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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: der letzte augenblick
l'ange obscur[IMG]http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/0/05/The_Falling_Man.jpg[/IMG]


was waren seine letzten gedanken … was hat er gesehen, wahrgenommen ...
geblieben ist ihm nur die entscheidung zu springen oder zu verbrennen
bis heute kennt nicht mal jemand seinen namen … wer weint um ihn … wer trauert...
Julya'The falling man'


Es gab mal eine Recherche zu diesem Bild, in der geklärt werden sollte, um wen es sich handelt. Man versuchte, aufgrund der Schuhe, der Kleidung, der Statur, des ungefähren Stockwerks, aus dem er sprang, herauszufinden, wer dieser Mann war.
Zuerst nahm man an, daß es sich um einen Südamerikaner handelt, was die Familie des Mannes zutiefst unglücklich machte, da diese beschwor, daß sich ihr gläubiger Mann und Vater niemals selbst das Leben genommen hätte.

Ich weiß nicht mehr genau, an was man das festmachte, aber später war man sich wohl ziemlich sicher, daß es sich um einen anderen Mann handeln muss. Wenn ich mich richtig erinnere, um jemanden, der zu der Zeit des Unglücks in einem Restaurant gearbeitet hat.

Der Familie des Südamerikaners wurde dadurch eine große Last genommen. Für sie wäre die Vorstellung unerträglich gewesen, daß ihr Mann und Vater so voller Panik und Hoffnungslosigkeit war, daß er keinen anderen Ausweg, als den Sprung aus dem Fenster sah.



Ich kann mir das kaum vorstellen, wie es sein muss, noch so lange im freien Fall zu sein mit dem Wissen, daß man gleich aufschlägt und tot ist...
Es müssen im Minutentakt Menschen gesprungen sein... es waren rund 200...
TöggelieJa, soweit ich weiß, sind sie sich einigermaßen sicher, wer er ist. Ich möchte mir auch ehrlich gesagt nicht einmal vorstellen, was wohl Freunde und Familie angesichts dieses Bildes empfanden.


Ich las, dass Psychologen sich den Entschluss, diesen Sprung durchzuführen, so erklärten: Man weiß, man ist der Situation ausgeliefert, also ergreift man die einzige Chance auf Kontrolle.


Ich sah ein ähnliches Bild in den Nachrichten. Sie hielten sich während des Falls an den Händen...
Elementarsatz[QUOTE][i]Original geschrieben von Julya [/i]
[B]Zuerst nahm man an, daß es sich um einen Südamerikaner handelt, was die Familie des Mannes zutiefst unglücklich machte, da diese beschwor, daß sich ihr gläubiger Mann und Vater niemals selbst das Leben genommen hätte.[/B][/QUOTE]

Die Bemerkung mag an dieser Stelle etwas off-topic sein, aber so eine Haltung finde ich zum Kotzen. Abgesehen davon, dass jeder Mensch sich selbst gehört, daher auch über sein Ende selbst entscheiden kann, ist jawohl offensichtlich, dass man nicht von einem Freitod sprechen kann, wenn sich einer aus Angst vor dem Feuertod von einem Gebäude stürzt.

Das muss ja eine tolle Familie sein, die angesichts dieses Grauens zuerst fragt, ob ihr Gatte und Vater auch kirchlich-korrekt abgekratzt ist. :rolleyes:

Aber zum Thema: Ja, die Sache war schrecklich. Man sollte darüber aber nicht vergessen, dass Menschen täglich auf ähnlich schreckliche, aber weniger medienwirksame Weise ums Leben kommen.
decay73Das Leben ist halt vergänglich.

Sichert ist, daß man stirbt, aber man kann nicht sagen wann und unter welchen Umständen man stirbt.
Das zu akzeptieren ist nicht immer leicht.

Natürlich leben wir in einer Mediengesellschaft. Da gibts dann so ein Foto und plötzlich erinnert man sich daran und denkt: "Gut, daß es mich nicht getroffen hat".

Aber hey! Sicher ist es nicht, daß wir den heutigen Abend noch erleben werden. Wenn man dies bedenkt, kann man jeden Morgen froh sein, wieder aus dem Bett aufzustehen. Ich bin ja schon froh, morgens gesund aufzustehen und daß sich nicht, wie schon passiert, die ganze Welt sich um mich dreht. Da habe ich gemerkt, wie plötzlich alles anders sein kann - man hat es halt nicht im Griff.

Ob jemand um einen trauert ist in dem Moment zweitrangig würde ich sagen. Wäre ja schön, aber ist nicht so wichtig, wie ich finde. Das ist eher eine Frage für die Hinterbliebenen.

Wenn jemand gestorben ist, ist er eh bei seinen Lieben, die vielleicht schon vor ihm gestorben sind...das beruhigt mich etwas..."Man kann nicht alleine sterben" wie Elisabeth Kübler-Ross sagt... :)
Elementarsatz[QUOTE][i]Original geschrieben von decay73 [/i]
[B]Das Leben ist halt vergänglich.

Sichert ist, daß man stirbt, aber man kann nicht sagen wann und unter welchen Umständen man stirbt. [/B][/QUOTE]

Naja, manche können das schon. Wenn man eine unheilbare Krankheit entwickelt und so mutig ist wie Gunter Sachs, dann kann man sich rechtzeitig den Schädel wegpusten oder Natriumpentobarbital trinken.

Gegen Flugzeuge, die überraschend in Türme hineinfliegen, ist natürlich niemand gefeit.

[quote]
Wenn jemand gestorben ist, ist er eh bei seinen Lieben, die vielleicht schon vor ihm gestorben sind[/quote]
Das bleibt wohl eine Fiktion.
Julya[QUOTE][i]Original geschrieben von Elementarsatz [/i]
Die Bemerkung mag an dieser Stelle etwas off-topic sein, aber so eine Haltung finde ich zum Kotzen.[...][/QUOTE]
Ja, ich dachte auch, daß das nicht wahr sein kann, daß das wirklich deren Sorge gewesen sein könnte. Den "Frei"tod als Ausweg aus dieser schrecklichen Situation, konnten sie sich wohl einfach nicht vorstellen...
Hugin & Munin[QUOTE][i]Original geschrieben von Nix [/i]
Erinnert mich an rotten.com, dieser Thread.
[/QUOTE]

Geht mir auch so. Jetzt ist das Bild nun mal draussen (das www "vergisst" ja bekanntlich nichts), aber ich denke man muss nicht alles veröffentlichen.
Klar kann es dem Betreffenden jetzt egal sein, aber ich würde auch nicht unbedingt wollen das mein Bild um die Welt geht, in einer solchen Situation.

[QUOTE]ch las, dass Psychologen sich den Entschluss, diesen Sprung durchzuführen, so erklärten: Man weiß, man ist der Situation ausgeliefert, also ergreift man die einzige Chance auf Kontrolle.[/QUOTE]

Ich halte Psychologen gerne mal für etwas weltentrückt, oder um einmal Blackadder aus Staffel 4 der Serie zu zitieren: "Have you ever lived on planet earth?" (auf die Psychologen bezogen, die so etwas äußern).

Ab einem gewissen Grad der Rauch- und Hitzebeaufschlagung geht es nicht mehr darum Kontrolle zu bewahren - es geht darum sich der Schmerzen zu entziehen, wenn man nicht das "Glück" hatte durch den Rauch bewusstlos zu werden.
Scheol[QUOTE][i]Original geschrieben von Nix [/i]
[B]Erinnert mich an rotten.com, dieser Thread.
Das Spekulieren über die letzten Gedanken dieses Menschen verhüllt nur unzureichend die Faszination an seinem Fall, oder? - Tut mir leid, aber ich empfinde das als heuchlerisch und wünschte, falls ich es wäre, dass es keine Fotos von meinen letzten Sekunden gäbe. [/B][/QUOTE]

[QUOTE][i]Original geschrieben von Elementarsatz [/i]
[B]Ja, die Sache war schrecklich. Man sollte darüber aber nicht vergessen, dass Menschen täglich auf ähnlich schreckliche, aber weniger medienwirksame Weise ums Leben kommen. [/B][/QUOTE]

!
Töggelie[QUOTE][i]Original geschrieben von Hugin & Munin [/i]
[B]Ab einem gewissen Grad der Rauch- und Hitzebeaufschlagung geht es nicht mehr darum Kontrolle zu bewahren - es geht darum sich der Schmerzen zu entziehen, wenn man nicht das "Glück" hatte durch den Rauch bewusstlos zu werden. [/B][/QUOTE]

Auch das kann sein.



Im Prinzip ist es in diesem Thread nicht anders wie sonst auch: man kann es rational oder gefühlsmäßig angehen. Beides verständlich.
Dieses Bild hätte gewiss nicht sein müssen, aber viele haben es gesehen und sensible Leute trifft es dann auch, was allerdings nicht bedeuten muss, dass sie gespannt hinschauen. Manche haben es sicher ausversehen erblickt und bereut, dass sie den Fernseher überhaupt eingeschaltet haben.
Sicher gibt es Personen, die fasziniert sind und speziell auf die Medien reagieren, aber es gibt eben auch andere, die sich in nahezu jedem Fall irgendwie betroffen zeigen. Egal, ob es eine Kuh, einen Autounfall oder sonstwas betrifft.
Deswegen denke ich, dass es nicht immer der Medienhype sein muss, der dazu führt, dass jemand einen Thread wie diesen eröffnet.
Scheol[QUOTE]Deswegen denke ich, dass es nicht immer der Medienhype sein muss, der dazu führt, dass jemand einen Thread wie diesen eröffnet.[/QUOTE]

Leider doch. Erst durch den Medienhype sind solche Bilder doch veröffentlicht worden.

Bilder von gesteinigten Frauen in Afrika, die existieren, hat noch niemand in so einem Thread veröffentlicht. Warum auch...war ja kein Event wie der 11.Sept. (Und ich bitte ausdrücklich dies zu unterlassen!)

Das ist alles Unterhaltung. Dieses Bild, die angebliche Trauer welche die Menschen angeblich empfinden, die Berichterstattung. Dass ist schon längst Marketing.

Und was Menschen dazu treibt nach 10 Jahren immer noch die selben Menschen zu betrauern, welche weder mit einem befreundet waren noch sonst wie in Kontakt standen, ist nichts weiter als:
Pflichtgefühl, Scheinheiligkeit, Imagepflege (vor sich und anderen). Klingt nach Fanclub.

Es mag ja sein, dass da tatsächlich eine Regung von Trauer in einem aufsteigt wenn man dieses Bild sieht. Auch ich empfinde etwas dabei, weswegen ich möglichst schnell runterscrolle, nur ist das jetzt 10 Jahre her. Es wird immer wieder hochgekocht und erneut getrauert und bedauert und von daher ist die Trauer nicht echt.

Was ist mit all den Menschen die heute bestialisch von der Mafia getötet wurden, bei all den Frauen die heute vergewaltigt wurden, oder den Kindern die verhungert sind. Wollen wir sie hochrechnen? Wetten wir schaffen mehr als 3000?

Diese Art der Trauer entwertet und beleidigt die Opfer. Tote wie Hinterbliebene. Dafür muss man kein Moralist sein, um davon Ausschlag zu kriegen.
TöggelieDas ist sicher alles richtig, das sehe ich nicht anders, nur wollte ich einfach nur darauf hinaus, dass es sicher auch Menschen gibt, die furchtbar sensibel sind und manchmal sehr mit anderen mitleiden - egal, um wen es sich handelt - die dann auch auf diese Thematik entsprechend reagieren, wenn sie damit konfrontiert werden.
Manche sitzen heulend vor dem Fernseher, wenn etwas Entsprechendes in den Nachrichten oder sonstwo kommt, auch wenn sie diese Menschen nicht kennen, einfach nur, weil diese Situationen existieren. Ich gehe da schon von echten Gefühlen aus.
Wahrscheinlich trifft das allerdings lediglich auf eine Minderheit zu, merke ich gerade.
Scheol@Töggelie

Das will ich ja gar nicht abstreiten, dass es Menschen mit einer exorbitanten Empathie gibt. In Hinblick auf den 11.Sept. und mit Unterstützung eines Bildes um Trauer zu evozieren sieht es allerdings anders aus.

Ich weiß nicht wie euer Leben verlaufen ist, aber habt ihr mal einen Menschen verloren der euch nahe stand? Jemand, den ihr nicht unbedingt geliebt habt (und wenn doch auch egal) und der eines Tages einfach nicht mehr da war?

Seid ehrlich; feiert ihr Jahrestag?

Wie echt kann Trauer sein?
Töggelie@Scheol:

Ich weiß. ;) Ich wollte nur nochmal kurz unterstreichen, was ich überhaupt meinte.


Nein. Ich mache eher unterm Jahr hin und mal wieder ein Drama draus.
Scheol@Replique

umpf...hart.

@Töggelie

Es ging mir nicht darum, hier einzelne zu demaskieren und vorzuführen, sondern um die Sache. Ich denke jetzt nicht schlechter
über diverse Leute hier.
Und dass Du z.B. kein Miststück ist mir klar und das sehe ich ja in anderen Threads. :)

Wer wirklich trauert macht das für sich, höchstens in den Nebelpfaden, unabhängig von einem Datum, stellt es nicht zur öffentlichen Diskussion. Alles andere ist Show, Heuchelei, höchstens Selbstmitleid.

"Was hat er wohl gedacht?"
"Ich stelle Kerzen auf, was macht ihr?"

hmpf...aber gut...das Thema erschöpft sich...
Töggelie[QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i]
[B]@Töggelie

Es ging mir nicht darum, hier einzelne zu demaskieren und vorzuführen, sondern um die Sache. [/B][/QUOTE]


Nein, davon ging ich auch nicht aus. :)

Diese Sache hat furchtbar viele Aspekte und ich versteh schon, was du meinst, es ist anscheinend überwiegend leider tatsächlich so.
Aber ich denke auch, dass man sich diesbezüglich wirklich einen abdiskutieren kann und trotzdem nicht weiterkommt.
JohnSteedEs ist belanglos wer er ist.
Wie wir alle, war er verwundbar und sterblich.

Was ihn vielleicht von manchen anderen unterscheidet ist, dass er ganz am Schluss seines Lebens dieses Leben noch einmal selbst in die Hand genommen hat und eine Entscheidung getroffen hat.
Und so etwas finde ich "mannhaft", wobei der Begriff in der Tat veraltert ist.
Dennoch!
rabensohnDieses Bild hat natürlich seine Tragik, es ist schwierig, herauszufinden oder zu Spekulieren, was dieser Mann wohl gedacht hat, als er sprang, aber seien wir uns mal ehrlich, was ist einem in so einer Situation lieber, zuerst zu springen, in einer Art Delirium zu fallen und noch die letzten Sekunden nutzen um das Leben noch einmal an sich vorüberziehen zu lassen und mit schönen Gedanken aufzuprallen, als im Feuer langsam und elendig zu verbrennen. In so einem Moment, denkt der Mensch nicht mehr viel ihn leitet nur noch die Angst, das Adrenalin und die Verzweiflung.

Dunkle Grüße
Rabensohn

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