| Nachtelbin | ich habe gerade im Hintergrund einen erschreckenden bericht laufen... Es geht um Zwitterwesen, die in der Kindheit auf ein Geschlecht festgelegt wurden... Es ist anscheinend so, daß man Kinder, bei denen beide Geschlechtsmerkmale vorhanden sind, durch Gesetze in eine Richtung "lenken" muß, d.h. durch Hormone wird eine Ausprägung verstärkt... Was denkt ihr? Ist es besser, die Menschen selbst entscheiden zu lassen, wenn sie alt genug sind oder sollte man dem Kind "ersparen" anders zu sein, (etwas besonderes)? Ich halte mich mit meiner Meinung erstmal zurück und möchte eure unvoreingenommenen Antworten hören... |
| Lady Shaitana | Nabend! Ich hab den Bericht auch gesehen und mir tat die Frau leid, die in ihrer Kindheit immer zum Jungen gedrillt wurde, weil die Eltern unbedingt einen Jungen haben wollten! Ich denke man sollte die Menschen selber entscheiden lassen, denn sie selber können nur wissen zu welchem Geschlecht sie sich mehr hingezogen fühlen, bzw. in welchem Körper sie weiterleben wollen... Haben Menschen denn das Recht über ein anderes Menschenleben zu bestimmen? Selbst wenn es die Eltern sind... Vielleicht gibt es Probleme in der Schule, Hänseleien usw. doch es ist auch eine Sache der Erziehung einem Kind das nötige Selbstvertrauen mitzugeben... Sehr interessanter Thread, Nachtelbin... [img]http://www.nachtwelten.de/ubb/smile.gif[/img] De Profundis, Lady Shaitana ------------------ ~^v^~ Atratus speciosus est! ~^v^~ [url="http://www.shais-welt.de.vu"]^v^ Schattenwelt ^v^[/url] |
| AniMee | ja..ich finde auch das das ein sehr interessantes thema ist.. ich habe diesen bericht leider nicht gesehn...aber ist es wirklich gesetz das ein mensch nicht zwei geschlechter haben darf? sicher wäre es gut die menschen selbst entscheiden zu lassen..aber bis ihre entscheidung auch eine entscheidunf fürs leben sein könnte müssten die eltern meiner meinung nach bis in die jugend warten...denn ich bezweifle man kann als kleines kind wählen,ob man später mann oder frau sein möchte..jedenfalls nicht als sichere und langanhaltend glücklich machende wahl.. ich glaube aber das es auch menschen gibt die beide geschlechter besitzen...so genannte shemales...korrigiert mich,wenn ich falsch liege..aber ich dächte sowas gibts auch. AniMee |
| Menedemos | Aber bedenkt doch mal, welchen psychischen Schaden ein Kind im Kindergarten, in der Schule nehmen würde, das weder ein Mädchen noch ein Junge ist...! Mich schaudert vor dieser Vorstellung. So viel Selbstvertrauen können die Eltern dem Jungen/Mädchen gar nicht mitgeben, daß es diese Hölle durchstehen würde. Ich bin wegen viel geringfügigeren Dingen gehänselt worden (und ähnliche Erfahrungen hat wohl auch sonst fast jeder einmal gemacht). Und trotz Unterstützung meiner Eltern tun manche Narben aus dieser Zeit heute noch weh. Also, obwohl ich ein sehr liberaler Mensch bin, aber in diesem Punkt bin ich der Meinung, dürfen die Eltern eine Entscheidung treffen, nein, sie sind sogar verpflichtet dazu. Denn jeglicher Idealismus, und hat er noch so schönklingende Namen wie Gerechtigkeit, Liberalität etc. wird moralisch bedenklich, wenn nur noch das starre Ideal als solches, aber nicht mehr die Menschen, denen es eigentlich dienen soll, im Blickfeld steht. (Hm, letzterer Satz wäre vielleicht etwas erläuterungsbedürftig, aber egal, war ja nicht mein Hauptanliegen hier) |
| Sensus Moriendi | hmm... also ich habe schon vor etwas längerer zeit auch etwas darüber gesehen (aber einen anderen bericht als den schon zitierten) und dort hieß es, dass ein geschlecht für das kind festgelegt werden müsste, und die anderen geschlechtsorgane entfernt werden müssten, da es sonst nach einigen jahren zu erheblichen gesundheitlichen problemen für das kind kommen würde, an denen es sogar sterben könnte... nachdenklich Sensus Moriendi |
| Aina | Ich habe den Bericht nicht gesehen, daher kann ich nichts ueber diesen Einzelfall sagen. Aber ich muss erst mal anmerken, dass wirkliche Zwitter eine ganz grosse Seltenheit sind. Oft werden Scheinzwitter geboren. Das heisst, sie haben zwar sichtbar beide Geschlechtsmerkmale, aber nur maximal eins davon wird spaeter richtig funktionieren. Weil genetisch gesehen sind sie Maenner oder Frauen und nicht beides. Die anderen wurden nur wegen Hormonstoerungen ausgebildet. Im Zweifelsfall entscheidet man sich meistens, ein Maedchen daraus zu machen, weil eine Vagina einfach leichter herzustellen ist als ein voll funktionstuechtiger Penis. Es ist sehr wichtig fuer einen Menschen eine geschlechtliche Identitaet zu haben. Schon ganz kleine Kinder beginnen sie auszubilden. Sie wissen schon genau, was ein Maedchen und was einen Jungen ausmacht. Nicht nur das koerperliche, sondern auch die Interessen. Ein Vorschulkind kann sich noch nicht selbst entscheiden, was es sein moechte, aber es muss irgendwie an der Entwicklung seiner Spielkameraden teil haben koennen. Ausserdem beginnt man auch schon sehr frueh sich mit seinen Geschlechtsmerkmalen anzufreunden. Wenn das ausbleibt, weil man sich im falschen oder missgebildeten Koerper fuehlt kann das schwere seelische Folgen haben. Man frage die vielen Trassexuellen, welche psychischen Probleme sie deshalb haben und wie schwer es fuer sie ist / war eine erfuellte Sexualitaet zu leben. Das Problem deckt sich eigentlich mit der Diskussion ob das seelische Geschlecht eines Menschen angeboren oder erworben ist. Aber da kommen wir hier nicht weiter, die Wissenschaft ist noch nicht so weit. Manche sagen, es waere genetisch bedingt, manche es sei hormonell bedingt und manche sagen, es sei uns anerzogen. Wenn es angeboren ist, kann zumindest bei Scheinzwittern ein Gentest schnell Antwort geben. Wenn es anerzogen sein sollte, haben diese Kinder wesentlich bessere Entwicklungschancen, wenn sie auf ein Geschlecht festgelegt werden. Sollte es hormonell bedingt sein, ist die Entscheidung fuer ein Geschlecht sicher die bessere, denn die meisten maennlichen Hormone werden z.B. in den Hoden gebildet, die dann ja nicht mehr da sind. Gruss Aina |
| AniMee | ich muss aina meinen dank aussprechen.denn sie hat viele meiner fragen beantwortet. zum beispiel habe ich mich gefragt,wie es überhaupt dazu kommen kann das ein mensch beide geschlechter besitzt...diese frage ist nun beantwortet. das kann man vielleicht vergleichen mit krankheiten wie trisomie 21 ...ein gendefekt oder ähnliches führt zu gewissen abweichungen vom gesunden menschen. ich finde es schlimm das es sowas geben muss. man stelle sich vor man ist selbst schwanger...und bei der ultraschalluntersuchung erfährt man das man weder einen junge noch ein mädchen bekommt...sondern beides. wie würde man selbst reagieren?würde man sich schämen?oder freuen,da man selbst wählen könnte?würde man im interesse des kindes handeln oder sich zB für das mädchen entscheiden,da man schon immer ein mädchen haben wollte? ich denke bei solchen fragen kommt man in gewissenkonflikte.. und ich kann mir auch vorstellen das es vielen in irgendeinerweise peinlich ist..wie würden die nachbarn reagieren,wenn sie wüssten das man einen zwitter zuhause hat?würden sich nicht alle den mund darüber zerreissen? ich denke das ist ein thema über das kaum gesprochen wird...warum behandelt man heute in der schule alle möglichen erbkrankheiten,aber so etwas nicht? sind das nicht auch dinge,die jedem passieren könnten..in gleicher weise,wie das kind auch behindert sein könnte? manchmal frage ich mich wirklich,was das soll. und...ich habe bilder von zwittern gesehn(ja nackt.. :rolleyes: )und man erkennt ja nicht,ob es nur ein scheinzwitter istoder nicht.. aber sensus meinte es könnte zu erheblichen körperlichen problemen(man wage nicht von de seelischen zu sprechen..)führen könne.. bis hin zum tod. aber trifft das nicht für scheinzwitter zu?ich meine..da sieht man erwachsene menschen... die eine sieht aus wie eine frau hat aber in gleicher weise auch die männliche geschlechtsteile.... und nun frage ich mich auch..angenommen man lässt sich nicht operieren...und behält bis zum erwachsensein beide geschlechter.. sieht man dann aus,wie ein mann...wie eine frau..oder wie etwas dazwischen? liegt das auch daran,ob man scheinzwitter ist,oder nicht? AniMee |
| Sensus Moriendi | also das mit den gesundheitlichen komplikationen war auf richtige zwitter bezogen... also kinder die eine gebärmutter mit allem drum und dran und einen penis mit allem drum und dran haben... wie das jetzt bei scheinzwittern, die ja meist nur die sekundären geschlechtsorgane des anderen geschlechts ebenfalls haben, ist, weiß ich nicht.. aber ich glaube nicht dass es da allzugroße körperliche probleme geben würde... die psychischen sind aber ja schon groß genug... übrigens, AniMee, wir haben dieses jahr in der schule über zwitter gelernt, als wir bei der embryonalen entwicklung waren... liebe grüße Sensus Moriendi |
| Unholy J | Ich denke gerede in unserer,immer tolerenter werdenden Gesellschaft, sollte man seinem Kind die Wahl lassen, wenn es Gesundheitlich möglich ist.... Ich finde es allerdings schade, dass man als Mensch (Eltern) immer versucht eine deffinition zu finden und das Kind somit versucht in eine Schublade zu packen (W/M), weil es einfach fremd ist. |
| Sensus Moriendi | naja... aber wie lange warte? wann kann ein kind entscheiden welches geschlecht es lieber haben würde? fünf? zehn? fünfzehn? zwanzig? und solange ohne eine geschlechtliche identität aufwachsen? das wäre doch verdammt hart.. könntest du dir vorstellen zehn jahre oder länger zu leben ohne zu wissen, welches geschlecht du jetzt eigentlich bist? ich glaube ich könnte es nicht... grüße Sensus Moriendi |
| Aina | Ob wir wie ein Mann oder wie eine Frau aussehen bestimmen zum Grossteil nur die Hormone. Maennliche Transsexuelle (urspruenglich in einem Frauenkoerper) kann man z.B. gar nicht von "normalen" Maennern unterscheiden, nachdem sie mit der Hormonbehandlung angefangen haben. Ihre Figur veraendert sich, die Stimme wird tiefer, es waechst ihnen ein Bart. Das einzige Problem sind dann nur noch Brust und Becken, aber das kann man gut verstecken. Ich denke daher, dass man danach aussieht, welche Hormone ueberwiegen. Ist also ganz unterschiedlich: [url]http://www.dgti.org/is-syndr.htm[/url] - Auf der Seite sind die verschiedenen Ursachen und Folgen aufgelistet. Gruss Aina Ich muss ein paar Auszuege aus einem Artikel in der Zeit wiedergeben, der an meiner eigentlich festen Meinung zur Entscheidung fuer ein Geschlecht ruettelt: "Manchmal wünschte ich, mein Kind hätte Aids, dann könnte ich wenigsten mit jemandem drüber reden", klagte eine Mutter. Die Sache wegmachen und nie mehr drüber reden - dieser Wunsch der Eltern wird übermächtig... ...Noch heute erinnert sich Eveline Kraus an die Operation, als ihre Klitoris verkleinert und eine Scheide angelegt wurde. Drei Jahre war sie alt... Der Operation folgten unzählige Besuche bei Ärzten, die, so schien es ihr, immer nur eines wollten: ihr zwischen die Beine schauen. "Ich dachte, irgendwie sind alle Kinderärzte pervers." Da die Scheidenplastik Narben bildete und sich verengte, musste die neue Körperöffnung mit Stäben gedehnt werden. Bougieren heißt das Verfahren. Eveline Kraus hat eine andere Bezeichnung, die sie damals nicht wagte auszusprechen, da die Ärzte es doch gut mit ihr meinten: "Es war wie eine Vergewaltigung." Schwestern mussten sie festhalten, so wehrte sie sich. Später erfolgten die Bougierungen unter Narkose. Doch als sie aufwachte, blutete und schmerzte der Unterleib. Die Besuche in der Klinik empfand sie als Albtraum. Schon Tage vorher weinte sie. Heute noch bekommt sie Beklemmungen, wenn sie eine Kinderstation betritt... Was für die Ärzte zählte, waren die Wissenschaft, das Dogma, wie die Behandlung zu erfolgen hatte. Das Loch ist zu klein, also muss es geweitet werden. "Doch niemand interessierte sich dafür, wie ich mit den Untersuchungen zurechtkomme", erinnert sich Eveline Kraus. Bis heute haben viele intersexuelle Patienten mit den Folgen der Behandlungen schwer zu kämpfen... |
| Unholy J | Wenn man länger darüber nachdenkt ....muß ich meine aussage teil revidieren, ich wäre dafür den Kindern die wahl zu lassen, da das Kind aber mit großer Warscheinlichkeit eine eher bescheidene Kindheit hätte sollte man ihm doch ein Geschlecht geben, obwohl ich nicht viel davon halte, wenn Menschen Gott spielen, wenn auch nur in begrenztem Maße. Eine offenbar schwere frage, die auf ein "ständiges im Kreis drehen" hinausläuft. Alles in allem würde ich mir wünschen dem kind die Entscheidung zu überlassen, was allerdings schier unmöglich zu sein scheint..... Ich persönlich würde beobachten mit welchem Geschlecht es besser zurecht kommt und es dann in einem alter von 3 oder 4 Jahren umwandeln, da ich mich aber leider über die Medizienischen möglichkeiten bei Kinder im vortgeschrittenen Alter nicht in Kenntnis gesetzt habe möcht ich solche Teorieen erst garnicht ernsthaft ins Auge fassen ..... |
| Aina | Da faellt mir noch was ganz profanes ein: Eine Freundin von mir war schwanger und wusste schon, dass es ein Junge wird. Ihr Freund wollte es aber spannend haben und das Geschlecht bis zur Geburt nicht wissen. Deshalb hat sie es auch uns nicht verraten. Wenn sie ueber ihr Kind gesprochen hat, hat sie immer vom "Es" geredet. Das klingt total komisch, als ob man ueber einen Gegenstand redet. Weil bei Menschen benutzt man normalerweise "er" oder "sie" oder den Vornamen, der fast immer auch am Geschlecht orientiert ist. |
| AniMee | dieser artikel klang grausam..wie ein folter..nicht nur in körperliher,sondern auch in psychsicher hinsicht.. ich meine..das hört sich fast an,wie aus dem mittelalter(sorry,wenn der vergleich ungerechtfertigt ist..ich bezihe mich nur auf die methoden,die so alt zu sein scheinen)..der mensch,der eine besondere krankheit besitzt wird wie ein versuchskaninchen behandelt.. 'nein..so gefällt es uns nicht..schnipseln wir noch ein wenig dran rum' :mad: wie der mensch sich dabei fühlt ist wohl vielen egal. ich denke mal das das auch kein einzelfall sein wird...sondern das es noch mehr menschen erging,wie evelin.. war das denn ein älterer oder neuerer artikel? und...wäre es nicht theoretisch einfacher sich für einen jungen zu entscheiden?ich meine..dann müsste ja theoretisch 'nur' die gebärmutter entfernt werden..ich meine..sicher ist das auch ein großer eingriff,aber so blieben dem kind wohlmöglich mehrfach op's erspart,wie es bei evelin der fall war... AniMee |
| Aina | Der Artikel war vom Jahr 2000. Hab ich im Internetarchiv der Zeit gefunden: [url]http://www.zeit.de/2000/40/Wissen/200040_intersexneu.html[/url] Die Frau von der er erzaehlt ist inzwischen aber ueber 40. Die Torturen in ihrer Kindheit liegen also ueber 30 Jahre zurueck. Ich denke und hoffe schwer, heute geht man anders vor. Gruss Aina |
| AniMee | das hoffe ich auch... denn ich finde kein mensch darf leiden,nur weil er eine körperliche abnormalität hat...:confused: |