren. Und der Alltag haut einem manchmal regelrecht ins Gesicht. Dennoch, menschlich und völlig natürlich... |
| vengeance | Interessante Beiträge! Ich glaube mir ging es jetzt ganz besonderns so, weil ich eben anderen Menschen und andere Thematiken hatte, als sonst. Bei Festival etc ist es nicht so.. ganz und gar nicht. Aber hier.. Man muss wissen, die meisten Menschen so in meinem Alltag gehen mir tierisch auf den Sack. Geprägt von Egoismus, Hektik und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Angetrieben durch den Kapitalismus. Kotzt mich tierisch an. Was macht die Leute aus? Einheitsgrau, Phantasielosigkeit und all das wird verdrängt durch sich-selbst-etrränken inLuxus und Völlerei. Oder das andere Extrem, dieser Typ Dumm-Dreister Leute, die nix auf die Reihe kriegen, der Allgemeinheit auf der Tasche liegen und das auch noch toll finden und sich und ihre kleingeistige Meinung für das Größte halten- Die wenigen Menschen, die anders sind, gehen einfach unter. Und jetzt an dem langen Wochenende war ich eben unter [i]anderen[/i] Menschen. Es war angenehm, man konnte spüren, dass die Leute, so verschieden sie waren, -ich nenn es mal- harmlos und naiv waren. NAtürlich nicht in jedem Bereich, jeder hat bestimmt seine Macken, aber es ging eben nicht drum, den anderen zu übervorteilen, besser dazustehen, sich zu profilieren oder sein Leben durch banale Oberflächlichkeiten zu gestalten. Es wurd einfach nur zusammen Musik gemacht, man konnte miteinander reden auf ansprechendem Niveau und (ich kann das wirklich nicht so ganz in Worte fassen) ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es sich mit diesem anderen Schlag Mensch einfach besser leben lässt. Es geht gar nicht drum, dass die jetzt alle super-nett und lieb bla waren .. viele waren verbohrt und komisch, kamen vielleicht auch etwas arrogant rüber. Dennoch waren sie anders als viele der Leute, die ich eben so kenne. Kann auch sein, dass ich es jetzt so stark empfinde, weil ich das erste mal bei so einem musikalischem Workshop war; und das nächste mal wird es leichter. Aber der Schritt zurück von so was schönem wie selbstgemachter Musik in den Informatikalltag, mit dem eigtl so dumm-unwichtigem, was man da tut - ist schon groß. |
| lightandspark | Mir geht das ähnlich, mit der Gesellschaft, mit der man im Alltag zu tun hat. Insbesondere am Arbeitsplatz, wo Lästereien im großen Stil abgehalten werden und man seine Fresse am besten halten sollte, damit der Ofen der Gerüchte nicht explodiert... Dennoch versuche ich jeden in meinem direkten oder indirekten Umfeld als Individuum anzusehen, gleich ob ich mich über jemanden aufregen könnte oder mich Leute einfach nur nerven, man muss es akzeptieren, dass nicht alle gleich sind - auch wenn es manchmal weh tut. Der Alltag kann schon ziemlich herb sein: Im Supermarkt rennen dich Leute über den Haufen, ohne sich zu entschuldigen, Menschen gucken weg, wenn jemandem Schaden zugefügt wird und manchmal kann man noch so freundlich sein, trifft aber nur auf Inakzeptanz oder Ärger... Deshalb ist es um so angenehmer, unter Menschen zu sein, die gleichen Gesinnungen nachgehen. Auch wenn dort auch Menschen sind, die vielleicht dennoch anders sind, so akzeptiert man sich trotzdem gegenseitig und stößt sich nicht gegenseitig weg. Früher war ich bei den Pfadfindern. Wie schön es doch war, am Wochenende auf Fahrt zu gehen, im Zelt zu schlafen, selber Feuer zu machen, keine Dusche und so, sich einfach mit der Natur auseinanderzusetzen und viel Spaß zu haben! Wenn man Heim kam, war das erniedrigend. Die tolle Gemeinschaft hatte einem total gefehlt und man tickte wieder im Sumpf der Technik, Termine und dem unausstehlichen Leistungsdruck. Hierzulande rennen die Menschen nur noch, wir sind einem enormen Stress ausgesetzt, weil alles überall funktionieren muss. Ich liebe meine Stadt und fühl hier meine Heimat. Dennoch, wie schön es ist, über die freien Tage zu "flüchten", wo anders zu sein und vor allem diese Ruhe im Körper zu spüren. |
| SchlafenderMond | Kenne diesen Sturz zurück in die Nüchternheit auch. Ich hatte einst einen ähnlich, dem Alltag völlig entrückten Wochenendaufenthalt auf einer Burg. Als ich der Zivilisation wieder gegenüberstand, fuhr in mir plötzlich das Gefühl und der Gedanke hoch, wie bedrohlich dies alles sei, diese Alltagsgegenwart und der Technologielärm, eine Art künstlich surrende, unruhige Atmosphäre, die bei der Rückkehr in die Stadt, die eigentlich entspannende Abendluft verzerrte. Ich konnte, wie more, diese Empfindung nicht weiter differenzieren, ich empfand einfach nur ein Bedrohtsein, Bedrohung eines natürlichen Wohlgefühls, das ich selten so ausgefüllt in mir wahrnahm. |
| Israfel | [QUOTE][i]Original geschrieben von vengeance [/i] [...] Oder: Würde ich glücklich werden, wenn ich dort z.b. arbeiten würde und nicht hier -würde mir wieder etwas anderes fehlen? War es die Musik oder die Gemeinschaft, die fehlt? [/QUOTE] Ich denke das sind dinge, die man herausfinden muss. hast du die möglichkeit dazu einfach mal zu bleiben? falls ja, tu es doch mal eine zeitlang. ich denke einfach mal das zusammenspiel von musik und archetypen, die von einem derartigen angebot angesprochen werden. womöglich solltest du auch einfach versuchen, deinen freundes- /bekanntenkreis etwas zu erweitern. da du inforamtik als vergleich angebracht hast, würde ich zudem sagen, das es doch ein wirklich sehr erheblicher unterschied ist, zu menschen mit denen du wohl sonst so zu tun hast. dürfte auch ein faktor sein. [QUOTE][i]Original geschrieben von vengeance [/i] Klar - es ist ja bekannt, dass man so etwas danach vermisst, aber es war hier irgendwie anders. Gings anderen auch schon so.. vielleicht auch in Verbindung mit Musik? vengeance [/QUOTE] nicht mit musik, eher so ganz generell. ich habe (beruflich betrachtet) mit sehr vielen menschen (eigentlich fast nur) zu tun, die ich ganz persönlich gesehen am liebsten an die wand nageln würde...(sagen wir mal das ist eine metapher!) daher kenne ich da auch einen extremen kontrast... denn um das zu erreichen, was ich mir als ziel gesetzt habe, musste (und muss) ich dafür (was immerwieder anstrengend ist) ein paar verdammt gute masken perfektionieren, die ich eben dann anziehe. auf der anderen seite suche ich mir eben gerade im freundes- und bekanntenkreis "mir entsprechende" menschen, die zwar ebenfalls alle ihre (doch recht extremen) macken haben, aber für mich alle liebenswert sind, was eben so meine persönlichen richtlinien angeht. ich denke das ist da der beste ausgleich. zu einem generellen extremen empfinden vom kontrast "schöne welt/ graue welt" kann ich allerdings auch viel nachfühlen. leider bezieht sich dann die "schöne welt" bei mir seit jeher auf welten, die man (je nach standpunkt) als irreal bezeichnen könnte. womöglich bin ich in der falschen zeit gelandet, oder auf dem falschen planeten. ich empfinde, sogar wenn ich die zeit mit meinen "lieblingsmenschen" verbringen kann einen generellen schmerz über diese in meinen augen graue, sterbende welt. wenn ich religiöse reisen mache (zu großen ritualen einer "meiner" gruppen, in die natur südenglands, zu den shinto-schreinen in japan, und anderen mir heiligen orten) dann wäre das wohl am ehesten mit dem zu vergleichen, was andere bezüglich des WGT oder du bezüglich dieser folkwerkstatt beschrieben hast. ich allerdings sehe es auch so, dass ich definitiv nicht dauerhaft dieses andere für mich eher zu meiner "schönen welt" gehörende leben leben könnte. ich denke der kontrast ist ein wichtiges element, des erlebens von stark empfundener schönheit eines ortes/momentes/einer begegnung. für den (zeitlich gesehen) großteil meines lebens bin ich mit "kleinen fluchten" in diese (meine) schöne welt zufrieden. so das ich die "größeren" dann auch stets als göttergeschenk erachte. (größer wäre dann 2-4 wochen). hmmm ja soviel meine meinung dazu... ...ich glaube die thematik hat viel damit zu tun, herauszufinden was einen (ganz persönlich) glücklich macht/ ausmacht. hätte ich diesen teils extremen kontrast nicht, wäre ich a) nicht der der ich bin b) nicht so glücklich zeit mit "meinesgleichen" zu verbringen c) nicht in der lage die momente in der "schönen" welt als derart extrem positiv zu erleben... denke ich zumindest. aber es gibt auch menschen die (zumindest behaupten, dass sie) dauerhaft einen modus vivendi gefunden haben, der ihre welt schön macht. allerdings habe ich dann wiederum an solchen keinen gefallen... hmm, ja so irgendwie würde ich meine gedanken in der hinsicht zusammenfassen. grüsse |
| ÂmeNoir | vengeance ... kann Dein Erlebtes gut nachvollziehen. Geht mir ähnlich, hatte schon immer Schwierigkeiten, nach schönen Erlebnissen in den sogenannten Spießeralltag zurückzufinden und war bzw. bin immernoch auf der Suche nach Möglichkeiten, anders leben zu können. Der extreme Kontrast schafft mich, bringt mich oftmals völlig aus dem inneren Gleichgewicht und es dauert meist lange Zeit, bis ich mich einigermaßen aklimatisiert habe. Es gibt zu viele schöne und interessante Sachen abseits des Herkömmlichen, was absolut wert ist, entdeckt und gelebt zu werden, Sachen, die unheimlich erfüllend sind, die zufrieden/ glücklich machen, echte Erlebnisse. Es ist einfach herrlich, in andere Welten abzutauchen. Phantasie und Kreativität spielen dabei m. E. eine große Rolle, beides hat im Alltag oft leider nur sehr bedingt Platz. Alltag bedeutet für mich nach Schema F leben zu sollen, zugepflastert mit Normen und Erwartungen, doch das entspricht nicht meinem Wesen. Es ist ein sich verbiegen sollen und das widerstrebt mir zutiefst. |
| Kampfsau | Natürlich kenne ich das Gefühl, vor allem aus meiner Kindheit. Mittlerweile erlebe ich oft das Gegenteil,dass der Alltag so vollgestopft ist,dass die Zeit wie im Wind vergeht und kaum Raum hat, darüber nachzudenken,was einen so wehmütig macht. Gerade wenn man dann Muße hat oder eigentlich Momente durchlebt, die man geniesen sollte, schafft man es nicht , nicht an bestimmte Dinge zu denken. Damit meine ich z.B. dass gerade durch das Schöne auch automatisch das Gegenteil ins Bewusstsein rückt. Bei uns ist das aber oftmals auch recht harmlos. Nehmen wir mal einige der kranken afghanischen Kinder, die hier behandelt wurden und mitunter monatelang hier in Deutschland mit Gastfamilien lebten. Die wissen im Gegensatz zu uns, was Armut und der Kampf ums Überleben wirklich bedeuten kann. Dann sitzt man auf einmal in klimatisierten, großen Räumen. Man hat fließendes Wasser, dass auch immer warm ist, wenn man das will. Man kann Bäder nehmen, mit Spielsachen spielen, kriegt immer genug zu essen, soviel bis man wirklich satt ist, nächtigt in einem großen, weichen Bett. Man hat in der Regel fürsorgliche Gastfamilien, die sich um einen kümmern. Es gibt keine Warlords die das Land regieren, keine Anschläge und Gefechte. Das ist ein gewaltiger Aufstieg aus einem von jahrzehnte langen Konflikten gebeutelten dritte Weltland wie Afghanistan. Es gibt mitunter erhebliche Probleme, wenn diese Kinder dann nach Monaten in ihre alten Verhältnisse zurückkehren. Aber mit solchen existenziellen Problemen setzen sich in unserer verwöhnten Wohlstandsgesellschaft die wenigstens auseinander. Also ich bin eigentlich recht zufrieden und dankbar,dass es mir so gut geht. Und ich finde auch Langeweile nicht schlecht. Langeweile kann eine sehr inspirierende , antreibende Schöpfungskraft sein. Die verrücktesten Ideen können aus ihr geboren werden. |