| Seneca | ...in lezter Zeit kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das der ganze "Fortschritt" in erser Linie mal Qualitätsverlust mit sich bringt. Nicht nur was die Produkte das täglichen Lebens angeht, sondern auch ganz extrem in Kunst und Handwerk. Es wird immer schwieriger, noch etwas zu finden, das mit Liebe zum Detail entworfen und hergestellt wurde. Gerade wenn ich mir Dinge aus vergangener Zeit anschaue, wirken neuzeitlichen Objekte meist "billig" dagegen, obwohl der Preis, an der Kaufkraft gemessen, noch der gleiche ist. Während die Produktionsstraßen immer menschenleerer werden, und damit auch immer mehr unbeseelte Produkte erzeugt werden, verliert sich dazu auch noch altes handwerkliches Wissen, weil kaum noch jemand an traditioneller Herstellung interessiert ist. Meist werden dann "Fakes" hergestellt, die zwar den Stil nachahmen, aufgrund der einfachen Herstellung aber bei näherer Betrachtung "billig" wirken. Außerdem ensteht bei mir einfach der Eindruck, das mit zunehmender Technisierung mehr und mehr Lebensqualität verloren geht. Natürlich hat uns die Technologie das Leben leichter gemacht, ohne Zweifel, aber mitlerweile kommen wir an den Punkt, an dem es zu viel wird. Die Rationalisierung der Welt schreitet ständig voran, und die steigenden Kosten der Industrie(ist doch seltsam, das trotz Rationalisierung ständig die Kosten Steigen...!)führen zu immer neuen Entwicklungen in der Produktpalette, die dann aber auch abgesetzt werden müssen, und so wird der moderne Mensch überflutet mit eigentlich überflüssigen Produkten. Damit das Zeug auch gekauft wird, muss ständig an der Unzufriedenheit des Kunden gearbeitet werden, zum Beispiele mit minderer Haltbarkeit, und schnellerem Modellwechsel, aber auch einfach mit suggestiver Werbung, die mitlerweile ebenfalls ein sehr niedriges Niveau erreicht hat. Modernes Leben: Ich steige um 6:45 aus dem Ikea Bett, geweckt von einem Digitalwecker von Tschibo. Nach den Früstück, bestehend aus Indusrietoast u. Zuckerkringeln in Milch steige ich ins Auto, um mich der Blechlawine anzuschließen. Im Büro empfängt einen das nervige surren dutzender Rechner, von dene die meisten völlig überflüssig vor sich her werkeln, weil ohnehin die [Entf] Taste das wichtigste Werkzeug ist. Stunden langes Getipsel in Datenbanken, und Anrufe von ebenso genervten Menschen, die dieses hinter professioneller Höflichkeit verbergen. Man verhandelt mit Menschen, deren Stimme man seit Monaten kennt, aber eben nich den Menschen...Büroroboter... Feierabend, und obwoh ich mich heute kaum bewegt habe bin ich müde. Was habe ich heute eigentlich geschaffen...? ...Nichts... den morgen geht es genauso weiter, kein greifbares Ziel, kein sichtbares Ergebniss. Ich wünsche mich in die Werkstatt zurück, in der man die eigene Arbeit wachsen sehen konnte, und man am Abend weniger müde war, obwohl man richtig "geschafft" hatte. Oder sollt ich besser "geschaffen" sagen, denn man ist ja befliessen, Qualität zu produzieren, sonst könnte der Kunde ja gleich bei der Industrie kaufen. Ich fürchte wir haben den Punkt erreicht, an dem es haupsächlich um Stückzahlen geht, und nicht mehr um wiklich gute Arbeit, nicht zuletzt weil der Endverbraucher verlernt hat, sich an der Langlebigkeit und Präzision "echter" Arbeit zu erfreuen. Das scheint mehr und mehr für viele Dinge zu gelten, seien es Literatur, bildende Kunst oder Musik. [Dieser Beitrag wurde von Seneca am 02. April 2002 editiert.] |
| unquiet grave | Die Überschrift finde ich nicht ganz passend. Kulturverlust durch Fortschritt ist schon besser. Denn alles was du beschreibst, ist doch der Verlust der Kultur; der Mensch prägt seine Umfeld nicht mehr schöpferisch, nichtmal mehr sich selbst. ------------------ [...] verweist im Prinzip schon auf das Ende hin. |
| Harlekin | In gewisser weise ist die überschrift schon gerechtfertigt. Qualität: die Ausführung eines Gutes oder Produktes oder Dienstleistung im Rahmen der Auszuführenden Arbeit, des Zweckes oder der Dauerhaftigkeit des Produktes, wobei wir einmal auch Dienstleistungen als Produkt sehen können. Das meiste was wir heute kaufen können ist Mist, mal ehrlich. Die schuhe von deichmalnn für 19,99 € sind nach ein paar tagen verkraft, nach ein paar wochen ausgelatscht und nach ein paar monaten zerrupft. Es sei denn man holt sich noch ein paar andere, damit man wechseln kann und damit den Produktlebenszyklus scheinbar verlängert. Mein alter mistiger Vw-Bus hat ein Armaturenbrett aus Metall, mein Mittlerweile verschrotteter neuerer Opel nicht und riß auch schneller die hufe hoch. nicht alles war besser, aber heute müssen Produkte kurzlebig sein, um "bewegung" auf dem Markt zu halten. Computerspiele MÜSSEN nach 4 Wochen langweilig sein, weil sonst kein schwein was neues Kauft, und damit auch keinen neuen Rechner. (wobei die meisten spiele "Thema-con-Variatione" sind. ->Quake/DOOM/DukeNukem/Counterstrike/Flashback/Heretic/DarkProjekt/Unreal<- etc.. ist doch ein und dasselbe.) Aber tröste dich, es wird noch schlimmer, mit Bezahlmusik aus dem Netz, komerziellen Gothic-Bands und dem singenden "wackel-vampir" fürs Gotische Armaturenbrett wird der Komerzfortschritt auch in die entlegensden winkel vorsteoßen.. ids*ddd* H. |
| Frail | Ja, und es wird alles immer sinnloser, trotz Gebrauch der Ratio. Ratio wird sehr eindimensional benötigt. Das Endziel, das sich hinter allem verbirgt, ist Geld. Ich fürchte fast, dass die ungenutzten Hirnwindungen, die zur Erschaffung anderer kultureller Güter wichtig sind, veröden. Durch eine völlig unganzheitliche Ausrichtung und den Verzicht auf Kultur degradiert sich der Mensch zu einem Triebwesen. Durch die geforderte Geschwindigkeit von Denken und Handeln schwindet automatisch die Liebe zum Detail, die gerade einmal eine Ablenkung und heute oft nur "Kitsch" darstellt. Glatte airodynamische Oberflächen erstrecken sich auf allen Gebieten. Zum Beispiel: Ikea - wir haben uns so sehr an diesen Stil gewöhnt, dass wir uns ab und an sogar dazu hinreißen lassen, von "schön" zu sprechen. Aus der Not macht Ikea eine Tugend und lässt sie sich gut bezahlen. Die Schränke sind oft nicht einmal mehr poliert und lackiert. Und durch die dauernde Vorführung der Optik und der Akustik wunderartig fremd klingender Namen für diverse Gegenstände gewöhnen wir uns an diesen schauerlichen Anblick, bis wir ihn - vielleicht um es uns selbst einfacher zu machen, schließlich kommen wir ohne mehr finanzielle Mittel nicht drum herum - als mindestens ansehbar akzeptieren. Die Qualität der Produkte ist im Vergleich zu derjenigen alter Schränke (z. B. um die Jahrhundertwende) extrem schlecht und zudem darauf ausgerichtet, nicht für die Ewigkeit zu halten. Indem wir nun immer und immer wieder unser mehr oder weniger mühsam verdientes Geld für diesen von uns als schön angenommenen Schrott ausgeben können, (schließlich sind wir mittlerweile daran gewohnt, ständig neue Bedürfnisse zu haben, die, um nicht dem Unglück zum Opfer zu fallen, dauernd befriedigt werden müssen) wird vielleicht ein Glücksgefühl neu entflammt und wir spüren, dass wir an der modernen Zivilisation teilhaben dürfen. Unsere Körper werden schlaff, jeder noch so unnütze Luxus wird erfüllt und zur Trägheit verdammt, nehmen wir ihn dankend an ohne anschließend mehr darauf verzichten zu können. Ausgleichssport schafft ohnehin nicht, was im Gesamten versäumt wird, im körperlichen wie im geistigen. |
| Falkenmond | Das die Produktionszyklen immer kürzer und damit die Produkte weniger haltbar werden, ist denke ich ein ganz deutlicher Effekt des freien Kapitalismus, der Abkehr von der sozialen Marktwirtschaft hin zur freien Marktwirtschaft. Das zeigt sich sehr schön bei Elektogeräten. Die Reperatur ist meist teuerer als der Neukauf. Auch werden den neuen Produkten keine Schaltpläne mehr beigelegt, damit der Käufer ja nicht auf die Idee kommt, einen kleinen Defekt selbst zu reparieren. Und denk nur mal an alte Hifi-Bausteine: Alte Thorens Plattenspieler laufen auch nach 30, 40 Jahren noch wie neu, CD Spieler dagegen sind oft nach drei, vier Jahren im Eimer. Am schlimmsten finde ich jedoch, wenn dieses "möglichst viel Gewinn erwirtschaften" Verhalten sich auch auf die Kultur (im Sinne von Kunst) ausdehnt. Kunst kann dann meist nur noch (wie schon in den USA) über Kultur-Sponsoring der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Alernative Kunst bekommt immer weniger möglichkeit sich darzustellen und von anderen wahrgenommen zu werden. Dann schreiben uns die Konzerne nicht nur vor, wie unser Heim auszusehen hat, sondern auch noch woran sich unsere Sinne zu erfreuen haben. Klingt vielleicht jetzt alles ein bisschen "Schöne neue Welt" mässig, ich denke aber, es ist besser die Sache etwas zu kritisch zu sehen, als sich von der Mainstream-Konsum-Kultur Walze plattmachen zu lassen. |
| Seneca | Falkenmond Mit "schöner" neuer Welt liegst Du vielleicht garnicht falsch, besonders wenn man bedenkt, das die Verschiedenen gewachsnen Kulturen und Gesellschaftsformen von der globalisierten Industrie, vor allem Werbeindustrie, gleichgeschaltet werden...! Oder anders gesagt: "...offenbar hat die chinesische Kultur Jahrtausende auf Mc Donalds gewartet..." [Dieser Beitrag wurde von Seneca am 02. April 2002 editiert.] |
| Falkenmond | @Seneca Mit Globalisierung und McDonalds liegts Du meiner Meinung nach genau richtig. Ich finde es erschreckend, wenn ich ins Ausland fahre und dort eine landesübliche Mahlzeit zu mir nehmen will und überall nur McDonalds, Burger King etc. finde... aber es ist ja durchaus erwiesen, dass die Globalisierung ein "Artenvielfalt-Killer" ist... |
| Frail | Nur ein Großteil der Moslems möchte das nicht so gerne mit sich veranstalten lassen. |
| Seneca | ...We are Bush, resistance ist futile, you will be assimilated... Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, das der G.I. des 21. Jahrhunderts immer mehr wie ein Cyborg ausieht...? [url="http://www.fas.org/man/dod-101/sys/land/land-warrior-lwc.jpg"]http://www.fas.org/man/dod-101/sys/land/land-warrior-lwc.jpg[/url] [Dieser Beitrag wurde von Seneca am 02. April 2002 editiert.] |
| seelenmord | In letzter Zeit hab' ich auch öfters drüber nachgedacht, was der ganze Fortschritt-Mist mir irgendwie effektiv bringen soll ... Zum einen verbringe ich die meiste Zeit damit den Kram zu lernen oder zu lernen damit umzugehen oder es funktionstüchtig zu machen, die reine und effektive Nutzzeit sinkt ... Es ist nicht so, daß ich total auf den Kopf gefallen bin [bin in der Diplom-Phase meines Info-Studiums] [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/wink.gif[/img] ... aber ich habe mir schon öfter überlegt, daß es manchmal lebensfüllender vorkommen könnte, wenn man sich täglich intensiver um die elementaren Dinge kümmert und nicht alles im Schnelldurchlauf macht/machen muß, nur damit man dies und jenes noch schafft ... seelenmord |
| GreenFairy | interesannt... gerade in der letzten zeit habe ich mir (mal wieder) vermehrt gedanken um dieses thema gemacht. ja, wie du sagst, seneca, nicht nur die qualität der produkte wird immer geringer, auch die lebensqualität leidet unter der zunehmenden technisierung. ich sitze im büro und löse probleme, die es nicht gäbe, wenn es das unternehmen nicht gäbe... und ich finde es erschreckend, daß viele nicht mehr wissen, wie z. b. erdbeeren aussehen, wenn sie nicht in eu einheitsgröße im plastikschälchen im supermarkt liegen. die technik sollte das leben erleichtern - aber das gegenteil ist eingetreten. je mehr technik umso mehr streß und unzufriedenheit. so stellt sich die frage, ob man das weiter so hinnehmen will, oder ob es nicht möglich ist 'auszusteigen' und sein leben anders zu gestalten. dunkelgrüne grüße aus dem nebel green Fairy ------------------ living's mostly wasting time |
| Harlekin | @ seneca Earth 2145 und Comand&Conquer lässt grüßen.. @ frail der Gebrauch der Ratio wird sogar aberzogen. es ist für die Konzerne viel wünschenswerter, wenn der "moderne" mensch von heute nicht nachdenkt sondern das was die Konzerne als "Hip" betiteln kommentarlos und bejahend annehmen. (KONSUM= Kauf Ohne Nachzudenken Schnell Unseren Mist) Was ist schlimmer für einen Konzern, wenn der Mensch nachdenkt ob er Pokemons braucht, ob die Bildzeitung die Wahrheit sagt, Ob Nutella wirklich überwiegend aus Haselnüssen besteht.. Ob blau wirklich glücklich macht? Hat jemand schonmal dieses "HOT-HomeOrderTelevision" gesehen? diese Leute sind Clever, besonders die Amerikanischen , dort wird nicht diskutiert sondern bewusst emotionalität erzeugt, scheissegal was das Produkt macht, du musst dich dabei wohlfühlen, ein gutes "Bauchgefühl" haben.. @ Falkenmond Ich versuche hin und wieder geräte zu reparieren, aber meist sind spezialwerkzeuge vonnöten (zum Beispiel Torx-bits mit innenstift..) um das ding aufzubekommen und dann sind die elektriken meist gekapselt oder vergossen. Interessant war auch ein Beitrag im Stern vor einigen jahren der ein paar Tricks der Elektronik-industrie aufdeckte und der eingebaute "Sollbruchstellen" in elöektrischen Geräten aufstöberte. (man kann bauelemente gut berechnen , wenn man genügend Daten hat, und die meisten sind auf Garantiezeit + Sicherheitszeit ausgelegt, d.h. am ersten tag der Nicht-garantiezeit, fällt es aus. (ist zumindest das erklärte Ziel solcher Berechnungen). Mal abgesehen das die wenigsten einen SMD -Lötsatz haben.. (und IC's Löten fetzt auch nicht..) ids *ddd* P.S.: Ich finde Röhrenradios /RöhrenAmps einfach genial!! H. |
| caleb | Ich glaube ich weiss was du meinst. Jahrelang habe ich mich mit Plastikweckern, schlecht verarbeiteten Messern, und TaiwanRadios herumgeplagt. Zum Glück gibt es noch eine Fa. die Gegenstände des Alltags in hervorragender Qualität führt. [url="http://www.manufactum.de"]www.manufactum.de[/url] gruß caleb |
| Seneca | Ich bin mitlerweile bei do-it-yourself angekommen. Zu irgendwas muß doch der Gesellenbrief gut sein, den ich vor dem Studium gemacht habe. Dummerweise ist es sogar schwierig gutes Werkzeug zu finden. hat schonmal jemand im Baumarkt nach einem Schmiedehammer und einem Amboß gefragt...? Am unglaublichsten finde ich den Umstand, das ich das Auto von meinem Vater schon dreimal binnen 4 Monaten zur Werkstatt bringen durfte. Für 52.600 Euro dürfe man wohl etwas mehr Haltbarkeit erwarten...oder...! |
| Frail | Falkenmond, im Rahmen einer Ausstellung wurde einmal Kot in Konservendosen vorgestellt. Eine geeignete Metapher, wie ich finde--. Kunst - wird immer wieder neu definiert. Obwohl doch auffallen müsste, dass Kunst viel zu sehr intuitiv entsteht und nicht definiert werden kann. Sie ist ganz allein geschmacksabhängig. Durch dieses Definieren werden Mitläufer angespornt, dem in "klugen" Büchern Fixiertem nachzureden. Ich erlebe häufig, dass sich Menschen nicht mehr trauen, sich solche Bilder aufzuhängen, die ihnen aus eigenem Empfinden heraus gefallen, sie fürchten um einen eventuellen schlechten Geschmack, da der gute ihnen ja vorgegeben wurde. Konsumiert kann werden, was auf dem Markt erhältlich ist. Was auf dem Markt erhältlich ist, sind nicht die Werke aller Künstler. Beinah-mafiöse Strukturen bestimmen die Auswahl, eröffnen beispielsweise Musik durch ein Medium (z.B. MTV) den Zugang zu den Massen. Natürlich trifft auch für diese Musik zu, was auch für die eingangs erwähnten Produkte zutrifft: minderwertige Massenware, deren einziger Anspruch es ist, auf psychologische Beeinflussung zu setzen (grelle Farben, sexuelle Anspielungen, Ohrwurmcharakter, Einsilbigkeit, schmerzende Banalität), verfällt nach kurzer Zeit, wird zur Konsumware, nach deren Ablauf dem Konsumenten nach Nachschub hungert. Harlekin, du machst einen wichtigen Einwurf: Man kann Dinge nie genug differenziert betrachten. Auf der einen Seite habe ich auf die hohe und einseitig rationale Spezialisierung verwiesen. Du zeigst die zweite Seite auf: die Verblödung der Masse. Ich bin mir nur nicht sicher, was da die Ursache wovon war. Gehen die Inhalte der BILD-Zeitung aus der Nachfrage dieser (und keiner anderen) Inhalten der breiten Masse hervor? Oder werden Menschen allseitig und immerwährend mit diesen unnötigen aber unterhaltsamen Fehlinformationen versorgt, sodass sie deshalb erst vereinsilben. Fakt ist eine Zweiteilung der Volksmasse. Für die einen der Unterhaltungsmark gefüllt womit auch immer für Müll - die Manipulierten -, auf der anderen Seite die Manipulierenden, die die Forschung und Wissenschaft in sehr einseitige Bahnen lenken. Übrigens auch nur versklavt in ihrer Sucht nach Geld. Freiheit besteht sicher darin, ALLE und nicht nur einseitig hochspezialisierte Fähigkeiten des Menschenseins zu entfalten. Dazu gehören allgemein Disziplinen wie das Ausloten der Gedanken in philosophische, psychologische (nicht nur zur zweckdienlichen und eigennützig-manipulativen Anwendung), metaphysische, humanistische Richtungen und natürlich Kultur. Wie sähe es aus, wenn der Markt nicht so funktionieren würde, wie er gerade funktioniert? Was würde geschehen, wenn eben nicht alle Aufmerksamkeit darauf gelenkt würde, kurzfristig haltende, schnell vergängliche Produkte zu produzieren? Haben deshalb viele Menschen Arbeit, weil diese qualitativ minderwertigen Sachen produziert werden? Gibt es Wege, aus diesem dämonischen Rhythmus auszubrechen? Würden Menschen ohne hochspezialisierte Maschinen besser leben? Was würde geschehen, wenn Menschen nicht in Länderdimensionen, sondern für die menschliche Gesamtheit denken würden? (Entzieht sich natürlich den tatsächlichen Möglichkeiten, keiner kennt die Lösung, mich interessieren Spekulationen.)Seneca, die Aufrüstung des G.I.´s beweist für mich die steigende Qualität von Produkten mit ihrer Modernisierung. Leider immer und immer wieder auf diesem scheiß Gebiet der Kriegsführung. Das ist ja die Einseitigkeit, die ich verfänglich und falsch halte. Klar: Kriege - Kohle/"Wohlstand"/Macht - Schaffung von ersten, zweiten und dritten Welten -- aber nicht mehr als das. Und das ist ganz schön erbärmlich. Wir machen damit nichts mehr als Tiere: Ein paar Alphawölfe kümmern sich darum, dass sie am meisten zu fressen bekommen und stecken ihr Revier größtmöglich ab. Rivalen werden vertrieben oder eliminiert (in der menschlichen Unterscheidung in irgendeiner Weise versklavt). Der Rest der Tiere muss sich auf dem Rücken wälzen und den Alphawölfen Fressen ranschaffen. Caleb, dein Tipp finde ich in diesem Zusammenhang fast ein wenig grotesk wirkend. Wir reden über Manipulation -- du wirbst für einen Versand. Sicher, dass es heute noch immer qualitativ hochwertige Sachen neben Ikea gibt, kann nicht in Abrede gestellt werden. Diese entscheiden sich davon nur empfindlich in ihrem Preis (manchmal entsprechen die Produkte bei genauerer Betrachtung dem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht einmal.) |
| Damok auf dem Ozean | Grüsse rundherum Ich denke wir sind einfach überhohlt worden. Die wenigen Erleuchteten unter uns, welche die Technik vorantreiben und verstehen haben den Durchschnittsmenschen weit hinter sich gelassen, wobei auch sie nur in ihrem Teilbereich aus der Masse herausragen. Ein Beispiel: Seht euch doch mal euren Teaschenrechner an. Ein ausreichender Taschenrechner kann das was ihr braucht. Ein guter Taschenrechner kann mehr. Ein sehr guter Taschenrechner kann mehr als ihr begreifft. So ist es mittlerweile mit den meisten Dingen. Wir haben einfach mehr als wir brauchen. Dutzendweise Sorten von Duschgel, Kaffe, Schuhen und was weiss ich nicht noch alles, sowie eine Legion von Wegwerferftikeln. Langlebigkeit? Qualität? Wofür denn? Schon morgen wird etwas Neues in den Regalen stehen, und es wird noch bunter, noch ergiebiger und noch hipper sein als alles was zuvor da war. Und so verbringen wir unser Leben wie ein Kind das man versehentlich im Spielzeugladebn eingeschlossen hat. Soviel zu sehen, so viel auszuprobieren und so wenig Zeit. Wir leben also umgeben von Tand den wir weder brauchen, noch verstehen, jedoch scheinen manche nur glücklich zu sein, wenn sie noch mehr davon bekommen. Das mag manch einer fortschrittlich nennen, ich nenne es dekadent. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir damit eine Minderheit auf dem Planeten darstellen. Es ist schon erstaunlich, dass wir mehr Geld zur Erforschung von Mitteln gegen Haarausfall ausgeben, als zur Erforschung aller Tropenkrankheiten zusammen. Aber wer sagt denn, dass man da mitmachen muss? Damit das System funktioniert, müssen alle brav weiterkaufen, wegwerfen und nochmal kaufen. Macht einfach nicht mit. DadO ------------------ Ich kenne meinen Schmerz. Ich brauche Ihn. Er macht mich zu dem was ich bin. |
| Frail | "Macht einfach nicht mit." Leichter gesagt, als getan: Externe Einflüsse: Produkte niederer Qualität haben es an sich, nicht lange zu halten -- zwangsweise werden neue Produkte gekauft. Interne Einflüsse: Menschen sind konditioniert, sich nur glücklich zu fühlen, wenn sie sich ihre vor allem extern erzeugten Bedürfnisse erfüllen können. Leichter getan, als gesagt: Arme Menschen machen nicht mit. Sie können nicht mitmachen, weil sie kein Geld haben. Dieser "Widerstand" im Kleinen würde leider nichts im Großen bewirken: Keine Umwelt wird davon sauberer, wenn im Kleinen einige wenige Menschen Mülltrennung betreiben, sondern nur, wenn im Großen Gesetze zur Herstellung umweltfreundlicher Produkte unter umweltfreundlichen Verfahren erlassen werden. |
| Seneca | @ DadO Schön mal wieder von Dir zu hören, und wie immer sehr argumentreich. Wenn wir aber aufhören mitzumachen, würde das nicht bedeuten das Du Dir einen neuen Job suchen mußt, weil keiner einen neuen PC braucht...? Unser alljährlicher Ausstieg aus den System ist doch nur so lustig, weil wir jederzeit zurück können...! Wir stecken eigentlich viel zu tief drinnen, um einfach aufzuhören...! |
| SEIROMEM | oje, oje, ein höchst interessantes Thema und endlich mal angesprochen, die Gedanken, die mir stets und ständig durch den Kopf gehen und mich mittlerweile nur noch widerwillig den Job ausüben lassen, der genau das suggerieren soll, was eigentlich verhasst ist. Die Werbeaussagen, die über die "Qualitätsprodukte unserer Zeit" getroffen werden, sie müssen und werden zunehmend auf Wahrheitsgehalt überprüft werden, entsprechende Verbrauchertestmagazine haben es angekündigt. Gut für den Verbraucher, schlecht für das Image der Unternehmen, so sie denn wissentlich falsche Aussagen gemacht haben, doch kommen wir wirklich raus aus dem Strudel der freien Marktwirtschaft? Servicekosten setzen sich zu einem Großteil aus Lohnkosten zusammen, betrachtet man im Vergleich das Lohnniveau in Europa, wird man schnell Unterschiede feststellen, sowohl in der Lebensqualität der einzelnen als auch in der Kalkulation der ach so hochwertig verarbeiteten Do-it-yourself Produkte. Von Fortschritt kann man m.E. nicht mehr sprechen, es ist nur noch eine Frage der Macht und der Konzentration der Märkte. Die Multis werden immer größer, weil ihnen keine Wahl bleibt, und um das Produkt geht es doch schon lange nicht mehr. Ein Beispiel der Insolvenzantrag des traditionsreichen Familienunternehmens herlitz (Schreibwaren) Nach Boeder noch ein Unternehmen aus der Büro-und Papierindustrie, welches aufgrund zu hoher Altlasten und standardisierten Prozessen bei Genehmigungsverfahren der Bankenkonzerne in die Knie gezwungen wird. Das Ende ist absehbar.. wieder ein Marktteilnehmer weniger, die Teile werden entsprechend verteilt.. was zählt ist nur noch die Konzentration der Märkte aber wohl immer weniger die Qualität des Produktes. Was verstehen wir unter Qualität? Von welcher Qualität wird gesprochen - diese Fragen beschäftigen wohl viele Produktmanager und Marketingfachleute in den Werbeagenturen und Unternehmen.. es ist ein Job, den jeder versucht so gut zu machen, wie er kann - Fragen der Ethik - Sollen Sie wirklich immer manipulieren oder einen Teil zurückgeben, der ansonsten verloren gehen würde? SEIROMEM [Dieser Beitrag wurde von SEIROMEM am 03. April 2002 editiert.] |
| Seneca | Als Ergänzung zu Seiromems Beitrag sei gesagt, das geradfe die großen "global player" einen großteil des operatiuven Gewinns nicht mehr mit der Produktion machen, sondern mit Anteilen an anderen Firmen, oder Spekulationsgeschäften. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, das die Produktion nur aufrechterhalten wird, um Verluste steuerlich absetzen zu können. So etwas kann der kleien Mittelständler natürlich nicht, und daher wundert es auch nicht, das sich die großen Konzerne aus dem Sozielvertrag herausstehlen, und faktisch keine Steuern mehr zahlen. Dennoch gibt es gerade im kleinen, Wegen diese Strukturen zu umgehen, und insgeheim hoffe ich, das mehr Menschen wieder Wert auf "besselte" Dingen legen, deren Erzeugern ihnen auch bekannt ist. Ich sollte wieder Dorfschmied werden...! ...stahlblaue Grüße... |
| Frail | Hoffen darf man. |
| Frail | Würde sich Hoffnung mehr lohnen, wenn der Weg zurück zu einer Daseinsform, wie wir sie zur Zeit der vorindustrieellen Revolution kannten, nicht wie eine zusammengebrochene Höhle den Weg zurück verschließen würde? Keine Ahnung. |
| Seneca | Frail Technisch betrachtet, gibt es keinen Weg zurück, denn wie soll denn ohne industrielle Landwirtschaft eine Weltbevölkerung von über sechs Milliarden ernährt werden. Die Erde kann eigentlich nur ein paar millionen Menschen verkraften, damit wäre allerdings die Weltwirtschaft hinfälling, wer kauft denn dann die ganzen Autos...? Einen Weg zurück gibt es nicht, solange es noch Wohlstand gibt, der verteidigt wird. Aber vielleicht werden wir ja irgenwann zum kürzertreten gezwungen... |
| Frail | Wahrscheinlich. Einen Ausweg kann es nicht geben. Wir sind viel zu viele. Selbst wenn wir urplötzlich auf die Idee kämen, von sämtlichen Luxusgütern zu lassen und ganz schlicht Ackerbau, Viehzucht, Handwerk betreiben wollten -- Für so viele Menschen -- ausgeschlossen. Wir würden wie die Fliegen sterben. Also: Erhobenen Hauptes in den Untergang (oder was). [Dieser Beitrag wurde von Frail am 05. April 2002 editiert.] [Dieser Beitrag wurde von Frail am 05. April 2002 editiert.] |
| Seneca | Viehzucht und Ackerbau...erinnert mich an meine Ökobauer Phase, und das war schon mit Maschinen eine Knochenarbeit... So weit zurück muss es dann doch nicht sein... Vielleicht ein Programm zur Bevölkerungsreduktion, wie in China, und realistischen Preise für Waren, der Markt regelt den Rest...ach ja..keine Subventionen mehr... [Dieser Beitrag wurde von Seneca am 05. April 2002 editiert.] |
| Damok auf dem Ozean | Hmm.... Vieleicht braucht es aus weltwirtschaftlicher Sicht mal wieder einen Krieg. Nicht dass ich besonderes Interesse daran hätte einen mitzuerleben, aber ein bischen reinigendes Feuer würde wahrscheinlich zwar dem Einzelnen, nicht aber der Masse schaden. Leider ist der angesprochene Qualitätsverlust nicht nur auf materielle Belange beschränkt. Ich beobachte immer wieder, dass nicht zuletzt zwischenmenschliche Beziehung unter dem Fortschritt leiden. Es sind einfach zu viele Menschen auf der Welt. Gerade in Städten wird der Dichtestress doch immer massiver. Es ist doch so weit, dass sogar versucht wird unsere Freizeit, und damit natürlich auch unseren Umgang nach marktwirtschaftlichen Aspekten zu organisieren. Immer noch mehr auf immer noch kleinerem Raum. Lorenz ist schon vor langer Zeit darauf gekommen, dass mit wachsender Anzahl an sozialen Kontakten deren Intensität abnehmen muss. DAS ist schlimm. Dagegen kann ich das Ausbleiben von handgeschmiedeten Hoftoren gerade noch verschmerzen. Ach ja, da muss nun wirklich niemand mitmachen. Ich zumindest sehe keinen Grund mich unnötig mit Menschen zu umgeben. DadO |
| Frail | Krieg würde das Problem - wie wohl jedes andere auch - radikal lösen, genauso wie eine neue Eiszeit. Wie kommt es nur, dass mich diese Lösungen nicht besonders begeistern? |
| SEIROMEM | .. was die Intensität der Kontakte angeht, so haben wir doch schon so etwas wie eine neue Gesellschaft, die des Internets, [i](wobei mir diese hier ziemlich gut gefällt,)[/i] wenngleich es schwierig ist, mit ihr umzugehen. Jeder hier ist etwas besonderes, aufgrund der vorhandenen Sensibilität denke ich, ist es erforderlich sehr bedacht mit den Worten umzugehen. - okay genug davon, ich drifte zu sehr ab - Was definieren wir als Qualität? die eigene Lebensqualität verbessern = den Konsumrausch nicht mitmachen? Sich nicht einfangen lassen von der Werbung? back to basic? Interesse an einem Krieg habe ich nicht, mir hängen noch immer die Erinnerungen meines Großvaters im Kopf, er erzählte die Geschichte zu oft, wie er aus der Gefangenschaft entflohen ist. Es gibt schon genügend Krieg in der Welt, ein Beispiel wird bereits im Kaiser diskutiert, von daher verzichte ich auf eine Doppelnennung. morgendlicher Gruß SEIROMEM |
| Quiet_Storm | Bei der Internetgesellschaft muss man allerdings vorsichtig sein, da man niemals genau wissen kann, ob jeder wirklich das meint was er sagt. Zudem finde ich es traurig, wenn Menschen nur noch vor dem Computer sitzen und per Internet mit irgendwelchen Leuten in Asien oder sonstwo reden, aber nicht (mehr) fähig sind in der wirklichen Welt Beziehungen aufzubauen. |
| Seneca | @ Quiet Storm Das Internet ist nur Mittel zum Kennenlernen, es ersetzt den persönlichen Kontakt nicht. Das beweisen die häufigen "Nachtweltentreffen". Wer vorgibt, etwas anderes zu sein, fliegt spätestens dort auf, oder muß inkognito bleiben. |
| SEIROMEM | Quiet Storm, stimme Dir zu, was den Umgang mit den Menschen angeht, die hinter dem jeweiligen Bildschirm sitzen und entsprechende Worte formulieren. Doch Maskeraden erlebt man auch in der "realen" Welt und insbesondere im Berufsalltag, sofern man nicht selbständig ist und für sich allein wirtschaftet. Skepsis ist immer geboten, ob im Internet oder im RL. Weniger sicheres Auftreten ist meiner Ansicht nach der Grund für Zweifel. Ein Mensch, der sich seiner Vorzüge und Stärken bewußt ist, wirkt wesentlich positiver auf andere, als jemand, der unsicher sich fortbewegt. Meiner Ansicht nach, kann man das auch dem geschriebenen Wort entnehmen, doch Täuschungen, Missverständnisse und Irrtümer sind immer möglich. Gruß SEIROMEM |
| Seneca | @ Orca Jch bin hocherfreut, nicht nur das Du mich komplett verstehst, wir teilen offenbar diverse Eigenheiten (finische Messer und mechanischen Uhren, und ein Studium in einem Ingenieursfach) Ich für meinen Teil habe die Werbeindustrie längst als Quelle der Unzufriedenheit entdeckt...! |
| Seneca | @ Orca Vorsicht mit den Wäldern, das geht leicht in's Auge. Ich habe das mal vor etwa 8 Jahren mal in Kanada probiert, die Einsamkeit da draußen kann sehr zermürbend sein, und der Weg zurück mitunter sehr schwierig. (ich sage nur...die Verwaltung...Renten- u. Krankenkasse etc.) |