| Any Body | [quote][size=1]Original erstellt von [i]Von Klaus-Peter Schmid[/i] [url=http://zeus.zeit.de/text/2006/01/Aufschwung]quelle: DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1[/url][/size] [b]Eine Frau pokert hoch[/b] Es ist das Spiel des Jahres: Angela Merkel will die Wirtschaft 2006 durch Schulden anschieben - und später sparen. Sie hat gute Karten [i] Von Klaus-Peter Schmid [/i] Angela Merkel spielt Poker. Verbissen und mit hohem Einsatz. Sie weiß, sie kann mit guten Karten verlieren, aber auch mit schlechten gewinnen. Auf starke Nerven kommt es an und auf psychologisches Geschick. Offenbar verfügt sie über beides. Mit verkniffenem Mund und skeptischem Blick gibt sie ihren Mitspielern Rätsel auf. Diese haben keine Chance gegen Angela Pokerface. Sie gewinnt die Partie. Mit wenig berauschenden Karten. Was sich zurzeit in der deutschen Konjunkturpolitik ereignet, hat Elemente eines Pokerspiels. Seit Jahren lahmt die Wirtschaft, das Wachstum ist niedrig, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Nichts scheint zu wirken im Kampf gegen die Krise. Oder etwa doch? Da kommt eine neue Kanzlerin, und kaum ist ihre Regierung im Amt, verbreitet sie ihre Botschaft: Es geht aufwärts! Die Wirtschaft zögert kurz, dann lässt sie sich vom amtlichen Optimismus anstecken. Offenbar glaubt sie daran, dass diese Regierung gute Karten hat. Schon ist die Rede vom Merkel-Aufschwung. Wieder einmal revidieren die Konjunkturforscher ihre Prognosen. Aber diesmal in die andere Richtung: nach oben. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts steht so hoch wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. »Nach fünf Jahren«, so ifo-Chef Hans-Werner Sinn vor Weihnachten, »gibt es klare Signale, dass die konjunkturelle Flaute überwunden ist.« Seine Prognose: 2006 wird die deutsche Wirtschaft um 1,7 Prozent wachsen. Vor einem halben Jahr tippte Sinn noch auf 1,2 Prozent. Innerhalb weniger Wochen hat die Stimmung gedreht. Als im August der Economist in einer Titelgeschichte die Stärke der deutschen Wirtschaft pries, galt das hierzulande vielen Experten als freundliche Übertreibung. Fast wöchentlich korrigierten die Prognostiker damals ihre Zahlen. Nach unten. Noch im November traute der Sachverständigenrat der deutschen Volkswirtschaft für das kommende Jahr gerade mal ein Prozent Wachstum zu. Heute sagt die Dresdner Bank zwei Prozent voraus. Geradezu tollkühn verspricht Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank: »Das Jahr 2006 wird für Deutschland ein Superjahr.« Ein Gutteil der Ökonomen also glaubt an Angela Merkels Spielglück. Deren Strategie basiert auf zwei Faktoren. Erstens dem Mut zum Risiko. Und zweitens ein paar guten Karten in der Hinterhand. Die Regierung spekuliert. Sie will im kommenden Jahr durch zusätzliche Ausgaben die Konjunktur anschieben und setzt darauf, dass dann auch Unternehmen und Konsumenten mehr Geld ausgeben. So könnte ein Aufschwung entstehen, der Deutschland nach Jahren der Stagnation aus der Schlussgruppe der Euro-Länder hinausführt. Dafür wird man doch noch ein paar Milliarden zusätzliche Schulden machen dürfen. Und wenn die Wirtschaft so richtig in Schwung ist, dann ist 2007 immer noch Zeit für die dringend nötige Konsolidierung des Haushalts. So spielt die Regierung. Wie weggewischt sind die frühen Beteuerungen von Finanzminister Peer Steinbrück, die Sanierung des Budgets habe erste Priorität. Vergessen scheint die Ambition, schon mit dem Haushalt 2006 die Verschuldung näher an die von Brüssel eingeforderte Höchstgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu bringen. Wie stark die Konjunkturspritze am Ende ausfällt, weiß wohl auch der Finanzminister noch nicht. Selbst wenn er die konkreten Instrumente bereits benannt hat: günstigere Abschreibungsbedingungen für Investitionen, ein Programm zur Sanierung von Häusern als Hilfe für die Bauindustrie, Absetzbarkeit von Dienstleistungen in Privathaushalten und damit neuer Spielraum für mehr Konsum. Und die erste Tranche des 25-Milliarden-Wachstumsprogramms, wofür immer sie ausgegeben wird. Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv hat schon einmal rund fünf Milliarden Euro für die Aktion Aufschwung angesetzt. Der käme allerdings ziemlich unverhofft. Denn das wirtschaftliche Umfeld rechtfertigt die plötzlich ausgebrochene Euphorie nicht. Der Ölpreis liegt immer noch über 55 Dollar, fast ein Drittel höher als zum Jahresbeginn. Benzin und Heizöl sind entsprechend teuer. Große Konzerne haben umfangreiche Entlassungen angekündigt. Die Realeinkommen der privaten Haushalte schrumpften erneut. Nur logisch, dass der Konsum entsprechend schwach blieb. Doch beim Konjunkturpoker hat die Kanzlerin auch ein paar exzellente Karten: die diskreten Stärken der deutschen Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit. Sie hat sich deutlich verbessert. Viele Unternehmen haben die mageren Jahre genutzt, um rentabler zu produzieren. Sie haben dank steigender Gewinne Schulden abgebaut und ihre Bilanzstruktur saniert. Gleichzeitig hielten sich die Gewerkschaften mit ihren Forderungen zurück. Die Lohnstückkosten sind seit Jahren rückläufig, während sie bei vielen internationalen Konkurrenten kräftig steigen. Die Exporte. Sie florieren wie nie. Deutschland partizipiert am wachsenden Welthandel, der krisensichere Euro-Raum bleibt dabei größter Abnehmer deutscher Produkte. Gleichzeitig sind die reichen Opec-Länder besonders gute Kunden der deutschen Wirtschaft geworden. Das unternehmernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält es für möglich, dass die Exporte im bevorstehenden Jahr »erstmals die Marke von einer Billion Euro in Angriff nehmen«. Die Investitionen. Jahrelang haben die Unternehmen nur das Allernötigste investiert, jetzt installieren sie wieder Maschinen und bauen neue Fabrikhallen. »Der Modernisierungsstau der letzten Jahre löst sich offensichtlich auf«, beobachtet der Bankenverband. Zu den Ersatzinvestitionen kommen gerade in der Exportindustrie auch schon Erweiterungsinvestitionen. Der Konsum. Selbst der Konsum wird wohl nach langer Zurückhaltung der Verbraucher wieder einen Schub erleben. Erst kommt die Fußballweltmeisterschaft und bringt Millionen von Besuchern und damit neue Kunden ins Land. »Sie werden ihre mitgebrachten und zugekauften Koffer bis zum Rand füllen, bevor sie wieder gehen«, glaubt Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Walter zu wissen. Spätestens im zweiten Halbjahr werden dann viele Haushalte Anschaffungen vorziehen, weil 2007 die Mehrwertsteuer um drei Punkte steigt. Vor allem die Nachfrage nach Autos, Unterhaltungselektronik, Möbeln und Haushaltsgeräten dürfte deutlich steigen. Dass Angela Merkels Poker am Ende aber womöglich doch nicht aufgehen könnte, zeigt gerade das Beispiel Konsum. »Ich halte die Vorzieheffekte für relativ gering«, bremst Wolfgang Wiegard, Mitglied des Sachverständigenrats, die Euphorie, »und was die Konsumenten vorziehen, fehlt dann 2007.« Schon heute ist auch klar, dass sich auf dem Arbeitsmarkt wenig bewegen wird. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sinkt immer noch, neue Jobs sind alles andere als stabil. Es sind überwiegend befristete Arbeitsverhältnisse einschließlich Teilzeitbeschäftigung, Minijobs und Ein-Euro-Stellen. Auch die Vorstellung, die Senkung der Lohnzusatzkosten könnte bei den Unternehmern Lust wecken, neue Arbeitsplätze zu schaffen, ist höchst zweifelhaft. Zu gering ist das Gewicht der Kostenersparnis, wenn gerade mal die Beiträge für die Arbeitslosenkasse um zwei Prozentpunkte sinken. Was nötig wäre, wenn auf Dauer mehr Beschäftigung entstehen soll, zählt der Mannheimer Ökonomieprofessor und Wirtschaftsweise Wolfgang Franz auf: flexiblerer Arbeitsmarkt, sinkende Steuerlast für die Unternehmen, Reform der sozialen Sicherung, Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Die Stunde der Wahrheit kommt für Angela Merkel spätestens im Jahr 2007. Denn da will die Bundesregierung ihren expansiven Kurs aufgeben und ihre Finanzen in Ordnung bringen. Das hat sie nicht zuletzt ihren europäischen Partnern und der EU-Kommission versprochen. So etwas geht jedoch nicht ohne die angekündigte Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die wird die Konsumenten auf einen Schlag mit schätzungsweise 20 Milliarden Euro belasten. Dazu kommen die höhere Versicherungsteuer und der Abbau diverser Steuervergünstigungen, zum Beispiel der Entfernungspauschale, dazu auch noch höhere Rentenbeiträge. Gleichzeitig bleibt die Regierung eine Reihe von Antworten schuldig. So moniert Norbert Walter: »Die Große Koalition hat an wichtigen Baustellen wie Gesundheit, Bildung und Steuerreform, außer Vorsichtsschilder aufzustellen, nichts getan.« Die Vorschläge zur Gesundheitsreform kommen bestenfalls im Laufe des Jahres, mit der neuen Unternehmensteuer lässt sich die Bundesregierung bis 2008 Zeit....[/quote] |
| Any Body | [quote] ...Da droht ein böses Erwachen. Die Erkenntnis nämlich, dass die Strategie falsch war, im ersten Regierungsjahr die Konjunktur mit Schulden anzuschieben und im zweiten Jahr zu bremsen. Schon warnt die WestLB: »Auf die Welle folgt die Delle.« Und Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) befürchtet, der Aufschwung werde wie im Japan der neunziger Jahre möglicherweise »durch verfrühtes Anziehen der wirtschaftspolitischen Zügel vor seiner vollen Entfaltung gebremst«. Es sei denn, es wird im kommenden Jahr so viel Dynamik und Vertrauen aufgebaut, dass der Aufschwung von 2006 ins darauf folgende Jahr überschwappt. Die ökonomischen Daten sprechen nicht dafür. Aber Angela Merkel und ihre Regierung rechnen anders. Sie setzen darauf, dass nach Export und Investitionen der Konsum so stark wird, dass höhere Steuern und höhere Preise die Kauflust der Verbraucher nicht bremsen. Und dass am Ende auch der Arbeitsmarkt davon profitiert. Das hört sich wieder nach einem Poker an. Die nächste Runde findet übrigens am 9. und 10. Januar statt. Da sitzen sich die Kanzlerin und ihr Kabinett im Schloss Genshagen südlich von Berlin gegenüber. Die einen wollen mehr für die konjunkturelle Belebung tun, die andern wollen sparen. Angela Merkel möchte vor allem, dass die Stimmung gut bleibt. Dafür muss sie auch diese Runde gewinnen.[/quote] [i] interessant innerhalb dieses Berichtes ist auch die aufgezeigte Grafik über den Stellenabbau der Großunternehmen in Deutschland:[/i] [center] [IMG]http://zelos.zeit.de/bilder/2006/01/wirtschaft/stellenabbau_540.jpg[/IMG] [/center] [i] In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, welche Meinung Ihr zu dem zitierten "Pokerspiel" unserer neuen Bundeskanzlerin habt. Vielen Dank im Vorwege für eure Beteiligung an einer möglichen Diskussion. [/i] Grüße am Neujahrsmorgen Any B. |
| Demon17 | Hallo Any Body, man so ein schwerer Stoff am Neujahrsmorgen. Also das ist wirklich die Fortsetzung des altbewährten Defizit Spendings, wie wir es seit der Regierung Schmidt her kennen. Einer Politik, der wir es im Wesentlichen zu verdanken haben, das inzwischen jeder vierte Steuer€ in den Schuldendienst geht. Sicher sagt Keynes, das der Staat Antizyklisch handeln soll, also in den guten JAhren sparen und in den schlechten die Investitionen und andere Ausgaben erhöhen um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Das Problem ist bloß, das wir seit 25 Jahren zuviel Arbeitslose haben und seitdem Deficit spenden. Insofern wird der Schuldenrausch noch ein Jahre verlängert und der Kater noch größer werden. Man hätte vielleicht das Geld sparen können und die Mehwertsteuer dafür stufenweise erhöhen. Das gefährliche für die Wirtschaft sind ja immer diese ruckweisen Veränderungen. Aber drücken wir Angie mal die Daumen, wenn sie in einem Jahr lernt, was andere in Jahrzehnten nicht zu lernen bereit waren liegt sie ja immer noch in Führung. Der Arbeitsplatzabbau bei den großen Konzernen hat meines erachtens Ursachen, die nichts mit der Konjunktur zu tun haben. Denn den meisten Konzernen geht es wirtschaftlich ja prächtig. Das Coasesche Theorem besagt (so ungefähr): Hierarchien entstehen, wenn die Transaktionskosten des Marktes höher sind als die Kosten der Organisation. Mit der zunehmenden Vernetzung der Informationstechnologien, sinken die Transaktionskosten auf den Märkten drastisch. Ergo auch weniger Organisation. Insofern werden auch noch so viele Steuererleichterungen für Konzerne nichts bewirken. (Als Beispiel nehmen wir mal die Direktversicherungen, die man über Telefon und Onternet abschließt und die oft 30-40% günstiger sind, im Vergleich zum althergebrachten Vertriebsstellensystem, Online-Banken etc.) Hinzu kommen albekannte Faktoren wie Globalisierung, Automatisierung usw. Die unabhängig vom Wirtschaftswachstum stellen Kosten, sowie die Tatsache, das Deutschland bei der Umsetzung neuer Technologien in vielen Bereichen im internationalen Bereich k e i n e Führungsrolle mehr einnimmt. Das geht von der Gentechnik bis zur Telematik. Hier wird eigentlich Alles stärker reguliert als anderswo. Die gentechnik ist fast völlig ausgelagert und die EDV findet bis auf SAP im Ausland statt. Im Hardwaresektor gibt es z.B. keinen international führenden deutschen Konzern. Das wird halt nur unzureichend durch die Führungsrolle bei umweltfreundlichen Technologien ausgeglichen. Wobei Subventionen in die Zukunft wie die Förderung der Windenergie und Solartechnik ja noch sinnvoll scheinen, aber den Bergbau oder die Landwirtschaft in dieser Art und Weise steuerlich zu fördern heißt nun wirklich Geld zu verbrennen. Es kann immer nur um die Anschubfinanzierung neuer besserer Produktionsmethoden gehen, alles Andere ist schon mittelfristig im volkswirtschaftlichen Sinne schädlich. Des weiteren fehlt es an Neugründungen vkleiner und mittlerer Unternehmen, die die Jobverluste ausgleichen könnten. Diese haben wesentlich höhere Lohnstückkosten als die Konzerne. Deswegen halte ich die Senkung der Lohnnebenkosten für die wichtigste Maßnahme zum Abbau der Arbeitslosigkeit. Diese wird jedoch nicht mit der notwendigen Entschlossenheit angegangen. Beispiel: Die Senkung der Beiträge für die Arbeitslosenversicherung, wird teilweise von den Steigerungen der Beiträge zu Krankenversicherung wieder aufgefressen. Hat sich eigentlich schon Jemand Gedanken über die Pathogenität der hierdurch verursachten Arbeitslosigkeit gemacht? Gernerell liegt weiten Teile der staatlichen Bürokratien noch jedes am Markt orientierte wirtschaftliche Denken fern. Man Bedenke das Empören des Beamtenbundes bei der Einführung von Leistungskomponenten bei Beförderung und Bezahlung. Kurz gesagt wesentliche Komponeten einer Politik, die die Arbeitslosigkeit senken könnten sind durch Lobbies dermaßen zementiert, das keine Besserung zu erwarten ist. never surrender demon17 |
| decay73 | was bleibt der guten frau denn übrig? sie muss ja was tun, sonst wird sie (zu recht) nicht mehr ernst genommen. aber genaugenommen [i]kann[/i] sie gar nichts tun. d.h. sie kann schon, aber was sie auch macht wird es nichts wesentliches ändern. der staat hat auf die wirtschaft keinen nennenswerten einfluss mehr (ein herr hundt mag ja noch gelegentlich bellen, aber das was er da bellt, dient auch nur dazu seinen job zu behalten). ein wettbewerb der systeme gibt es faktisch nicht mehr. alles käht unisono den kapitalismus-blues durch den nebel. vielleicht mit ein paar geringfügig unterschiedlichen nuancen. der eine nennt es „freie“ der andere „soziale“ marktwirtschaft, aber auch das nivelliert sich zusehens, wie man an deutschland gerade schön sieht. aber was passiert, wenn es keine konkurrenz mehr gibt und keine aussenseitermeinungen? richtig, man rennt dem hinterher, was es noch gibt, so falsch es auch ist. nur voran geht es damit auch nicht. auf dem mich persönlich tangierenden medizinischen sektor passiert das auch gerade, bzw. es fangen nach jahren des stillstands auf niedrigem niveau endlich einige an die fragen zu stellen, die sich der durchschnittsintelligente patient schon lange insgeheim stellt. endlich kommen auch die ersten wissenschaftler auf die idee, dass da was mit der gängigen theorie nicht stimmen kann, die von der pharmaindustie gesponsorte „wahrheit“ nicht die letzte sein muss, und stecken ängstlich den kopf über den tellerrand. so langsam wirds aber auch zeit. |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] ... Tatsache, das Deutschland bei der Umsetzung neuer Technologien in vielen Bereichen im internationalen Bereich k e i n e Führungsrolle mehr einnimmt ... Die gentechnik ist fast völlig ausgelagert und die EDV findet bis auf SAP im Ausland statt. Im Hardwaresektor gibt es z.B. keinen international führenden deutschen Konzern. [/QUOTE]Ich halte das nicht für all zu problematisch, weil die großen Konzerne sowieso international vernetzt sind und es eigentlich kaum noch rein nationale Konzerne gibt. Andererseits sind in den letzten Jahren viele Niederlassungen internationaler Konzerne hier entstanden und ausgebaut worden, mit Fujitsu-Siemens auch auf dem Hardware-Sektor. [QUOTE]Das wird halt nur unzureichend durch die Führungsrolle bei umweltfreundlichen Technologien ausgeglichen. Wobei Subventionen in die Zukunft wie die Förderung der Windenergie und Solartechnik ja noch sinnvoll scheinen, aber den Bergbau oder die Landwirtschaft in dieser Art und Weise steuerlich zu fördern heißt nun wirklich Geld zu verbrennen. Es kann immer nur um die Anschubfinanzierung neuer besserer Produktionsmethoden gehen, alles Andere ist schon mittelfristig im volkswirtschaftlichen Sinne schädlich. [/QUOTE]Ich halte es für problematisch, immer nur in Geld und Prozenten zu rechnen. Wie am Beispiel Mineralöl zu sehen ist, können Abhängigkeiten von Importen zu viel drastischeren Einschnitten in die Wirtschaft führen als nur ein paar Prozenten Preisänderung. Von daher sehe ich eine Ausrichtung auf mehr Unabhängigkeit von Importen als gar nicht so dumm an, auch wenn sie auf den ersten Blick zu Rückläufigkeiten in finanzieller Hinsicht führt. Das trifft in gewissem Maße auch für Landwirtschaft und Bergbau zu. Und was die Anschubfinanzierung neuer Produktionsmethoden angeht, die führen in Anbetracht der hohen Automatisierung kaum zur Schaffung vieler neuer Arbeitsplätze. [QUOTE]Des weiteren fehlt es an Neugründungen kleiner und mittlerer Unternehmen, die die Jobverluste ausgleichen könnten. [/QUOTE]Neu gegründet werden recht viele kleine und mittlere Unternehmen, nur existieren sie mangels Aufträgen oft nicht lange. Ich sehe Reserven für neue Arbeitsplätze vor allem in den Bereichen Bildung und Soziales und Dienstleistungen. Die geplante Neuordnung der Kompetenzen von Bund und Ländern könnte da einiges in Bewegung bringen. Wenn die Städte und Landkreise mit mehr Mitteln ausgestattet sind, könnte das auch die Auftragslage für ortsansässige KMU verbessern. Finanzielle Mittel dazu wären durch die MWSt-Erhöhung ebenfalls in Sicht. [QUOTE]Kurz gesagt wesentliche Komponeten einer Politik, die die Arbeitslosigkeit senken könnten sind durch Lobbies dermaßen zementiert, das keine Besserung zu erwarten ist. [/QUOTE]Hinsichtlich Lobbies hat Angela Merkel (soweit ich das beurteilen kann) nicht sehr viel zu verlieren. Und ihre Parteikollegen werden sie, falls es nicht gut läuft, sowieso wegwerfen wie eine heiße Kartoffel, darüber mache ich mir keine Illusionen. Um so unverständlicher ist ihre (scheinbare?) Liebedienerei vor Lobbies, Europarat und der Bush-Clique. Aber vielleicht ist gerade das ihr Pokerspiel. Eine Trumpfkarte hätte sie, wenn es ihr in dem einen Jahr gelänge, größere Teile der Bevölkerung hinter sich zu bringen. Besonders viele Sympathien hat sie im Moment nicht gerade (meine ehrlich gesagt auch nicht), aber das könnte sich durch einige geschickte Winkelzüge schnell ändern, wozu ihr gerade eine große Koalition nützlich sein könnte. |
| Stonehenge | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B] Hinzu kommen albekannte Faktoren wie Globalisierung, Automatisierung usw. Die unabhängig vom Wirtschaftswachstum stellen Kosten, sowie die Tatsache, das Deutschland bei der Umsetzung neuer Technologien in vielen Bereichen im internationalen Bereich k e i n e Führungsrolle mehr einnimmt. Das geht von der Gentechnik bis zur Telematik. Hier wird eigentlich Alles stärker reguliert als anderswo. Die gentechnik ist fast völlig ausgelagert und die EDV findet bis auf SAP im Ausland statt. [/B][/QUOTE] Daß Gentechnik auf den Äckern (auch grüne Gentechnik genannt) hier bisher noch minimal stattfindet, halte ich für eine der größten Errungenschaften der rotgrünen Regierungszeit. Leider Gottes sieht es ganz danach aus, daß die neue Regierung sich nach Kräften daran macht das Gentechnikgesetz windelweich zu machen. Töne der CDU vor der Wahl und jetzt des neuen Landwirtschaftsministers Seehofer (der meiner Meinung nach viel besser ins Gesundheitsministerium gepaßt hätte, hier hat man mal wieder den Bock zum Gärtner gemacht) lassen schlimmes erwarten, und ohne den Druck der Grünen wird sich die SPD kaum ernsthaft dagegen stellen. Vor kurzem wurde schon eine Maissorte zugelassen (von Monsanto, welch Überraschung) die an Ratten getestet Blutbildveränderungen hervorgerufen hat. Die Gentechnikkonzerne versuchen den Leuten weiszumachen, hehre Ziele wie die Bekämpfung des Welthungerproblems oder weniger Gift auf den Äckern zu verfolgen. Stattdessen will man oft nur möglichst viel der eigenen teuren Pestizide (welche zu den Gensorten "passen") verkaufen, und nebenbei über Patentierung sowie Lizenzgebühren für GVO die Landwirtschaft ganzer Länder in Abhängigkeit bringen. Dabei könnte sich langfristig gesehen ein Verzicht auf Gentechnik als gewaltiger Wettbewerbsvorteil der Deutschen Landwirtschaft erweisen. Laut Umfragen wollen EU-weit etwa 2/3 der Verbraucher keine Gentechnik auf dem Teller haben, man muß dann nur klare Kennzeichnungsrichtlinien vorschreiben (und auch kontrollieren) und schon läuft der Laden. Am besten natürlich auch für Fleisch/Milchprodukte von Tieren, die mit Gentechnik gefüttert wurden. Läßt man erstmal Gentechnik auf breiter Front zu, ist es auf kurz oder lang kaum mehr möglich, gentechnikfrei zu produzieren. Man betrachte z.B. die Situation des Rapsanbaus in Nordamerika. Saatgutproduzenten, bei denen es besonders auf Verunreinigungen ankommt, sind schon in Größenordnungen nach Österreich ausgewandert, da dort bislang Gentechnikanbau verboten ist. Nach der letzten Volksabstimmung übrigens auch in der Schweiz. [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B] Im Hardwaresektor gibt es z.B. keinen international führenden deutschen Konzern. Das wird halt nur unzureichend durch die Führungsrolle bei umweltfreundlichen Technologien ausgeglichen. Wobei Subventionen in die Zukunft wie die Förderung der Windenergie und Solartechnik ja noch sinnvoll scheinen, aber den Bergbau oder die Landwirtschaft in dieser Art und Weise steuerlich zu fördern heißt nun wirklich Geld zu verbrennen. [/B][/QUOTE] Möchtest Du ernsthaft in Bergbau und Landwirtschaft völlig vom Ausland abhängig werden? Dann geht hier ganz schnell das Licht aus oder sogar eine Hungersnot los, wenn die Lieferanten mal auf die Idee kommen den Hahn zuzudrehen. Und Bergbau sowie Landwirtschaft sind Dinge, die sich nach jahrzehntelanger Totlage notfalls nicht mal eben in ein paar Monaten wieder aus dem Boden stampfen lassen. Wohl dem, der dann wenigstens noch einen Kleingarten besitzt. Grüße Stone |