| Sanyasin | Zu wenig Zeit, für zu viel Leben .... Dem Tod so nah Den Tod bedenken um des Lebens Willen, deswegen habe ich die Aufgabe des Nürnberges AIDS Hospizes gerne angetreten ... Wie sterben geht, weiß niemand. Schon gar nicht wir von der Kirche. Vielleicht Fragen Sie sich, warum ist er wieder da der Webering, wollte er doch ziehen ... die froh sind mich erneut zu lesen, denen lächele ich zu. Die mit den Augen Rollen, denen sage ich: genau wegen Ihnen bin ich wieder da. Ich möchte hier über meine Arbeit im Hospiz berichten .... beginnen möchte ich mit der letzten Woche. Denn diese Woche werde ich nicht mehr vergessen, so wie ich diesen kleinen vierjährigen Jungen in meinem Leben nicht vergessen werde. Einen Jungen, der an der grausamkeit mit Namen AIDS starb. Ich habe ihn nicht persönlich kennenlernen dürfen, dafür seine Mutter, die ihm nun folgt ... seine Mutter hat mir von ihm erzählt. In ihren Armen ist er gestorben. Und wenn es denn einen Grund gegeben hat, dass der große Vater des Lebens wollte, dass dieser kleine Junge auf die Welt kam, dann hat es den Grund, dass er seiner Mutter in seinem kurzen Leben nur einen Satz sagen sollte, der sie bei allem Schmerz durch ihr ganzes Leben tragen wird: "Mama, du bist so schön!" Das hatte er immer wieder gesagt, wenn sie den Vierjährigen aus dem Kranken-Bettchen auf ihren Schoß hob. Dann schaute er sie mit seinen großen längst wissenden Augen an. Und die Mama schaute zurück. Und sie wusste auch. Und dann sagte er ihr immer wieder diese Worte: "Mama, du bist so schön!" Wenn jemand in der weiten Welt noch einen Beweis braucht, dass ein Kind, das auf dieser Erde nur wenige Jahre bleiben darf, in seinem kurzen Leben sozusagen fast alle Stufen des Lebens in einem rasenden Tempo durchläuft, dann findet er ihn bei diesem kleinen Jungen. Ein normaler Junge kann mit vier Jahren nicht sehen, ob seine Mutter schön ist oder nicht. Seine Mutter ist schließlich seine Mutter. Nicht mehr, aber erst recht nicht weniger. Da muss man als Kind sicher über die Pubertät hinaus, um seine Mutter mit anderen vergleichen zu können. Endlich aber kommt hinzu, dass wir Jungen und Männer normalerweise die erste Hälfte unseres Lebens weniger für Schönheit schwärmen als für Freiheit. Und erst am Ende unseres Lebens entwickeln wir einen Sinn für Schönheit, Kosmos, Ordnung und Harmonie. Und dann erst werden uns die Augen dafür geöffnet, dass Schönheit und Zueinanderpassen und Füreinanderdasein die Dinge des Lebens sind, die das Leben überhaupt erst weitertragen. Erst sehr spät werden aus Freien und Freiern und Freibeutern anbetende Männer. Aber der kleine Junge, dem auf dieser Welt nur vier Jahre beschert waren, durchmaß sie alle mit großen wachen Augen und erkannte seine Mutter: Mama. Du bist schön! Herzlichst Ihr Karl Webering |
| Sanyasin | Warum die Stundenblumen? Woher stammen sie? Meister Hora der Hüter der Zeit. Der (Lebens)uhr In seinem geheimnisvollen Reich erblühen die Stundenblumen. Eine ist schöner als die andere und jede ist einzigartig. So einzigartig wie jedes Leben ... [QUOTE] Momo ist ein Waisenmädchen, das wie eine Landstreicherin in der Ruine eines kleinen römischen Amphitheaters am Stadtrand lebt. Menschen, die großen Wert auf Sauberkeit und Ordnung legen, erschrecken vielleicht, wenn sie dem etwas verwahrlosten mageren Mädchen begegnen. Doch Momo versteht es, anderen zuzuhören und sie dadurch in ihren Bann zu ziehen. Sie schütten Momo dann ihr Herz aus und spüren, dass sie selbständig, charakterstark und mit ihrem Leben zufrieden ist. Eines Tages tauchen in der Stadt Zigarre rauchende aschgraue Herren in spinnwebfarbenen Anzügen mit bleigrauen Aktentaschen auf, in deren Gegenwart es die Menschen fröstelt. Die grauen Herren verstehen sich auf die Zeit, "so wie Blutegel sich aufs Blut verstehen" und reden den Menschen ein, sie dürften nur noch Nützliches tun, um Zeit zu sparen. Der Friseur zum Beispiel hört auf, mit seinen Kunden zu plaudern und schneidet ihnen nun die Haare in 20 statt in 30 Minuten. Seine alte taube Mutter, für die er sich bisher jeden Tag Zeit nahm, bringt er in ein Altenheim. Auch mit Momo spricht einer der grauen Herren. "Man muss nur immer mehr und mehr haben, dann langweilt man sich niemals", behauptet er. Doch als Momo ihn fragt, ob ihn jemand lieb hat, krümmt er sich und verrät ihr, dass er und seinesgleichen ohne ein von den Menschen angespartes Zeitguthaben nicht existieren können. Weil das vor den Menschen geheim gehalten werden muss, erinnern sich diese nicht mehr an das Gespräch mit den grauen Herren, sobald sie anfangen, Zeit zu sparen. Momo und ihre Freunde rufen zu einer großen Versammlung auf, um die Wahrheit über die grauen Herren zu verbreiten, aber kein Erwachsener folgt ihrer Einladung. Da führt die Schildkröte Kassiopeia Momo zu Meister Hora, der die Zeit verwaltet. Momo sieht, wie eine Stundenblüte nach der anderen sich entfaltet und verwelkt, während sich bereits die nächste Knospe öffnet. Als Momo nach einem Jahr in ihr Amphitheater zurückkehrt, vermisst sie ihre Freunde. Auch sie sind Opfer der grauen Herren geworden und haben keine Zeit mehr, um Geschichten zu erzählen oder anzuhören. Die grauen Herren aber wollen von Momo zu Meister Hora geführt werden, damit sie ihr Werk vollenden können. Meister Hora hält die Zeit für eine Stunde an, um Momo Gelegenheit zu geben, den Zeittresor der grauen Herren zu finden. Mit Hilfe der Schildkröte gelingt es dem Mädchen, die grauen Herren zu überwinden und den Menschen die geraubte Zeit zurückzugeben. Die Welt gewinnt dadurch wieder an Farbe. [/QUOTE] Aus Michael Endes, Momo |
| scarabeus | @ Sanyasin eine schöne geschichte, die mich sehr an unsere Industrie nation denken lässt wo menschen nichts mehr wert. |
| Haevion | [QUOTE][i]Original geschrieben von scarabeus [/i] [B]@ Sanyasin eine schöne geschichte, die mich sehr an unsere Industrie nation denken lässt wo menschen nichts mehr wert. [/B][/QUOTE] Wer bestimmt denn über den Wert eines Lebens? ;) |
| Any Body | Arbeiten in einem Hospiz .... junge Menschen in den Tod begleiten und den Eltern schonend beibringen, dass ihr Kind nicht mehr lange zu leben hat... Wie lange kann man eine derartige Tätigkeit ausüben ohne dass die eigene Seele mit Lasten belegt wird? .... |
| Sanyasin | Den Wert des Lebens bestimmt man selbst, im Thread "Gott schütze meine Deich" beschrieb der Autor seine Begegnung mit einer Schnarke. Was leben bedeutet, das weiß jeder genau - tief im eigenen Herzen. Niemand - weder Sie noch ich kann vor dem Thema Tod davonrennen. Nach grossen Denkern unserer Zeit, wie Elisabeth Kübler-Ross ist der Tod nicht mehr so tabubesetzt wie früher - aber er ist es nach wie vor. Dabei gehört er, genau wie die Geburt zu unserem physischen Leben. Gibt es etwas ewiges? Das einzige ewige ist der Wandel, der Rhytmus von wachsen, erstrahlen, verblassen und zerfallen. Auf dem was zerfällt darf letztendlich Neues entstehen. [QUOTE][I]Erstellt von Any Body[/I] Wie lange kann man eine derartige Tätigkeit ausüben ohne dass die eigene Seele mit Lasten belegt wird?[/QUOTE] Jeder von uns wird irgendwann diesen weg gehen. Jeder von uns wird sterben und die eigene, letzte Stundenblume wird irgendwann verblühen, umgehen lässt sich diese Tatsache nicht. Doch wie damit umgehen? Wielange läßt sich Seelsorge ausüben? Ich antworte, wenn man sich auch um die eigene Seele sorgt sehr lange. Kirchenleute sind oft nicht ehrlich, die Kunst auf der Kanzel ist oft wie in einem Stück, eine Predigt könnte auch von Hamlet sein. Im Hospiz ist alles anders. Wenn jemand weiß, dass er bald sterben wird, stellt er viele Fragen über den Tod. Er stellt Fragen über Gott, über das Leben ... das fordert einen Geistlichen. Nicht nur als Kirchenvertreter, vorallem als Menschen. Ich war oft im Krankenhaus bei Patienten. Auf Krebsstationen zum Beispiel. Wissen Sie, wenn man nicht weiß, wenn man weiterhin zu jemanden sagt, "Du musst essen, das du wieder zu kräften kommst...", so bereitet er sich nicht vor. Jene, die immer nur Illusionen im kranken geweckt haben, haben ihm doch diese Zeit der Vorbereitung gestohlen. Man muss die Worte finden, mit denen die Tür für einen Zugang offenbleibt - auch wenn man auf der Türschwelle stehenbleibt. Diakon Karl Webering |
| Sanyasin | Beginnen möchte ich heute mit einem Lied das mir nicht aus dem Kopf gehen will seit gestern Nacht .. [QUOTE]Mein Zug nach Haus ging erst um neun, im Wartesaal saß ganz allein ein alter Mann mit gleichem Ziel, er lud mich ein zu einem Würfelspiel, lud mich ein zu einem Würfelspiel. Ich sagte ihm: Ich spiele nie. Draußen fiel Schnee, ein D-Zug schrie, da sagte er: Es geht um viel, es geht um dich in diesem Würfelspiel, geht um dich in diesem Würfelspiel. Niemand ahnt es, wie der Würfel fällt, doch nichts geschieht durch Zufall auf der Welt. Was ich auch warf, er hatte mehr, ich dreimal Sechs, und Neunzehn er, war wie in Trance vom Spiel erfaßt, und hab dabei den Zug nach Haus verpaßt, hab beim Spiel den Zug nach Haus verpaßt. Niemand ahnt es, wie der Würfel fällt, doch nichts geschieht durch Zufall auf der Welt. Dann gab’s Alarm – Signal auf Rot, der Zug entgleist – 10 Menschen tot. Der Mann war fort – der Schleier fiel, in meiner Hand hielt ich das Würfelspiel, in der Hand hielt ich das Würfelspiel. Ich verstand, warum der Würfel fiel, ich verstand, warum der Würfel fiel. © Juliane Werding[/QUOTE] Es ist wirklich so. Die Würfel fallen. Die Menschen die sie werfen .. sind oft andere - doch diejenigen die dieses Würfelspiel verlieren wissen darum. Ein wenig ist ein Würfel wie eine Münze. Leben und Tod sind zwei Seiten ein und derselben Sachen. Es ist wie die beiden Seiten einer Münze, einer Münze die sich immer wieder dreht. Leben und Tod - und Münzen. Selbst die alten Völker wußten dass schon. Sie legten ihren Toten eine Münze auf jedes Auge. Es diente als Bezahlung für den Fährman. Hier in dieser Einrichtung schließt sich der Kreis. Kennt ihr dieses Gefühl? So ganz nah vor dem Abgrund. Nur noch ein einziger Schritt, eine halbe Schuhsohle, dann gibt es kein Halten mehr. Gnadenlos bergab! Meist geht es einem so wenn man dem Tod begegnet ist. Bei jedem Gedanken daran. Schluss und vorbei. Um ihm zu begegnen, dazu braucht man Mut, vielleicht auch den Mut der Verzweiflung. Aber egal wie: Es gibt keine Alternative. Denn der Abgrund rückt stetig näher. Ganz so als ob das Meer an der Küste nagt. [I]Bittersüsse Todesmelodie hörbar einzig im Tal der Stimmen geh weiter, höre nicht auf sie, sonst wird sie nie erklingen. Auch wird sie sich nicht allein begeben, an einen Ort mit Namen: Leben [/I] |
| Sanyasin | Guten Morgen zusammen, unsere Seelen haben sich noch nicht darauf eingerichtet, dass elektrischer Strom in unserer modernen Zeit jede dunkle Nacht zum helllichten Tage machen kann. Schließlich ist die Erfindung von Strom und Elektrizität noch nicht alt. Unsere Seelen richten sich daher wie seit all den Jahrtausenden vor uns eher nach der Sonne, nach Mond und Sternen aus. Und Sonne, Mond und Sterne signalisieren wie seit Jahrmillionen, dass die Zeit der Helligkeit vorbei ist und wieder einmal die Zeit der Dunkelheit beginnt. Es ist die Zeit, in der folglich die Dunkelheit die Seelen mehr regiert als die Sonne. Wir müssen uns also, ob wir wollen oder nicht, wieder mehr mit unseren Dunkelheiten vertraut machen. Unsere Seelen verlangen danach. Denn in diesen immer dunkler werdenden Tagen bekommen die Augen auch immer weniger zu sehen. Ihre Zeit ist vorbei. Jetzt beginnt die Zeit der Ohren. Jetzt beginnt die Zeit des Erzählens und Hörens. Jetzt beginnt die Zeit des In-sich-hinein-Horchens. Unsere Seelen nutzen die dunklen Zeiten, um zurück zu schauen und in der Erinnerung zu stöbern und aufzuräumen. Sie kehren in sich, sagt unsere Sprache. Sie machen sauber und bauen sich ein kleines Nest. Wie Kinder, die schon seit Wochen nicht mehr draußen spielen, sondern sich auf einmal auf dem dunklen Dachboden rumtummeln und Buden und Verstecke bauen, ziehen wir Großen und Erwachsenen uns zurück. Denn auch in der größten Dunkelheit gibt es etwas zu entdecken, zu ordnen und zu bauen und neu anzulegen. So führt uns im dunklen November unsere Erinnerung oft genug zu den dunkelsten Stellen unserer Erinnerung. Sie führt uns zu den Friedhöfen. Da steht man, seufzt, bückt sich, zupft ein wenig am Grabschmuck herum, macht Ordnung und wie wenn es uns schwerfallen würde, von den Gräbern der Lieben Abschied zu nehmen, lassen wir ihnen ein Licht zurück. Und Licht bedeutet Wärme und Geborgenheit. Und irgendwann dann taucht die innere Entdeckung auf, dass nicht nur die Friedhöfe der Stadt wachsen. Es wachsen eben auch die ganz persönlichen unsichtbaren Friedhöfe um uns Menschen herum. Vor Jahren war es nur ein Grab, das man dann und wann besuchen ging. Das Grab der Großeltern vielleicht und da und dort auch schon das Grab eines Lebenspartners oder sogar das Grab eines Kindes. Jedes Jahr werden es mehr. Als wenn jede einzelne Seele sich in ihrem Innersten ihren eigenen Friedhof anlegen müsste, um eines Tages nicht in der Fremde begraben werden zu müssen. Ich zünde für Sie ein wärmendes Licht an in diesen Tagen ... Diakon Webering |
| Amy | Ist denn der Tod immer schlimm? Wir weinen um die Verstorbenen, glauben, sie starben viel zu jung, viel zu früh. trauern um das, was sie verpassen. Aber wir wissen es doch nicht. Wir wissen nicht, ob sie etwas verpassen, was mit ihnen geschieht, nachdem sie gestorben sind. Aber vielleicht können wir wissen, dass sie nach ihrer Krankheit wenigstens dieses Leiden hinter sich gelassen haben, ganz gleich, was ihnen noch begegnet. Dieser Gedanke sollte uns trösten. Vielleicht lässt es sich so viel besser ertragen. |
| JayEff | Ist der Tod eines Kindes denn nur für das Kind selber bedeutend? Wir trauern doch nur zum Schein um das Verpasste, die verlorene Zeit, die dem Kind genommen wurde. Ich trauere, weil ein Kind gestorben ist. Ganz glecih, ob dies einen Vorteil für das Kind bedeutet, oder ob sein Leben einfach nur ausgelöscht wurde (wobei letzeres mir derart schlimm erscheint, dass ich es mir nicht vorstellen will, und es nicht glauben kann), es ist dennoch traurig für seine Freunde, seine Familie, denn sie haben, bis zu ihrem eigenen Tod, an diesem Erlebnis zu arbeiten und sie haben einen geliebten Verwandten oder Freund verloren. Ist es egoistisch so zu denken? Nein, ich finde nicht, denn wir können nicht an das Wohlergehen des Verstorbenen denken, da wir einfach nicht wissen, wie es ihm wirklich ergeht. Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich Momo ebenfalls gelesen habe, und dass ich dich bewundere, dafür, dass du eine derartige Aufgabe gerne übernimmst. Es ist wichtig, dass es jemand tut, und wer könnte es besser, als der, der es gern tut? Ich könnte nicht mit Todgeweihten arbeiten, erst recht nicht mit Kindern, denn so etwas geht mir sehr ans Herz. Die Beiträge, die ich bissher von dir gelesen habe, Sanyasin, regen mich sehr zum Nachdenken an. Ich werde sie genauer lesen, wenn ich ausgeruht bin, denn es ist etwas spät für mich, fürchte ich. |
| Odessa | Lieber Karl (und ich liebe diesen Namen und die vertrauliche Anrede wurde mir gestattet...), es ist immer wieder so wunderbar, Deine Gedanken hier zu lesen. Es ist so viel Feingefühl und ruhiges Wissen darin, es tut immer wieder einfach nur gut, darin "einzutauchen". Lieben Gruss, und in zwei Wochen sehen wir uns vielleicht in Nürnberg:) ilo |
| Sanyasin | @ Amy: Ihre Worte haben etwas sehr richtiges. Der Tod ist nicht immer schlimm, da haben Sie recht. Und wenn er schlimm ist, dann denke ich meist nur für die, die zurück bleiben müssen. @ JayEff: Wir sollten immer an das Wohlergehen denken. An Wohlergehen der Toten sowie der lebenden. @ Odessa: Ich danke Dir. und ein wenig vom Tage wenn Ihr Interesse habt ... Die Frau eines guten Freundes ist am Mittwoch der letzten Woche gestorben. Ich kannte Sie nicht gut genug. Sie litt lange an einer Krebserkrankung, nun geht es Ihr gut. Johannes hat seine Reise verschoben. Johannes arbeitet im Ausland für BMW. Ich war erleichtert, als ich hörte das er eine weile an den Gardasee fahren wird, in seinen und Gabis Lieblingsort. Denn ein Mann (oder Frau), die vor wenigen Tagen erst seinen geliebten Lebenspartner verloren hat, kann nach meiner Erfahrung nicht die Trauer in harter Arbeit ersticken. Das ist ein Versuch, ihr zu entkommen. Ein falscher Weg, den viele Trauernde gehen wollen. Alles hat seine Zeit, lehrte der weise König Salomo vor dreitausend Jahren die Menschen. Und das bedeutet, dass auch alles seine angemessene Zeit braucht. Und Trauer braucht am meisten. Der Weg, den man gehen muss, wenn man einen lieben und liebsten Menschen verloren hat, ist wie der Weg über ein Gebirge. Berge von Schmerz türmen sich vor einem auf. Berge, die man glaubt, nie bezwingen zu können. Und dann klettert man doch und freut sich, mühsam, aber doch Schritt für Schritt aus dem Tal des Leidens emporzuklettern. Und dann steht man bald oben und hat das Gefühl, es geschafft zu haben. Und dann ist es doch nur ein großer Irrtum. Denn oben auf den Gipfel erst sieht man, dass der Schmerz nicht ein Berg ist. Sondern ein Gebirge. Täler und Berge tun sich hier oben auf. Und man sinkt voller Schmerz in sich zusammen. So dauert der Weg der Trauernden übers kalte Gebirge Wochen, Monate und Jahre. Die Müdigkeit legt sich auf die Seele und will oft nicht mehr weiter. Aber irgendwann macht die trauernde Seele eine merkwürdige Entdeckung. Der letzte Berg, das letzte tiefe Tal, sie sind schon länger her! Hoffnung keimt auf, dass man es geschafft haben könnte. Zaghaft, weil man nicht wieder einmal enttäuscht werden will. Aber sie bleibt. Und dann ist da noch der Satz des weisen Königs aus alter Zeit: Trauern hat seine Zeit. Trauern braucht Zeit. Viel Zeit! Unendlich viel Zeit! Aber nicht alle Zeit! Ohne dass man sich einer besonderen Anstrengung bewusst wäre, kommt ein Sonnentag daher. Ein Vogel singt. Ein Baum treibt frische Knospen. Mandelblüte am Ende der kalten Zeit. Ein Vers aus einem alten Psalmgedicht taucht auf: „Er wird abwischen alle Deine Tränen aus Deinem Gesicht. Und der Tod wird nicht mehr sein.“ Friede zwischen den Menschen: Zwischen den noch sichtbaren und den schon unsichtbaren. Herzlichst Euer Karl |
| JayEff | Ich mag deinen Schreibstil, Sanyasin. Ich muss dir Recht geben, oder besser, ich habe vergessen, das hinzu zufügen. Selbstverständlich sollte man trotzdem an die Zukunft des Verstorbenen denken. |
| Sanyasin | Ein offener Brief eines Sterbenden [QUOTE]Das schlimmste ist die Nacht ... Nachdem der nachtdienst vorbeigekommen ist, um einem die Tabletten zu geben, fühlt man sich allein, man hört keine Geräusche mehr auf dem Koridor, doch man weiß das er durch die Gänge streift. manchmal höre ich seine Sense an den Wänden scharben ... jedoch Angst habe ich keine. Nicht vor ihm. Das ist der Moment in dem ich mich in mich hinein verkrieche, ganz tief. Der Zeitpunkt an dem ich Bilanz ziehe, und man fragt sich, was aus einem werden soll. Man wird sich des Todes stärker Bewusst - zu keinem anderen Zeitpunkt am Tag, und man fürchtet sich davor - davor allein zu sterben. Aber ich mag nicht klingeln, um zu sagen "Ich bin ganz allein, ich möchte jemanden in meiner Nähe haben". Und doch möchte man das - genau das. man möchte in diesen Momenten wirklich die Anwesenheit eines Menschen spüren. Wenn ich etwas zum Schlafen nehme, so deshalb, weil ich keine Lust habe, auf den Schlaf zu warten. Ich will sofort einschlafen, um nicht denken zu müssen. Ich fürchte mich auch davor, leiden zu müssen. Aber nicht vor ihm, vor dem Tod habe ich Angst: Ich bin bereit zu sterben. Was ich nicht will, ist leiden zu müssen. Der Tod ist Erlösung, nicht Leiden. Ich bin Christ, und ich weiß, dass ich kein Recht habe, mir das Leben zu nehmen, aber wenn ich leiden müsste, würde ich darum bitten, dass man gewisse Medikamente von mir fernhält, weil ich nicht sicher wäre, der Versuchung widerstehen zu können, zuviel davon einzunehmen um den Leiden zu entgehen. Ich glaube nicht, dass die Kranken aus innerster Überzeugung sagen: "Tötet mich", ich glaube sie sagen: "Tut etwas, damit ich nicht mehr Leiden muss, damit ich nicht mehr allein bin!" [/QUOTE] J. F in Pflege im Hospiz, in Bayern |
| Sanyasin | Einen Tag noch ... dann zieht der November in unser Haus ein. Wissen Sie, ich halte nichts von den Helloween Festen. Das liegt vielleicht daran, dass ich nicht gerne diese Psycho und Horrorfilme schaue. Ich mag sie einfach nicht. Warum? Ich mag nicht wenn mit der Angst und der Emotion von Menschen gespielt wird. Deshalb lassen sie mich lieber zurück kommen auf den November .... die dunkle Jahreszeit, mit den dunklen Tagen. Nebel, Regen ... Spätherbst. In diesen Tagen erinnere ich mich oft an den Anfang diesen Jahres. Viele Beerdigungen, viel Freunde die verstorben sind ... Mitten im Frühling lesen wir in unseren Kirchen an den Sonntagen die Geschichten, in denen die Toten den Lebenden erscheinen. Der am Karfreitag gestorbene Christus erscheint bis zum Himmelfahrtsfest seinen Freundinnen und Freunden. Als wenn es im Frühling kein anderes Thema gäbe! Die Liebe zum Beispiel! Aber sagen Sie das doch einmal einer Mutter, die im Frühling ihr Kind verlor! Sagen sie das einem Diaon der einenFreund verloren hat. Sagen sie das jemanden der einen geliebten Menschen verloren hat. Sagen demjenigen doch einmal: Vergessen Sie diesen Menschen! Schauen Sie lieber nach vorne! Sagen Sie das mit dem unzeitgemäßen Thema vom Leben der Toten doch mal einem Menschen, der Nacht für Nacht von seinem Verstorbenen träumt und endlich im Frühling, nach durchstandener Dunkelheit des Winters, eine Erklärung haben will. Der winkt nur ab. Denn Sie auslachen kann er schon lange nicht mehr. Wir Christen, und nicht nur wir, haben eine Erklärung für die Anwesenheit der Toten bei den Lebenden! Denn das älteste Wissen der Welt, die Religion, weiß, dass kein Leben zu Ende ist. Das Leben eines Menschen ist nur weitergezogen wie ein Wassertropfen Richtung Ozean, Richtung Unendlichkeit, Richtung Ewigkeit. Aber es lebt. Man muss nur offen dafür sein, ihm auch zu begegnen. Was uns oft an solchen Begegnungen der neuen Art hindert, ist unsere Angst. Kaum dass der Tod bei einem unserer Liebsten eingetreten ist und sein Leib ja noch da ist, noch warm ist, wenden wir uns oft schon ab. Und manchmal lässt man uns gar nicht die Verstorbenen weiter begleiten. 50 Jahre war man verheiratet und hatte versprochen, beieinander zu bleiben in guten und in bösen Tagen. Aber kaum, dass einer gehen muss, soll der Lebenspartner innerhalb von 20 Minuten Abschied nehmen. Das geht ohne zusätzliche Verwundungen nicht ab. Da haben wir Geistlichen auch eine gewaltige Verantwortung. Wir haben die Toten oft genug aus unseren Kirchen vertrieben. Das muss sich ändern. Wenn die Beziehung der Lebenden mit den Verstorbenen gelingen soll, muss vor allen Dingen der lange Abschied gelingen. Und da erscheinen nicht nur die Lebenden bei den Toten auf dem Friedhof. Sondern auch die Toten bei den Lebenden. Im Traum und in der Wirklichkeit. Deshalb habe ich in meiner Kirche das TOtenzimmer wieder eingerichtet. Dort wird der Tote aufgebahrt und die Familie bekommt den Schlüssel zum Kirchenportal, sie kann ihn jeden Abend besuchen kommen. Karl Webering |
| Pelloquin | Ich hätte nicht gedacht, dass es noch Geistliche wie Sie gibt, Sanyasin. Sie sind genau von dem Schlag, den wir brauchen. [size=1]Denn... ich fürchte es wird noch um einiges dunkler werden in dieser Welt.[/size] *** Wenn es mir gestattet ist, verweise ich in Anlehnung an ihre Worte auf einen meiner ersten Threads hier: [url="http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&postid=510634#post510634"]Tod und Maschine[/url] Er beschäftigt sich mit der Notwendigkeit, unseren Tod wieder in die Gesellschaft zu integrieren. freundliche Grüße Pelloquin |
| Sanyasin | Wie wichtig Ihre Gedanken sind Pelloquin. Ihre Gedanken und Worte sind Anker für viele hier. Schon vor längerer Zeit habe ich mich aufgemacht und nach alten Themen von Ihnen gesucht. Tod und Maschinen. mh, mir kommen dort ganz andere Gedanken. Gedanken eines Seelsorgers. Ich habe eine Zeitlang auch im Krankenhaus Martha-Maria in Nürnberg gearbeitet und in diesem zusammenhang habe ich mich oft als einen Bettelmann gesehen. Ja, ein Diakon ist ein Bettelmann. Das stimmt in Deutschland zwar nicht so ganz. Schließlich gehören wir deutschen Geistlichen zu den am besten bezahlten Geistlichen der ganzen Welt. Das ist in Frankreich schon ganz anders. Aber in einem tieferen Sinne stimmt es allemal. Wir Geistlichen spüren nämlich den Auftrag, wie ein Bettelmann an die Herzenstüren der Menschen zu klopfen und zu betteln. Manchmal geht es um Geld. Manchmal geht es um Ihr Engagement und manches Mal geht es auch im Ihr Herz selbst. Immer dann, wenn keine Maschinen mehr zu helfen wissen. Oder eben Maschinen einen Toten noch so lang "(be)leben", bis eine Entscheidung gefunden wurde ... Es gibt, besonders in unserem Land, wenig Bereitschaft, Organe zu spenden. Wie soll sich das ändern? In meiner Brieftasche steckt seit Jahren schon ein mittlerweile vergilbtes Formular, das im Falle meines Todes meine Organe einem anderen Menschen das Leben retten sollen. Wenn es denn geht und wenn es passt! Aber ich glaube, in den Portemonnaies meiner Kinder steckt das nicht. Muss ich jetzt als Vater mit meinen Kindern reden? Schließlich haben sie alle schon einen Führerschein und bewegen sich mehr denn je im Straßenverkehr, wo es die meisten Toten gibt? Oder darf ich es nicht ansprechen, weil ich dann quasi das Schicksal beschwöre? Oder darf ich es auch deswegen nicht, weil die Entscheidung der Kinder von mir beeinflusst wäre? Schließlich ist es ganz und gar ihr Leben. Und sie müssen entscheiden, was nicht nur aus ihrem Leben wird, sondern auch mit ihren Organen, wenn sie nicht mehr leben. Ich spüre beim Schreiben dieser Zeilen, wie nah mir das Thema geht. Es war für mich einfach, das Organspender-Formular für mich allein auszufüllen. Es ist schwer, sehr schwer, mit seinen Liebsten darüber zu reden. Wir Geistlichen sind eben Bettler. Und wir haben nur das Erbarmen auf unserer Seite. Das große Gefühl des Erbarmens hält uns zusammen, oder? Karl |
| Pelloquin | [size=1]Ja, das tut es. Letztlich dieses Gefühl ist es, das mich nicht völlig an der Welt verzweifeln lässt, und manchmal fehlt da nicht mehr viel. Aber gerade in den dunkelsten Stunden... ist da etwas. Vor einiger Zeit schon versuchte ich dieses Gefühl zu beschreiben. Als ich, nachdem unser Hund gestorben war, auf dem Bett lag und nur noch Dunkelheit sah. Da war etwas. Der Hauch einer Gewissheit, dass, wenn der Vorhang fällt, wir nicht fallen gelassen werden. Dass da etwas ist, das uns hält.[/size] Ich habe noch keinen solchen Organspendeausweis. Weil ich vermute, dass ich nach meinem Tode kaum noch an meinen Organen hängen werde, erachte ich das Spenden dieser Organe an jemand, der sie noch gebrauchen kann, als eine äußerst nützliche Angelegenheit. Wo kann man sich als Spender registrieren lassen? Was Ihre Sorgen um das Wohl Ihrer Kinder betrifft, so kann ich Ihnen sagen, dass ich Ihre Sorge verstehe. Sie wollen kein Unheil heraufbeschwören. Aber ich glaube nicht, dass dies geschähe, denn Ihr Motiv ist nicht, jemandem zu schaden, sondern jemandem zu helfen. Ich glaube nicht, dass Gott Ihnen deswegen ein Beinchen stellen würde. Das wäre sehr hinterhältig, und das ist mein Gott nicht. Fragen Sie Ihre Kinder einfach, wie sie zur Organspende nach dem Tode stehen. Ob das Sinn macht. Möglicherweise sind Sie überrascht (oder auch nicht ;) ) festzustellen, dass Ihre Kinder Ihre Ansichten teilen. Einen schönen Tag und alles Gute Daniel |
| Sanyasin | Danke Ihnen lieber Daniel ... ich werde am Wochenende einen Löwenzahnkaffee brauen, da sind meine Kinder ganz verrückt nach - ein guter Platz für ein wichtiges Gespräch. Gedankenwechsel ..... Ein paar Gedanken schwirren mir im Kopf ... das war ein Jahr her, dass ihr Mann starb. Und wir hatten uns an seinem Todestag verabredet. Wir wollten sehen, wie tief die Wunde noch war, die trauernde Ehefrau und ich. "Das Verrückteste, woran ich mich nicht gewöhnen kann, Herr Diakon, das sind die Briefe mit der Anrede "Witwe". Oder dass ich in den zig Formularen, die ich in diesem Jahr ausfüllen musste wegen der Rente und den Versicherungen und all dem Papierkram, dass da auf einmal Witwe steht. Ich bin doch nicht wie Witwe Bolte aus Max und Moritz, mit Sauerkraut und Kopftuch!? Man hat irgendwie das Gefühl, einen Makel zu tragen. "Witwe!" Als wenn man nicht mehr voll dazu gehören würde! Oder bin ich da zu sensibel? Man wird ja so empfindsam, wenn man auf einmal allein ist. Da denkt man, es geht endlich vorwärts, raus aus dem Loch und dann geht es wieder runter, als wenn alles erst gestern gewesen wäre. Rauf und runter!" Warum soll es Ihnen anders gehen als den andern, antworte ich. Schaun Sie, wenn man einen Stein ins Wasser wirft, dann gibt es diese Wellen, rauf und runter. Und die hören niemals auf. Niemals. Selbst wenn die Wellen endlich an ein Ufer schlagen, wandern die Wellen unsichtbar in der Luft weiter bis in die Ewigkeit. So ist das Leben. "Sie machen mir aber Mut, Herr Diakon", sagt sie. "Was sich allein ändert", tröste ich sie, "ist die Heftigkeit, die Macht der Wellen. Sie werden mit der Zeit sanfter, die Hochs und die Tiefs des Lebens! Aber sie bleiben. Und Sie, liebe Frau, haben gelernt, mit ihnen zu leben. Sie drohen nicht mehr umzukommen. Und das mit der Witwe, was Sie da sagen, finde ich deshalb so spannend, weil die lateinische Herkunft dieses Wortes davon erzählt, dass man beim Tod des Ehegatten geradezu dividiert, geteilt worden ist. Da ist es nicht verwunderlich, dass alle Welt das Gefühl hat, dass eine Witwe ein Mensch ist, dem etwas fehlt, ein Mensch, der leer ist und einen Mangel spürt. Und wie reagieren da die normalen Menschen? Sie machen leicht einen Bogen um die Witwen. Denn ein Mensch, der nichts hat und dem etwas fehlt, von dem kann man ja gemeinhin nichts erwarten. Das ist bitter, aber wahr!" Nicht umsonst tauchen die Witwen sozusagen als Menschen im Abseits an Jesu Seite auf. Er nimmt sie auf in seiner wichtigsten Rede. "Selig die Trauernden, die Witwen, sie werden erfahren, wie gut es ist, getröstet zu werden!" so oder anders? Karl |
| fallenangel666 | Klingt alles so traurig... vielleicht ist der Fehler nur, Daß der Tod zu sehr aus der Gesellschaft verbannt wurde. Arbeite selbst mit sterbenden Menschen und musste nur zu oft sehen, wie vor allem die Angst der Angehörigen es den Sterbenden erschwert , in Würde Abschied zu nehmen.Wenn es gelingt, die Angst zu über- winden, tritt meist ein tiefer Friede ein, alle äußeren Masken, alle oberflächlichen Fassaden fallen ab, es bleiben nur noch die Men- schen als Person. Oft wird es dann möglich, den Tod als Anfang zu betrachten, als Aufbruch zu etwas Neuem... |
| Sanyasin | Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: "Eloi, eloi, lama sabachtani!" Das hieß: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Einige, von denen, die dabei standen und es hörten, sagten: "Hört, er ruft nach Elija!" Einer lief, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf einen Stock und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: "Lasst uns ihn beobachten, ob Elija kommt und ihn rettet." Jesus aber schrie laut auf. Dann hauchte er den Geist aus. Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Als der Hauptmann, der Jesus gegenüber stand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: "Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!" (Mk 15,33-41) |
| Sanyasin | [COLOR=black]...................[/COLOR] [IMG]http://www.beepworld.de/memberdateien/members79/vanillefarbenerhimmel/trauer-einfuehrung.jpg[/IMG] Eine Frau trägt einen Sarg. Einen Kindersarg. Den Blick auf den Sarg gerichtet, trägt sie ihr totes Kind zu Grabe. Ihr Antlitz ist für den Betrachter nicht sichtbar. Was mag es ausdrücken? Verzweiflung und Fassungslosigkeit? Ohnmacht und Wut? Liebe und Zärtlichkeit? Oder einfach nur grenzenlosen Schmerz? Mit dem Tod konfrontiert zu sein, ist eine tiefgreifende Erfahrung, die nicht selten das eigene Leben radikal in Frage stellt. Wie können wir mit der Gewissheit leben, eines Tages sterben zu müssen? Wie gehen wir mit Verstorbenen um? Was kann uns in der Trauer um einen geliebten Menschen helfen? Auf was dürfen wir im Tod hoffen? Wie kann ich angesichts meiner Sterblichkeit leben? Wie mich auf meinen Tod vorbereiten? Auf was darf ich im Tod hoffen? Wasist der Unterschied zwischen der christliche Auferstehungshoffnung und der Lehre von der Wiedergeburt? Bild: Die Zeichnung "Frau mit Kindersarg" gehört zur Dauerausstellung des Museums für Sepulkralkultur in Kassel. |
| autumnnight | [QUOTE][i]Original geschrieben von Sanyasin [/i] "Das Verrückteste, woran ich mich nicht gewöhnen kann, Herr Diakon, das sind die Briefe mit der Anrede "Witwe". Oder dass ich in den zig Formularen, die ich in diesem Jahr ausfüllen musste wegen der Rente und den Versicherungen und all dem Papierkram, dass da auf einmal Witwe steht. [/QUOTE] für mich war es ein sehr schlimmes erlebnis, als ich bei einem formular, das mir den aufenthalt in deutschland verlängern sollte, die namen meiner eltern angeben sollte.. "aber ich habe doch keine mami mehr", sagte ich zu c. "was soll ich da schreiben?? soll ich es leer lassen??" tränenfluss im ausländeramt.. |
| Sanyasin | ja liebe autumnight, das sind diese Momente ... wahrscheinlich sind Sie im Beamtentum nicht mal auf Verständnis gestossen .... decay73 schrieb vor einiger Zeit in seinem "Tage wie dieser" Thread über Gelassenheit. Das hat mich Nachdenklich gestimmt ... "Ars moriendi - die Kunst des Sterben - Lernens" war eine wichtige Übung für den Christen früherer Zeiten. Ich denke, es ging dabei nicht nur vordergründig um die Vorbereitung auf eine "selige Todessstunde", die ja den Menschen jeden Augenblick erreichen kann, - sondern es ging gerade in dieser Einübung des Sterbens um die Öffnung für eine immer größere Fülle des Lebens - auch schon jetzt und hier. Denn "sterben kann nur, wer auch wirklich gelebt hat". Das ist das tiefste Anliegen der "Gelassenheit". Nun ist es normalerweise so, dass ein Mensch sich erst einmal selbst finden muss, ehe er wirklich und fruchtbar loslassen kann. Das gilt besonders für die erste Lebenshälfte, wie zum Beispiel C.G. Jung erfahren und gelehrt hat. Aber das Leben stellt uns auch in jungen Jahren immer wieder vor Situationen, wo ein Los-Lassen geschehen muss - nicht freiwillig, sondern erzwungen. Zum Beispiel können es kleine Kinder ganz schwer fassen, wenn man nach einem Besuch wieder nach Hause fahren muss. Diese Situationen häufen sich mit dem Älter- bzw. Altwerden eines Menschen. Wer es gelernt und geübt hat, Dinge, die einem genommen werden, wirklich freiwillig loszulassen, - und damit zu einer freiwilligen Gabe zu machen, der hat eine wichtige Lektion des "ars moriendi", der Kunst des Sterbens, gelernt. Solche Dinge lernt man nie theoretisch, sondern durch das Leben selbst. Diese Übung ist kein Selbstzweck. Sie ermöglicht uns, Erfahrungen zu machen, welche im Alter oder gar im letzten Loslassen - Müssen des Sterbens unersetzlich wertvoll sein können. Echtes Lassen trägt in sich große Lebenschancen. Denn Loslassen kann heißen: frei werden. Diakon Karl Webering |
| decay73 | Nur genau das ist auch die Schwierigkeit: Loslassen, was sich nicht mehr halten läßt, und dabei gelassen bleiben, um nicht daran kaputt zu gehen. Das ist jedes Mal die große Herausforderung. Beim ersten Mal muß man es erst erkennen. Dann setzt der Lernprozeß ein und mit etwas Glück und wenn man die Dinge, die sich nicht ändern lassen akzeptiert, klappt es beim nächsten Mal schon etwas besser. Aber irgendwann, wenn man es schon zu oft durchlebt hat, schafft man es doch nicht mehr, gelassen zu bleiben, denn mit jedem Mal werden die Zweifel größer. Dann ist irgendwann der Punkt gekommen, an dem man jemanden braucht, der einem die Zweifel wieder nehmen kann. Ehrlich gesagt habe ich auf ‚loslassen‘ nicht mehr viel Lust, aber es ist wohl auf lange Sicht unvermeidlich, wenn auch in meinem Fall nicht so einschneidend, wie der Tod selbst. Ich bin gespannt, wie weit man lernen kann, und ab wann es nicht mehr geht. Irgendwann wird es anstrengend, aber noch klappt es mit der Gelassenheit einigermaßen und ich hoffe, daß das noch ein wenig so bleibt und ich jemanden finde, der mir die Zweifel nehmen kann. Dann wird es klappen. Und ich denke du, Sanyasin, machst sicher genau das: Da sein, zuhören und Zweifel nehmen. Das ist so wichtig...und ich lerne...immer mehr und jedes Mal neu... Ars Moriendi in keinen Schritten sozusagen. |
| Odessa | ---- Mit dem Tod konfrontiert zu sein, ist eine tiefgreifende Erfahrung, die nicht selten das eigene Leben radikal in Frage stellt...Was kann uns in der Trauer um einen geliebten Menschen helfen? ---- ...Menschen, die es wenigstens ansatzweise verstehen - den Schmerz. Die Wut. Die einem Zeit lassen. Die die Schatten der Toten nicht bekämpfen (gegen Schatten kann man nicht kämpfen...), sondern die die Toten immer noch mit ins Leben einbeziehen. Ihre Seelen "teilhaben" lassen. Neue Hoffnung, über den Gräbern. Neue Liebe...neue Träume? Danke, wie immer, für Deine Worte. Zentaur *lächel*.... |
| Sanyasin | [SIZE=1]Abschied Nehmen Und Gestern drang die Nachricht dann zu mir Ich weiß nicht, aber es zeriss mich schier denn keiner kann mir sagen wie es geschah keiner unserer Leute war noch da Du lagst ganz gut, das hat man mir gesagt Warum hab ich dich nie selbst danach gefragt? Du hättest ein Großer werden können und irgendwie wollte ich dir das nicht gönnen Refrain: Und ich wollte noch Abschied nehmen das werd' ich mir nie vergeben Mann, wie konntest du von uns gehen? jetzt soll ich dich nie mehr sehen Verzeih mir all die Dinge, die ich sagte nur weil mich wieder irgendetwas plagte Verzeih mir und den Jungs, dass wir nicht da waren vergib mir, dass ich nicht mit all dem klar kam. Refrain (2x) Was machen wir jetzt ohne unsern Held wir vermissen dich und ich scheiss auf's große Geld du bist weg, was nützt der ganze Mist? mein kleiner Bruder wird für immer vermisst. Xavier Naidoo [/SIZE] |
| Sanyasin | (Aus: Das Nietzsche-Archiv in Weimar, Carl Hanser Verlag München Wien 2000, S. 47) [SIZE=1] "Am 20. August 1900 erkrankt Friedrich Nietzsche an einer fieberhaften Erkältung, die bald auf die Lunge übergreift. In der Nacht zum 25. August erleidet er einen Schlaganfall. Am nächsten Vormittag, zwischen 11 und 12 Uhr, stirbt der Philosoph Friedrich Nietzsche in seinem Schlafzimmer im Obergeschoß der Villa Silberblick, über elf Jahre nach seinem Zusammenbruch in Turin. Eine Obduktion verhindert die Schwester. Sie läßt mitteilen, Nietzsche sei an den Folgen einer Vergiftung mit Chloralhydrat, einem Schlafmittel, gestorben. Elisabeth wünscht, daß der damals schon berühmte Leipziger Bildhauer, Maler und Graphiker Max Klinger die Totenmaske abnehmen solle. Klinger aber hält sich in Paris auf; so wird diese Aufgabe Curt Stoeving und Harry Graf Kessler am Vormuittag des 27. August zuteil. Zwar ist das Antlitz des Toten durch halbseitige Lähmungserscheinungen, wohl auch durch die mangelnde Erfahrung der Modelleure verschoben, dennoch dient sie später Klinger und verschiedenen anderen Künstlern als Vorlage für Nietzsche-Potraits. Am Nachmittag des gleichen Tages lädt Elisabeth zur Trauerzeremonie im ‚engsten Kreis‘. Die etwa zwanzig Trauergäste müssen in dem kleinen Bibliothekszimmer dicht gedrängt stehen. Blumen und Kränze schmücken den Raum, Kerzen brennen am offenen Sarg. Der Architekt Fritz Schumacher beschreibt die lange und ermüdende Trauerrede des Berliner Kunsthistorikers Kurt Breysig: ‚und nun las er uns erbarmungslos eine kulturhistorische Zergliederung der Erscheinung Nietzsches.‘ Zwei adelige Freundinnen Elisabeths, Freifrau von Thüna und Fräulein von Prott tragen a capella Johannes Brahms‘ Wenn ein müder Leib begraben nach Versen von Klaus Groth und den Klagegesang von Palestrina Qua fremuerunt gentes vor, dazwischen spricht der Nietzsche-Herausgeber Ernst Horneffer, wie Kessler notiert, ‚mit Takt und Feuer‘. Der Versuch der Archivherrin, eine Sondergenehmigung für die Beisetzung ihres Bruders im Garten des Nietzsche-Archivs zu erwirken, war fehlgeschlagen. Der Leichnam Friedrich Nietzsches wird am 28. August nach Röcken zur Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie überführt."[/SIZE] [SIZE=3]Rede, gehalten am Sarge Nietzsches[/SIZE] bei der Trauerfeier im Nietzsche-Archiv zu Weimar am 27. Aufgust 1900. Am Grabe Nietzsches werden viele Stimmen laut werden. Denn schon ist die Stunde gekommen, wo sein Wort auch die Fernsten erreicht hat, wo er jede Seele zum Erklingen gebracht hat, daß sie irgendwie tönt. Und so werden sie auch bei diesem Ereignis sich so oder so vernehmen lassen. Wenn ich in diesem stillen ernsten Hause, wo dieser Große verlosch, an seinem Sarge ein Wort zu sprechen von denen, die ihm am nächsten standen, aufgefordert bin, so kann ich auch meinerseits es nur so tun, daß ich sage, wie ich hier empfinde. So allein ist es im Sinne des Toten. Es kann nicht ausbleiben, daß in meinen Worten die Stimmung, einer gewissen Jugend von heute, eines Gliedes in der Kette der Geschlechter sich ausdrückt. Und mehr noch, selbst meine allerpersönlichsten Empfindungen darf ich in diesem Augenblick nicht verleugnen, soll, was ich sage, nicht farblos und nichtig werden. Und so, meinem Gefühl folgend, mit der Wahrheit, die mir diese heilige Stunde zur Pflicht macht, sage ich: am Grabe dieses Mannes ist jede Klage verboten. Mögen die, die ihm menschlich nahe standen, denen er von Jugend auf durch natürliche Bande oder lange Jahre durch Bande der Freundschaft angehört hatte, mögen sie in Erinnerung an sein lebendiges Bild, ein Bild voller Heimlichkeiten, Zartheiten, weihevoller Schönheiten und hehrer Größen, ihrem Schmerz Ausdruck leihen. Wir ehren diesen Schmerz. Sie verlieren endgültig, letztgültig ein Unendliches, etwas, dessen Wert von uns Ausgeschlossenen keiner ermessen wird. Aber wir, die wir ihn als Menschen nicht mehr kennen sollten, die wir ihm so nahe gekommen sind, bis dicht an die Pforte – auf dieser Pforte aber prallt uns entgegen: Unmöglichkeit – wir, die wir nur sein geistiges Erbe noch fassen konnten, wir dürfen nicht klagen. Alles Klagen ist leicht ein Beklagen, und wer sind wir, daß wir dieses Leben beklagen dürften! O nein, dieser Mann verbittet sich unser Mitleid! jedes Mitleid, das wir Kleinen, Kurzlebigen, Heutigen diesem Leben darbringen, macht uns verächtlich. Dieser Mann ist zu stolz, als daß er je von irgendwem beklagt werden möchte. Ist er doch der große Jasager, der auch züi seinem Leben ja sagt, der es nicht geändert wissen will, vorwärts nicht, rückwärts nicht, bis in alle Ewigkeit nicht. Und da sollten wir weinen und klagen? Betrachten wir sein Leben. Frühzeitig, wider alle Erwartung schnell erkennt man ihn als selten bedeutend. Wider allen Brauch überträgt man ihm geachtete Stellungen, ehe er noch seine Vorbereitung geendet. Man wartet nicht, bis er sich um Ehren bewirbt, man schickt sie ihm aus eigenem Antriebe zu. Und seine ersten Schriften wirken. Ein Freundeskreis umgibt zustimmend, ja jubelnd den jungen Denker, der auch hier schon Töne eines Propheten anschlägt. Und mehr als dies: das Schicksal führt ihn jenem großen Künstler zu, dessen Bild damals wie heute seltsam in der Parteien Gunst und Ungunst schwankte, dem man aber wohl nie den Namen eines großen Künstlers wird rauben können. Ich glaube, es ist im Sinne Nietzsches, wenn ich hier Richard Wagner erwähne. Durch dies Verhältnis fiel ein seltsamer Glanz in seine Jugend. So lernte er doch einmal aus vollem Herzen kennen, was er später verlernen mußte: verehren. Welch Gefühl für ihn, da in seinem späteren Leben es nichts mehr gab, das er verehren konnte, da er immer mehr unter sich fühlte! Aber dann kam freilich alles anders. Die große äußere Laufbahn, die man nach seinen ersten Erfolgen voraussah, mußte ausbleiben. Und die Freunde wurden ihm fremder und fremder. Wer hätte ihm auch folgen sollen, als er seinen Weg einschlug? Das Entscheidende aber war: – das Verhältnis zu Richard Wagner zerbrach. So wurde er der ganz Einsame. Aber ich frage: waren diese Opfer nicht notwendig? Hat er sie nicht selber gewollt? Wie hätte er die Freiheit zu seinem Werk finden sollen – und zu keinem Werk bedurfte es größerer Freiheit! – wenn er nicht jede Brücke hinter sich abgebrochen hätte? So sehen wir ihn von nun an ein unstätes Wanderleben führen, in den höchsten Bergen und unter den Denkmälern einer alten Kultur. Ein wundersamer Anblick, wie er so, auch der letzten Fessel entledigt, in einem Meer von Freiheit, sein Werk schafft. Es ist kaum erfindlich, in unsern gedrückten, eng gepreßten Tagen dieses Übermaß von Freiheit! Als so ein königlicher prachtvoller Einsiedler des Geistes lebte er, wie sie nach seinem Urteil sonst unsern Zeiten so ganz abgehen. Für alle Zeiten wurde sein Leben die große Schule der Unabhängigkeit. Und was wurde er in dieser Zeit? Er wurde der forschendste, grabendste Geist, der bis in die verborgensten Winkel hinabstieg; er wurde der schaffendste Geist, bei dessen Schaffen nicht nur Funken und Splitter, nein, Blöcke stoben; er wurde der feinfühligste Geist, der jedes leise Erzittern der menschlichen Seele erhorchte, erriet und selbst in unserer schweren Sprache noch ausdrückte; und vor allem: er wurde das Genie des Herzens, das jeden Widerstand lähmt, der große Bestricker und Bezauberer aller, dem jeder, wenn er nur erst einmal seine Stimme gehört hat, für immer verfallen ist. Und so schuf er Werk auf Werk. Immer höher stieg er hinauf, immer eilender, bis auf den höchsten Gipfel, wo er sich eben anschickte, eine letzte große Umschau zu halten: – da traf ihn der Blitz. Wenn man aber dies stolze Leben bewundert und segnet, vielleicht sieht man in diesem jähen Zusammenbruch gerade zur entscheidenden Stunde etwas, das ewiger Klage wert wäre. Ich verstehe das wohl und doch frag ich auch hier: will man noch mehr haben? Erst wollten wir seine Schätze nicht annehmen und nun können wir nicht genug haben. Ich meine, dieser Mann grub Gold, schüttete Gold aus, genug, um jeden Geiz zu befriedigen. Vielleicht liegt gerade mir diese Auffassung nahe, der ich das Glück habe, in seinen hinterlassenen Papieren zu arbeiten. Sieht man da erst die ganze Fülle seines Schaffens und wie sehr, zumal in den letzten Jahren, seine Werke, die in aller Händen sind, nur Bruchstücke sind von dem Gesamtbau, den er aufgeführt hat, da fragt man sich allerdings: war ein Mehreres überhaupt möglich? Und schließlich dieser Tod. Nietzsche fragt einmal, ob er an seinem Sturme zugrunde gehen werde oder verlöschen wie ein Licht. Es hat sich beides erfüllt. Erst ging er an seinem Sturme zugrunde und dann verlosch er wie ein Licht. Auch dieser doppelte Tod kann viel bedeuten, kann, wenn man will, seinen Sinn haben. Nietzsche konnte die Menschheit entbehren; es fragt sich nur, ob die Menschheit Nietzsche entbehren konnte. Es ist, als ob Nietzsche mit der Art seines Sterbens eine furchtbare Strafe habe verhängen wollen. Eben als er auf seinem letzten Gipfel war, als es nun nicht mehr lange währen konnte, daß er erkannt wurde, da schied er dahin; aber nicht ganz! Ein Rest von ihm verblieb noch, genug, um uns zu lehren, was wir uns hatten entgehen lassen! Wir sahen ihn noch, dies Haupt voll Hoheit, voll königlichem Stolz, von dem weich und voll das Haar herabfiel. Wie aus Urzeiten der Menschheit war hier ein Weiser wieder aufgetaucht. [I]fortsetzung folgt ...[/I] |
| Sanyasin | [I]Teil 2[/I] So weckte er Sehnsucht und Sehnsucht. je mehr er hinschwand, um so lebendiger ward er. Das ist von diesem Tode zu sagen: um Tote soll man klagen und nicht um Lebendige. Dieser Mann, der hier im Sarge liegt, der ist nicht tot: wir, die wir ihn umstehen, wir sind Schatten, leichenfahle Schemen gegen das üppige Leben, das hier im Sarge blüht. Es gab nie einen lebendigeren Toten! Und dieser sieghafte Gedanke, glaube ich, könnte Trost bringen auch in das bekümmertste Herz, in eine Schwesterseele, die ihres Lebens ganzen Inhalt in der sorgenden Gemeinschaft mit dem Verstorbenen sah. Es ist keine Nacht die mit diesem Tode hereinbricht, wie bei anderen Menschen; es ist ein Morgen, ein neuer Tag. Unendliche Morgenröten sehen wir aufleuchten. Wie alles in ihrem Lichte gebadet liegt! Spüren wir es nicht? Ich glaube zu sehen, wie der Tote sich aufrichtet, wie er hoch aufsteht – und zu seinen Füßen stürzt sich eine Welt. Nicht als ob wir glaubten, wir könnten schon heute seinen Wert ermessen. Kein Wissen haben wir von ihm. Es ist, als ob wir an einem Meere ständen; die Wellen schlagen an unser Ohr; aber seine Weite ahnen wir nicht. Nur wissen wir, daß Nietzsche kommt; immer näher kommt er, immer höher; es gibt keine Rettung; Nietzsche wächst. Hören wir nicht die Geister, die er ausschickte, über uns in den Lüften schwirren? Sie sind nahe, die gefährlichen, unheimlichen, aber erquickenden, aber herzstärkenden Tauwinde, die er ankündigt. Warten wir nur: – um ein Kleines, und alles alte Eis bricht. Wir klagen an diesem Sarge nicht. Nicht daß wir nicht wüßten, daß dieses Leben das leidvollste war. ja, ich wage zu behaupten, dieser Mann, der das höchste Glück brachte, so daß es eine Menschheit nicht ausschöpft, war selbst wohl der unglücklichste Mann, den je die Erde getragen hat. Er kannte die Schmerzen, wie sie noch keiner auf Erden gekannt hat, Schmerzen des Leibes und Schmerzen der Seele, gleichsam als wollte das Schicksal an ihm selbst Rache nehmen, ein für allemal Rache für alte Freude, die von ihm ausgehen wird, als wenn es ihm um diesen Preis nur gestattet hätte, seinen Glücksborn zu öffnen. Wir wissen, alles, was Nietzsche leistete, leistete er, wie er sagt, »trotzdem«. – Wenn wir hier des Abends, wenn die Sonne tiefer geht, in seinen Heften mit seinen ewigen Schriftzügen blättern, und uns da ein Schreiben in die Hände fällt, ein Brief an einen Jugendfreund, aus seiner Einsamkeit, seiner Höhle, wie er sagt, herausgeschrieben, und wenn er da den Freund bittet, seine Kinder in seinem Namen zu streicheln, und er dann gleichsam in Vorahnung seines Geschicks über sich Wehe! ruft: wie? wenn er diese Einsamkeit einmal nicht mehr ertrüge! schon müsse er Musik brauchen wie Saul, um sich aufrecht zu halten; zum Glück habe ihm das Geschick auch einen treuen David bescheert: – es gibt Töne bei Nietzsche, die auch das härteste Herz spalten. Und dennoch! Das Aufsuchen der düstersten, fragwürdigsten Seiten des Lebens ohne Zittern lehrt Nietzsche, das Jasagen auch zu den fremdesten, unerfindlichsten Schicksalen. Wohlan! Beweisen wir Nietzsches Lehre an ihm selbst zuerst! Hier ist ein fremdartiges Schicksal. Hier vor uns im Sarge liegt Friedrich Nietzsche, der ausgezogen war, um wiederzukehren, der selbst seine Lehre noch hatte künden wollen, der flehend zu seinem Schicksal gesprochen hatte: spare mich auf zu einem großen Siege. Vergegenwärtigen wir es uns ganz – aber klagen wir nicht. Zu Zarathustra kommen die Vertreter der Menschheit, um ihn zu versuchen; sie wollen ihn zu seiner letzten Sünde verführen, zum Mitleiden mit dem höheren Menschen. Ist es nicht, als ob das Blatt sich gewendet hätte, als ob jetzt Nietzsche zur Menschheit käme, als ob er mit seinem Leben und Schicksal die Menschheit versuchen wollte, sie zu ihrer letzten Sünde verführen, zum Mitleiden mit dem höchsten Menschen? Daß sein Los, das Schmerzliche seines Loses derartig ist, daß an ihm, wenn es fortgepflanzt von Geschlecht zu Geschlecht immerfort wächst, schließlich eine Menschheit zerbrechen könnte, bezweifle ich nicht. Es gab in der Menschengeschichte keine größere Tragik. Nietzsches Leben und Schicksal wird ewig der Prüfstein seiner Lehre sein. Aber darum wohlan! Halten wir Stand! Der große Mittag bricht niemals an, wenn wir nicht diese erste Probe bestehen – und nach uns alle Geschlechter. Ich weiß, meine Rede klingt seltsam. Aber nur dann wird dies große Werk nicht vergeblich sein, wenn wir zu dieser Losung uns aufschwingen. Ich rufe als Zoll meiner Dankbarkeit, als Gelübde für jetzt und die Zukunft über das Grab Friedrich Nietzsches, des unzeitigst gestorbenen, die Worte: amor fati! »Höchstes Gestirn des Seins! Ewiger Bildwerke Tafel! Du kommst zu mir? – Was keiner erschaut hat, deine stumme Schönheit – wie? sie flieht vor meinen Blicken nicht? Schild der Notwendigkeit! Ewiger Bildwerke Tafel! – aber du weißt es ja: was alle hassen, was allein ich liebe, daß du ewig bist! daß du notwendig bist! Meine Liebe entzündet sich ewig nur an der Notwendigkeit. Schild der Notwendigkeit! Höchstes Gestirn des Seins! – das kein Wunsch erreicht, das kein Nein befleckt, ewiges Ja des Seins, ewig bin ich dein Ja: denn ich liebe dich, o Ewigkeit.« [IMG]http://www.virtusens.de/Friedrich_Nietzsche/spuren/orttexte/grafik/todmask_kl.jpg[/IMG] [SIZE=1]Dr. Ernst Horneffer, Nietzsche-Vorträge, Verlag von Dr. Werner Klinkhardt, Leipzig 1908, S. 133 ff.[/SIZE] Gestern habe ich einen Film gesehen: The Others, mit Nicole Cidman. Ein hervorragender Film. Eine Szene aus dem Film, als die Frau das Totenbuch betrachtet indem die Toten mit einer Photographie abgebildet waren um Ihre Seele zu bewahren. Was haltet Ihr von diesem Brauch? Karl |
| Kildare | Ein Totenbuch...Für nachfolgende Generationen ist so etwas bestimmt sehr interessant. Und sinnvoll, denn dann müsste man nicht mühsam aus allen Ecken Bilder zusammen betteln. Vielleicht sollte man den Bildern auch ein paar Zeilen hinzufügen, einen Brief, den der Tote geschrieben hatte oder sein Lieblingsgedicht, damit wirklich etwas von ihm bewahrt wird. Ein Buch mit "meinen" Toten? Lieber nicht. Das würde sehr weh tun, wäre ein schrecklich kompaktes Zeugnis des Verlusts. So lange diejenigen, die den/ die Verstorbene/n kannten noch leben, ist die Erinnerung an ihn lebendig. So lange, braucht man meiner Meinung nach, kein Totenbuch. Allerdings müssten wir es anfertigen, bevor wir gehen. Vielleicht wäre es besser, jeder schreibt seine eigene Seite? |
| Sanyasin | Die Idee mit dem eigenen schreiben ist natürlich nich neu. Aber immernoch schön. Ich erinnere mich an die Totenbücher um das 19 Jahrhundert. Dort wurden die Toten angezogen, Hut, Stock und Gesangbuch (im Übertragenen Sinne), auf einen Stuhl oder Sessel gesetzt und Abgelichtet, Kinder in Wiegen. Ich habe sogar eine Photgrafie gesehen, in der eine alten (tote) Frau an ein Spinnrad gesetzt wurde. ..... es war nicht einfach diese schlafenden Gesichter zu betrachten mit dem Wissen. Sie schlafen, jedoch werden sie nie wieder erwachen. Karl |
| Kildare | Nein, die Idee, seine eigene Seite zu schreiben, ist natürlich nicht neu. Ich habe mir allerdings noch einmal Gedanken darüber gemacht und weiß nicht mehr, ob sie überhaupt funktionieren würde. Schließlich wissen viele Menschen nicht im vorhinein, wann sie sterben werden. Also wann schreiben? Mit der Zeit ändern sich ja auch Ansichten und Priotitäten. Was einem jetzt wichtig erscheint, mag es in einem Jahr nicht mehr tun. Und ich denke, vor allem das, was man hinterlassen möchte und auf welche Weise man es zu erreichen glaubt, bleibt nicht konstant. Vielleicht wäre es doch besser, wenn Freunde und Familie sich zusammen setzten und versuchten, den Toten/ die Tote mit dieser Seite im Totenbuch zu beschreiben. Schwierig.... Mir ist aufgefallen, dass früher, z.B. als meine Mutter noch ein Mädchen war, der Umgang mit den toten ein anderer war. Heute schafft man sie sofort aus dem Haus oder sie sterben im Krankenhaus oder Pflege-/Altersheim. Es ist nicht leicht, noch einen Blick auf den Toten zu erhaschen. Bei der Beerdigung ist der Sarg verschlossen. Mein Großvater ist noch aufgebahrt worden. Heute gilt das als unhygienisch. Ist das wahr? Ein Foto wie die von Ihnen beschriebenen erscheint undenkbar - [I]makaber[/I]. Dabei zeigt es nur den Menschen, wie seine Angehörigen ihn gekannt haben. Mir ging es bei einer Fotografie vielleicht ähnlich wie Ihnen: Das Bild zeigte einen Teil meiner Familie, alle in schwarz/weiß, sie hatten um die Jahrhundertwende gelebt und ich wusste, dass sie alle bereits gestorben waren. Ich hatte keinen von ihnen gekannt. Trotzdem habe ich in diesem Moment ein seltsames Gefühl des Bedauerns gehabt, darüber, viel zu wenig über diese Menschen zu wissen. Ein Totenbuch hätte mir da helfen können. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu wirr ausgedrückt und bin nicht zu weit vom Thema abgekommen. Kildare |
| Sanyasin | hallo Kildare, nein, wie könnte jemand behaupten Sie hätten sich falsch ausgedrükt. Ich finde gut was Sie sagen. Ich arbeite ja als Seelsorger in einer Hospizeinrichtung hier in Nürnberg. Wir haben auch ein "Totenbuch", dass eigentlich ja ein Gästebuch ist. Die Bewohner unserer Einrichtung tragen sich hier ein, mit Bildern, Gedichten, Texten oder sogar getrochneten Blumen, Laub. Alles was Ihnen wichtig war. Leider führt das Buch keine Bilder nach Ihrem Tod, man sollte mal darüber nachdenken so etwas einzuführen. Ich finde daran nichts makaber. Ich arbeite sehr daran den Tod wieder "normal" in unser Leben einzubinden. Vielleicht sollte man überlegen in Nachtwelten ein Totenbuch zu gestalten. Jeder hat Menschen die einem viel bedeuten, ein Bild, eine Seite in diesem Virtuellen Buch liesse sich auch gestalten. Mit Gedichten, Bildern, Gedanken, Texten. Es bleibt noch viel zu tun, damit das sterben Menschenwürdig wird in unserer Gesellschaft, die alle Lebensabschnitte mit so grosser Sorgfalt vorbereitet. Mich würde Ihre / Eure Meinung dazu interessieren. Ich hätte Interesse ein solches Buch zu beginnen. Alles liebe Karl |
| decay73 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Sanyasin [/i] [B]Mich würde Ihre / Eure Meinung dazu interessieren. Ich hätte Interesse ein solches Buch zu beginnen. [/B][/QUOTE] Also mir gefällt diese Idee eigentlich ziemlich gut... Viele Grüße, [i]decay[/i] |
| Sanyasin | [I]nochmal zum Thema Totenbuch/ Bücher[/I] da ich in dieser kurzen Zeit jetzt sechs persönliche nachrichten erhalten habe, möchte ich Ihre Fragen und meine Vorstellungen zum Totenbuch hier erläutern. Den meisten wird das Amduat, das Ägyptische Totenbuch bekannt sein. Es gibt auch ein Tibetanisches od. Islamisches Totenbuch. Normalerweise ist "Totenbuch" der Ausdruck für eine Spruchsammlung, die dem Toten ins Grab mitgegeben wurde. Das bsp Ägyptisches Totenbuch war als eine Art Pass ins Jenseits zu verstehen, eine Anleitung für den Verstorbenen mit verschiedenen Zaubersprüchen, mit deren Hilfe er sich im Totenreich zurecht finden soll. Da ich denke, dass niemand berichten kann (oder genau berichten kann) wie es im Jenseits ist, sollten die Lebenden auch keine Richtlinien den Toten überreichen. Die meisten von uns wissen schon nicht im Leben zurecht zu kommen, wie sollen sie dann vom Jenseits wissen. Ich würde das Totenbuch im Sinne von Immanuel Kant führen. Zitat: [I]"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird." [/I] Ein Totenbuch, gegen das vergessen.Es ist für viele oft sehr wichtig, nach dem Tode nicht in Vergessenheit zu geraten. Erfahrungen, Weisheiten oder letzte Grüße wollen weitergegeben werden. Es ist doch so, dass viele ohne Erinnerungsstücke an den Verstorbenen zurück bleiben müssen. Ich hätte gerne ein Bild von meinenm Ur-Ur Grossvater, was er darstellte, was er dachte. Vieles aus der Vergangenheit würde mich interessieren. werden, ohne wichtige Dinge ausgesprochen zu haben. Das Internet bietet doch eine Möglichkeit mit Bildern, der eigenen Stimme, kurzen Filmen oder dem geschriebenen Wort ein kleines Vermächtnis wachzuhalten. natürlich könnte man eine Homepage gestalten. Es ist so vielles Möglich. Ich stelle mir das so vor: Im Totenbuch kann jeder Seiten (Beiträge) eröffnen. Eine Gedenkstätte für verstorbene, Bilder (soweit das im Forum erlaubt ist), Gedichte, Texte - Links zu Videos oder Lieblingsliedern. Es liegt ja vieles auch in der Vorstellungskraft jedes einzelnen. Vielleicht wird auch jemand seine eigene Totenseite aufschlagen, etwas hinterlassen für die nachwelt. Was denken Sie. Wie könnte man diese Idee weiterspinnen? Ist es Möglich so etwas in die tat umzusetzten? Karl |
| decay73 | Im Prinzip geht es schon. Nur habe ich jetzt doch die Befürchtung, daß es bei vielen Bildern zu erheblichen Problemen kommen wird. Die dann bei jedem Thread-Aufruf zu bewältigende Datenmenge wäre dann wohl zu groß, leider. Gedichte, Texte, Links sind aber kein Problem. Ich würde dann vorschlagen, einfach einen entsprechenden Thread aufzumachen, in dem jeder seinen Beitrag schreiben kann. Inhalt sollte dann das sein, was man auch in einem 'echen' Totenbuch schreiben würde. Gruß, [i]decay[/i] |
| Odessa | Lieber Karl, ich hab sowas bereits gemacht...zu "islamischen Zeiten" meinereiner und auch jetzt...auch auf meiner hp hatte ich eine Zeitlang meinen Toten ein virtuelles "Buch" gewidmet. Die Idee, es hier zu tun, finde ich wunderbar. Wo sonst wenn nicht auf einem "sinistren" Forum hätte sowas Platz. Meine "Unterstützung" hast Du. Liebe Grüsse an die "Luft", das Projekt-Feuer ;-) |
| Kildare | Obwohl ich mit der Technick manchmal auf Kriegsfuss stehe, würde ich mich sehr gern an einem virtuellen Totenbuch beteiligen. Ich habe hier im Board schon öfter Bilder gesehen und denke, dass man es vielleicht mit ihnen versuchen könnte. Aber decay73 wird sich damit besser auskennen. (Nicht ironisch gemeint, ich habe nur sehr wenige Bilder auf dem Rechner und daher wirklich keine Ahnung.) Wird es leichter, wenn man sich auf schwarz/weiß Bilder beschränkt? Ich weiß leider nicht mehr, von wem das folgende Zitat stammt, aber ich finde, es passt hierher: "Was wir bergen in den Särgen ist der Erde Kleid. Was wir lieben ist geblieben, bleib in Ewigkeit." Ich muss sagen, dass Sie mich beeindrucken, Sanyasin. Oder ehr neugierig machen? Ich hatte mit der Kirche und dem Glauben fast abgeschlossen, aber Sie machen den Eindruck, als wäre doch nicht die ganze Frucht verfault. Schön. LG Kildare |
| decay73 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Kildare [/i] [B] Wird es leichter, wenn man sich auf schwarz/weiß Bilder beschränkt? [/B][/QUOTE] Nein. Das Problem ist, daß man Bilder in einem Thread nur per Verlinkung einfügen kann (ich meine jetzt nicht einen einfachen Link -das ist völlig unproblematisch-, sondern das Einfügen eines Bildes per Verlinkung über die IMG- Funktion). Das Problem bei zu vielen Bildern ist, daß bei jedem Threadaufruf die Bilder dann neu erzeugt (hochgeladen) werden müssen. Und da dies logischerweise wesentlich aufwendiger als bei einfachem Text ist, käme es recht schnell zu Problemen. (So in etwa hab ich das jedenfalls verstanden...es geht letztlich um die Datenmenge und die ist bei einem Bild wesentlich höher als bei Text - auch wenn es s/w ist). Auch reine Text- Threads machen irgendwann Probleme, weshalb die Freundeskreise auch auf 1000 Beiträge limitiert sind. Ein paar Bilder sind noch nicht problematisch, aber wenn in jedem Beitrag mindestens ein Bild zu sehen ist, wirds schnell eng (und ich hoffe doch, daß dort schon ein paar Beiträge zusammenkommen). [i]decay[/i] |
| Sanyasin | hallo zusammen, ich habe mich gestern am Totensonntag daran gewagt, die [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?threadid=40755]Nachtweltenbücher [/URL] zu erstellen. Schon bei der erstellung wurde mir bewusst, dass der Thread mit der Zeit wachsen wird. man kann nicht nach dem ersten tag 10 Beiträge erwarten. Das was in ein Totenbuch stehen soll, muss doch gut durchdacht werden. Mit den Bildern habe ich mich entschieden, das nur externe links zu Bilder erlaubt sind (eben wegen der Datentransfermenge), ich möchte nicht das der Thread wegen technischen Probleme geschlossen wird. Desweiteren habe ich mich entschlossen, an einigen Stellen Bilder einzufügen, um die Stimmung diediese Bücher sicher transportieren werden zu unterstützen. Decay sagte es ja, einige Bilder werden dem Thread nichts ausmachen. Einen lieben gruss Karl |
| Sanyasin | Wer auch zum Tod dankbar ja sagen kann, der hat keine Angst vor ihm. Und die Freiheit von jeder Todesangst ist die Voraussetzung, dass wir uns überhaupt frei fühlen können. Wer die Augen vor dem Tod verschließt, der muss ständig in der Angst leben, dass ihn der Tod doch irgendwann überfallen wird wie ein Dieb. Er ist permanent auf der Flucht und wird von seiner Angst getrieben, immer mehr vor der Wahrheit seines Todes davonzulaufen. Das Wissen, dass unser Leben nicht uns gehört, dass wir kein Anrecht auf ein langes Leben haben, sondern dass wir es von Gott empfangen haben und es ihm daher dankbar zurückgeben müssen, ist der tiefste Grund wahrer Freiheit. (Anselm Grün durch Ingrid Lang, Hüttenberg) |
| Kildare | "Gegen den Tod brauche ich keine Waffe, weil es keinen Tod gibt. Es gibt aber eines: Angst vor dem Tod. Die kann man heilen." H. Hesse Angst beschränkt das Leben. Wegen der Höhenangst gibt man das Klettern auf, das man als Kind so geliebt hat, wegen der Platzangst die engen Höhlen und wegen der Angst vor Spinnen den Keller und die Natur. Und hinter allem steht die große Angst, dass da etwas sein könnte, das einen tötet. Wegen der gibt man die Verbindung zum Tod auf, also einen Teil seiner selbst. Ich konnte beobachten, dass viele Menschen vor jemandem, der eine für ihn wichtige Person verloren hat, eine Art Scheu entwickeln. Wenn die Frage kommt: Was macht denn...? und man antworten muss: Der ist tot. dann tritt dieses Schweigen ein. Als ob man einen Toten nicht mehr hätte erwähnen dürfen. Als wäre der Tod ansteckend und seine bloße Erwähnung könnte sein Eintreten beschleunigen. Wenn ich von einem Toten erzähle, bekomme ich oft zu hören: Wie traurig, dass er gestorben ist. Ja. Aber auch: Wie gut, dass ich ihn kennen durfte. Tote werden reduziert auf den Fakt, dass sie nicht mehr leben. Und alles andere was sie waren, tritt hinter dieser endgültigen Tatsache so weit zurück, dass sich kein "Außenstehender" mehr dafür interessiert. Aus Angst, etwas "Falsches" zu fragen, zu sagen? Da ist sie wieder, die Angst. Angst kann man heilen? |
| decay73 | Wegen 'Fakerei' geschlossen und nach Ruhe Sanft verschoben.. decay73 |