| Nahtod | Wenn alle musikalischen Wege, die man beschreiten kann, in der elektronischen Musik enden, welche einen auf Levels bringt, die totale Scheiße sind, wäre es dann nicht besser, komplett auf Musik zu verzichten? Ich krieg es jedenfalls nicht auf die Reihe, mich davor zu bewahren, selbst wenn ich es mir schon mehrmals vorgenommen hatte. Ist wohl auch eher ne Generationsfrage, denn ich bin mit elektronischer Musik großgeworden. Das ging schon los in meiner Kindheit in den 80ern, wo Sachen wie Fade To Grey von Visage mich enorm beeinflussten. Später in meiner Jugend war es der aufkommende Techno/Trance/House/etc. welcher ja bis heute immer noch unangefochten die neueste Musikrichtung ist, auch wenn sich diese immer wieder neu erfindet. Selbst wenn ich Metal höre, komme ich dann irgendwann bei elektronischer Musik raus (EBM und Goa-Psytrance). Wenn ich Gothic-Rock höre, komme ich dann über Hardcore ebenso wieder bei Oldschool-Techno raus. Is irgendwie ne verzwickte Angelegenheit. |
| Ronin76 | Über Gothic-Rock zu Techno also. Liegt wohl an deiner Vorliebe für Techno ? Im Prinzip ist jede Musik auf einem Tonträger technisiert, ob jedoch die Vibration einer Saite weniger technisch sein soll wage ich mal zu bezweifeln. Es gibt ja auch Menschen die nur von Wiedergabegeräten mit Röhrentransistoren Musik hören, weil sie Angst vor digitalisierter Musik haben und meinen die Transistoren würden Musik viel besser abbbilden. Rational erklärbar ist das eigentlich nicht. |
| Nahtod | Was mich jedenfalls nervt, ist daß so wie die Musik mein Fühlen einerseits in Gang setzt, so folgt beim anschließenden Verzicht darauf jedesmal ne Nachdenk-Tretmühle. Zumal ich ebenso auch nicht die Wahrnehmungsveränderung mag, die mit Musikkonsum einhergehen. |
| Ronin76 | Das wären wieder zwei Hinweise auf eine Depression: Du benötigst Musik um etwas fühlen zu können und hast anschließend das typische Gedankenkreisen. Aber wenn du die Wahrnehmungsveränderungen der Musik nicht magst, brauchst du sie nicht anhören, und dann mußt du dich entscheiden ob du etwas durch die Musik fühlen willst, oder eben nicht. Vermutlich wird dir diese Entscheidung, wie Entscheidungen im Allgemeinen schwer fallen. |
| Nahtod | Ja, mag sein daß meine Hauptdiagnose Depression lautet, obwohl ich medikamentös auf Schizophrenie behandelt werde. Aber jene Depression ist vielleicht nur ne Nebenwirkung der Medikamente. Ach egal, wie dem auch sei. Ich muss halt damit leben und das Beste draus machen ;) |
| Vorwärts FDJ! | Keine Ahnung, ob sowas ins Tonwerk gehört. Ist ja mehr 'ne persönliche Sache. Aber wenn wir schon mal da sind: Ich kann dir da nicht ganz folgen. Was meinst du mit "rauskommen"? Und warum denn vor etwas bewahren? Im Alter wird der Geschmack halt offener. Natürlich prägt die Musik, mit der man aufwächst. Und wenn das Goth ist, kommt man immer wieder zum Goth zurück. Bei dir war es offensichtlich 80s SynthPop, New Beat oder sowas. Ich hatte die meiste Zeit mit Goth/ElectroWave/EBM/Industrial verbracht. Später erweiterte sich das Spektrum automatisch um neue Genres. In den 90s hörte ich z.B. zusätzlich IDM (Aphex Twin, Autechre), Trip Hop (Massive Attack, Sneaker Pimps), Drum & Bass (Omni Trio, Photek), Shoegazing (Slowdive, My Bloody Valentine), usw... alles, was mir irgendwie interessant erschien. Warum sollte man sich denn da auf nur ein Genre beschränken? Ich sehe gar keinen Grund dafür. Man weiß doch, was einen geprägt hat und welches Genre neben all den anderen im Mittelpunkt steht. Das ist wie mit Sport. Wenn ich gerne Tennis spiele oder Marathon laufe, hält mich das doch nicht davon ab, nebenbei auch mal Boxen zu gehen. Solche Freiheiten nimmt man sich einfach. Man muss ja nicht gleich zum Boxer werden. Und wenn doch, wechsle ich eben das Umfeld. [QUOTE][i]Original geschrieben von Nahtod [/i] [B]Später in meiner Jugend war es der aufkommende Techno/Trance/House/etc. welcher ja bis heute immer noch unangefochten die neueste Musikrichtung ist [/B][/QUOTE] Also diese Richtungen halte ich für Out of Date. Gerade der 08/15-Techno wurde Mitte der 90er von IDM und abstrakten Electronica-Sachen überholt. |
| Ronin76 | [QUOTE]Also diese Richtungen halte ich für Out of Date. Gerade der 08/15-Techno wurde Mitte der 90er von IDM und abstrakten Electronica-Sachen überholt.[/QUOTE] In der nächsten Disco hier im Ort wird nur so Zeug gespielt und auch auf den Parkplätzen gehört. Außer bumm, bumm, bumm sind da höchstens noch ein paar behämmerte Texte dabei bei denen sich alles nur um das Eine dreht. Ich würde sogar behaupten, daß diese Anti-Musik die Intelligenz des betrunkenen und pöbelnden Publikums bestens repräsentiert. Da ist selbst jeder Schlager intelligenter und kreativer. In anderen Dorf- und Kleinstadtdiscos sieht das bestimmt nicht viel anderst aus. Mal davon abgesehen sind nur Minderheiten Musikliebhaber und den Meisten reichen die seichten Standard-UKW-Sender völlig aus. |
| Scheol | @Ronin76 Exakt so nehme ich die Musikkultur auch war. Gerade im elektronischen Sektor in den Dorf- und Kleinstadtdiscos. Man darf nur nicht vergessen, dass es Menschen schaffen mit elektronischer Musik auch regelrechte Gemälde zu malen. Selbst ohne Komplexe Pentatonik und Rhythmen. Komplexe Musik schafft nicht auch zwingend eine Atmosphäre. Zu der Technik: Ist wird schon unterschieden zwischen Klängen die Digital und Analog erzeugt werden. Wenn wir aber den Synthie als Instrument begreifen sehe ich allerdings keinen großen Unterschied zu analog erzeugter Musik. Zumal das meiste in einem Song heute eh aus der Konserve kommt, da die VSTi (Virtuelle Instrumente) in der heutigen Zeit einfach überzeugend im Klang und Qualität sind. Allerdings erfordert es dennoch einen großen Skill ein analoges Instrument "richtig" einzuspielen, während die elektronischen mit wenig Aufwand "quantisiert" werden können. Da sitzt dann blitzschnell alles auf dem Raster. Dennoch gibt es auch unter elektronische Musik hohe künstlerische Qualität. [QUOTE] Später in meiner Jugend war es der aufkommende Techno/Trance/House/etc. welcher ja bis heute immer noch unangefochten die neueste Musikrichtung ist, auch wenn sich diese immer wieder neu erfindet.[/QUOTE] Da gibt es doch ganz tolle Sachen. [QUOTE] Zumal ich ebenso auch nicht die Wahrnehmungsveränderung mag, die mit Musikkonsum einhergehen.[/QUOTE] Ist das wirklich ein schlimmes Problem? Du wirst behandelt, sagst du. Hast du es schon mal angesprochen? Wie wurde darauf reagiert? Wahrnehmungsveränderung während des Konsums findet höchstens nur darin statt, dass man sich emotional auf die Musik einstellt. Was aber bedeutet, dass man eine noch funktionierende Gefühlswelt besitzt. Wie das bei dir ist kann ich allerdings nicht wissen. [QUOTE]Keine Ahnung, ob sowas ins Tonwerk gehört. Ist ja mehr 'ne persönliche Sache.[/QUOTE] Als Neuling wäre mir das allerdings auch passiert. Tonwerk verbindet man nun mal mit Musik, und noch ist der Thread hier... :) |
| Vorwärts FDJ! | Ob das in der Dorfdisse gespielt wird oder nicht, ist für mich dabei zweitrangig. Der Kram ist altbacken. Techno war schon Ende der 90er tot. Entwicklungen gab es in diesem Bereich keine mehr. Machen wir uns doch nichts vor. Die heutige Techno-Kultur besteht - wie jede andere inzwischen auch - aus Umetikettierung und Neuaufwärmen. Die Leute konsumieren doch auch in jedem Kuhdorf Modern Talking, obwohl das Zeug bald 30 Jahre auf dem Buckel hat. Hier in Lübeck dienen solche ollen Dinger im Winter zur Beschallung der Schlittschuhbahn vor'm Holstentor. Das bestätigt lediglich, dass der Schwerpunkt auf altbewährte, populäre Musik gelegt wird, nicht auf moderne Musik. ;) |
| JohnSteed | Bei der heutigen Musik werden halt E-Gitarren und Verstärker verwendet, auch bei Gothicrock oder meinetwegen Mittelaltergeklampfe. Ansonsten bitte in die nächste Fussgängerzone gehen, dort gibt es oft eine ordentliche unplugged-show. Wenn du uns noch verraten würdest, worauf du rauswillst, wäre es etwas leichter gewesen, dir zu antworten.....Danke. |
| Vorwärts FDJ! | Ich glaube, er meinte, dass er sich zwanghaft elektronische Musik zu Gemüte führt, obwohl er weiß, dass sie ihm die Stimmung versaut. Zumindest las ich das aus den übrigen Beiträgen heraus. In dem Zusammenhang machen dann auch [i]"Level"[/i] und [i]"total Scheiße"[/i] Sinn. :cool: |
| JohnSteed | Bin da eher schmerzfrei, könnte mir vermutlich nicht genug EBM-Suppe reinziehen. OK, von Mittelaltertralala krieg ich Hautausschlag, aber niemand zwingt mich derartiges anzuhören und wenn....einen Ausknopf gäbe es immer noch oder den Notruf der Stadtwerke, was weiss denn ich? Sind denn alle jetzt zwanghaft geworden? |
| Nix | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nahtod [/i] [B]Wenn alle musikalischen Wege, die man beschreiten kann, in der elektronischen Musik enden, welche einen auf Levels bringt, die totale Scheiße sind, wäre es dann nicht besser, komplett auf Musik zu verzichten? [/B][/QUOTE] Ja. |
| Nahtod | STOOOPPP!!!! Ich nehm alles zurück. Techno von 1989 bis 1992 na gut sagen wir zum Teil auch noch 1993 ist der derbste und deepste Underground-Shit den es jemals gegeben hat. Dafür ist Techno aber gleichzeitig auch seit Mitte der 90er die beschissenste Musikrichtung die es jemals gegeben hat :) |
| Red_Sparrow | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nahtod [/i] [B]STOOOPPP!!!! Ich nehm alles zurück. Techno von 1989 bis 1992 na gut sagen wir zum Teil auch noch 1993 ist der derbste und deepste Underground-Shit den es jemals gegeben hat. Dafür ist Techno aber gleichzeitig auch seit Mitte der 90er die beschissenste Musikrichtung die es jemals gegeben hat :) [/B][/QUOTE] Wie wäre es dann mit Goa? Das ist noch ziemlich undergroundig. Desweiteren ist jede Musikrichtung irgendwie irgendwo irgendwann scheiße oder auch gut. Womöglich gibt es sogar irgendwo gute Volksmusik. |
| Vorwärts FDJ! | Goa ist genauso ungenießbar für mich. Nach spätestens dem dritten Track such ich die Stoptaste. Erträglich sind lediglich die Schlaumeier, die den Goa-Sound einfach mit Drum-&-Bass-Rhythmen kreuzten. Leider gab es davon in den 90ern nur eine Handvoll. |
| Nix | Wie wäre es mit Polka? Oder satansicher Blasmusik? Sind absolut Undergound und underrated. |
| Nahtod | Zur Zeit hab ich ein gutes Underground-Level ohne Musik. Denn Stille ist real underground, lol. Naja, mir ging es auch eher um ne ruhige, nicht allzu überlaufene musikalische Nische, in der ich mal kurz verweilen kann. Aber selbst meine alten Rave-Klassiker stellten sich nach geraumer Zeit nur wieder als oberflächliche und spießige Grütze heraus. Vielleicht ist Musik ja wirklich nicht das Medium, welches mich dahin bringt wo ich gerne wäre. |
| Nix | Ob das allein das Hören von Musik (welcher auch immer) vermag, bezweifle ich. |
| Nahtod | Früher in meiner Jugend ging das mal, aber da war mein Setting auch ein total anderes: Wie schon erwähnt las ich viel Horror und Gruselromane, kommunizierte nicht viel mit anderen, war in ein Mädel verliebt, noch ziemlich unbeeinflusst durch das kapitalistische System, usw... Vielleicht alles zusammen genommen, machte es mein damaliges Level aus, wo ich gern wieder wäre, aber wohl nie wieder hinkommen werde. |
| Vorwärts FDJ! | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nahtod [/i] [B]Naja, mir ging es auch eher um ne ruhige, nicht allzu überlaufene musikalische Nische, in der ich mal kurz verweilen kann. [/B][/QUOTE] Irgendwie denk ich da gerade an Dark Ambient und Ritual Music. |
| Nahtod | Sowas wie Aghast, Causali Dox, und so? Naja, eigentlich dachte ich ja, ich könnte mein altes Feeling wiederhaben, was damals Techno ausgelöst hatte. Weißte, ich mochte so sehr diese deprimierende apokalyptische DDR-Atmosphäre von Halle/Bitterfeld, 1990 bei grauem verregneten Herbsthimmel im Trabant sitzend, Walkman auf und diese neuartige unbekannte Musik hören, die genau dazu passte - nämlich Techno. Konnte ja damals noch keiner ahnen, daß aus nem genialen Grauzonen-Soundtrack mal so ne kunterbunte Szene entsteht wie es dann seit Loveparade und Co. passierte. |
| Nahtod | Aber um noch mal auf den Haken der Musik zurückzukommen: Einen spür ich gerade: Nämlich daß jetzt wo Techno ne Weile aus ist, die Atmosphäre um mich herum beschissen ist: wirkt ziemlich transparent das ganze, aber ich wittere auch eine dunkle Aura der Angst und die Farben leuchten außerdem ziemlich unnatürlich. Es fühlt sich an wie ein erwachter Traum an der Schnittstelle zum Einschlafen. Irgendwie komisch und unangenehm jedenfalls, denn ich will weder auf den Zug jenes Erwachens aufspringen, noch auf den Zug jenes Einschlafens. |