| _insane_ | Was uns (dem Okzident) "gestern" noch Recht und billig war, gilt uns heute bei den anderen (dem Orient) als verabscheungswürdig... Schauen wir doch mal zurück, und betrachten die blutigen Hände unserer eigenen weisen, religiösen Führer. Ist das nicht genau die Art von unseliger Lehre, die die gegenwärtige Inkarnation von "Gotteskriegern", sich auf ihre Fahnen geschmiert hat ?! So rächt sich die Geschichte ? __________________________________________________________________________________ Bernhard von Clairvaux: "Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus." [1174 wurde Bernhard heilig (!!!) gesprochen, 1830 erfolgte die Ernennung zum Kirchenlehrer] "...Bernhard verurteilt also nicht den Beruf des Soldaten, sondern nur das Verhalten derjenigen Ritter, die Gott vergessen haben. In seinem Text übernahm er die Idee des gerechten Kriegs, in dem auch ein Christ unter ganz bestimmten Bedingungen das Schwert erheben dürfte: Wenn ein Soldat einen Schurken umbringe, so sei er »kein Übeltäter, sondern ein Übel-Töter«. Wer im Kampf einen Andersgläubigen verletze, räche so »Christus an denen, die ihm Böses antun (...). Der Tod, den er zufügt, kommt Christus zugute«. Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen dem Konzept des gerechten und des Heiligen Kriegs: Gerechte Kriege werden ? meist mit einer guten Begründung ? gegen Christen geführt, etwa zur Verteidigung des Landes. Im gerechten Krieg bleibt das Töten eine Sünde, die später gebeichtet und vergeben wird. Im Heiligen Krieg bedeutet das Töten keine Sünde mehr, sondern Dienst an Gott. Grundsätzlich warnt Bernhard allerdings davor, Meinungsverschiedenheiten mit Gewalt auszutragen, auch im Umgang mit Ungläubigen. Die Wahrheit ? so seine Überzeugung ? setze sich nicht mit Gewalt durch; der Christ solle den Gegner durch Argumente bekehren. Dennoch erlaubt er den Heiligen Krieg. Man dürfe Heiden töten, wenn man nur dadurch eine allzu große Gefährdung und Unterdrückung der Gläubigen zu verhindern vermöge. Doch läßt sich kein Heiliger Krieg führen mit einem weltlichen Rittertum, das selbst keinen Gott und keine Moral kennt. Nein, im Konflikt mit den Heiden müßten sich die Streiter Gottes selbst vorbildlich verhalten und mit ihrem gesamten Verhalten einen tiefen Glauben demonstrieren. So befänden sich die Soldaten Christi in einem zweifachen Kampf: gegen den Feind selbst und gleichzeitig gegen die bösen Geister der Versuchung. Aber der gläubige Ritter stehe in dieser doppelten Schlacht nicht allein, sondern habe »gelernt, nicht auf die eigenen Kräfte zu vertrauen, sondern den Sieg aus der Kraft des Herrn der Heerscharen zu erhoffen«. Doch Bernhard geht sogar noch einen Schritt weiter: nicht nur, daß er das Töten von Heiden rechtfertigt, er verherrlicht es sogar. Weil im Kampf jederzeit der Tod drohe, richte er auf die Begegnung mit Gott aus. Der Krieg, diese rohe und brutale Angelegenheit, gewinnt also eine fast mystische Qualität: So wie Mönche sich im Gebet Gott nähern, ist der Kampf der Gottesdienst des Ritters. Der tötende Ritter tut ein gutes Werk, der getötete Ritter fährt direkt zu Gott auf ? das ist der zentrale Gedanke des Heiligen Kriegs. Bernhard drückt es so aus: »Wenn er [der Ritter] selbst stirbt, geht er nicht zugrunde, er gelangt an sein Ziel. Der Tod, den er zufügt, kommt Christus zugute; der ihm zugefügte ihm selbst.? Die weltliche Ritterschaft indes kann nicht auf das Heil hoffen, denn bei ihnen »kommt kein Streit zustande, der nicht von dummem Haß, eitler Gewinnsucht oder Besitzgier angestachelt wäre. Verfolgt man solche Ziele, ist man weder beim Töten noch beim Sterben in Sicherheit«. " __________________________________________________________________________________ Bernhard von Clairvaux Name bedeutet: der Bärenstarke (althochdt.) Abt, Kirchenlehrer * um 1090 in Fontaines-lès-Dijon in Burgund + 20. August 1153 in Clairvaux Kanonisation: 1174 wurde Bernhard heilig gesprochen, 1830 erfolgte die Ernennung zum Kirchenlehrer. Attribute: mit Totenschädel und Hund, Regelbuch, Bienenkorb Bernhard stammte aus einer adligen und frommen Familie. Seine Mutter Aleth sah vor seiner Geburt im Traum ein weißes Hündlein mit rotem Rücken und hörte es laut bellen. Der Traum wurde ihr so gedeutet, dass der Sohn, den sie bekommen werde, als großer Prediger Gottes Haus bewachen und seine Stimme laut gegen die Feinde der Kirche erheben werde. Bernhard besuchte die Klosterschule in Châtillon-sur-Seine. 1112 trat er zusammen mit 30 wissenschaftlich gebildeten, adligen und idealistischen jungen Leuten, darunter vier seiner fünf leiblichen Brüder, in das Reformkloster Cîteaux ein. Dieses 1098 von Robert von Molesme, Alberich und Stephan Harding gegründete Reformkloster drohte zu seiner Zeit an den strengen Regeln des neuen Zisterzienserordens zugrunde zu gehen. Mit Bernhard kam neues Leben in das Kloster. 1115 wurde Bernhard zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Führung zur bedeutendsten Zisterzienserabtei entwickelte. Von hier aus gründete er weitere 68 Klöster, bei Bernhards Tod wurden schon 343 neue Gründungen gezählt. Ihm wird auch die Gründung des Templerordens zugeschrieben, dessen kirchliche Anerkennung er 1128 erwirkte. Bernhard wurde 1118 zum Leiter des Zisterzienserordens. Er restaurierte die Ordensregeln, so dass er zu Recht als "zweiter Gründer" des Ordens gelten kann. Seine "Consuetudines" stehen in gewissem Gegensatz zur "Regula" des Benedikt von Nursia: die Benediktiner gründeten ihre Niederlassungen auf Höhen, Bernhard ordnete sumpfige Täler an mit Wäldern, die gerodet werden mussten. Er betonte den Wert der körperlichen gegenüber der geistigen Arbeit. Ganz besonders wandte er sich in Briefen und Kapitelsbeschlüssen gegen jede figürliche Ausgestaltung der Portale, Kapitelle und Kreuzgänge, weil das den Betrachter vom Gebet ablenke. Bernhard war berühmt für seine große Predigtbegabung, die er nicht zuletzt in den Dienst der Anwerbung für die Kreuzzüge einsetzte, er entfachte in ganz Europa einen Rausch der Begeisterung für die Kreuzzüge. Bernhard reiste nach Nordfrankreich, Flandern und ins Rheinland, überall zogen Wundertaten und die redegewandten Predigten Bernhards zahlreiche Zuhörer und Pilger an. Auf päpstlichen Befehl rief er 1146 in Vézeley zum 2. Kreuzzug auf, diese "Predigt von Vézelay" löste in ganz Frankreich Begeisterung aus; selbst König Ludwig VII. zeigte sich, neben Mitstreitern aus Frankreich, Flandern und Deutschland, zum Aufbruch entschlossen. Das ritterliche Ideal der Kreuzzüge sah das Sterben für den himmlischen Herrn als besonderes Verdienst; so formulierte Bernhard: "Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selber; wenn er tötet, nützt er Christus." Die schrecklichen Folgen solcher Worte betrafen nicht nur die Menschen im Nahen Osten, sondern auch die mittelalterlichen jüdischen Gemeinden. Der Misserfolg des Kreuzzugs traf Bernhard schwer. Seine Treue zum Papsttum gab Bernhard auch die Kraft und den Mut zu sehr scharfer Kritik an den Päpsten. Er geißelte ihre weltliche Macht und ihr profanes Gehabe, mit dem sie sich eher als Nachfolger Konstantins erwiesen denn als Nachfolger Christi. Im Kampf um die Rechtmäßigkeit des Papsttums zwischen Papst Innozenz II. und dem Gegenpapst Anaklet II. trug Bernhard maßgeblich zum Sieg des ersteren bei. Kompromisslos bekämpfte Bernhard die Katharer und Albigenser, die Reformation des Petrus Waldus, sowie die von Pierre Abelard, einem französischen Denker, vertretene rationalistische Philosophie. Bernhard verfasste viele Predigten, Briefe und Hymnen; letztere werden zum Teil noch heute gesungen. Zu seinen Hauptwerken gehören "De Diligendo Deo", "Die Liebe Gottes" von 1127 und "De Consideratione", "Erwägungen gegenüber Eugen III." von 1148. Sein ganzes Leben lang begleitete Bernhard die Sehnsucht nach seinem klösterlichen Ideal, seine Biografie führte ihn selbst aber auf andere Wege. Aus der unendlichen Folge der Legenden strahlt das Bild seiner nicht nachlassenden asketischen Bemühung um Geduld, Überwindung von Versuchungen, innerlichster Gebetsübung. Er selbst beschrieb sich als Chimäre, die dauernd mit weltlichen Dingen beschäftigt war, ohne Laie zu sein, und ständig entscheidend in die Geschicke der Kirche verwickelt war, ohne je Kirchenlenker gewesen zu sein; als "ungekrönter Papst und Kaiser des Jahrhunderts" lenkte er die Geschichte, seine Zeit nennt man deshalb auch das "Bernhardinische Zeitalter". "Erzvater des europäischen Gefühls" nannte ihn der Historiker Friedrich Heer ob seines weiten Horizonts, ein "religiöses Genie" der protestantische Kirchengeschichtler Adolf von Harnack. Als "Doctor mellifluus", "honigfließenden Lehrer " bezeichneten ihn Zeitgenossen ob seiner herausragenden Begabung zur Predigt. Dreimal lehnte er die ihm angebotene Bischofswürde ab. Bernhard starb in Clairvaux und wurde in Cluny begraben. Das Kloster Clairvaux wurde in der Französischen Revolution aufgehoben und dient seitdem als Gefängnis. Im Domschatz in Troyes wird seit 1813 das Haupt von Bernhard aufbewahrt. Bernhard gilt als Marienverehrer. Darum wird er oft dargestellt mit Maria, die Jesus die Brust gibt; oder die Madonna erscheint ihm mit Engeln, die seine ergänzenden Worte zum Hymnus "Salve Regina" singen oder ihm aus ihrer Brust Milch zuspritzen. Der Bienenkorb symbolisiert seine überzeugende Beredsamkeit. Noch heute bekannt sind seine Hymnen, darunter das von Paul Gerhard deutsch bearbeitete Lied "O Haupt voll Blut und Wunden" (GL 179; EG 85). __________________________________________________________________________________ Tja, ...Gotteskrieger . |
| Alterkelte | Der Widerspruch besteht darin, dass ein Gotteskrieger sich selbst tötet, weil er ja quasi an ein Jenseits glaubt. Wenn dieses Jenseits aber präsent ist und der ganze Glaube so existiert, wie er in den Märchenbüchern Thora, Bibel und Koran dargestellt, wozu soll dann ein irdischer Kampf nötig sein? Wenn man in Ewigkeit sich dann im Paradies befindet, wozu jeglicher Kampf? Es ist eigentlich dann völlig belanglos, wenn irgend ein Volk irgendeinen Landstrich besetzt... Denn Alles ist vergänglich... |
| LaChatte | Die Frage, die ich mir da immer stelle: Glauben diese "heiligen Anführer" eigentlich alles, was sie da erzählen, oder ist das nur eine Taktik, im vollen Bewusstsein, dass Krieg gegen jede Religion verstösst? |
| LaChatte | Christentum at its best ist Freude, Liebe, Fest - und gar nicht sinnesfeindlich. Und als ich den ersten Text gelesen hatte, kam mir so spontan in den Sinn "Solche Dinge liest man doch nur immer islamisch gestylt, nicht christlich"... So weit sind die beiden Religionen auch nicht voneinander entfernt - Mohammed ist ja der wiedergeborene Moses... Und alle heiligen Kriege dieser Welt riechen mir etwas zu sehr nach Unterdrückung und Manipulation - denn wenn ein Mensch ernsthaft und sichtbar bedroht ist, bräuchte es ja keine Heilsversprechungen, damit er sich zur Wehr setzt und sich und seine Lieben schützt. |
| LaChatte | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]La Chatte - wenn das stimmt (mit dem Christentum), dann ist der Unterschied tatsächlich nicht allzu gross. Ich weiss/wusste das nicht (das mit dem sinnesfeindlich) ;-) [/B][/QUOTE] Nach ziemlich ausführlichem Bibelstudium stimmt es für mich - Details wären wohl OT. Dass aber viele "offizielle" Christen wie Pfarrer etc. das nicht so sehen, stimmt mich eher traurig. Und der Islam, wie ich ihn als nicht-Experte wahrnehme - also Frauen in Kopftüchern drei Schritte hinter dem Mann - wirken auf mich auch nicht besonders sinnesfreundlich - wenns denn eigentlich anders ist, umso besser:) |
| LaChatte | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]"Königin, die der Mann auf Händen zu tragen hat, sie zu verwöhnen, zu ehren, zu achten ist seine ehrenhafteste Pflicht". [/B][/QUOTE] Den Satz sollte man fünf Millionen mal kopieren und an jeder Ecke aufhängen:) Und er erinnert mich (kleiner Abstecher nach Indien) an die Lehre des Tantra: Das höchste Glück des Mannes ist, eine Frau glücklich zu machen - denn da entsteht bei der Frau offenbar eine so starke Welle an Liebe und Freude, das ist besser als jede Droge... Nur: der arme Bernhard von Clairvaux hatte vermutlich keine Ahnung von den schönsten Dingen des Lebens - sonst wär er wohl nicht so kriegerisch gewesen:( |
| LaChatte | Ich weiss nicht *mal zu den Geschichtsexperten schiel* Das einzige, was mir zu dem Stichwort einfällt, ist Ghandi - und das war ja ein sehr friedlicher Mensch, der gezeigt hat, wie man gewaltlos die Dinge ändert - er lebe hoch! |
| Tiberon | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]Und die Frau gilt - wieder: im "reinen" Islam - als "Königin, die der Mann auf Händen zu tragen hat, sie zu verwöhnen, zu ehren, zu achten ist seine ehrenhafteste Pflicht". Die Frau hat im Islam sogar das Recht, diese Behandlung einzufordern über das Scharia-Gericht, und kann sich jederzeit und sofort scheiden lassen, wenn der Mann seine Pflichten (sie mit allem zu versorgen was sie braucht UND!!! sie sexuell zu befriedigen!) nicht erfüllt. [/B][/QUOTE]Solche Ansichten nutzen halt den Herrschenden nicht sonderlich viel. Zumindest nicht, wenn man dem Nachbarn sein Land streitig machen will. Da hat der König dann ne ganze Armee, die ihren Frauen die Haare kämmen und keiner schlägt dem anderen den Kopf ab - nee, da brauchts dann Heilige wie Bernhard... |
| Tiberon | Naja, so ironisch halt, wie mein Geschichtsbuch ... Also ich kämme lieber lange Haare, als duch den Schlamm zu kriechen, doch wenn die durchaus mächtigen religiösen Führer, bzw. Gallionsfiguren wie dieser Benhard zu Mord und Totschlag aufrufen traf/trifft der eine oder andere halt eine andere Wahl. Letztlich wollte ich nur diese Frage beantworten [quote]Glauben diese "heiligen Anführer" eigentlich alles, was sie da erzählen, oder ist das nur eine Taktik, im vollen Bewusstsein, dass Krieg gegen jede Religion verstösst?[/quote] |
| Tiberon | ICh unterstelle mal allen christl. 'Gotteskriegern' niedere Beweggründe oder Dummheit. Meine Frage, kann man davon bei Moslems auch ausgehen, oder gibts da im Koran (oder auch ganz allgemein religiös) wirklich einen entsp. Hintergrund? Man hört ja nun oft , daß der Koran eine äußerst friedliche und tolerante Religion sei. |
| gekitsu | im grunde sind christentum und islam garnicht so verschieden (jesus wird im islam ja auch als prophet jsah ben myriam - jesus, sohn von maria zitiert). nur ist der islam einige jahrhunderte juenger. als das christentum so alt war haben die auch mist gebaut. irgendwann danach hat sich mal jemand auf seine vier buchstaben gesetzt und eine institution ins leben gerufen, die sich tagein tagaus damit beschaeftigt, wie die bibel nach christlichen werten auszulegen ist - das katholische lehramt im vatikan (an sich auch keine schlechte idee - immerhin haben wir es mit einem a) uralten und b) mehrfach uebersetzten wortlaut zu tun) im islam kann nach wie vor jeder den koran interpretieren wie er will. basically kann jede koranschule was anderes predigen, solange es sich mit nem pfund fantasie auf irgendeine koranstelle beziehen laesst. misinterpretationen, die dann auch noch "offiziell" sind, sind imho vorprogrammiert. ausserdem schaedigen eine handvoll solcher extremisten das ansehen von einer unzahl glaeubiger die genauso friedlich sind wie sonstwer. faellt eigentlich alles unter das kapitel "religionsgeschichtliche kinderkrankheiten" :) ich finds aber interessant, dass solche dinge immer dann auftraten als eine religioese institution (nicht der glaube als individuelles abstraktum sondern die organisation) gleichzeitig auch weltliche herrschaft innehatte. |
| Alterkelte | Gekitsu, richtig! Buchreligionen streben tendenziell immer nach weltlicher Herrschaft. Und Mission, was (fast) das gleiche ist. Grosse philosophische Impulse gehen von ihnen nicht aus, ist ja klar, dann missioniert es sich einfacher........ |