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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Brot und Spiele
belladonnaIch möchte hier mal auszugsweise einen Artikel aus "Publik-Forum" zum Besten geben, der meine Meinung widerspiegelt. Auch wenn es dabei um sogenanntes "Reality-TV" geht, habe ich dieses Thema nicht unter Filmpalast eröffnen wollen, da ich eine bloße Lästerei über diese Sendungen vermieden wissen will und das ganze einen eher politischen Hintergrund hat.

GLADIATORENKÄMPFE IM FERNSEHEN

Wie Menschen im Reality-TV aufeinander gehetzt und die Zuschauer auf die brutale Wirklichkeit vorbereitet werden:

"Dreck fressen oder Endstation Hartz IV"

...Wie Reality-Shows funktionieren und manipulieren, zeigt die Beobachtung von drei aus der großen Zahl: Big Boss auf RTL, The Swan auf Pro Sieben und Big Brother auf RTL 2.

Big Boss ist - wie die meisten Reality-Shows - eine Kopie eines amerikanischen Formats. Die Show gibt den unbarmherzigen Konkurrenzkampf wieder, wie er in zahllosen Büroetagen tobt. Die Regeln: In jeder Sendung treten zwei Teams von je drei Kandidaten gegeneinander an. Mit einem kleinen Budget müssen die Teams eine Aufgabe bewältigen, etwa eine Modenschau organisieren. Wer mehr Umsatz macht, gewinnt. Big Boss ist Reiner Calmund. Er darf die Kandidaten herumscheuchen und heruntermachen. Die Verlierer müssen sich in einer Art Scherbengericht vor Calmund verantworten. Einen jungen Juristen
schmeißt er mit den Worten raus:"Das war das Schlechteste, was ich den vergangenen Wochen gesehen hab. Bitte gehen Sie , Sie haben frei!" Als der Mann draußen ist, wirft ihm Big Boss noch ein "arroganter Schnösel" nach. Inzwischen hat Calmund selbst frei - die Sendung wird nicht fortgesetzt.

The Swan auf Pro Sieben bildet den Schönheits- und Fitnesswahn der Gesellschaft ab. Die Regeln: 16 Frauen, die mit ihrem Körper und Aussehen unzufrieden sind, sollen in einer Art Trainingslager fit und attraktiv gemacht werden. ... Auch die Kandidatinnen der Schwan-Show müssen "Dreck fressen". Von den Frauen werde "eiserne Disziplin" verlangt, so der Sender, sie müssten täglich "hart an sich arbeiten", die "schmerzhaften nachwirkungen der Schönheits-OP" verkraften.

In Big Brother werden die Bewohner des "Hauses" in drei Teams aufgeteilt: "Reiche, Normale und Survivors". In so genannten "Matches" und "Challenges" stellt die Regie den Bewohnern Aufgaben. Das kann ein albernes Quiz sein, aber auch eine Ekel erregende Tortur. So muss eine Kandidatin einem Schwein ein Stück Fleischwurst mit dem Mund reichen und einen SChlüsselbund aus einem Misthaufen klauben. Hier wird im Wortsinn Dreck gefressen.
Big Brother ist auch die größte Peepshow Deutschlands. Die Container - Duschbad eingeschlossen - sind mit Live-Cams und Mikros gespickt. Gegen Bares kann der Voyeur jederzeit übers Internet die Kandidaten beobachten oder Gespräche belauschen, am Handy über die "Spyline"

An diesem Angebot lässt sich leicht ablesen, auf welche Wirkung Reality-TV vordergründig abziehlt. Es befriedigt den Voyeurismus und die Sensationslust der Zuschauer. Dazu kommen jedoch die unterschwelligen Funktionen der Shows. Zum einen geben sie den Zuschauern die Illusion von Macht. Aus der Perspektive des Beobachters können sie sich über die Kandidaten erheben. Darin gleichen sie den Zuschauern der Gladiatorenkämpfe im Kolosseum des alten Rom. Was damals der Daumen war, der nach oben oder unten ging, ist heute der finger auf der Telefontastatur, wenn über das Ausscheiden von Kandidaten bestimmt wird.
Auch der zweite Zweck der Shows entspricht den Gladiatorenkämpfen. Sie lenken die zunehmende Zahl von Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, von ihren Problemen ab, vom Nachdenken über Ursachen und Schuldige ihrer Misere. Im alten Rom nannte man dieses Vorgehen "panem et circences" Brot und Spiele. Ins Heute übersetzt: Solange genug billiger Schnaps in den Regalen der Discounter steht und die Quoten bei Big Brother stimmen, haben die Mächtigen ihr Volk nicht zu fürchten.

Das Reality-TV zementiert die Prinzipien des neoliberalen Wirtschaftsystems. Big Boss zitiert den alten kapitalistischen Tellerwäscher-Mythos: Jeder kann es sachffen. Bei The Swan heißt die Devise: jede(r) kann schön werden. Big Brother huldigt dem gnadenlosen Ausleseprinzip, das dem Kapitalismus zugrunde liegt: Das Leben ist ein Kampf, jeder gegen jeden. Jeder ist seines Glückes Schmied, der Sieger nimmt sich alles. Viele Reality-TV-Sendungen brennen den Sozialdarwinismus des Kapitalismus in die Herzen und Hirne der Menschen.
In ihrer subtilsten Wirkung schließlich greifen die Shows tief ins Unterbewusstsein ein und entfesseln existenzielle Ängste. Wähnen sich die Zuschauer in der Rolle der Beobachter, so wird ihnen tatsächlich ein Spiegel vorgehalten: "Das seid ihr", so die versteckte Botschaft, "das alles können wir auch mit euch machen, wenn ihr euch den Regeln nicht unterwerft. Dann müsst ihr Dreck fressen." Wie in Wirklichkeit: Wer es nicht schafft, wer seine Arbeit verliert, wer in einem Ein-Euro-Job oder auf dem Sozialamt strandet, wer alkohlsüchtig oder obdachlos wird, ist selbst schuld. Die oder der ist zu blöd oder hat sich nicht genug angestrengt. Die Person hat die vier Kardinaltugenden des Raubtierkapitalismus nicht verinnerlicht:
Ignoranz, Gier, Verschlagenheit und Maßlosigkeit. sie trägt das Stigma des Losers auf der Stirn. Endstation Hartz IV.

Dabei sind die Möglichkeiten noch längst nicht ausgereizt. Was den Deutschen in Sachen Reality-TV noch blühen könnte, zeigt die Entwickling in den USA. In der Show Scare Tactics werden ahnungslose Menschen in Situationen gebracht, in denen sie todesangst ausstehen müssen. Und in der übers Internet angebotenen Undergrond-Sendung Bumfights brechen sich Obdachlose oder Drogensüchtige für Geld gegenseitig die Knochen oder verstümmeln sich selbst. Mit solchen Sendungen ist die Fernseh-Zivilisation im dritten Jahrtausend wieder bei der Grausamkeit römischer Gladiatorenkämpfe angelangt. Weil die Raubtiermoral wieder die Wirklichkeit beherrscht.

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Angesichts dieses Artikels wird einem schon irgendwie klar, warum auch in Deutschland nichts gegen derartige Sendungen unternommen wird. Oder was meint ihr? Zum Thema Raubtiermoral: Da ist das "wieder" eigentlich überflüssig, oder hat es da etwa schon mal eine andere Moral gegeben?


PS: Ich hoffe, so ein Thread existiert nicht schon. Aber wenn man zu faul ist, die Suchmaschine zu nutzen...Na, da darf ich mich auch nicht beschweren wenn dieser Thread hier wieder geschlossen wird. :rolleyes: Nich bös sein.
MondsilbertaufeDazu die heutige Post von Wagner:

Lieber „Big Brother“-Millionär,


für ein Jahr rumlungern, dumm daherquatschen, die Hauptstadt von Polen nicht wissen, T-Shirt anziehen, T-Shirt ausziehen, hinsetzen, aufstehen, Mitbewohnerinnen auf ihre Hintern gucken, zur Toilette gehen, Zigaretten rauchen, gähnen, Luft holen, sexuell grinsen, wegpennen, wieder aufwachen, um wieder herumzulungern.

Dafür haben Sie sich, um in Ihrer Welt zu bleiben, einen goldenen Arsch verdient. 1 Million Euro, steuerfrei. 1 Million dafür, daß Sie ein Nichts waren – ein Nichts wie ein Einzeller. Einzeller sind Lebewesen, die nur fressen und ausscheiden.


Was für eine obszöne Million – bei 5,2 Mio. Arbeitslosen.


Sie, „Big Brother“-Sieger, heißen Sascha – ich habe persönlich nichts gegen Sie. Sie haben getan, was Sie konnten. Ich verachte die Chefs von „Big Brother“, die Menschen so erbärmlich aussehen lassen, als wären sie nichts. Es ist das Fernsehen, das ich nicht mag.


Herzlichst



Ihr F. J. Wagner

:D
TiberonSchmeißt den Fernseher raus!
LynardIch muss Tiberon recht geben.
*keinen Fernseher hat*
NecridHm, Fernseher brauch ich schon, für Konsolenspiele, un einige bessere Sendungen. Aber was heutzutage so läuft, kann einen echt verrückt machen. Man sieht von Mensch zu Schwein, von Schwein zu Mensch - ohne einen Unterschied zu sehen.
B.O.F.H.ja,wie der Titel des Themas schon andeutet, der ganze mediale Schwachsinn ist nichts anderes als Opium fürs Volk, "Unterschichtenfernsehen" halt, oder wie es die sog. Presse nennt "bildungsferne Schichten".
Wenn man sich mit Leuten, die sich das anschauen, unterhält und fragt warum, kommt meist nur Schulterzucken oder "es kommt halt nichts anderes". Viele sind schon so manipuliert, daß sie ohne Fernsehen garnichts mit sich anzufangen wissen. Aber so hält man die Massen ruhig, Brot und Spiele halt.
Ich halte mich da an Peter Lustig's Kommentar am Ende einer jeden Löwenzahnsendung "Und , nicht vergessen, Abschalten!"
oskadishehe ich habe schon soooo lange keinen Fernseher mehr :P Eigentlich seitdem ich ausgezogen bin. :D Meine Lebensqualität hat sich dadurch extrem verbessert.
belladonnaIch habe ja auch schon seit einiger Zeit keinen Fernseher mehr, geht einem wirklich besser dabei. Aber ich finde es eben einfach erschreckend, daß das Fernsehen, das ja irgendwann mal einen gewissen Bildungsauftrag hatte (bei den Öffentlich Rechtlichen ist das wohl auch noch immer so - keine Ahnung:rolleyes: ) jetzt als römisches Colosseum mißbraucht wird um das Volk ruhigzustellen. Wie soll man nur den Leuten, die auch noch voll darauf anspringen die Augen öffnen? Wie dreckig muß es ihnen eigentlich gehen, bis sie merken, was da läuft. Wahrscheinlich wachen sie erst auf, wenn der Gerichtsvollzieher ihnen den Fernseher aus der Wohnung trägt.
B.O.F.H.[QUOTE][i]Original geschrieben von belladonna [/i]
[B]..... Wahrscheinlich wachen sie erst auf, wenn der Gerichtsvollzieher ihnen den Fernseher aus der Wohnung trägt. [/B][/QUOTE]

Gegenstände zur Informationsbeschaffung wie Radios oder Ferseher dürfen nicht gepfändet werden....Interessant oder??
Darket[QUOTE]Gegenstände zur Informationsbeschaffung wie Radios oder Ferseher dürfen nicht gepfändet werden....Interessant oder??[/QUOTE]
[Klugscheiß-Modus on] Wenn beides vorhanden ist, darf eins von beidem (das mit höherem Wert) gepfändet werden [/Klugscheißmodus off]
B.O.F.H.ich schrieb deswegen ja auch [SIZE=4]oder[/SIZE]


[Klugscheiß-Modus on]wer lesen kann ist klar im Vorteil[Klugscheiß-Modus auf]

:D :D :D :D :D :p
oskadisBeides kann gepfändet werden, wenn es Luxusgeräte sind. Dann aber muß der Gerichtsvollzieher das Gerät durch ein Standardmodell ersetzen (steht so im Gesetz).

Gruß

~Oskadis~
Nephos Le StranHabe mit 15 meinen ersten Fernseher besessen- und nach einem halben Jahr wieder verkauft...
Ich halte mich da lieber an meinen PC(*streichel*)-
der zeigt mir wenigstens nur das, was ich sehen will und keine Schwachsinnigen reality-Shows...

Wurde das Fernsehen nicht eigentlich zuerst als Desinformationsmedium durch das Militär genutzt???*nachfrag*
decay73Brot und Spiele?

Die Sendung "Sabine Christiansen" ist ein wesentlicher Teil davon und an Lächerlichkeit und Abstrusität kaum zu überbieten...:mad:
Mondsilbertaufe"Sabine Christiansen" wird nach Umfragen auch am liebsten von Damen über 50 eingeschaltet. Junge gebildete Menschen schauen Harald Schmidt und erfreuen sich am Sarkasmus.
An Polittalks kann ich "Hart aber fair" empfehlen. Da gehts wenigstens ab und zu mal richtig zur Sache. Sehr spaßig.

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