| Seneca | Salve nocturni Ich würde gerne erfahren was ihr darüber denkt. Ich hatte einen kleinen Streit mit einen dieser "Freikirchlichen" Hardcorechristen wegen dieser Frage. Haben Tiere einen Seele, können sie ähnlich empfinden wie Menschen, ist der Unterschied vieleicht kleiner als wir ahnen? Sprechen wir Tieren eine Seele ab nur weil wir sie dann als "Personen" sehen müssten? ------------------ >>> Pulvis et Umbra sumus <<< |
| Shiri | hmm... Die Frage ist ja erstmal, was jetzt genau die "Seele" ist. aber ich denke doch. Liegt wohl in der Natur des Menschen, andere Lebewesen zu unterschätzen, weil sie nicht reden, oder sich wirksam gegen ihn verteidigen können.. gruss Shiri |
| Nachtelbin | Wenn man unter der Seele, die Fähigkeit, Gefühle zu empfinden versteht, kann ich mir gar nichts anderes vorstellen, als daß Tiere diese Fähigkeit haben. Vielleicht haben Tiere kein ich-bewußtsein (zumindest nicht alle) im Sinne von "ICH fühle mich jetzt Traurig" aber ich denke doch, daß sie traurigkeit an sich empfinden können. Nur als Beispiel der Hund, der nicht mehr frißt, weil sein Herrchen gestorben ist. Ich wüßte eigentlich auch nicht was dagegen spricht, daß Tiere eine Seele haben. Soll es ein Privileg des Menschen sein, nur weil er, seiner irrigen Meinung nach, diese Welt beherrscht, mit seinen Technnologien? Was haben diese Errungenschaften denn mit dem Vorhandensein einer Seele zu tun? Ich glaube, Tiere sind weitaus gefühlvoller als Menschen, sie verstellen sich nicht, sie sind pureres Leben, gerade deshalb würde ich ihnen noch eher eine Seele (nach meiner Definition) zugestehen als einem Menschen, der versucht, die Fähigkeit zu fühlen zu verdrängen um besser zu funktionieren. Die Nachtelbin ------------------ Die, die in der Dunkelheit gelernt haben zu sehen, erblicken mehr, als bloß die Hüllen der Körper. |
| Drjada | Ich denke, dass es hierbei auf die Definition von Seele ankommt. Wenn damit gemeint ist, dass Tiere fühlen können; auf jeden Fall JA!!! |
| Schatten der Sonne | Tja, es sieht so aus als ob Tiere keine Seele haben dürfen, weil nur der Mensch nach dem Vorbild Gottes erschaffen wurde und er ihm so am nächsten steht. Alle anderen "niederen Kreaturen" sind ihm untergeordnet. Dieser Glaube setzt in dem Fall Lebewesen herab als tote Gegenstände, ich sehe das so. Alles was lebt hat so etwas wie eine "Seele", auch Pflanzen leben. Haben die dann keine Seele? Ich denke doch, daß ihnen aber nur die Fähigkeit zum reden und sehen fehlt. Sie müssen auch nicht sehen oder hören sie fühlen alles um sie herum und nehmen die Umwelt auch wahr. Vielleicht stempelt ihr mich zum Spinner ab aber so seh ich die Dinge, schneid ne Rose ab und es schmerzt sie sie kann nur nicht schreien weil ihr der Mund dazu fehlt. Carpe Noctem ------------------ Durch wessen Flamme, wird mein erfrorenes Herz erwärmt ? |
| blood | zur frage, ob tiere fühlen und empfinden: das lässt sich mittlerweile sogar wissenschaftlich beweisen, denn die entsprechenden teile des hirns, die für gefühle und empfindungen zuständig sind, ähneln denen der menschen verblüffend... leider wollen das einige verbohrte menschen nach wie vor nicht wahrhaben, blood |
| Nachtelbin | Ich halte dich keineswegs für einen Spinner! Ich glaube auch, daß selbst Pflanzen ein "Gefühlsleben" haben. Ich meine, wir gehen meistens nur von unseren Sinnen aus, wer sagt denn, daß es nicht noch weitaus mehr gibt? Ich denke, es schlummern sehr viel mehr Kräfte in allen Wesen, die irgendwie Energie umwandeln, als manche Leute sich eingestehen wollen. Wer weiß denn, ob das, was wir wahrnehmen die einzig wahre Realität ist? Wenn wir andere Sinne beanspruchen würden, wäre unsere so reale welt vielleicht nichtig, vielleicht benutzen Pflanzen oder Tiere solche anderen Sinne, vielleicht verständigen sie sich auch, nur auf einer anderen Ebene, wer weiß das schon... Die Nachtelbin ------------------ Die, die in der Dunkelheit gelernt haben zu sehen, erblicken mehr, als bloß die Hüllen der Körper. |
| LostGhost | Hallo Seneca, ich denke, Tiere haben keine Seele! Warum? Ganz einfach, es gibt diese unsterbliche Seele nicht. Sie ist ein Jahrhunderte altes Gespinst, geschaffen um sich selbst zu beruhigen, um die Schäfchen eng am Hirten zu halten, um Trost im späteren Leben zu geben. Wer stirbt vergeht, nicht irgend etwas mehr. Und wenn ein Tier stirbt, sei es die geliebte Katze oder das Schwein, das zur Wurst wird, so hört einfach jedes organische Leben auf. Das ist alles ganz unpathetisch, wenn auch ernüchternd. Und wie es für Tiere gilt, gilt es auch für Menschen. Am letzten Tag geht einfach das Licht aus und der Rest ist organischer Abfall, der in romantischen Deponien (Friedhöfe) endgelagert wird. Was wir immer wieder so romantisch für unsere Seele halten ist unser Bewußtsein. Dieses Bewußtsein ist eine Leistung des Gehirns, es entsteht durch die Bildung von Synapsen, weshalb sie auch beim Tode vergehen. Deshalb verändern sich auch schwerst hirngeschädigte Menschen mental, weil ihnen Synapsen verlorengehen. Diese Verluste können über erstaunlich große Teile vom Gehirn substituiert werden, da die Informationen dezentral gespeichert werden. Es gibt also keine „Auto“- Zelle, bei deren Verlust wir vergessen, wie ein Auto aussieht. Ein wesentliches Kriterium für Bewußtsein ist Selbsterkenntnis, d. h. ein Lebewesen das um sich selbst weiß, hat wahrscheinlich ein Bewußtsein. Für welche Tiere das zutrifft, weiß ich aber nicht mit Sicherheit zu sagen. Für einige Primaten wird das sicher zutreffen, für alle Säugetiere sicher nicht. gruß -lg- ------------------ Am interessantesten ist die Innenseite der Aussenseiter. -Jean Genet- |
| Shiri | Da wären wir wieder bei der Sache der Definition. Wenn man der Seele die Unsterblichkeit zuspricht, gebe ich dir recht, dann hat niemand eine... |
| Armitage | Hallo, Seelenlose! @LostGhost: Das mit der "romantischen Deponie" muß ich mir merken...*GG* Doch... ich gehe davon aus, daß unser Bewußtsein sich in jeder Zelle und in jedem noch so kleinen Molekül unseres Körpers fortsetzt, nicht nur in der Hirnschale. Hierbei kann ich fast nur von einem "Ätherkörper" oder einer Seele sprechen. Ist es nicht so, daß Geist, Seele und Körper eine Einheit bilden? Wenn wir davon ausgehen, daß der Geist das eigentliche Bewußtsein inne hat, dann können wir auch behaupten, daß jener Teil die "Steuerung" der anderen Komponenten bildet und somit nach der letzten feinstofflichen, atomaren Verschiebung, dem Tode, überbleibt und entschwindet. So sollte es eigentlich auch bei Tieren aussehen...da die alten Schamanen und Medizinmänner ihre eigenen Naguals fanden, also ihre persönlichen Tiergeister und auch mit jenen kommunizierten und sie um Rat baten, bin ich der Meinung, daß auch hier ein Ätherkörper oder eine Seele existieren muß, genau wie bei allem, was auf diesem Planeten existiert, ja, sogar der Planet selber im Verbund mit dem ganzen Universum besitzt Bewußtsein, in das wir mit unseren neuralgischen Bahnen fest verwoben sind... ODER? [Dieser Beitrag wurde von Armitage am 08. August 2001 editiert.] |
| LostGhost | Zitat: |
| Seneca | Kernpunkt der Frage war ja eigentlich die Empfindungsfähigkeit von Tieren, und die Abgrenzung von den Menschen. Das es mitlerweile viele Definitionen von Seele gibt, macht das thema natürlich schwer zu definieren. Man könnte doch aber sagen das es sich imGrunde um das Gleiche handelt. Wenn ein Tier ein Bewußtsein hat, dann hatt es auch einen Seele, und sollte diese Seele wieder erwarten doch unsterblich sein, dann kann man also auch im Nirvana mit Pfiffi Gassi gehen, oder? Eigentlich ging es mir darum zu erfahren wie Ihr zu der Abgrenzung "Mensch"-"Tier" steht. Ein Fadenwurm hat natürlich nicht die Gleiche Bewußtseinsstufe wie ein Hund, oder noch weiter, wie ein Menschenaffe. Meiner Meinung nach hatt man den Tieren einfach die Seele abgesprochen um sie besser ausbeuten zu können. Nach alter indianischer Mythologie haben die Tiere einen Geist, der sie dem Menschen verwandt macht, Tiere gewissermaßen als andere Existenzebenen. Nun heißt das nicht das man diese Tiere nicht nutzen darf, aber es gilt den Respekt vor den Mitgeschöpfen zu waren. Bei der Industrialisierten Massentierhaltung welche in Europa schon seit 100 Jahren bertrieben wird, ist das schwerlich möglich. ------------------ >>> Pulvis et Umbra sumus <<< |
| kyounghi | Hallo, Seneca! Lassen wir mal die Klärung des Begriffs ,,Seele“ außen vor, bin ich dennoch der Ansicht, daß auch Tiere ähnliche Empfindungen haben, wie wir homo sapiens sapiensse. Zwar sind diese sicherlich weniger komplex als die unseren, weil viele unserer Empfindungen vom Intellekt und dem Bewußtsein beeinflußt sind, dennoch - so wie es Grundbedürfnisse gibt, werden auch Gefühle mit im Spiel sein. Traurigkeit, Freude, Wut, Sehnsucht, Angst, etc. Jeder, der Kontakt zu Tieren hat, wird das erkennen können. Um nun auf diesen Begriff ,,Seele“ einzugehen… Hm. Mit Bewußtsein würde ich diesen Begriff nicht gleichsetzen, denn immerhin ist ja auch das, was gern als ,,Un- oder Unterbewußtsein“ bezeichnet wird, ein Teil davon, man nehme das Beispiel Träume, auf die unser Bewußtsein seltenst Einfluß hat. (Tiere träumen ja auch, oft bei Hunden zu beobachten). Unter Seele stelle ich mit eine Art Grundenergie vor, die alles beinhaltet, was in unserem Leben eine Rolle spielt, Bewußtsein, Nicht-Bewußtsein, Instinkt, bis hin zu Gefühlen. Und wenn man sich das physikalische Grundgesetz vor Augen hält, das besagt, daß Energie nicht verschwinden, sondern sich nur wandeln kann, liegt der Gedanke an Weiterexistenz irgendwie nahe… Übrigens - eine weitere Tatsache ist, daß es erwiesener Maßen psychosomatische Krankheiten gibt. Also solche, die ihre Ursache in Gefühlen von Unglücklichkeit, Angst und weiteren schlimmen Gemütszuständen haben (Seelenkrank?). Diese gibt es bei Tieren auch… Hat sich der ,,Streit“ weiterentwickelt? |
| Seneca | @ kyounghi Der "Streit" endete mit der Auffassung das sich unsere Standpunkte nicht vereinbaren lassen. PS: Meiner Meinung nach sind diese sogenannten "Christen" auch nur einen Modeerscheinung. ------------------ >>> Pulvis et Umbra sumus <<< |
| Silence | Ich denke das Tiere oft auch viel sensibler auf die Gefühle von uns eingehn können. Ich weis nich was du dir so unter Seele vorstellst aber wenn du das meinst was ich denke, dann auf jeden Fall!!!! |
| myhna | ich denke das menschen keine besitzen... denke auch das tiere keine besitzen... überhaupt, seele, was soll das? doch deswegen halte ich tiere nicht für minder sensibel als menschen, eher im gegenteil... mýhna ------------------ <<<NO HOPE-NO FEAR>>> |
| Seneca | Nun, das war eine breite Übersicht, ich werde das mit meinem Hund ausdiskutieren! ------------------ >>> Pulvis et Umbra sumus <<< |
| LostGhost | Hallo Seneca, wenn Du den Unterschied zwischen Tier und Mensch zu definieren versuchst, so bin ich der Meinung, das der Mensch einfach ein Primat ist, mehr nicht. Wir lassen uns ohne Probleme in die Klasse der Säugetiere, Kategorie: hochentwickelte Primaten, Spezies: homo sapiens sapiens einordnen. Und genau so würde ich es betrachten. Alle wesentlichen biologischen und auch sozialen Funktionen teilen wir mit anderen Tierarten, insgesamt ist eine Angrenzung von den Tieren für mich aus wissenschaftlicher Sicht nicht notwendig. Das wir anders als ein Fadenwurm sind (zumindest die meisten von uns [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/biggrin.gif[/img]) ist nett, spielt aber keine Rolle. Jedes Lebewesen in dieser Welt, sei es Teil der Flora oder Fauna, hat sich eine Nische erobert, die es bis zur Perfektion ausfüllt. Und so wenig wie der Fadenwurm uns vergleichbar ist, so wenig können auch wir uns mit dem Fadenwurm messen. gruß -lg- ------------------ Am interessantesten ist die Innenseite der Aussenseiter. -Jean Genet- |
| myhna | *lost ghost mal ganz furchtbar viel recht geb* ------------------ <<<NO HOPE-NO FEAR>>> |
| Dante | hiho melde mich mal wieder (hatte in letzter zeit extrem viel um die ohren) nur mal so interessehalber: wer sagt eigentlich das der mensch ein seele hat? wie bitte schön können wir so arrogant sein und das annehmen. davon abgesehen glaube ich nicht daran, das der mensch eine seele hat. wenn du das bewußtsein als seele definieren willst, ok. an alles andere glaube ich nicht so long ------------------ On high above the mist I came A distant flame before the sun A wander ere the waking dawn Where grey the nordlands waters run In elder Days an years of yore A DISTANT FLAME BEFORE THE SUN |
| Dracus | Also, Seneca wenn dein "Hardcorechrist" *schmunzel* sagt dass Tiere keine Seele haben frag ihn doch mal nach Frauen. Die sind nach der Bibel auch dem Mann untergeordnet und denen wird von der alten römisch-katholischen Kirche ebenfalls du Seele abgesprochen. Jedes Lebewesen hat eine Seele oder Bewußtsein oder wie auch immer, nur haben vielleicht nicht alle ein Selbst-Bewußtsein. Ich bin da auch mehr den Naturverbundenen Kulturen zugetan. ------------------ Submit the present evil, lest greater befall you. |
| Trinity Goth | Hi! Wenn man Seele so definiert , wie ich das tue, dann ja. Lebensenergie = Seele Wenn man es so auffasst, wie die Christen, das tun, dann jaein. Irgentwie machen die 'lieben' Christen Unterschiede zwischen den Tieren. Offensichtlich dürfen dort nur höherentwickelte Lebensformen eine Seele besitzen. Gruss Trinity Goth ------------------ 'If I am an angel paint me with black wings.' A. Rice - The Vampire Armand 'Poor Spoike!' - Drusilla aus 'Buffy' ------------------------- Come to: [url="http://www.angelfire.com/goth/trinitygoth/"]Trinity Goth's Dark World[/url] |
| ToterEngel | Diese Frage wird wohl auf ewig unbeantwortet bleiben denk ich mal.Den wenn man nichtmal beim Menschen selbst definieren kann was genaus die Seele ist, dann denke ich nicht das man das dann bei Tieren sagen kann. ------------------ ...schwarze schwingen tragen den schmerz durch die nacht... |
| Angelus Noctis | Wer hat gesagt, daß die Lebewesen NEBEN uns schlechter sind und deshalb keine Seele haben sollen? Was genau eine Seele ist, darüber bin ich mir selbst noch nicht klar. Aber ein sehr guter Freund hat mich mal gefragt: "Was ist das, was nach dem Tode bleibt, wenn nicht die Seele?" Ich habe das damals einfach hingenommen. Aber seit ich erfahren habe, daß da etwas bleibt, grüble ich öfter mal drüber im stillen Kämmerlein. Jedenfalls würde ich die Existenz der Seele als solches nicht mehr negieren ... Stille Grüße Angelus ------------------ ... und nahm meine Seele mit sich. Nicht mehr fähig zu lieben - für alle Ewigkeit. |
| Dein_Heiland | Shalom! Auf die Frage der Seele möchte ich aus den bereits vielfach genannten Gründen (Undefinierbarkeit) gar nicht eingehen. Dass Tiere genauso empfinden können wie Menschen steht für mich eigentlich außer Frage. Wäre ja auch schlimm, wenn man das Gegensteil annäme, dann würde man sich selbst ja einen Freibrief ausstellen, jedes Tier zu behandeln wie man will. Zum Glück ist Tierquälerei bei uns unter Strafe gestellt, da auch das Gesetz den Tieren die Fähigkeit zu fühlen zugesteht. Ich glaube nicht an eine wirklich gravierende Unterschiedlichkeit von Mensch und Tier. Die Unterscgiede sind meines Wissens alle höchstens graduell. An LostGhost: Deine Ansicht von der Welt als "romantische Deponie" finde ich sehr interessant. Ich widerspreche dir in fast allen Punkten, und dennoch glauben wir, denke ich, so ziemlich genau das gleiche. Ich widerspreche dir in dem Punkt, die Seele sei eine Erfindung der Hirten, um die Herde beisammen zu halten. Menschen gleichen nämlich nicht nur Schafen und Hirten, sondern auch Wölfen und Leitwölfen. Vorstellungen der Seele gibt es auch bei Gruppen, die sich eher in einer Art Rudel-Struktur organisieren. Gerade bei denen. Ich widerspreche dir in dem Punkt, in dem mit der Wurst das Ende des organischen Lebens gekommen ist. Die Wurst (=das verblichene Lebewesen) bietet anderen Lebewesen Nahrung, das heißt Weiterleben. Ich widerspreche Dir in dem Punkt, dass das Bewusstsein Produkt der synaptischen Vernetzung ist. Ein Anrufbeantworter besitzt auch eine elektronische Vernetzung, aber es ist bisher wissenschaftlich immer noch unklar, ob er ein Bewusstsein besitzt, also das Telefon bewusst abhebt. Man wird ihm, genauso wie dem Menschen auch, jedoch nicht so einfach das Gegenteil beweisen koennen. Die Neurowisenschaft (und erst recht die Philosophie) sind im Moment noch viel zu unterentwickelt, um die Arbeitweise des Bewusstseins wirklich und eindeutig zum Forschungsgegenstand machen zu koennen, also argumentiert man in derlei Regionen grundsätzlich auf dünnem Eis, egal in welche Richtung man argumentiert. Inzwischen versucht man sich der Sache ja auch in seriösen Physiker- und Philsosophenkreisen von den morphogenetischen Feldern (Theorie des fünften Feldes) aus zu nähern. Dadurch wird die Grundsatzfrage aufgeworfen: was war zuerst da: das Bewusstsein oder seine physikalische Matrix (die Neuronenstruktur)? Das gleiche Problem wie das von Henne und Ei. Mein Professor für Baustoffkunde (ich studiere Innenarchitektur), übrigens ein sehr gebildeter und buchstäblich weiser Mann, 83 Jahre alt und immer noch als Hochschullehrer und freiberuflicher Architekt tätig, sagte kürzlich einen meiner Meinung nach sehr tiefsinnigen Satz: Es gibt kein totes Material. Er wollte damit ausdrücken, dass sich alles in Bewegung befindet, alles atmet. Man findet nirgens etwas totes, denn alles ist aus etwas anderem herausgewachsen. Ich selbst gehe sogar so weit und sage: alles ist Natur, alles ist "Seele", und vielleicht ist sogar alles Bewusstsein. Erstaunlicherweise gelangen wir eigentlich zum gleichen Endergebnis: wir glauben beide an die Gesamtheit des Universums, ob man es nun vollkommen tot oder vollkommen lebendig nennt. Und wir glauben beide, sofern ich dich richtig verstanden habe, an das Wechselspiel von Entropie und Ordnung, bzw. daran, dass eine bestehende Struktur im "Eigeninteresse" versucht, sich gegen die zersetzende Wirkung des Gesamtuniversums zu wehrern, so z.B. die DNA-Struktur, die immer neue Formen ihrer selbst entwickelt, um sich selbst (und alles andere auch) zu überleben. Genau durch dieses gesunde, wenn auch zum tragischen Scheitern verurteilete "Selbstinteresse" hält eine jede Struktur den ewigen Kreislauf am laufen, das heißt, wenn nicht doch irgendwann der engültige Wärmetod des Universums bevorsteht. Ich frage dich nun: Wie kannst du an dem Wort "tot" festhalten, wenn alle, was ist, im ewigen Kampf gegen das Nicht-Mehr-Sein und in der ewigen Kreisbewegung von Chaos und Ordnung "verharrt"? Du könntest natürlich zurückfragen: Wie kann ich am Begriff der "allumfassenden Seele" festhalten, wenn sich sowieso nichts ändert? Was denkst du, wo liegt der Unterschied zwischen unseren Thesen (natürlich nur, sofern ich dich richtig verstanden habe)? ------------------ Vereinigte Christen und Atheisten gegen den schleichenden Agnostizismus! |
| LostGhost | Hallo, Dein_Heiland, entschuldige, daß ich Deinen Beitrag erst heute entdecke, ich hatte das Thema bereits abgehakt, aber Goth sei Dank, kommen immer wieder neue Member und mit ihnen neue Ideen. [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif[/img] Ich glaube nicht, daß wir hier eine Sprache sprechen! Mein Weltbild läßt keinen Platz für eine Seele, der Tod ist das Ende, nicht ziemlich das Ende, sondern das Ende von allem. Tod ist für mich nicht [b]etwas[/b], sondern genau genommen, die Abwesenheit von [b]allem[/b]. Das einzige was der Tod hat, ist seine Vergangenheit, er besitzt keine Zukunft. Eine Weiterexistenz im Anschluß an das Ableben ist für mich unbeweisbar und damit nicht existent. All die Gedankengänge zur unsterblichen Seele und dem ewigen Kreislauf sind für mich nicht mehr als fromme Selbstbeweihräucherung um sich nicht der Realität stellen zu müssen, daß es keine zweite Chance gibt, kein Weiter in einem zweiten Leben. Und wenn ich von Synapsen als Quell des Bewußtseins spreche, so sprach ich wohl kaum von einem Anrufbeantworter und hoffe auch, daß Du mir diesen Vergleich nicht ernsthaft nahelegen möchtest. Zumal es meines Wissens kein technisches Beispiel für eine dezentrale Speicherung von Informationen gibt, die Schaltung eines Anrufbeantworters hat ja nicht einmal Ansätze von Fuzzi-Logik- also kommen wir mal besser zu Thema zurück. Ich kann ebenso kaum die Meinung teilen, daß sich im Rahmen irgend welcher Prozesse die Natur oder die Welt gegen das Entropiemeer wehrt. Die Entropie ist das Schicksal aller, unwiderruflich! Was ihm entgegenwirkt ist die Tendenz von chaotischen Systemen, sich selbst zu organisieren, was zwangsläufig zu einer Ernergieverdichtung führt. In wahren Sinn fördert dieses Bestreben nur das Entstehen von Entropie, denn das Schaffen einer Ordnung, und wenn es nur das Aufeinanderlegen von zwei Steinen in der Wüste ist, benötigt Energie die letztlich doch wieder im Entropiemeer endet, also von einer hohen Form in eine geringere umgewandelt wird. [b]Fazit: Das wir uns gegen das Ende wehren, bringt uns schneller dort hin! [/b] Ein Wechselspiel von Entropie und Ordnung kann es damit nicht geben, eher ist die Ordnung der Handlanger der Entropie, in dem sie ständig Energie benötigt um sich zu schaffen und später bei ihrem unvermeidlichen Verfall diese Energie wieder freisetzt, diesmal aber geringwertiger,bis eines Tages nur noch nicht verwertbare Energie geringster Stellenordnung vorliegt. Die Frage nach toter Materie ist wiederum lediglich definitionsabhängig. Selbst kristalline Strukturen weisen Eigenarten auf, die dem Leben ähnlich sind. Nichts desto trotz glaube ich, daß in der Wurst das Schwein tot ist, um es noch einmal auf Deinen Ansatz zurückzuführen. Das den organischen Resten dabei noch gespeicherte Energie innewohnt, ist eine Binsenweisheit, denn deshalb schlachten wir das Borstentier ja. Von Weiterleben kann in diesem Fall wohl kaum die Rede sein. Deine Vorstellung vom „ewigen Kampf gegen das Nicht-Mehr-Sein“ ist mir viel zu pathetisch. Niemand kämpf hier. Es gibt keine generell irgendwie gerichtetes Streben, es ist nur das zufällige Zusammenwirken von vielen Prozessen, die bisweiligen Anschein einer Richtung erwecken, aber völlig autonom existieren und in keinerlei Interaktion zueinander stehen. gruß -lg- PS: Als „romantische Deponie“ bezeichne ich Friedhöfe, nicht die Welt, die ist für mich nur die zufällige Ansammlung von Materie, nichts mehr! ------------------ Am interessantesten ist die Innenseite der Aussenseiter. -Jean Genet- |