| ignisetferrum | Wir sollen einen Vortrag halten, in Englisch, in dem wir das Thema Liebe zu Zeiten Shakespeares - also der Renaissance - darbieten sollen... Der Termin rückt immer näher (Montag) und langsam verzweifel ich wirklich.. Vielleichts gibts ja unter euch ein paar,die sich da besser auskennen... Es geht darum, wer wen lieben durfte und wer nicht und warum.. Auch um die Liebe zw. Eltern und Kindern, die ja so ganz anders war.. meiner Meinung nach: - war Liebe zwischen den unterschiedlichen Ständen nicht erlaubt (das heißt: so kann man das ja auch nicht sagen..eher: eine Ehe wurde nicht geduldet) - suchten die Eltern meistens den Partner für einen aus - war die Liebe von Kindern gegenüber ihrem Vater eher wie Respekt zu einem Herren, in etwa so wie ein Volk seinen König zu lieben hatte..zumindest denk ich mal, dass man das so beschreiben kann.. Ich verzweifel...:rolleyes: ich weiß langsam echt nicht mehr weiter.. Wenn Gott Google doch nur mal etwas mehr wüsste..oder mir passende Suchbegriffe einfallen würden...:/ |
| The Archer | Ich bin kein Experte für Shakespeare, aber vielleicht kann ich dir ein wenig Einblick geben in die Auffassungen von Ehe und Liebe während des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit. Liebe und Ehe waren zweierlei. Die Ehe in Mittelalter, Renaissance und früher Neuzeit war eher ein Zweckbündnis in dem es darum ging, eine materielle Absicherung für die Kinder und auch für sich selbst zu erhalten. Ein wirtschaftliche und soziale Partnerschaft, keine Liebesangelegenheit, obwohl daraus natürlich auch eine starke Partnerschaft, wenn nicht sogar Liebe werden kann und oft auch wurde. „Ehe“ stammt vom althochdeutschen „ewa“ und bedeutet „Vertrag“. Kein Vater hätte seine Tochter einem dahergelaufenen Spielmann anvertraut, der von der Hand in den Mund lebt und keinerlei Ansehen genießt. Vielmehr wären ein erlernter Beruf und eine ordentliche Herkunft relevant, denn immerhin versorgten die Kinder ja auch die Alten, indirekt ging es den Eltern natürlich um die eigene Altersvorsorge. Ganz wichtig war natürlich auch die Frage nach der elterlichen Mitgift und den Erbschafts-Verhältnissen, es dürfte wohl klar sein, dass eine ärmliche Bauerntochter den künftigen Schwiegereltern nicht ganz so gut geschmeckt haben mag, wenn sie es selbst zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben. Natürlich lag den Eltern durchaus auch das seelische Wohl der Kinder nahe, nur ging es eher darum, dass sich die zukünftigen Eheleute gut miteinander verstanden und Kinder in die Welt setzten. Ehemänner, die regelmäßig ihre Frauen verprügelten, waren nicht minder verpönt als heute. Zwar konnte in solch einem Fall eine Ehe annulliert werden, nur wer versorgte dann die Frau und ggf. die Kinder? Nicht zuletzt war da auch die Frage was tun, wenn einer der Ehepartner plötzlich verstirbt? Einer Frau mit drei Kindern am Rockzipfel blieb nichts anderes übrig als wieder zu heiraten, und auch das war ganz sicher keine Liebesheirat. Mindestens genauso wichtig wie alle materiellen Gründe war auch die klipp und klare Rollenverteilung in der spätmittelalterlichen Gesellschaft. Eine Frau hatte sich um den Haushalt zu kümmern, Kinder zu gebären und groß zu ziehen, der Mann hatte sich darum zu kümmern, dass er Arbeit hatte. Zwar löste sich dieses starre Bild in der Neuzeit etwas auf (d.h. es gab z.B. in den Städten durchaus Frauen, die z.B. im Betrieb ihres Mannes mithalfen), dennoch blieb das Grundprinzip im Wesentlichen bestehen. Mit der Liebe war es so eine Sache: klar wussten auch die Eltern, was Liebe und Verliebt sein ist. Nur war ihnen auch klar, dass das Verliebt sein irgendwann verblassen kann und das oft auch tut. In unserer heutigen Gesellschaft gehören die Begriffe Liebe & Sex eher zusammen als im Mittelalter, hier gehörten eher Ehe & Sex zusammen. Sex war Notwendigkeit, die Frage nach der Lust und Liebe stand an zweiter Stelle. Ehebruch galt als schlimmes Verbrechen, egal ob aus Lust oder aus Liebe. Neben dem Verlust des gesellschaftlichen Ansehens, was schlimm genug war, hatten vor allem Frauen ein Problem. Ein unehelich geborenes Kind war vollkommen rechtlos und hatte auch später keine nennenswerten Chancen in punkto Ausbildung etc. Dies führte häufig dazu, dass Säuglinge ausgesetzt oder getötet wurden –Kindsmord wurde jedoch mit dem Tode bestraft. All diese Verhältnisse können im Wesentlichen vom Mittelalter in die Neuzeit übertragen werden. In den wachsenden Städten ging es sicherlich manchmal etwas fortschrittlicher zu als auf dem Lande, so dass die zeitlichen Grenzen ein wenig fließend sind. Was sich allerdings verändert hat vom Mittelalter zur Neuzeit, ist das Bild von der Liebe, zumindest kann man es anhand der verschiedenen Kunstströmungen, insbesondere der Literatur festmachen. Liebe im Spät-Mittelalter war vor allem ein Idealbild. In der mittelalterlichen Minne wurden Frauen auf ein imaginäres Podest gestellt und verehrt, bestes Beispiel ist Dantes Vita Nova, in dem sich der Protagonist unsterblich in eine unerreichbare Frau verliebt. Die Liebe ist stets rein und edelmütig, beinahe als Abstraktum. Dem gegenüber steht Shakespeare wie eine gewaltige Symphonie: Liebe, Tragik und Tod in Romeo und Julia. Rasende Eifersucht in Othello! Der Kaufmann von Venedig, wo stehen Leichtsinn und Leidenschaft so nah beieinander? Wie viel Liebes-Chaos gibt es in Was Ihr wollt? Shakespeare war einfach ein Meister der Liebe, ließ aber auch in die seelischen Abgründe seiner Figuren blicken. Seine Charaktere waren oft keineswegs "ritterlich", sondern leidenschaftlich wie das Feuer. Ich hoffe, dir wenigstens ein Stück weit geholfen zu haben. Viel Erfolg! |
| ignisetferrum | vielen lieben Dank :) |
| Trinity Goth | Warst du mal in der Bibliothek ( Uni Bibs oder auch Stadtbibliotthek) dort solte sich Literatur finden lassen. Ansonsten schau mal bei [url]http://www.hausarbeiten.de/[/url] Manchmal hat jemand schon zu diesem Thema gearbeitet. closed Trin |