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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Unmenschliche Stadt?
Sensus MoriendiSzene: Liverollenspiel, Nürnberger Stadtpark

wir (ein paar spieler) haben gerade in-time einen anderen spieler um die ecke gebracht... und sind jetzt gerade dabei, ihn in den kofferraum des autos, das am rand des parks an der straße steht zu packen... die sache entpuppt sich als schwieriger als wir dachten und wir haben ihn grade mal bis zur hälfte in den kofferraum gepackt (die beine und ein arm hingen noch heraus) als neben uns ein auto langsamer wird und schließlich stehen bleibt... wir denken uns nur noch 'oh mann, das gibt jetzt wieder ärger bis wir dem das erklärt haben' als der mann in dem auto die fensterscheibe runterkurbelt... und fragt 'fahren sie hier dann raus? wird der parkplatz frei?'... von unserer seite nur fassungsloses schweigen...


Szene 2: die Fußgängerzone einer deutschen Großstadt

ein fernsehmagazin macht einen test und schickt einen schauspieler los... mitten auf der belebten fussgängerzone greift er sich plötzlich ans herz und sackt dann in sich zusammen, bleibt liegen... der mann (übrigens ganz gut gekleidet) bleibt eine geschlagene viertelstunde dort liegen, bis sich jemand bequemt ihn mal zu fragen ob eh alles in ordnung ist... wäre es der ernstfall gewesen, wäre es wahrscheinlich sein tod gewesen...


verroht die stadt die menschen wirklich so sehr? ich als naives kleines kind vom lande konnte dies nie glauben... und doch merke ich es, seit ich öfters in großstädten bin, auch an mir selbst immer mehr... in den anfängen, als ich nur selten in städten war, bin ich oft genug zu leuten gegangen, die am boden oder in ecken lagen um zu fragen ob alles in ordnung wäre, habe daraufhin aber einige schlechte erfahrungen gemacht und nur unverständnis von meinen freunden geerntet... mit der zeit lies es auch bei mir nach und nun mache ich soetwas gar nicht mehr...

auch im selbstverteidigungskurs lernt man als frau als aller erstes, dass man im notfall nicht 'hilfe' sondern 'feuer' schreien sollte, weil man sonst keine reaktion erhalten wird...

was läuft falsch mit uns dass wir mit der zeit immer mehr verrohen? klar, wenn man mal von einem junkie angegriffen wird, wenn man fragt ob alles in ordnung ist, kann schon sehr abschrecken... aber kann es uns wirklich so sehr verrohen, dass wir seelenruhig zusehen wie jemand auf der strasse stirbt? seelenruhig zusehen wie ein lebloser körper in einen kofferraum gehievt wird und uns nur um den parkplatz gedanken machen?

woher kommt diese verrohung? dass uns unsere mitmenschen weniger wert sind als ein parkplatz?

grüße

Sensus Moriendi
MenedemosAlso zunächst mal muß ich zur Entschuldigung dieses Autofahrers sagen, daß man am Nürnberger Stadtpark wirklich GANZ SCHWER einen Parkplatz findet :(, ich kenn die Gegend. Da darf man auch nicht zimperlich sein in der Wahl seiner Mittel... ;)

Nein, jetzt mal im Ernst:

Du hast völlig recht, wenn dich dieser weitverbreitete Mangel an Hilfsbereitschaft erschreckt.
Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob da in jedem Fall böser Wille dahintersteckt. Es ist irgendwie auch ein soziales und psychologisches Phänomen, denn derjenige, der als erster helfen würde, müßte - so blöd das klingt - ein soziales Tabu brechen.

Stellen wir uns einen Marktplatz voller Menschen vor. In der Mitte liegt einer am Boden.
Der erste aber, der sich um den am Boden liegenden kümmern würde, würde sich durch diese Tat von allen anderen unterscheiden, abheben. Er würde sich in gewisser Weise aus der Gemeinschaft ausschließen, aus der Gemeinschaft jener nämlich, die NICHT helfen. Da die meisten Menschen Herdentiere sind, werden sie dies kaum anstreben.
Außerdem würde die hilfsbereite Tat vielleicht als etwas ganz anderes interpretiert: als der Versuch, sich vor allen anderen hervorzuheben, indem der Helfer sich anders verhält als alle anderen. Je mehr eine Gesellschaft auf Konsens ausgerichtet ist, desto "anstößiger" wäre eine solche Tat des Ausscherens.
Vielleicht würde der Helfer auch gelobt, aber sicher ist das nicht.
Ein besonders absurdes wie erschütterndes Beispiel kann man zum Beispiel momentan in Zusammenhang mit den Erfurter Ereignissen beobachten: Der Lehrer Werner Heise, der durch seine heldenmütige Tat, den Amokläufer einzusperren vielen Menschen das Leben gerettet hat, der wird nur noch angefeindet! Die Rektorin sagt, sie hätte sich "gerne einen leiseren Helden gewünscht", Otto Schily verweigert ihm das bereits zugesagte Bundesverdienstkreuz u.s.w.
Aber klar, Werner Heise hätte es wissen müssen: Indem er Menschen das Leben gerettet hat, hat er sich selbst übermäßig geadelt, hat die soziale Hierarchie zerstört und das wollte die Rektorin, seine Chefin, die niemandem das Leben gerettet hat, nicht dulden. Etwas zynisch könnte man sagen: Rette niemandem das Leben, wenn es nicht deiner gesellschaftlichen Position entspricht. Ich würde sagen, einem durchschnittlichen Oberstudienrat wird von der Gesellschaft vielleicht zugestanden, ein bis zwei Menschenleben zu retten. Was darüberhinausgeht, ist einfach zu viel, damit überschreitet er seine Kompetenzen, das ist mehr, als man ihm an nachträglicher Würdigung zuzubilligen bereit ist...
Okay, das ist sarkastisch, es gibt ja auch entgegengesetzte Tendenzen, aber solche sozialen Zusammenhänge darfst du bei deinen Überlegungen darüber nicht ganz außer lassen. Solange Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft jedenfalls nicht besser gewürdigt wird, solange wird sie auch nicht häufig zu finden sein, oder allenfalls am Land, wo sie ja keiner sieht...
Antediluvian@Menedemos

Deine Analyse ist recht zutreffend. Es ist schon erschreckend was die Gesellschaft mit ihren Werten und Vorstellungen aus den Menschen machen kann. Allerdings ist auch zu beobachten das wenn sich einer traut etwas zu unternehmen andere nachziehen, es besteht vielleicht noch Hoffnung
Great White DeathAch komm Menedemos, Nachts findet man beim Stadtpark doch recht leicht ´nen Parkplatz...

Zur Parkplatzsuche kann ich nur sagen, Mori ihr hattet verdammtes Glück... ich hab früher selber mal Vampire Live gespielt (in der ältesten Nürnberger Gruppe) und wir wurde im Stadtpark mal von 4 Polizeiautos gleichzeitig eingekeilt, weil sich einer der Anwohner Sorgen gemacht hat... dabei haben wir uns da nur getroffen (naja, 80 Leute in Schwarz, teilweise mit Vampirzähnen... war schon ´n auffälliger Haufen :D)
NimrodNicht meckern, sondern vorbildlich handeln...!
Ist garnicht schwer...!
Ein paar Jahre in Zivilschutz erziehen da auch ganz gut...!
Sollte Pflicht werden, anstatt Bundeswehr...!
Sensus Moriendihmmm... generell meine ich ja auch nicht, dass es etwas mit bösartigkeit zu tun hat... eher eine sich immer weiter ausbreitende gleichgültigkeit... also bei uns im dorf, wenn da jemanden was passiert, sind sofort leute da die helfen... zwar auch die üblichen gaffer und nichts-tuer, aber eben auch immer welche die helfen... hab ich schon mehrmals am eigenen leibe erlebt, dass ich mich verletzt hatte, hingefallen bin... und jedesmal waren sofort zwei drei leute da, die halfen, anboten jemanden zu holen, mich zum arzt oder nach hause zu fahren...

was ist es, dass gerade die menschen in der stadt so .... gleichgültig? ...macht? ich merke es ja mit entsetzen schon an mir selber, dass es einem irgendwann einfach nicht mehr so nahe geht... schutzmechanismus? weil einfach zu viel in der stadt schon falsch läuft und man sich damit nicht belasten will? angst davor für das was man tut dann probleme zu kriegen? dass der mann in der ecke sich als aggressiver alkoholiker entpuppt? (hatte ich auch schon mal...)...


@ gwd

das war kein glück... unsere vampire-gruppe ist bei der polizei gemeldet, und wenn da am spielabend anrufe kommen dass im stadtpark seltsame gestalten ihr unwesen treiben, rufen die höchstens mal bei der spielleitung an und fragen ob wir das waren... aber die blicke der passanten, wenn ihnen da ein schwarzes feuerspeiendes monster mit wolfsklauen entgegenrennt sind schon immer ganz sehenswert *lächel*


grüße

Sensus Moriendi
Great White DeathJeder Spielleiter, der auch nur halbwegs was im Hirn hat, meldet seine Gruppe bei der Polizei an... unsre war auch gemeldet, die Polizei kam trotzdem...

BTW, warum fährst du für Vampire bis nach Nürnberg und wer ist eure SL ?
Sensus Moriendiich fahr für vampire nach nürnberg weil es bei uns keine domäne gibt und ich freunde in der gruppe habe...

die sl kannst du dir [URL=http://www.blutsband.de/misc/sleitung.html]hier[/URL] angucken...

grüße

Sensus Moriendi
Great White DeathHmm... die sind zu neu, um sie zu kennen... ist doch schon ´ne Weile her, daß ich das letzte mal gespielt hab...
TheTurningPointIch denke, das Problem hat weniger mit dem Unterschied zwischen Stadt und Land zu tun. Aus meiner Sicht hat es vor allem diese drei Ursachen:
1. Weit verbreiteter Mißbrauch mit der Inanspruchnahme von Hilfe
2. Weit verbreiteter Mißbrauch mit der Gewährung von Hilfe
3. Allgemeine Rechtsunsicherheit

zu 1. Mißbrauch mit der Inanspruchnahme von Hilfe:
Die Hilfebereitschaft von Menschen wird oft von "Vertretern" und Drückerkolonnen ausgenutzt, um den Leuten Kosten verursachende Waren, Dienstleistungen und Verträge aufzunötigen oder die Menschen in irgendwelche Sekten und Vereine zu ziehen. Oft werden auch Unfälle und Notlagen vorgetäuscht, um die Menschen zu bestehlen oder zu berauben.
Zu diesem Mißbrauch gehören weiterhin "Sinnlos-Telefon", "Versteckte Kamera" und Ähnliches.

zu 2. Mißbrauch mit der Gewährung von Hilfe:
Es werden "Hilfeleistungen" angeboten, die sich dann als Kosten verursachende Waren, Dienstleistungen und Verträge oder Sekten- und Vereinsmitgliedschaften entpuppen. Oft dient die Gewährung von Hilfeleistungen auch der eigenen Profilierung, der Erhöhung von Einschaltquoten usw. - unter diesem Aspekt muß auch der Auftritt von Werner Heise im Fernsehen betrachtet werden.

zu 3. Allgemeine Rechtsunsicherheit
Es ist rechtlich unklar, wie mit Kosten-Aufwendungen und Schäden verfahren wird, die dem Helfenden bei der Hilfeleistung möglicherweise entstehen. Es ist rechtlich unklar, wie mit Fehlern umgegangen wird, die bei der Hilfeleistung möglicherweise gemacht werden, das trifft oft besonders hart die Hilfe leistenden Ärzte und Schwestern. Weiterhin besteht die Gefahr, daß man bei der Opfer-Hilfe bei Straftaten selbst zum Opfer wird oder zum Täter oder Mittäter gestempelt wird.

TP
CrysaniaEs gibt definitiv sogut wie keine Zivilcourage mehr.
In dieser Stadt GIBT es keine Zivilcourage.

Wenn zwei Jugendliche von 30 anderen im Stadtzentrum zusammengeschlagen werden und keiner der Passanten bzw. Taxifahrer auf der gegenüberliegenden Seite reagiert ist die Frage der Zivilcourage für mich gegessen.

Cry
SpawnNaja bei 30 angreifern würde selbst ich nicht eingreifen, sondern höchstens ein taktischen Einsatzkommando rufen.

Tatsache ist leider das man als Hilfe leistender oft mehr Probleme bekommt als derjenige der bis dahin Probleme hatte. Dies kann sogar bis zu Problemen mit der Justiz führen. Mnahce Nutzen Hilfbereitschaft nur aus. Ich kenne viele die genau wegen solcher Probleme inzwischen nicht mehr bereit sind zu helfen.

Bedanken dürfen wir uns da bei den Gesetzen.
Sensus Moriendimal etwas anderes:

wie kommt es dass freundlichkeit in der stadt so misstrauisch beäugt wird?

wenn man in der straßenbahn aufsteht, um einer alten dame denn sitzplatz anzubieten, umklammert sie erstmal ängstlich ihre handtasche und beäugt einen misstrauisch.....

gestern fand ich in einer zugtoilette ein portemonaie, dass der mann vor mir anscheinend verloren hatte... ich lief durch den ganzen zug um es ihm zurückzugeben... als ich ihn gefunden hatte, ließ er mich erst gehen (er hat mich wirklich festgehalten!) als er nachgesehen hatte, ob das geld noch darin ist... ein danke gab es nicht....

wenn man vollbepackten leuten helfen will, in einen zug einzusteigen oder durch eine enge tür zu kommen in dem man ihnen kurz eine tasche abnimmt oder reinträgt, bekommt man oft nur einen bösen blick ab oder wird angeschnauzt......

(natürlich sind das nicht die einzigen reaktionen die kommen, viele sind auch einfach nur froh... aber die negativen reaktionen kommen doch sehr häufig...)

ich finde es irgendwie sehr traurig, dass freundlichkeit (solange es nicht übertriebene freundlichkeit ist, da werde ich auch misstrauisch) so misstrauisch, oft sogar unfreundlich begegnet wird....

und andererseits: warum sind so wenige menschen auch bei kleinigkeiten absolut nicht gewillt zu helfen? wenn eine frau mit einem kinderwagen vor einer treppe steht die zu einem bahnsteig hochführt, warum kommt keiner auch nur auf die idee, ihr zu helfen den kinderwagen da hochzubringen? warum laufen zehn erwachsene männer, die sicher kein problem hätten, ihr kurz zu helfen, an ihr vorbei? warum kommt kaum mehr einer auf die idee, alten oder gebrechlichen menschen im bus oder der straßenbahn den sitzplatz anzubieten?
sollten dies nicht eigentlich selbstverständlichkeiten eines miteinanders sein? warum verkommen solche kleinen hilfestellungen immer mehr zu seltenheiten?

oder seh ich die welt einfach nur zu naiv, wenn ich mir denke keiner bricht sich einen zacken ab wenn er mal hilft?

grüße

Sensus Moriendi
rainraven:( viele Menschen gerifen auch nicht ein, weil sie nicht wissen, wie oder Angst haben,das Falsche zu tun. In einem Unfall z.B. weiß man nicht automatisch als medizinischer Laie, ob man dem Opfer schadet oder nützt, wenn man helfen will, denn wer hat schon noch den Erste-Hilfe-Kurs parat? Aber nach einem Arzt telefonieren oder die Unfallstelle sichern ist bestimt nicht falsch und das kann jeder.

Soweit ich weiß, darf man doch eigentlich auch nicht rechtlich belangt werden, wenn das Opfer einen Schaden hat, den es durch falsch angewendete Hilfeleistung bekommen hat oder auch nur möglicherweise dadurch bekommen hat, oder?

Natürlich ist niemand verpflichtet, in einer Situation zu helfen, wo er sich selber gefährdet und besser nur Hilfe herbeiholen oder die "Fachleute" (Feuerwehr Rettungsdienst, Bergrettung...)helfen lassen sollte oder evtl.alleine einer Übermacht gegenübersteht. Die Frage ist nur, ob man das auch immer richtig einschätzen kann.


Ich habe "leider" einen angeborenen Trieb (oder anerzogenen Anstand?), in einem Notfall meine Hilfe anzubieten. Auch wenn es darin resultiert, daß ich z.B. schon Bekannte bei der Polizei anzeigen mußte, weil sie jemanden beschädigt hatten oder im Polizeiwagen durch die Anlage fahren mußte auf der Suche nach einem Ladendieb. Als bei uns in der Disco hinter mir jemand umkippte, war ich auch zur Stelle (es ist nichts Schlimmes passiert, aber das weiß man ja zuerst nicht). Ich denke mal, wenn ich in einer Notlage bin, würde ich auch wollen, daß man mir hilft und heilfroh sein über jemanden, der eingreift.

Es ist leider eine Schande, daß mit Hilfesuchen Mißbrauch betrieben wird und Freundlichkeit mit Mißtrauen begegnet wird. Auch ich habe schon eine Geldbörse gefunden und mich nicht getraut, damit wegzugehen und nachzusehen, ob vielleicht ein Name oder eine Adresse drin sein könnte, ich hatte sogar Hemmungen, in das Ding reinzusehen, weil ich ja nicht wußte, ob mich jemand beobachtet, der mir dann evtl. Diebstahl vorwerfen knnte. Aber ich war nicht alleine (hatte Zeugen) und bin dann in das Geschäft, vor welchem ich den Geldbeutel gefunden hatte und gab dem Inhaber die Börse zur Verwahrung, hinterließ Name und Telefonnummer und bat ihn, einen Zettel draußen aufzuhängen.

Ja, man kann einfach nur hoffen, daß einem nichts passiert oder man sich in einer Gegend befindet, wo die Leute noch ehrlich und hilfsbereit sind.


T.R.
Darkness_MGHallo ,

ich habe lange in Berlin gelebt und kenne auch andere Grosse Städte in Deutschland in Hannover bin ich z.B. Rettungsdienst gefahren und sonnst habe ich oft für eine Security gearbeitet und es ist mir echt aufgefallen das die Leute immer egoistischer werden und sich nicht scheren was ihr Nachbar macht.
In Berlin gibt es jede Woche viele Türöffnungen weil den Nachbarn nach Wochen aufällt das Oma X oder Opa Y lange nicht auf der Strasse waren und die Feuerwehr findet dann die schon mumifizierten Leichen noch vor dem Fernseher.
Es soll sogar Leute geben die kleben die Türen wegen den Gestank ab aber das da jemand hinter der Tür liegen kann bedenken sie nicht.
Ich bin gerade wegen der Ignoranz in den Megagrosstädten aus Berlin weggegangen weil ich auch mal meine Nachbarn kennenlernen will und nicht nur ein Name auf der Klingel sein will hier in Mönchengladbach ist es wesentlich besser auch wenn man nicht so gut weggehen kann.

Bis dann und für alle mal ein Guten Rutsch
TharisGrüße

Leider gibt es viele Beispiele, bei denen ich mich auch frage: Was ist das eigentlich für ein Ort, in dem ich wohne? Da liegt im Kneipenviertel ein Punk auf dem Bürgersteig. Zig Leute stehen rum, und unterhalten sich, steigen über ihn drüber, niemand tut was. Und Klein-Tharis natürlich auch nicht, außer kurz schüchtern zu fragen, ob alles in Ordnung sei. Zu mehr reicht der Mut dann auch nicht, und gerade das frustriert. Ich könnte nicht einmal sagen, warum ich im entscheidenden Moment nicht die Courage habe. Ich will es nicht darauf schieben, dass ich ein (Wessi-)Stadt-Kind bin, das wäre wohl zu kurz gegriffen. Ich fühlte mich schon regelrecht unwohl dabei, den offensichtlich sturzbetrunkenen Jungen auch nur anzusprechen; unter anderem auch wegen der Blicke der Umstehenden.
Aber es gibt auch Gegenbeispiele: Gestern habe ich mich ausgesperrt. Ganz klassisch: Wäsche in den Keller bringen, Wohnungstür zu, und fertig. Da stand ich dann. Ziemlich verzweifelt, so ohne Nummer eines Schlüsseldienstes und mit Zeitdruck im Nacken. Im Treppenhaus (16 Geschoss Plattenbau, keiner kennt keinen) kam mir eine Frau entgegen. Als ich sie ansprach, hat sie mir ihr Branchenbuch aus dem Auto geholt, mir die Nummer gegeben, und mir noch gesagt, was preislich in Ordnung ist, und dass viele auch horrende Beträge verlangen. Meine Nachbarn (die ich vorher noch nie gesehen hatte), haben mir die Etagentür aufgemacht, und sich so lange mit mir unterhalten, bis der Mann vom Schlüsseldienst kam. Der war dann sogar verständnisvoll, als ich nicht alles Geld da hatte, und eben zur Bank rennen musste. Ich hätte genauso gut abhauen können, und er hätte ohne Geld dagestanden. Vertrag oder Rechnung war bis dahin nämlich noch nicht.
Es sind zwar nur so kleine Dinge (Wie auch zum Beispiel, dass eine alte Frau bei mir auf dem Flur täglich die Runde macht und bei allen Älteren klingelt, die sie lange nicht mehr gesehen hat, nur, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.), aber gerade die sind es irgendwo, die mich hoffnungsvoll stimmen.
Leider haben die meisten (und zugegebenermaßen doch wohl auch die meisten hier) viel zu oft viel zu wenig Mut/Zeit/Was auch immer, aber es gibt so etwas wie Hilfsbereitschaft.

Ob das auf dem Lande anders ist, das kann ich nun nicht beurteilen, aber dort kennt man die Menschen ja wahrscheinlich auch zumindest vom Sehen. Ich meine, wenn man in so einem Haus wohnt, dann begegnet man selten jemandem zweimal im Flur, da fällt es dann schon auch schwerer, jemanden kennen zu lernen. Es freut mich eher, dass es noch so was gibt wie: Ich renne mal eben für das völlig aufgelöste Mädel raus in die Kälte und komm ein paar Minuten zu spät zu meinem Termin, damit die nicht ewig draußen stehen muss, dieser Schussel.

Im Grunde kann man doch nichts ändern an den Zuständen, nur so viel machen, wie irgend geht. Vielleicht wird es besser... So einfach man das auch dahinsagen mag.

Bitterbunte Grüße,
Tharis

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