| gelb | [I]Ich werde diesen Thread nun hier unterbringen, weil ich denke, dass er nichts mit schwarzer Szene und ähnlichem zu tun hat und deswegen eben gerade nicht in "Augen durch die Nacht" gehört..[/I] >Geisteskind< Mit diesem Namen bezeichnet sich ein Mann namens Michael Kiske. ------------ Kurze Vorgeschichte: Wer zumindest einen Fuß in der (Heavy)Metal-Szene hat, wird diesem Namen sicherlich schon einmal begegnet sein. Herr Kiske war jahrelanger Sänger der Heavy-Metal-Band "Helloween". Viele der Hörer schätzten ihn aufgrund seiner phantastischen Stimme. Eines Tages verkündete dieser Mann seinen Ausstieg bei "Helloween" mit denen er einen unglaublichen Erfolg erlebt hatte. Viele Metaller waren zutiefst erschüttert über seinen Weggang. ------------ Nun, soweit zu den Gegebenheiten. Michael Kiske hat sich seitdem augenscheinlich stark verändert, er ist nun radikaler Christ. Seit kurzer Zeit tritt er wieder in einschlägigen Musikmagazinen auf, und zwar mit einer Aussage: [QUOTE]Metal ist die Musik der geistigen Verdummung![/QUOTE] Er äußert seine Meinung darin, dass alle Metaller satanische Texte verwenden und ihre Musik die der "moralischen Loser, der Antichristen und der Verräter an der Menschheit" sei. Ein weit verbreitetes Vorurteil, sagen viele. Es gibt nämlich auch genug Metalbands, die weder solche Texte verwenden noch aufgrund ihrer Musikausrichtung zwangsweise Satanisten sind. Ich weiß nicht, ob ihr damit jetzt etwas anfangen könnt, aber findet ihr es in Ordnung, dass ein Mann, der selbst solche Musik gemacht hat und immer noch aus den Einnahmen davon lebt, so über eine gesamte Szene herziehen kann und derart verallgemeinern darf? ------------ Wer interessiert ist, kann sich ja mal Kiskes Aufsätze auf seiner Homepage [URL=http://www.geisteskind.de]Geisteskind[/URL] anschauen. Tipp: "Der Spießer" |
| Jester | So, vorerst einaml, ob das Thema nun hier richtig ist oder nicht in Augen durch die nacht oder dem Tonwer kauch passend wäre sei mal dahingestellt. aber zum etgentlichen Thema: Letztendlich denke ich das jeder Mensch das Recht hat sich über die Zeit hinweg zu ändern, ja das es sogar durchaus dazu kommen kann, das man aufgrund von Ereignissen in seinem Leben eine recht radikale Veränderung durchmachen kann. ich kenne die Biographie von Kiske nun nicht, hätte den Namen des Sängers von Halloween noch nicht einmal gekannt muss ich zugeben, was allerdings ja irrelevant für deine Frage ist. Wie gesagt finde ich es weniger schlimm wenn sich ein Mensch ändert, auch wenn eine Betrachtung der Gründe bei so einem starken Wandel durchaus von Interesse sein können. Was mich mehr verwundert ist wenn solche Menschen, die sich von einer Sache abwenden im Nachhinein über das Feld das sie verliessen Salz streuen. Ich weiss jetzt auch nicht in welchem Masse Kiske dies tut, ich habe mir die Texte nicht zu Gemüte geführt und stütze mich da vollends auf deine Aussagen. Wenn nun eine gewisse Hetztjagd beginnt, dann würde ich als allererstes auf eine gewisse PR-Kampagne tippen, besonders wenn er sich damit wieder in Musikmagazinen presentiert. Bringt er denn zufällig eine neue Soloplatte raus? Das würde meiner meinung nach dann schon alles erklären. Wenn ja, ist es eine verdammt billige Art und Weise. Im grossen und ganzen Verwundert mich wie gesagt dann so eine Hetztjagd, da es ja zumindest nicht gerade kurz ein Teil seines Lebens war und er damit sogar seinen unterhalt verdient hat. Wenn er jetzt ein radikaler Christ wäre, würde er sicherlich auch von seinem "unreinen" Besitztum trennen, und ich glaube nur schwerlich das er das getan hat! |
| nathanel | Also ich hab die Seite jetzt mal nur Überflogen...aber die Bezeichnung "Geisteskrank" würde wohl eher zutreffen. Ich muss zugeben, der Name sagt mir jetzt auf anhieb nichts (*schäm*), aber wenn er der Ansicht ist das alle Metaller Satanisten sind, er selbst solche Musik gemacht hat...und jetzt radikaler Christ ist!? Das muss doch nicht sein. |
| gelb | Nun, grundsätzlich ist es natürlich legitim, sich zu verändern. Jeder tut das schließlich irgendwann mal irgendwie. Und ja, Kiske hat eine neue Platte draußen, "Place Vendome" ein Melodic-Rock Album. Ob es nun eine Werbemasche ist oder nicht, darum kann man sich sicherlich streiten. Was mich vor allem aber stört ist eben dieses alles über eine Kamm scheren, das Kiske hier betreibt. Denn die meisten Metalbands sind nunmal nicht satanistisch sondern verarbeiten auch philosophische oder sozialkritische Themen. |
| MirrorOfPain | Ich fand Punks früher auch voll cool und "war" auch einer von ihnen. Mittlerweile find ichs lächerlich so rumzulaufen und so zu denken/zu reden. Dieser Michael Kiske wird wohl auch seine Gründe haben, ich hab jedenfall nix dagegen, wenn er so redet. Zum Teil stimmts ja sogar (leider.). Mirror |
| Jester | Komplett verallgemeinern kann man es sicherlich nicht, habe uach lange genug diese Musik gehört um das bestätigen zu können. Allerding muss auch zugestanden werden das ein grosser bereich der Metallszene genau diesen Klischees entspricht (und das auch gerne tut). Aber sich darüber zu brüskieren endet wieder in der gesammten Grundsatzdiskussion der Verallgemeinerung von Subkulturen, was grundlegend nie möglich ist aber dennoch immer getan wird. Das ist eine "Ungerechtigkeit" der Welt welche aus dem einfach Simplifizieren der Menschen kommt. Bei allem für das man sich nicht wirklich interessiert fängt man an einen für sich gerade ersichtlichen Querschnitt zu ziehen, und meist bleibt man da an den Medienpubliksten Kanten hängen. Satanismus ist da immer ein wilkommender Aufhänger. |
| gelb | Ja, im Grunde genommen könnte man ihn sogar bewundern, er wendet sich schließlich gegen seine größten Fans, die, die ihn bewundern. Und natürlich stimmt es, aber eben nur zum Teil.... |
| rosenkind | [QUOTE]Was mich mehr verwundert ist wenn solche Menschen, die sich von einer Sache abwenden im Nachhinein über das Feld das sie verliessen Salz streuen. [/QUOTE] Jester, wie wäre es mit dem Stichwort Verbitterung? ich denke, das kennen viele hier auch bzgl. der Gothicszene. Man ist erst geblendet, fasziniert, sucht sich darin, vielleicht jahrelang, findet sich auch irgendwo, doch je mehr man sich selbst findet, bröckelt das Ideal, das man an die Subkultur stellte. Zunächst löst der Zwispalt Verwirrung aus, dann Trauer, dann Wut und irgendwann Verbitterung, weil man das, was man selbst darin für sich gefunden hat, nicht mehr aufrecht erhalten kann gegenüber dem erdrückenden Außenrum. Dann ist der Punkt, an dem man aufgibt und geht. Und von der Zeit drinnen eine Bilanz zieht, die unter dem schmerz zerbrochener Illusionen, Wünsche und Ideale entstanden ist, durchtränkt von Wut. Die Wogen, die die diese Bilanz schlägt, hängt vom Individuum ab. Dass ein Mensch, der in der Öffentlichkeit stand, sich nicht klammheimlich verdrückt, ist gar nicht mal so unverständlich. |
| Jester | Was du dort erwähnst ist der Weg des schwachen und sich selbst verleugnenden Menschen, es ist eine charakterliche Schwäche welche mehr als bedauerlich ist, da sie einem selbst und allemn im Umkreis aufzeigt das man selsbt nicht zu dem Stand was man einst getan hat, Man outet sich selbst als Mitläufer welcher noch nicht einmal mit diesem Umstand umgehen kann, Man schreit hinaus in der Meinung damit Geister zu vertreiben welche man nunmehr allerdings nur allen aufzeigt. Die andere Möglichkeit ist das man sein eigenes Ich versucht hinter sich zu lassen um der vorteile halber in eine neues Umfeld zu gelangen, was man mit lauten Getose verscuht, in der Hoffnung erhört zu werden. Allerdings wird man nur die Ohren der anderen Toren erreichen, die dem gleichen bedauerlichen Weg folgen. Alle anderen, konsequenten und selbstachtungswahrende Wege sind Stille Wege, die es nicht nötig machen hinauszuschreien. Entweder man merkt das man aus etwas hianuswächst, dann begräbt man still das alte hinter sich, würdigt es aber als eine Station in seinem leben, egal welche Qualität man ihr beimisst. Oder aber, wenn man es ohne Überzeugung tut, so spricht man zumindest nicht laut darüber, so das man sich selbst die Möglichkeit gibt in Ruhe und Frieden dieser Entscheidung ein Gutes oder ein Schlechtes abzugewinnen. Jene Menschen die mit etwas brechen und dann laut werden sind fast immer bedauerliche Persönlichkeiten, die einzigen die es richtig machen mit einem lauten Schrei aus etwas auszubrechen, sind jene die eine gewisse Unterdrückung erfahren haben und danach aufrütteln wollen, was in diesem Falle allerdings gänzlich aus der Betrachtung fallen kann! |
| rosenkind | nun, das ist deine Meinung. Meine ist, dass ein solches Resumee [B]in einem gewissen Rahmen[/B] durchaus okay ist. Man kanns natürlich auch übertreiben. Aber wenn man dann schon mit einer vernichtenden Kritik, einem Schlusswort, einem Resumee an die Öffentlichkeit tritt, gehört es auch dazu, die eigenen Fehler mit einzubeziehen. Ich denke sogar, dass es absolut richtig ist, wenn jemand aussteigt, weil ihn vieles stört, seine Kritik nicht verschweigt. Die Frage ist nur: in welchem Rahmen? Hetzjagden gehören sicher nicht dazu, sondern alles muss durchaus begründet werden und auch nicht unter die Gürtellinie gehen, sonst ist es Übertreibung. Aber wieso sollte man eine Kritik, die auf erfahrung beruht verschweigen und sich einfach nur zurückziehen, ohne ein Wörtchen zu sagen. Es wird doch immer darüber geklagt, dass Kritik von Leuten kommt, die "keine Ahnung" haben. Warum dann jemanden das Wort verbieten, der es selbst miterlebt hat? Ich meine selbiges geschieht hier auf nachtwelten tagtäglich, besonders in Augen durch die Nacht. Ich wollte sicher nicht diese Hetzjagd billigen, weil sie nach derAussage des Threaderstellers sehr undifferenziert ist, aber erklären, wie ich denke, dass dieser Mensch dazu kommt. Das zum Thema Öffentlichkeit (auch ein Forum ist Öffentlichkeit). Ich hoffe im Privaten unter Freunden ist es noch erlaubt, seinen emoionen auch mal freien Lauf zu lassen. |
| Jester | Es ist auch erlaubt dies in der Öffentlichkeit zu tun, solange es ein Maß einhält welches vertretbar ist, was, wie in diesem Falle eindeutig nicht gegeben ist. Auf nichts anderes bezog ich mich. Eine 180Grad Drehung ist einfach nicht "auf einmal" Möglich, in gegebenen Falle hat es zusätlich noch viel von einer PR-Aktion, und ist damit für mich eigentlich ein Vorfall der in der Schublade "Schön das er das amcht, aber wer es beachtet hilft sogar noch mit". Jedem bleibt das Recht seine Haltung zu ändern, solange das in einer Begründung und Geschwindigkeit passiert die ernst zu nehmen bleibt ist das absolut legitim. |
| rosenkind | dann sind wir uns ja einig. Und wenn nicht, reden wir nochmal im Sommer von Angesicht zu Agesicht darüber. *Burgtreffen vermiss und seufz* okay, das war jetzt offtopic. wie gesagt, ich wollte nur erklären, wieso er das tut, es keinesfalls billigen. |
| Jester | Naja, warum er es tut wird wohl letztendlich nur er wissen,... wen nüberhaupt das der fall ist. Sei es Resignation, eine Art Abrechnung, die MAnipulation durch dritte, eine PR Aktion oder was auch immer! |
| rosenkind | gut, sagen wir: meine Interpretation. |
| Frostwyrm | :D Ich lese "Geisteskind", denke "Kiske" und es wird sich tatsächlich auf das Goldkehlchen Michi bezogen ;) Hier sitzt ein bekennender Fan an der Tasta und Kiskes zugegebenermaßen etwas eigenwillige Ansichten ändern daran gar nichts. Ich mag den Mann und würde mich gerne einmal mit ihm unterhalten. kiske hat mehr Einblick in die "Szene" als die meisten hier und seine Ansichten vertritt er schon länger, weit länger als "Place Vendome" geplant war. Die Aufsätze entstanden noch zu Supared-Zeiten. Es ist schade, dass sich seine Ansichten so radikal geändert haben, aber es wird schon Gründe geben. Ich für meinen Teil werde Michi Kiske immer für seine Stimme und seine Musik (auch die aktuelle) lieben und werde ihn auch nicht auf menschlicher Ebene verurteilen. Er ist noch immer sehr fannahr und gibt im Gästebuch auf [URL=http://www.supared.de]supared.de[/URL] öfters auch seine Kommentare zu den Einträgen ab. Um den Mann zu beurteilen, sollte man da und auch auf [URL=http://michaelkiske.net/]michaelkiske.net[/URL] vorbeischauen. Grüße, das Frosty |
| hagzissa13 | Ich kann mich nur denjenigen anschließen, die hier schon schrieben, daß man auch in der Metal-Szene nicht alles über einen Kamm scheren kann. Wenn Michael Kiske in der Novemberausgabe der RockHard bedeutungsschwanger andeutet, daß er für die Metal-Szene nichts mehr übrig hat und eigenwerbungsträchtig seine HP anpreist und das alles zu der Zeit, wo sein neues Album rauskommt - Sorry, für mich hat das schon den Anschein, daß da neben seiner vielleicht neu gewonnenen Überzeugung auch eine große Portion Eigenwerbung dabei ist. Mir persönlich ist das vollkommen latte, was Herr Kiske für einen Lebenswandel betreibt, was ich nicht gutheiße ist, daß er quasi alle Metalfans für "geistig Verdummte" erachtet. Das geht imo definitiv zu weit. Ich möchte Herrn Kiske nicht absprechen, sich in der Szene aus zu kennen, aber sollte er nicht gerade als Insider in der Lage zu sein, mit offenen Augen durch die Szene zu schauen, um fest zu stellen, daß nicht alle immer nur von Satan und Haß reden? Ein wenig Differenzierung würde sicherlich gut tun, sowie die Fähigkeit, Ironie und Doppeldeutigkeiten in den einzelnen Texten zu erkennen. Keine Frage, bei einigen Bands liegen z.B. Sozialkritik und Haß dicht beieinander, was für mich z.B. kein Problem darstellt, anderen sicherlich sehr aufstößt, aber darum gleich von satanistischen Texten zu sprechen? Ein bißchen weit her geholt, wie ich finde. Da ich absolut kein Helloween-Fan war und bin, kann ich natürlich ob meiner Unwissenheit deren Lieder nicht beurteilen, was Herr Kiske da für satanische Texte sang - aber mir wäre neu, daß Helloween aus einer Horde Teufelsanbeter bestand/ besteht. Als Metalfan lasse ich mir jedenfalls keine geistige Verdummung nachsagen und mich abqualifizieren und das nur, weil ich die Musik von einigen harten Bands gerne höre. |