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    Thema: Der Konflikt des funktionierenden Systems
DieKraeheNun, es gibt etwas, was mich nun schon seit Tagen beschäftigt..
Ich hörte in letzter Zeit immer öfter "Kind, du machst es dir doch nur schwerer als es ist. Pass dich an, du wirst sehen, alles wird besser laufen"- ich weiss, dass bestimmt so gut wie jeder von euch diesen Spruch schon hören musste, doch ich habe länger darüber nachgedacht..
Nehmen wir an, wir alle würden uns anpassen.. die Menschheit als eine angepasste Masse, ohne weiterzudenken, ohne zu hinterfragen, immer in den Richtlinien, in den eingezäunten Vorstellungen der einfachen Leute.. Es würde wenig neues geben, Fortschritt in Technologie, Wissenschaft, aber doch nur mässigen, oder sehe ich das falsch? Was wäre die Menschheit als blinde Horde eines fehlerhaften Ideals? Würde sie weiterkommen?
Ihr denkt bestimmt wie ich, dass sich durch Individualität, besonders im Denken, viel erreichen lässt, doch wenn alle gleich wären, hätte das noch Belang? Oder wären wir schon so beschränkt in unseren Vorstellungen, dass wir uns anderes nicht mehr denken können und beständig bei unserem System bleiben? Ganz einfach, weil es funktioniert und viel unkomplizierter als das alles andere abläuft? Viele Menschen machen es sich so einfach, weil sie dem Erkennen aus dem Weg gehen wollen..
Welche Welt wäre eine glücklichere, eine funktionierende, in der niemand etwas merkt, in der wir alle wie Roboter zum Wohle des Systems agieren und in unserer begrenzten Vorstellungskraft einfach wenigeren Konfrontationen und Problemen begegnen, oder eine, in der wir "kämpfen", und es uns schwerer machen als viele andere?
Ich hoffe, ich habe das, was ich meine, halbwegs verständlich zustande gebracht..
Verwirrt,

Die Kraehe.
AlyanderHmmm..... erschreckenderweise hat eine Welt ohne Kampf, Streß etc. aufgrund von Gleichheit auch für mich einen Anflug von Anziehungskraft... wenn auch nicht lange [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif[/img]

Ich denke aber, jetzt mal rein wissenschaftlich gesehen, daß z.B. so eine "gleichgeschaltete" Welt auch VIEL anfälliger gegenüber Störungen, Zwischenfällen, Veränderungen etc. wäre... eine Art geistiger und kultureller Inzucht betrieben würde... auf Dauer Stillstand und "Erbkrankheiten" hervorbringen würde...
Fiel mir gerade dazu ein...

greetz
aly
BlackbirdHmm, du hast da was getroffen, was mich auch beschäftigt... Ich schreib mal einfach meine Gedanken dazu auf und hoffe, dass es nicht zu durcheinander ist [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif[/img]. - Meine Mutter, eine meiner Ansicht nach gebildete und aufgeschlossene Frau, fragte mich neulich, wann denn wohl meine *Schwarz-Phase* zuende wäre und ich aufhören würde, zu provozieren... Dazu muß ich sagen, dass ich nicht absichtlich provoziere und mich auch nicht als provozierend empfinde - ich bin kein Hardcore-Goth; ich trage Schwarz aus Überzeugung aber ich sehe nicht extrem aus... Sie meinte dasselbe, wie du angesprochen hast: das ich es sicherlich leichter im Leben haben würde, wenn ich normal *bunt* rumlaufen würde und auch sonst einfach aufgeschlossener wäre. Ich halte mich für aufgeschlossen, aber ich versuche nicht, irgendwelchen Leuten Zucker in den Hintern zu blasen, die mir egal sind oder die ich vielleicht sogar ablehne. Wir haben uns relativ lange darüber unterhalten, über Anpassung und die damit leider oft verbundene Kritiklosigkeit vieler Menschen. Sie ist immer noch der Ansicht, dass ich mir vieles schwerer mache, was ich leicht haben könnte, und war relativ unempfänglich für meine Einstellung, dass ich das gar nicht will. Alles einfach haben. Den Leuten gefallen oder es ihnen einfach machen, auf mich zuzugehen. Ich meine nicht, dass ich es ihnen absichtlich schwer mache oder mich verstelle (*Geh weg, ich bin böse und trage schwarz*), aber ich bin nicht gefällig in meiner Art oder meinem Aussehen... Dies ist meine Art, mich weiterzuentwickeln und nicht in einem Status Quo zu versacken... Das kann man auch auf die Gesellschaft übertragen... Ich habe neulich in irgendeiner Zeitschrift einen Artikel darüber gelesen, dass immer mehr Unternehmen auf die Vielfältigkeit der Persönlichkeiten in ihrem Team achten... Da war ein Bild eines Goth in einer Werbeagentur, oder ein Hippie in einer Zeitungsredaktion... Es ist nur wieder typisch, dass die Beispiele sich auf solche Arbeitsbereiche beschränkten, in denen die Not zur Kreativität besonders deutlich ist... Wer könnte sich einen Goth in einer Anwaltskanzlei vorstellen? Und so versinken die konservativen Berufe (ich nenn sie mal einfach so) eben weiterhin in Stillstand und Resignation... Ich hoffe, das war nicht zu verwirrend, mir fällt bestimmt noch was dazu ein...
_____________________________________________

Walk in your own Faith.
DieKraehe
Zitat:
Original erstellt von Alyander:

Ich denke aber, jetzt mal rein wissenschaftlich gesehen, daß z.B. so eine "gleichgeschaltete" Welt auch VIEL anfälliger gegenüber Störungen, Zwischenfällen, Veränderungen etc. wäre... eine Art geistiger und kultureller Inzucht betrieben würde... auf Dauer Stillstand und "Erbkrankheiten" hervorbringen würde...
Fiel mir gerade dazu ein...

greetz
aly[/B][/quote]

Das denke ich nicht- ich meinte damit, dass wirklich alles reibungslos abläuft- die Gebiete, die bestehen, bis zum Perfektionismus ausgearbeitet werden, jedoch keine neuen erschliesst, da es einfach ausserhalb dieser Einzäunung liegt. Ein Funktionieren, im Kreis drehen, keine Veränderung, dafür scheinbarer Perfektionismus für die beschränkte Welt.

Kraehe.
AlyanderDann hast Du es doch schon sehr gut beschrieben... und "weißt" bereits wie diese Welt aussehen würde / könnte...?? *etwas verwirrt ist, was nun der eigentliche Sinn dieses Threads sein soll - habe ich da was überlesen?? Oder war's mißverständlich??*

grüßle...
aly
DieKraeheNein, ich fragte, was wohl besser ist..
Eine Welt, in der alle zufrieden sind, es aber scheinbar keinen bzw. sehr sehr mässigen Fortschritt gibt, oder eben einen, indem es für einen zwar schwer ist, aber auch [b] weiss [/b], wofür man sich einsetzt.. auch mit dem Effekt, es schwerer zu haben, als die Meisten.
Was ist wohl befriedigender, wenn man keinen Vergleich zu der anderen Welt hat?

Kraehe.
boatman[um dann gleich mal den an anderer Stellte beschriebenen Belesenen raushängen zu lassen: *wink*]

Das ist natürlich kein neuer Gedanke (wenngleich er natürlich nie an Aktualität verliert) und in "Brave New World" wird das, meiner Meinung nach, schön auf den Punkt gebracht, indem ein "Wilder", der als Außenstehender in ein System kommt, das den Insassen als perfekt erscheint, dort zutiefst unglücklich ist... und praktisch sein Recht auf Leiden, Krankheit etc. fordert.

Oder wie bei Plato (Höhlengleichnis):
Lebst du unter "Blinden", magst du damit im Schnitt glücklicher sein und nicht einmal bemerken, was dir fehlt.
Aber hast du einmal die Sonne gesehen, willst du das "Sehen" nie wieder aufgeben, trotz der Schmerzen, die damit verbunden sein mögen.

An schlechten Tagen würde mich der Reiz des Perfekten Systems vielleicht überkommen; an guten Tagen möchte ich auch nicht meine schlechten missen.
[edit]
nachtrag: nun, nicht alle.
Für "alles hat seinen Platz" habe ich eigentlich zu viel gesehen
[/edit]

Selbst wenn so ein System möglich wäre, würde sich die Frage gar nicht wirklich stellen: Sobald man sich der Wahl bewußt wird, hat man sie eigentlich gar nicht mehr.

Boatman,
an einem einigermassen guten Tag

------------------
##
[the pain of living life this way]
must take it's toll on you some day...

[Dieser Beitrag wurde von boatman am 14. April 2002 editiert.]
NachtelbinIch habe neulich einen interessanten Artikel in einer Zeitschrift gelesen, der besagte, daß sich die menschliche Wahrnehmung im Laufe der ersten Jahre dahingehend verändert, daß alles Wahrgenommene Kategorisiert wird, also eine blaue Röhre als ebensolche erkannt wird.
Ich denke, dieser Aspekt entwickelt sich auch später immernoch weiter, alles was als abweichend empfunden wird, stört diesen Klassifizierungsvorgang und strengt an, vielleicht hat das der Mensch unterbewusst registriert und ist deshalb bestrebt sich anzupassen? Um es sich und den anderen leichter zu machen und eine bessere Integrität zu gewährleisten?
Eine solche Welt wäre meiner Meinung nach recht reibungslos, aber nicht realisierbar, denn selbst wenn sich alle anpassungsfähigen anpassen würden, gäbe es immernoch Menschen "außerhalb der Norm", z.B. Behinderte und die Entwicklung wäre eher kollektiv d.h. ein großer Gedanke müsste von allen unterstützt werden und DAS erinnert mich denn doch etwas an das '45er Ideal.
Das komplette Gegenteil wäre auch recht unproduktiv, denn wenn jeder knallharter Sturkopf wäre könnte wiederum auch nichts großartiges zustande kommen. Insofern ist eine Mischung aus beidem doch recht interessant, denn wenn sich die Angepassten an Ideen der Individualisten (die meist bessere Ideen haben) anpassen kann doch mal was bei rauskommen. Naja, oder auch nicht, aber im Idealfall schon.
Also, nicht aufgeben individualistischer Sturkopf zu sein, denn das darf nicht jeder.

Die Nachtelbin

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Die, die in der Dunkelheit gelernt haben zu sehen, erblicken mehr, als bloß die Hüllen der Körper.
broken_oneHmm... sehr interessant. Da meld ich mich doch mal in meiner Eigentschaft als mittelmäßiger Hobby-Rollentheoretiker *g* zu Wort...

Das perfekte, gleichgeschaltete System ist einfach unmöglich. Denn es müßte für jede kleinste Situation haargenau festgeschrieben sein, wie reagiert werden muss. Bis ins letzte Detail. Keine Individualität, keine Variationen. Jedes nur mögliche Ereignis auf dieser Welt auflisten und eine Reaktion dazu festlegen?!! ...und jeder Einzelne müßte diese Verhaltensregeln perfekt beherrschen. Jeder Störfaktor könnte das System vollkommen auseinander reißen.

Bestand kann also nur ein flexibles System haben, denn Störungen sind eher der Normalfall.

Ob es besser wäre? Im perfekten statischen System wäre dein komplettes Leben vorbestimmt, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Keine Konflikte, keine Überraschungen... keine Enttäuschungen, keine Freude. Keine Gefühle. Nichts. Nur Routine. Du würdest gar nicht darüber nachdenken, denn du wärst einfach nur hineingezüchtet, von Anfang an angepasst. Nur ein Bauteil...

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Make a joke and I will sigh and you will laugh and I will cry...
DieKraeheJa, das stimmt.. aber dafür trotzdem weniger Probleme [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/biggrin.gif[/img]
Was wäre denn, WENN wir den direkten Vergleich zum "anderen" Leben hätten?

Kraehe.
broken_one
Zitat:
Original erstellt von DieKraehe:
[b]Was wäre denn, WENN wir den direkten Vergleich zum "anderen" Leben hätten?[/b][/quote]

Hmm... Geh mal ins Detail. Wie stellst du dir diesen Vergleich vor?

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Make a joke and I will sigh and you will laugh and I will cry...
HarlekinEine Aussage die ich immer wieder gehört habe ist

"Was kann ich kleines Licht denn schon bewirken ? Was kann den ein einzelner schon machen?"

Die Antwort müsste sich von alleine ergeben, denn es war IMMER ein EINZELNER der etwas bewirkt hat. niemals eine breite Masse die auf einmal den Drang hate etwas zu verändern , es ging immer von der Idee eines Einzelnen aus.. von dem Menschen der das rad erfunden hatte, über Echnaton, Karl der Grossen, Gallilei, Napoleon, Eddison , Einstein.... und und und..

das alles waren "seltsame Vögel" die nicht in das "Bild" der Zeit passten.. Sie wurden teilweise

Verdammt , verdreht, verkannt, verteufelt,

WEIL sie etwas geändert hatten..

Also Muss es einen großteil geben der Sich anpasst, der für das reibungslose "Funktionieren" des Gesellschaft sorgt. der Das Bruttosozialprodukt erwirtschaftet , der Steuern zahlt, der dies und das an "langweiligen" und "unspektakulären" Arebiten macht und diese auch noch gerne macht.

(wer kann sich vorstellen seine Arbeitsträume zu verwirklichen indem er KLo's verkauft??? Brauchen tun wir trotzdem alle eines..)

Es ist wie mit einem Bauer und einen Krieger, beide haben ihre unbestrittene Berechtigung, und keiern würde lange in dem Job des anderen Überleben.

Der Bauer wäre auf dem Schlachtfeld völlig überfordert, er müsste JETZT und SOFORT Entscheidungen treffen die über Leben undTod richten, in Sekundenbruchteilen Urteile fällen und Manchmal auch Todesurteile. Starke und sich ständig verändernde Umstände abgewechselt mit Zeiten des Wartens der Entbehrungen und des planens, nur um im letzen Moment doch alles anders machen zu müssen..

Der Krieger würde durchdrehen wenn er die Termine einhalten muss Saattermine, jäten, pflügen , ein rieseiges Feld, voller Unkraut, voller Diesteln und Getier, das immer und immer in gleicher Weise an die Erträge will. Er müsste einen unendlich langen Atem haben, eine Engelsgeduld, und eine Fähigkeit vorrauszuplanen teilweise über jahre Hinweg, Investitionen planen und Lager einteilen , Vorräte für Andere aufheben , Sicherheiten garantieren, Tiere Beherbergen. Alles das Sorgsam und Sicher. Keine momentan entscheidungen fällen.

also gibt es für jeden Typus eine berechtigung zu leben und sicherlich muss es mher Bauern geben als Krieger aber deswegen sind sie nicht unwichtig. Und andersrum ist der "krieger" nicht unwichtig denn er sichert den Bauern und der Bauer den Krieger..

*wirreszeugredet*

naja hoffentlich verstehts dasjemand .. wenn ja könnte er es mir ja mal erklären..


ids*ddd*

H.


Damok auf dem OzeanGrüsse rundherum.

Ach ja, die Weigerung sich anzupassen. Auch ich will es nicht, denn das Leben das die meisten führen käme mir leer vor.

Doch manchmal fragt mich eine hämische Stimme, ob ich es denn überhaupt könnte wenn ich wollte, oder ob ich mir nur einrede es nicht zu wollen weil ich es niemals könnte.

Könntet ihr?

Habt ihr es vieleicht schon längst getan?

Würdet ihr es denn merken?

Im Prinzip war die schöne neue Welt doch für alle ok, bis jemand kam und gestört hat.

Sind wir es vieleicht die stören?

DadO
finiziajaja wir sind ja alle soooo anders als die langweilige blöde gesellschaft..
und warum sind wir so tolle individualisten geworden?weil wir anders sein wollen als "die anderen", weil wir uns abheben wollten.
und dieser haufen ist auch eine gesellschaft mit normen für sich,die da lauten;
seid anders als die anderen!

alle menschen sind gleich,
nur manche menschen sind gleicher als die anderen...

und bei uns sind ja alle "sooo" verschieden,
und manche noch viel verschiedener als die anderen.

es gibt in der sog. "breiten masse" auch NUR indis, wenn man sich mal die mühe macht und sich mit einzelnen beschäftigt (unterhält)merkt man das.
genauso wie in "unseren kreisen" jeder anders ist.
es ist nur nun einmal so das gleich und gleich sich gern gesellt-und wenn man durch (mal mehr mal weniger) ausgeprägte denkweisen sich verbunden fühlt ist das doch ok...
so entstehen 2 gesellschaften...
die eine bunt, die andere dunkel...
grüsse
finizia
Armitage...wem es noch nicht aufgefallen ist...
Wir werden seit unseren frühen Kindesjahren an vorgegebene, meist patriarchalische Normen angepaßt. (Es beginnt mit der Anpassung der körperlichen Funktionen an die rechte Gehirnhälfte, welche das logisch-analytische Denken birgt. Die linke Seite, spirituell-kreativ, wird NIE beansprucht und verödet somit.) Gerade in dieser Zone befinden sich die wichtigsten Abteilungen, welche auch zum spirituellen, mystischen Verständnis des Körpers und der Natur führen. Die sog. "Regeln und Gesetze" der Gesellschaft werden mit dem Druckmittel "Angst" seit Menschengedenken eingeprägt. Egal ob Kirche, Wirtschaft oder Politik, wir sitzen mitten in der Korruptionsmühle und werden von ihr überrollt werden, wenn nicht bald eine kollektive Ablösung von alten Normen stattfindet.
Der sog. "Rechtsstaat" ist seit den letzten 20 Jahren zum "Kontrollstaat" avanciert, was, wie oben beschrieben, in Huxleys "Brave New World" gut beschrieben wurde. Ich empfehle außerdem "1984" von George Orwell und "Der futurologische Kongress" von Stanislaw Lem für annehmbare Zukunftsberichte.
Es gibt nur eine Möglichkeit, dem Dilemma zu entkommen: GEGEN DEn STROM SCHWIMMEN!
DieKraehe*nachdenklich*
Glaubt bitte nicht, ich habe euch vergessen- ich habe nur ziemlich wenig Zeit und möchte nicht irgendetwas unbedachtes drauflosschreiben-

Kraehe.
Colourize
Zitat:
[b]von DieKraehe[/b]
[...]
Ich hörte in letzter Zeit immer öfter "Kind, du machst es dir doch nur schwerer als es ist. Pass dich an, du wirst sehen, alles wird besser laufen"- ich weiss, dass bestimmt so gut wie jeder von euch diesen Spruch schon hören musste, doch ich habe länger darüber nachgedacht..
[/quote]
Ich glaube auch, dass es wohl so ist wie Finizia sagt... eine wie auch immer geartete "Subkultur" ist [b]auch[/b] angepasst - nur dass sie abweichende Normen und Werte zur Gesamtgesellschaft hat.
Wenn Du schwarz trägst, Dich entschließt bestimmten Modeidealen zu folgen (jetzt erzähle mir Keiner, dass es so was in der schwarzen Szene nicht gäbe oder er/sie seinen/ihren "ganz eigenen Stil habe" - ich fordere Fotos ein und widerlege das ;-)), in bestimmte Discos zu gehen, zu bestimmten Festivals zu fahren, bestimmte Bücher zu lesen, Deine Wohnung in einer bestimmten Art und Weise einzurichten etc., dann handelt es sich um den Versuch einer Anpassung an eine Subkultur, die mit den Idealen der Gesamtgesellschaft zwar zum Teil bricht, diese aber durch andere Leitideen ersetzt.

Genau gesagt machst Du es Dir durch diese Strategie also nicht "schwerer als es ist", sondern leichter: Indem Du Dich einer Gruppe anpasst, denen Du Dich warum auch immer "nahe" fühlst, erreichst Du soziale Integration! Und nicht Desintegration, wie Dir andere Menschen (aus der Gesamtgesellschaft, vermutlich Deine Eltern) weismachen wollen.

Zitat:

Nehmen wir an, wir alle würden uns anpassen.. die Menschheit als eine angepasste Masse, ohne weiterzudenken, ohne zu hinterfragen, immer in den Richtlinien, in den eingezäunten Vorstellungen der einfachen Leute.. Es würde wenig neues geben, Fortschritt in Technologie, Wissenschaft, aber doch nur mässigen, oder sehe ich das falsch? Was wäre die Menschheit als blinde Horde eines fehlerhaften Ideals? Würde sie weiterkommen?
[/quote]
Wie gesagt, ich glaube wir alle [b]sind[/b] angepasst.

Die Frage nach Innovationen ist berechtigt. Innovationen kommen in der Regel aus einem subkulturellen Millieu, und das findet sich in der Regel in den Städten - dort leben nämlich genug "ähnliche" Typen auf engem Raum, was die Grundvoraussetzung für die Bildung von Subkulturen ist.

Was mich etwas verwirrt, ist die Frage nach dem "weiterkommen"... - worauf soll das hinauslaufen? Glaubst Du, dass es ein allgemeines "Ziel der Menschheit" oder so was gibt, auf das wir alle hinarbeiten sollen...? Falls ja: was soll das für ein Ziel sein?
Falls nein: wieso dann "weiterkommen"?

Ich vermute nicht, dass es so ein Ziel gibt. Wir sind nichts als Haufen wabbelnder Biomasse, die aus allen Löchern stinkt. Na und? Scheiss drauf! Lasst uns ficken.

Zitat:

Ihr denkt bestimmt wie ich, dass sich durch Individualität, besonders im Denken, viel erreichen lässt, doch wenn alle gleich wären, hätte das noch Belang? Oder wären wir schon so beschränkt in unseren Vorstellungen, dass wir uns anderes nicht mehr denken können und beständig bei unserem System bleiben? Ganz einfach, weil es funktioniert und viel unkomplizierter als das alles andere abläuft? Viele Menschen machen es sich so einfach, weil sie dem Erkennen aus dem Weg gehen wollen..
Welche Welt wäre eine glücklichere, eine funktionierende, in der niemand etwas merkt, in der wir alle wie Roboter zum Wohle des Systems agieren und in unserer begrenzten Vorstellungskraft einfach wenigeren Konfrontationen und Problemen begegnen, oder eine, in der wir "kämpfen", und es uns schwerer machen als viele andere?
[/quote]
Was soll das Ziel sein? Erkenntnis oder Glück? Aus Deinen Zeilen lese ich, dass Du zwischen beidem schwankst.

Du scheinst davon auszugehen, dass es eine universale Erkenntnis gibt. Das glaube ich nicht. Es gibt Wissen, aber alles Wissen ist Interpretation. Es gibt keine völlige Loslösung aus Platon's Höhle.
Was es gibt, ist das Verstehen. Ich weiss aber nicht, ob das Verstehen das letzte Lebensziel sein kann.

Was das Glück angeht: Ich glaube dass individuelles Glück unabhängig vom System ist. Es ist möglich, eine "prior to society"-Perspektive einzunehmen, in der man das System als funktionale Notwendigkeit für die Gesellschaft erkennt. Will sagen: Es gibt "bessere" und "schlechtere" Systeme. An jedem System gibt es was zu verbessern. Du kannst gegen das System kämpfen, und vielleicht sogar eine Veränderung erreichen. Aber was bringt das??? Der Knackpunkt ist nämlich, das Systeme (gleich wie gut sie sind) nicht glücklich machen. Wenn Glück also Dein Lebensziel ist, bringt es meiner Ansicht nach nichts, am System herumzudoktorn. Es ist nicht Deine Umwelt, die Dich glücklich machen kann. Es müsste vielmehr etwas sein, was [b]in Dir selbst[/b] ist.

Ich hoffe dass etwas rübergekommen ist von dem, was ich sagen wollte. Wenn was unklar ist, fragt nach.


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