| Miau | Der Herr Esterhazy hat zu seiner Preisverleihung eine bemerkenswerte Rede gehalten, die man heute im Wortlaut der Tagespresse entnehmen kann. Er sagt aufschlußreiche Dinge, die man in dieser interessanten Form wohl nur noch von Ausländern zu hören bekommt: "Das deutsche Selbstmitleid ist differenzierter als das ungarische, es steckt mehr Arbeit dahinter, und die verbietet zum Beispiel über sich selbst in einer nationalistischen oder rassistischen Sprache zu reden. Kein Wunder, daß es für Vergangenheitsbewältigung im Ungarischen kein Wort gibt. Das Wort fehlt, weil die Tätigkeit fehlt, die Wörterbücher empfehlen umschreibende Begriffe. Die eigenen Missetaten durch die deutschen Missetaten zu verdecken ist ein europäische Gewohnheit. Der Haß gegen die Deutschen ist Europas Fundament in der Nachkriegszeit." |
| Trinity Goth | Der gute Mann bringt es auf den Punkt. Genau das was sich in Deutschland nie jemand zu sagen trauen würde. Nun, die Nachkriegszeit ist vorbei - Deutschland sollte sich langsam mal von der Vergangenheitsbewältigung lösen und die Zukunft bewältigen. Gruß Trin |
| Apex | Hmmm ich weiß net, angesichts der großen Erfolge der Rechtsextremen in den letzten Wahlen und des Engagements rechter Kameradschaften in Teilen Deutschlands sich in der bürgerlichen Mitte zu etablieren, sehe ich das kritisch. Denn hier wird deutlich das anscheinend viele Menschen nicht erkannt haben welches Gefahrenpotential darin liegt. Und ob man angesichts von Auschwitzlüge und Verklärung der NS-Zeit davon reden könnte das die Vergangenheitsbewältigung abgeschlossen ist, wage ich zu bezweifeln. Gut der Zulauf zu rechten Gruppierungen hat hauptsächlich wohl soziale und wirtschaftliche Ursachen, aber sollte man die geschichtliche Aufklärung deswegen vernachlässigen? |
| Miau | @Apex Das mag ja alles ganz nett sein, mit Für und Wider, meinetwegen. Aber what on earth hat Dein Beitrag mit dem zu tun, was Herr Esterhazy da gesagt hat? Miau |
| Trinity Goth | @Apex: Irendeiner kommt immer mit diesem Argument :) Also bei den Kommunalwahlen in NRW gab es nicht viel rechte Wahlerfolge zu verbuchen, deswegen würde ich das rechte Potenzial Deutschlands nicht überbewerten. Die Idioten disqualifizieren sich eh gerade selber - erfreulicherweise kann man da nur sagen. Allerdings ist das hier in der Tat ein bißchen Off Topic. Gruß Trin |
| Apex | Joa war schon etwas Off-Topic aber ich lasse nicht gerne Behauptungen leer im Raum stehn ohne Gegenargumente zu bringe außerdem wollte ich die Rede erstmal im Gesamten lesen um sie auch vollständig beurteilen zu können, also Tschuldigung ;) Im Großen Ganzen muß ich erstmal sagen das ich es toll finde, dass Esterhazy den Friedenspreis vom Börsenverein verliehen bekam und sich damit in eine lange Linie herausragender Autoren wie Hermann Hesse und Astrid Lindgren einreiht. Zu der Rede muß ich sagen, dass ich Esterhazy im Großen und Ganzen zustimmen kann bei dem was er gesagt hat. Wenn er sagt das Vergangenheitsbewältigung europäische Pflichtarbeit sein sollte hat er in meinen Augen ganz recht. Das deutsche Volk mag eine sehr große Schuld auf sich geladen haben die wohl nie verjähren wird, aber was die Beschäftigung mit und die Aufarbeitung der Vergangenheit angeht ist Deutschland wohl (sofern man es als internationale Disziplin sehen kann) führend im internationalen Vergleich, anders wäre es nicht erklärbar das Länder wie Chile in Deutschland Spezialisten suchen, welche sie bei der Aufarbeitung ihrer eigenen Vergangenheit unterstützen können. Trotz allem kann ich Esterhazy nur bedingt zustimmen wenn er sagt, dass "Der Hass gegen die Deutschen" Europas Fundament in der Nachkriegszeit ist. Von Hass, denke ich, kann man hier nicht reden, eher von dem Unwillen sich mit seiner eigenen Vergangenheit zu beschäftigen, der Angst davor was man aufdecken könnte wenn man sich mit ihr beschäftigt. Das man sich da lieber hinter deutschen NS-Verbrechen und Kriegsverbrechen versteckt ist nachvollziehbar. Nicht richtig aber verständlich. Des weiteren führt Esterhazy an, dass die Literatur kein Botschafter des Friedens ist. Auch dem kann ich nicht hundertprozentig zustimmen, sicher Literatur oder auch Kultur im Allgemeinen kann nicht das Allheilmittel sein, aber die Kultur. im speziellen die Literatur kann dazu beitragen ein Verständnis für die Bedürfnisse anderer Kulturen zu entwickeln und damit ein helfer der Völkerverständigung sein. In diesem Sinne ist die Literatur nicht der alleinige Botschafter des Friedens, aber sie trägt zu einem nicht ganz unerheblichen Teil zum Frieden bei. Also im Endeffekt kann ich persönlich Esterhazy nur teilweise zustimmen, da ich die Vergangenheitsbewältigung nicht nur als europäische sondern auch als allgemeingültige internationale Pflicharbeit ansehe. Länder wie Chile sind dabei ein gutes Beispiel. Denn wenn ich mir in einem sicher bin, dann darin das diejenigen welche ihre Geschichte verdrängen diese mitsamt Fehlern eines Tages wiederholen. |
| Trinity Goth | @Apex: Politische Literatur ist sicherlich keine friedliche Literatur. Ob andere Literatur zum Frieden beträgt möchte ich mal auch bezweifeln, nicht wenn sie etwas bewegen will, dann kann sie nicht friedlich sein. @TheRaven: Ich glaube die Truppenbewegungen der BW sind eher NATO Zugzwang. Gruß Trin |
| Little Dreamer | Ich möchte einfach mal einstreuen, dass mir die Rede gefallen hat und ich durchaus einige Male gut gelacht habe, genaues hab ich irgendwie nicht mehr im kopf und müsst es nachlesen... Little |