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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Die (Lebens)Kunst 'gut für sich zu sorgen'
ArrogantNickHallo Gemeinde,
ich möchte, auch ein wenig inspiriert durch die Frage die im Philoforum auftauchte, nämlich ob das Leben wohl besser wäre wenn man keine Gefühle hätte, an dieser Stelle nun einmal der Fragestellung nachgehen, ob es tatsächlich Zufall ist, dass es Menschen gibt, die trotz rein formal widrigster Umstände, noch immer ein gewisses Maß an Lebenfreude und Zufriedenheit ihr Eigen nennen? Man könnte es auch anders formulieren und fragen, was wohl einen grundsätzlich zufriedenen und glücklichen Menschen ausmacht?

Ich rede dabei, wie gesagt, von einer positiven Grundhaltung zu sich selbst und zum Leben an sich. Es geht ausdrücklich [u]nicht[/u] darum, keine schlechte Laune mehr haben zu dürfen oder nicht auch mal traurig oder wütend zu sein. Nein, es geht darum, all diese Gefühle in sich annehmen und gut/zufrieden damit leben zu können, dennoch grundsätzlich glücklich dabei. Ich persönlich halte einen solchen Zustand nicht für einen Zufall, sondern für das Ergebnis einer Mischung aus Erfahrungswerten, daraus erlerntem (achtsamen) Verhalten sich selbst gegenüber und der grundsätzlichen Pesönlichkeitsstruktur (Charakter).

Persönlich und aus Erfahrung glaube ich daran, dass man einen solchen Zustand forcieren kann, indem man lernt, gut für sich zu sorgen. Das bedeutet konkret, auf die eigene Gefühlslage konstruktiv zu reagieren, ganz gleich um welches Gefühl es sich dabei handelt. Zu versuchen, sich selbst der beste Freund zu sein.

Das erst einmal als grundsätzlicher Ansatzpunkt. Wie erlebt Ihr das? Was haltet Ihr für Grundvoraussetzungen für ein zufriedenes und glückliches Leben?

Grüßles
Mischa
JohnSteedSchwer zu sagen, das Leben ist halt nunmal mehrdimensional.
Ganz autistisch leben geht (für mich) nicht, aber total aufgehen in der Gemeinschaft ist für mich auch keine Option.
Es handelt sich aber um einen notwendigen Kompromiss.

Einsamkeit wurde in meinem Leben oft von Aussenstehenden sozusagen in mich hineingetragen, weil sie so lange stur behaupteten, dass man halt alleine eine arme Sau sei, bis ich es geglaubt hatte, dazu muss ich sagen, ich bin tendenziell sogar relativ gutgläubig.
Aber es nützt auch nicht viel, sich von gesellschaftlich
einstudierten Erpressungen in Geiselhaft nehmen zu lassen.

Generell erfordert das Leben im Fragengewitter, das das Alleinleben herausfordert, alternierend wohl zwei Dinge und das Problem ist, dass man quasi dabei bleiben muss, ab dem Moment wo man sich für eine Seite entscheidet.

1.Möglichst konsequent seinen Weg gehen, Kritik
auf Wahrscheinlichkeit und Glaubwürdigkeit abklopfen.
Aber nie ZU ernst nehmen.
Bösartige Kommentare ignorieren.
Zuviel Emotion abblocken, denn sie ist immer Transportmittel auch falscher Dinge...
Die Methode erfordert eine starke psychische Basis
und viel Übersicht und eine gewisse geistige Flexibilität.

2. Sein Fähnchen in den Wind hängen, nicht zu sehr an Ideen festhalten.
Zumindest zum Schein auf Ideen anderer eingehen.
Viele Unterwerfungsrituale beherrschen.
Durch kluge sozioide Verhaltensweisen vielleicht doch irgendwie eines Tages für irgend eine Gemeinschaft
"unentbehrlich" werden.
Übersetzt man Psyche auch mit Charakter ist der Aufwand hier eher gering.
Die geistige Flexibilität kann nötig sein, muss es aber nicht immer.
Regieren als Primus inter Pares ist teilweise leichter, als
der "dominante Einzelgänger" zu sein,
aber ist es "ehrenvoller"?

Genau das muss aber jeder für sich selbst herausfinden.
ArrogantNickHi John,
mal kurz nachgehakt, bevor ich mich auffassungstechnisch verzettele:

[QUOTE]Zuviel Emotion abblocken, denn sie ist immer Transportmittel auch falscher Dinge...[/QUOTE]

Könntest Du das anhand eines Beispiels konkretisieren, bitte? Ich weiß nämlich nicht wirklich etwas damit anzufangen. Wobei ich im Groben durchaus zu Deinem Punkt I. tendiere, was zwar mE nicht ganz den Kern dessen trifft worum es mir geht, aber dennoch eng damit zusammenhängen dürfte.

Wenn ich Dich im Weiteren, also recht großräumig gesehen, korrekt interpretiere, so vertrittst Du die Ansicht, dass es eine Art bewusste Entscheidung zur Abgrenzung vom Außen ist, das eine grundsätzliche Zufriedenheit und persönliches Glücksempfinden/innere Ausgeglichenheit zu erzeugen vermag.(?)

Noch kurz zu Punkt II. - Ich denke, dass eine solche Verfahrensweise ganz automatisch zum Verdrängen von Gefühlen führen muss, um sich in gewisser Hinsicht nicht als (ausgelieferter) 'Spielball der Äußerlichkeiten' bzw. als 'permanentes Opfer der Umstände' zu empfinden, zu dem man sich ja sozusagen freiwillig macht. Zumindest, wenn ich das jetzt nicht fundamental missinterpretiere.

Grüßle
Mischa
Elementarsatz[quote]Wie erlebt Ihr das? Was haltet Ihr für Grundvoraussetzungen für ein zufriedenes und glückliches Leben?[/quote]


Ich glaube, zu einem erheblichen Teil beruht Glück auf Eigenschaften, die sozusagen eine Gnade des Schicksals oder auch eine Gnade der Gene sind,
die man jedenfalls nicht willkürlich beeinflussen kann. Es gibt so etwas wie Glücks- und Begeisterungsfähigkeit, die von Mensch zu Mensch
sehr unterschiedlich verteilt ist. Und dann zählen im Leben natürlich auch Eigenschaften, die einfach sehr nützlich sind, wie zum Beispiel
Willenskraft, Lebensenergie und geistige Begabung.

Aber deine Frage zielt ja darauf, was man selbst, durch willentliche Einstellung, zu einem gelingenden Leben beitragen kann. Nun, ich glaube, dass Humor und innere Gelassenheit sehr wichtig sind. Ein guter Ratschlag für die Gestaltung des eigenen Lebens ist außerdem: Keep it simple! Ich denke, dass viele Menschen unglücklich sind, weil sie zu viel wollen und sich dabei hoffnungslos verstricken. Sie arbeiten sich kaputt, verschulden sich, gehen womöglich dem Alkohol oder anderen Drogen ins Garn, erwarten zu viel von der Liebe usw. Dagegen empfehle ich, auf ein eher einfaches, freies und heiteres Leben zu setzen. Stichwort: Ataraxie. Es ist sicher kein Zufall, dass viele "erfolgreiche" Menschen sich später nach ihrer Studienzeit zurücksehnen, als sie in der winzigen WG-Küche Spaghetti gekocht haben.
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von ArrogantNick [/i]
[B]Hi John,
mal kurz nachgehakt, bevor ich mich auffassungstechnisch verzettele:



Könntest Du das anhand eines Beispiels konkretisieren, bitte? Ich weiß nämlich nicht wirklich etwas damit anzufangen. Wobei ich im Groben durchaus zu Deinem Punkt I. tendiere, was zwar mE nicht ganz den Kern dessen trifft worum es mir geht, aber dennoch eng damit zusammenhängen dürfte.

Wenn ich Dich im Weiteren, also recht großräumig gesehen, korrekt interpretiere, so vertrittst Du die Ansicht, dass es eine Art bewusste Entscheidung zur Abgrenzung vom Außen ist, das eine grundsätzliche Zufriedenheit und persönliches Glücksempfinden/innere Ausgeglichenheit zu erzeugen vermag.(?)

...[/B][/QUOTE]


Du bist nichts, die Gemeinschaft ist alles:

Nun, sagen wir es so, die ganzen Verbrechersysteme:
Nationalsozialismus und Sozialismus haben in ihrer Agitation immer an die Gefühlswelten der Menschen appeliert.
Aber auf eben billige Weise....

Ein bisschen davon ist in unserem Alltag verblieben.
Menschen, die für sich selbst sorgen können oder noch schlimmer auch für sich selbst und mit sich selbst moralische Entscheidungen treffen können bzw. die Konsequenzen daraus aushalten können, gelten als suspekt.
Einfach weil sie sich nicht an den allgemein gültigen Kollektivprozess halten.
Insofern ist sich-selbst-separieren ganz arg böse!
Somit sollte man sich also an Rituale halten, die quasi sinnentleert sind, aber dennoch als Massstab gelten, auch wenn jeder einzelne weiss, dass sie sinnentleert sind, nehmen wir also Geburtstagsfeiern oder Betriebsfeste.
Es ist immer das gleiche, irgendwann kommt der Punkt, wo man den anderen dafür danken muss, dass sie einen bemerkt haben.
Und das genau ist mir zuwenig. Zu lapidar.
Jagliche Abweichung ist böse.
WaldemarNun die spannende Frage ist ja. Ist die Wahrnehmung der Optimisten, die angeblich länger leben, wirklich realistisch? Genau das ist untersucht worden:

Meist sind die nicht depressiven Menschen die Wirklichkeit zu ihren Gunsten entstellen und "depressive" Menschen die Wirklichkeit korrekt wahrnehmen. (...) Der Pessimist scheint der Realität ausgeliefert zu sein, während der Optimist über eine starke Abwehr gegen die Realität verfügt, die ihm auch angesichts eines gnadenlos gleichgültigen Universums Zuversicht und Frohsinn ermöglicht.

Und das kann ich gut bestätigen. Ich fühle mich nur halbwegs wohl wenn ich mich von der "Realität" ablenke. D. h. nicht, dass ich in meinem Leben nur Schatten habe..im Gegenteil! Das Licht in Form von vielen schönen Dingen.. muss ich auch ertragen. Ich glaube, dass da ein gutes Stück angeboren ist. Rest Sozialisierung und Erfahrung und natürlich auch der Umgang mit dem Negativen. Aber tief im Inneren hat mich noch nie etwas befriedigt oder für lange zeit Zufriedenheit bescherrt.

Mein Opa war ein großer Kämpfer und Optimist. Nur sein purer Glaube und sein extrem starker Wille hat ihn den Krieg und die russische Gefangenheit überleben lassen. Als Kind hörte ich immer zu.. und verstand das erst als ich älter wurde. Das bewunderte ich immer an ihm. Aber neben ihm sind viele im Graben gestorben weil sie einfach nicht mehr "wollten" und konnten. Das sind natürlich Extremsituationen gewesen. Aber die Menschen sind nicht mit den gleichen Waffen geboren.. Nicht jeder hat einen starken Schild oder Schwert!

Menschen sind vielleicht einfach gestrickt aber gleichzeitig komplex.

Ich glaube nicht, dass ich mir meine Welt so bunt anmalen könnte, dass ich sie "schön" finden würde..
ScheolTeilnahme an der Diskussion:


[QUOTE]Somit sollte man sich also an Rituale halten, die quasi sinnentleert sind, aber dennoch als Massstab gelten, auch wenn jeder einzelne weiss, dass sie sinnentleert sind, nehmen wir also Geburtstagsfeiern oder Betriebsfeste. Es ist immer das gleiche, irgendwann kommt der Punkt, wo man den anderen dafür danken muss, dass sie einen bemerkt haben. Und das genau ist mir zuwenig. Zu lapidar.[/QUOTE]

Man kann dies aber auch umgehen in dem man sich seinen engsten Kreis besonders auswählt. Es gibt Menschen die der gleichen Ansicht sind, und mit denen kann man dann Zufriedener sein. Man muß selektieren.

[QUOTE]Meist sind die nicht depressiven Menschen die Wirklichkeit zu ihren Gunsten entstellen und "depressive" Menschen die Wirklichkeit korrekt wahrnehmen. (...) Der Pessimist scheint der Realität ausgeliefert zu sein, während der Optimist über eine starke Abwehr gegen die Realität verfügt, die ihm auch angesichts eines gnadenlos gleichgültigen Universums Zuversicht und Frohsinn ermöglicht.[/QUOTE]

Das ist sicherlich korrekt. Allerdings ist Pessimismus, das gegensätzliche Extrem zum Optimismus, auch eine Realitätsverzerrung. Wenn 99% der Welt scheiße ist, so ist 1% der Welt schön. Was man für sein Leben betont und was nicht ist jedem selbst überlassen.


[QUOTE]Nicht jeder hat einen starken Schild oder Schwert![/QUOTE]

Nicht jeder hat die Vorraussetzung auch solches zu tragen.

[QUOTE]Und dann zählen im Leben natürlich auch Eigenschaften, die einfach sehr nützlich sind, wie zum Beispiel Willenskraft, Lebensenergie und geistige Begabung.[/QUOTE]

Ob und wieviel man davon mitbekommt entscheidet leider das Umfeld in einem Alter, in dem man selbst noch keine Entscheidungsgewalt über sich besitzt. Wen man von Anfang an auf Krüken zwingt lernt das laufen nachher nur sehr schwierig. Es ist alles eine Verkettung bloßer Zufälle welche Vorraussetzungen wir mitnehmen. Das fängt schon bei der Geburt an.

[QUOTE]Keep it simple! Ich denke, dass viele Menschen unglücklich sind, weil sie zu viel wollen und sich dabei hoffnungslos verstricken. Sie arbeiten sich kaputt, verschulden sich, gehen womöglich dem Alkohol oder anderen Drogen ins Garn, erwarten zu viel von der Liebe usw.[/QUOTE]

Exactamundo

[QUOTE][...]daraus erlerntem (achtsamen) Verhalten sich selbst gegenüber[...][/QUOTE]

Alles was man sich als Mensch aneignet hat man irgendwo einmal sehen müssen. Man kopiert lediglich. Und man kopiert immer die Dinge, die am präsentesten im Leben vertreten waren. Ausnahmen sind selten, also Zufall.


[QUOTE][...]und der grundsätzlichen Pesönlichkeitsstruktur (Charakter).[/QUOTE]

Den man sich nicht aussuchen kann. Seinen Charakter nachträglich, also nach allen Prägungen, neu zu gestalten ist eine Mammutaufgabe die nicht jeder bewältigen kann. Zudem ist meistens ein radikaler Umfeldwechsel erforderlich der nicht von selbst kommt. Angst verhindert oftmals diesen Schritt. Geduld und Hilfe von Außen sind unerlässlich. Nicht jeder Mensch wird diese Hilfe finden.

---------------

Allgemeine Gedanken:

Was Glück im einzelnen Bedeutet hängt von jeder Person selbst ab. Es gibt keine allgemeine Aufzählung à la "Treffen 8 der 10 Punkte auf Sie zu sind sie glücklich". Glück ist immer variabel. Zufriedenheit ist eher in eine Konstante zu bringen. Zufrieden kann nur der sein, der sich selbst genügt. Nicht im Sinne von narzisstischen Persönlichkeitsmustern, sondern im Sinne von "solange ich mein Eigen bin, habe ich alles was ich brauche". Je nach Lebenssituation kann dieser Grundsatz aber zynischer klingen als er sein soll. Obwohl er im Kern richtig ist.

---------------

Persönliche Ansichten/Persönliches:

Für mich als Person gilt selbiges. Wie JohnSteed bemängelte halte ich Rudelverhalten ebenfalls nicht aus. Ich brauche meine Distanz. Zufriedenheit stellt sich für mich ein, wenn alles was ich als wertvoll empfinde zu einem gewissen Prozentsatz und in einer für mich erträglichen Mischung vorhanden ist. Arbeit, Freunde/Familie, Luxus und Zeit für mich alleine.

Arbeit kann ich nicht beeinflussen. Es bleiben 40 Stunden/Woche.
Eine Steigerung/Verbesserung der Situation ist für mich mit meinem neuen Bildungsziel erreichbar. Ich kann genießen.

Soziale Kontakte reichen mir im geringen Maße aus um Zufrieden zu sein.

Der Grad an Luxus ist minimal. Meine Gitarre oder die Möglichkeit ab und an mal einen Film zu sehen zählen für mich dazu. Ich bin gesättigt.

Zeit für mich alleine nimmt den größten Teil ein. Habe ich nicht genug Zeit zum reflektieren werde ich "unglücklich", nervös, unkonzentriert und bekomme das Bedürfnis zu flüchten. Wieviel Zeit ich mir dafür nehme liegt in meiner Verantwortung.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Eine Steigerung ist lediglich im Berufsleben gewollt.


Für einen anderen Menschen haben die selben Punkte eine andere Gewichtung. Inwiefern kann man selbst kaum beeinflussen. Wir sind das Produkt unserer Erziehung, nichts weiter.
ArrogantNickMoin!

++++

Elementarsatz,-

[QUOTE]Ich glaube, zu einem erheblichen Teil beruht Glück auf Eigenschaften, die sozusagen eine Gnade des Schicksals oder auch eine Gnade der Gene sind, die man jedenfalls nicht willkürlich beeinflussen kann. Es gibt so etwas wie Glücks- und Begeisterungsfähigkeit, die von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich verteilt ist.[/QUOTE]

....hm....

Na ja, da kann ich insofern mitgehen, als dass es eben sehr emotionale und weniger emotional betonte Menschen gibt. Wobei ich mich dabei frage, ob das wirklich eine Frage der Gene ist oder doch eher eine der Erziehung, auch der, die man später in gewissem Maße noch an sich selbst vornimmt. Als ich im Rotlichtmilieu unterwegs war, lag mein Fokus auf dem Unterdrücken von Gefühlen und äußerte sich in einem aggressiven Abwehrverhalten das bis zu Jähzornattacken ging. Ich war mir meiner (mE intensiven) Emotionalität nicht bewusst, weil ich mir dessen auch nicht gewahr werden wollte. Es wäre ein Angriffspunkt und damit eine Schwachstelle gewesen, also baute ich diese Begabung quasi unbewusst um, zu einem Schutzwall. Heute ist das anders, was daran liegt, dass meine Umgebung sich komplett veränderte.

Was ich damit sagen will, Eli, ich vermute, dass Emotionalität als solches und wie sie sich dann schlussendlich äußert und wahrgenommen wird, sehr stark mit den äußeren Umständen korrespondiert und nicht so sehr eine Frage der Gene ist, die ich für einen eher untergeordneten Faktor halte. Das ist allerdings nur eine Annahme von mir, die auf Erfahrungen und Beobachtungen basiert. Mit Erziehung die man irgendwann selbst an sich vornimmt, meine ich die Arbeit die man sich als Erwachsenr macht, um einen bewussten Umgang mit sich zu erlernen. Ich musste das, weil vorher sehr viel schiefgelaufen war. Im Zuge dieser Arbeit, stellte es sich für mich so dar, dass man viele Gefühlsregungen erst wieder erlernen muss in sich zuzulassen, da waren sie aber schon immer, man (ich) konnte sich ihnen nur nicht hingeben, aus Angst vor Schwachstellen (s. o.). Ich wage anzunehmen, dass ich damit nicht alleine sein dürfte. Insofern denke ich, dass man sich (s)eine Emotionalität auch 'leisten' können muss, im Sinne eines dafür geeigneten Umfeldes.

[QUOTE]Keep it simple! Ich denke, dass viele Menschen unglücklich sind, weil sie zu viel wollen und sich dabei hoffnungslos verstricken. Sie arbeiten sich kaputt, verschulden sich, gehen womöglich dem Alkohol oder anderen Drogen ins Garn, erwarten zu viel von der Liebe usw. [/QUOTE]

Ja, grundsätzlich sehe ich das wie Du. Wobei ich in diesem Verhalten nicht einmal ein 'zuviel Wollen' als Hauptauslöser erkenne, sondern vielmehr sowas wie eine Art 'Flucht nach vorn', bzw. davor, sich zu sehr mit sich selbst auseinander zu setzen.

[QUOTE]
Dagegen empfehle ich, auf ein eher einfaches, freies und heiteres Leben zu setzen. Stichwort: Ataraxie. [/quote]

Jetzt musste ich erst eimal zu Google eiern und was ich da fand, las sich als anvisiertes Ziel sehr gut. :-) Um dorthin zu gelangen wäre mAn ein angepasster Fokus wichtig. Ich meine damit eine Sichtweise, die in allem Übel auch immer das Positive zu erkennen sucht. Ich persönlich übe mich darin und es klappt recht gut.

[QUOTE]
Es ist sicher kein Zufall, dass viele "erfolgreiche" Menschen sich später nach ihrer Studienzeit zurücksehnen, als sie in der winzigen WG-Küche Spaghetti gekocht haben.[/QUOTE]

Das würde ich dort verorten, sich zu jenem Zeiten noch als ungebunden, weniger gestresst (mit weniger Druck und Verantwortung beladen) und mit allen Anternativen im Leben, also jeder Menge offenstehender Wege gesegnet, wahr zu nehmen. Ja - stimmt schon, da war das Leben dann noch einfacher, auf einer sehr viel grundsätzlicheren Ebene als der der Finanzen, die ja in späteren Jahren meist sehr viel üppiger sind.

Also ist es nicht das Geld (allein) das glücklich macht. Aber das ist ja nun wirklich nichts Neues. ;-)

Grüßle
Mischa
ArrogantNick....

@John,-
ich habe auf Deinen Aussagen jetzt ein wenig herumgedacht. Also im Wesentlichen verstehe ich Dich nun so, dass Du aussagen willst, dass ein Höchstmaß an Unabhängigkeit von äußeren Faktoren, auch ein Höchstmaß an innerlicher Zufriedenheit herzustellen vermag. Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Unter den 'unterdrückten Gefühlen' die ich bei Dir nachfragte, scheinst Du also so eine Art 'Kuschelimpuls' zu verstehen, der, wenn er die Oberhand gewinnt, einen verleiten kann, sich über Gebühr zu verbiegen. Auch darin würde ich mitgehen. Wobei ich kein Freund von Extremen bin und denke, dass eine gewisse Sehnsucht nach Nähe und daraus resultierende Kompromisse, durchaus etwas sind, das man in einem gewissen Maße mit sich vereinbaren kann. Ich sehe also noch einen Unterschied zwischen einem relativen Einzelgänger und einem strikten Eremiten.

Ersteres, also das Einzelgängertum, das sehr stark selektiert und sich nur dem Minimum an Sozialkonsens unterwirft, halte ich für einen gangbaren Weg zur inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit im Selbst. Letzteres ist mE too much, zumindest für mich.

++++

@Waldemar,-
Depressionen, bzw. eine depressive Persönlichkeitsstruktur, halte ich persönlich für einen Sonderfall. Der Depressive hat keine Wahl, er kann es sich nicht aussuchen, jedenfalls nicht, wenn es sich tatsächlich um eine körperliche Erkrankung, respektive eine Stoffwechselstörung des Gehirns handelt. Meiner Erfahrung nach, kann ein gesunder Mensch an sich arbeiten um sich Gutes zu tun (sich selbst zu verwöhnen und achtsam zu behandeln), seinen Fokus immer auch auf das Gute im Schlechten zu richten und seine Grundeinstellung immer wieder mal auf destruktive Mechanismen abzuklopfen. Ein an Depressionen Erkrankter hat es nicht so 'leicht', selbst wenn er medikmentös eingestellt ist, so wird es ihm dennoch immer schwerer fallen als einem Gesunden, ein quasi Grundvertrauen in die eigene Wahrnehmung zu entwickeln, die er ja duch seine Depression schon als zutiefst negativ erleben musste.

Ich denke nicht, dass das unbedingt etwas mit 'Schild und Schwert' zu tun hat, eher mit der Fähigkeit, sich selbst und seinen Gefühlregungen (auch negativen) vertrauen und gelassen gegenüberstehen zu können, wohl wissend, dass es vorübergeht, so man sich in dem Moment gut um sich kümmert. Denn bei einem Depressiven funktioniert das nun einmal nicht auf diese Weise. Persönlich glaube ich, dass das eigentlich das Schlimmste an solchen (pychisch-seelischen) Leiden ist, dass man nämlich das Vertrauen in seine eigene Regenerationsfähigkeit verliert. Als ich noch mit meinen alten Geistern kämpfte, da hatte ich auch eine Phase in der mir eine sogenannte 'Major Depression' diagnostiziert wurde. Das war eine Zeit, in der ich wirklich oftmals von zutiefster Hoffnungslosigkeit beherrscht wurde, das Ganze jemals überwinden zu können. Ich traute mir selbst nicht über den Weg und war zutiefst unglücklich, eigentlich genau deswegen.

Das ist Jahre her und ich konnte es überwinden. Aber mir ist auch klar, dass das nicht bei jedem Menschen funktioniert. Mein Appell besteht in aller Regel darin, zu sagen, dass es sich lohnt es mit allen Mitteln zu versuchen, denn das ist meine Erfahrung damit.

Grüßle
Mischa
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Replique [/i]
Wenn Du, ArrogantNick, von Deiner gleichzeitigen Unterdrückung der Emotionen und der extremen Emotionalität in der Rotlichtzeit schreibst, so kann ich mir vorstellen, dass es anderen Frauen anders ging - weil sie von der Natur eine andere Weise gegeben bekamen, mit Situationen oder Gefühlen umzugehen. Vielleicht leben andere Menschen ihr Gefühlsleben dort so richtig aus? Erleben es als Rausch? (entschuldige, wenn es ein wenig an Deiner Erinnerung vorbeigeht - ich hatte bis jetzt keinen Kontakt zu dieser Art Leben).[/quote]

Es IST ein Rausch. ;-) Ich habe unfassbar viele Extremsituationen erlebt, die ich mir retrospektiv alle selbst hergestellt habe, wenn auch damals noch unbewusst. Ich bekam, was ich mir herstellte, auch im negativen Sinne.

In einem Punkt muss ich widersprechen: Es dürfte selten sein, dass eine Prostituierte ihr Gefühlsleben 'richtig auslebt', da der Job an sich auf dem Verdrängen von Gefühlen basiert, es sei denn, man wäre nymphoman, masochistisch oder sadistisch/Kontrollfreak. Ich will das nicht ausschließen, das mag es geben, aber die Mehrzahl ist das mE nicht.

Es gibt immer mal wieder Anteile. So habe ich Teile meines Jobs durchaus genossen. Allerdings waren das nur Kompensationen für Defizite, die ich ansonsten aufgebaut hatte. Konkretes Beispiel: Ich erlebte mein Leben als vollkommen unsicher und mich als extremen Schwankungen unterworfen. Also genoss ich das dominate Arbeiten, denn da hatte ich kurzzeitig die absolute Kontrolle und Oberhand, in meiner ansonsten von Hilflosigkeit, Zorn und Angst geprägten Erlebniswelt.

[quote]
Gut für sich selbst zu sorgen heißt, sich selbst zu erkennen, im Einklang mit sich selbst zu leben, Schwächen zu sehen - sie aber nicht überzubewerten. Stärken zu sehen und sie nicht herunterspielen. Sich seine höchsteigene Bewertung der Realität zu schaffen. [/QUOTE]

Da bin ich ganz bei Dir.

edit: Und würde den letzten Satz ergänzen wollen >>> "Sich seine höchsteigene Bewertung der Realität zu schaffen" - [i]und sich dessen absolut bewusst zu sein.[/i]


Grüßle
Mischa
JohnSteed[QUOTE][i]Original geschrieben von ArrogantNick [/i]
[B]....

@John,-
ich habe auf Deinen Aussagen jetzt ein wenig herumgedacht. Also im Wesentlichen verstehe ich Dich nun so, dass Du aussagen willst, dass ein Höchstmaß an Unabhängigkeit von äußeren Faktoren, auch ein Höchstmaß an innerlicher Zufriedenheit herzustellen vermag. Dem würde ich grundsätzlich zustimmen. Unter den 'unterdrückten Gefühlen' die ich bei Dir nachfragte, scheinst Du also so eine Art 'Kuschelimpuls' zu verstehen, der, wenn er die Oberhand gewinnt, einen verleiten kann, sich über Gebühr zu verbiegen. Auch darin würde ich mitgehen. Wobei ich kein Freund von Extremen bin und denke, dass eine gewisse Sehnsucht nach Nähe und daraus resultierende Kompromisse, durchaus etwas sind, das man in einem gewissen Maße mit sich vereinbaren kann. Ich sehe also noch einen Unterschied zwischen einem relativen Einzelgänger und einem strikten Eremiten.

Ersteres, also das Einzelgängertum, das sehr stark selektiert und sich nur dem Minimum an Sozialkonsens unterwirft, halte ich für einen gangbaren Weg zur inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit im Selbst. Letzteres ist mE too much, zumindest für mich.

++++

...
Grüßle
Mischa [/B][/QUOTE]

"unterdrückte Gefühle"/"Kuschenlimpuls"...
all das irritiert mich ein wenig.
Es wären ja nur Gefühlslagen, die bei mir ihren Usprung finden. Damit müsste ich selbst fertigwerden.

Es ist aber so, dass gewisse Gefühlslagen von Aussen angesprochen werden, verbunden mit einer gewissen Form der Erpressung.
Wie in der Werbung, nur etwas rauher (im Alltag).
Unter dieser manchmal doch recht schwer zu ertragenden Grundstimmung als eine Art Alphawolf,
der ich schlussendlich bin,sich zurecht zu finden,
ist nicht immer einfach, da jeglicher Kompromiss für mich
im Moment kein Gewinn ist.
Langfristig vielleicht...
Aber welcher "Wolf" denkt schon in langen Bahnen?
Zumindest ich nicht.
ArrogantNickJohn,-

[QUOTE]"unterdrückte Gefühle"/"Kuschenlimpuls"... all das irritiert mich ein wenig. Es wären ja nur Gefühlslagen, die bei mir ihren Usprung finden. Damit müsste ich selbst fertigwerden.

Es ist aber so, dass gewisse Gefühlslagen von Aussen angesprochen werden, verbunden mit einer gewissen Form der Erpressung. Wie in der Werbung, nur etwas rauher (im Alltag). Unter dieser manchmal doch recht schwer zu ertragenden Grundstimmung (....)[/QUOTE]

....ich sehe es eher so, dass diese Formen der Erpressung im Grunde nur deshalb als solche wahrgenommen werden, weil sie etwas in uns triggern, also im Grunde auf der eigenen Gefühlslage fußen. Sich davon bewusst zu distanzieren, so man den Trigger in sich weder ausmachen noch abstellen kann oder will, halte ich jedoch für eine legitime Maßnahme. Zumindest so lange das nicht zu Einschränkungen im allgemeinen Wohlbefinden führt.

Ich sehe hier Repliques Aussage wiedergespiegelt, die schrieb:

[QUOTE]Die "Anderen" verschulden sich für ein Haus, weil der Nachbar auch eines gekauft hat. Fazit wäre: wenn ich etwas Gutes für mich tun will, muss ich erkennen, wer genau ich bin, was genau ich will und wie ich es erreichen kann. [u]Ich muss mich befreien von der Vorstellung, dies oder jenes hätte so oder so zu sein, weil es wohl schon immer so war.[/u] [/QUOTE]

Mit anderen Worten hast Du ja das gleiche Prinzip angesprochen:

[QUOTE]Einsamkeit wurde in meinem Leben oft von Aussenstehenden sozusagen in mich hineingetragen, weil sie so lange stur behaupteten, dass man halt alleine eine arme Sau sei, bis ich es geglaubt hatte, dazu muss ich sagen, ich bin tendenziell sogar relativ gutgläubig. Aber es nützt auch nicht viel, sich von gesellschaftlich einstudierten Erpressungen in Geiselhaft nehmen zu lassen.[/QUOTE]

Darin sind wir wohl alle drei konform wenn ich das richtig sehe. Mir ist nur wichtig, mir bewusst zu sein, dass nicht (unbedingt nur) 'die Anderen' es sind die mich u. U. emotional erpressen (können), sondern dass ich es bin, die darauf aus einem innerlichen Zustand heraus anspringt. Das betone ich so, weil es die Hilflosigkeit beseitigt, denn 'die Anderen', die kann ich nicht ändern, aber mich/mein Verhalten kann ich ändern und mich somit davon frei machen.

Grüßles
Mischa
Scheol[QUOTE]Eine - wie ich finde - gute Möglichkeit, sich selbst zu finden.[/QUOTE]

Eremitentum ist der einzige und schnellste Weg sich selbst zu finden. Man wird nicht abgelenkt und auch nicht von fremden Impulsen infiltriert. Gefährlich wird es nur, wenn man jeglichen Kontakt zur Außenwelt meidet. Die Einsichten die man erlangt werden dann ebenfalls verzerrt.

[QUOTE]man glaubt die Dinge, wendet anderer Menschen Sichtweise auf sich an, weiß im Grunde, dass es nicht die eigene ist.[/QUOTE]

Das ist Sozialisierung. In dem Falle destruktiv für sich selbst. Es geht nicht darum das Rad neu zu erfinden, man muß nur unterscheiden lernen was zu einem passt und was nicht. Wer sich immer an die Regeln eines Kollektivs hält riskiert seine Eigenverantwortung. Ein bequeme doch beschneidende Art. Man verliert das bißchen Freiheit das einem als Mensch gegeben wurde.
Scheol[QUOTE]Nein, Scheol, man verliert die Freiheit nicht, wenn man das tut, was Du aus dem Zusammenhang heraus von mir zitiert hast. Man gibt sie ab und muss die Konsequenzen der eigenen Erpressung tragen.[/QUOTE]

In einigen Fällen läuft es leider so. Das finden wir auch in Religionen wieder. Die Sichtweise und Verhaltensweise zu kollektivieren hat den "Vorteil" (wenn man das so nennen will), nicht mehr verantwortlich für sein Handeln zu sein. Man muß sich nicht mehr rechtfertigen, denn man wird von dem Kollektiv immer wieder bestätigt.

[QUOTE]Im Eremitentum, ganz und ausschließlich und für lange Zeit, lernt man wenig, wenn man den Gegensatz dazu nicht kennt oder erlebt hat.[/QUOTE]

Es kommt auf den Zeitraum an. Jeder Mensch kommt irgendwann an einen Punkt an dem er sich mit sich selbst konfrontieren muß. Das geht nur abgeschottet. Das dieser Zustand gefährlich werden kann erwähnte ich bereits. Ich gehe hier von einem psychisch einigermaßen stabilen Menschen aus. Dieser wird, wenn alles gelernt wurde, von selbst den Weg in die Gesellschaft zurückfinden.
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Replique [/i]
(...)

Mir ist noch eine Kleinigkeit aufgefallen an den Posts von einigen, im speziellen aber bei Mischa: ich denke, dass eine gewisse Zufriedenheit oder auch Glücklichsein erreicht werden kann, wenn man die verschiedensten Extreme ausprobiert und man sich langsam an die eigene Nulllinie herantastet. [/quote]

Zwei Dinge dazu:

- Zum Einen war das kein bewusster Prozess (das war erst die Aufarbeitung all dieser Jahre, was im wahrsten Sinne des Wortes ein Bewusst|werdungs|prozess war) sondern ist von damaliger Warte aus einfach geschehen. Ich erlebte mich konstant als Opfer der Umstände, was mich rasend machte, ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bestand irgendwann fast nur noch aus Wut, Hass, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Der Bruch kam, als ich, völlig auf Droge, bei einem Stammfreier ausrastete in einer SM-Session, weil ich ihn mochte und mir das derartig Angst machte, dass ich ihn fast zu Tode prügelte. Da wurde ich wach und suchte einen Weg hinaus aus all dem Wahnsinn.

- Zum Anderen erlebe ich es so, dass ich erst im Angesicht meines eigenen Todes (dem ich einige Male sehr nahe kam) erkannte, wie sehr ich das Leben tatsächlich liebe und an ihm hänge. All diese verleugnete Lebensliebe in mir war eine ungeheuere Kraft und als ich lernte sie anzunehmen und einzusetzen, da war das mein Rückfahrtickett in meine Genesung. Ich bin heute dankbar für jeden Tag, für jedes Lächeln und jede Umarmung. Ich weine oft, einfach so, vor lauter Dankbarkeit und Liebe, wenn ich mir die Welt anschaue, die so schrecklich-schön & schön-schrecklich ist.

Tja, so ist das bei mir. :)

Grüßle
Mischa
Scheol[QUOTE] zu meinem Glück herausgewachsen[/QUOTE]

Ich habe dies in extremen Formen erleben...müssen...
Beobachtet habe ich, wie dies eine ganze Existenz zerstören kann. Inkl. einen Menschen, der derart zerstört wird das er sich entschließt irgendwer zu sein, nur nicht sich selbst. Deswegen glaube ich das Glück, oder eher die realistische, kleinere Version, Zufriedenheit eng verknüpft ist mit Eigenverantwortung. Gegenwind aus den eigenen Reihen kann man durchaus ignorieren, sofern das eigene Handeln mit Herz und Verstand im Einklang steht und als "richtig" empfunden wird.

[QUOTE]Wenn Du Eremitentum so definierst, wie in dem letzten Post, muss ich auch hier zustimmen.[/QUOTE]

Das tue ich. Von Extremen halte ich nichts.

[QUOTE] Sich selbst für eine gewisse Zeit zurückziehen, um in Ruhe und ohne Ablenkung gewisse Punkte für sich zu klären, ist mehr als sinnvoll.[/QUOTE]

Diese Phase hat bei mir fast ein ganzes Jahr gedauert. Eine völlige Abkapslung war es jedoch nicht. Dennoch kam es dem sehr nahe. Nach dieser Zeit bin ich fester und stärker in meinem Glauben an mich selbst hervorgegangen. Ich glaube aus JohnSteeds Worten dies heraus lesen zu können, Irrtümer vorbehalten. An diesen Punkt, wenn denn davon gesprochen wurde, kommt man im Laufe des Leben vermutlich mehr als nur einmal.
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Replique [/i]
[B](....)
Wenn Du Eremitentum so definierst, wie in dem letzten Post, muss ich auch hier zustimmen. Sich selbst für eine gewisse Zeit zurückziehen, um in Ruhe und ohne Ablenkung gewisse Punkte für sich zu klären, ist mehr als sinnvoll. Mir ging es eher darum, dass die Extreme in ihrer Ausschließlichkeit zu nichts führen, sondern dass ein Ausprobieren der verschiedensten entgegengesetzten Möglichkeit zu einer guten Balance führen kann. Es ist ein guter Weg. [/B][/QUOTE]

Ich sag's mal so: Extreme sind meiner Erfahrung nach nicht als Dauerzustände zu ertragen ohne Schäden davon zu tragen. Außerdem sind sie meiner Ansicht nach auch nichts, das man bewusst sucht (bzw. wird das meist erst im Rückblick bewusst), sondern eher etwas, in das man quasi so hineinrutscht. Irgendwann wird man sich dann vielleicht gewahr, wie weit es wirklich mit einem gekommen ist und zieht die Notbremse, wenn man denn irgendwie die Möglichkeit dazu hat/sieht.

Etwas das ich immer wieder erlebe, das ist, dass Menschen die viele Extremsituationen in ihrem Leben meistern müssen, eine große Liebe zum Leben entwickeln. Sie sind nicht mehr so leicht zu erschüttern, da sie ja aus Erfahrung wissen, dass sie vieles überstehen können ohne unter zu gehen. Zusätzlich wertschätzen sie die schönen (und die kleinen) Dinge des Lebens, vermutlich weil sie nur zu gut wissen, dass diese nicht selbstverständlich sind. Kurz: Extreme sind meiner Erfahrung nach sehr gute Lehrer. Insofern sind sie nicht per se abzulehnen, im Gegenteil. Nur denke ich, dass man, wenn man denn sein Lernpensum abschließen konnte, man bewusster darauf achtet, das Ganze nicht zu wiederholen, da es anstrengend sowie unangenehm sein kann und noch dazu ja dann sinnlose Energieverschwendung wäre. Man mäßigt sich sozusagen freiwillig, wird achtsamer/überlegter im Umgang mit sich selbst und achtet mehr auf sich, zumindest beobachte ich das an mir.

Btw. lebe ich seit fast 10 Jahren sehr zurückgezogen, besuche weder Familienfeiern noch sonstige Pflichttermine und umgebe mich nur mit sehr wenigen Menschen. Mir gefällt das gut und ich habe sehr viel Zeit für mich, was mir noch besser gefällt. Manchmal überfällt mich das, was John beschrieben hat, dass ich nämlich denke, ich müsste doch eigentlich mehr Kontakte haben, aber das geht recht schnell vorüber, wenn ich wieder mal mit wem rede der einen großen Bekanntenkreis sein Eigen nennt. Das ist dann immer irgendwie Seifenoper live und mir sehr wenig verlockend. Dazu ist diese Bekanntschaft dann wieder gut, nämlich mir vor Augen zu führen, warum es vollkommen okay ist so zu leben wie ich lebe. :-)

Ich bin grundsätzlich ein glücklicher und zufriedener Mensch, absolut. Nur denke ich, dass sich mein (Lebens)Weg nicht verallgemeinern lässt, daher der Thread hier. Wobei ich feststelle, dass sich einige Punkte wohl doch von Mensch zu Mensch ähneln dürften.

Grüßle
Mischa
Wüsti[QUOTE]Persönlich und aus Erfahrung glaube ich daran, dass man einen solchen Zustand forcieren kann, indem man lernt, gut für sich zu sorgen. Das bedeutet konkret, auf die eigene Gefühlslage konstruktiv zu reagieren, ganz gleich um welches Gefühl es sich dabei handelt. Zu versuchen, sich selbst der beste Freund zu sein. Von ArroganterNick auf Seite 1[/QUOTE]

Oh schön gesagt.
rainravenArrogantNick, Du sprichst mir in vielen Punkten aus der Seele. Ich kann aus eigener Erfahrung (nicht im Rotlichtmilieu, doch in vieler Weise ähnlich bzw. identisch) genau nachvollziehen, was Du aussagst. Dem muß ich nichts mehr hinzufügen.

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