| Julya | Egon Krenz wurde nach knapp vier Jahren wieder auf freien Fuß gesetzt. Er wurde wegen der Todesschüsse an der Mauer der ehemaligen DDR zu sechs einhalb Jahren Haft verurteilt und wurde nun vorzeitig entlassen. Die Zeit schreibt dazu folgendes: [url]http://zeus.zeit.de/afp/2003-12-19_001634_0008.xml[/url] In den Fernsehnachrichten habe ich dazu gehört, daß er vorzeitig freigelassen wurde, weil die Gefahr einer Wiederholungstat nicht gegeben sei. Schon alleine die Tatsache, daß er nur sechseinhalb Jahre bekommen hat, finde ich schlimm, aber die Begründung seiner Freilassung ist doch fast schon Ironie. Das wäre doch genauso, als würde man einen Tierquäler vorzeitig freilassen, der eine Tierart ausgerottet hat und nun keine Wiederholungsgefahr mehr besteht, weil es diese Tiere schlichtweg nicht mehr gibt.... Was sagt Ihr dazu? |
| Fehler | Zao Julya, also so spontan denke ich mit auch das sie ruhig noch nen paar jahre draufschlagen könnten. andererseits denke ich mir halt, das er eigentlich nur wie alle politiker für seine macht über leichen gegangen ist. ich halte ihn irgendwie nicht für wirklich böse, mehr für dumm & macht-geil & uninteresiert wenn es um das schicksal anderer menschen geht. seinen typ gibt es zu 1000enden die rennen hie quasi überall rum. ich denke mal mann kann ihn nicht strafen, denn er empfindet nicht genug um reue für das schicksal anderer aufzubringen. leute wie ihn würde nur die todesstrafe zur reue bringen, die ich persönlich aber ablehne. es wäre auch nur eine, wenn ich es nich getan hätte würde ICH jetzt nicht sterben, reue... er stammt aus einem system, in dem es ihm möglich war ganz nach oben zu kommen, ohne auf das leid anderer zu achten. ich finde es ist unserem system garnicht so unähnlich, es benutzt nur andere druckmittel. er wäre vielleicht ein guter manager.. da die gefahr einer wiederholungtat wirklich minimal ist & er auch sonst keine gefahr mehr darstellt, finde ich es angemessen, wenn er nicht länger von meinen steuern verpflegt wird. ich hoffe er bekommt nur die miessesten jobs, vielleicht bläut im das noch vernunft ein & vielleicht schafft er es irgendwann, seine seele zu retten. bleibt nur noch die verdiente rache, verlockend aber nicht sehr kausal ;) Beste Gruesse Fehler |
| Wardog20k | [QUOTE]Schon alleine die Tatsache, daß er nur sechseinhalb Jahre bekommen hat, finde ich schlimm, aber die Begründung seiner Freilassung ist doch fast schon Ironie.[/QUOTE] da hast du vollkommen recht. aber die gefahr das er es wieder tut ist nunmal äusserst gering. pure logik. faszinierend nicht war. wobei bei einem tierquäler wohl die gefahr besteht das er weiter quälen könnte. und sind gesetze nicht dafür da Straftaten zu verhindern oder soll der Täter bloss bestraft werden (siehe div. Gefängnisse in den USA) ? allerdings was ist die härtere strafe für ihn im "sicheren" Knast sitzen oder frei auf der Strasse herumlaufen zu müssen? [QUOTE]da die gefahr einer wiederholungtat wirklich minimal ist & er auch sonst keine gefahr mehr darstellt, finde ich es angemessen, wenn er nicht länger von meinen steuern verpflegt wird.[/QUOTE] ganz meine meinung nur er dürfte wohl bald in rente gehen.... :) |
| Demon17 | ich finde das können eigentlich nur die Leute beurteilen auf die geschossen wurde, bzw deren angehörige...den vergleich mit den tierquälern finde ich jedoch unpassend. never surrender demon17 |
| absolut_death | Warum man ihn vorzeitig entlassen hat verstehe ich überhaupt nicht. Wie viele Bürger hat er und die Regierung damals in die Gefängnisse gebracht weil sie sich aufgelehnt haben gegen die Regierung? Und die haben auch 10, 15 oder gar 20 Jahre in den Gefängnissen gesessen. Dieser Mensch hat so viele Morde auf dem Gewissen, was rechtfertigt da die Freilassung? Das es keine DDR mehr gibt? Das keiner mehr auf seine Befehle hört wenn er erschießen schreit? absolut_death |
| Apex | Hm was mich jetzt interessiert ist: Egon Krenz war doch nur für ein paar Wochen Staatsratsvorsitzender...wurde in diesem Zeitraum noch auf Flüchtlinge geschossen? Und wenn nein, inwiefern kann man ihn dann für die Todesschüsse verantwortlich machen? Er war doch vorher "nur" hochrangiges Mitglied der SED, das waren im laufe der Zeit aber auch viele andere die bestimmt nicht vor Gericht saßen. Ist jetzt einfach mal so ne Frage inwiefern Krenz für die Schüsse verantwortlich is da ich mir über seine Funktion vor dem Rücktritt Honeckers nicht im klaren bin. |
| Haevion | Ich denke, meine Meinung dazu wird auf einige Kontroversen stoßen. Im Nachhinein lässt sich natürlich immer sehr leichtfertig darüber urteilen - weder ihr, noch ich waren damals dabei. Fakt ist jedoch, hätte er selbst den Befehl verweigert, wäre er wohl selbst hingerichtet worden. Insofern kann ich den Menschen verstehen, auch wenn ich seine Art und Weise nicht teile. Furcht ist etwas, das man nur nachvollziehen kann, und über das man nur urteilen sollte, wenn man sie selbst erlebt hat. Ich denke, jeder von denen, die zuhause auf ihren Stühlen sitzen, können nun leichfertig den Finger heben, und auf diese Person zeigen, oder darüber nachdenken und mutmaßen, wie sie denn gehandelt hätten - wieviel besser. Ich persönlich hätte mich selbst gerichtet, bevor ich eine solche Tat unterstützt hätte. Gleiches gilt auch für das gesamte Naziregime. Doch das sage ich jetzt, da ich mir eine (zumindest sachlich halbwegs) objektive Meinung darüber bilden kann. Stünde ich selbst auf dem Turm, und müsste über mein Leben, oder das eines Anderen entscheiden, so weiß ich nicht, ob ich an meinen moralischen Vorstellungen festhalten [i]könnte[/i] - ich denke, in diesem Dilemma steht und stand ein jeder, der soetwas grausames machen muss(te). Aus Spaß schießt niemand auf Menschen. |
| aaraen | Ich halte es für falsch, für die Summe an Fehlern mehrerer einen einzelnen Sündenbock zu suchen und zu bestrafen. Sich im Nachinein hinzustellen und den Finger zu heben ist immer einfach, aber ich denke hier darf man ruhig einige weitere Fakten ins Auge fassen. Wie meine Vorredner schon sagten, war Krenz nur kurze Zeit Staatsratsvorsitzender. Das Schüsse an der Mauer möglich waren lag wohl nicht nur an einer Person. Zunächst gab es dafür gesetzliche Grundlagen, die (so glaube ich) mehrheitlich beschlossen waren. Dann waren da natürlich die Schützen, die trotz Befehl und Druck, doch über ein eigenes Gewissen verfügen um richtig von falsch zu unterscheiden. Es hätte ja auch die Möglichkeit gegeben, zB in die Beine zu schiessen, wenn man sich nicht traut zu verweigern. Was ich aber auch für wichtig zu erwähnen halte: Es war bekannt, dass an der Mauer geschossen wird. Das war ja nicht so, dass die Opfer nichtsahnend auf nem Sonntagsspaziergang waren. Im Gegenteil sind sie das Risiko bewusst eingegangen. Man hätte ja auch nen Ausreiseantrag stellen können... Also hier etwas mehr in die Ecken gucken, bevor man einen einzelnen straft für Fehler, die erst durch die Summe von Fehlern mehrerer Personen zustandekamen. Siegerjustiz...Selbstgerechtigkeit...so empfinde ich das auch! |
| Sirius | Krenz hatte wohl damals einfach das Pech, als einziger der ehemaligen DDR-Elite noch am Leben, halbwegs zurechnungs- und somit Haftfähig zu sein. Honni konnte sich ja nach kurzer Zeit in U-Haft mit seiner Ehefrau nach Chile absetzen, Mielke, Stoph, Mittag und wie sie alle hießen, ließen sich entweder irgendwie ärztlich Haftunfähigkeit attestieren oder waren schlicht und ergreifend zu alt für den Knast. Das Egon nun zufällig auch das Amt des letzten Staatsratsvorsitzenden bekleidete, war natürlich ein voller Griff ins Klo. Aber irgendjemand muß man ja schließlich den schwarzen Peter in die Schuhe schieben - der ganze Prozess war nur Show und diente bestenfalls der Befriedigung des allgemeinen Volkszorns jener Tage, die Angehörigen der erschossenen Menschen dürften dadurch kaum rehabilitiert worden sein. Krenz hat sein Schicksal akzeptiert und brav seinen Kopf hingehalten, es ist vorbei... Letztlich basierte beinahe die gesamte DDR-Politik ohnehin auf den Befehlen aus Moskau und wenn der Russe befohlen hat, Grenzsicherung nach Westen mit allen Mitteln, dann gibt es da kein wenn und aber, dann wird geschossen. Wobei man natürlich auch einlenken muß, das die Soldaten an der Grenze sicherlich den Schießbefehl hatten - aber nicht den Befehl, das Gewissen auszuschalten, wenn schon der Befehl nicht verweigert wurde, hätte man ja zumindest auch "versehentlich" daneben schiessen können oder so ein Gewehr kann ja auch mal im ungünstigen Moment Ladehemmung oder sowas haben... Es gibt schon Möglichkeiten und die Leute waren ja zu Ost-Zeiten auch nicht ganz blöd, wenn es darum ging, um bestehende Regeln oder Gesetze, Befehle usw. herumzutricksen |
| Alterkelte | Krenz war nur ein kleines Licht, er hatte genausoviel Schuld an den Mauerschüssen, wie irgendein Gefreiter der Grenztruppen. Egon Krenz war eine, sagen wir "treue Seele". Die anderen Idioten haben zu ihm gesagt, er solle dableiben, damit er das Licht ausmachen könne, wenn die bundesrepublikanischen Fuzzies kommen................ Weil er so treu war blieb er tatsächlich da, und hat sich nicht etwa durch Suizid oder Flucht entzogen, dafür musste er "büssen"...... Das Aufhebungsurteil ist schon gerecht irgendwo. Damit will ich nicht gesagt haben, dass er gar keinen Dreck am Stecken hat......... |
| Julya | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] den vergleich mit den tierquälern finde ich jedoch unpassend. [/QUOTE] das war nur mißverständlich von mir geschrieben. es ging mir nicht um die tat 'tierquälerei', sondern nur darum, daß er seine taten überhaupt nicht wiederholen [b]kann[/b], da es die DDR nicht mehr gibt.... genauso wie ein tierquäler kein tier mehr quälen kann, das es nicht mehr gibt. war ein blöder vergleich, aber mir fiel kein anderer ein.... |
| Demon17 | @Julya, schon Ok die meisten Vergleiche hinken halt. Ehrlich gesagt hält sich mein Mitleid mit Karrieristen in rigiden Systemen stark in Grenzen. Aber wenn man es genau nimmt müsste man Ulbricht oder Honnecker zur Verantwortung ziehen. Doch die sind nun einmal tot. Wenn man allerdings die Grenzsoldaten, die getroffen haben einlocht müssen auch die Spitzen der Hirarchie bestraft werden. never surrender demon17 |
| Der Gedanke | Wie wenige von uns mögen erklären können, Egon Krenz als Menschen gekannt zu haben? Wie wenige von uns mögen Gegengewichte der Arbeit und Hauptentscheidungen von Egon Krenz als Vorsitzenden des FDJ-Rates gegenüber seiner Zwangswahl als Vorsitzender der DDR gewichten können? Wie wenige von uns mögen wirklich die Akte 37 des MFS gelesen haben (war Nachzulesen in der Berliner Gaukbehörde, wenn man um ernsthafte Recherchen und Meinungsbildung interessiert war und ist) um zu wissen, dass alle relevanten Befehle hinsichtlich der Mauerschüsse weder von Krenz noch von Honecker gegeben wurden, sondern von Erich Mielke. Wie würde Egon Krenz über die Themeneröffnerin richten können? Und wie kann dies umgekehrt geschehen? Viele Menschen die den Tod verdient haben, leben. Viele Menschen die das Leben noch verdient haben, sind schon tot. Wer vermag denen das Leben erneut zu geben? Warum also richtet Ihr so schnell, wenn es um ein menschliches Verderben geht? Nur ein Gedanke. |
| Donn | [quote]In den Fernsehnachrichten habe ich dazu gehört, daß er vorzeitig freigelassen wurde, weil die Gefahr einer Wiederholungstat nicht gegeben sei.[/quote] Was, solange er sich in seiner weiteren Tätigkeit auf Deutschland beschränkt gegenwärtig durchaus seine Richtigkeit hat... [quote]Schon alleine die Tatsache, daß er nur sechseinhalb Jahre bekommen hat, finde ich schlimm, aber die Begründung seiner Freilassung ist doch fast schon Ironie.[/quote] Das Strafmaß kann in einem Rechtsstaat wie Deutschland halt nicht willkürlich festgelegt werden, auch dann nicht, wenn ein breiter Konsens besteht, dass der Delinquent es verdient hätte. Dank der Arbeit der Mitarbeiter des MfS in den letzten Tagen der DDR war jedenfalls kaum Material vorhanden, das gegen ihn hätte verwendet werden können. Also konnte man ihm auch nicht so sonderlich viel nachweisen und ihn deshalb nicht länger verknacken. Das mag in diesem Falle vielleicht Mist sein, aber ich bin eigentlich ziemlich froh darüber, dass es sich in Deutschland so verhällt. Vorzeitig entlassen wurde er wohl eher wegen guter Führung und weil er als völlig ungefährlich eingestuft werden kann. Krenz war in der DDR ein Aparatschik, d.h. er funktionierte und kümmerte sich vor allem um seine Karriere. Er war kein Überzeugungstäter (im Gegensatz zu Honecker). Da mit einer Diktatur in Deutschland im Moment nicht viel Staat zu machen ist, wird er also zukünftig aller Voraussicht nach das Leben als unbescholtener Spießbürger führen. Er hat zwar gerne was von "Siegerjustiz" gefaselt und sich als Opfer dargestellt, aber er hat keinen nennenswerten Rückhalt innerhalb der PDS oder gar der Bevölkerung, so dass er in Zukunft eher keine Politik machen wird. Ergo ist er ungefährlich. |