| 2378 | Hallo, durch meinen Vater bin ich auf einen interesanten Artikel gestoßen und würde gerne darüber diskutieren. Also erstmal - [URL=http://www.swr.de/swr2/sendungen/wissen-aula/archiv/2004/10/10/index.html]hier[/URL] könnt ihr euch die Sendung durchlesen oder anhören, damit auch alle wissen worum es geht und ich bin zur faul zu einer Zusammenfassung, wenn man es auch hören kann (also nicht mal lesen muss *g*). Den Grundsatzgedanken, dass einfach Überbevölkerung mit ein Grund für die ganzen Konflikte sein könnte, hat was fazinierendes und für mich auch einleuchtendes. Es ist für mich die erste verständliche Erklärung wieso es trotz verbesserter Lebensbedingungen immer noch viele Konflitke gibt. Nun ja - ich will einfach mal mehr Meinung darüber hören - alleine denkt man so schön einseitig ;) Gruß 2378 |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von 2378 [/i] [B]Den Grundsatzgedanken, dass einfach Überbevölkerung mit ein Grund für die ganzen Konflikte sein könnte, hat was fazinierendes und für mich auch einleuchtendes. Es ist für mich die erste verständliche Erklärung wieso es trotz verbesserter Lebensbedingungen immer noch viele Konflitke gibt. [/B][/QUOTE]Der Untertitel "Warum eine perspektivlose Jugend blutige Konflikte verursacht" klingt ja recht interessant. Die Schrift selbst - mit ihren zusammengewurstelten Beispielen aus verschiedensten Zeiten und Orten und den schnell gefundenen Ursachen ohne jegliche Indizien oder Beweise - erinnert mich auffallend an eine andere Schrift, die ich vor längerer Zeit einmal gelesen habe: Hitlers "Mein Kampf". :mad: Und wie bei ebendiesem wird wieder mal mit Überbevölkerung (oder mit anderen Worten "Volk ohne Raum") die Notwendigkeit von Kriegen erklärt. Ich könnte das Ganze jetzt einfach als Schwachsinn abtun. Einige Passagen sind aber doch bemerkenswert: >Im Oktober 1519 erreicht Hernan Cortés mit gerade 600 Mann das mexikanische Cholula. Die Spanier werden wie Gäste aufgenommen, befürchten aber, in den Betten ermordet zu werden. Deshalb schlachten sie in wenigen Stunden 100 Adelige und 3000 weitere Bewohner der Stadt.< Wirklich? Keinesfalls wegen den in Aussicht stehenden Reichtümern? >1532 stürmt Francisco Pizarro mit nur 180 Mann direkt ins Herz des Inkareiches. Atahualpa wird in Cajamarca aus der Mitte seines Gefolges gegriffen. In weniger als 30 Minuten massakrieren die spanischen Reiter 5000 Adlige des Inkareiches. Der gefangene Gottkaiser lässt viele Tonnen Gold herbeischaffen und wird erst nach einem Schauprozess erwürgt.< Und auch hier spielte das Gold gar keine Rolle? >Der Schlachtruf "Gold, Ruhm und Evangelium" erweist sie - nicht anders als heute die Soldaten der Zehn Gebote in Uganda - als Christianisten.< Wohl eher als nach Macht und Reichtum Gierende. >Auch nach einer totalen Bekehrung aller Indios wären die Spanier doch nicht selig-friedvoll nach Hause gesegelt, denn der Gott Kastiliens - so beobachten die Indianer - "liebte Tote mehr als Ungläubige".< Traurige Wahrheit. >Inzwischen feuern auch Islamistenführer junge Araber mit Prämien an. Im Befehl für die Attentäter vom 11. September 2001 heißt es noch: "Wie Mustafa, einer der Anhänger des Propheten, sagte, töte und denke nicht an den Besitz derjenigen, die du töten wirst." Nicht einmal drei Jahre später - am 6. Mai 2004 - bietet bin Laden zehn Kilogramm Gold jedem, der UNO-Generalsekretär Annan oder den amerikanischen Irak-Verwalter Bremer umbringt.< Hatte nicht auch Herr Atta schon 100.000 $ erhalten? Schon vergessen? >Wenn junge Männer Bewegungen aufbauen und zum Töten schreiten, brauchen sie Rechtfertigungen. Heilige Bücher werden entstaubt, neue Pamphlete geschrieben. Religionen definieren den zu beseitigenden Feind von ganz hehrer Warte.< Wenn junge Männer Bewegungen aufbauen? Sooo jung sieht Bin Laden aber nicht mehr aus. :D >Die Kämpfer wollen nicht als kriminelle Killer oder suizidale Psychopathen da stehen. Ehrbare Scharfrichter wollen sie sein. Der Raubmörder sagt "ich will Dein Geld", der Revolutionär hingegen verkündet "ich muss ganz nach oben, damit die Armen endlich Gold bekommen".< Und wieder: Macht und Reichtum. >Weil Religionen vor allem in Tötungsbewegungen als Rechtfertigung missbraucht werden, kennzeichnet man die gerne als fanatisch-fromme Sekten. Aber stammt das Blutvergießen wirklich aus der Gottessuche?< Das hängt davon ab, was die Alten den Jungen über ihren Gott erzählen. >Parallel zu den großen Tötungen steigt in Europa die Prokopfproduktion. Die medizinische Versorgung wird besser. Der Analphabetismus geht zurück. Der Hunger nimmt ab. Kosmische Katastrophen bleiben aus. Mit solchen Faktoren erklärt man aber bis dahin gescheiterte Systeme, in denen dann Chaos und Gewalt dominieren.< Armut und Dummheit herrschen weniger nach den Tötungen (da ist man meist klüger), sondern [b]davor.[/b] Armut und Dummheit als [b]Ursache[/b] von Gewalt sind damit also keineswegs widerlegt. >"Junge Männer, die verzweifelt um Positionen ringen" betreiben Terror, Bürgerkrieg, Revolution und Welteroberung.< Das hat weniger mit Bevölkerungsexplosion zu tun als mit der Tatsache, dass die Gesellschaft ihnen nicht die Möglichkeit gibt, ihren Platz (ihre "Position") in ihr zu finden. >Aber diese Sicht von unversorgten jungen Männern widerspricht der weit verbreiteten Auffassung von der Armut als Ursache blutiger Konflikte.< Armut ist Mangel an Nahrung, Wohnung, Kleidung und Kommunikation. Was ist "unversorgt", wenn nicht Mangel an (mindestens) einem dieser Dinge? >Die fünf größten deutschen Institute für Friedensforschung erwarten durch den Sieg über "Hunger und Armut" auch den Endsieg über den Krieg. Von unversorgten zweiten und dritten Brüdern wissen sie in ihrem "Friedensgutachten 2004" nichts.< Hey, ich bin ein dritter Bruder und habe sogar noch einen vierten. Allerdings waren wir nicht "unversorgt". Sprich: Wir sind nicht in Armut (also mit Mangel an Nahrung, Wohnung, Kleidung oder Kommunikation) aufgewachsen - obwohl wir in der DDR lebten! >Für Kriegsforscher hingegen geht es bei einer Kombination von Sättigung, Bildung und vergeblich nach oben drängenden Söhnen erst richtig los. Um Brot wird gebettelt. [B]Für Status und Macht wird geschossen.[/b]< Genau. Und das hat mit Überbevölkerung wenig zu tun, eher mit Mangel an Kommunikation. >Fuller empfiehlt der CIA, überall dort aufzupassen, wo 30 - 50 Prozent einer Gesellschaft aus Kindern unter 15 besteht.< Denn dort lässt sich am besten Unruhe stiften und Krieg anzetteln, daher "Kriegsforscher". :mad: (Fortsetzung folgt) |
| TheTurningPoint | (Fortsetzung) >Bevölkerungen können absolut groß und doch pazifistisch sein, weil es pro Mutter nur einen Sohn (etwa in USA) oder gar nur eineinziges Kind gibt (etwa in Brandenburg). Wenn eine Mutter aber drei Söhne aufzieht ... Gewaltkriminalität, Bürgerkrieg und Revolution liefern ihre naheliegenden Auswege.< Komischerweise gibt es gerade in USA und in Brandenburg viele Gewalttaten, oft begangen durch "einzige Söhne", während weder ich noch einer meiner 3 Brüder zu Gewalt neigen. >Friedrich der Große ... Als Megaverbrecher gilt er den zivilisierten Zeitgenossen. Aber der gerade siebenjährige Goethe und mit ihm die Jugend Deutschlands bewundern den großen Töter nicht weniger als heute die Jugend des Islam einen Osama bin Laden.< Mangel an Kommunikation. Sein Freund Schiller hat die Wahrheit viel früher erfahren und sich nach "Alle Menschen werden Brüder" gesehnt. >Samuel Huntington ... Umgehend lässt der Politikwissenschaftler seine alte These von der Religion als Hauptfaktor für Blutvergießen fallen. In hastig ergänzten Passagen schwenkt er auf den youth bulge um - Zitat: "Das riesige Reservoir an oft beschäftigungslosen Männern zwischen 15 und 30 ist eine natürliche Quelle der Instabilität und Gewalt"< Endlich ein neuer Kriegsgrund, nachdem sich zeigt, dass Christentum, Islam und die meisten anderen Religionen in ihrem Kern friedlich sind. :D Wobei "beschäftigungslos" wieder auf einen Mangel an Kommunikation hindeutet. (Ich habe nie so viel Zeit, wie ich für das Forum und andere Kommunikation gern hätte.) >In nur sechs Jahren hat der ansonsten ignorierte Goldstone das militärische Denken der Weltmacht erobert. Sie gibt ihm nicht nur für die Gegenwart, sondern gleich auch noch für die Vergangenheit Recht. Aber sind die Strategen nicht doch zu gutgläubig?< Wieso? Endlich ein neuer Kriegsgrund! >Gleichwohl gibt es auch youth bulge Nationen ohne interne tödliche Konflikte. Ghana und Benin gehören dazu. Aber aus diesen Ländern emigrieren über 50 Prozent der einheimischen Taliban, was ja nichts anderes als Studenten heißt, nach Westeuropa und Nordamerika. So nehmen sie Druck aus dem Kessel.< Ganz spezielle "Studenten". Nach der Rückkehr legen sie dann los, so wie Pol Pot in Kambodscha oder die Taliban in Afghanistan. :( >In Libyen machen Petrodollars den Nachwuchs gelassen.< Oder die Gelassenheit und Offenheit ihres Staatschefs? >Nach General Hughes Übernahme der These von den youth bulge Kämpfen werden die US-Analysen immer zielgenauer. So erklärt John Helgerson, Direktor des National Intelligence Council, im April 2002: "Große Jugendbevölkerungen werden sich für US-Interessen am zerstörerischsten in Afghanistan, Kolumbien, Irak, Mexiko, Pakistan, Saudi-Arabien, der West Bank und Gaza auswirken."< Dieser Satz ist so schön zweideutig. :D Sie zerstören also für US-Interessen? >Um den Faktor zehn von 140 Millionen auf 1,4 Milliarden vermehren sich die Muslime zwischen 1900 und 2000. Sie stellen damit einen historischen Rekord auf.< Ähnliches hat der GröFaZ vor 80 Jahren über die Juden geschrieben ... >Und das als "gelbe Gefahr" gefürchtete China schafft lediglich eine Verdreifachung. Heute hat es weniger Kinder pro Frau als Frankreich.< Und weniger Analphabeten als Deutschland. :) >Gegenüber der Ersten Welt werden die jungen Männer sich solange auf Terror beschränken, wie sie Eroberungen für aussichtslos halten.< Irgendwelche Beweise oder Indizien für diese Behauptung? Oder nur Feindbild-Aufbau? >Deshalb animiert bin Laden die (so nennt er sie) "Jugend Allahs" viel häufiger zum Sturz islamischer Regierungen und zur Schaffung eines Kalifen-Imperiums als zum Krieg gegen "Juden und Kreuzritter".< Das ist wirklich setsam ... By the way, woher bekommt eigentlich Bin Laden das Gold, das er an die Jungens verteilt? Aus dem [URL=http://www.heise.de/tp/deutsch/special/wtc/9739/1.html]Joint Venture mit der Bush Family?[/URL] >In zwanzig Jahren dürften die youth bulge-Kämpfe vorüber sein, weil die Geburtenraten überall sinken.< Stimmt. Wo keine Mütter mehr, da auch keine Söhne. :( >Friedensnobelpreise sollte es bis dahin nur für Leute geben, die unblutige Lösungen für den Machtwillen von 300 Millionen Mann anzubieten haben.< Mein Lösungsvorschlag: 1. Abschaffung aller Formen von Abschottung und Zensur, namentlich Abschaffung oder gründliche Überarbeitung von "Urheber"- (Verwerter-), Marken- und Patentrechten. 2. Ausreichend Nahrung, Wohnung, Kleidung und Kommunikation für Alle. 3. Was noch fehlt, ist eine unblutige Lösung für den Machtwillen der 300 Leutchens, die gegen 1. und 2. sind, sowas wie [URL=http://www.lyricsfreak.com/p/pink-floyd/108751.html]"The Fletcher Memorial Home" ...[/URL] |
| 2378 | Hallo, ich hätte den Text auch als komisch abgetan, hätte ich nicht jemanden gehabt, der mir davor davon erzählt hat :) - dazu schau dir den Lebenslauf des Mannes an... - sagt auch viel. Auf den Rest werde ich noch eingehen, wenn ich etwas Zeit habe, kann also noch dauern... Gruß 2378 |
| Darket | Ich habs gelesen und ich glaube ich habe TTP wenig hinzuzufügen. Die Menschheit macht es sich ein wenig zu einfach Probleme auf eine angebliche Überbevölkerung zu schieben. |
| Telecaster | Ellbogenfreiheit ist schon was feines. Ich war einige Male in Kanada und war verwundert, wie entspannt die Menschen dort sind. Allerdings haben sie auch sehr, sehr viel Platz. Wenn man nicht so dicht aufeinander hockt, steigt auch der Adrenalinspiegel nicht so schnell. |
| Gurabulu | Ihr tut dem Text unrecht: -er dürfte für SWR2 journalistisch zugespitzt sein. Bei der Wahl keine Veröffentlichung oder eine zugespitzte, würde auch ich die letztere Variante vorziehen. -den Vergleich zu Hitlers Mein Kampf heranzuziehen ist doch sehr fragwürdig. Bei mir bewirkt er eher, das ich ttps Ausführungen nicht ganz ernst nehmen kann. -dem Herrn Heinsohn "sämtliche Beweise und Indizien" absprechen ist genauso gewagt -der Autor wird wohl nicht meinen "die" Theorie gefunden zu haben.(vgl. journalistische Zuspitzung) Eigentlich dachte ich, sei das Zeitalter der allumfassenden Theorien spätestens seit 1989 zuende. Seine Theorie wird für einige kriegerische Konflikte einen begünstigenden Faktor herausarbeiten. -so ungewöhnlich ist diese Theorie nicht: habe schon vor 2 Jahren ein großes Interview mit ihm in der ZEIT gelesen. -dass gute Ideen für ideologische Zwecke mißbraucht werden, macht die guten Ideen nicht schlecht. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Gurabulu [/i] [B]Ihr tut dem Text unrecht: -er dürfte für SWR2 journalistisch zugespitzt sein. [/B][/QUOTE]Das würde ich bei einem Artikel für die BILD-Zeitung oder für einen Privatsender glauben, aber beim SWR vermute ich das weniger. [QUOTE][B]Bei der Wahl keine Veröffentlichung oder eine zugespitzte, würde auch ich die letztere Variante vorziehen. [/B][/QUOTE]Warum? Wie sich an diesem Thema gerade wieder zeigt, gibt es schon genug Missverständnisse, ohne dass ich die eigenen Worte auf Wunsch eines Dritten zuspitze oder anderweitig abändere. [QUOTE][B]-den Vergleich zu Hitlers Mein Kampf heranzuziehen ist doch sehr fragwürdig. Bei mir bewirkt er eher, das ich ttps Ausführungen nicht ganz ernst nehmen kann. [/B][/QUOTE]Sorry, wenn das so rausgekommen ist, als wollte ich mit dem Vergleich den Verfasser "in die rechte Ecke drängen". Der Vergleich bezog sich mehr auf die Art und Weise der Argumentation. [QUOTE][B]-dem Herrn Heinsohn "sämtliche Beweise und Indizien" absprechen ist genauso gewagt [/B][/QUOTE]Ich spreche ihm nicht generell sämtliche Beweise und Indizien ab, ich vermisse nur Beweise und Indizien für postulierte Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fakten. Die Authentizität der Fakten selbst stelle ich nicht in Abrede. [QUOTE][B]-der Autor wird wohl nicht meinen "die" Theorie gefunden zu haben.(vgl. journalistische Zuspitzung) Eigentlich dachte ich, sei das Zeitalter der allumfassenden Theorien spätestens seit 1989 zuende. [/B][/QUOTE]Wieso das? Ohne Theorien lassen sich Handlungen schwer planen. Die Tragfähigkeit der Theorien muss aber immer wieder an der Praxis gemessen werden. [QUOTE][B]Seine Theorie wird für einige kriegerische Konflikte einen begünstigenden Faktor herausarbeiten. [/B][/QUOTE]Gerade das wird aber aus dem Artikel nicht klar, inwieweit sich Überbevölkerung und Altersstruktur begünstigendend auf kriegerische Konflikte auswirken, und ob sie darauf überhaupt in einer bestimmten Richtung wirken. Wenn ich aus den im Artikel genannten Beispielen überhaupt eine Wirkung von Bevölkerungszahlen ersehe, dann ist es eine mehr oder weniger unbestimmte Angst der zahlenmäßig geringeren (oder langsamer wachsenden) Bevölkerungsteile vor den zahlenmäßig höheren, was aber eher zu Aggressivität auf Seiten der sich bedroht fühlenden führt. Neben diesem Punkt gibt es aber eine Vielzahl anderer Dinge, die dazu führen, dass sich Menschen bedroht fühlen. [QUOTE][B]-so ungewöhnlich ist diese Theorie nicht: habe schon vor 2 Jahren ein großes Interview mit ihm in der ZEIT gelesen. [/B][/QUOTE]Nein, ungewöhnlich ist sie wirklich nicht, sie ist ja schön einfach. Nur ist es gefährlich, Dinge zu einfach und zu einseitig zu sehen. Leben besteht nun einmal aus unzählig vielen Facetten, und es müssen möglichst viele dieser Facetten mit in Betracht gezogen werden, wenn eine Theorie Relevanz für die Praxis haben soll. [QUOTE][B]-dass gute Ideen für ideologische Zwecke mißbraucht werden, macht die guten Ideen nicht schlecht. [/B][/QUOTE]Was ist deiner Meinung nach das Gute an dieser Theorie? Der Missbrauch von Ideen und Theorien beginnt, wenn sie auf die Praxis angewendet werden, wo sie nicht praxisrelevant sind. Traurigerweise führt dieser Missbrauch meist zu unermesslichem Leid. :( |
| Demon17 | Ich habe den Artikel jetzt nicht gelesen, aber die These das eine perspektivlose Jugend, also Geburtenüberschuss häufig zu Kriegen führt leuchtet mir ein. Natürlich gibt es die Möglichkeit der Geburtenkontrolle, wie sie in China praktiziert wird, oder die Auswanderung, aber wohin? Generell sollte jede Kultur so mit ihren Ressourcen haushalten, bzw. sich entsprechend einschränken, so das sie nicht auf Kriege angewiesen sind. Aber das Phänomen gab es in allen Kulturen und ist spätestens seit der Völkerwanderung historisch belegbar. Im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen ist das natürlich eine hirnrissige Strategie, besonders wenn diese von den Zielen/Feinden einer agressiven (Über-)population kontrolliert werden. Es ist lediglich die Moral die verhindert das die angry young men und ihre Kulturen nicht reduziert werden. |
| Pelloquin | Hm. Da bleibt uns ja nicht viel, ausser alle überzähligen Söhne und Töchter zu erschiessen, bevor es zum großen Blutvergießen kommt, nicht wahr? Oder wir fragen nach den [i]wirklichen[/i] Ursachen für die Kriege, die vor allem die dritte Welt (unverschuldet (!)) ins Elend gestürzt haben. Deinen Beitrag, Demon17, finde ich wirklich klasse (...) : [i]"Generell sollte jede Kultur so mit ihren Ressourcen haushalten, bzw. sich entsprechend einschränken, so das sie nicht auf Kriege angewiesen sind."[/i] Und die Kulturen, die so verschwenderisch mit ihren Ressourcen umgehen, sind allen voran die Drittweltländer mit ihrer Überbevölkerung??? Mitnichten... Und was hat das hier zu bedeuten: [i]"Es ist lediglich die Moral die verhindert das die angry young men und ihre Kulturen nicht reduziert werden."[/i] Mit der Bitte um Erklärung Pelloquin |
| Demon17 | Ganz einfach Pelloquin, wer in einem armen Land 10 Kinder in die Welt setzt darf sich nicht wundern wenn der Boden knapp wird. Das es auch anders geht, dafür gibt es nun wirklich genug Beispiele in der Welt. Normalerweise gibt es in jeder Kultur Traditionen und Sitten, die Überbevölkerung verhindern, wer diese außer Kraft setzt ohnne für das entsprechende Wirtschaftswachstum zu sorgen handelt verantwortungslos. Das zentrale Problem in den Hungerregionen dieser Welt sind billige kalschnikows und deren Nachbauten, die zum Preis von 100$ zu kriegen sind und jede Menge Angry Young Men in die Lage versetzen ihr Volk ins Elend zu stürzen. Wenn diese dan idiotisch genug sind, sich mit der einzigen Supermacht dieser Welt anzulegen, haben das Millionen auszubaden. |
| Pelloquin | :eek: Bei allem Respekt, guter Demon17, aber da bleibt mir jetzt wirklich die Spucke weg! Ich möchte Dir nicht zu Nahe treten, aber wenn ich Deinen Text lese, gewinne ich den Eindruck, als seien Aufstieg und Fall der britischen, französischen, portugiesischen, belgischen, deutschen etc. Kolonien mitsamt den daraus resultierenden komplexen Einschnitten in das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben der Bevölkerungen der verelendeten Länder völlig an Dir vorbeigegangen. Ganz zu Schweigen von den neoimperialen Ambitionen, die die einzige verbliebene Supermacht seit ihrem Aufstieg zu einer ernstzunehmenden Wirtschaftsmacht nach Ende des zweiten Weltkriegs hegt. Ich bin sprachlos, echt. |
| Demon17 | Ach weißt Du Imperialismus dieser Art ist eigentlich der Normalfall. Wenn Du Dir die Geschichte einmal anschaust war es eigentlich immer so. Zu Zeiten des Kolonialismus ging es übrigens vielen Völkern besser als nach der "Befreiung" mit zahlreichen Bürgerkriegen. Viele Regierungen in den heutigen Entwicklungsländern handeln wesentlich erbarmungsloser als diese. Es gibt natürlich Ausnahmen wie etwa Lateinamerika, wo der Kolonialismus wirklich genozidartige Formen annahm. Doch vergiss bitte nicht das auch in Afrika die unterlegenen Stämme einfach in die Wüste getrieben wurden. Ich weiß nicht warum das ein deutsches Problem sein sollte? Die Hereros ließen sich entschädigen und mehr war nicht. |
| Pelloquin | Sei gegrüßt, Demon17! Zuerst einmal: Entschuldigung für meinen beiden vorherigen doch allzu unsachlichen Posts. Ich hatte einen Satz aus deinem vorvorletzten Post ([i]"Generell sollte jede Kultur so mit ihren Ressourcen haushalten, bzw. sich entsprechend einschränken, so das sie nicht auf Kriege angewiesen sind."[/i]) aus dem Kontext gerissen und daran meine seit längerem schwelende Wut über die rücksichtlose Raffgier der westlichen Staaten (nicht allein der USA!) abreagiert. Es ist leider Gottes so, dass ich, und ich schätze die überaus meisten Leute, vornehmlich das aus den Worten anderer herauslese, was ich herauszulesen glaube, bzw. herauslesen will. So stieß mir vor allem der letzte Satz Deines Posts: [i]"Es ist lediglich die Moral die verhindert das die angry young men und ihre Kulturen nicht reduziert werden."[/i] sauer auf, und ich argwöhnte, die "Reduzierung" dieser angry young men und ihrer Kulturen könnte Dir als eine durchaus nützliche Massnahme erscheinen. Ich gehe davon aus, dass ich Dir mit dieser Unterstellung Unrecht getan habe, und Du eine derartige Maßnahme nicht befürwortest... Nun zur These des eingangs erwähnten Texts: Nach einigem Nachdenken ist mir klar geworden, dass die Behauptung des Autors, perspektivlose junge Männer liessen sich leichter für den Kampf um neuen Lebensraum begeistern, durchaus einen wahren Kern in sich birgt; allein - so meine Meinung - greift dieser Gedanke zu kurz, bzw. er lässt die Frage, wie es zu der Lebensraumverknappung (die das Bemühen um Lebensraumerweiterung erforderlich macht) gekommen ist, außer acht. Will heißen: Meiner Meinung nach ist die "Überpopulation" nur Symptom, nicht Ursache des Problems. So stellt sich die Frage: Was drängt die Menschen in diesen bevölkerungsreichen Ländern dazu, noch mehr Kinder in die Welt zu setzen? Nun, ich denke, der Hauptbeweggrund liegt darin, dass in Ländern, in denen eine Rente oder sonstige Altersversorgung nur den Reichen und Mächtigen vorbehalten ist, eine ausreichende Zahl an Kindern die einzige Möglichkeit ist, sich vor Versorungsengpässen im Alter zu schützen, bzw. die eigene Pflege im Alter abzusichern. Wer mag es diesen Menschen verübeln? Zumal man es in unseren Gestaden vor kaum 100 Jahren nicht anders handhabte, bevor wir zu Wohlstand kamen, der es unseren Alten erlaubt, sich Pflege im Alter zu kaufen. So kommen wir nun zu der eigentlichen interessanten Frage, die mir die Hutschnur reissen liess, weil sie im Text unausgesprochen blieb: [i]Warum[/i] leben diese Menschen, deren Heimatländer zum Teil über weit größere Mengen an Bodenschätzen und sonstigen Ressourcen verfüg(t)en als die Industrienationen, in Armut? Diese Frage richte ich nicht an Dich persönlich, Demon17; ich stelle sie vielmehr einfach in den Raum hinein. Jeder Mitlesende möge sich seine eigenen Gedanken dazu machen. So viel sei an dieser Stelle aber versichert: Die Armut dieser Menschen gründet sich kaum auf ihre vermeintliche Unfähigkeit, vernünftig mit ihren Ressourcen umzugehen, ihre vermeintliche Primitivität... |
| Demon17 | OK Pelloquin, ich weiß nicht ob Du Geschichte studiert hast. Doch die wesentlichen faktoren, die in der Vergangenheit Überbevölkerung verhindert haben, waren Krieg, Hunger und Krankheit. Diese faktoren sind inzwischen weitgehend unter Kontrolle, so scheint es. (Ausnahme AIDS) Ich verstehe ja Deine Wut, doch finde ich Deinen Ansatz etwas einseitig. Immerhin zahlen diese raffgierigen westlichen Länder immense Preise für Öl z.B. doch leider kommen diese Milliarden nur selten den Armen dieser Region zugute. Es ist nicht so schwarz-weiß wie Du denkst. Ich halte eine vernünftige Geburtenplanung nach wie vor für das geeignetste Mittel. Viele Ebtwicklungsländer erzielen ja beachtliche Wachstumsraten, doch die Bevölkerung wächst halt schneller. Außerdem sieh das ganze doch mal andersherum, die Zahl der entwickelten Länder ist in den letzten 50 Jahren sprunghaft gestiegen und wird weiter steigen. Je entwickelter, desdo geringer die Beritschaft den Wohlstand in Konflikten zu riskieren. Aus meiner Sicht reduziert sich das Problem weitgehend auf Teile Afrikas und Teile des mittleren Ostens. Die anderen vier Kontinente sind auf einem guten Weg. Wie die nun am besten ihre angry young men kontrollieren weiß ich auch nicht. Ist auch nicht mein Problem und ich lass mich dafür auch nicht verantwortlich machen. Es ist ein historischer Prozess, den Europa selbst erst seit 50 Jahren überwunden hat und den diese Länder auch nur selbst überwinden können. Man kann Hilfe anbieten, doch ich hab mich auch mit Entwicklungshilfe beschäftigt, einfach eine Fabrik oder ein Krankenhaus bauen bringt gar nichts. Das beste man öffnet die Märkte und sorgt dafür, das Kinderarbeit z.b. vermieden wird. Such Du ruhig nach Schuldigen, Menschen sind Menschen Pelloquin daran ändert auch keine moralische Empörung etwas. Und im Vergleich mit anderen Imperialisten waren die Europäer relativ human. Z.B. haben sie die Sklaverei abgeschafft. Eine in der Geschichte einmalige humanistische Leistung. |