| ArrogantNick | Olà Gemeinde! :) Vor einigen Tagen stolperte ich in einem Onlineshop über eine 'Zitronenpresse Angie', also ein Küchenutensil das mittig eine gruselige Kanzlerinnenkarikatur zierte, um auf deren Rübe die Zitronen aus zu pressen. Erst musste ich grinsen über diesen Unfug, aber dann kam mir der Gedanke, wie es sich wohl für jemanden anfühlen mag, der sich auf einmal in dieser Weise vermarktet sieht? Wie mag es wohl sein, zwar viel Geld zu verdienen und den Erfolg zu haben, andererseits aber permanent im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen, kaum einen Schritt machen oder eine Aussage tätigen zu können, ohne alles haarklein in den Medien seziert zu sehen? Je mehr ich mir das vorstellte, um so gruseliger erschien mir diese Vorstellung. Ich glaube, mir wäre der Preis des Ruhms zu hoch. [b]++++ACHTUNG: Die Frage ist NICHT, OB Prominente es verdient haben gebasht oder verspottet zu werden. Wer das besprechen möchte, eröffne bitte ein eigenes Thema - danke. ++++[/b] Hier soll es darum gehen, inwiefern ein Leben im Blick der Öffentlichkeit womöglich anstrengend und/oder sogar für das Individuum destruktiv sein könnte; oder eben auch das Gegenteil. Ich würde hier gerne dieses Thema intensiver beleuchten und lesen, was diese Vorstellung, also (bekannter Spitzen-)Politiker oder generell ein Prominenter zu sein, bei Euch auslöst. Bekommt Ihr ein leises Frösteln, so wie ich, oder begeistert Euch die Vorstellung und fühlt sich gut an? Und falls ja - warum? Ist Euch auch schon mal etwas ähnliches durch den Kopf gegangen und seid Ihr auch schon einmal über etwas in der Art wie die Kanzlerinnen-Zitronenpresse gestolpert? Das erst einmal als ersten Ansatz, ich hoffe, daraus ergeben sich dann im Gespräch weitere Ansätze. Have fun! :-) .... |
| Creobotra | kann ich mir kaum vorstellen, derart "öffentlich" zu leben, also auch kaum positiv. da wäre mir eine "sparten"-prominenz lieber, in einem relativ kleinen interessensbereich, als breit-gestreut und in der yellow-press. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von ArrogantNick [/i] Ich würde hier gerne dieses Thema intensiver beleuchten und lesen, was diese Vorstellung, also (bekannter Spitzen-)Politiker oder generell ein Prominenter zu sein, bei Euch auslöst.[/QUOTE]Ich finde, das ist eine zwiespältige Sache. Zum einen möchte ich gern beachtet, vielleicht bewundert, und vor allem geliebt werden. Zum anderen fröstelt die Vorstellung, dass Beachtung, Bewunderung und Liebe nicht kritisch-aufrichtig, sondern [URL="http://moodpoint.com/lyrics/inchtabokatables/rightful_king.html"]nur vorgetäuscht[/URL] sind. [QUOTE]seid Ihr auch schon einmal über etwas in der Art wie die Kanzlerinnen-Zitronenpresse gestolpert?[/QUOTE]Mir fallen da noch die Gorbatschow-Matrjoschka und "Wodka Gorbatschow" ein. [QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i] Also 1. ich würde NIEMALS Politiker sein wollen und 2. Politik geht -alle- Menschen an und deswegen ist sie 3. nicht frei von Kritik … und die Position des Politikers MUSS Kritik aushalten … falls nicht ist das Repression der persönlichen politischen Meinungsbildung[/QUOTE]Die Frage ist, in welchem Rahmen sie Kritik aushalten muss. Konstruktive Kritik erfordert Kompetenz der Kritisierten und der Kritisierenden. In Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur mag Kompetenz vorhanden sein. Aber in der Politik? "Politik geht -alle- Menschen an" - das ist auch meine Ansicht, und darum ist der "Beruf" des Politikers in meinen Augen überflüssig. [QUOTE]weil mich ein Mensch nicht auf die Weise seines Bekanntheitsgrades interessiert, sondern nur das Interesse seiner persönlichen Ansichten/Arbeiten etc.[/QUOTE]Aber sein Bekanntheitsgrad steigt in dem Maße, je mehr Menschen Interesse an seinen persönlichen Ansichten/Arbeiten haben. Und das hängt unter anderem davon ab, ob sie überhaupt Zugang zu seinen Ansichten/Arbeiten haben. Darum ist es fraglich, inwieweit Prominente über ihre Prominenz und Vermarktung wirklich selbst entscheiden (können). Siehe "Zitronenpresse Angie". [QUOTE]Solange -die Person- eine Rolle spielt … wird die Idee, die Arbeit, der Inhalt, das Wesentliche … zur Nebensache …[/QUOTE]Andererseits hat aber die ganz persönliche Herangehensweise einen sehr großen Einfluss darauf, ob und wie Ideen, Arbeiten, Inhalte, Wesentliches entstehen. [QUOTE]Der -Personenkult- ist kritisch zu bewerten.[/QUOTE]Bewertungen führen oft erst zu Personenkult und anderem [URL="http://de.wikipedia.org/wiki/Marke_(Marketing)"]Marketing[/URL]. Will man seine Kompetenz erhalten und ausbauen, kommt man nicht daran vorbei, [URL="http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&postid=1512222#post1512222"]Alles immer wieder zu prüfen[/URL] ... |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von shadowflower [/i] Und anders herum … das Interesse steigt mit dem Bekanntheitsgrad … siehe viele Künstler z.B. deren Kunst/Veröffentlichung/etc. erst durch ihren -Bekanntheitsgrad- anerkannt wurde … aber ihre IDEE … ihre Aussage ist doch relevant ... Aber die Leute schätzen die Person selbst höher als die Inhalte dessen was er veröffentlicht. Sie "kennen" die Person ... aber weniger die "Inhalte".[/QUOTE]Da bin ich ganz deiner Meinung. Aber ist es seitens des Künstlers verwerflich, die Personen-Fixiertheit der Leute zu nutzen, um seinen Werken mehr Akzeptanz zu verschaffen? Und manchmal ist es ja auch andersrum. Da wissen die Leute die Werke durchaus zu schätzen und vergessen dabei, dass deren Urheber auch von irgendetwas leben muss. [QUOTE]Wieso ist das so schlimm wenn Frau Merkel als Zitronenpresse vermarktet wird ?[/QUOTE]Ob es für sie schlimm ist, weiß ich nicht. Die Frage war, welchen Einfluss (und eventuellen Nutzen oder Schaden) sie selbst bezüglich dieser Art der Vermarktung hat. Etwas Humor kann dabei nicht schaden, denke ich. Dabei fallen mir die DEAD-Comics im Zillo ein. Die werden vom Verlag scheinbar nur als kleine Nebensächlichkeit angesehen. Dabei sind sie für mich - trotz oder gerade weil sie vor Klischees strotzen - das einzige wirklich Kunstvolle an den Zillo-Heften (im Gegensatz zu den beiliegenden CDs, die die Hefte nur unnötig verteuern). [QUOTE]Die -persönliche Herangehensweise- ist wieder was anderes, wie sich als -Person- in den Verdergrund zu stellen.[/QUOTE]Ich denke dass beides in Wechselwirkung steht. Und dann ist noch der Anteil der Plattenfirmen/Verlage/Konzertagenturen usw. an diesem Prozess zu beachten. Deren (Anti-)"Werbung" ist oft so dümmlich und penetrant, dass mir die "beworbenen" Künstler richtig leid tun. [QUOTE]Den "klassischen Wissenschaftlern" zu Beispiel ging es auch nicht um -ihre Person-, sondern um die Sache. ... Heute geht es in der Wissenschaft -um Namen- ...[/QUOTE]Ich bezweifle, dass die Situation damals so viel anders war. Die Namen der "klassischen Wissenschaftler" wären uns heute sicher nicht bekannt, wenn sie seinerzeit keine Rolle gespielt hätten. Mit anderen Worten: "Klappern gehört zum Handwerk". Zurück zum Anfangspost: Prominent zu sein könnte ich mir schon vorstellen, aber nicht als Politiker. |
| ArrogantNick | Moin! Hm.... ganz gleich ob man den Beruf des Politikers jetzt als sinnvoll empfindet oder nicht, ich habe ihn einfach mal zum Anlass genommen, schlicht weil mir der Gedanke in diesem Kontext kam, wie ich selbst mich denn an Angies Stelle fühlen würde. Dabei geht es nicht nur um die Zitronenpresse, sondern auch um die unsäglichen Fotos die überall herumgeistern. Mag sein, das liegt an meinem Tussi-Gen, aber mich würde es wirklich belasten, wenn ich mich selbst so auf Fotos sehen müsste. Damit meine ich sowas hier zum Beispiel: [URL=http://rocknord.net/nachrichten/wp-content/uploads/2009/11/AngelaMerkel.jpg]Klick[/URL] - woraus dann das hier wird: [URL=http://www.warping.org/karikaturen/angela-merkel.jpg]Klack![/URL] .... und das ist noch relativ harmlos. Ich frage mich, ob ich einfach zu wenig Selbstbewusstsein haben könnte, dass mich die Vorstellung, dass ich so überall 'zu bewundern' wäre, wirklich das Fürchten lehrt? .... |
| GISMO | Mich würde interessieren, weswegen sich AN für dieses Thema interessiert. |
| Kinch | [QUOTE][i]Original geschrieben von ArrogantNick [/i] [B]Vor einigen Tagen stolperte ich in einem Onlineshop über eine 'Zitronenpresse Angie', also ein Küchenutensil das mittig eine gruselige Kanzlerinnenkarikatur zierte, um auf deren Rübe die Zitronen aus zu pressen.[/B][/QUOTE] Uh, erinnert mich spontan an das hier: [url]http://www.bakelblog.com/.a/6a00d8341d299553ef010536dfeb8f970b-320wi[/url] (Falls man es nicht erkennen kann: Das ist ein Dildo in Form von Barack Obama) [QUOTE][I]Original geschrieben von ArrogantNick[/I] Ich würde hier gerne dieses Thema intensiver beleuchten und lesen, was diese Vorstellung, also (bekannter Spitzen-)Politiker oder generell ein Prominenter zu sein, bei Euch auslöst.[/QUOTE] Ich persönlich wäre dem völlig abgeneigt. Es gibt mehrere Aspekte dabei die mich stören, bzw. abstoßen. Zum einen, ist es für mich generell unangenehm, wenn mir kaum- oder unbekannte Menschen etwas über mich wissen. Das ist noch nichtmal im Sinne von Paranoia zu verstehen, ich finde es einfach durchweg unangenehm, wenn jemand etwas über mich weiß. Dazu kommt, dass ich es wirklich abgrundtief hasse, mich vor anderen zu rechtfertigen. Selbst, wenn ich mich nicht rechtfertigen muss; allein mich Unterstellungen oder Fragen von Anderen auszusetzen ist etwas, was ich zum kotzen finde und Aggressionen und Hass in mir weckt (wenn es mit gewisse Penetranz gemacht wird). Der Zweite Punkt ist, dass ich die Fixiertheit der Öffentlichkeit auf das Privat- und Intimleben von Menschen in großen Teile verachte. Ich verachte es nicht immer, wenn man sich auch für persönliche Aspekte eines Prominenten Menschen interessiert, aber wenn das Ganze in Skopophilie ausartet, — meistens noch gepaart mit Verachtung für das Objekt des eigenen Voyeurismus — bedient von einer Industrie die die Persönlichkeitsrechten von Menschen ausschlachtet, dann stößt mich das so sehr ab, dass ich darin einfach nicht involviert sein möchte. Ich finde das unethisch und auch einfach so beschissen. Ich denke, die meisten Menschen möchten nicht im Rampenlicht stehen. Viele Menschen suchen aber die Öffentlichkeit, entweder um ihrer selbst willen, oder weil sie sich davon einen Vorteil erhoffen. Merkel zum Beispiel, sollte ja als Politikern die Öffentlichkeit suchen. Sie wird wissen, dass jede Aufmerksamkeit nicht nur eine positive ist, aber auch, dass sie ohne öffentliche Aufmerksamkeit ihre Karriere nicht vorantreiben kann. Es ist sozuagen ein notwendiges Übel, dass die meisten Politiker bereit sind einzugehen. In dem Sinne, hält mein Mitleid mit ihnen in engen Grenzen. Aber leider schafft es die Medienlandschaft selten, eine gesunde Grenze einzuhalten. Ich erinnere nur mal an den aktuellen Fall Kachelmann. Die Berichterstattung zum Fall Tauss war auch jenseits von gut und böse und ein bis dato ganz symphatischer Blog (Ruhrbarone) boykottiere ich seitdem. Obwohl ich ein sehr großer Verfechter von Meinungsfreiheit würde ich mir einen größeren Respekt der Medien vor Menschen wünschen. |
| fxsend | [QUOTE][i]Original geschrieben von Kinch [/i] [B] Der Zweite Punkt ist, dass ich die Fixiertheit der Öffentlichkeit auf das Privat- und Intimleben von Menschen in großen Teile verachte. Ich verachte es nicht immer, wenn man sich auch für persönliche Aspekte eines Prominenten Menschen interessiert, aber wenn das Ganze in Skopophilie ausartet, — meistens noch gepaart mit Verachtung für das Objekt des eigenen Voyeurismus — bedient von einer Industrie die die Persönlichkeitsrechten von Menschen ausschlachtet, dann stößt mich das so sehr ab, dass ich darin einfach nicht involviert sein möchte. Ich finde das unethisch und auch einfach so beschissen. [/B][/QUOTE] Kinch stellt hier einen wichtigen Punkt heraus: Prominenz funktioniert nicht ohne das Interesse der Öffentlichkeit. Es klingt banal, aber man muss es eben auch aus der Richtung sehen. Kommt das Gespräch auf Prominente, wird schnell Selbstdarstellerei, Mediengeilheit usw. unterstellt. Das mag zum Teil stimmen. Ein Teil der Prominenz verdient ihr Geld dadurch, dass sie prominent ist. Ein anderer Teil ist aber prominent qua Amt. Eine Bundeskanzlerin kann sich das nicht aussuchen. Man könnte sagen, na gut, wenn die arme Frau das nicht aushält, muss sie den Job nicht machen. Aber: Irgendwer muss ihn machen. Und der ist immer einem enormen Druck ausgesetzt. Ein extremes Beispiel für ein Leben im Fokus der Öffentlichkeit, ist das Leben homosexueller Fussballspieler, insbesondere von Nationalspielern. Hier muss die private Person völlig hinter der öffentlichen zurückstehen. Sie muss sich verstecken. Den Druck mag ich mir nicht vorstellen. Ich kann mir keine Persönlichkeit vorstellen, die dabei nicht in irgendeiner Form Schaden nimmt. |
| Kinch | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]Dem stimme ich zu. Es haben auch weder Frau Merkels Mundwinkel noch Herrn Kohl Bauchumfang noch Herrn Wulffs Lächeln noch Herrn zu Guttenbergs Gelverbrauch auch nur das Geringste mit einer sachlichen und intelligenten politischen Berichterstattung zu tun[…][/B][/QUOTE] Ich muss dazu ergänzen, dass ich unseren ganzen Medienapperat für vollkommen kaputt halte. Wir haben, meiner Meinung nach, keine funktionierende Demokratie mehr und die sogenannte vierte Gewalt im Staate versagt latent auf ganzer Linie. Beispiel dazu findet man eigentlich jeden Tag in ausreichender Menge, sobald man sich anschaut, was da in den Medien kommt. Die Medien können und wollen keine komplexen Sachverhalte mehr vermitteln, sondern beschränken sich fast nur noch auf Geplapper oder auf gegen Menschen gerichtete Berichterstattung. Meistens verzichten sie dabei komplett auf jede Plausabilitätsprüfung oder Recherche. Da sie sich gleichzeitig schon zwanghaft auf die Privatangelegenheit von Menschen stürzen, kommen dabei oft diffamierende Berichte zustande. Hinzukommt, dass die Medien untereinander gerne abschreiben und so eine Lüge sich oft hundertfach in den deutschen Medienlandschaften wiederfinden. Ich habe gerade mal wieder einen mir völlig unbegreiflichen Fall einer durch die Medienlandschaft gepeitschten Pressemitteilung gesehen. Angebeblich hätte eine Dozentin für Projektmanagement in Australien in einer Studie festgestellt, dass zuviel SMS Symptome wie das post-textuelle Stresssyndrom oder Tangst (Text + Angst) provozieren. Es fällt doch jedem vernunftbegabten Mensch sofort auf, dass das nur Unsinn sein kann; vor allem, wenn niemand jemals die angeblich Studie zu Gesicht bekommen hat. Aber denkt irgendjemand auch nur ein einziger Journalist hätte mal bei der Dozentin nachgefragt? Dann wäre nämlich herausgekommen, dass es weder eine Studie noch die Symptome gibt — was für eine Überraschung. Das ganze ist eine PR-Meldung eines Unternehmens, die sich zuverlässig auf die Naivität der Medien verlassen kann. Ein Fall vor ein paar Tagen, war die angebliche Popularität von Gauk im Internet. Die zwar auch von diversen Medien berichtet wurde, tatsächlich aber nur eine PR-Aktion der SPD gewesen war. |