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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Teufelskreis
ÂmeNoirErwin: Hanna, Du interessierst dich nicht genügend für X, um X zu verstehen.
Hanna: Doch, ich habe mich schon genügend für X interessiert und verstehe es. X ist nämlich Unsinn.
Erwin: Nur weil Du es nicht verstehst, erscheint es dir als Unsinn. Was du für Unsinn hältst, ist lediglich ein falsches Bild von X. Würdest du dich mehr für X interessieren, würdest du das einsehen.
Hanna: Das glaube ich nicht. X ist offensichtlich Unsinn und warum sollte ich mich mehr für Unsinn interessieren?! Nein, ich lehne X ab und damit ist das Thema erledigt. Y ist viel interessanter und nützlicher als X! Sieh dir Y an!
Erwin: Gut. Y ist interessant.
Hanna: Sieh dir weiter Y an!
Erwin: Gut. Y ist weiter interessant.
Hanna: Sieh dir weiter Y an!
Erwin: Meinst du nicht, dass wir uns auch mal etwas anderes als Y ansehen könnten?
Etwa X?
Hanna: Nein, Y ist allein interessant und nützlich!
Erwin: Keine Alternativen? Und ich dachte, du bist an einem Austausch interessiert?
Hanna: Es gibt keine Alternativen zu Y! Das ist doch offensichtlich! X verspricht keinen Nutzen!
Erwin: Hmm.

So kann das über Jahre und Jahrzehnte gehen. Hanna glaubt Erwin nicht und lehnt (Erwins) X aufgrund ihres Bildes von X ab. Welche Möglichkeiten seht Ihr, dieses Missverständnis zwischen den beiden zu überwinden? Hat Erwin eine Chance, Hanna X (ohne Zwang) nahezubringen?
TheTurningPointVermutlich ist der Name/das Erscheinungsbild von X in den Augen von Hanna und ihren Verwandten und Bekannten stark diskreditiert.

Eine Möglichkeit für Erwin wäre vielleicht, X als eine besondere Variante oder einen besonderen Teil von Y erscheinen zu lassen. Und natürlich müssen alle Informationen über diese Besonderheit von Y einen Batzen Geld kosten. Bei Interesse von Hanna kann Erwin ja dann über Rabatte und Sonderkonditionen verhandeln.
ElementarsatzVielleicht sollten Hanna und Erwin sich einfach aus dem Weg gehen.
KampfsauKlingt irgendwie ziemlich konstruiert und zielgerichtet, der Eingangspost.

Ich meine bereits im Eingangspost wird das Problem ja ziemlich klar als von Hanna ausgehend gesehen.

Sie wird als engstirniger Dickkopf, wenn nicht sogar etwas fanatisch dargestellt.
Nun, selbst wenn sie dieser fanatische, uneinsichtige Dickkopf ist, der nicht mit sich reden lässt. Warum lässt man ihr dieses Recht einfach nicht?

Warum Jahre oder Jahrzehnte darauf verschwenden, ihr die eigene, weit überlegene Ansicht über Y näherzubringen?

Erwin ist der festen Überzeugung, man muss Y mögen, wenn man es kennt und vernünftig ist. Er kann sich nicht vorstellen , dass man Y ablehnen kann, auch oder sogar weil man es kennt. Und dieses Beharren darauf im Recht zu sein und dass jemand anders es irgendwann genauso wie man selber sehen sollte. Nun,ist das nicht auch ziemlich fanatisch?

Und mal was anderes, kann es nicht sein, dass X wirklich Unsinn ist? Und dass Hanna das im Gegensatz zu Erwin auch erkennen kann?

Warum immer alles zu einem Kampf auf Leben und Tod machen? Man kann Leute nicht immer zu ihrem Glück zwingen und manchmal wird die Verweigerung umso heftiger, je sehr man sie zu etwas drängen will.
ScheolHanna und Erwin sollten heiraten. Nichts beendet Gespräche schneller als ein Trauschein. Dann ist Ruhe.
Elementarsatz[QUOTE][i]Original geschrieben von Scheol [/i]
[B]Hanna und Erwin sollten heiraten. Nichts beendet Gespräche schneller als ein Trauschein. Dann ist Ruhe. [/B][/QUOTE]
Den angenehmen Zustand, mit einer Person nicht reden zu müssen, kann man aber günstiger haben.
Scheol[QUOTE]Den angenehmen Zustand, mit einer Person nicht reden zu müssen, kann man aber günstiger haben.[/QUOTE]

Wie wahr, wie wahr.

[IMG]http://farm1.staticflickr.com/78/168022339_80ad06b45d_z.jpg?zz=1[/IMG]
ÂmeNoir[quote][i]Original geschrieben von TheTurningPoint[/i]
Vermutlich ist der Name/das Erscheinungsbild von X in den Augen von Hanna und ihren Verwandten und Bekannten stark diskreditiert.[/quote]In Hannas Augen ist X (undiskreditiert) Unsinn, d.h. sie ist davon überzeugt, X nicht vorzuverurteilen. Sie hat sich X angesehen und erfahren, dass X Unsinn ist. (Es könnte sie allerdings wundern, dass Erwin X nicht als Unsinn ansieht. Sie könnte nachforschen, wie es zu dieser unterschiedlichen Beurteilung gekommen ist. Sie tut es jedoch nicht. Vielleicht weil sie denkt, dass der Aufwand in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen stünde. Möglicherweise denkt sie auch insgeheim: "Erwin hat noch nie den rechten Durchblick gehabt, er ist einfach ein wenig dümmer als ich." Oder Hanna kommt gar nicht zu weiteren Nachforschungen, weil sie von Y fasziniert ist und sich von Y viel verspricht. Oder steht gar Hannas Desinteresse, ihre Vorverurteilung bzw. Überheblichkeit einem konstruktiven Austausch mit Erwin entgegen?)


[quote][i]Original geschrieben von TheTurningPoint[/i]
Eine Möglichkeit für Erwin wäre vielleicht, X als eine besondere Variante oder einen besonderen Teil von Y erscheinen zu lassen. Und natürlich müssen alle Informationen über diese Besonderheit von Y einen Batzen Geld kosten. Bei Interesse von Hanna kann Erwin ja dann über Rabatte und Sonderkonditionen verhandeln.[/quote]Das mag bei vielen X funktionieren, jedenfalls solange, wie Hanna nicht denkt, manipuliert/überlistet/betrogen worden zu sein. Dann aber wird die Sache vermutlich nach hinten losgehen.

Problematisch dürfte es (Erwin) werden, wenn X (zumindest in den Augen von Hanna) die Antwort auf eine lebenswichtige Frage ist und Y (Hannas Eindruck nach) geradezu das Gegenteil des (Hannas Überzeugung nach) lebensfördernden Y zu sein scheint bzw. ist.

(Einige mögen der Meinung sein, dass wir global gerade in einer solchen Situation (s. vorhergehender Absatz) stecken. Aber vielleicht irren sie sich ja.)

Daraus ergibt sich gleich eine Antwort auf Elementarsatz' Gedanken:
[quote][i]Original geschrieben von Elementarsatz[/i]
Vielleicht sollten Hanna und Erwin sich einfach aus dem Weg gehen.[/quote]Das mag (eine zeitlang) im Kleinen funktionieren. Doch was, wenn sie sich aufgrund ihrer Erdgebundenheit nicht aus dem Weg gehen können?! (Ich nehme hier Hanna und Erwin als symbolische zwei Parteien/Seiten der Menschheit.) Ist ein "Sich-aus-dem-Weg-gehen" eine wirkliche Lösung oder nur eine Scheinlösung?
Hybrid AndanteSo einfach kann man den Dialog zwischen Hanna und Erwin auf zwei Parteien/Seiten der Menschheit nicht übertragen...
ÂmeNoir[quote][i]Original geschrieben von Nix[/i]
Es gibt keinen Ausweg. … Wir sind alle verloren.[/quote]Vielleicht auch nicht, weil die Geschichte anders weiter ging. Ich weiß nicht, wie. Aber am Ende waren sich Hanna und Erwin einig. Sei es, dass Erwin Hannas Urteil über X akzeptiert hat oder Hanna eingesehen hat, dass X doch kein Unsinn ist. Oder beide haben ein noch unbekanntes Z entdeckt, das die Diskussion über XY in den Schatten gestellt hat.

Ich würde die Geschichte zunächst auch etwa so weitererzählen wie Du. Dann aber frage ich mich, ob das nicht letztlich Selbstzerstörung/Selbstmord ist. Mir scheint dahinter die Überzeugung zu stecken: "Ich bin (ein) Nichts und ich kann nichts, denn es hat Macht über mich." Ist es nicht so, dass ich, wenn ich mich selbst aufgebe, verloren bin, aber doch nicht an sich und ohne mein Zutun, meine selbsterfüllende Prognose? Im Angesicht des Todes wird es gewiss nicht mehr so gefährlich erscheinen, es zu versuchen… Doch warum nicht schon jetzt?
ÂmeNoir[quote][i]Original geschrieben von Kampfsau[/i]
Ich meine bereits im Eingangspost wird das Problem ja ziemlich klar als von Hanna ausgehend gesehen.[/quote]Gut, gleichen wir es aus: Erwin glaubt Hanna nicht, dass X Unsinn ist, vielleicht weil er sich zu kurz/lange oder auf verkehrte Weise mit X befasst hat. Einer von beiden scheint dickköpfig zu sein – oder gar beide. (Sie mögen darin einig sein, in der gleichen Welt zu leben, beschreiben sie jedoch unterschiedlich, ja z.T. gegensätzlich, so dass ein Außenstehender sich fragen mag, wer von beiden evtl. recht hat bzw. ob es stimmen kann, dass sie in der gleichen Welt leben.) Oder haben sogar beide recht?


[quote]Warum lässt man ihr dieses Recht einfach nicht?[/quote]Man gibt es ja nicht. Erwin meint, er käme Hanna entgegen, indem er lange Zeit ihrer Bitte nachkommt, sich doch mit Y zu befassen. Er glaubt, Hanna würde nun gerechterweise auch ihm ein Stück entgegenkommen und sich noch einmal X zuwenden. Doch sie tut es nicht. So kommt es, dass er (zunächst) den Eindruck hat, sie stünde mit ihrem Verhalten einem konstruktiven Austausch im Weg. Und das macht ihn ratlos. Er weiß einfach keinen Weg, mit Hanna respektvoll umzugehen und zugleich einen konstruktiven Austausch mit ihr zu realisieren. Erwin ist dabei zu resignieren, dabei sagen viele in seiner Umgebung, Resignieren sei niemals richtig. Aber wenn er sie fragt, wie man einen respektvollen und fruchtbaren Austausch erreichen kann, bekommt er (wenn überhaupt) nur zur Antwort, er solle sich nicht so dumm anstellen.
ÂmeNoirBeide, Hanna und Erwin, sind der Meinung, mit ihrem Verhalten ein konstruktives Miteinander zu fördern. Hanna spricht weiter mit Erwin, obwohl der ein bisschen dumm ist, sonst würde er sich nicht noch immer mit X befassen. Erwin kommt Hannas Bitte nach, sich mit Y zu beschäftigen, obwohl sie so überheblich ist, seine Bitte, sich doch mal X genauer anzusehen, abzuschlagen.

Hanna denkt womöglich: "Vielleicht ist Erwin ja nun doch etwas klüger geworden, weil er sich mit Y befasst und X nicht länger erwähnt."

Erwin denkt vielleicht: "Indem ich mich, wie Hanna wünscht, mit Y beschäftige, erhöhe ich Hannas Bereitschaft, sich auch mal X zuzuwenden."

Nach ein paar Jahren startet nun Erwin einen erneuten Versuch, Hanna auf X anzusprechen und Hanna antwortet: "Erwin, lass mich mit dem unsinnigen X in Ruhe!"

Enttäuschung und Verärgerung sind auf beiden Seiten groß. Erwin ist in Hannas Augen nun endgültig ein dummer Erwin. Hanna ist in Erwins Augen nun endgültig eine überhebliche Hanna.

"Wenn Erwin sich nicht weiterbildet (und mit dem Unsinn aufhört), ist er selbst schuld, dass ich mich nicht mehr mit ihm abgebe!" denkt Hanna.

"Wenn Hanna so überheblich und ungerecht ist und meine Gutmütigkeit nur ausnutzt, muss sie mit den Konsequenzen leben, die so etwas hat." reagiert Erwin.

So vernünftig, realistisch und konstruktiv beide sein mögen – ihr Miteinander kann schließlich sehr destruktiv werden (durch Entzug von Respekt bzw. Zufügen von Leid). Spätestens dann, wenn beide durch diese Art des gemeinsamen Umgangs großen Schaden erlitten haben, könnte ihnen eins klar werden, nämlich dass sie irgendetwas verkehrt gemacht haben. Vielleicht denken sie aber auch, dass lediglich eine unglückliche Verkettung von Zufällen zur Katastrophe geführt hat. Und gegen den Zufall kann man wirklich nichts machen.

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