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    Thema: den Verstand verlieren
wasserfeeIch kann mich noch an die Biographie von Robert Schumann erinnern. Ich glaube zumindest dass er es war. Jedenfalls wusste er dass er den Verstand verlieren wird. Er wollte noch unbedingt sein Werk vollenden weil er wusste dass er danach verrückt werden würde, und so war es auch.

Genau so fühle ich mich auch. Ich bin vielleicht dabei, den Verstand zu verlieren. Alles ist konfus, nichts ist real, alles so weit weg. Und ständig dieses Gefühl. Schwer zu beschreiben, aber es ist da. Diese unsagbare Wut auf die ganze Welt und besonders auf die Mitmenschen die einem nahe stehen oder standen.
Dieses Gefühl dass man kurz davor steht verrückt zu werden, die Gedanken, die sich bei der kleinsten Stille wie schreiende Stimmen ins Gehirn zwängen.
Dieses Bewusstsein dass die Vergangenheit vergangen ist und die Zukunft kommen wird, koste es was es wolle. Doch welche Zukunft? Dieser grosse Berg, der vor mir und meiner Zukunft liegt, jedoch passiert täglich meine Zukunft.
Und ich drehe durch, ich hasse diesen Raum, ich hasse diese Stadt und alles was dazugehört. Ich will weg, nur weg, in eine andere Stadt mit anderen Menschen und einem anderen Leben.

Bitte versteht mich nicht falsch, ich brauche keine Hilfe von Euch, professionelle Hilfe habe ich bereits auf meiner Seite, aber diese Gefühle haben nichts damit zu tun was ich dort zu besprechen habe.
Ich weis dass ich das alles jetzt sehr schwer erklärt habe, dennoch möchte ich wissen, ob es denn jemanden gibt, der genauso fühlt? Oder noch besser, der mal so gefühlt hat!
Ist es nur eine Stimmung, die aus der allgemeinen Unzufriedenheit als Ergebnis einer für mich schweren Trennung und die damit verbundene Veränderung entstand, oder werde ich wirklich verrückt?
Was heisst verrückt werden?
Bin ich mir dann bewusst dass ich verrückt bin?
Schweigen dann die Gedanken?
Was bedeutet überhaupt den Verstand zu verlieren?
Ver-rückt?Naja, ich fragte/frage mich auch manchmal, ob ich denn verrückt werde/bin.

Ich habe auch öfters ein Gefühl, als ob ich am Rande des Wahnsinns stehe. Aber wenn ich soetwas in die Richtung fühle, dann distanziere ich mich sofort davon. Ich versuche dieses "verrückt-fühlen" aus mir raus zu bannen. Geht eigentlich ganz gut.

Hass... manchmal wollte ich am liebsten anfangen alle zu hassen... aber... naja, sie haben es nicht verdient. Ich denke mir immer (ok, das kann auch nur auf mich zutreffen), das sie es ja nicht besser wissen KÖNNEN.
Aber zu Hass habe ich eine recht schöne "Deffinition" von Goethes Erben:

Hass ist nichts als ein schreiendes Gehirn,
das von Schmerzen gelähmt,
Das Denken vergisst und das Wissen erstickt

Ich finde das ganz gut zutreffend...
Aber ich mag Hass sowieso nicht. Ich bin auch naiv genug um zu versuchen mir den Hass zu verbieten, ich will nicht hassen.

Aber zurück zu diesem "verrückt"-fühlen. Bei mir ist das eigentlich auch nicht anders als beim Hass. Wenn ich vor etwas Angst habe, etwas nicht will, dann versuche ich es mir zu verbieten, aus dem Kopf zu bannen. Inwiefern das klappt etc., das werde ich wohl noch merken. Allerdings habe ich momentan das Gefühl, als ob es funktionieren würde...
Und meistens, wenn ich dieses "verrückt"-fühlen habe, dann denke ich immer in eine Rictung die mir nicht gefällt und ich lenke mich mit Musik oder ähnlichem ab.
R@PHHallo,

mhhh... Naja manchmal geht es mir auch manchmal so das ich denke gleich dreh ich ab und manchmal kriege ich auch einen Hass auf alles und jeden, dann gehe ich normal immer Muik höre.

Aber manchmal ist das auch ganz anders, wenn z.B. mal jemand mit mir redet und ich ihm auch zu höre und 2 sek. später muss ich dann nachfragen was war. Auch bin ich manchmal total neben der Kappe und weiß dann auch nich mehr was ich mach, machen wollte usw. da denk ich dann auch nur: Dreh ich langsam ab?


mfg. Raph
Apostataja ich kenn das...nur bezieht sich diese wut bei mir viel öfter auf mich selbst, als auf andere. ich denke oft "scheisse, was haste jetz wieder fürn mist gebaut" und könnte mich selbst verprügeln dafür...aber ändern lässt es sich ja doch nicht mehr, so sehr ich es mir dann auch wünsche...
von mir selbst glaube ich auch irgendwie einen an der klatsche zu haben...zumindest bin ich mir sicher, das potenzial dazu zu haben, irgendwann in meiner eigenen kleinen welt zu leben, wie es einige mathematiker und physiker schon tun...
was mich dann vollends verwirrt ist, dass ich irgendwo mal gehört hab, dass man wahrscheinlich nicht geisteskrank ist, wenn man sich selbst als solches sieht. ich sehe mich so, weiss aber auch dass es diesen spruch gibt (leider weiss ich nicht um seinen wahrheitsgehalt)...das ganze verknüft sich in meinem kopf zu einem großen paradoxon. ich glaube man kann sich selbst nicht objektiv einschätzen.
illuminat[quote]Was bedeutet überhaupt den Verstand zu verlieren?[/quote]

Ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit und allgemein sagen, aber auf mich bezogen würde ich sagen, es sind kompensierte unbefriedigte Bedürfnisse, die dieses denken auslösen. Fehlende Zuneigung, Unverstandenheit, Einsamkeit, Erfolgslosigkeit, Überforderung, erkannte Sinnlosigkeit.

Verstand verlieren ist eigentlich das falsche Wort, denn eigentlich fängst du nur an deinen Verstand zu benutzen und über das ganze unheil nachzudenken. Die Frage ob man als einziger so denkt, wie man denkt, ob man anders ist, ob man normal ist.

Bei vielen Künstlern setzt dieses Denken erst ein, wenn man endlich genug Erfahrung hat, meißt so mit 40 - das ganze wird dann als typische [url=http://www.sgipt.org/gipt/entw/midlc0.htm#Kurz-Exkurs:%20Wechseljahre%20des]midlife crisis[/url] bezeichnet. Endlich die Augen aufmachen, sehen was man geleistet hat, wie man sein leben verschwendet hat und dann aufgeben.

Hier ein kleiner Auszug der Site:
[SIZE=1]Der frühe Tod in der Mitte des Lebens. Die schärfste und schlimmste Krise ist wohl der frühe Tod, so starben mitten im Leben - mit 37 - Raffael, Lord Byron und Bizet, mit 42 Mussorgski, mit 43 Reger; alle drei Musiker sollen gern gegessen und getrunken haben. Chopin stirbt mit 39, ebenso Giacomo Leopardi und Jacobsen (Niels Lyhne) mit 38 an Tuberkulose. Maupassant stirbt mit 43 nach kurzer Raserei an Syphillis. Der Maler Rethel wird mit 39 melancholisch und stirbt mit 43. Van Gogh kam mit 36 ins Irrenhaus. Auch der Maler und Professor der Berliner Akademie Karl Blechen wird mit 37 gemütskrank und stirbt mit 42. Robert Schumann mußte wegen Depressionen mit 43 seine Stellung als Musikdirektor aufgeben. Mit 44 versuchte er sich im Rhein zu ertränken, kam dann in eine Heilanstalt und starb zwei Jahre später. Okar Wilde wird mit 39 in einen Skandalprozeß verwickelt, kommt ins Gefängnis, wird schwermütig und stirbt mit 44 in Paris. Nicolai Gogol begann mit 37, sich intensiv religiösen Fragen zuzuwenden und verfiel in Schwermut. 1852 vernichtet er sein gesamtes Werk. Wenige Tage danach hat er sich im Alter von 41 zu Tode gefastet. Wir ergänzen noch: Karl Philipp Moritz, der 1782 begann das Magazin für Erfahrungsseelenkunde herauszugeben, starb mit 37. [/SIZE]

Du solltest also nicht beängstigt sein, weil du so denkst wie du denkst, sondern eher froh, dass dir das jetzt schon passiert und du noch die Zeit hast, etwas aus deinem Leben zu machen. Die meißten Intelektuellen kommen irgendwann in diese Phase.

Vielleicht ist dazu auch ein anderer Beitrag von mir ganz passend:
[url=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=43070&perpage=15&pagenumber=3]Mein erster Beitrag, die untere hälfte ab dem Trennstrich[/url]


"Mama, sind wir anders? Nein mein Kind" (Tetra Pack Werbung)
Was soll dieser Satz? Ich meine ist denn überhaupt irgendwer gleich? Jeder ist individuell und unsere ignorante Gesellschaft hat es inzwischen soweit gebracht, dass Individualität als falsch oder gar krankhaft angesehen wird, dabei sind es eigentlich nur deine Gedanken, die du da hast und die du gern verwirklicht sehen möchtest, dir aber der Weg bis zum Ziel zu anstrengend erscheint.

Jeder erkennt Fehler, ob in sich oder in anderen. Diese regen einen so auf, weil man denkt man kann sie nicht mehr beheben. Richtig ist aber, dass du nachträglich versuchen kannst, z.B. dein Handeln zu entschuldigen, wenn du es eingesehen hast und somit die Auswirkungen deiner Fehlentscheidung zumindest zu einem Teil wieder rückgängig zu machen, wenn du z.B. einen Menchen seelisch verletzt hast. Viel wichtiger ist aber, dass du damit deinem Gegenüber hilfst, nicht auch so einen Fehler zu machen, oder zumindest ihn ebenfalls einzusehen, wenn es soweit kommt.

In diesem Sinne: bleib verrückt, denn nur Verrückte sind normal ;)
LillianeHi,

ich kenne das Gefühl leider nur gut. Und wundere mich täglich, wie ich bis heute durchhalten konnte. das ganze geht seit meiner Kindheit so. Ich hasse abgrundtief und weiß nicht warum. Ich hab das Gefühl, vor einer Tür zu stehen, diese aufreißen zu müssen. Aber wenn ich das tue, weiß ich genau, dass ich dann verloren habe. Meinen Verstand verloren habe, durchzudrehen. Und diese Gefühl begleitet mich schon mein ganzes Leben. Bis heute weiß ich nicht, wie ich es jeden einzelnen Tag schaffe. Die meiste habe ich mir verboten, so zu fühlen, zu denken. Ich habe es immer irgendwie geschafft, mich selbst zu beschützen. Doch nun weiß ich, dass es nicht mehr geht. Ich merke, wie mir jeden Tag mehr die Kontrolle über mich entzogen wird. Wie Sand, der einem durch die Finger rinnt. Ich hoffe, dass ich es noch schaffe, rechtzeitig Hilfe (das erste Mal in meinem Leben versuche ich es mit professioneller Hilfe) zu bekommen. Denn in einer Anstalt möchte ich diese Hilfe nicht haben. Wenn ich ersteinmal da bin, dann weiß ich, dass es für mich zu spät ist...
Wer bin ich?hallo,
ich bin neu hier, hab aber schon gelegentlich mal was gelesen.
mich quält in der letzten zeit auch ein gefühl. ich kann es nicht beschreiben, nicht in worte fassen. um so länger ich darüber nachdenke, um so ratloser bin ich. Ich weiß nicht wer ich bin, für was ich hier bin, für was es die welt gibt. Ich hasse mich und meine Familie, meine Freunde und die ganze Welt. Ich hasse mich weil ich nette freundliche menschen hasse, die diesen hass nie verdient haben. Ich fühl mich zur zeit so schlecht, obwohl es keinen grund dafür geben könnte, zumindest keinen, der mich dass fühlen lasst sollte was ich fühle. ich versage überall, bei allem was ich tue, nichts gelingt so wie ich es will. es macht mich krank. ich weiß nicht mehr für was ich das alles tu oder tun soll. was hab ich davon?egal was ich tue, ich bin unzufrieden damit. die ganze zeit denke ich was ich für ein versager bin. ständig habe ich mit leuten zu tun die mich in allen dingen übertreffen. für was muss ich also hier sein wenn es leute gibt die alles besser machen als ich?das schlimmste an allem ist, dass ich den menschen, die ich liebe uach noch weh tuhe. ich kann mich nichtmal richtig mit ihnen unterhalten. ständig kommt die wut in mir hoch. doch wieso?diese menschen wollen mir nur helfen. doch ich kann mir nicht helfen lassen. warum nicht?ich weiß es nicht. Warum gibt es nur all diese fragen ohne auch nur eine einzige akzeptable antwort.
Ich weiß nicht was ich noch tun soll....
illuminatHi Unbekannter,

bei dir klingt das ganze wirklich etwas schwieriger. Ich meine du erkennst deine Fehler aber scheinst quasi machtlos dagegen zu sein. Klar, es passiert jedem mal, dass er die die er liebt falsch behandelt. Aber wenn du die Kraft hast, diesen Menschen schaden zuzufügen, frage ich mich, ob du nicht auch die Kraft hättest, dich bei ihnen zu entschuldigen und deine Ausrutscher zu erklären.
Meinst du es hätte Nachteile auch deinen Opfern gegenüber deine Fehler einzugestehen? Vielleicht nehmen sie es dir nicht mehr so übel und sehen es beim nächsten mal etwas lockerer und du schaffst es sogar, vorher aufzuhören, bevor alles wieder eskaliert. Du solltest die Ruhe bewahren, immer zuerst nachzudenken, was du eigentlich tust und was daraus für Konsequenzen entstehen könnten.

Du meinst du wärst ein Versager, weil es so viele gibt, die besser sind als du.
Aber wäre es dir lieber, wenn du nur von Versagern und dummen umgeben bist? Was macht diese Leute eigentlich so erfolgreich im Gegensatz zu dir? Können sie vielleicht nur besser das behalten, was sie lernen? Dann ist es doch nur eine Konzentrationsschwäche deinerseits, die haben viele und man kann was dagegen tun. Ist es Faulheit? Kann ich mir eher nicht vorstellen bei dir.

Was ich allerdings wirklich nicht verstehe ist, warum du Menschen hasst, die du liebst. Gibt es Menschen die dich hassen, und wenn ja warum? Gab es Zeiten in denen sie dich auch ohne Grund schon gehasst haben?

Zumindest erkennst du, das etwas falsch läuft und das ist in meinen Augen mit Abstand am wichtigsten - es ist etwas wahres dran am Sprichwort: "Einsicht ist der erste Weg zur Besserung"
wasserfeeVielen lieben Dank für die zahlreichen Antworten. Hätte mir nicht gedacht, dass es so viele gibt, die genauso fühlen.
Musik zu hören, wie es einige von euch tun, unterstützt dieses Gefühl nur noch mehr, dennoch mach ich es auch. Fröhliche Musik kann ich im Moment gar nicht hören, und melancholische kraftvolle Musik lässt mich nur noch tiefer das Gefühl bekommen dass ich durchdrehe.

@ R@ph
Daneben stehen, das kenn ich. In letzter Zeit passiert es mir öfters, dass ich in der Stadt unter Menschen bin und plötzlich nicht mehr weis wo ich bin. Zwar nur für einen kurzen Moment, aber mich hats ganz schön erschreckt.

@wer bin ich
Genau, ganz genau so. Genau das was du erzählst trifft auf mich auch zu, ich hätte es selber nicht besser erklären können. Diese ganzen Fragen, dieser ganze Hass und das Versagen. Wie gut kenne ich das alles. Und ich frage mich ständig was der Grund dieses Fühlens ist. Aber ich finde keine Antwort.

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