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  Forum: Dunkelheit & Licht
    Thema: Moby Dick
MahsheedDurch Zufall bin ich auf den Film von 1956 gleichen Namens gestoßen. Ich kannte weder das Buch noch diesen Film. Hat jemand diesen Film gesehen, oder das Buch gelesen?

Mich würde einfach interessieren, wie ihr die Parabel verstanden habt. Und was ihr aus dem Film für euch heraus ziehen konntet, falls es da etwas gab.

Ich weiß, dass es Interpretationen gibt, aber daran soll sich hier keiner stören müssen. Mich interessieren eure eigenen Gedanken.

Weil dieses Werk möglicherweise tief religiös geprägt ist,
und auch, weil fich das mystische Wesen des Wals thematisiert sehe, welchen man nicht wie ein Tier behandeln darf (obgleich ich natürlich jedes Tier gut behandelt sehen möchte), ein Wesen mit einem komplexen Kommunikationssystem, mit Gedanken, die wir nicht kennen und einschätzen können,

wollte ich diesen Thread in "Dunkelheit und Licht" erstellen. Wenn er woanders hingelangen muss, entschuldige ich mich.
MahsheedHier ein Link, der in das Werk noch mal einführt, es etwas vorstellt ...

[url]http://www.mardou.de/beat/wmelville.htm[/url]

Und hier ein Link mit dem [leider nicht ...]kompletten Werk:

[url]http://www.google.de/search?q=cache:6xpKErdV6igJ:[url]www.schreibheft.de/docs/pdfs/SH-57-7-126.pdf+Moby+Dick+Schiff+Bein+Wal&hl=de&ie=UTF-8[/url][/url]
Hirogen[QUOTE][i]Original geschrieben von Mahsheed [/i]
[B]Durch Zufall bin ich auf den Film von 1956...[/B][/QUOTE]


ich heiß doch nicht zufall...tststs



mfG

Hirohito
PelloquinHolla!!! [i]Moby Dick[/i]...


[Anmerkung: Ich glaube, kaum etwas ist mehr prädestiniert in „Dunkelheit und Licht“ behandelt zu werden, als die Geschichte um den weißen Wal und seinen ihm schicksalhaft verbundenen Jäger, denn kaum eine Geschichte ist so voller Gegensätze, so drängend in ihrer Frage nach Gut und Böse, Licht und Dunkel…]

[i]Moby Dick[/i] habe ich das erste mal gesehen, als ich noch ein kleiner Junge war. Schon damals war ich fasziniert von diesem von Gregory Peck so grandios gespielten [i]Ahab[/i], jenem so zornigen Racheengel, der schließlich Gott selbst herausforderte…

Was ich aus dem Film für mich heraus gezogen habe? (*lächelt, spielt mit einer an einem Lederband von seinem Hals hängenden, aus Knochen geschnitzten Walflosse*)

Hm... Die Initialen meines Bandnamens sind dieselben wie die des weißen Wals. Und das Sample eines der denkwürdigsten Dialoge dieses Filmes, jener zwischen Ahab und seinem 1. Steuermann, [i]Starbuck[/i], bildet den Auftakt für einen für mein Schaffen grundlegenden Song: [i][b]M[/b]achine’s[/i] [i][b]D[/b]eath[/i]…


[list][size=1,5]"Was ist es nur? Welcher Dämon, welches unerforschliche Wesen treibt und drängt mich wider alle Sehnsucht und Liebe unaufhaltsam und ohne Unterlass weiter und zwingt mich zu Taten, die mein eigentliches inneres Wesen verabscheuen würde? Ist Ahab Ahab? Bin ich es, ist es Gott, oder wer sonst, der diesen Arm bewegt? Doch wenn selbst der Gestirne Lauf und Bahn nur durch des Allmächtigen Kraft gelenkt wird, wie kann mein winziges Herz da pochen, mein armes Hirn denken, wenn nicht Gott dieses Herz pochen lässt, diese Gedanken denkt und mein ganzes Leben lenkt - und nicht ich. Bei Gott im Himmel... Wir werden um und um gedreht auf dieser Welt, wie diese Spill dort, und das Schicksal führt die Handelsbarke. Zu alledem ein Himmel, der heiter lächelt, und die unergründliche endlose See... Schauen Sie! Schauen Sie hinab in die Tiefe! [i]Sehen[/i] Sie das ewige Morden da unten? Wer hat es diesen Geschöpfen eingegeben einander zu jagen und zu töten? Was geschieht mit diesen [i]Mördern[/i]? Wer sollte sie wohl verurteilen, wenn der Richter selbst vor die Schranken muß? Aber wozu solch Grübeln an diesem friedlich schönen Tag..."[/size][/list]


Was ist es nur…

Ich vermag nicht zu sagen, was mich an Moby Dick fesselt. (*lacht* … [i]was mich an Moby Dick [b]fesselt[/b][/i]).

Ja, in der Tat - ich bin gefesselt. Und mein Moby Dick ist jene Seelen zermahlende, Leben verhöhnende Maschine, die nicht greifbar und doch allgegenwärtig ist.

Aber… es geht noch so viel tiefer…

Denn genau genommen wüten Ahab und der weiße Wal in mir selbst: Ahab = Meine Vernunft, die in dem Bemühen, dieser so wahnwitzigen Welt einen Sinn abzuringen jedes Mal auf’s neue scheitert, weswegen ich immer hasserfüllter werde (nicht zuletzt, weil Gott mir eine Antwort schuldig bleibt)… auf der anderen Seite der weiße Wal, mein Gefühl/meine Intuition, die mich drängt in Gott und die Liebe zu vertrauen, auch wenn ich nicht verstehen kann, worin der Sinn all diesen Leids liegen soll…



Dies nun meine (ersten) Gedanken zu diesem Thema… Es steckt noch so viel mehr darin, so viel mehr…

Nur zwei Dinge noch:

Gudrun Ensslin benutzte Charaktere aus [i]Moby Dick[/i] als Code-Namen für die in Stammheim inhaftierten Mitglieder der RAF. Gudrun wurde „Smutje“, Baader „Ahab“, Holger Meins „Starbuck“, Jan-Carl Raspe „Carpenter“, Gerhard Müller „Queequeg“, und Horst Mahler „Bildad“. Ensslin nannte Ulrike Meinhof „Teresa“, die kein Charakter aus Moby Dick war. Baader-Meinhof – Biograph Stefan Aust vermutete, dass Ensslin Meinhof nach „Teresa“, einer Heiligen aus dem 16. Jahrhundert benannte.

Das Drehbuch zum [i]Moby Dick[/i] von 1956 wurde von Ray Bradbury geschrieben, der dafür einen Oscar bekam.

:-)
Hirogenürigens was ich ziemlich witzig finde (fox mulder auch), der hund von dana scully aus akte x hieß Queequeg, also genauso wie der eine indianertattootyp aus moby dick...


und der film wurde vor wenigen jahren mit enterprisechef patrick stewart neu verfilmt...


mfG


Hirohito
Mahsheed@ Hiri

Lieber! Hiripurzelgen ;-) :-)

Natürlich heißt -du- ja nicht Zufall, sondern Hiripurzel oder wie auch immer, also ganz anders jedenfalls als "Zufall". Es seie denn, man taufte dich um in "Zufallshiri" :-) (die Abkürzung hieße dann "Zufi" oder "Zufall") Ich finde, der steht dir auch :-)))

Ich glaube nicht, dass mich eine andere Verfilmung mehr beeindrucken kann als diese alte ...

Ich bin hin und weg von dem Film, von allem, was ihm ausmacht, von den "altmodischen" Dialogen, die lediglich und glücklicherweise eng an die originalen Worte wie im Buch stehen gebunden sind ...
Denn die Sprache dort ist schmerzlich schön ... Und ich bin gerührt, wenn Ahab oder auch wenn der Prediger, der zu den Seeleuten spricht, bevor sie hinaus segeln, erstarre fast zu Stein ob dieser genialen Betonung, Sprechweise, Trauer und Eindringlichkeit, die darüber kommt ...

Der Film steckt voller wundervoller Szenen und ich schätze seine Linearität, seine ganz klare Struktur, und die Szenen, die uns , die Betrachter, genug Zeit lassen, den Ausdruck der Handlung zu begreifen ...

Ich mag den Anblick des losschwimmenden Schiffes, aus der Vogelperspektive, wie gemalt ...
Ich mag es, dass Ahab denjenigen, der ihn töten wollte (Starbuck), eben nicht tötete, wie es wohl in jedem aktuellerem Film heute geschehen könnte, um das sensationelle Moment zu fördern, was die Zuschauerzahlen steigern soll und auch, um die machtvolle und nichts über sich duldende Tyrannei und Rachsucht Ahabs darzustellen.
Mir sagt ebenfalls zu, dass Ahab nicht wie Freddy Krüger gezeichnet wurde, nur weil zuvor beschrieben stand, dass sein Körper ein Frack völlig zerrissen sei. Eine schlichte, dennoch imposante große Narbe über das gesamte Gesicht ... so wie im Film zeichnete das "Zerfetztsein" deutlich genug ab ... Obwohl wir heute unter dieser Vorstellung schon gewohnt sind, eine bis aufs letzte zerstümmelte Gestalt zu sehen.
Mich stört nicht, dass sich Moby als Atrappe entpuppt und sich teilweise recht eckig bewegt.
Ich finde die Filmmusik zu Beginn des Films hinreißend, sie ist so grundharmlos und verträumt und den Gesang der Seemänner schön, ich lausche jedem ihrer seltsam schaurigen Lieder. Und nur, weil der Film so alt, weil die Stimmen durch die altmodischen Aufnahmen schnarren, weil kaum noch Farbe in seinen Bildern enthalten ist, kann er für mich glaubhaft transportieren, dass es die Schiffsleute vor langer Zeit in Neuengland losgesegelt sind, um auf Walfang zu ziehen.
Ich liebe die parabelhafte und doch so geheimnisvolle Darstellung ... Wie dieser Prediger auf seine Kanzel steigt, die wie ein Schiff wirkt ... wie er die Leiter hochzieht wie den Anker und wie er vor dem schmutzigcremigen Hintergrund spricht, wie vor einem trüben Wolkenhimmel auf hoher See ... Und wie sich das Kreuz hin zu den Zuhörern ragt, so angebracht, als sei es ein umgelegter Schiffsmast.

Ich danke dir also dafür, dass du mich -zufällig- ;-) genau auf diese Verfilmung hingewiesen hast, denn sie hat mich absolut gefangen genommen.


P.S.

Quiqueg ist ganz glaubhaft dargestellt... Genauso stelle ich mir einige Freaks dieser Zeit vor ... alte Abbildungen, die das Zirkusgeschehen vor der vorletzten Jahrhundertwende zeigen, haben öfters solche Gestalten zum Vorschein gebracht. Es ist doch klasse, wie er mit den Walknochen spielt und plötzlich aus ihnen etwas scheinbar schreckliches liest, darauf erkrankt und kaum mehr spricht ... und sich vom Schiffszimmermann schauderhafterweise einen Sarg anfertigen lässt. Der Hund von Dana war nicht zufällig ein Yorkscher Terrier? Wegen des Zopfes meinte ich, könnte sie ja auf den Namen "Quiqueg" gekommen sein ...
MahsheedGrüß dich, Peli

danke für deinen ausführlichen tiefen und wie immer außergewöhnlich formulierten Beitrag.

Ich schätze mich glücklich, wenn da wer ist, der diese Faszination ebenso erfährt, den der Inhalt bewegt und berührt und der seine Gedanken dazu veräußert.

[I]"[Anmerkung: Ich glaube, kaum etwas ist mehr prädestiniert in „Dunkelheit und Licht“ behandelt zu werden, als die Geschichte um den weißen Wal und seinen ihm schicksalhaft verbundenen Jäger, denn kaum eine Geschichte ist so voller Gegensätze, so drängend in ihrer Frage nach Gut und Böse, Licht und Dunkel…][/I]

Deshalb bin ich um jeden Beitrag froh, der dem Thread weiterhin gestattet, das so weitreichende und inhaltsschwere Thema (?) "Moby Dick" hier zu behandeln.

Ich bin mir nicht sicher, was diese Parabel, die der Film zweifellos enthält, aussagt, ich spüre nur, dass es etwas ganz existenzielles sein muss, etwas was mich gefangen hält ... Und ich bin dankbar für jeden Austausch darüber und für das Teilen an dem seltsamen Gefühlen, die das Nachdenken über den Film, über Gut und Böse, über Diesseits und Jenseit, und auch über Wale in mir seit jeher ausgelöst hat.

[I] Schon damals war ich fasziniert von diesem von Gregory Peck so grandios gespielten [i]Ahab[/i], jenem so zornigen Racheengel, der schließlich Gott selbst herausforderte…[/I]

[size=1]Was hat es mit den biblischen Namen auf sich? [/size]

Weiß jemand, was es mit dem biblischen König Ahab auf sich hat? Da ich nicht bibelfirm bin, weiß ich lediglich aus einem Zitat des Filmes, dass Hunde nach seinem Tod sein Blut aufgeleckt haben sollen, und dass es ein "böser" König war, so erinnerte sich Ismael, dessen Überleben man die Legende von Moby Dick zu verdanken habe.

Warum war Ismael - Ismael ... Ismael ist sicherlich auch eine biblische Gestalt. Er hat hier die Funktion eines Zeugen Gottes Werks.

[size=1]Die Predigt ...[/size]

Stellt die Predigt am Anfang der Reise einen Hinweis auf die Parabel dar?

Was ist es, was der Alte dort spricht …

[size=1]Leider habe ich keinen Link der wirklich das gesamte Buch wieder gibt, und so bin ich zu einer sinngemäßen Wiedergabe gezwungen, die natürlich jederzeit verbessert werden kann, sofern sie den Sinn dessen, was ich schreibe, entstellt.[/size]

Er sagte, dass ein Jonas auf das Meer zog, im Versuch, den strafenden Augen Gottes zu entfliehend, wissend, dass er sich seinen Geboten und Verboten entzogen hatte. Gott, so sprach der Prediger weiter, würde vieles von den Menschen verlangen, so dass Jonas Recht hatte mit der Annahme, dass Gott zu viel einfordere. Gott zu dienen würde bedeuten, so sprach er weiter, die Kraft aufzubringen, sich selbst verleugnen zu können. (Also auch die Triebe, die dem Menschen inne sind … sein beständiges egoistisches Streben, seine Selbstsucht, seine Macht-Gier, seine Rachsucht, so wie sie Ahab in seiner Rolle verkörpern musste.) Doch Gottes Auge und Atem sei allgegenwärtig, denn auch auf offener See, in fremden Ländern konnte er Jonas ausfindig machen und ließ das Meer toben und brausen. Jonas hingegen wusste um den Grund der tödlichen Meereswut und sprach zu seinen Männern, dass sie ihn opfern sollten, sonst würde die gesamte Mannschaft sterben. Und so wurde er wie ein Anker über Board geworfen und landete im Maul eines riesigen Wals … (Ein Wal - das Tier, so sprach Quipqueg einst zu Ismael, als sich beide ein Buch über den Walfang betrachteten, das allein dasjenige wäre, dessen Gestalt Gott annehmen würde, wenn er je in die Gestalt eines Tieres eintauchen wolle. Ein so mächtiges Tier, das eine ganze Mannschaft verschlucken könne.) So landete Jonas im Magen des Wals und erkannte sein Vergehen und bat Gott um Vergebung. Und weil Gott der Allerbarmer, der Gütige ist, so hat er selbst dort sein Gebet erhört … und der Wal beförderte Jonas mit dem Wasserstrahl seines Kopfes wieder in das Leben zurück, hinaus aus dem Körper, dem Magen des Wals.
Dann wechselte der Prediger scheinbar das Thema, denn er sprach nun davon, dass es Aufgabe aller wäre, Ungerechtigkeit und Böses zu bekämpfen, selbst wenn sie sich unter dem Mantel eines Königs oder fürchterlichen Tyranns verbergen würde.
Und selig, so endete er seine Ausführungen, sei der, der am Ende seines Lebens sprechen würde, dass er stets versucht habe, ein Kind Gottes zu sein und nicht auf seine Bedürfnisse (schlecht angenommen, triebhaft) hörte und von sich sagte, dass dies alles noch nicht genug gewesen sei. Aber wer sei er als Mensch, da er länger leben wollte als ein Gott.




... Fortsetzung folgt sogleich, ich bin noch längst nicht mit deinem Beitrag fertig, ... Rest folgt in Kürze
MahsheedAllgegenwärtig und zentral scheint bei Melville die Gegenwart und die Macht Gottes zu sein.

Immer wieder verkündet der Roman an verschiedenen Stellen Motive, wie man sie aus der Bibel kennt.

Als Starbuck Ahab verrät, dass er soeben versucht hatte, ihn zu erschießen aber doch nicht konnte, da war Ahab so sehr gelassen, gewiss darum, dass er es so und so hätte niemals tun –können- denn alles, jeder Zug im Leben aller sei so festgeschrieben wie ein Federzug auf der Pergamentrolle, die Gott beschreibt. Er war gar nicht voller Rache oder Wut, fast schon wirkte er gnadenvoll (Etwas, das er als Gegenspieler nicht verkörpern dürfte?). Und sieht wohlmöglich bereits zu diesem Zeitpunkt ein, dass es keinen Sinn hätte, eine solche göttliche Macht zu bekämpfen oder auch nur den Versuch zu starten, ihr die Stirn halten zu können.

Warum aber versucht er sich dann doch als schwarzer Gegenspieler des weißen Wals?

Sollte er gezwungen sein, ihn zu spielen, kann man ihn vergleichen mit dem, was Freud in seinem Konstrukt über den psychischen Apparat des menschlichen Denkens als "Es" bezeichnet hat? Das Es entspricht somit den Trieben, gegen die der Mensch erst kämpfen muss, um seine Aufgaben zu erfüllen, die Gott ihm auferlegt ... Doch hat dieses Es denn neben seinen Trieben ein so weit reichendes Bewusstsein, das ihm gestattet seine Ausweglosigkeit im Kampf gegen "Gott" zu erkennen?

[I]"... bildet den Auftakt für einen für mein Schaffen grundlegenden Song: [i][b]M[/b]achine’s[/i] [i][b]D[/b]eath[/i]…"[/I]

[I]"Was ist es nur? Welcher Dämon, welches unerforschliche Wesen treibt und drängt mich wider alle Sehnsucht und Liebe unaufhaltsam und ohne Unterlass weiter und zwingt mich zu Taten, die mein eigentliches inneres Wesen verabscheuen würde?

Ist Ahab Ahab?" [/I]

Sehr schöner Kreisschluss, da Ismael einen Mann in der Kneipe fragte, wer diese Gestalt dort sei, wegen der jedes Wort, jedes Lieb und jedes bunte Treiben urplötzlich verstummte.
"Das ist Ahab"
"Wer ist Ahab?" so entgegnete er,
"Ahab ist Ahab." so die Antwort.

Und dann die Infragestellung von Ahab selbst.
Ist es Ahab oder ist Ahab etwas, was er nicht ergründen kann... Aber was könnte Ahab sein, außer Ahab selbst? Ist Ahab doch der böse König, nach dessen Tod die Hunde sein Blut aufleckten?
[size=1](Er solle nicht ungerecht sein, so antwortet man einst Ismael, als er von der Bedeutung des Namens "Ahab" erfuhr, schließlich sei es nur ein Namen und anhand eines Namens dürfe niemand verurteilt werden)[/size]
Was treibt ihn dazu, überall Vokabular einzupflechten, das metaphorisch mit dem Teufel übersetzt werden muss?

[I]"Bin ich es, ist es Gott, oder wer sonst, der diesen Arm bewegt? Doch wenn selbst der Gestirne Lauf und Bahn nur durch des Allmächtigen Kraft gelenkt wird, wie kann mein winziges Herz da pochen, mein armes Hirn denken, wenn nicht Gott dieses Herz pochen lässt, diese Gedanken denkt und mein ganzes Leben lenkt - und nicht ich. Bei Gott im Himmel... Wir werden um und um gedreht auf dieser Welt, wie diese Spill dort, und das Schicksal führt die Handelsbarke. Zu alledem ein Himmel, der heiter lächelt, und die unergründliche endlose See... Schauen Sie! Schauen Sie hinab in die Tiefe! [i]Sehen[/i] Sie das ewige Morden da unten? Wer hat es diesen Geschöpfen eingegeben einander zu jagen und zu töten? Was geschieht mit diesen [i]Mördern[/i]? Wer sollte sie wohl verurteilen, wenn der Richter selbst vor die Schranken muß? Aber wozu solch Grübeln an diesem friedlich schönen Tag..."[/I]

Er blickt so viel ... erkennt die Gottes- und seine Ohnmacht, weiß um das Schicksal.

Und welche Tiefe meint er nur? Die Tiefe der See im Gegensatz zu dem heiter lächelndem Himmel? Was ist die See, was ist das Meer, das die Menschen zu sich ruft, über steinige Wege und Bäche hin, so, wie es Ismael gerufen hat, wenn ihn das Unbehagen packt, wenn er beginnt, Leute anzurempeln, wenn es ihm vielleicht zu gut ergeht.

Er zweifelt an der Berechtigung der Macht Gottes, der die Menschen scheinbar wie Marionetten führt, und demnach für ihr Handeln, auch das ewige Morden da unten, verantwortlich wäre.

Er könnte also all diejenigen Meinungen verkörpern, die nicht verstehen können, wieso es ewiges Morden gibt, wenn es sowas wie Gerechtigkeit geben soll. Was ist das für ein Gott, der Ungerechtigkeit zulässt und dennoch ver-urteilend auf seine Marionetten herab blickt.

[I]"Was ist es nur…

Ich vermag nicht zu sagen, was mich an Moby Dick fesselt. (*lacht* … [i]was mich an Moby Dick [b]fesselt[/b][/i])."[/I]

Ich denke, du meinst wie Ahab, der an Moby gefesselt endet, den anderen noch immer zuwinkend, ganz, wie in der Prophezeihung des Elias.

[size=1] ... Elias ... Welche Rolle hat Elias in der Bibel?[/size]
Mahsheed[I]"Ja, in der Tat - ich bin gefesselt. Und mein Moby Dick ist jene Seelen zermahlende, Leben verhöhnende Maschine, die nicht greifbar und doch allgegenwärtig ist.

Aber… es geht noch so viel tiefer…

Denn genau genommen wüten Ahab und der weiße Wal in mir selbst: Ahab = Meine Vernunft, die in dem Bemühen, dieser so wahnwitzigen Welt einen Sinn abzuringen jedes Mal auf’s neue scheitert, weswegen ich immer hasserfüllter werde (nicht zuletzt, weil Gott mir eine Antwort schuldig bleibt)… auf der anderen Seite der weiße Wal, mein Gefühl/meine Intuition, die mich drängt in Gott und die Liebe zu vertrauen, auch wenn ich nicht verstehen kann, worin der Sinn all diesen Leids liegen soll…"[/I]

Das, was das Grundproblem vieler ist, die nicht (mehr) glauben können oder die dies noch nie konnten. Im Koran, habe ich gelesen, werden sie kurzhand als Ungläubige bezeichnet und mit keiner Silbe un-unheilsvoll erwähnt. Ich maße mir nicht an, die Worte des Korans richtig zu deuten ...

Nur scheint es mir so wichtig zu sein, die berechtigte Frage - denn jede Frage ist keine dumme - nicht tot, und still zu strafen, sondern vielmehr zu beantworten.

Was soll das sonst für einen Sinn machen, diese Verzweiflung und innere Zerissenheit, den Konflikt mit seinem Verstand zu ertragen?

Ich habe bereits gehört, wie diese Frage einmal beantwortet wurde ...

Gott hätte die Stricke unseres Lebens in der Hand und zieht sie. Dennoch sind wir sehr wohl keine Marionetten. Wir haben die Aufgabe, uns selbst zu entwickeln und aus allen Fehlern, die wir tun zu lernen. Denn wenn Er uns all das selbst einflößen würde, gäbe es in Wirklichkeit keine Existenz der Menschen, sondern tatsächlich nur Ihn.
Um uns zu bewähren, haben wir so etwas wie ein angeborenes Wissen in uns, etwas, was uns von klein auf sagt, was gut und was böse ist. Aber wir haben die Freiheit, dies anzunehmen oder nicht. Denn es ist soetwas wie ein Geschenk. Die Güte Gottes ist ein Geschenk und genauso seine Gnade. Wir müssen sie nicht annehmen, aber wenn wir im Magen des Wals sitzen und beten, dann wird uns niemals das Geschenk versagt, was uns schon seit unserer Geburt gehörte. Und das nicht vordergründig deshalb, um uns unsere Einsicht zu erzwingen, sondern um uns das zu geben, was uns zusteht. Ahab ist vielleicht nicht Ahab. Aber Geschenk ist Geschenk.

Dennoch wirkt das wieder paradox, denn wenn man doch nicht gezwungen ist, ein Geschenk anzunehmen, kann es doch gleichwohl nicht rechtens sein, das Nicht-Annehmen zu bestrafen?

Nun, und daraus wird von manchen Stimmen erwogen, dass Gott und das Schicksal zwei verschiedene Dinge sind ... Wenngleich miteinander verwoben. Das Schicksal scheint etwas zu sein wie eine Waage. Wenn jemand etwas böses tut, ereilt ihn wie von selbst eine Strafe. Was diese Strafe ist und wie hoch sie ausfällt, vor allem, ob sie hoch genug ausfällt, liegt nicht im Ermessen von Menschenverstehen. Dennoch lässt sich häufig erkennen, dass sich Menschen selbst bestrafen, wenn sie selbstsüchtig sind ... so wirken sie ewig unglücklich, unzufrieden und allein und vielleicht niemals am Ende mit sich eins, so wie es Ahab war.

Ahab aber kam menschlich und nicht böse herüber. Und indem ihm aber böse Eigenschaften, die ja den Geboten Gottes nicht entsprechen, zugeschrieben werden, gilt es, den Begriff des Bösen zu entmystifizieren und zu relativieren, wohl aber den Inhalt des Bösen nicht zu legitimieren.

Man hat als Betrachter des Films keine Wut auf Ahab, nein, im Gegenteil, sein Leiden, sein Denken ist sogar so sehr nachvollziehbar. Aber dennoch sieht man, wohin ihn das (exemplarisch) "Böse" führt ... Durch seinen Wahn, seine Selbstsucht, seinen Egoismus führt er das gesamte Schiff in den Untergang ... bis auf einen, der das Geschehene bezeugt und als Parabel wiedergibt, um dem Rest der Menschen das Lernen einfacher zu machen und die Einsicht vielleicht schon eher zu vermitteln, nicht erst im Walmagen.
Mahsheed[I]"Gudrun Ensslin benutzte Charaktere aus [i]Moby Dick[/i] als Code-Namen für die in Stammheim inhaftierten Mitglieder der RAF.

Gudrun wurde „Smutje“,
Baader „Ahab“,
Holger Meins „Starbuck“,
Jan-Carl Raspe „Carpenter“,
Gerhard Müller „Queequeg“,
und Horst Mahler „Bildad“.

Ensslin nannte Ulrike Meinhof „Teresa“, die kein Charakter aus Moby Dick war. "[/I]

Nun, ich bin ebenfalls nicht besonders firm, was die RAF-Geschichte anbetrifft. Mich würde sehr interessieren, inwiefern sie diese Erzählung auf sich beziehen wollten.

Ich denke, dass sie einmal, ganz anfangs von klugen Gedanken geleitet waren. Ich weiß aber nicht, welcher Logik sie folgen konnten, als sie begannen, Verbrechen zu begehen, Morde. Sie haben sich selbst ad absurdum geführt und mehr kaputt gemacht als sie Konstruktives anstellen wollten.

Ahab hat nicht gemordet, aber Ahab hat ähnlich wie Prof. Soran (Star Trek) agiert ... Ihm war jedes Opfer recht, um an seinen Ort der Glückseligkeit zu gelangen, er ging dabei sogar soweit, Leichen in kauf zu nehmen. Nur hat uns Melville gezeigt, dass Ahabs Vorhaben scheiterte.

[I]"Das Drehbuch zum [i]Moby Dick[/i] von 1956 wurde von Ray Bradbury geschrieben, der dafür einen Oscar bekam."[/I]

Ich erblicke eine Verquickung seltsamer Zufälle ...
rainravenIch kenne Film und Buch und Hörspiel aus meiner Jugend, habe es damals nicht als Parabel verstanden, sondern ich war fasziniert von Seemannsgeschichten (auch Der Seewolf, Schatzinsel, Meuterei auf der Bounty etc.) und fand den Charakter und das (zumindest in meinm Buch langhaarige) Aussehen von Kapitän Ahab ganz toll, und er tat mir auch leid. Nach ihm , Ahab ("Ahy") wurde auch ein kleiner, einbeiniger Vampir in meinen selbstgeschriebenen Geschichten benannt.


T.R.
Hirogender hund quiqueg war ein kleiner braunroter wollbündelspitz, glaub ich....so einer wie chester von der nanny fran fine, der ja eigentlich c. c. babcok gehörte (hoffentlich schreibt die sich so?)...

***

ich glaube, weder im buch, noch im film war so viel tiefgründigeshintergrundparabelzeugs angedacht, wie hier aufgebläht reininterpretiert wird...

aber wenn diese geschichte derartige fantasiegedanken weckt und dem ein oder anderen hilft oder gefällt, so sei es ihm aufrichtig gegönnt....



mfG


Hirohito


PS: in letzter zeit werde ich von unterschiedlichsten leuten häufig , fast schon inflationär häufig lieb/lieber genannt..
Mahsheed"ich glaube, weder im buch, noch im film war so viel tiefgründigeshintergrundparabelzeugs angedacht, wie hier aufgebläht reininterpretiert wird..."

Nun ... das kann man wirklich nicht wissen ... Spielt aber auch keine Rolle. Selbst, wenn er sich gar nichts dabei gedacht hätte, kann das Werk für mich persönlich dennoch etwas offenbaren, was er zwar nicht beabsichtigt hat, aber ich gern erkennen würde. So ein Werk hat immer auch ein Eigenleben ... Und es entsteht jedesmal komplett neu mit jeder Interpretation seiner Zuschauer, Leser, Hörer.

"aber wenn diese geschichte derartige fantasiegedanken weckt und dem ein oder anderen hilft oder gefällt, so sei es ihm aufrichtig gegönnt...."

Danke für dein aufrichtiges Gönnen, ohne so ein Gönnen geht sowas auch viel schwerer von der Hand ...

"PS: in letzter zeit werde ich von unterschiedlichsten leuten häufig , fast schon inflationär häufig lieb/lieber genannt.. "

Vielleicht hast du mehreren so gute Filmtipps gegeben ...


~*~

Hier mal eine Begebenheit, die Melville zur Entstehung von Moby Dick mit veranlasst hat ... Eine Begebenheit, die von der Mächtigkeit des Meers und davon zeugt, dass der Mensch durchaus nicht Herr jeder Lage ist, dass es mächtigeres als die Menschheit gibt ...

In Höhe des Äquators, in den Weiten des Pazifiks nimmt das Unglück seinen Lauf. Der Walfänger "Essex" wird selbst zum Gejagten: Ein riesiger Pottwalbulle greift das Schiff an und versenkt es. Die "Essex" ist ein 328-Tonnen-Walfänger, solide gebaut, ein robustes Schiff, doch der Zusammenstoß mit dem Pottwalbullen ist zuviel für sie. Für die Mannschaft beginnt ein unglaubliches Martyrium. Wir schreiben das Jahr 1820.

Für die Walfänger waren Pottwale Anfang des 19.Jahrhunderts warmblütige Ölquellen! Sie zu fangen, war eine schwierige und gefährliche Sache: In Booten näherte man sich den Ungetümen, dann wurden die Harpunen geworfen. Wenn der Wal müde und erschöpft war, versuchten die Walfänger ihm eine Lanze in den Leib zu stoßen und in den bei der Lunge zusammenlaufenden Arteriensträngen herumwühlen, bis der Wal schließlich an seinem eigenen Blut erstickte.

War die Jagd erfolgreich, ging die Arbeit weiter: Der tote Wal wurde in Öl verwandelt. In jenes Öl, das die nächtlichen Straßen erleuchtete und das Räderwerk des Industriezeitalters schmierte.

Am Morgen des 23. Februar 1821 machte ein Walfänger namens "Dauphin" eine schreckliche Entdeckung: Ein einsames Walboot schaukelte scheinbar menschenleer im Ozean. Als die Dauphin nahe genug an das Boot herankam, bot sich der Mannschaft ein Anblick, den sie nie vergessen haben dürften: Überall lagen menschliche Knochen und Gebeine. Und dann gab es da zwei Männer, zusammengekauert, jeder in einem Ende des Bootes, die Haut verbrannt, die Bärte salz- und blutverkrustet. Das Allerschlimmste jedoch, die Männer saugten an Knochen.

Später begann einer der Überlebenden zu sprechen. Die Geschichte, die er erzählte, schien ein Puzzle zu sein, zusammengesetzt aus den Alpträumen eines Walfängers: Sie handelte von Schiffbrüchigen, die ohne Proviant und Wasser in einem Boot auf hoher See dahintrieben, von Sturm und Gefahren und - einem offensichtlich rachesüchtigen Wal.

Der Erzähler, Ismael, heuert als junger Mann auf einem Walfänger an. Er schließt Freundschaft mit einem erfahrenen Harpunierer namens Quiqueg, einem tätowierten Südseeinsulaner. Das Schiff segelt unter dem Kommando eines mürrischen, einbeinigen Kapitäns. Ahab, so der Name des Kapitäns, ist gar nicht am Walfang interessiert, er ist ganz auf die Suche und Vernichtung eines weißen Wals namens Moby Dick fixiert, dem Schrecken der Meere.

In einem ungenau festgelegten Gebiet südlich von Japan kommt es zum Showdown. Aufgehetzt durch ihren wahnsinnigen Kapitän werfen sich die Männer zum Äußersten bereit in den Kampf. Ahab wird das Opfer seiner Obsession. Ein Tau schlingt sich um seinen Hals und reißt ihn aus dem Boot, er ertrinkt. Im großen Finale wendet sich der weiße Wal gegen das Schiff, rammt es und schickt es ebenso auf den Meeresgrund wie jener riesige Potwalbulle, der die Essex zerstört hat. Nur der Erzähler, Ismael, überlebt.

180 Jahre lang war für die Außenwelt die beste Quelle über das Unglück der Essex der Bericht des Obermaates, Owen Chase. Doch 1960 wurde auf dem Dachboden eines Hauses im Bundessaat New York ein Notizbuch entdeckt, dem vorerst niemand Aufmerksamkeit schenkte. Erst 20 Jahre später gelangte das Büchlein in die Hände eines Walfangexperten und dieser erkannte, dass es sich beim Besitzer des Notizbuches um Thomas Nickerson handelte, dem damaligen Kajütenjungen auf der Essex.

"Mit Hilfe dieser neuen Quelle lässt sich nun ein noch genaueres Bild vom Unglück der Essex nachzeichnen", meint Autor Nathaniel Philbrick. Philbrick hat sich beinahe mit "ahab-scher Verbissenheit" auf die Geschichte der Essex gestürzt. Er hat Material über den Walfang jener Epoche, über das Überleben auf See, über die psychischen und physiologischen Auswirkungen des Hungerns zusammengetragen, um jedes Detail dieser tragischen Geschichte zu verstehen.

Der Hauptsitz dieses weltumspannenden Ölgeschäfts war eine kleine Insel vor Neuengland namens Nantucket. Die meisten Einwohner waren Quäker, Mitglieder einer Sekte, die weltliche Protzerei ablehnten, nicht jedoch das Geldverdienen an sich.

In Ermangelung anderer Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, verschrieben sich die Nantucketer mit Haut und Haaren der Jagd auf den Pottwal. Gnadenlos erwerbstüchtig, technologisch fortschrittlich und von dem Glauben beseelt, gleichsam auserwählt zu sein, stellte Nantucket im Jahr 1821 in kleinerem Maßstab schon das dar, was Amerika erst noch werden sollte. Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass die Insel nur eine Generation später bereits dem Untergang geweiht war, so wie die Mannschaft der Essex.

Die Mannschaft der Essex erkannte zwar, dass das nächste bekannte Land die Marquesasinseln wären, doch entschieden sie sich, die viel weiter entfernt liegende südamerikanische Küste zu erreichen. Der Grund, sie hatten Angst vor Kannibalen. In Anbetracht dessen, was dann wirklich geschah, eine der grausamsten Pointen in der Geschichte der Seefahrt.

Die Männer, insgesamt 20, verteilten sich auf drei Fangboote. Dass es den Männern gelang einen schweren Sturm zu überstehen und dass sie die Boote auf hoher See einunddreißig Tage zusammenhalten konnten, spricht für ihr seefahrerisches Geschick. Doch die schwindenden Vorräte bildeten das eigentliche Problem.

Als am 35.Tag ein Sturm die Boote der Männer auseinander trieb, war ein Mann im Boot von Obermaat Chase gestorben. Wenig später starb ein Zweiter an Auszehrung, und auch er wurde der See übergeben. Doch als ein Dritter starb, beschlossen die Überlebenden, das wenige Fleisch, das noch an seinem Körper war, zu essen. Sie hackten die Arme und Beine des Toten ab, um das Fleisch einfacher davon lösen zu können. Sie öffneten den abgemagerten Körper und nahmen das Herz heraus. Dann nähten sie den Leib wieder zu und warfen ihn ins Wasser. Als erstes aßen sie das Herz. Das Fleisch brieten sie. Zehn Tage später wurde Owen Chase mit zwei überlebenden Gefährten mehr tot als lebendig von einem englischen Schiff aufgenommen.

Drei Männer aus Owen Chase's Boot, Kapitän Pollard und seinen letzter Gefährte und die drei Männer auf der Insel Henderson, die später von einem Schiff gerettet wurden, - sie waren die einzigen Überlebenden der Katastrophe.

Unbestritten jedoch ist, dass der Kannibalismus, wie gerechtfertigt auch immer, eine [B]kulturelle Erschütterung[/B] war und ist - eine Handlung, die so beunruhigend ist, dass sie für die Allgemeinheit unweigerlich schwerer hinzunehmen ist als für die Überlebenden, deren Rettung sie bedeutet.

Pollard ließ sich von dem Grauen, das er im Walboot erlebt hatte, nicht besiegen. Herman Melville, der mit Pollard über dessen Erlebnisse gesprochen hatte, war beeindruckt von Pollards Aufrichtigkeit. Für Melville war Pollard eine der größten Persönlichkeiten, die ihm je begegnet waren.
MahsheedGedankennotiz

Ahab = Gegenspieler Gottes = Teufel?

Ich frage mich, weshalb es zu der Annahme kam – falls es zu einer solchen kam – Gott müsse durch die Projektionsfläche des Bösen - den "Teufel", entlastet werden.

Ich vermute die Antwort derer, die dies behaupten würden; denken sie doch, dass man im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu recht-fertigen weiß, warum das Böse auf der Welt zugelassen werden kann, wo doch Gott der allmächtige Marionettenspieler sei.

Wäre dies die Begründung, so würde so antworten, dass man Schicksal und Gott trennen müsse. Eine andere Erklärung fällt mir noch nicht ein, aber ich bin auf der Suche nach Hinweisen. Die Vorstellung davon, dass wir Marionetten in den Händen Gottes sind, ist eben – so denke ich derzeit - nicht die richtige.

Im göttlichen Prinzip spiegelt sich alles wieder; jede Naturgewalt und all das, wozu belebte oder unbelebte Natur zu tun in der Lage sind. Alles vollzieht sich im (für uns aber nicht für dieses Prinzip) phänomenalen Zusammenspiel von Bahnen, die wir nicht verstehen können/müssen, gesponnenene, verwobene unsichtbare „Bände“ oder „Seilschaften“ , hinauslaufend auf eine Art Waagschalenprinzip, durch welches Taten, Handlungen, Geschehnisse mit Gegentaten, Gegenhandlungen, Gegengeschehnissen beantwortet werden, immer auf ein Gleichgewicht ausgerichtet, das zu erfassen, zu ergründen wir Menschen nicht alle, nicht immer oder überhaupt nicht in der Lage sind.

Dieses göttliche Prinzip scheint aber zu werten, es führt dabei in dieser Konsequenz zu einem gerechten Ausgleich, wobei das Göttliche daran auch dasjenige Moment des Wertens von gut und böse ist. Dieses Prinzip ist zwar eng mit dem Schicksal verwoben, aber nicht dasselbe wie das Schicksal:

So wie die Bewegung eines Sandkorns in feinstofflicher Weise sämtliche andere Kräfte in Bewegung setzt, im Endeffekt vielleicht sogar Ursache für den Richtungsverlauf eines Baches oder gar Flusses ist, so verstehe ich auch den Vollzug des Schicksals. Vielleicht setzt der Werdegang des Schicksals eines einzigen Menschens schon bei der Verschmelzung des Samens mit der Eizelle ein, vielleicht aber auch schon vorher. Was ich sagen möchte ist, dass es möglich sein könnte, dass die genetischen Anlagen eng mit dem Schicksal verwoben sind, insofern, als dass angeborene Eigenschaften zu Verhaltensweisen führen, die mit der oben beschriebenen Bewegung des Sandkorns zu vergleichen sind. Es ist bereits mit der Geburt aufgrund der Veranlagung (welche wiederum schicksalsbedingt ist) bestimmt, was dieser Mensch in chronologisch folgender Reihenfolge innerhalb seines Lebens tun und erleben (müssen) wird.

Das Schicksal bestimmt in meiner Vorstellung die Ausrichtung, die Gestalt und die Stärke der eigenen Triebe. Aber wir bestehen eben nicht nur aus diesen Trieben sondern wir besitzen in uns so etwas wie einen göttlichen Funken; angeboren, bei jedem Menschen vorhanden. Dieser angeborene Funken gibt uns intuitiv ein, was gut und schlecht ist, selbst, wenn wir nicht gelesen oder gehört hätten, was als gut oder böse gilt, wüssten wir, was gut oder böse ist.
Je nachdem, wie groß der Grad der Einhaltung dieser intuitiven Richtschnur ist, desto „besser“ handeln wir. Und je geringer der Grad der Einhaltung gemäß der Vorgaben dieser inneren Richtschnur ist, desto „schlechter“ handeln wir.

Und jetzt kommt das göttliche Prinzip zur Geltung; es reguliert sozusagen die schicksalsbedingte „Vergeltung“ jeder Tat, ohne die Intuition einer „Vergeltung“ oder „Strafe“ zu besitzen. Es ist eben nicht Gott, sondern das göttliche Prinzip, das für diesen Ausgleich sorgt.

Gott hingegen hat nur die Funktion des Allerbarmers, des End-Gütigen, sozusagen, der wie ein Geschenk bereit ist, Gebete zu erhören, zu vergeben, zu begnadigen. Ich denke aber, dass es den Menschen oft nicht möglich ist, die Auswirkung eines göttlichen Aktes zu erkennen. Gott stellt für mich innerhalb des göttlichen Prinzips etwas oder jemanden dar, der oder das mit Menschen in Verbindung treten kann, ihnen das Gefühl vermittelt, mit ihnen zu kommunizieren, ohne dass sie ihn verkörperlicht sehen. Vielleicht ist er überhaupt keine körperliche Erscheinung, sondern eine Art unzusammenhängende Wolke schimmernder Partikel … Die Gestalt ist völlig irrelevant, auch ob er eine echte, menschengleiche Stimme hat … Wichtig ist, dass wir spüren, dass er und wir in einen Austausch treten können. Durch Gott ist es möglich, dass das Schicksal innerhalb des göttlichen Prinzips gnädiger ausfallen kann. In welcher Weise Gott diese Gnade ausfallen lässt, wie sich das in unserm Wahrnehmen konkret verhält, entzieht sich meiner Vorstellung. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir oft gar nicht bemerken, wo oft unsere Gebete erhört wurden, obwohl wir dachten, nicht beachtet worden zu sein. Das nämlich, wofür wir bei Gott beten, muss nicht immer das sein, was tatsächlich unser Schicksal gut beeinflussen würde. Ab und an sind wir in der Lage zu spüren, dass wir Beistand erhalten haben. Aber oft hält die Überzeugung dessen, dass es sich um göttliche Hilfe gehandelt haben muss. das Versprechen an uns selbst, das niemals zu vergessen und dankbar zu sein, nicht immer lange an; wir zweifeln und vermuten vielleicht, uns da was eingebildet zu haben. Erschwerend kommt die Vorsicht unserer Ratio hinzu, dass man sich allerhand zusammen spinnen und somit auch ein Konstrukt schaffen kann, durch welches wir versuchen, uns die Existenz eines Gottes zu legitimieren, eine Art Verschwörungsplan, durch dessen perfekt ausgeklügelter Gedankenkette wirklich alles zu rechtfertigen ist unter dem Vorwand, es geschähe innerhalb des selbst konstruierten göttlichen Prinzips …

So stehen wir ständig vor der hin- und herreißenden Aufgabe, auf unsere innere Stimme zu hören, unser Gefühl, dass uns Recht gibt und behauptet, dass es tatsächlich Gut und Böse gäbe, sogar festgeschrieben, und nicht zu resignieren an unserer Kognition, mit deren Hilfe wir nicht eindeutig belgen können was Gott ist, ob und wie er funktioniert und ob es ein Schicksal gibt oder ein göttliches Prinzip. Aber nur, weil wir nicht verstehen, heißt das nicht, dass die wahrhaftige Konsequenz daraus ist, dass es auch keinen Gott gibt.

[I]"ES GIBT KEINEN "Tod". Das Leben geht immer und ewig weiter. Das Leben ist. Ihr ändert nur einfach die Form."[/I]

Dieses Gedankenkonstrukt ist nicht das eine Gott-Gläubigen aber auch nicht das eines Atheisten. Ein Atheist würde nicht denken, dass das Leben immer weiter geht. Für ihn endet es mit dem Tod. Aus dem Körper weichende Lebensenergien verflüchtigen sich wie schlechte Luft. Gemein ist beiden Gedanken, dass keine Strafinstanz folgen kann, weil nirgends ein Richter sein wird, wo schon kein Kläger war. Da beide die Existenz Gottes verneinen. Beide Gedankengänge gefallen mir in einer Weise nicht; sie bergen die Gefahr, dass all diejenigen, die es schaffen, mit ihren kühlen Kognitionen (von dieser Überzeugung genährt), ihr (göttlich veranlagtes) Gewissen zu überdecken. Sie legitimieren, dass sie schlechtes tun können, da es doch ohnehin nicht bestraft wird. Und man auf dieser Welt Narrenfreiheit besitzt.

Als Mensch hat man, so glaube ich, nicht die Möglichkeit, Einblick in das zu halten, was nach dem Tod folgt. Sämtliche Todesvorstellungen in Religionen zielen, so vermute ich jedenfalls, darauf ab, die Menschen Ehrfurcht verspüren zu lassen. Denn nichts kann die meisten von uns so in Ehrfurcht verfallen lassen wie ein Glauben daran, dass nach dem Tod etwas folgt, das wir selbst mit verursachen. Wir würden durch so einen Glauben zu einer Art Verantwortung gezwungen.

Wenn auch "nur" die Verantwortung für unser eigenes Handeln in der Zeit, in der wir leben. Ohne diesen Glauben, also den Glauben daran, dass mit dem Tod nicht alles endet, hätte das Predigen vom Guten und Schlechten keinen Sinn. Wie kann man - hart ausgedrückt - einen Hund konditionieren, ohne ihn als Konsequenz für ein Handeln ein Leckerli oder eine Entsagung/Strafe erfahren zu lassen ...

Sowas scheint mir jeweils die Intention dieses Glaubens zu sein, ausgehend davon, dass der Mensch von Natur aus eben nicht gut ist und nicht aus sich selbst heraus für sich selbst verantwortlich entscheiden kann.

An einen rachesüchtigen Gott glaube ich ohnehin nicht. Mein Gott, an den ich glaube, steht mit Güte, Vergebung, Nachsicht, Väterlichkeit, absoluter Wärme, Vertrautheit gleich. An alles andere könnte ich niemals glauben. Ich habe keine Angst vor Gott und auch keine Angst vor Gottes Strafe, da er nicht straft. Strafe erfolgt insofern, dass mir das göttliche Prinzip alles in barer Münze zurück zahlt, was ich produziere.

Was der Film zu mir spricht, habe ich noch immer nicht heraus gefunden.
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[IMG]http://www.tfs-siegen.de/Azoren/Pottwal%207.jpg[/IMG]

Ein Wal ist das mystischte Wesen unter der Kategorie "Tiere", das es für mich gibt.

Wir wissen sehr wenig über die Kommunikation dieser Tiere; aber allein das Wissen darüber, dass sie diese beherrschen - in diesem [I]komplexen Umfang[/I] beherrschen - sollte Menschen davon abhalten, sie zu jagen.

[size=1]1977 ging die Raumsonde Voyager-II auf die Reise. An Bord der Raumkapsel befindet sich eine Kupferplatte, die Erd-[I]Kultur[I] gespeichert hat: unter anderem klassische Musik, Chuck Berrys "Johnny B. Good", das Schreien eines Babys, das Geräusch eines Kusses, Walgesänge. [/size]

Ein sehr schwieriges Thema, wie ich weiß ... Denn, so wird man entgegnen, warum nur der Wal, wenn die anderen Tiere doch auch kommunizieren ... Wo also Grenzen setzen? Was aber tun, wenn sich Tiere weiter entwickeln oder viel weiter entwickelter sind, als wir annehmen oder gestehen wollen? Es wäre längst schon Zeit gewesen, dafür sensibler zu sein und Hierarchiedenken mit Respekt vor anderen Wesen zu tauschen.

Wale existieren schon so lange auf diesem Planeten. Es fällt mir nicht leicht, sie überhaupt wie Tiere zu betrachten. Und tatsächlich erkannten Menschen schon einmal, dass sie Wale falsch klassifiziert hatten.
Man dachte, dass es sich bei diesem Wesen um einen Fisch handeln würde. Daher auch die alte Bezeichnung "Walfisch". Der "große Fisch", der laut biblischer Erzählung den Propheten Jona verschlingt und wieder an Land speit, ist Symbol für die Auferstehung Christi. Luthers Bibelübersetzung sieht in diesem Fisch einen "Walfisch".

Ich erlaube mir nun, erläuternde Textstellen anzufügen, die aus diesem Link entnommen wurden und mir sehr viel mehr Klarheit verschafften ... in Bezug auf die Deutung des Werkes:

[url]http://www.ubf-dortmund.de/predigt/jona/kw200229.htm[/url]

[list][font=times new roman][color=ffffff][U]Jonas Rettung[/U]

"Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte." [Bibelstelle]
[...]
Wenn wir über das Christentum sprechen, haben wir unter anderen zwei Bilder von Fischen: Ein kleiner Fisch und ein großer Fisch.
Das Bild vom kleinen Fisch ist ein Symbol des Christseins im NT.
Ein Bild vom großen Fisch ist ein Symbol der Gottes Anwesenheit, Begleitung. Dieses Bild stammt aus Jona.

Dieses Kapitel ist ein Dankgebet Jonas in einer Form vom Gedicht und kurz.

Jona war ein Prophet, und erhielt von Gott einen außergewöhnlichen Auftrag, die große heidnische Stadt Ninive zur Buße aufzufordern. Er weigerte sich aber, Gottes Mission auszuführen, weil er die Buße der Heiden und ihre Errettung nicht akzeptieren wollte, und versuchte, vor Gott zu fliehen. Gott packte Jona am Arm und brachte ihn in die ausweglose Notsituation, so dass er ins Meer geworfen werden musste. Jona musste seinen eigenen Plan abbrechen.

Nun, warum rettet Gott Jona, obwohl Jona Gott gegenüber ungehorsam war?

Wir können sagen, dass Gott mit Jona ein großes Erbarmen hat. Dass Gott Jona weiter für die Mission gebrauchen will, ist zweitrangig. Gott hätte ihn in Stich lassen, durch den anderen Prediger die Stadt Ninive zur Buße führen, und dadurch Gottes Gerechtigkeit und Allmacht offenbaren können. Aber Gott rettet Jona im Bauch des Fisches.

Wenn wir allgemein über das Leiden oder über die Verheißung vom Messias sprechen, dann hat der Prophet Jesaja am meisten den kommenden Messias prophezeit. Jes 7, 9, 11 und 53 sind die typischen Prophezeiungen über die Geburt und Leiden Jesu.

Wenn wir aber über den Tod und die Auferstehung Jesu in drei Tagen sprechen, dann hat der Prophet Jona das passende Zeichen hinterlassen.
Also, es ergibt sich eine besonders enge Verbindung Jesu mit dem Propheten Jona.

Wenn Jesus vom 'Zeichen Jonas' spricht, dann sieht er im Jonabuch kein Märchen, sondern wirkliche Geschichte. Jesus entnimmt aus ihm zweierlei, und zwar die Weissagung seines Todesleidens in der Erde, und die tröstliche Verheißung seiner Auferstehung nach drei Tagen.

Nachhinein können wir sagen, dass Gott für die Todesleiden und die Auferstehung Jesu schon im AT ein Zeichen gegeben hat. Gott gebraucht und rettet Jona als Zeichen.

[U]II. Jonas Gebet[/U]

Jona überlebt im Bauch des Fisches, ohne zerstückelt, erstickt oder aufgelöst zu werden. Das ist ein Wunder! Bemerkenswert ist auch der Wandel im Verhalten Jonas vor und nach der Rettung.

Der Sinneswandel Jonas zeigt, dass Jona von Anfang an alles genau wusste aber absichtlich Gott gegenüber ungehorsam war.
Er weigerte sich, im Schiff aufzustehen und Gott anzurufen. Nun sieht er sich gedrängt, zu dem Herrn im Leibe des Fisches zu beten.

In seinem Gebet bekennt er, dass er so große Angst hatte. Er bekennt, dass Gott auf sein Schreien geantwortet hat. Seine

Angst vor den großen Wogen und Wellen war unbeschreiblich.
Jona hatte Angst, als er in das tiefe Meer versank. Er schrie vor dem Tor des Todes. Jona dankt Gott, dass Gott doch ihn am Leben bleiben lässt.
In den Versen 4, 6 und 7a beschreibt Jona seinen Kampf ums Überleben. Er wurde in die Tiefe, mitten ins Meer geworfen. Die Fluten umgaben ihn, und Wogen und Wellen gingen über ihn. Er sank hinunter zu der Berge Gründen. Meerespflanzen umringten ihn und bedeckten sein Haupt. Wir vermuten, dass Jona versucht hat, mit ganzer Kraft nach oben zu schwimmen und dabei viel Wasser getrunken zu haben. Jona schreibt nicht, wie lange er gekämpft hat.

Aber im Vers 5 dachte er, er wäre von Gott verstoßen worden und nun tot. Er hat vielleicht die Hoffnung aufgegeben.
Im Vers 8 sagt Jona, als seine Seele in ihm verzagte, gedachte er an Gott.

Da kam er zur Einsicht.
Er erkennt, was er getan hat, warum er so viel leiden musste. Als er verzagt war, betete er zu Gott.

[...] Gott will, dass wir Gottes Auftrag wieder annehmen und unsere Gelübde erfüllen.

[U]III. Jona wieder am Land[/U]

Gott verzeiht Jona seinen Ungehorsam, nimmt seine Buße an und macht dem Elend ein Ende. Wie Gott einen großen Fisch hat kommen lassen, so spricht Er dem Fisch, dass der Fisch nun Jona ans Land bringen soll. Der Fisch taucht an der Wasseroberfläche auf und speit Jona ans Land aus. [...]

Gott ist jedem gnädig.

[/font][/color][/list]
Pelloquin[size=5]Ein weißer Wal im trüben Strom.[/size]

[size=4]Erkennispotentiale digitaler Bildbearbeitung[/size]


[i]Karl Prümm[/i] [Quelle: [url="http://www.uni-konstanz.de/paech2002/zdb/beitrg/Pruemm.htm"][/url]]



... Dabei bedurfte es gar keiner aufwendigen Manipulation, um die Realitätsbilder zu verzaubern, denn bisweilen bringt die Wirklichkeit Geschichten hervor, die unserer unstillbaren Sehnsucht nach dem Märchen vollendet entsprechen. Da geschehen gänzlich unerklärbare Dinge, alles ist voller Zeichen und Wunder, tausend Gefahren drohen, aber am Ende wird alles gut. Jeder bekommt das Seine. Dieser bezaubernde Film erinnert an eine unglaubliche Geschichte aus dem Sommer des Jahres 1966. Da sichteten Binnenschiffer, die ihren Augen kaum trauten, nahe bei Duisburg im trüben Rhein doch wahrlich einen weißen Wal, begegneten einem riesigen Tier, das im Eismeer beheimatet ist. Das ist ungefähr so, als würde eine Giraffe die Zugspitze erklimmen oder Köln mitten im August im Neuschnee versinken. Das Naturwunder elektrisierte damals die Massen und die Medien. Abertausende strömten zu den Ufern, besetzten die Brücken, einen Monat lang verfolgten Presse, Funk und Fernsehen tagtäglich die Odyssee des rätselhaften Rheinschwimmers. Der drehte zunächst in Duisburg-Ruhrort um und geriet durch einen Kanal ins holländische Eysselmeer. Doch kurz vor der eigens für ihn geöffneten Schleuse, die ihm den Zugang zum offenen Meer ermöglicht hätte, kehrte der weiße Wal um und schwamm in den Rhein zurück, als hätte er noch etwas zu erledigen. Bei seiner zweiten Irrfahrt stieß er bis zum Bonner Bundeshaus vor, unterbrach eine gerade laufende Pressekonferenz, für die sich niemand mehr interessierte, hatte aber dann doch die Nase voll von der Bundesrepublik und glitt in rasender Geschwindigkeit stromabwärts über Rotterdam auf Nimmerwiedersehen in die Nordsee zurück. Schon offenbart sich der mythologische Subtext dieser sagenhaften Geschichte: Der weiße Wal, dieser friedvolle Bruder von Spielbergs Weißem Hai ist ein geheimnisvoller Botschafter aus einer anderen Welt, eine ausgesetzte, heimatlose Kreatur, die sich aus den klaren Gewässern und der sauberen Luft der Antarktis in die schwarze Brühe des Rheins und in die verpestete Luft des Reviers verirrt hat. Nach einer rätselhaften und quälenden Odyssee findet er dann doch sein Element wieder, die offene See, taucht ab, entschwindet unseren Blicken, kommt endlich, wie 16 Jahre später E.T. - The Extra-Terrestial (USA 1982, dt. E.T. - Der Außerirdische), nach Haus.



Eine solche Erscheinung löst – der Film zeigt es uns ganz beiläufig und ohne analytisches Auftrumpfen – zwei Urimpulse aus: Es gibt den unbändigen Wunsch, dem geheimnisvollen Wesen nahe zu kommen, Augenzeuge des phantastischen Schauspiels zu werden, etwas Tiefes zu erfahren und an einem Wunder teilzuhaben. Es gibt aber auch den Trieb, das Rätselhafte und Unerklärliche zu jagen, abzutöten, die Irritation des Wunderbaren aufzulösen und so dem Realitätsprinzip gegenüber dem Traum Geltung zu verschaffen. Den bösen Jäger, ohne den kein Märchen auskommt, gab ein junger, smarter und ehrgeiziger Duisburger Zoodirektor, Dr. Gewalt (man glaubt es kaum, aber er hieß wirklich so), der dem weißen Hai mit Netzen, Betäubungspistole und Harpunen zu Leibe rückte. Immer wieder sehen wir Dr. Gewalt, wie er mit fanatischem Blick am Bug der in die Schlacht geworfenen Polizeischnellboote nach dem weißen Eindringling Ausschau hält. Doch da gab es einen einzigen Aufschrei der Tierschützer, der Presse und des Publikums. Entnervt gab Dr. Gewalt schließlich seine Jagd auf. Ohnehin hatte der weiße Wal mit seinen Finten und Fluchten die ausgeklügelten Fangmethoden des Zoologen der Lächerlichkeit preisgegeben. Längst war der Rheinschwimmer zum Gegenstand einer länderüberschreitenden Kontroverse geworden. Die niederländischen Zoologen plädierten für ein sanftes Gewährenlassen des Grenzverletzers und warfen dem deutschen Kollegen Dr. Gewalt tierfeindliche Brutalität vor. Der jedoch wollte zu keinem Zeitpunkt von seiner „Zuständigkeit“ und seiner Befehlsgewalt abrücken.

[ ... ]

Das wundersame Tiermärchen wird mit einer fabelhaften Multiperspektivik erzählt und zugleich ganz undramatisch vermenschlicht. Die Geschichte einer Aussetzung erleben wir aus der Perspektive des Opfers und des Gejagten, des junge Beluga-Wals, der aus seiner Sippe herausgerissen und aus seiner Lebenswelt vertrieben wird, um in einem englischen Zoo den Besuchern als Sensation dargeboten zu werden. Die Natur kommt dem Entführten zu Hilfe. Ein gewaltiger Seesturm befreit ihn, schleudert ihn aus seinem Bottich auf dem Deck des Frachters ins offene Meer. All das sehen wir in täuschend realen, aber am Rechner erzeugten Bildern. Die „subjektive“ Kamera steigert noch einmal die suggestive Illusion. So werden wir mit dem weißen Wal hineingespült in die Schreckenswelt der industrialisierten Natur, in das Gewirr der Hafenbecken, in das verdreckte Flußbett des total überschifften Rheins, wo die tiefliegenden Lastkähne mit ihren gefährlich rotierenden Schrauben den einsamen Taucher bedrohen. So erleben wir unsere Welt aus einer neuen, nie geahnten Perspektive. Schon die Erzählerstimme von Joachim Król verleiht dem Film eine besondere Färbung, bringt Nähe hervor. Sie klingt so glucksend-tapsig, als würde der Wal direkt zu uns sprechen. Wir übernehmen aber auch die Blicke der neugierigen Zuschauer, werden Aug in Aug mit dem geheimnisvollen Wesen konfrontiert. Auch dieses Vertrautwerden mit „Moby Dick“, wie der weiße Wal schnell genannt wurde, diese öffentliche Liebeserklärung, der sich damals niemand entziehen konnte, wird im Film kunstvoll eingefangen. Wir folgen mit einer immer rückhaltloseren Faszination den peitschenden Schwimmbewegungen, dem rasanten Abtauchen und den eleganten Unterwassertänzen. Wir kommen dem urtümlichen Besucher so nahe, daß wir angerührt werden von der schier unendlichen Melancholie, die aus seinen Blicken spricht. Und schon sind wir, wie die Augenzeugen damals, gefangen im Netz der Phantasien und Zuschreibungen. Der weiße Wal wurde zur Projektionsfläche von Ängsten und Wünschen, und so taucht dieser Film ganz tief in die Bewußtseinsgeschichte der sechziger Jahre ein. Als Menetekel und Fingerzeig der vergewaltigten Natur deuteten die einen das Erscheinen der fremden Kreatur, die anderen bezeugen, noch heute zu Tränen gerührt, er habe Liebe gestiftet und Glück gebracht. Ein Ehepaar erzählt, wie der weiße Wal die beiden zusammenbrachte. Aus Dankbarkeit bauten sie ein Passagierschiff, das noch heute auf dem Rhein verkehrt, gaben ihm die Form und den Namen des Glücksbringers. Und war sein Erscheinen nicht wirklich der Eingriff einer höheren Macht? Was löste der weiße Wal nicht alles aus: Er forderte zur Rebellion gegen die allgewaltigen und allwissenden Zoodirektoren auf und provozierte die listigen Gegenaktionen der Tierschützer. Die warfen aus Flugzeugen Proviant in den Rhein, denn schon wurde über den qualvollen Hungertod des exotischen Besuchers im fisch- und pflanzenlosen Rhein spekuliert. Und es kam dann doch wahrlich zu einer Wende in der Gewässerschutzpolitik! Von da ab gesundete der Rhein, der zu einem Abwässerkanal verkommen war. Das weltweite Verbot des Walfangs, das danach verhängt wurde, ist es nicht das Resultat jener spektakulären Demonstration des Eismeerwals, der für alle seine Artgenossen gesprochen. Hatte? Der weiße Wal fand seine Nachahmer. Kurz nach seinem Auftauchen erhoben sich die Studenten und erschütterten mit ihren Aktionen die Republik. Und stürzte der Besuch des fremden Wesens nicht die Regierungshauptstadt Bonn in ein Chaos? Im Oktober 1966 mußte Bundeskanzler Ehrhardt seinen Hut nehmen, Regierung und Koalition brachen auseinander. Als Mysterium, als Akt der Verkündigung deutet der Film am Ende, trotz aller ironischen Brechungen, die Odyssee des Eismeerwals. Wir, die Zuschauer, haben keinen Anlaß, dieser Interpretation zu widersprechen, zu sehr sind wir gefesselt von diesem Mysterienspiel. Gewaltig hebt sich der riesige Körper vor der Kulisse des Bonner Bundestages aus dem Wasser, ein Schrei ertönt. Die Kamera tastet wie am Ende von Vittorio de Sicas Miracolo a Milano (I 1951) die ergriffenen Gesichter der Zuschauer am Ufer ab, Bach-Musik überhöht das Ganze. Auch in der blasierten Moderne, das wird hier offenbar, ist die Sehnsucht nach dem Wunderbaren lebendig. Das „manipulative“ Spiel mit den Bildern enthüllt ihre Tiefendimension, treibt Erkenntnis voran, entdeckt die sechziger Jahre gänzlich neu.



Dieser ungewöhnlich aufwendige, handwerklich präzise, ja makellose und daher einzigartige Fernsehfilm ist exzellent auf allen Ebenen. Besonders hervorgehoben seien hier noch die Musik (Rainer Brüninghaus), die Kamera (Ralf M. Mendle), die Montage (Rike Anders) und die digitalen Effekte (Oliver Kennecke), die dieses kleine Wunder vollbrachten. Der weiße Wal gehört schleunigst auf die große Leinwand der Kinos, denn das ist sein eigentliches Element.
Demon17Also das ist erstmal schon sehr kreativ was hier abgeht, auch wenn ich vieles nur überflogen habe und mit der christlichen Metaphorik nichts anfangen kann so hat der Film sowohl mystische als auch moralische Assoziationen bei mir geweckt. Es ist wahrscheinlich schon einiges von dem gesagt aber seis drum. Ahab ist sicher das Sinnbild eines Mannes der an seinem eigenen Hass zugrunde geht und mit ihm die Mannschaft, die ihm folgt. Das läßt sich auch mit dem 3. Reich vergleichen z.B. Der weiße Wal steht für mich als Sinnbild der ausgebeuteten Natur, die ihren Ausbeuter vernichten wird. Also die Menschen, die an dem Ast sägen auf dem sie sitzen. Außerdem ist der weiße Wal der starke aussenseiter und Einzelgänger. Während sich die schwarzen Herdenwahle mühelos fangen und abschlachten lassen, weil sie einfach zu fliehen versuchen ist der Weiße Wal der agressive, intelligente Individualist der bedenkenlos tötet um nicht selbst getötet zu werden, ja der sogar rächt wo er kampflos entkommen könnte. Quequeq steht für den naturverbundenen Menschen, die von den zivilisierten Menschen zwar für eigenartig und teilweise primitiv gehalten wird, diesen aber mit seiner Todesahnung an Weisheit weit überlegen ist. Das nachher der Erzähler, der (unschuldige) Schiffsjunge seinem Sarg sein Leben verdankt ist eine der gelungenen Pointen dieses Films.

never surrender

demon17
KatzenschattenAhab ist ein getriebener Mensch. Vielleicht hat er alles verloren, ausser seinem Ziel, den weißen Wal zu töten. Rachegelüste und Hass können hier zweitrangig sein.

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