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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: HILFE FÜR HELFER
hagzissa13Mit diesem Thema möchte ich alle die erreichen, die im privaten Umfeld, in ihrer Freizeit (z.B. Hilfsorganisationen) und/ oder beruflich andere Menschen begleiten oder betreuen.

Nachdem ich hier viel herumstöberte, habe ich festgestellt, dass sich eine Menge Menschen in diesem Forum befinden, die in irgendeiner Art und Weise für andere Menschen da sind. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass Helfer häufig auch an die eigenen Grenzen stoßen, mal mehr, mal weniger bewusst. Die Auswirkungen können sich sehr unterschiedlich äußern:
Burn out, Gefühle der Überforderung, Selbstzweifel usw. ...


An dieser Stelle möchte ich Euch nach Euren Erfahrungen in diesen Bereichen fragen.


- Wo liegen Eure Grenzen?

- Seid ihr Euch Eurer Grenzen bewusst?

- Wie geht ihr mit belastenden Situationen um (z.B. Sterbebegleitung, belastende Situationen in Rettungsdienst (HiOrgs allg.) oder Kriseninterventionsdienst, schwere Krankheiten oder z.B. psychische Probleme im eigenen Umfeld)?

- Seid ihr, falls es z.B. die berufliche Situation betrifft, in der Lage, nach dem Dienst „die Tür hinter Euch zu zu machen“?

- Wie wichtig ist Euch privater Rückhalt, bzw. ist er überhaupt vorhanden?

- Was veranlasst(e) Euch dazu, sich für solche Hobbys/Berufe zu entscheiden, bzw. im privaten Umfeld solche Aufgaben wahr zu nehmen?

- Welche Probleme seht ihr in der Aufarbeitung solch belastender Situationen?



Ich würde mich freuen, wenn ihr hier Eure Erfahrungen darstellen würdet und Fragen zu diesem Thema erörtert werden könnten.

Da ich nicht sicher bin, ob dieses Thema hierher passt (oder überhaupt ins Board passt), möchte ich die Administration bitten, es bei Bedarf zu verschieben! Danke!


Gruß
Hagzissa

- per aspera ad astra -
AlienSexFiend...hm, dann werd ich mal den Anfang machen in diesem wundervollen Thema hier, auch wenn ich noch nicht sooo die Erfahrung hab...Ausbildung kommt ja noch wie du weißt...;)
...ich beziehe mich daher nur auf meine Erfahrung von einem halbjährigen Praktikum in einer pneumologischen Klinik...

...der Großteil der Patienten auf meiner Station konnte nach gewisser Zeit wieder gesund nach Hause gehen, weil es größtenteils eben nur TBC-Patienten waren...bei den mit geschlossener TBC war man einfach nur da und hat die Medikamentengabe kontrolliert, sonst hat man kaum was mitgekriegt von denen...bei denen mit offener TBC war´s schon wesentlich schwieriger zum Teil, die Leute haben teilweise irgendwann Depressionen gekriegt wegen der Iso...aber dennoch sehr erträglich alles...

...wesentlich "schlimmer" (<-- in Anführungsstrichen, weil es nicht ganz das passende Wort ist) fand ich die Begleitung vom Chemo-Patienten...teilweise erschreckend wie sehr sich die Menschen innerhalb kurzer Zeit verändert haben teilweise...bei einem mit nem Lungenkarzinom ging es ganz besonders schnell...innerhalb kürzester Zeit war er total wirr und so...

...gerade sowas hat mich immer verdammt nachdenklich gemacht...und ich muss immer wieder an ihn denken...ich nehme mein Leben anders wahr, reflektiere viel mehr noch als vorher...also die "Tür hinter mir zumachen" kann ich auf keinen Fall, aber ich ziehe mir die positiven Schlüsse für mein eigenes Leben daraus, also ist es nichts negatives, dass es mich noch nach der Arbeit beschäftigt...

...sicher, privater Rückhalt ist schon sehr wichtig für mich dabei und den bekomme ich auch von meiner Mutter (sie weiß als Altenpflegerin wohl selbst wie wichtig das ist), vor allem nach solchen Arbeitstagen, wo man die ganze Wut von einem Patienten abbekommt, ihm gegenüber aber nicht genauso begegnen kann...bedauerlich finde ich, dass man das nicht unbedingt mit den Kollegen aufarbeiten kann bzw. darüber sprechen...viele gehen einfach in die normale Tagesordnung über...


edit:

...was die Grenzen angeht, bin ich mir nicht sicher welche genau du meinst bzw. in welche Richtung diese Frage geht...oder war es sehr allgemein gemeint...? ...ich denke dass ich meine jedoch noch längst nicht alle kennen kann nach nur einem halben Jahr Praktikum...
winter solsticeSchöne Frage!

Ich arbeite z. Z. im Kankenhaus und betreue dort die Patienten.
Ist ein ziemlich harter Job, nicht nur was die Wege, sondern auch die Patienten dort angeht. Die menschlichen Schicksale, die man dort mitbekommt können einen schon ziemlich mitnehmen, besonders, wenn man aus erster Hand vom Patienten selbst erklärt bekommt, was ihm so alles wiederfahren ist/wird.
Einer Frau ist vor 27 Jahren ihre Tochter im Auto verbrannt, sie hat es heute noch nicht überwunden. Ein sehr Alter Mann lag bis vor kurzem noch auf der Station und siechte vor sich hin, aß nichts, trank nichts, abgemagert bis auf die Knochen, überall Dekubitus (wundgelegene Stellen), verwarlost in der Wohnung aufgefunden.
Am Anfang dachte ich, man könne diese Annahme des fremden Leids etc. einfach unterbinden, quasi "nicht reinlassen", es hat allerdings schnell Klick gemacht. Es ist einfach nicht möglich.
Und je mehr man annimmt, umso weniger kann man geben.

Nach der Arbeit ist einfach eine Ruhepause nötig, anders geht's nicht. Ich muss erst mal wieder mit mir selbst ins Reine kommen, alles verarbeiten und mir ein wenig Zeit für mich nehmen. Dazu ist es manchmal nötig, wenn dalle Stricke reißen, einfach alles hinzuschmeißen, stehen und liegen zu lassen. Denn alles vor sich herzuschieben produziert nach einiger Zeit einen wahren "Vulkan", der irgendwann ausbrechen [B]muss[/B] (eine sehr unangenehme Erfahrung, sowohl für einen selbst als auch für andere).

Ein für weitere Fragen und Diskussionen offener
winter solstice.
LaChatteIch arbeite nicht direkt in einem helfenden Beruf, sondern in einer Stellenvermittlung, und bin da für alles, was mit Geld zu tun hat, zuständig. Also Löhne zahlen, Vorschüsse geben, Kranken- und Unfallabrechnungen usw. Viele unserer Kunden haben, da sie nur unregelmässig arbeiten, auch ein unregelmässiges Einkommen und daher entsprechend oft auch Geldprobleme. Und von diesen Problemen bekomme ich so einiges mit - Miete nicht bezahlt, Steuerrechnungen, Bussen, aber auch familiäre Probleme... und viele Mitarbeiter versuchen mit dann auch das Gefühl zu geben, dass ICH dafür verantwortlich sei, wenn sie aus der Wohnung fliegen oder wegen nicht bezahlten Bussen ins Gefängnis müssen...

Ich habe lernen müssen, mich davon zu distanzieren. Denn oft sind die Leute, die am meisten jammern, die gleichen, die verschlafen und darum gekündigt werden, die ihr Geld für irgendwelchen Pipifax ausgeben, anstatt etwas für die Miete etc auf die Seite zu legen...

Es ist eine Gratwanderung zwischen Mitgefühl und Kälte, die nicht immer einfach ist. Ich stehe gern zur Verfügung, um zuzuhören, und gebe auch mal einen kritischen Kommentar ab, wenn ich es für nötig halte. In seltenen Fällen habe ich auch schon etwas Geld ausgeliehen (privat) und es glücklicherweise auch immer wieder zurück bekommen. Aber sowas mache ich vielleicht einmal pro Jahr, ich bin selber schliesslich auch nicht auf Rosen gebettet. Ich habe auch das Glück, dass Leute, mit denen ich mich gar nicht verstehe, in der Regel nicht lange bleiben, eine Situation, die in einem Spital anders ist...

Grundsätzlich versuche ich die Eigenverantwortung der Leute zu fördern. Denn wenn jemand nicht mit Geld umgehen kann, nützt es in der Regel nichts, der betreffenden Person etwas zu geben - egal wie viel man gibt, es ist sowieso zehn Minuten später wieder weg.

Unterdessen bereiten mir solche Situationen ausserhalb der Arbeit keine Gedanken mehr. Ich habe gelernt, einen guten, freundlichen Umgangston zu finden, und die Probleme im Büro zu lassen. Sonst wäre es wohl nicht möglich, dass ich diese Arbeit nun schon seit drei Jahren mache, und immer noch Spass daran habe.

Mir ist klar, dass eine Arbeit in einem Spital oder in einer solchen Umgebung bestimmt sehr viel belastender ist als das, was ich mache, und ich bin froh, dass ich es nicht machen muss. Und ich bin der Meinung, dass es gerade in den medizinischen Berufen für das Personal zuwenig Möglichkeiten gibt, selbst einen Rückhalt zu finden. Ich kann diese Leute, die ihre Arbeit mit Menschlichkeit und Humor machen, nur bewundern...
hagzissa13@ AlienSexFiend

Mit Grenzen meine ich folgendes:

Häufig habe ich festgestellt, daß Helfer, egal in welcher „Passion“ (privat, beruflich, freizeittechnisch), nicht selten über ihre eigenen Grenzen hinausgehen, sich übernehmen in ihren Bemühungen, für andere da zu sein. Äußern kann sich so etwas, daß man die Probleme anderer zu den eigenen macht, daß man nicht mehr in der Lage ist, sich zu distanzieren.
Häufig führt dies zur Überreizung, die Ausgeglichenheit fehlt. Enden kann so etwas z.B. in einem Burn out.

Andere Grenzen sind zum Beispiel traumatische Erlebnisse, wie man sie z.B. in Rettungsdienst, Feuerwehr, THW etc. zu sehen bekommt (z.B. entstellte Unfallopfer), oder auch erfährt, bei der Begleitung Sterbender in ihrer letzten Phase bis zum Tod.


@ winter solstice

Einen interessanten Aspekt habe ich bei Dir gelesen: „Und je mehr man annimmt, umso weniger kann man geben“... dieser Satz regt wirklich zum Nachdenken an...

Hattest Du Deine beschriebene „Bewältigungsstrategie“ von Anfang an (gab es ein auslösendes Ereignis?), oder war das eine Entwicklung dorthin (und wie ging sie von statten?)?
Reicht Dir diese Strategie, oder wünschst Du Dir eine Änderung?


@ LaChatte

Ich denke auch, daß es in den medizinischen (oder anderweitig psychisch belastenden) Berufen mehr Raum zur „Aufarbeitung“ belastender Situationen geben sollte.
Zu Deinem Beruf muß ich sagen: Ich denke schon, daß auch er sehr wohl belastend sein kann. Vielleicht nicht auf die Weise wie in einem Krankenhaus beispielsweise, aber das was Du beschriebst, stelle ich mehr sehr wohl als nervenaufreibend vor...


Gruß
Hagzissa

- per aspera ad astra -
LaChatteEin weiteres Problem dürfte das Helfersyndrom sein.

In dem Sinn, dass der Helfende dem Patienten / Klienten die ganze Verantwortung für sein Leben abnimmt und ihm gar nicht die Möglichkeit gibt, wieder mal auf eigenen Beinen zu stehen.

Es gibt hier Sozialarbeiter, die mit Drogensüchtigen arbeiten, und denen sogar noch die Nadel setzen, wenn diese selbst zu schlecht drauf sind, es selbst tun zu können. Das ist meiner Meinung nach keine echte Hilfe und bringt niemanden weiter - höchstens das Ego des Sozialarbeiters, der sich gut und hilfsbereit fühlen kann.
hagzissa13@ LaChatte

Helfersyndrom... da könnte man jetzt Abhandlungen zu schreiben.
Das Helfersyndrom an sich beschreibt ja, u.a., ein Phänomen, daß sich Menschen derart für andere aufopfern, daß dabei ein gesundes Maß überschritten wird. Sie identifizieren sich mit den Problemen des Anderen, machen diese Probleme zu ihren eigenen und das häufig unterbewußt mit dem Ziel, Anerkennung von außen zu bekommen.

Es gibt z.B. eine Studie, die soll belegen, daß einige Menschen z.B. in den Pflegeberuf gehen, wenn sie zu Hause durch Probleme in der Familie schon früh Verantwortung übernehmen mußten in dem Sinne, daß sie z.B. quasi einen Elternteil ersetzten (für den anderen Elternteil, die Geschwister etc.), bzw. handelt es sich um Menschen, denen zu Hause die Anerkennung fehlte.

Was diese Studie angeblich auch belegt, ist die Tatsache, daß diese Menschen sich überdurchschnittlich für ihre Patienten engagieren (oder eher gesagt: "aufopfern", denn Engegement ist ja im Prinzip nichts schlechtes...) und sich überdurchschnittlich mit ihrem Beruf identifizieren (wenn diese Leute sprechen, hört man z.B. sehr häufig den Satz: " Auf MEINER Station..."). Ferner findet man in dieser Kohorte die höchste Burn out- Quote...

Ich weiß nicht, wie gut diese Studie ist, ich kann es nicht genau beurteilen, aber ich könnte mir sehr wohl vorstellen, daß da etwas dran ist und wenn es nur ein Hauch von Wahrheit ist...


Hagzissa

- per aspera ad astra -
GolwenIch selbst stieß schon zu oft an meine grenzen... es übervordert manchmal sehr, aber es macht einen glücklich wenn anderen es wieder gut geht... ich bin mir da eher gesagt egal, wie man hier schon einiges mal lesen konnte... diesen menschen die helfen wollen, hassen sich zum teil sogar so sehr, dass sie keinen anderen sinn mehr sehen ausser anderen das zu geben nachdem sie selber verlangen...

Eure Golwen
hagzissa13@ Golwen:

Welche Erfahrungen machtest Du, als Du diese Grenzen überschritten hast? Wie sah diese "Grenzüberschreitung" aus? Du sagst, daß Du schon "zu oft" an diese Grenzen gestoßen bist: Was sind die Resultate? Deine persönlichen Resümees? Deine (eventuell) gezogenen Konsequenzen daraus?

Daß sich Menschen, die anderen, ungeachtet der eigenen Grenzen (bitte korrigiere mich, wenn ich das falsch verstanden habe!) helfen, selbst hassen, ist ein ganz neuer Aspekt. Wie genau meinst Du das?


Lieben Gruß
Hagzissa

- per aspera ad astra -
der-verbannteAlso da du das Thema genau mein Thema ist möchte ich auch etwas dazu sagen.

Ich habe während meines Zivis den Rettungsdienst gewählt und auch dann als Sanitäter gearbeitet.
Na ja wie es so ist kam dann ja auch mal das dicke Ding. Motorradunfall mit Armamputationen, offenen Brüchen etc,etc,etc. und dann trotz Rettungshubschrauber usw. ist uns der Mann unter den Händen weggestorben.

Ich hab das vor einiger Zeit auch mal hier geschrieben:
Wen es interessiert mal aus der Sicht eines "Helfers" dies zu lesen; hier:
[url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=11653[/url]

Ich habe mir dann nach mehreren PN einiger netter Leute hier mir dann doch mal den ganzen Mist von der Seele geredet (Psychodoc) und mir geht es jetzt besser.


Mfg
Frank
Golwen@Hagzissa

Bei mir kamm es das ich total übervordert war, nur anderen zu helfen, ich hörte mir von allen die probleme an und habe jedem mut gemacht, was auch meist etwas brachte, ich habe dadurch schon drei menschen das leben retten können,... das ist auch gut so, doch habe ich gemerkt dass es mir danach immer schlechter ging, ich wurde selbst zu einem opfer des selbstzweifels, dass ich immer noch bin. Ich war schon einmal leider kurz davor mir das leben zu nehmen.... es reichte einfach, der bogen war überspannt meine seele brauchte eine pause,... doch jetzt wo ich so bekannt war, für alle zuzuhören und ihnen guten rat zu geben, dass ich auch gerne tue, bin ich in ein tiefes loch gefallen... ich helfe heute immernoch gerne, doch hallte ich es jetzt in ma´ßen, wenn jemand meine hilfe braucht, bin ich da! Ich werde auch einem menschen denn ich wirklich mag, niemals im stich lassen, dass auch ziemlich oft bei mir ausgenutzt wurde...

Das mit dem sich selbst hassen ist so eine sache... wenn man schon vorher ein eingeschränktes selbstbewusstsein hatte, und nie das bekommen hat, was ich eingentlich bekommen sollte, weil ich wirklich ALLES für meine "freunde" getan habe... will man das es anderen auf keinen fall so ergeht... zumindest dennen die man wirklich mag, oder ins herz geschlossen hat... irgendwann kann man kaum noch an sich denken, und vergisst seine eigenen probleme... ich will nur anderen helfen, für sie da sein... für immer, ich würde sie niemals im stich lassen... (entschuldige ich wiederhole mich) es ist schwer zu erklären... ich will anderen zeigen dass es weiter geht, auch wenn ich mich dafür opfere, meine gedanken, gefühle und meine seele, ich würde sterben um anderen zu helfen, denn ich will nicht das anderen das selbe passiert wie es mir passiert ist, nämlich nur enttäuscht zu werden........

Deine/Eure Golwen
LaChatte@Golwen

ich denke, es wäre sinnvoll, wenn du auch für dich selber Hilfe in Anspruch nehmen würdest, seien es nun Freunde oder auch ein Psychologe. Denn dein Leben ist nicht vorbei, es besteht immer die Chance, dass sich von nun an alles zum Besseren wendet, wenn du daran arbeitest und dir erlaubst, einmal dir helfen zu lassen.

Ich sage nicht, dass du anderen nicht helfen solltest, ich finde das im Gegenteil einen sehr schönen und menschlichen Zug. Aber wenn du auch mehr in deine Kraft kommst, wirst du dabei dir selber und auch denen, die deine Hilfe benötigen, einen grossen Gefallen tun. Aus deinem Text hervor vermute ich auch, dass du irgendwie versuchst, dein Leben nicht selbst, sondern durch andere zu leben. Dabei bist du genauso liebenswert und hast genauso Anspruch auf ein schönes Leben, wie alle anderen auch...
AsheCorvenNun, ich arbeite seit ca 6 Jahren an einer Rennstrecke ganz vorne bei der Streckensicherung.
Meine Modivation das zu machen ist eigentlich eine ganz andere gewesen den ein guter freund ist das Abschnittsleiter und ihm fehlten leute.

Im ersten jahr war es schon seltsam wenn ich mich aus anderen abschnitten mit kollegen unterhalten habe hatte es mir fast den magen umgedreht nicht weil es eklig war sondern mit welcher kühlheit darüber gesprochen wurde.
Nun nach 6 Jahren sehe ich es auch etwas anders.
Hört sich blöde an aber man gewöhnt sich an die ganze Situation man ist um einiges gelassener. Wenn da auf der Strecke was passiert dann macht man seinen Job und man verlässt sich aufeinander. Wir haben das alles sehr oft trainiert und sind sehr gut ausgebildet aber ich glaube der grösste halt ist, das man im Kopf hat, das die fahrer wissen was sie tun und das sie wissen das ein fehler tötlich sein kann. Dennoch denke ich manchmal an den Ersten unfall an der Strecke als ein Motorradfahrer gestürzt ist. War schon komisches gefühl auf der einen seite musste man den bereich absichern auf der anderen die Maschine von der Strecke holen und gleichzeitig den Fahrer versorgen und das wenn man nur zu zweit ist. Die kleinveranstaltungen sind um einiges kritischer als z.B. Formel 1 ...

Heute macht es mir nichtsmehr wenn die wagen mit 290 einen halben meter an mir vorbeifahren man gewöhnt sich daran nur das arbeiten des gehirns in der schocksituation wird auf ein danach verlegt so denkt man viel später danach erst drüber nach.
ein anderes Problem ist im öffentlichen Strassenverkehr, da zeigt sich unfall ist nicht gleich unfall, auf der Strecke weis ich was mich erwartet aber in einem Auto auf der Strasse können unter umständen eine ganze Familie sein ... Jedoch bin ich im endeffekt dankbar so gut vorbereitet worden zu sein auch im Bereich der ersten hilfe.

Ein anderer Punkt war die ausbildung welche ich in einem Rehazentrum gemacht habe. Wenn ich mir die behinderten angeschaut habe war es vorallem zu beginn ein komisches gefühl. ich dachte immer denen was schuldig zu sein weil ich "normal" war und die nicht. Sowas hat sich aber schnell eingespielt und man hat z.B. seinem Rolli kollegen geholfen beim frühstück brötchen machen ... und nicht weiter nachgedacht um man nun einem menschen hilft oder nicht. Es war eben selbstverständlich. und das man seinen mit Nutela verschmierten Rollifahrer dann auch ordnungsgemäss reinigen muss nach dem frühstück war ja klar *g*
FeuerglutSeid gegrüsst :-)

Vor 11 Jahren habe ich angefangen,mich sozial,
im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten,für andere hilfsbedürftige
Menschen einzusetzen.
Ich "arbeite" als Sterbebegleiter und leite ein Selbsthilfegruppe
für Menschen mit psychischen Problemen.




"Wo liegen Eure Grenzen?"

Meine Grenzen liegen da,dass ich mich anfange zu "distanzieren" wenn ich merke
das mir eine Problematik zu nahe geht und kurz davor steht mich
zu belasten.
Dann weiss ich für mich das ich etwas Abstand halten muss.Zwar nicht
aus der Situation rausgehe aber anfange anders damit umzugehen.

" Seid ihr Euch Eurer Grenzen bewusst?"

Meine Grenzen sind mir sehr bewusst da ich ein gutes "Ich hör auf mich"
Gefühl habe und ich demnach vorzeitig reagieren kann bevor
eine Situation zu viel Raum in Anspruch nimmt oder mich Gedanklich
zu sehr beschäftigt.


" Wie geht ihr mit belastenden Situationen um"
(z.B. Sterbebegleitung, belastende Situationen in Rettungsdienst
(HiOrgs allg.) oder Kriseninterventionsdienst,
schwere Krankheiten oder z.B. psychische Probleme im eigenen Umfeld)?

Durch das Gefühl für mich das ich jemanden helfen konnte
oder für ihn da sein konnte,mit all dem möglichen was ich anbieten konnte,
hinterlässt eine Spur die nicht zulässt das ich das Gefühl des "belastenden"
hätte.Für mich war in den ganzen 11 Jahren nicht eine Situation dabei
die ich als belastend empfunden habe.
Natürlich bewegen mich die Menschen und ihre Schicksale,
vieles macht mich auch nachdenklich,empfinde auch Trauer
(zb.wenn ich jemanden lange Zeit bis hin zu seinem Tod betreut habe)
aber auch hier würde ich nicht von belastend sprechen,
eher von ganz natürlich Regungen und Empfindungen.


" Seid ihr, falls es z.B. die berufliche Situation betrifft,
in der Lage, nach dem Dienst „die Tür hinter Euch zu zu machen“?"

So blöd es sich auch anhört....
ja,nach jedem Besuch bei einem Sterbenden oder nach jedem Gruppenabend
der Selbsthilfegruppe mache ich die Tür zu.
Würde ich das nicht machen,dann würde es auf Dauer belastend werden.
Natürlich sage auch ich mal "puh" das war aber heute anstrengend
und emotional sehr aufwühlend aber ich emfinde das nicht als belastend.





" Wie wichtig ist Euch privater Rückhalt, bzw. ist er überhaupt vorhanden?"

privater Rückhalt wäre mir sehr wichtig wenn ich ihn benötigen würde.
Den Rückhalt auch hätte aber ihn bis dato noch nicht benötigte




" Was veranlasst(e) Euch dazu, sich für solche Hobbys/Berufe zu entscheiden,
bzw. im privaten Umfeld solche Aufgaben wahr zu nehmen?"

Nun...da ich schon immer sehr sozial eingestellt war und bin
sehe ich meine Beweggründe darin,den Menschen meine Unterstützung anzubieten,
die am meisten Hilfe benötigen.
Für mich sind die hilfebedürftigsten Menschen die,
die schwer krank sind und wissen das sie bald sterben müssen
und die Menschen die psychisch erkrankt sind.


Gruss Feuerglut
rabensohn[QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i]
[B]


- Wo liegen Eure Grenzen?

- Seid ihr Euch Eurer Grenzen bewusst?

- Wie geht ihr mit belastenden Situationen um (z.B. Sterbebegleitung, belastende Situationen in Rettungsdienst (HiOrgs allg.) oder Kriseninterventionsdienst, schwere Krankheiten oder z.B. psychische Probleme im eigenen Umfeld)?

- Seid ihr, falls es z.B. die berufliche Situation betrifft, in der Lage, nach dem Dienst „die Tür hinter Euch zu zu machen“?

- Wie wichtig ist Euch privater Rückhalt, bzw. ist er überhaupt vorhanden?

- Was veranlasst(e) Euch dazu, sich für solche Hobbys/Berufe zu entscheiden, bzw. im privaten Umfeld solche Aufgaben wahr zu nehmen?

- Welche Probleme seht ihr in der Aufarbeitung solch belastender Situationen?

[/B][/QUOTE]


Gut zuerst einmal muss ich ja wohl beschreiben, was ich mache, ich bin seit neun Jahren freiwilliger Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. Wenn ich auf dem Rettungswagen Dienst habe, kann ich jedem erdenklichen Notfall begegnen.

Also zuerst einmal möchte ich hier über meine Grenzen schreiben, ich kann von mir sagen, ich bin ein sehr abgehärteter Bursche in dieser Hinsicht, doch meine Grenzen bei dieser Sache liegen eindeutig bei Notfällen mit Kindern. Kinder- oder Säuglingsnotfälle sind das Schlimmste, was einem passieren kann. IN meiner Dienstzeit hatte ich schon einige Kindernotfälle aber noch nie so etwas Schlimmes wie eine Reanimation, des Kindes oder gar den Tod eines Säuglings. Da wäre ich an psychischen Grenzen angelangt, die ich nie erfahren möchte geschweige denn, diese zu überschreiten. Dieser Grenze bin ich mir sehr bewusst, denn ich weiß, wenn ich diese Grenze erreiche, benötige ich dringend Hilfe für mich selbst.
Ich für meinen Teil verarbeite die Situationen wie zB einen Todesfall oder einen schweren Unfall mit Schwerverletzten mit mir selbst, ich setze mich am Abend auf die Couch, lasse den ganzen Tag und den ganzen Dienst noch einmal Revue passieren und hake eines nach dem anderen ab. Für mich ist es auch sehr wichtig, mit den Kollegen vom RTW oder vom NEF oder dem Arzt zu sprechen und die Sachen so zu verarbeiten, indem ich den Vorfall noch einmal fachlich aufrolle. Privat spreche ich über solche Dinge nicht, einerseits, da man ja einer Schweigepflicht unterliegt und andererseits, weil das Situationen sind, mit denen ich selbst fertig werden muss und die Leute aus meinem privaten Umfeld ausser welche es selbst machen, diesen psychischen Stress nicht nachvollziehen können. Zu der Frage, was mich zu diesem Hobby veranlasst ist einfach die gute Sache die dahintersteht, man ist froh, wenn man Menschen helfen kann. Man hat den positiven Kontakt zu den Leuten und vor allem ein kleines Dankeschön, verschönert den Tag schon allgemein.

Dunkle Grüße
Rabensohn
hagzissa13Ja, das mit den Kindern kann ich gut verstehen. Da geht auch mir als Notarzt der Stift..... Das ist nichts, womit ich täglich zu tun habe und immer mit einem absoluten Gruselfaktor behaftet. Ich habe Kolleginnen, die in der Zeit, wo die eigenen Kinder klein waren, nicht NEF fahren konnten, weil sie diese Situationen noch viel mehr scheuten. Eine Kollegin erzählte mir, daß sie bei einer Säuglingsreanimation ständig die Bilder der eignen Kleinen vor Augen hatte. Sie hat sich dann erstmal für ein Jahr aus dem NEF-Dienst nehmen lassen. Da ich keine Kinder habe, geht das von der Seite her (noch), aber allein schon der Umstand "Kind" und "nicht alltäglich" reicht auch schon bei mir, um mir die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben.... Da fand ich Marburg 1000x besser, die haben ein Kinder-NEF und sobald es hieß "Kind", egal welchen Alters, wurden die geschickt. Sowas wünschte ich mir hier für mich auch.

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