| fluchtraum | So, ein ziemlich interessante Betrachtung zur derzeitigen Gewalt-Diskussion findet sich in diesem [url="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,194588,00.html"]Spiegel-Essay.[/url] ... was meint ihr dazu? Dachte, das ist durchaus mal einen eigenen Thread wert. Gruß, der fluchtraum [Dieser Beitrag wurde von fluchtraum am 03. Mai 2002 editiert.] |
| Nightingale | Hmmm....eine wirklich interessante Theorie. Wenn diese wirklich zutreffend ist, dann haben wir ein ganz schoen heftiges Problem. ------------------ Sein oder nicht sein? Das ist hier die Frage. |
| Blackadder | Hmmm....wenn ich das richtig vestehe sind wir nach diesem Artikel zu schliessen alle indirekt mit Schuld an der sich stetig weiterdrehenden Gewaltspirale, oder? Beste Wünsche, BLACKADDER ------------------ _________________________ Auf jede Frage dieser Welt findet man die Antwort in einem Buch. In omnibus requiem quaesivi et nusquam inveni nisi in angulo cum libro. |
| Nightingale | @Blackadder Jepp. Die Gesellschaft ist schuld. Und da wir ein Teil der Gesellschaft sind, traegt jeder Einzelne die Mitschuld. ------------------ Sein oder nicht sein? Das ist hier die Frage. |
| broken_one | Wie ich's verstanden hab soll die schiere Größe der Gesellschaft schuld sein, besonders in Verbindung mit dem Fehlen eines religiösen Glaubens... Gewalt als einzige Möglichkeit Aufmerksamkeit zu erlangen... Das trifft aber, denke ich, nur bei wirklich kontaktarmen Leuten zu. Und auch nicht zwangsläufig. ------------------ My thinking is derailed, I'm tied up to the track The train of consequences, there ain't no turning back... |
| Nachtfee | Also... ...erstmal bin ich der Ansicht, dass dieser sogenannte Professor die Sache doch sehr einseitig sieht. Er geht in seinem Essay von der Tatsache aus, dass der einzelne Mensch in unserer Gesellschaft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und dass er durch Gewalttaten, die durch die Medien ja immer an die Öffentlichkeit gelangen, nun versucht, diese Aufmerksamkeit zu erlangen. Ich denke nicht, dass er damit grundlegend falsch liegt, ich sehe die Probleme allerdings doch eher woanders gelegen. Möglicherweise in der Erziehung, aber auch bzw. eher in dem Leistungsdruck, den unsere Gesellschaft mit sich bringt. Um auf den ersten Punkt einzugehen. Viele Eltern sind heute ganztags beschäftigt und haben weniger Zeit für ihre Kinder. Sicher leiden die Kinder unter diesem Aufmerksamkeitsverlust ihrer Eltern, allerdings bekommen sie, wenn wir mal rein von der Aufmerksamkeit ausgehen, diese auch von ihren Freunden, z. B. im Kindergarten oder in der Schule...vielleicht auch den Großeltern oder ihren Erziehern. Den zweiten Punkt finde ich allerdings wichtiger, denn der Leistungsdruck der heute herrscht ist oft nicht auszuhalten. Geradezu erdrückend. Wer nichts leistet, wird auch nichts, lautet heute die Devise. Beide Faktoren können auch miteinander zusammenhängen. Münkler bezieht auch die Religion mit ein. Er ist der Ansicht, dass wir eine Religion brauchen, um die Nähe der Gemeinschaft zu spüren. Ich glaube nicht, dass einem dadurch fehlende Aufmerksamkeit zukommen kann. Man hat etwas, an das man sich festhalten kann, aber man bekommt auf diesem Wege bestimmt keine Aufmerksamkeit. Es gibt für diese Gemeinschaft schließlich auch genügend negativbeispiele, wie z. B. Glaubenskriege oder den Nationalsozialismus, dem die Kirche ja auch zu großen Teilen die Hand gereicht hat. Aufmerksamtkeit kann man auch als Karrieremensch im Berufsalltag bekommen. Aber das kann nicht der Sinn sein. Man sollte vielmehr lernen oder vermittelt bekommen, dass Geld nicht alles ist...und das ein toller Abschluß oder ein riesiges Vermögen noch lange kein Glück bedeuten. Die wenigsten Menschen leben auch dannach. Münkler geht auch darauf ein, das Friedhöfe heute mehr als "Ablage" für menschliche Überreste verwendet werden, denn als Gedenkstätten, weil die Menschen es als störend empfinden, sich im Alltag damit auseinanderzusetzen. Damit gebe ich ihm Recht. Ich glaube, dass es auch ein Fehler der modernen Gesellschaft ist, das in unserem Karriereorientierten Leben oft kein Platz mehr für Trauer ist...das man diese einfach von sich schiebt und den Alltag wieder aufnimmt. Dadurch fehlt vielen Menschen sicher auch ein Gefühl dafür, was es überhaupt bedeutet zu sterben...der Schmerz und alle anderen negativen Gefühle, sowie aber auch die Erfahrung dies zu bewältigen. Kein Respekt mehr vor dem Tod...und gleichzeitig alle menschenmöglichen Versuche, diesem zu entfliehen - aus Angst. Weil man ihn nicht hinnehmen will. Klar, dass sich dort eine großte Angriffsfläche für Amokläufer bietet, wo dann eben Rache erfolgreich ist. Aufmerksamkeit ist hier dann, wie Münkler auch sagt, ein wichtiger Aspekt. In der Erziehung sollten einem die oben genannten Dinge aber mitgegeben werden. Eltern sollten ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken und auch auf ihre Gefühle eingehen, moralische Grundsätze "lehren", Kinder stärken, aber auch Grenzen setzen, ihnen Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben. Die beste Vorsorge. Und auch kein Aufmerksamkeitsdefizit. Sicher wäre das der Idealfall...aber würde es auch nur Bemühungen in diese Richtung geben, dann würde es vielleicht auch nicht zu solchen Taten kommen. Vielleicht würde dann der Abstand zu den Medien auch größer sein...wir würden erkennen, dass in dieser Welt etwas ziemlich schief läuft und das wir allein das ändern können, in unserem täglichen Verhalten. Ok, ich habe mir genug den Mund fusselig geredet und so richtig schlüssig ist das ganze auch nicht, aber es muss genügen. Gruß, Nachtfee ------------------ Welch triste Epoche in der es leichter ist ein Atom zu zertrümmern, als ein Vorurteil. (Albert Einstein) |