| LaChatte | Aus aktuellem Anlass: ich schaue auf SF 1 gerade die "Arena", und es geht um die Volksabstimmung in zwei Wochen, die sich um die erleichterte Einbürgerung dreht. Neu, wenn denn beide Vorlagen angenommen werden, soll gelten: - Jugendliche zwischen 14 - 24 Jahren, die mindestens fünf Jahre der obligatorischen Schulpflicht in der Schweiz erfüllt haben und gewisse andere Bedingungen wie Kenntnis einer Landessprache und ein reines Strafregister haben, sollen einen Rechtsanspruch auf erleichterte Einbürgerung haben - Kinder der dritten Ausländer-Generation, die in der Schweiz geboren werden haben ein Recht auf sofortige Einbürgerung. Das heisst also: Kinder, deren Grosseltern in die Schweiz eingewandert sind und die hier mit ihrer Familie geblieben sind. bisher galt grundsätzlich: die Kantone handhaben die Sache relativ verschieden. Grundsätzlich handhabt die Gemeinde die Einbürgerung, und gewisse Gemeinden führen nach der ausführlichen Prüfung der Kandidaten als Schweizer BürgerInnen eine Volksabstimmung durch. Einige sehr gut integierte Menschen, die sehr gut Deutsch sprechen, die Kinder perfekt in der Mundart, reines Strafregister, Steuern immer bezahlt - sind durchgefallen durch eine Gemeindeversammlung, in der sich einige rechts angehauchte Menschen erlaubten, ihrem Ausländerhass Ausdruck zu geben. Einige Zahlen, die genannt wurden: eine zwanzigjährige Frau, in der Schweiz geboren, die den Antrag auf Einbürgerung gestellt hat, wurde sie aus formalen Gründen verweigert - weil sie innerhalb eines Kantons vor zwei Jahren von einer Gemeinde in die andere gezogen ist. Nun müsste sie nach geltendem Recht nochmals acht Jahre in der gleichen Gemeinde wohnen bleiben, um einen Antrag stellen zu können. vom Jahrgang 1990 an ausländischen Kindern, die heute in der Schweiz leben, sind 83% in der Schweiz geboren und nur 17% nach ihrer Geburt in die Schweiz gekommen. Über 90% aller ausländischen Jugendlichen zwischen 14 und 24 Jahren, die heute in der Schweiz leben, haben fünf Jahre Schulpflicht in der Schweiz absolviert und hätten demzufolge nach neuem Gesetz Anrecht auf erleichterte Einbürgerung. Langer Rede kurze Frage: Wie bestimmen wir, wie sollen wir bestimmen, wer zu uns gehört? |
| Apex | Also ich finde die vorgeschlagenen Änderungen mehr als fair. Gut ich bin kein Schweizer und kann deswegen auch nicht unbedingt viel über die schweizer Innenpolitik sagen, da ich diese nicht so aufmerksam verfolge. Gibts denn Prognosen für die Volksabstimmung? Die beschriebenen Fälle empfinde ich als empörend genug um etwas am geltenden Recht zu verändern und es ist schonmal gut, dass ein entsprechender Entwurf bei euch zur Diskussion steht. |
| LaChatte | Die Prognosen sind gut, es dürfte eine deutliche Zustimmung geben. (Worüber der Bundesrat glücklich sein dürfte, da er in den letzten Abstimmungen eine sehr schlechte Figur machte. Ein paar Siege in den Abstimmungen ist immer schön) Aber ich möchte doch das Thema weiter gefasst sehen: [B]Wie bestimmen "wir", wer zu "uns" gehören darf?[/B] Wie die Einbürgerungspraxis in Deutschland ist, davon hab ich keine Ahnung, da müsst ihr was dazu sagen... oder ist das politisch überhaupt ein Thema? Was auch noch gesagt wurde: von rechts: die Schweiz habe relativ zur Gesamtbevölkerung die höchste Einbürgerungsquote Europas (--> es reicht!!) von links: die Schweiz hat einen der höchsten Ausländeranteile Europas und in Relation zu den hier lebenden Ausländern am wenigsten Einbürgerungen (--> bitte mehr!) |
| 2378 | [URL=http://www.einbuergerung.de/index2_home.htm]Einbürgerung[/URL] Hier findet ihr alle wichtigen Informationen darüber, wie man in Deutschland eingebürgert wird.... |
| Sanna I.S.P. | tatsächlich ist es mir relativ egal, wie das in der schweiz gehandhabt wird, aber dein fragesatz ist schon interessant. [QUOTE][B]Aber wie bestimmen "wir", wer zu "uns" gehören darf?[/B][/QUOTE] eine sehr gute frage; ein erstes problem, das mir dazu einfällt (aber vielleicht gar keines ist), ist die tatsache, dass in der schweiz, je nach region doch auch recht unterschiedliche "volksgruppen" leben. ich glaube, dass es auch mentalitätsmäßig zwischen den näher zu italien lebenden schweizern unterschiede gibt, zu denen, die als nächste nachbarn zb. deutsche zählen. insofern ist ein "wir" auf bundesstaatlicher ebene nicht so einfach zu klären, und befürwortet tatsächlich eher die kantonseigene rechtsprechung auf diesem gebiet - zwar nicht im gemeinschaftlichem staatlichem sinn (dafür ist das wohl gift), aber im emotionalen bestimmt. die genannten änderungen im gesetzestext sind zwar für mich recht sinnvoll, jedoch muss man das auch immer zur entwicklung eines staates/landes sehen. seit 500 jahren hält es die schweiz doch so, sich aus allen aussenpolitischen quärelen herauszuhalten - auch an positiv (?) gemeinten dingen beteiligt man sich nicht. nun kann man ebenfalls auf zweierlei arten argumentieren: 1. durch diese "abschottung" von äußeren dingen entsteht eine art vakuum im inneren - eine einwanderung in die schweiz ist folge. sie kann durchaus gewünscht sein, aber diese in die eigene gewachsene gemeinschaft aufzunehmen will man doch nicht, da es sich ja eigentlich um das fremde (in das man nach aussen nicht eingreifen möchte) im eigenen land handelt. 2. allein schon die anwesenheit dieser fremden sieht man als unangenehme ruhestörung von ausserhalb an --> man möchte generell nix mit ihnen zu tun haben. man sieht schon, diese ausführungen beinhalten in keiner weise den wunsch nach einer vereinfachten einbürgerung für "langzeitnichtschweizer". aber auch diese vorgeschlagenen regelungen sind nicht unbedingt sehr "freizügig". tatsächlich, wenn ich an beispiele in meinem bekanntenkreis (österreich) denke, wirken sie sehr restriktiv. und wie diese erleichterte einbürgerung aussieht, weiß ich ja auch nicht. PS: ich hoffe, ich habe nicht zu viel schmarrn geschrieben. |
| Amygdala | Was mir am deutschen Modell immer wieder sauer aufstößt, ist die "Vermeidung von Mehrstaatigkeit". Was soll denn so schlimm daran sein, wenn diese Menschen dann eben zwei Staatsangehörigkeiten haben? Unterminiert sich das System damit nicht teilweise selbst, wenn sich die Betroffenen (und dann auch noch gleich mit 18) entscheiden müssen, ob sie ihre "alte" Nationalität oder die Rechte eines Bundesbürgers abstoßen wollen? Zum Glück falle ich nicht unter das Optionsmodell, aber wenn ich mir vorstelle, ich müßte ein Visum beantragen, wenn ich den Großteil meiner Familie sehen will... |
| LaChatte | [QUOTE]ist die tatsache, dass in der schweiz, je nach region doch auch recht unterschiedliche "volksgruppen" leben. ich glaube, dass es auch mentalitätsmäßig zwischen den näher zu italien lebenden schweizern unterschiede gibt, zu denen, die als nächste nachbarn zb. deutsche zählen.[/QUOTE] Dennoch gibt es die verbindende Identität "ich bin SchweizerIn", und die Tessiner und die Romands und die Deutschschweizer werden als gleichberechtig, gleich wertvoll angeschaut - eigentlich eine gute Voraussetzung, um neue fremde Mentalitäten integrieren zu können. [QUOTE]seit 500 jahren hält es die schweiz doch so, sich aus allen aussenpolitischen quärelen herauszuhalten - auch an positiv (?) gemeinten dingen beteiligt man sich nicht.[/QUOTE] die Schweiz, wie sie heute ist, gibt es erst sein 1848, und es ist wahr, dass die Schweiz eine konservative Tendenz hat und Neues erst nach einem langsamen, langen Prozess integriert werden kann. So gibts das Frauenstimmrecht erst seit 1971 (oh Schande), aber heute hat die Schweiz ebenso viele oder noch mehr hochrangige Politikerinnen wie die europäischen Nachbarn... auf alle Fälle gabs schon Schweizer Bundespräsidentinnen, Deutschland wartet immer noch auf die Kanzlerin, und Frankreich hatte noch nie eine Premierministerin. Und wenn sich die Schweiz noch nicht an der EU beteiligen will, so aus guten Gründen - aus einem Mangel an Demokratie, zum Beispiel. Und tatsächlich muss die EU noch deutlich "schweizerischer" werden, bevor ein Beitritt für Schweizer in Frage kommt. ;) [QUOTE]2. allein schon die anwesenheit dieser fremden sieht man als unangenehme ruhestörung von ausserhalb an --> man möchte generell nix mit ihnen zu tun haben.[/QUOTE] Kommt darauf an... viele Ausländer wurden als Arbeitskräfte zur Zeit der Hochkonjunktur bewusst geholt. Allerdings haben viele dabei vergessen, dass es schwer möglich ist, diese Leute dann einfach wieder abzuschieben, falls man sie nicht mehr braucht. In den fünfziger Jahren, als der Gotthardtunnel gebaut wurde, holte man zB die Italiener, und damals gab es heftigste Widerstände gegen diese - mit Empörung wurde zum Beispiel festgestellt, dass Italiener mit Olivenöl kochen und so exotische Gerichte wie Spaghetti und Pizza essen, total unschweizerisch. Heute sind Italiener völlig integriert und akzeptiert, und bei einer Umfrage bei Schulkindern, was denn typisch schweizerische Gerichte seinen, wurde "Pizza" auf einem Spitzenplatz genannt. Interessant ist auch, dass Gebiete mit hohem Ausländeranteil (wie die Städte) deutlich fremdenfreundlicher sind als Gebiete mit geringem Ausländeranteil (ländliche Gebiete) - und dass gerade die Menschen, die täglich im Kontakt sind mit Fremden, diese lieber aufnehmen als die andern, die sie nur vom Hörensagen kennen. [QUOTE]man sieht schon, diese ausführungen beinhalten in keiner weise den wunsch nach einer vereinfachten einbürgerung für "langzeitnichtschweizer".[/QUOTE] Glücklicherweise denken viele Schweizer anders.. und ich nehme an, an der Urne wird dies bestätigt werden, dass die Gesetze endlich harmonisiert werden und auch ein bisschen erleichtert werden. Es wär auch ein wertvolles Zeichen von "du bist uns wichtig, du gehörst zu uns, du kriegst auch alle Rechte und die Gestaltungsmöglichkeiten" - und das dürfte bei der Integration durchaus helfen. [QUOTE]Was mir am deutschen Modell immer wieder sauer aufstößt, ist die "Vermeidung von Mehrstaatigkeit". [/QUOTE] Das finde ich auch doof... und ich sehe auch den Sinn nicht dahinter. Ich fände es auch eine gute Idee, dass jeder Mensch grundsätzlich Anrecht hat auf einen "Weltbürgerpass", das Denken in Nationalität scheint mir doch etwas altmodisch zu sein... |
| Sanna I.S.P. | [QUOTE]Dennoch gibt es die verbindende Identität "ich bin SchweizerIn", und die Tessiner und die Romands und die Deutschschweizer werden als gleichberechtig, gleich wertvoll angeschaut - eigentlich eine gute Voraussetzung, um neue fremde Mentalitäten integrieren zu können.[/QUOTE] ich behauptete auch nicht, die einen würden über die anderen gestellt; aber erfahrungsgemäß ist es oft so, dass man sich nicht so vorbehaltlos gegenüber steht, wie in "eigenen" kreisen. eine gute voraussetzung, ja, wäre es. aber auch ich, in meinem kurzen leben, habe miterlebt, dass etwas das vor 40 50 oder 60 jahren passierte, und sich heute ebenso wiederholt, nicht einmal von den betroffenen von damals verständig aufgenommen wird - ich spreche von migrationen im falle von krieg und verfolgung, dinge, die wir in österreich, ob nun selbst erlebt, oder eben als "neue heimat" nur zu gut kennen. zu oft verhalten sich die dinge dann später ja gaaaanz anders:mad: . [QUOTE]viele Ausländer wurden als Arbeitskräfte zur Zeit der Hochkonjunktur bewusst geholt.[/QUOTE] das spricht für den ersten punkt den ich anführte. [QUOTE]Interessant ist auch, dass Gebiete mit hohem Ausländeranteil (wie die Städte) deutlich fremdenfreundlicher sind als Gebiete mit geringem Ausländeranteil (ländliche Gebiete) - und dass gerade die Menschen, die täglich im Kontakt sind mit Fremden, diese lieber aufnehmen als die andern, die sie nur vom Hörensagen kennen.[/QUOTE] es gibt beide phänomene - dieses, das du beschreibst, indem positive erfahrungen gemacht werden, die zu einem besseren fremenbild verhelfen und beitragen, aber auch das gegenteil ist möglich: wer seine schwester, mutter, freundin von ausländern vergewaltigt sieht, wird nicht mehr gut auf diese zu sprechen sein. [QUOTE]Glücklicherweise denken viele Schweizer anders.. und ich nehme an, an der Urne wird dies bestätigt werden, dass die Gesetze endlich harmonisiert werden und auch ein bisschen erleichtert werden[/QUOTE] das ist mir klar, von irgendwoher muss ja der "frische" wind kommen, sonst würde das nicht einmal besprochen werden :) . |
| LaChatte | [QUOTE]ich behauptete auch nicht, die einen würden über die anderen gestellt; aber erfahrungsgemäß ist es oft so, dass man sich nicht so vorbehaltlos gegenüber steht, wie in "eigenen" kreisen.[/QUOTE] aber wir machen doch Fortschritte... ich hab letzthin wieder mal den Schweizer Autor Jeremias Gotthelf gelesen (der übrigens seine grössten Erfolge in Deutschland feierte - Leipzig und Berlin), der lebte um 1848, also zu der Zeit, als die Schweiz ihre heutige Verfassung bekam. Teil dieser Verfassung war der freie Personenverkehr zwischen den Kantonen - und Gotthelf empörte sich gottsjämmerlich drüber, dass "fremde Fötzel" aus St. Gallen nun das Recht haben sollten, einfach so im Kanton Bern wohnen zu dürfen! - heute ist dies glücklicherweise kein Thema mehr. Und auch die rassisischsten Deutschen finden es wohl eine Selbstverständlichkeit, dass der Hamburger ohne weiteres nach Freiburg umziehen darf, ohne ausführlichste Bettelgänge bei den Behörden... Die Vorstellung wer denn die "eigenen Kreise" sind, erweitert sich glücklichermassen immer mehr... und in ein paar Jahrzehnten wirds wohl ebenso selbstverständlich sein, dass ein Brite nach Griechenland zieht und der Portugiese nach Deutschland und der Schwede nach Italien. Und die Kinder dann werden wohl verständnislos den Kopf darüber schütteln, dass das einmal nicht so war und finden "die spinnen doch, die Alten" [QUOTE]wer seine schwester, mutter, freundin von ausländern vergewaltigt sieht, wird nicht mehr gut auf diese zu sprechen sein.[/QUOTE] Und wer seine Schwester, Mutter oder Freundin von Inländern vergewaltigt sieht, findet auf einmal alle Inländer scheisse? Inländern wird immer zugestanden, dass sie als Individuum schlecht gehandelt haben. Bei Ausländern wird immer gleich die ganze Gruppe verteufelt. Ich find das ziemlich heuchlerisch und unfair. Es sollte sich doch schon mal langsam die Idee durchsetzen, dass wir alle Menschen sind...doch viele nationale Gesetze widerspiegeln diese Idee überhaupt nicht, da gibts immer noch viele, die sind gleicher als die andern. |
| Sanna I.S.P. | [QUOTE]Die Vorstellung wer denn die "eigenen Kreise" sind, erweitert sich glücklichermassen immer mehr... und in ein paar Jahrzehnten wirds wohl ebenso selbstverständlich sein, dass ein Brite nach Griechenland zieht und der Portugiese nach Deutschland und der Schwede nach Italien.[/QUOTE] das hoffe ich doch ... aber ob es wirklich so kommen wird, oder ob es wieder irgendetwas gibt, das eine gemeinsame zukunft in diesem sinne zunichte macht ... es kommt nie so, wie man es erwartet. [QUOTE]Inländern wird immer zugestanden, dass sie als Individuum schlecht gehandelt haben. Bei Ausländern wird immer gleich die ganze Gruppe verteufelt. Ich find das ziemlich heuchlerisch und unfair.[/QUOTE] ob heuchlerisch oder unfair, ob diskriminierend oder engstirnig - es ist realität. es ist falsch (ich gebe dir da recht), aber es deshalb nicht zu berücksichtigen wäre eine dummheit, die konsequenzen fordern wird. [QUOTE]Es sollte sich doch schon mal langsam die Idee durchsetzen, dass wir alle Menschen sind...doch viele nationale Gesetze widerspiegeln diese Idee überhaupt nicht, da gibts immer noch viele, die sind gleicher als die andern.[/QUOTE] vielleicht führt einmal etwas dazu, dass rassische ideen und barikaden eingerissen werden - doch ich befürchte, dass dies nicht ohne eine entsprechende ersatzdiskriminierung stattfinden wird. und auch innerhalb eines volkes, einer staatszugehörigkeit, gibt es dieses gleich und gleicher prinzip - hier richtet es sich oft nach ruf, name und geld. |
| Fichu | Soviel zur Volksabstimmung ... :( |
| LaChatte | :mad: :( es gingen wieder alle Denkzettelverteiler an die Urne.. naja. aber das mit dem Frauenstimmrecht hatten die Schweizer Männer ja auch schon 1971 geschafft...:rolleyes: |
| Fichu | [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Frauenstimmrecht01.jpg]http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Frauenstimmrecht01.jpg[/URL] :eek: ... :D ... :mad: ... seufz |
| Innominata | Ich muss sagen, dass nach diesen Abstimmungen für mich etwas zusammengebrochen ist. Wie wahrscheinlich für viele Secondos und Doppelbürger auch. Nicht wegen der Ablehnung der Einbürgerungsvorlagen spezifisch, sondern wegen den Hintergründen, welche die Mehrheit der Stimmbürger dazu bewogen hatte 2x Nein in die Urne zu legen und weil sich wieder eine Kluft breit macht. Ich bin (eingebürgerte) Schweizerin und bin auch für viele das, was man als "integriert" bezeichnet. Und doch überkommt mich wieder das Gefühl, dass ich niemals wirklich so akzeptiert werden kann, wie eine "richtige" Schweizerin. Ich habe halt eine Vergangenheit, welche sich in einem anderen Land abspielt und die werde ich nie vergessen, denn für mich ist es eine persönliche Bereicherung, ein Teil meines Lebens, welches immer in mir sein wird. Ob das nun ein SVPler will oder nicht. Egal wieviele Diplome ich noch vorzuweisen habe, egal wieviele schweizerische Landessprachen ich noch kann (bleibt nur noch rätoromanisch), egal wie sehr ich mich für die Innenpolitik interessiere. Mein Nachname scheint genau so viel Gegengewicht zu besitzen. Obwohl ich mir gesagt habe, wenn du in diesem Land leben willst, musst du lernen damit klar zu kommen, aber ich muss sagen, dass mich das frustriert. Und vor allem weiss ich nicht was mich jetzt mehr frustriert: Die kontraproduktiven, polemischen SVP-Kampagnen, welche das Volk verunsichern und überall im Land hässliche Botschaften verbreiten? Dazu kommt noch das ganze Raser-Thema, welches man für die Ausländerthematik benutzt. Alles kam wie gerufen. (Als ob jetzt irgendein Raser ein paar Gänge zurückschalten würde) Das nun geschaffte Klima hilft keinem was. Die Leute, welche alle in den gleichen Topf werfen und ihren Frust an der Urne auslassen müssen? Oder Ausländer, die nicht mal zu 2% Interesse daran haben sich wenigstens einbisschen anzupassen? Denn die, auch wenn sie die Minderheit sind, am meisten auffallen. Damit meine ich nicht irgendwelche Kopftuchträgerinnen oder so...nein, nein, es geht ums Benehmen. Oder die Ausländer, die nun mit dem Finger auf andere Ausländer zeigen und sagen: "Ihr seid schuld für das Nein!"? Vielleicht reagiere ich jetzt zu emotional, aber im Moment ist es mir einfach danach. Vielleicht melde ich mich später wieder etwas sachlicher. Inno. |
| Fichu | Muß dazusagen, daß ich als Deutscher (was mir allerdings niemand glaubt ;) ...) ja eigentlich gar nicht betroffen bin. Habe bloß ganz kurz in der Schweiz (GE) gewohnt (Auslandssemester), aber spätestens seit dann verfolge ich (mithilfe von Internet, 3sat und TV5) ganz gerne mal, was da u[COLOR=red]/[/COLOR]n[COLOR=red]/[/COLOR]t[COLOR=red]/[/COLOR]e[COLOR=red]/[/COLOR]n oben so passiert. Irgendwie hab kommt mir eine Niederlage bei einer Volksabstimmung viel niederschmetternder vor, als wenn (wie in D) eine Sache im Parlament scheitert. Wohl deshalb, weils dann so tatsächlich und unbestreitbar [I]demokratisch[/I] gescheitert ist. :rolleyes: [SIZE=1]Genf war aber auch dafür :)[/SIZE] |
| LaChatte | Immerhin wurde endlich, endlich die Mutterschaftsgeschichte angenommen und das unsägliche Loch gestopft, dass Frauen nach einer Geburt zwar nicht arbeiten dürfen, aber es auch keine vollständige Lohnfortzahlungspflicht für Arbeitgeber gibt. Das brauchte ja auch mehrere Anläufe.. und die welschen Kantone sind sowieso weltoffener... da kann man wieder Vorurteile bestätigt sehen. Und das ausländerreiche Basel hätte seine Mitbewohner auch gern eingebürgert. Nun, bis zum nächsten Mal. So bleiben wie es ist wirds auch nicht für immer. |