| MontPèlerin | Seid gegrüßt, soeben habe ich bei Spiegel-Online einen erschütternden Bericht über den Mißbrauch von Kindern gelesen. Ich stell das hier mal rein. Ich bin im Moment einfach nur traurig, und wenn es auch richtig ist, daß Strafen nichts verhindern können, so erscheint mir das gesprochene Urteil (wiedermal) als Verhöhnung der Opfer. Wie viele Menschen werden gequält, wie vielen wird ihre Seele zerstört ohne daß es je bekannt wird? Manchmal stehe ich total hilflos vor dem ganzen Elend überall und könnte nur noch kotzen. MontPélerin ------------------------------------ Die warme Hand Als Sabine B. 13 Jahre alt war, beschloss sie, nicht groß und Frau zu werden. Damit sie dem Mann, der sie missbrauchte, nie ganz gehört. Von Erwin Koch Weinen darf man. Ist erlaubt. Jetzt stellt er Sabine in die Mitte der Halle, befiehlt ihr, bis alle klatschen, Spieglein, Spieglein an der Wand zu stammeln, 20-mal. Dann trägt er sie ins Zimmer, legt Sabine aufs Bett. Macht eine weiche Stimme und dieses Lächeln, das sie lähmt. Gibt ihr, was er Kaugummi nennt. Oder Glücksspritze. Er schnüffelt Parfum. Am Hals, an der Brust, die noch keine ist, am Bauch - auch dort. Manchmal ist sie wund, wenn er aufhört. Sabine ist 13, klein, dumm, und er ist groß und klug und lustig, ein Dorflehrer, Meister im Geräteturnen, Trainer eines Schweizerischen Arbeiter-Turn- und Sportverbandes. Sein Samen ist weiß und stinkt nach Fisch. "Alles dürfen Sie schreiben", sprach Sabine B., "nicht aber mein Alter." Sie saß vor einer Cola light, es war warm in ihrem Zimmer, und die Frau, die ein Kind blieb, steckte in dickem Stoff, sie rieb sich die Hände und vergaß zu trinken. Bachs Goldberg-Variationen klangen aus einem Gerät, ihre liebste Musik, Alexey Botvinov am Klavier. Sie warf ihre Agenda aufs Bett, Abziehbilder darauf, Hündchen, Herzchen, Biene Maja. "Was ist Vergangenheit?" An einem Donnerstag, 1983, steht er erstmals vor ihr, ein Fremder im Zürcher Oberland, er lächelt herzig und lädt die Turnerinnen in sein Dorf, Kanton Aargau. Ein Weihnachtslager, sagt er. Sabine, klein und leicht, turnt, seit sie sieben ist. Die Mutter hat schon geturnt. Die von Sabines Vater geschieden ist, wieder heiratet und ein zweites Kind gebärt. Sabine ist eifersüchtig, unbegriffen, sie flieht auf Schwebebalken und Stufenbarren. Sabine will gut sein. Und nun, gerade zwölf geworden, reist sie in sein Dorf. Er, elf Jahre älter, wohnt noch bei den Eltern. Sabine darf im Knabenzimmer schlafen, ein hölzerner Reifen steht an der Wand, Sabine spielt damit, wiegt die Hüften. Er setzt sich zu ihr. Er ist lustig und redet wie ein Kind. Ein Clown, ein Freund. Und der Clown nimmt sie in die Arme. Der Freund drückt sie an sich. Er mag sie, er berührt sie. Auch unter dem Höschen. Es tut nicht weh, ist nicht schön. Sabine denkt, das gehört vielleicht zum Spiel, Clowns und Freunde machen nichts Schlechtes. Monate später, in einem Brief an die Mutter, lobt er Sabines Fähigkeit und bittet, das Mädchen fortan zu trainieren, Sabine habe das Zeug zu Großem. Die Mutter zögert, denkt an den weiten Weg, den ihr Kind auf sich nimmt, Sabine fleht, flennt. Jeden Dienstag, jeden Freitag, jedes Wochenende fährt sie zu ihm, während der Ferien und der Feiertage, turnt mit anderen Mädchen, die er erwählt hat, Esther, Lisa, Chantal. Gelingt einer zum ersten Mal der Spagat, schenkt er ihr ein Stoffbärchen. Niemand ist so lieb wie er. So lustig. Macht den Handstand auf einem Wirtshaustisch, auf einem Treppengeländer. Und alle lachen, alle lieben. Turnen die Mädchen sich warm, hüpfen sie im Kreis und singen ein Lied, das er erfunden hat: Schwanz ab, Schwanz ab, nieder mit dem Männlichkeitswahn. Und nach dem Training wird geduscht. Nackt mischt er sich unter die nackten Mädchen, seift sie ein, trocknet sie ab. Der Mann, heißt es im Dorf, sei ein Kindernarr. "Ich habe Schuhgröße 34", sagte Sabine B. Das eine Bein über das andere gelegt, saß sie vor ihrem Regal, vor "Gute Reise, kleiner Bär" und "Bibbi und Tina" und "Post für Ritter Rost" und "Die wilden Hühner". Die schmalen Lippen waren schön geschminkt, sie lächelte und sagte: "Es gibt keine Vergangenheit." Mit blauen Händen saß sie auf ihrem Teppich und hoffte, sie sei zu begreifen. Die meisten Nächte verbringt sie nun in seinem Haus. Sabine ist die beste Turnerin, keine schwebt schöner über den Balken, er sagt, er mache sie zur Schweizer Meisterin. Sabine glaubt. Hat sie Sehnsucht nach der Mutter im Zürcher Oberland, löscht sie den Schmerz an der Rudermaschine, 500 Schläge, denkt, zu Hause, bei der Halbschwester, sei sie nicht geliebt. Weinen darf man. Sabine spürt die Hand, die sich nachts, wenn er das Mädchen in sein breites Bett holt, auf ihre legt. Die Hand ist warm und groß, streichelt ihre Wenigkeit. Die Hand, denkt sie, ist eine Vaterhand. Sie gehört ihm. Ihm. Der alles weiß und alles kann. Der älter ist und klug. Der sagt, in seinem Vorleben sei er einst ein Hund gewesen. Und deshalb könne er nicht anders, als die Mädchen in den nackten Hintern beißen. Der, wenn er Sabine den Kaugummi macht oder die Glücksspritze, haucht, dies gäbe ihr Vertrauen in sich selber. Er sagt, dies tue ich nur, weil ich dich so sehr liebe. Und wenn es schmerzt und er stöhnt und schwitzt, dann denkt sie, er tut mir dies, weil er mich liebt. Würde er ihr, seinem Käferchen, sonst jeden Morgen ein stichfestes Mokkajoghurt auftischen, Flocken und Milch? Wäre er, wenn es anders wäre, mit ihr und Mami in den Europa Park nach Deutschland gefahren, wo sie Schokoladeneis essen durfte? Und das Video vom "Schmunzelmonster", von "101 Dalmatinern"? Denn er ist Lehrer und Trainer und Schweizer Meister im Geräteturnen und versteht die Welt. Ein Kindernarr, heißt es im Dorf, sei er, alle sagen es, der Bademeister, der Arzt, die Schulbehörde, der Gemeinderat. Und ist es dann vorbei, trägt er Sabine ins Bett, blättert mit ihr durch "Asterix", umlagert sie mit ihren plüschenen Schwestern. Irgendwann verbietet er ihr den großen, bunten Tatzelwurm, den sie zu Wettkämpfen mitnimmt. Dafür sei sie zu alt, sagt er. Und legt sich anstelle des Wurms in ihren Schlafsack. Aus Kostengründen, sagt er. Und legt er sich zu einer anderen, kann Sabine nicht schlafen. Denkt, was habe ich falsch gemacht, dass er zu einer anderen geht, Esther, Lisa, Chantal? War ich schlecht am Barren, auf dem Balken, hab ich zu wenig trainiert? Bin ich ihm zu dick? Er nennt sie Schweinchen. Sabine ist 36 Kilo schwer. 6 Kilo müssen weg, sagt er. Sabine hungert und turnt, isst nur, was er ihr vorsetzt, stichfestes Mokkajoghurt, turnt, ihm zu gefallen, oft im Nachtkleid noch. Manch-mal fragt er, ob sie müde sei. Sagt sie Ja, befiehlt er sie an die Rudermaschine. Sagt sie Nein, schickt er sie ins Bett. Ein Ja dreht er zum Nein, ein Nein zum Ja. Süchtig sehnt sich Sabine nach seiner Hand. Nicht wahr, mein Säuli, sagt er, wir tun nichts Verbotenes? Und Sabine antwortet, nein, wir tun nichts Verbotenes. Er haucht, dies bleibt unser ewiges Geheimnis. "Ich bin 137 Zentimeter groß und 26 Kilo schwer", sagte, Jahre später, Sabine B. mit feiner Mädchenstimme, "menstruiert habe ich nie." Sie öffnete ein Bilderbuch, "Gewitternacht", und sie las laut: "Tut sterben weh?" Sie kicherte, blätterte, las: "Ich habe Angst davor, was mich noch erwartet?" Ein warmer heller Nachmittag. Ihre Hände waren blau. Gell, sagt er, es ist schön, was wir machen? Sabine sagt: Es ist schön, was wir machen. Er steigt zu ihr in die Badewanne, reibt ihren kleinen Körper über sein Geschlecht. Jeden Morgen, jeden Abend stellt er Sabine auf die Waage, er weckt sie aus ihrem Schlaf, bringt sie ins Bett. Er weiß alles, schreibt alles in ein Heft, und das Heft ist voller Abziehbilder, Herzchen, Kätzchen, Mickymaus. Er sagt, wann Stufenbarren, wann Balken, wann Boden, wann Sprung, wie viele Salti rückwärts, Salti vorwärts, wie viele Grätschsitze, Doppelpirouetten, Rondats, Arabesken. Möchte sie pinkeln, greift er ihr unter die Hose, drückt seine Hand an ihre Blase, entscheidet dann, ob sie voll genug ist. Er gibt ihr den Schlüssel zu seinem Haus. Bei der Mutter ist Sabine selten, und ist sie dort, schließt sie sich in ihr Zimmer, weint, tröstet sich mit einem Wäschestück, das ihm gehört, einem weinroten Tuch aus Frottee. An den Wänden hängen seine Briefe: Mein liebes Käferchen, es ist schön, dass du wieder da bist. Weil deine Augen so voll Trauer sind, und deine Stirn so schwer ist von Gedanken, lass mich dich trösten, so wie man ein Kind in den Schlaf einsingt, wenn letzte Sterne sanken. Die Sonne ruf ich an, das Meer, den Wind, dir ihren hellsten Sommertag zu schenken, den schönsten Traum auf dich herabzusenken, weil deine Nächte so voll Wolken sind. Sabine wiegt jetzt 29 Kilogramm, er nennt sie ein Vorbild, klein, leicht, gerade, perfekt, Sabine trainiert bis zur Erschöpfung, hat Fieber. Ihr liebster Film, sprach Sabine B., sei "La vita è bella". Sie weinte und lachte. Sabine ist 26 Jahre alt, aber nur 137 Zentimeter groß und 26 Kilo schwer. Manchmal weint er, und dann fragt sie, wieso bist du so traurig? Weil ich nie ganz, ganz, ganz zu dir kommen kann, sagt er. Sabine ist zu eng. Es tut weh, wenn er zu ihr kommt. Die Glücksspritze. Es tut so weh, dass Sabine weint. Weinen darf man. Dann steckt er seine Zunge in ihren Mund. Der Kaugummi. Mein Schweinchen, hör jetzt zu weinen auf. Sabine will tapfer sein. Stark wie ein Indianer muss man sein, sagt er. Sein Samen ist weiß und stinkt nach Fisch. Sabine erbricht. Manchmal, wenn Sabine bei der Mutter im Zürcher Oberland ist, legt sie ihr kleine Zettel auf den Tisch, hofft, die Mutter verstehe, Sabine schreibt vom Paradies: Dort muss man nichts anziehen, aber wenn man's trotzdem tut, ist es weiß. Im Himmel sehen alle gleich aus. Das Paradies ist eine riesige Bibliothek. Das Paradies ist ein riesiger Parkplatz ohne Nummern. Die Mutter sagt, was bin ich froh, dass du bei diesem Mann in guten Händen bist. Manchmal tritt er mit einem alten "Bravo"-Heft ans Bett, schlägt die Seite von Dr. Sommer auf: Ist Petting gefährlich? Schade, sagt er, dass ich nicht ganz zu dir kommen kann. Alles in ihr hat er besetzt, nur nicht die Tiefe des Bauches. Sabine hat Angst. Es tut so weh. Eines Tages, 1985, geht sie vom Balken ab, Sabine ist 13, ihre Brust beginnt sich zu beulen, und er greift, als sie kunstvoll vom Gerät setzt, an diese Brust, und die Brust schmerzt, und da denkt Sabine, ich will keine Frau werden, nur klein und eng, ich will nicht groß werden, Großwerden tut weh. Der Mutter schreibt sie: Das Paradies ist sehr weiß, sehr sonnig und voller Rosen. "Mein liebster Film ist ,La vita è bella'", sprach Sabine B. in ihr Zimmer. "Ein Kind", sagte sie, "überlebt das KZ." Es war ein Sommernachmittag, helles gelbes Licht stand vor dem Fenster, auf dem faltenlosen Bett saß Lucy, die Puppe, die nichts fürchtet, und neben Lucy, hingebahrt für die Nacht, lagen gewaschene Socken, eine Hose, ein Hemd, faltenlos. "Am nächsten Morgen erwarte ich mich nie", sagte Sabine B. und hoffte, sie sei zu begreifen. Sabine ist klein und eng, der Arzt redet von Pubertätsmagersucht mit Gewichts- und Wachstumsrückstand, der Grund dafür sei vielleicht das Unglück zu Hause, die Mutter scheidet von ihrem zweiten Mann. Sabine, stark wie ein Indianer, ist unterernährt, erschöpft, verwirrt. Alles tut ihr weh, der Kopf dröhnt, Sabine turnt weiter. Turnen ist leben. Sabine schreibt ihm einen Brief: Ich habe praktisch die ganze Silvesternacht hindurch geschlafen!! (So peinlich) Aber ich war sooo müde. Ich weiß auch nicht wieso. Meinem Rücken geht es wieder viel besser, ich spüre praktisch nichts mehr. Aber die ersten beiden Tage nach dem Lager konnte ich kaum gehen. Bei jedem Schritt spürte ich meine Krücken ah ... Rücken. Also tschüssli, Deine Sabine. Sabine ist 15, liest Zweigs "Schachnovelle", hat, wenn sie durchs Dorf geht, einen Schnuller im Mund, sie findet das lustig. Findet es lustig, ihre Turnkameradin Chantal mit Säuglingsbrei zu füttern, lustig, mit Brei gefüttert zu werden. Sabine hat lange braune Haare, sie kämmt sie zu Schwänzen, umschließt sie mit Klammern von Daisy Duck, und steht Sabine zu lange vor dem Spiegel, stellt er sie in die Mitte der Halle, befiehlt ihr, bis alle klatschen, Spieglein, Spieglein an der Wand zu stammeln, 20-mal. Einmal saugt er so lange an Sabines Brust, die noch keine ist, bis sie blau ist. Die wenigen Schamhaare flicht er zu Zöpfchen, reißt sie aus der Haut. Sabine spürt nichts. Sabine spürt nicht mehr, wann sie müde ist, wann sie Hunger hat, wann heiß, wann kalt. Hat sie Hunger, beginnt ihr Körper zu zittern. Ist ihr kalt, werden die Hände blau. Manchmal duscht sie so heiß, dass sie sich verbrüht, weiße Blasen, sie merkt es nicht, es tut nichts weh. Du kannst mir so richtig lieb zeigen, dass du mich magst, schreibt sie ihm. Weißt du, für mich ist das eigentlich etwas Fremdes. Weißt du, nicht dass ich damit sagen will, Mami liebe mich nicht. Ich glaube, es ist lange her, dass Mami mich in die Arme nahm. Tschüssli und es liebs Grüessli vom Säuli. Herzchen, Elefäntchen, Vögel auf dem Briefpapier. "Es ist so hell hier drin", sagte Sabine B. und rollte den Laden vors Fenster. Auf dem Stuhl neben dem Bett lagen, in gleichem Abstand voneinander, sechs Tabletten, Stoff für die Nacht. Daneben Doppelherz Melissengeist und ein Frosch aus Plastik und ein Hund, der Roboterhund aus dem neusten "Heidi"-Film. "Lucy, die Puppe", sagte Sabine B., "ist nur eine Person, mal hässig, mal fröhlich. Sabine aber ist immer beides." Dann begann sie zu lachen. Letzthin, sagte sie, habe die Mutter, die von Computerspielen wenig verstehe, ein Detektivspiel gelöscht, TKKG, Tim, Karl, Klößchen, Gaby, und da seien sie, Lucy und Sabine, wütend geworden, lodernd, sprach Sabine B., sei Lucys Zorn gewesen, Lucy, ihre WG-Partnerin, die nichts fürchtet. Goldberg-Variationen im Mädchenzimmer. Irgendwann, 1987, wird Sabine Kunstturnmeisterin des Schweizerischen Arbeiter-Turn- und Sportvereins. Sie freut sich. Freut sich nicht. Er ist stolz. Am Morgen hat die Mutter angerufen, ich habe eine Überraschung für dich. Was, Mami? Zu deinem Fest komme ich nicht allein. Mit wem denn? Mit einem Mann. Doch die Mutter kommt nicht mit Sabines Vater. Mamis neuer Freund klebt an ihr. Sabine sperrt sich in die Toilette, heult, wirft die Medaille weg, schneidet sich am anderen Tag das lange Haar. Der Trainer stellt Sabine in die Mitte der Halle, sagt, sie sei verspannt, er zieht sie aus, bestreicht ihren Körper mit Öl, knetet ihn, alle Mädchen schauen zu. Normal. Sabine, 16, beginnt eine kaufmännische Lehre im Zürcher Oberland. Sie wohnt meist bei ihm, im Aargau, steht um fünf Uhr morgens auf, reist zur Arbeit, reist am Abend zurück, trainiert, Rudermaschine, Kaugummi, Glücksspritze. Manchmal schubst sie ihn weg, einmal rennt sie davon. Hat ein schlechtes Gewissen. Sabine fürchtet sich, auf die Toilette zu gehen, ekelt sich vor dem, was aus ihr dringt. Fährt sie zur Mutter, legt sie sein weinrotes Frotteetuch ins Gepäck. Schließt sich ein, schreit durch die Tür. Sabine turnt und turnt, ihre Hände bluten schmerzlos, sie stürzt vom Balken, schafft den einfachsten Salto nicht mehr, Gehirnerschütterung, zweimal, dreimal. Sie ist 18. Verbraucht. Denkt an ein anderes Leben, rein und weiß. Sie schreibt ihm: Eigentlich weiß ich gar nicht genau, was ich Dir schreiben möchte, aber irgendwie spüre ich einfach etwas, und das bringt mich zum Schreiben. Weißt Du, oft denke ich mir, dass mir das Turnen wirklich viel hilft. Ich kann dort sehr schnell alles vergessen und glücklich sein. Und dann, wenn ich so glücklich bin, steigt in mir etwas ganz Komisches auf, so eine Art wie Angst. Ich überlege mir dann immer, wenn ich jetzt aufhöre zu turnen, was ist dann? Manchmal habe ich das Gefühl, eigentlich genug alt zu sein, um aufzuhören. Obwohl ich das gar nicht möchte. Und dann weine ich und habe Angst, weil ich dann all das Schöne nicht mehr hätte. ICH HAB DICH LIEB! Deine Sabie. Eines Abends, 1989, tritt Sabine in sein Zimmer, ihre Stimme zittert, sie sagt, ich höre auf, du kennst den Grund. Er schweigt, zieht sie auf seinen Schoß, sie möchte sich wehren, er greift ihr unter die Hose, steckt seine Zunge in Sabines Mund, sagt dann, vergiss deine Turnschlarpen nicht. Sie hofft, er sei traurig. Er ist es nicht. Sie hofft, er halte sie zurück. Er tut es nicht. Sabine fährt zur Mutter, sie heult, Turnen ist leben. Zu Hause erzählt sie. Die Mutter begreift nicht. Sabine verbietet ihr, jemanden einzuweihen, und sollte sie es tun, würde Sabine alles leugnen. "Und jetzt?", fragte sie. Sabine B., klein und leicht, saß auf ihrem Teppich, erwartete keine Antwort und sah zu Lucy, gelbe Nase, strohfarbenes Haar. "Kannst du zaubern?", sprach Sabine B. zu ihrer Puppe. "Nein, zaubern kann ich nicht", sagte sie mit hoher, kreischender Stimme, "aber wenn mir etwas nicht gefällt, strecke ich die Zunge raus." Grass, Dürrenmatt, Frisch lese sie besonders gern, sagte Sabine B. an jenem hellen Nachmittag. Sabine schreibt ihm: Das Turnen fehlt mir sehr, abends liege ich oft im Bett und bin fest traurig, trotzdem glaube ich, es ist gut so. Wieder reist sie in den Aargau, sucht die warme Hand und nimmt in Kauf, was sie mit Sabine macht. Zwei Jahre lang. Im Dorf klagt eine Frau, Mitglied der Schulbehörde, es sei nicht normal, wie dieser Lehrer seine Schülerinnen, seine Turnerinnen anfasse. Die Frau wird beschimpft, dann aus dem Amt gezwungen, der Mann ist ein Kindernarr, heißt es, ein sensibler Pädagoge. Sabine schließt ihre Lehre ab, 1990, sie arbeitet in der Zentralbibliothek Zürich, singt im Kinderchor des Opernhauses. Sabine will studieren, Germanistik oder Kunst, sie geht ans Gymnasium, holt Latein nach, sie wird krank, Lungenentzündung, Sabine wechselt die Schule, wechselt sie wieder, stürzt von einer Treppe, wechselt die Schule. Darf sie sich zu Weihnachten, zum Geburtstag etwas wünschen, wünscht sie sich ein Schweinchen aus Stoff, 50 davon hat sie bereits, 50 Schweinchen im faltenlosen Bett. Sie ekelt sich vor dem, was aus ihr dringt, nimmt, sich zu schützen, einen schwarzen Plüschpanther mit in die Toilette und einen Zauberstab, den sie im Kinderbuchladen kauft. Ihren Körper will sie nicht sehen, sie duscht im Dunkeln, berührt sich nie - auch dort nicht. Sabine rollt die Läden vors Fenster, bevor sie sich auszieht. Findet sie irgendwo ein Haar, wird sie steif, schreit. Rutscht in Ohnmacht, wenn sie Würste sieht. Einmal noch, Herbst 1995, trifft sie ihn in einem Wirtshaus, seine junge Frau sitzt neben ihm, Sabines Mutter ist dabei, er beginnt zu schluchzen, sagt, was geschehen sei, tue ihm sehr Leid, zur Buße überlasse er allmonatlich 300 Franken einem guten Zweck, die Mutter weint auch, Sabine steht auf, wütet, Mami, jetzt fällst auch du auf seinen Trick herein. Sabine fängt eine Therapie an, noch eine, noch eine. Im April 1997, zusammen mit Lisa und Chantal, stellt sie sich einem Zürcher Fernsehsender, macht bekannt, ihre Hände sind blau. Der Reporter fährt mit den Frauen in den Aargau, Chantal hat Wasserpistolen mitgebracht, sie rennen um sein Haus, spritzen es nass. Am anderen Tag ruft die Polizei an, sexuelle Handlungen mit Kindern seien ein Offizialdelikt, Sabine muss zum Verhör. Sie redet von Kaugummi, Glücksspritze, Parfum riechen, Sabine, 26 Jahre alt, weiß nicht, dass es dafür andere Wörter gibt. Sie zieht einen Zettel hervor und verlangt, dieser Satz müsse ins Protokoll: Welche Möglichkeiten stehen offen, wenn die Dimension der Entscheidung, die aus dem Zusammenwirken von Geist und Seele erwächst, zwar einheitlich lebensbejahend, Neuem gegenüber offen, ja begierig ausfällt - wenn aber der Körper, als Dritter im Bunde, dieser Dimension sämtliche Lebensbasis entzieht? Sabine kann nicht schlafen, sie hat Angst, keinen Schmerz, keinen Hunger, verbrüht sich beim Duschen. Die Polizei sammelt, listet 48 Opfer auf, 31 Schülerinnen und 17 Turnerinnen. Im Mai 1999 kommt ein Bezirksgericht zum Schluss, der Mann sei dreieinhalb Jahre in ein Zuchthaus zu sperren, fünf Jahre Berufsverbot. Er beruft beim kantonalen Obergericht. Das Obergericht erlässt ihm drei Monate, strafmindernd wirke, dass der Angeklagte mittlerweile verheiratet und Vater zweier Kinder sei. Er gelangt ans Eidgenössische Bundesgericht, will Freispruch. Irgendwann gerät Sabine unter ein Auto, ihr Becken ist elffach gebrochen, fast ein Jahr lang liegt sie im Krankenhaus, Sabine denkt, nun werde ich verrückt, sie bettelt die Mutter an, ihr jeden Tag ein Joghurt zu bringen, Mokka, stichfest. Sabine B. öffnete ihr Tagebuch, ein Schulheft, darauf zwei Häschen mit Schirm und Koffer. "Soll ich?", fragte sie. Dann las Sabine B., was sie im Sommer 2001 geschrieben hatte. "warum blöd traurig angst popo parfum haare weh traurig regen angst richter henker blöd darf nicht still geheimnis dumm angst großes geheimnis angst weglaufen wohin nicht mehr anschauen weg bitte nicht beschmutzt dreckig alles wie kacke alles grauslig Fisch riechen ätsch erbrechen müssen so eklig hand groß besudelt mitgemacht mitgelacht missbraucht gebraucht überall haare zöpfchen unterhöschen runter nein warum stille schreie laute schreie niemand da wo sind die menschen wo bin ich?" Sie lebt allein in zwei sauberen Zimmern, Zürcher Oberland. Lebt von einer Behindertenrente und einigen hundert Franken, die ein Zeitschriftenverlag ihr überlässt. Morgens um sieben ruft die Mutter an, holt sie aus dem Schlaf. Dann füllt Sabine ihr Tagebuch, spielt vielleicht am Computer, "Kommissar Kugelblitz, Vermisst am Mississippi", spricht mit Lucy, die nichts fürchtet und zu zetern anhebt, wenn ihr jemand, ohne zu fragen, das strohfarbene Haar streichelt. Später duscht Sabine, versucht zu ahnen, was warm, was kalt ist. Versucht herauszufinden, welche Kleider sie heute tragen soll, eher dicke, eher dünne. Am liebsten ist ihr, wenn andere entscheiden. Um elf bringt die Mutter, was Sabine abends essen wird, ein halbes Brötchen, ein halbes Quarkjoghurt, zwei Löffel Reis, sechs harte Kekse, eine Milchschnitte, etwas Traubenzucker, alles ist gezählt und berechnet, zählen schafft Ordnung, Ordnung beruhigt. Gemüse, Fleisch, Käse, Rahm erträgt Sabine nicht, sie erbricht. Die Mutter bringt sie dann zum Bahnhof, und Sabine fährt in die Stadt. Dreimal die Woche sitzt sie bei einer Psychologin, sie fürchtet die Tage, da die Frau unerreichbar ist. Zweimal die Woche geht sie zur Ärztin, einmal in die Maltherapie. Dann ist es Abend, vielleicht setzt sie sich in ein Café, liest "Verliebte Girls" oder "Homo faber", vielleicht geht sie ins Kino, bezahlt, wenn niemand es merkt, den Eintritt für Kinder. Oder sie sieht sich im Kunsthaus eine Ausstellung an. Sie tanzt in der Ballettschule des Opernhauses, mit 13-Jährigen, die ihr schnelle Botschaften schicken, SMS, über das Lächeln von Brad Pitt, Game Boy Advance, hübsche Schuhe. Schließlich fährt sie nach Hause, Tag für Tag, löscht das Licht und zieht die Kleider aus, legt sich neben Lucy. Tröstet sich mit einem Märchen. "Der Drachenreiter" oder "Die wilden Hühner". Manchmal träumt sie ihren Tod. "Und jetzt?", fragte Sabine B., die nie groß wurde. |
| herbstliebe | schrecklich! herbstliebe, weinend |
| SON | ...wieder mal erschüttert, wie damals nach dem Buch Aufschrei... S.O.N. |
| Michaela | Es tut weh,ich spreche aus Erfahrung. Ich habe mich auch oft gefragt ,warum muß all dies geschehen? Kaputte Eltern erziehen (reproduzieren)kaputte Kinder.Es greift,von Generation zu Generation. Das Einzige was einem selbst bleibt ist es besser zu machen.Anders,-keine zerstörten Seelen zu erzeugen. Oder aber Du willst mehr tun.Nun dann engagiere Dich im sozialen Bereich.Es gibt Möglichkeiten,-Vereine,Begegnungsstätten u.ä. Die meisten suchen ehrenamtliche Helfer.Soetwas zu tun vermindert zumindest das Gefühl der Hilflosigkeit. Aber ich muß zugeben,-diese Welt macht mir auch verdammt viel Angst. Gruß Michaela |
| new model No.15 | Ich bin erschüttert. Wie viel Leid gibt es auf der Welt, in jede Stadt, in jedem verdammten Dorf! Es macht mich wütend. Und ich fühle mich schlecht. Menschen, die so etwas ertragen müssen, tun mir so leid. Für den Moment... Denn was macht ein scheinbar problemloser Mensch wie ich? In meiner Hilflosigkeit und im Alltag gefangen, resigniere ich vor den wirklich schlimmen Dingen, die jeden Tag passieren. Ich denke, ich kann hier für viele sprechen. Ja, wer von uns ist bei einem solchen Bericht nicht erschüttert? Aber wer unternimmt wirklich etwas? Wo sollen wir anfangen zu helfen? hilflos fragend new model |
| YelArizel | Als ich das zuende gelesen hatte, mußte ich weinen... Ich hab auch jetzt noch tränen in den Augen. Mir fehlen die Worte... YelArizel |
| Apistos | :-( |
| Blackadder | Man kann es einfach nicht erklären, man kann es nicht "entschuldigen", man kann es nicht verstehen...diese grausamste Form der Brutalität und Menschenverachtung, díeser absolute Mangel an Respekt vor allem lebendigenund fühlenden. Es macht mich wütend und traurig dies zu lesen, gleichsam schämt man sich regelrecht für die Spezies "Mensch". Warum muss so etwas passieren? Warum...und warum immer den kleinsten und schwächsten, denen, die sich ohnehin nicht wehren können? Warum kriegt so etwas niemand mit? Warum kann man nicht helfen.... Wünsche, BLACKADDER ------------------ _________________________ Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch. In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro. |
| Shiri | ICH HASSE MENSCHEN!!!!!!!!! |
| Lugh | "Schwanz ab, Schwanz ab, nieder mit dem Männlichkeitswahn." Sollte man bei jedem, der Kinder missbraucht, machen. Gruss Lugh |
| Blackadder | Lugh, diese "Lebensformen" werden trotzdem Methoden finden, ihre kranken Phantasien auszuleben...ob mit oder ohne. In diesem Fall war es mehr als "Missbrauch", es war Ausleben krankester Allmachtsgedanken, Lust an der Kontrolle und des demontierens von Persönlichkeiten. Solchen Irren kann man nicht beikommen, durch keine Therapie der Welt... Shiri, meine Rede... Beste Wünsche, BLACKADDER ------------------ _________________________ Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch. In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro. |
| Curzon | ich frage mich, was im leben dieses mannes wohl schiefgegangen sein mag, daß er solche dinge getan hat... ------------------ Laßt uns einen Stern vom Himmel holen und tausend Welten in Brand setzen! |
| new model No.15 | Original erstellt von Curzon: ich frage mich, was im leben dieses mannes wohl schiefgegangen sein mag, daß er solche dinge getan hat... Ja, und fängt man nicht hier schon an, solch fehlgeleitetes Verhalten zu entschuldigen? Ich interessiere mich seit langem sehr für Psychologie und Psychiatrie und auch hier wird man mit solchen Gedanken konfrontiert. Auf einer Seite finde ich es grausam und widerlich, auf so eine Art und Weise junge Leben zu verschandeln. Aber was ist mit diesen ganzen Theorien von Trieben? Vielleicht liefen in den Gehirnzellen dieses Wesens irgendwelche Neutronen dermaßen quer, dass er sich einfach nicht mehr steuern konnte... Andererseits ist die Geschichte so traurig, dass ich schon ein schlechtes Gewissen habe, so etwas überhaupt zu denken. Und selbst wenn (WENN) solche Menschen für ihre, ich nenne es mal "Krankheit" nichts können, gehören sie seperat von uns anderen Menschen gehalten. Denn es gibt doch in diesem Bereich so viele Wiederholungstäter und das zeigt doch, dass viele Therapien zwecklos sind. Sicher gibt es auch welche, die es nicht wieder tun. Aber wo beginnt man hier das Unterscheiden? nachdenkliche Grüße new model |
| Blackadder | new model no. 15, ich denke, egal was der Auslöser war für diese Tat, Verständniss oder Entschuldigungen wird man nie dafür aufbringen können und sollen. Natürlich ist es wichtig zu wissen, welche Motivation vorlag, was der auslösende Faktor war, um dadurch möglicherweise irgendwann Möglichkeiten zur Verhinderung solcher unsagbaren Taten zu finden. Also, meiner Meinung nach entschuldigst du es so nicht, du suchst nach Ursachen, und das ist schon richtig. Was eine Unterscheidung angeht, da würde ich mich nie dran versuchen...man weiss ja auch erst, wer zu dieser "Gruppe Mensch" gehört, wenn es schon zu spät ist...und dann würde ich generell zu keiner logischen Be- oder Verurteilung mehr fähig sein...habe nur noch Hasgefühle gegenüber diesen Leuten. Ich möchte niemals Richter sein und sojemanden verurteilen müssen...nicht in den engen Grenzen unserer Gesetze. Und ich glaube einfach nicht, dass dieser "Defekt" therapierbar ist... Beste Wünsche, BLACKADDER ------------------ _________________________ Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch. In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro. |
| AshesNey | Tja, ist schon schlimm, habs an eigener Haut miterlebt. Mansche kommen besser damit zurecht, andere eben nicht. Ich hab zum Glück einen guten kumpel, der mich immer unterstützt, darum geht es mir heute soweit gut (diesbezüglich). |
| Curzon | Zitat: |
| TwilightSun | "Was machst du, wenn ich anfange, dich unter der Hose zu kitzeln?" Immer wieder dieser verdammte Satz, der mich auffrisst, vollkommen leer macht. Ohne meinen Freund hätte ich es nicht überlebt, hätte mir das Leben genommen...und das alles verdammt nochmal nur wegen meinem Bruder.... Twi |
| Dormah | Zitat: |
| Luka | Ein grausames Schicksal, aber kein seltenes. Doch in fast allen diesen Geschichten gibt es diesen Teil: 'Im Dorf klagt eine Frau, Mitglied der Schulbehörde, es sei nicht normal, wie dieser Lehrer seine Schülerinnen, seine Turnerinnen anfasse. Die Frau wird beschimpft, dann aus dem Amt gezwungen, der Mann ist ein Kindernarr, heißt es, ein sensibler Pädagoge.' Ich will nicht über Menschen urteilen, die krank sind, aber die, die solche Schicksale zulassen, weil sie nicht sehen wollen sind verdammenswert und die wirklichen Schuldigen. Wer schweigt stimmt zu! Luka --------- 'Many that live deserve death. And some that die deserve life. Can you give it to them? Then do not be too eager to deal out death in judgement.' J.R.R. Tolkien |
| Crysania | erschütternd...mir fehlen die worte... [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/frown.gif[/img] |
| gin'iro | ... und immer wieder schaut einer weg ... [b]Mitwisser sind Mitverantwortliche.[/b] [img]http://www.plaudersmilies.de/sad/scrying.gif[/img] ------------------ ---> Kaiki <--- |
| Feuertanz | Schwanz ab!! Meiner Meinung nach wirklich die einzige gerechte Strafe für sexuellen Mißbrauch an Minderjährigen! Obwohl ich es besser finden würde, wenn das Opfer selber, bzw. seine Angehörigen über die Strafe entscheiden könnten. Auf jeden Fall bin ich mal wieder sehr erschüttert. Diese Form von Gewalt ist die verabscheuungswürdigste, die ich mir vorstellen kann und sollte mir jemals so ein Mensch begegnen, von dem ich weiß, daß er so etwas getan hat, ich weiß nicht was ich tun würde... |
| Dormah | Schwanz ab! Tolle Foderung! Spinnen wir den faden weiter und überlegen uns was ein Kinderficker tut, wenn vor einem kind steht und dann nicht kann. Er wird wohl nicht diszipliniert reagieren oder? Hatte er vorher vielleicht nicht vor es danach zu töten, dann kann es dann wohl geschehen. Die kranken gedanken sind noch da! Allerdings ist mir im Moment nicht ganz klar, ob es nicht besser ist nach so was zu sterben. Ich weiß das man so was nie los wird. |
| TwilightSun | ich glaube, das Vergewaltigung einem Mord gleichkommt. Es wird ein Leben zerstört...wenn nicht äußerlich, dann zumindest das Leben der Seele. Diese trübe, schlammige Masse zäher Gedanken, die in einem selbst das Ekelgefühl hervorrufen, die dich wahnsinnig machen. Der Tod ist für mich das einzige, was am nähesten an eine gerechte Bestrafung herankommt...unddoc noch zu milde ist. Denn ist eine ausgelöschte Existenz nicht angenehmer als mit einer ermordeten Seele unter Lebenden zu wandeln?? *mit bitteren Tränen in den Augen verschwindet* |
| Curzon | Auge um Auge, Zahn um Zahn? Dann gibt es doppelt so viele Opfer. Das kann kein guter Weg sein. ------------------ IT IS MY FIRM BELIEF THAT IT IS A MISTAKE TO HOLD FIRM BELIEFS. |
| Dormah | Ich kenne das gefühl des ekels vor sich selbst nur zu gut. Die Überlegung ob es nicht besser gewesen wäre nach dieser scheiße zu sterben kennt jeder der sie schon erlebt hat glaube ich. Genauso das gefühl der toten seele. Doch wird sie dadurch wieder lebendig das derjenige der es getan hat stirbt? Was gibt dir das wissen das er tot ist, wenn du wieder mal nicht in den spiegel schauen kannst weil du deinen anblick nicht ertragen kannst? Nimmt es dir den hass gegen dich selbst? Lässt es dich nachts besser schlafen? Menschen die nicht in einer solchen situation sind können das nicht glaube ich nicht so gut beurteilen. Denn der täter sitzt in deinem kopf! und er stirbt nie! |
| the bestian | *dormah rechtgeb* das schlimmste an der ganzen sache ist der hass und der ekel vor sich selbst. auch wenn man an der sache die allerwenigste schuld hat. |
| TwilightSun | aber irgendwann halte ich es nicht mehr aus, tagtäglich mit diesem gottverdammten Mistkerl am Tisch zu sitzen, zu wissen, dass uns nur zwei Türen trennen.... |
| Julya | habt ihr sie gesehen? ihre geschihte kam bei extra auf rtl, gestern abend... das mädchen, das keine frau werden wollte... ich mußte weinen, als ich das gesehen habe.... [img]http://www.plaudersmilies.de/sad/bluecry.gif[/img] |
| blackblood | Es ist erschreckend, grausam, traurig, unfair, wiederwertig, ...mir fehlen die Worte, aber es ist passiert und jetzt stellt sich die Frage, was weiter passieren soll: 1. mit dem/den Opfer/n: so wirklich helfen kann ihnen wohl nichts und niemand mehr. Therapien sind ein Anfang, aber helfen meistens nicht mehr viel. Geschehenes kann man leider nicht rückgängig machen und eine zerstörte Seele kann auch niemand reparieren. Ich denke, dass gute Feunde ganz wichtig sind, denn sie können noch am meisten Trost spenden. 2.mit dem/n Täter/n: Soll man sie bestrafen? Nun jeder ist wütend, entsetzt, traurig, schockiert über das, was sie getan haben, aber sind die Täter nicht auch meistens Opfer? Wie kann es dazu kommen, dass Menschen so etwas Menschenverachtenden tun? Soll man sie genauso bestrafen? Wer ist so ein Übermensch, dass er über andere Menschen richten kann, womöglich noch über die Entscheidung über Leben und Tod? Dass etwas passieren muss, ist klar, aber ist Strafe wirklich das richtige Mittel? Strafe hilft doch niemandem, sie kann das Geschehene nie wieder rückgängig machen. Stillen wir nicht einfach nur unsere Rachegefühle mit ihr? Eigentlich wollen wir doch nur verhindern, dass so etwas noch mal passiert. Wir könnten die Täter therapieren, obwohl das auch meistens nichts bringt, wie eine Umfrage von vergewaltigten Frauen an Vergewaltiger, die schon Jahre lang im Gefängnis saßen und sich dort auch Therapien unterzogen haben, ergeben hat. Das einzige für mich noch einiger Maßen akzeptable Mittel ist, diese Menschen ihr Leben lang von der Außenwelt abzuschotten, um uns vor ihnen zu schützen. 3.mit dem Rest der Welt: Es ist für mich erschreckend, dass die Eltern von vergewaltigten Kindern es meistens über Jahre hinweg nicht merken. Wie kann so etwas sein? Hören wir unseren Kindern (bin selbst Mutter von einem 2-jährigen Sohn) nicht mehr zu? Nehmen wir sie nicht ernst? Meist sagen die Kinder nichts und denken auch, es sei normal, dass so etwas mit ihnen gemacht wird, zumal die Vergewaltiger sich meist im Familein- oder Bekanntenkreis befinden. Vielleicht sind wir alle zu prüde, können mit unseren Kindern nicht über ein so heikles Thema reden. Wer wurde denn noch von seinen Eltern aufgeklärt? Und mit wie viel Jahren? Mit nfang der Pubertät, wenn die Eltern nicht mehr um eine Aufklärung ihrer Schützlinge kommen, ist es doch schon zu spät. Vergewaltigungsopfer sind doch meistens jünger. Unsere Gesellschaft ist doch viel zu verklemmt: Sexualität ist doch eine ganz natürliche Sache, wieso können wir nicht normal darüber reden? Ich denke, wenn Eltern von vornherein offen mit ihren Kindern darüber reden würden, könnten viele Vergewaltigungen verhindert werden, auf jeden Fall die, die über längere Zeit hinweg passieren. Vielleicht könnte sogar verhindert werden, dass Menschen zu Sexualtätern werden. Aber was mich noch mehr schockiert ist die Tatsache, dass Außenstehende,die davon wissen, es aus Scham oder was weiß ich was für einem dummen Grund verschweigen, oder wenn jemand damit an die Öffendlichkeit geht und es ausspricht, wie diese Frau, wird er für dumm erklärt, fertiggemacht und wieder wird es tot geschwiegen. Menschen, die davon wissen und es trotzdem verschweigen, sind für mich mindestens genauso schuldig wie die Täter. Ich fühle mich ziemlich wütend, traurig und machtlos. --->blackblood<--- ------------------ |
| blackblood | Es ist erschreckend, grausam, traurig, unfair, wiederwertig, ...mir fehlen die Worte, aber es ist passiert und jetzt stellt sich die Frage, was weiter passieren soll: [list] [*]mit dem/den Opfer/n: helfen kann ihnen wohl nichts und niemand mehr. Therapien sind ein Anfang, aber helfen meistens nicht mehr viel. Geschehenes kann man leider nicht rückgängig machen und eine zerstörte Seele kann auch niemand reparieren. Ich denke, dass gute Feunde ganz wichtig sind, denn sie können noch am meisten Trost spenden. [*]mit dem/n Täter/n: Soll man sie bestrafen? Nun jeder ist wütend, entsetzt, traurig, schockiert über das, was sie getan haben, aber sind die Täter nicht auch meistens Opfer? Wie kann es dazu kommen, dass Menschen so etwas Menschenverachtenden tun? Soll man sie genauso bestrafen? Wer ist so ein Übermensch, dass er über andere Menschen richten kann, womöglich noch über die Entscheidung über Leben und Tod? Dass etwas passieren muss, ist klar, aber ist Strafe wirklich das richtige Mittel? Strafe hilft doch niemandem, sie kann das Geschehene nie wieder rückgängig machen. Stillen wir nicht einfach nur unsere Rachegefühle mit ihr? Eigentlich wollen wir doch nur verhindern, dass so etwas noch mal passiert. Wir könnten die Täter therapieren, obwohl das auch meistens nichts bringt, wie eine Umfrage von vergewaltigten Frauen an Vergewaltiger, die schon Jahre lang im Gefängnis saßen und sich dort auch Therapien unterzogen haben, ergeben hat. Das einzige für mich noch einiger Maßen akzeptable Mittel ist, diese Menschen ihr Leben lang von der Außenwelt abzuschotten, um uns vor ihnen zu schützen. [*]mit dem Rest der Welt: Es ist für mich erschreckend, dass die Eltern von vergewaltigten Kindern es meistens über Jahre hinweg nicht merken. Wie kann so etwas sein? Hören wir unseren Kindern (bin selbst Mutter von einem 2-jährigen Sohn) nicht mehr zu? Nehmen wir sie nicht ernst? Meist sagen die Kinder nichts und denken auch, es sei normal, dass so etwas mit ihnen gemacht wird, zumal die Vergewaltiger sich meist im Familein- oder Bekanntenkreis befinden. Vielleicht sind wir alle zu prüde, können mit unseren Kindern nicht über ein so heikles Thema reden. Wer wurde denn noch von seinen Eltern aufgeklärt? Und mit wie viel Jahren? Mit nfang der Pubertät, wenn die Eltern nicht mehr um eine Aufklärung ihrer Schützlinge kommen, ist es doch schon zu spät. Vergewaltigungsopfer sind doch meistens jünger. Unsere Gesellschaft ist doch viel zu verklemmt: Sexualität ist doch eine ganz natürliche Sache, wieso können wir nicht normal darüber reden? Ich denke, wenn Eltern von vornherein offen mit ihren Kindern darüber reden würden, könnten viele Vergewaltigungen verhindert werden, auf jeden Fall die, die über längere Zeit hinweg passieren. Vielleicht könnte sogar verhindert werden, dass Menschen zu Sexualtätern werden. Aber was mich noch mehr schockiert ist die Tatsache, dass Außenstehende,die davon wissen, es aus Scham oder was weiß ich was für einem dummen Grund verschweigen, oder wenn jemand damit an die Öffendlichkeit geht und es ausspricht, wie diese Frau, wird er für dumm erklärt, fertiggemacht und wieder wird es tot geschwiegen. [/list] Menschen, die davon wissen und es trotzdem verschweigen, sind für mich mindestens genauso schuldig wie die Täter. Ich fühle mich ziemlich wütend, traurig und machtlos. --->blackblood<--- ------------------ [Dieser Beitrag wurde von blackblood am 12. Dezember 2001 editiert.] |