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  Forum: Tonwerk
    Thema: Band politisiert Publikum oder politisiert das Publikum die Band?
LogathoreIch spiel seit ca. 18 monaten Neo-Folk ... bin aber nicht über "dunkle" musik auf diesen stil gekommen, sondern das war einfach das produkt was sich ergeben hat nachdem ich meine indie-metal vergangenheit mit keltischen und mittelalterlichen elementen verbunden hab ... das sich sowas Neo-Folk nennt hab ich auch erst ewigkeiten später erfahren.

Das Neo-Folk oft benutzt wird um rechtes gedankengut zu transportieren oder zumindest um damit zu schockieren hab ich auch erst vor ein paar wochen durch dieses forum mitbekommen (wie gesagt, ich bin kein teil der szehne).

Naja. Auf jedenfall hatte ich heute ein recht schräges erlebnis ... nach unserm letzten konzert hat mich so ein typ angesprochen, er organisiere ein festival, ob wir dort nicht spielen wollen ... klar, spiel ich gerne ... vor allem wenn es im kleinen rahmen is ... ich hasse es vor einem mikro stehen zu müssen, da ich mich auf der bühne gern ziemlich aufführ. (wir haben so eine art mittelalter-zirkus-show ...)

Genau ... das die geschichge verständlich ist sollt ich erwähnen, dass ich grad zivildienst in belarus mach und dass sich das ganze in Minsk, bzw. Orscha abspielt.

Das puplikum fand ich schon bei der anfahrt recht eigenartig ... so sachen wie, dass sie unfähig waren die tatsache zu akzeptieren, dass ich zwar ein bisschen russisch, aber kein belarussisch spreche ... ziemlich bald war klar, dass es sich um irgend eine politische interessensgemeinschaft handelt ...

Naja. Spätestens wie dann die veranstaltung begonnen hat war mir klar, dass es sich hier um die rechts-intellekutelle elite von belarus handelt ... dass wir hier auf einem nationalisten fest spielen sollen.

Wäre es in einem westeuropäischen land gewesen hätte ich nicht gespielt ... in belarus ist die situation aber so komplex, dass ich mir kein urteil erlaube. Unserm trommler hats nicht gedaugt, der hat sich mit einer flasche konjak die kante gegeben und wir haben unser schlechtestes konzert aller zeiten gespielt.

Trotzdem haben wir schon wieder neue Konzertangebote.

Deutschsprachiger Neo-Folk is in der rechten szehne in belarus hoch angesagt.

*

Ich fands hald so lustig, weil wie ich die unzähligen diskussionen über rechten neo-folk gelesen hab, hab ich mir natürlich gedanken gemacht ob meine musik auch als rechs betrachtet werden könnte, habs aber dann sofort verworfen, weil es einfach so absurd is.

Und dann spiel ich auf einem nationalisten festl.

*

Naja. Wollt einfach mein erlebnis mal aufschreiben und schaun was ihr davon hält ... ob ihr schon in änliche situationen wart oder so.

gut.

(bin grad erst heimgekommen...)

werd dann mal baden gehn und meine gedanken sortieren.

lg

FK
Goat93Schwieriges Thema, ehrlich gesagt.

Allerdings find ich deinen post wirklich gut, denn
es polarisiert etwas :)
Belgarionjetzt wär die frage, ob russische nationalisten überhaupt mit deutschem rechtsradikalismus vergleichbar sind... :confused:


wenn es auch eine form von rechts ist, die auf ausländerhass und rassenstolz abzielt... naja... ich glaub da wäre ich leiber gegangen... ich wäre wenn überhaupt nur aus schiss geblieben, weil man ja die alt-sowjetischen methoden für widerständler kennt, die ein staattreuer (weiß)russe gern mal anwendet... gerade aktuell auch mit dem fall des verstrahlten ex-spions...

und was genau meinst du mit "politisieren"? sich (vorschnell) ein urteil über die politische ausrichtung der band / zuschauer machen, oder meinst du, sich durch die anderen zu einer politischen richtung hinreißen zu lassen?
Logathore[QUOTE][i]Original geschrieben von Belgarion [/i]
[B]jetzt wär die frage, ob russische nationalisten überhaupt mit deutschem rechtsradikalismus vergleichbar sind... :confused: [/QUOTE]

Genau das ist mein problem. belarussische (weisrussische) nationalisten sind NICHT mit deutschen (oder österreichischen) rechten zu vergleichen.

[QUOTE]....sowjetischen methoden für widerständler kennt, die ein staattreuer (weiß)russe gern mal anwendet...[/QUOTE]

... weil eben genau NICHT so. der politische widerstand, den es in belarus gibt, geht zu einem großen teil von den nationalisten aus. (ich benutz bewusst nicht das wort "rechte" ...

weil lukashenko eben weisrussland als land nicht akzeptiert. Er möchte eine union mit russland, versucht die belarussische staatssprache abzuschaffen, etc.

*

nur so ein beispiel: NRM is eine band die auf belarussisch singt, nationalistische inhalte hat, aber politisch mMnach sehr korrekt ist. Ich war letztens auf einem NRM konzert, wo erstens die metro an allen stationen in der nähe der location nicht gehalten hat. Der buss hat auch nicht angehalten. Bin letztendlich nachdem ich 3 mal die location überschossen hab zu fuß hin. Hab die letze vorband noch erlebt. ... bin dann nach hause gegangen, weil *zufälligerweise* strohmausfall im ganzen viertel war, sobald NRM zu spielen beginnen wollte...

*

Naja. desshalb solidarisiere ich mich recht gern mit den nationalisten.

*TROTZDEM*

war es nicht angenehm, weil es nationalisten gibt, die ich als durchaus OK durchgehen lasse, andere mir auch schon erklärt haben, dass hitler ein guter mensch war...

und ich eben nicht genug belarussisch verstehe um zwischen solchen und solchen unterscheiden zu können.

*

es hat mich hald desshalb stutzig gemacht, weil die musikrichtung die ich spiele sehr oft als rechts dargestellt wird. ich hab bisher immer gedacht, dass das daran liegt, dass viele solche bands gerne mit dem rechtem image spielen.

... ich bin aber erst durch dieses konzert draufgekommen, dass es möglicherweise auch einfach daran liegt, dass das publikum teilweise auch auf die inhalte wirkt.

wenn ich in wien gespielt hätte ... vor dem 08/15 publikum vor dem ich gewönlicherweise spiele wäre niemand auf die idee gekommen, meine musik als "rechts" zu bezeichnen. ... wenn ein deutscher mit guten russisch (oder belarussisch kenntnissen) uns dort gehört hätte, gehört hätte, dass wir alte deutsche balladen spielen ... mitbekommen hätte dass das ganze eine nationalistische veranstaltung is....

dem hätt ich es nicht mal über genommen, wenn er uns als eine kleine fascho-kapelle abgestempelt hätte...

*

ürinzipiell hätte ich auch kein problem bei solchen veranstaltungen (in belarus) zu spielen ... aber eben durch den musikstil wird das ganze sehr schnell recht bedenklich...

...

naja. wie gesagt. ich hab weitere konzertangebote ... weis noch nicht wie ich damit umgehen soll.

mal schaun.

ich hoff ich hab sinn gemacht.

der liebe FK ist leider wiedermal sternhageldicht.

...

gudde nacht.

FK
HavamalDeine Geschichte zeigt ja, dass man Nationalismus nicht mit Nationalsozialismus gleichtsetzen kann. Hier in Deutschland werden Nationalisten (also jetzt keine NAZIS) als Gefahr gesehen und gleichgesetzt mit den pöbelnden Glatzen, die hin und wieder Obdachlose, Ausländer usw. jagen.


Der grund warum neofolk of nach rechts geschoben wird, sind eben Bands wie FCF, V.Thronstahl, Der Blutharsch, nur um ein paar zu nennen...
Dazu wurd auch genügend diskutiert.
Goat93[QUOTE]Der grund warum neofolk of nach rechts geschoben wird, sind eben Bands wie FCF, V.Thronstahl, Der Blutharsch, nur um ein paar zu nennen...[/QUOTE]

Öhh, die werden aber schon wegen Di6, Sol Invictus, Fire+Ice
nach Rechts geschoben, eigentlich wird das erst durch
Bands wie Forseti, Orplid und andere die sich direkt von
Rechts distanzieren gelöst.
Ardath BeyIch meine das es nicht unerheblich überhaupt erstmal zu gucken [I]wer[/I] den Bands als rechtradikal einstuft und wer nicht.
So geht zum Beispiel ein Großteil der Musik-Volksverhetzung, Verbannung und Tubuisierung von der radikalen Ku-Klux-Fa aus - ach nein die Organisation hies ja Antifa >Antifaschismuß (muß man sich mal überlegen: worin besteht der Unterschied zwischen dem Ausruf: "Ausländer raus!" und "Nazis raus!"? Richtig, in der Annahme den [I]rechten[/I] Glauben zu haben, so wie schon im Mittelalter die Kirche, einen Unterschied in der Mentalität sehe ich nicht).
Und da es vollkommen üblich ist das Menschen reagieren wenn man aus ihnen etwas machen will was sie nicht sind - nicht wahr liebe Mods - wird aus Protest der Ankläger gereizt - denn NIEMAND lässt sich von jemand anderem sagen [B]wer er ist[/B]!
Was dieses Konzert betrifft kann man das aus unterschiedlichen Perspektiven sehen. Ein politisch, ich will es mal "engagierten Menschen" nennen (egal welcher Richtung), wäre sicherlich gegangen; ein Musiker spielt seinen Gig denn dafür ist er kommen und bezahlt worden!
Aber das z.B. ist eine Sache die Menschen aus der Nazi-Fa nicht verstehen.



@ Goat93
<>
Zu deiner Signatur: Das sehe ich anders. In einer Gruftiklasse würde jeder Grufti versuchen noch Grutiger zu sein als der andere.
Goat93[QUOTE]@ Goat93
<>
Zu deiner Signatur: Das sehe ich anders. In einer Gruftiklasse würde jeder Grufti versuchen noch Grutiger zu sein als der andere.[/QUOTE]

Ist nen Zitat ^^

Aber ich denke wirklich, das viele dann nicht mehr Gruftie
sein wollen, da sie dann nicht mehr "individuell!" sein können
was ja gerade recht trendy ist.

Man geht aber vom Konsens eines Gruftis aus, nicht von einem
Hopper der auf Grufti macht ;)

[QUOTE]ein Musiker spielt seinen Gig denn dafür ist er kommen und bezahlt worden![/QUOTE]
Die Problematik ist dabei, das die Politische Ansicht der
Veranstaltung auf den Musiker niederschlägt und dieser
Musiker dann in eben dieser Politischen Richtung fest-
genagelt wird, das freilich nicht nur von der Antifa, sondern
ebenso von dem Publikum selbst, welches direkt nach
Politisch Motivierten bands hechelt.

Das Problem liegt also im Moralischen Bereich des Musikers,
nicht bei Außenstehenden.

[QUOTE]denn NIEMAND lässt sich von jemand anderem sagen wer er ist![/QUOTE]
Da muß ich mal Herzlich lachen, denn das ist eigentlich
von der Aussage her irrational :)
Schwarze Lohe[QUOTE][i]Original geschrieben von Goat93 [/i]
[B]
Die Problematik ist dabei, das die Politische Ansicht der
Veranstaltung auf den Musiker niederschlägt und dieser
Musiker dann in eben dieser Politischen Richtung fest-
genagelt wird, das freilich nicht nur von der Antifa, sondern
ebenso von dem Publikum selbst, welches direkt nach
Politisch Motivierten bands hechelt.

Das Problem liegt also im Moralischen Bereich des Musikers,
nicht bei Außenstehenden. [/B][/QUOTE]

Wenn Betrachter (aus welchem moralisch-politisch motiviertem Grund auch immer) nach politisch motivierten Bands hecheln, dann liegt das Problem doch gerade im moralischen Bereich dieser Außenstehenden (und nicht des Musikers, wie es Logathores Konzertbeispiel verdeutlicht): In (politisch-)moralischen Unterscheidungen, die alles andere ausschließen.
Ardath Bey@ Goat93
Ich weis jetzt nicht wo du da was irrationales siehst aber bitte.

Ansonsten siehe Schwarze Lohe - wenn das Publikum unbedingt politisch sein will liegt das Problem nicht beim Musiker.
Das einzige Problem das der Musiker dann bekommt ist das er nirgendwo mehr spielen kann ohne das man ihm irgendwelche Aussagen und oder Meinungen unterjubelt.
Das Problem des Musikers ist also offensichtlich das Publikum, daß scheinbar unfähig ist seine Ansichten für sich zu behalten bzw. nicht auf den Musiker zu übertragen.

Tja, die Masse ist und bleibt eben dumm.

Desweiteren empfele ich jedem einfach mal den Musiker zu fragen und dessen Aussage über Sinn und Inhalt seiner Musik u. Texte hin zu nehmen.
Goat93[QUOTE]Wenn Betrachter (aus welchem moralisch-politisch motiviertem Grund auch immer) nach politisch motivierten Bands hecheln, dann liegt das Problem doch gerade im moralischen Bereich dieser Außenstehenden (und nicht des Musikers, wie es Logathores Konzertbeispiel verdeutlicht): In (politisch-)moralischen Unterscheidungen, die alles andere ausschließen.[/QUOTE]

nein, denn es entscheidet der Musiker für sich selbst ob
er dem nachgibt und dafür einsteht oder eben nicht.

Es geht Primär um den Musiker, Sekundär um das Publikum.

[QUOTE]Ich weis jetzt nicht wo du da was irrationales siehst aber bitte.[/QUOTE]
Wenn siche niemand von jemand anderen etwas sagen
läßt, wäre Schule, Lehrbetriebe und ähnliches unnötig
und würden gar nicht funktionieren, ebensowenig
wie Gesetze oder Regeln im Allgemeinen :rolleyes:

[QUOTE]wenn das Publikum unbedingt politisch sein will liegt das Problem nicht beim Musiker.[/QUOTE]
Doch gerade bei dem Musiker, denn er entscheidet
ob er sich politisieren läßt oder nicht.
Wenn der Musiker sich Politisieren läßt so hat er auch die
Konsequenzen zu (er)tragen und stellt sich selbst logischer-
weise in solch einer Politischen Richtung.
Wenn man diese Politische Richtung selbst nicht verfolgen
will, so sollte man auch nciht auf solche Konzerte desöfteren
spielen.
Aber genau das muß der Musiker abwiegen, für sich selbst
die Vor- Nachteile heraussuchen.

Das Publikum ist in diesem Fall Passiv und läßt sich ja nur
"berieseln", es greift ja nciht aktiv im Moralischen
Gedankengang des Musikers ein.

[QUOTE]Desweiteren empfele ich jedem einfach mal den Musiker zu fragen und dessen Aussage über Sinn und Inhalt seiner Musik u. Texte hin zu nehmen.[/QUOTE]
Funktioniert leider nicht immer...
Schwarze Lohe[QUOTE][i]Original geschrieben von Goat93 [/i]
[B]nein, denn es entscheidet der Musiker für sich selbst ob
er dem nachgibt und dafür einsteht oder eben nicht.

Es geht Primär um den Musiker, Sekundär um das Publikum.
...
Das Publikum ist in diesem Fall Passiv und läßt sich ja nur
"berieseln", es greift ja nciht aktiv im Moralischen
Gedankengang des Musikers ein.

[/B] [/QUOTE]

Es geht primär um die Unterscheidungen des (eventuell politisch ambitionierten) moralisierenden Betrachters, und ob das nun der moral- oder weltanschauungsbedürftige Musiker selbst, das Publikum, die realitätsinszenierenden Medien, die Nationalisten, die Antibla, oder wer auch immer ist, erscheint mir dabei eher sekundär.

Wobei angesichts der vorherrschenden Hypersensibilität bzgl. gewisser politischer Moden und der Skandalbedürftigkeit moralischer Präferenzen und eingedenk der Tatsache, wie viele Musiker in der Darstellung von Medien und Antibla immer mal wieder gerne dem Vorwurf der Rechtslastigkeit ausgesetzt sind bzw. waren, für mich außer Frage steht, wessen Problembereiche mir das eigentliche Problem zu sein scheinen. :eek:
Goat93[QUOTE]Es geht primär um die Unterscheidungen des (eventuell politisch ambitionierten) moralisierenden Betrachters, und ob das nun der moral- oder weltanschauungsbedürftige Musiker selbst, das Publikum, die realitätsinszenierenden Medien, die Nationalisten, die Antibla, oder wer auch immer ist, erscheint mir dabei eher sekundär.[/QUOTE]

Nein, denn dann müßte man mehre Betrachtungsperspektiven
mit einbeziehen, wir haben hier aber nur eine
Perspektive, die von Logathore.

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