| Darket | Der heilige Gral einer jeden deutschen Gewerkschaft steht in Deutschland zur Debatte, der Kündigungsschutz. Arbeitgeber fordern mehr Flexibilität und weichen auf Grund der Gesetzeslage auf Tricks aus, die keinen weiterbringen, wie [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=31356]hier[/URL] nachzulesen ist. Zum 1.1. diesen Jahres wurde der Kündigungsschutz nun gelockert, aber auch das bringt nur Kleinstbetriebe weiter, darum schwebt die Forderung nach der gänzlichen Abschaffung im Raum. Ein, wie ich finde ganz taugliches Konzept ist die totale Abschaffung des Kündigungsschutzes zu Gunsten eines staatlich geregelten und überwachten Abfindungssystems. D.h. der Arbeitgeber kann Arbeitsverhältnisse jeder Zeit beenden (mit Frist von etwa zwei Wochen) ist dafür aber verpflichtet eine tariflich festgelegte Abfindung zu berappen. Diese muss sich natürlich in einer Höhe bewegen, die es dem Arbeitgeber schwer aber nicht unmöglich macht im Falle einer verschlechterten Auftragslage Mitarbeiter zu entlassen. Was haltet ihr davon? das ist ein Konzept, dass mein Wirtschaftslehre-LK mal angedacht hatte und ich halte es für deutlich sinnvoller als diese Lockerung seit diesem Jahr. |
| GalacticSurfer | Klingt nicht schlecht, denn das motiviert Unternehmer ja auch schneller wieder Leute einzustellen. Wird das nicht so schon in Dänemark praktiziert? |
| ange gardien | Ich weiss nicht so recht. Ich kann mir die Reaktion der Arbeitgeber jetzt schon vorstellen: "Bei DEN hohen Abfindungen ist es uns unmöglich zu kündigen.... im Prinzip besteht dadurch der Kündigungsschutz weiter, nur viel schlimmer...." Mehr Arbeitsplätze werden dadurch wohl kaum geschaffen. Ich selbst bestreite nicht das wir eine Reform des Arbeitsmarktes brauchen, nur eine Abschaffung des Kündigungsschutzes wird irgendwann zu "Amerikanischen Verhältnissen" führen - mit einer hire and fire Mentalität die eine langfristige Lebensplanung für Arbeitnehmer nahezu unmöglich macht ( ok, das haben wir eigentlich heute schon ). Auch das mit den Abfindungen generell ist so eine Sache. Da werden teilweise Summen bezahlt die sich enorm anhören. Bedenkt man aber das man mit diesem Geld eine ganze Weile leben, vielleicht noch eine Familie ernähren muss, ist das dann oft nicht sooo viel wie man denkt. Wer kann schon sagen wie schnell man wieder einen Job findet? Gar nicht so einfach. Vielleicht fällt mir noch was Vernünftiges dazu ein. Im Moment bin ich ein kleines Nervenbündel weil voll im Klausuren-Streß. Eigentlich sollte ich schon längst im Bett liegen anstatt hier im GGB zu schreiben :D Gruss ange |
| LaChatte | jaja.. der deutsche Kündigungsschutz..:D in der Schweiz wirds so gehandhabt, und man ists zufrieden: Im ersten Dienstjahr: Kündigungsfrist min. 1 Monat ab zweitem Dienstjahr: Kündigungsfrist min. 2 Monate ab zehntem Dienstjahr: Kündigungsfrist min. 3 Monate. Bei Zeitarbeit gibts in den ersten drei Monaten noch kürzere Kündigungsfristen - nämlich zwei Tage, und ab dritten Monat eine Woche, und dann - ab sechstem Monat - einen Monat. Und der heute wohl häufigste Kündigungsgrund ist "ökonomische Gründe"...:( sprich, einfach zu wenig Arbeit. |
| Apex | Hmmmm ich sehe da ein paar Probleme... Ich war letztens mit meinem WiSo-Kurs auf einer Werksbesichtigung bei Opel in Rüsselsheim. Dort läuft heute quasi alles automatisiert nur in der Endmontage wird noch richtig Hand angelegt. In den anderen Bereichen werden nur noch ein paar einzelne Arbeitnehmer beschäftigt...und zwar genau diese die aufgrund ihres Kündigungsschutzes nicht entlassen werden können. Würde dieser jetzt wegfallen säßen diese Arbeitnehmer auf der Straße. Und da die meisten eh um die 40-50 Jahre alt sind wohl auch bis zur Rente. Diese Menschen wollen aber arbeiten, sie wollen ihr Geld verdienen und haben auch teilweise Schulden und Hypotheken abzubezahlen. Es wäre eine soziale Katastrophe hier den Kündigungsschutz abzuschaffen. |
| LaChatte | [QUOTE]Es wäre eine soziale Katastrophe hier den Kündigungsschutz abzuschaffen.[/QUOTE] Da halte ich es aber für sinnvoll, neue Arbeits- und Finanzierungsmodelle zu schaffen, anstatt krampfhaft an überflüssigen Arbeitsplätzen festzuhalten, die nicht wirklich produktiv sind. Die Weber fühlten ähnlich, als die automatischen Webstühle erfunden wurden und sie ihre ARbeit verloren... aber heute finden wir automatische Webstühle doch eine gute Sache, nicht? |
| Darket | Man sieht gern die Arbeitnehmerseite, die Arbeitgeber haben allerdings ebenfalls Interessen, ob man diese als gleichberechtigt betrachten sollte ist eine andere Frage, aber dass der Kündigungsschutz in vielen Fällen ein Einstellungshindernis ist, ist einwandfrei festgehalten, daher ja zu diesem Jahr auch die Lockerung, die ich persönlich aber für ziemlich sinnfrei halte. Das Abfindungssystem müsste meiner Meinung nach in jedem Fall gesetzlich reglementiert werden und zwar in einem Maße, dass es das Hire&Fire System nicht rentabel macht. Man könnte auch darüber nachdenken, den Kündigungsschutz bei Großkomnzernen beizubehalten und ihn nur bei kleinen und mittleren Unternehmen zu Gunsten des Abfindungssystems abzuschaffen, die sich dreimal überlegen müssen einmalig tief in die Tasche zu greifen um die eigene Produktivität zu lindern. D.h. solches würde nur in Fällen geschehen, in denen das leider absolut unumgänglich ist. |
| Apex | Das wäre durchaus eine Möglichkeit Darket man könnte auch versuchen einfach einen Kündigungsschutz für sozial schwächere wie Schwangere, Auszubildende, 40-50 jährige etc. beizubehalten. |
| Montrose | Das hängt ja auch mit der Frage zusammen: was für eine Gesellschaft wollen wir eigentlich? Kündigungsschutz gibt den Menschen Sicherheit, so daß sie Familie/Rente usw. alles besser planen können. Wenn das wegfällt, was machen wir stattdessen, damit die Leute eine Zukunftsperspektive haben? Es muß eine Risikoverteilung vorhanden sein, daß nicht nur der Arbeitnehmer den Schaden hat, wenn ein Betrieb scheitert/Mißmanagement?/politische Fehler. Das Risiko muß von Gekündigten, Arbeitgeber und Staat gemeinsam getragen werden. Was das amerikanische Hire&Fire betrifft, so simpel läuft das dort auch nicht ab. Sorry, ich bin kein Experte, aber haben die nicht Betriebsbeteiligungen ("K2")? |
| Darket | Jep meine Fragestellung richtete sich insgesamt in Richtung von Variationen dieses Gesetzes, weil ich die "Reform" der Bundesregierung für idiotisch und überflüssig halte, da das eigentliche Problem der Nichteinstellung sicherlich nicht nur in Betrieben mit 6-10 Mitarbeitern existiert. Angestellte, die schon in Arbeitsverhältnissen stehen behalten ihren Kündigungsschutz (schon aus rechtlichen Gründen), zusätzlich muss dieser für Schwangere oder Azubis natürlich beibehalten werden, aber warum nicht Arbeitsplätze schaffen, indem man dem Arbeitgeber zumindest die Möglichkeit lässt flexibler zu handeln? |
| Montrose | Um mal ein bißchen weiterzudenken: Ich halte eine höhere Flexibilität in der Bezahlung für sinnvoller als ein gelockerter Kündigungsschutz. Anders ausgedrückt: wenn in einem Betrieb Flaute ist, soll der Lohn halt auch mal zurückgefahren werden. Und dann kann der Arbeitnehmer ja selbst entscheiden, ob er bleibt oder etwas anderes sucht. Das war meines Erachtens der strategische Hauptfehler der Gewerkschaften: Lohn hoch hoch hoch hoch. Richtiger wäre es, mit den Löhnen runter und Arbeit zu verteilen. Mit ein Grund, warum ich so anti-links eingestellt bin... die Vertreter der Linken sind in den letzten dreißig Jahren im Grunde eine ziemlich unsoziale Schiene gefahren. |
| LaChatte | nein, das halte ich für ungünstig, wie willst du dann dein Budget planen? Und eine solche Strategie hätte, wie ich befürchte, die grosse Tendenz, dass bei jedem Hauch einer Schwierigkeit die Löhne gekürzt werden, aber dass es nachhinken wird, sobald es besser geht. und mit einer vernünftigen Kündigungsfrist hat der/die Angestellte genug Zeit, sich was neues zu suchen - wird mit etwas Glück sogar freigestellt - und kann sich, im Falle eines Falles, nachher immer noch arbeitslos melden. |
| Apex | Das eigendliche Grundproblem ist ja das man den Arbeitgeber dazu bringen will hier in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen. Sicher könnte so eine Lockerung des Kündigungsschutzes dazu beitragen aber ob es wirklich so ein gutes Mittel ist...ich hab ja meine eigene Theorie wie es funktionieren könnte, gut ich bin kein Bertriebs- oder Volkwirtschaftler, aber mal folgende Idee: Wie wäre es wenn man die Lohnnebenkosten in den Wind schießt? Halt net aufschreien es kommt ja noch besser...und was wäre wenn man die sozialen Leistungen des Staates über eine erhöhte Mehrwertsteuer finanziert? so rein als Idee Betrieb und Arbeitnehmer würden eine Menge Geld sparen...und das System wäre gerechter weil nun jeder mit in die Kassen einzahlt...der Bauarbeiter der sich ne Buddel Bier kauft, der Geschäftsmann der sich die Financial Times kauft und der Arbeitsminister der sich nen neuen Mercedes kauft. |
| Montrose | [QUOTE]dass bei jedem Hauch einer Schwierigkeit die Löhne gekürzt werden, aber dass es nachhinken wird,[/QUOTE] Das ist immer noch besser, als wenn jemand bei jeder Flaute rausgeschmissen wird. Wenig ist immer noch besser als nichts. [QUOTE]und mit einer vernünftigen Kündigungsfrist hat der/die Angestellte genug Zeit, sich was neues zu suchen - wird mit etwas Glück sogar freigestellt - und kann sich, im Falle eines Falles, nachher immer noch arbeitslos melden. [/QUOTE] Benjamin Blümchen läßt grüßen. In Deinem Modell zahlt der Arbeitnehmer und der Staat die Zeche, der Arbeitgeber kommt ungeschoren davon. Hört sich nicht gut an. @Apex. Deine Idee ist gut. Wer mehr besitzt, konsumiert teurer und trägt mit seinem Konsum zum Allgemeinwohl bei. Umverteilung von oben nach unten, wobei die Produktivkraft erhalten bleibt. Sehr gut. Ich vermute allerdings, daß das alleine aus der Mehrwertsteuererhöhung nicht finanzierbar ist. |
| Apex | @Montrose Wie gesagt ich bin kein Volkswirtschaftler, amn müßte die Sache mal durchrechnen aber ich denke das eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in einem Rahmen von 4% schon einiges Auffangen würde, für den Rest müßte man sich etwas anderes überlegen. |
| GalacticSurfer | Hmmh, klasse, Steuererhöhungen, liest sich wirklich gut, das Allheilmittel aus der sozialdemokratischen Mottenkiste. Anscheinend haben die Leute ja Geld wie Heu in der Tasche und die Krise des Einzelhandels existiert nur virtuell??? Wie wäre es denn, wenn die Politik mal ernsthaft mit dem Sparen begänne! |
| Apex | Hm du hast es wohl nicht richtig verstanden Surfer da gleichzeitig auch die Lohnnebenkosten wegfallen hast du auch mehr Netto im Geldbeutel. Und die Steuererhöhungen wären wenigstens gerecht das sie von allen getragen werden. |
| Darket | Jede Steuererhöhung gleich der "sozialdemokratischen Mottenkiste" zuzuordnen geht auch ein wenig an der Realität vorbei. Ewig senken kann man die Steuern schließlich nicht, der Staat hat schließlich gewisse Aufgaben zu erfüllen und es wäre völlig legitim die Steuern in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs zu erhöhen (nennt man nachfrage orientierte Wirtschaftspolitik nach Keynes), leider tut ja niemand sowas, aber prinzipiell ist es durchaus erlaubt Steuern auch zu erhöhen :rolleyes: |
| GalacticSurfer | Eine MWST-Erhöhung wird sich weiter einkommensvermindernd auswirken. Die Lohnnebenkosten belasten ja in erster Linie die Unternehmen und nicht den Arbeitnehmer. |
| Darket | Neee, die Lohnnebenkosten gehen zu gleichen Teilen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber, jedenfalls auf die Einzelperson bezogen, d.h. auch der Arbeitnehmer hat dadurch 17-18% mehr von seinem Lohn. Der Arbeitgeber spart je nach Zahl der Angestellten und etwa ab dem 5. ist das Gehalt für den 6. schon wieder drin, dahingehend ist die Idee garnicht so verkehrt, man müsste eben mal ausrechnen wie hoch eine Steuererhöhung in so einem Fall ausfallen müsste, aber prinzipiell ist die Idee so schlecht nicht. |
| Ronin47 | Nun, Märkte sind Systeme mit eigendynamik, egal welche Regeln man ihnen aufdrückt, jeder beteiligte wird versuchen nach Lücken für seinen eigenen Vorteil zu suchen. Jeder diskutiert über Prozentpunkte auf der Steuerskala, aber anscheinend fragt sich keiner, wie es eine ganze Berufssparte schafft vom Steuerchaos zu leben. Jeder jammert, daß er zu viel Steuern zahlen muß, aber keiner regt sich drüber auf wie dilletantisch Vater Staat die Kohle raushaut. Jeder regt sich auf, daß er zu viel Arbeiten muß, keiner fragt sich wieviel Arbeit dissipiert wird (z.B. Steuerberater). Wir könnten den aktuellen Wohlstand mit der Hälfte des Arbeitseinsatzes halten, aber vieleicht ist es auch ganz gut wenn die Menschen nicht zuviel Zeit haben..... Letztendlich glaube ich liegt die Lösung im gesellschaftlichen Umdenken, ein Kollektiv Arbeitet für Güter, Dienstleistungen etc., wie schaffen wir es das mit möglichst wenig Arbeitsaufwand möglichst viel an Lebensqualität ermöglicht wird? Leider ein schöner Traum.... |
| LaChatte | [QUOTE]Das ist immer noch besser, als wenn jemand bei jeder Flaute rausgeschmissen wird. Wenig ist immer noch besser als nichts.[/QUOTE] Es gibt doch wohl auch in Deutschland eine Arbeitslosenversicherung, oder nicht? [QUOTE]In Deinem Modell zahlt der Arbeitnehmer und der Staat die Zeche, der Arbeitgeber kommt ungeschoren davon. Hört sich nicht gut an.[/QUOTE] Nein, der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Kündigungsfrist einzuhalten... und bis zu deren Ablauf den vollen Lohn zu zahlen, auch wenn er den Mitarbeiter gar nicht mehr brauchen sollte. [QUOTE]Wir könnten den aktuellen Wohlstand mit der Hälfte des Arbeitseinsatzes halten[/QUOTE] Das ist wohl wahr... was ich hier in der Schweiz für Überflüssigkeiten und Leerläufe beobachte, da kommt mir manchmal das kalte Grausen... |
| GalacticSurfer | Kann mir jemand mal die These belegen, weshalb der Wohlstand mit der halben Arbeit zu halten sein soll? M.E. widerspricht das jeglicher Lebenserfahrung, aber ich bin auf die Antwort(-en) gespannnt. |
| LaChatte | Wenns um Verwaltung geht - sei es staatlich oder in der Privatwirtschaft, vor allem in grossen Organisationen - ist schon eine Tendenz zu bemerken, dass es je länger je umständlicher wird. Was zwar einen Haufen Aktivität verursacht, aber keineswegs produktiv ist. es ist für uns heute praktisch unvorstellbar, wie die Römer ihr riesiges Reich ohne Kopierer, Fax und sogar ohne Papier verwaltet haben können... |
| Roth | Kündigungsschutz lockern? Wer jederzeit gekündigt werden kann, lebt ständig in angst dafor seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Folglich wird er seinen Lohn eher sparen als Neuanschaffungen zu tätigen. Projezieren wir diese aussage auf ein paar Millionen Arbeitnehmer. Das wird sicherlich nicht zum Wirtschaftswachstum beitragen. |
| GalacticSurfer | @LaChatte Tja... Genauso frage ich mich, wie solche Bauten wie das Reichstagsgebäude oder der Kölner Dom ohne Tieflader, Bagger und Lastwagen errichtet werden konnten. Jede Zeit schafft sich eben ihre Mittel und ohne Autos oder Faxgeräte würde die Menschheit auch weiterleben. |
| LaChatte | Warum sollten alle Arbeitnehmer ständig Angst haben, den Arbeitsplatz zu verlieren? Gute Leute werden gern behalten... gute Leute werden sogar umworben und gehätschelt. |
| Roth | So meinte ich es - anyone- man wird vollständig der willkühr der Arbeitgeber überlassen, z. B. in gegenden mit hoher Arbeitslosenquote. |
| GalacticSurfer | @anyone Ich empfehle Dir mal einen Arbeitsplatz in LEITENDER Funktion zu übernehmen, dann wirst Du ganz schnell feststellen, daß Du z.B. Deine Mitarbeiterinnen nicht nach der Oberweite einstellst, sondern nach ihrer Qualifikation und jeden Morgen hoffst, daß sie wiederkommen und nicht zur Konkurrenz gehen. Glaub' mir mal, daß es so ist, der Rest stammt aus der gewerkschaftlichen Nebelküche.:p |
| GalacticSurfer | Sicher ist jeder ersetzbar, die Friedhöfe legen beredtes Beispiel davon ab... So, auch Ironie beiseite. Aber welchen Sinn soll es denn machen, gute Mitarbeiter willkürlich zu feuern und durch neue zu ersetzen? Der Erfolg eines Unternehmens hängt nun mal von den gut eingespielten Angestellten ab, jedenfalls meine Erfahrung. |
| Sirius | Ich denke auch, das eine weitere Lockerung bzw. ein vollständiges wegfallen des Kündigungsschutzes nicht sofort zwangsläufig zu einer Welle von Rauswürfen führt. In anderen Ländern funktioniert es ja schließlich auch. Das Problem ist eben, das die Auftragslage für Mittelständische Unternehmen nicht gerade rosig ist, daher wäre es ideal, wenn so ein Betrieb die Anzahl seiner Mitarbeiter nach Auftragslage planen könnte, d.h. er holt sich ggf. zu einer Kerngruppe noch x Leute dazu, die für 2 oder 3 Monate den Gelegenheitsjob haben und fertig. Genauso verhält es sich mit der großen Zahl der Unternehmen, die Saisonbedingt arbeiten. Und das die Gewerkschaften die Interessen der Arbeitnehmer vertreten, halte ich schon lange für ein Märchen - die vertreten nämlich Hauptsächlich ihre eigenen Interessen. In Zeiten stagnierender Konjunktur und miserabler Auftragslage habe ich als Arbeiter eher weniger Interesse an absurden Forderungen von 5% mehr Gehalt, sondern eher daran, das mein Arbeitsplatz erhalten bleibt! |
| LaChatte | [QUOTE]In Zeiten stagnierender Konjunktur und miserabler Auftragslage habe ich als Arbeiter eher weniger Interesse an absurden Forderungen von 5% mehr Gehalt, sondern eher daran, das mein Arbeitsplatz erhalten bleibt! [/QUOTE] Oder aber auch, dass neue Arbeitsplätze in innovativen Branchen geschaffen werden... doch welcher Unternehmer traut sich schon, so ein Experiment durchzuführen, wenn er nicht eine gewisse Flexibilität in Bezug auf Personaleinstellungen hat? |
| GalacticSurfer | Außerdem würde damit auch ein Ansporn für diesen und jenen zu mehr Leistung verschaffen. Ich habe in Großbetrieben teilweise solche ineffizienten Leute gesehen, die sich quasi auf ihrem Kündigungsschutz ausgeruht haben, daß es nicht mit zum Ansehen war. Es wäre auch zum Wohle des Unternehmens und damit aller, wenn sich diese Damen und Herren aufgrund neuer Rahmenbedingungen etwas mehr anstrengen. |
| Tiberon | [QUOTE][i]Original geschrieben von Sirius [/i] [B]In Zeiten stagnierender Konjunktur und miserabler Auftragslage habe ich als Arbeiter eher weniger Interesse an absurden Forderungen von 5% mehr Gehalt, sondern eher daran, das mein Arbeitsplatz erhalten bleibt! [/B][/QUOTE] "Und?" "Ich glaub die habens gefressen" "Gut" "Die Tickets?" "Sind im Schrank" "Bestens" "Mein Gott, wenn die rauskriegen, was die uns an Kohle innen Arsch schiebe, fackeln die mir die Bude ab" "Jup, nicht nur deine" "Hihi" "Und dazu verzichten die Jahr aufs Jahr auf ne Gehaltserhöhung" "Lol, ja, und nur um ihren ollen Job zu behalten" ... "War da nich grad was?" "Och, nur Bettler" "3 Hunde?" "Hmm, heut mal alle, die wolln auch ihren Spaß" "Hehe, ich gucks mir vom Balkon an" "Ich komm gleich nach" "Da bring noch ne Flasche mit .." |
| Dainty | [QUOTE][i]Original geschrieben von Sirius [/i] [B]Das Problem ist eben, das die Auftragslage für Mittelständische Unternehmen nicht gerade rosig ist, daher wäre es ideal, wenn so ein Betrieb die Anzahl seiner Mitarbeiter nach Auftragslage planen könnte, d.h. er holt sich ggf. zu einer Kerngruppe noch x Leute dazu, die für 2 oder 3 Monate den Gelegenheitsjob haben und fertig. Genauso verhält es sich mit der großen Zahl der Unternehmen, die Saisonbedingt arbeiten.[/B][/QUOTE] Das mit dem "Leute kurzfristig dazu holen" gibt es schon oder wozu gibt es sonst immer mehr Zeitarbeitsfirmen oder irgendwelche Möchtegern-Zeitarbeitsfirmen sponsorded by Bundesanstalt für Arbeit, dessen Mitarbeiter für n Appel und n Ei malochen, damit die Statistik wieder schöner aussieht. Jede Firma die halbwegs etwas auf sich hält redet immer von qualifizierten Mitarbeitern...Wo sollen die bitte herkommen, wenn man mal hier und mal da arbeitet? Schonmal was von Identifikation mit dem Unternehmen gehört? Ich denke dass so ein Hin- und Hergeschiebe nur dazu führt dass die Arbeitsproduktivität sinkt. Zum Thema Abfindungen - die müssen meines Wissens nach eh gezahlt werden wenn sich herausstellt, dass eine Kündigung nicht gerechtfertigt war. Welcher Mitarbeiter möchte schon weiter in einer Firma arbeiten mit der er eine Kündigungsschutzklage am Laufen hatte? Btw.: Betriebsbedingt kann man immer kündigen wenn es wirklich notwendig ist. |
| LaChatte | [QUOTE]Jede Firma die halbwegs etwas auf sich hält redet immer von qualifizierten Mitarbeitern...Wo sollen die bitte herkommen, wenn man mal hier und mal da arbeitet? [/QUOTE] Gerade für junge Menschen gibts kaum etwas Besseres, als man in verschiedenen Firmen Erfahrungen zu sammeln und zu schauen, wie denn Arbeiten überhaupt funktioniert... |
| Dainty | [QUOTE][i]Original geschrieben von LaChatte [/i] [B]Gerade für junge Menschen gibts kaum etwas Besseres, als man in verschiedenen Firmen Erfahrungen zu sammeln und zu schauen, wie denn Arbeiten überhaupt funktioniert... [/B][/QUOTE] Ich rede hier nicht vom Studenten, der mal ein Praktikum macht; in den Semesterferien einen studienspezifschen Job annimmt oder nach dem Studium selbstfindungsmäßig durch verschiedene Firmen tingelt. Ich meine den, der z.B. Schlosser gelernt hat (sowas soll es tatsächlich noch geben). Der hat vielleicht frühstens nach 2 Monaten richtig raus, wie die und die Maschine funktioniert. Dann fängt er endlich an fließend und eigenverantwortlich zu arbeiten und dann soll er in eine andere Firma um dort nach wiederum 6 Monaten oder wieviel auch immer "rausverkauft" zu werden? Angenommen ich bin irgendein Personalleiter und hab eine Bewerbung von einer Bürokauffrau vor mir auf dem Tisch in dessen Lebenslauf das totale Chaos herrscht, weil sie mal 3 Monate da und 12 Monate hier war. Ich glaube ich würde denken, dass sie es nicht geschafft hat sich in den Unternehmen zu einem unverzichtbaren Mitarbeiter zu machen oder mit Arbeitskollegen oder möglicherweise mit sich selbst nicht klarkommt. |
| LaChatte | die Möglichkeit, Kurzeinsätze zu machen, ist ja noch lange keine Verpflichtung...;) und besser ein Kurzeinsatz als gar nix, nicht wahr? Und einem Lebenslauf sieht mans in der Regel schon an, was jemand kann und was nicht. Und im Gespräch kommts erst recht heraus... Wir haben zum Beispiel einen Typen, der arbeitet jeweils im Sommer auf dem Bau (temporär, natürlich), um im Winter für drei oder vier Monate in die Dominikanische Republik zu verschwinden, wo er sich eine Existenz aufbaut. Da ist Zeitarbeit natürlich ideal... Und es gibt durchaus auch Zeitarbeitseinsätze, die über mehrere Jahre hinweg gehen... wenn ein Mitarbeiter gut ist, wird ihn die Firma behalten wollen, egal, wie er angestellt und bezahlt ist. |
| Travis28 | @Darket: Die Idee ist absolut förderlich für die Wirtschaft, zumal zu über 90% der Kündigungsschutzprozesse ohnehin mit einer Abfindung enden. Die Leidtragenden wären die Anwälte, aber das wäre ok. Aber Darket, wolltest Du nicht den Genossen beitreten? Die würden Dich doch teeren und federn, wenn Du mit so (vernünftigen) neoliberalen Vorschlägen ankommst. Wie paßt das zusammen? |
| Sirius | Wir brauchen uns nicht darüber streiten, welch merkwürdige Methoden die Bundesanstalt für Arbeit heranzieht, um ihre Statistiken zu schönen. Identifikation mit dem Unternehmen ist ja schön und gut, jedoch wird gleichzeitig vom Arbeitnehmer immer mehr Flexibilität verlangt und Zeitarbeit ist gerade voll im Trend. Ich bin auch nicht unbedingt ein großer Fan davon, aber ich denke, die Anzahl der Festanstellungen wird sich weiter reduzieren und die Zahl der Zeitarbeiter / Gelegenheitsjobber steigt an. Was nützt es mir als Unternehmer, wenn ich für ein Projekt oder für einen Auftrag über einen Kurz- oder Mittelfristigen Zeitraum dringend Leute benötige, diese aber fest einstellen muß und auf Grund des Kündigungsschutzes nicht oder nur unter großen Anstrengungen wieder "loswerde" ? Sicher gibt es dieses Hintertürchen mit den Betriebsbedingten Kündigungen, aber das ist auch immer so eine Sache. Es ist ein Dilemma, ganz klar, aber der Arbeitsmarkt strebt mehr und mehr in diese Richtung. Naja und dann höre ich von Arbeitslosen solche Aussagen: "Natürlich könnte ich auf Montage gehen, aber da mache ich mich ja kaputt und komme aus diesem Bereich nie wieder raus, wenn ich einmal drin bin..." Die Arbeitslosigkeit wird also gegenüber dem Gelegenheitsjob bevorzugt. Und der Bauunternehmer, der Händerringend Leute braucht, nimmt dann halt die Polen oder Rumänen, die bei ihm Schlange stehen, vielleicht sogar schwarz. |
| Dainty | @Sirius Ich will auch nicht darüber diskutieren, ganz bestimmt nicht. Ich habe nur auf das reagiert was du geschrieben hast und worüber ich eine etwas andere Meinung habe. Ich find Zeitarbeitsfirmen nicht schlecht, allerdings fänd ich es schlecht wenn der Umfang an verschiedenartige Jobs, die von Zeitarbeitsfirmen angeboten werden weiter wächst. |
| LaChatte | [QUOTE]Ich find Zeitarbeitsfirmen nicht schlecht, allerdings fänd ich es schlecht wenn der Umfang an verschiedenartige Jobs, die von Zeitarbeitsfirmen angeboten werden weiter wächst.[/QUOTE] Ach, das find ich jetzt gar nicht... vor allem wohl deshalb, weil ich in einer solchen arbeite, und die eventuell wegen mangelnder Aufträge bald ihre Pforten schliessen wird...;) Zeitarbeitsfirmen vermitteln übrigens auch Dauerstellen. Und es ist im Interesse jeder Zeitarbeitsfirma, Angestellte so lang wie möglich an der selben Stelle zu behalten - ist am rentabelsten |
| Dainty | [QUOTE][i]Original geschrieben von LaChatte [/i] [B]Ach, das find ich jetzt gar nicht... vor allem wohl deshalb, weil ich in einer solchen arbeite, und die eventuell wegen mangelnder Aufträge bald ihre Pforten schliessen wird...;) Zeitarbeitsfirmen vermitteln übrigens auch Dauerstellen. Und es ist im Interesse jeder Zeitarbeitsfirma, Angestellte so lang wie möglich an der selben Stelle zu behalten - ist am rentabelsten [/B][/QUOTE] Das ist ja sehr löblich und mir durchaus bekannt, aber tritt dann nicht das ein, was anscheinend viele nicht wollen, nämlich dass man sich einen Arbeitnehmer an den Hals holt, den man nicht wieder loswird (was eh ein Märchen ist)? Zeitarbeisfirmen sind also dann gut, wenn man anderen Firmen für ein paar Monate Mitarbeiter zur Verfügung stellt, mit denen man die ganze Schmach mit Kündigung etc. nicht durchmachen muss [b]und[/b] Zeitarbeitsfirmen sind gut, um Arbeitnehmer doch dauerhaft an ein Unternehmen binden zu können. Irgendwie entzieht sich das meiner Logik. |
| LaChatte | Temporärfirmen sind vor allem dafür gut, andere Firmen von der Personaladministration und Rekrutierung zu entlasten... outsourcing of human resources, wie das so schön heisst... die wichtigste Dienstleistung für Firmen heisst eindeutig "Flexibilität" |
| Darket | @Travis Den genossen fehlen ein paar liberalere Einflüsse, da halte ich zumindest die Diskussion eines solchen themas für wichtig. Die Idee ist wiegesagt in meinem Wirtschaftsleistungskurs in der schule diskutiert worden. Meine Lehrerin ist Sozialdemokratin seit über 30 Jahren und auch die fand die Idee zumindest diskussionswürdig. So sehr ich es schätze, dass dieses Land starke Gewerkschaften sein eigen nennen kann, aber deren Beharren auf Grundsätzen, die vor 20 oder 30 Jahren durchaus förderlich und erforderlich waren ist in keiner Weise konstruktiv. Der Kündigungsschutz ist so (vor oder nach der "Reform" ist eigentlich egal) einfach nicht mehr zeitgemäß, also ist die Überlegung, wie man etwas daran ändern kann, ohne den Arbeitnehmer völlig einer Willkürherrschaft seines Arbeitgebers auszusetzen. Daher müsste der Kündigungsschutz für bestimmte Gruppen (Apex nannte oben schwangere Frauen) bestehen bleiben. Genauso müssten die sozialen Kriterien bei der betriebsbedingten Kündigung weiterhin Berücksichtigung finden, d.h. der 50-jährige Familienvater sollte immernoch gegenüber dem 30 jährigen Single besser geschützt werden. Grundsätzlich ist es jedoch erforderlich eine ernsthafte Reform dieses wirklich wichtigen Bereiches anzugehen. P.S. Ich hab mich immernoch nicht ganz durchgerungen den Aufnahmeantrag loszuschicken.... :rolleyes: |
| Travis28 | @Darket: Schick ihn bloß nicht weg, den Aufnahmeantrag. So sehr ich Deine Argumentation voll unterstütze, so überzeugt bin ich, daß Du bei den Genossen ziemliche Enttäuschungen erleben würdest. Und möglicherweise entwickelt sich die Parteienlandschaft ja auch in der nächsten Zeit, da ist viel im Fluß. Denn der Fortschrittsdruck "stirb oder paß Dich an" gilt auch für Parteien, so daß es die SPD in der bisherigen Form ohnehin nicht mehr lange geben wird. Entweder wird sie vom Politdarwinismus überrollt (Projekt 18 *g*) oder es taucht - wie Kai aus der Kiste - ein großer Reformer auf, der das sozialdemokratische Schiff aus der sozialistischen Mottenkiste herausholt und auf einen modernen Kurs ähnlich New Labour in England zwingt. Und wer weiß schon, wie sich die Union entwickelt? Vielleicht landen wir beide mal in derselben Partei, aber derzeit sehe ich noch keine Richtung, die mich völlig überzeugen könnte. |
| Darket | *lol* Travis, soweit sich die Union auch bewegt, DA kriegt mich niemand rein! Meine Vorfahren würden sich glatt im Grabe umdrehen :D Wiegesagt wär die FDP ja ganz nett, wenn die das Wörtchen "liebral" nicht immer nur auf die Wirtschaftspolitik beziehen würden, andere kompetenzen besitzen die leider garnicht und wenn, dann springen sie auf fahrende Züge auf, weils grade in den Wahlkampf passt (Stichwort Legalisierung von cannabis). Grün ist politisch nicht so weit weg von mir, aber die Menschen in dieser Partei sind zum großen Teil einfach zum Kotzen (also die Basis). Was bleibt ist also die Volkspartei SPD, die immerhin mehrere Stömungen zulässt, wenn sie vielleicht auch nicht beliebt sind, aber ich möchte auch nicht in eine Partei, um mich irgendwo beliebt zu machen. |
| Travis28 | @Darket: Wie ich sehe, lieferst Du Dir selbst die Steilvorlagen, wenn Du FDP oder Grüne so anpreist*ffg*. Sind beide in jedem Fall besser als die altmodische und verstaubte SPD; die sind doch so was von gestern, daß speziell für die eigentlich der Begriff "Ewiggestrige" erfunden sein sollte. *hüstel* wie kann ein sich modern äußernder Mensch wie Du überhaupt entfernt an die Sozis denken? Ich glaube fast, daß Du Dich in ne SPD-Schnecke verliebt hast und jetzt hechelnd - und unterwürfig, vgl. BDSMthread - hinter ihr her in die verruchtesten und versifftesten Winkel folgst, mögen diese auch ein SPD-Stammtisch in einem noch verräucherterem Hinterzimmer sein *g*. |
| Darket | Neee ich kann Dir versichern, dat ich eigentlich kaum jemanden von den Sozis kenne....und dat mit dem BDSM-Thread würd mich jetzt ma interessieren, wie meinstn dat? Sei so gut und erläutere mir das ma, am besten per PN |