| overdose | [url]http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,404553,00.html[/url] Ist das ironisch gemeint, nach dem Motto "Jammern auf hohem Niveau"? :confused: Wenn nicht: armes Deutschland. Macht den Laden zu. |
| Montrose | Seit über dreißig Jahren prangen überall Plakate "Brot für die Welt", auf denen Bilder von den armen Kinder Indiens nach Mitleid heischen. Nun, Indien hat als zweitgrößtes Volk der Erde eine fantastische Landwirtschaft, eine Menge Gewerbe und holt mittlerweile in Sachen Industrie deutlich auf. Kurzum, Indien ist ein reiches Land, in dem viele Menschen in Wohlstand leben. Zugleich gibt es auch viele Bettler, das ist richtig. Dennoch hat es mich immer schon gestört, dieses Land immer nur als arm darzustellen. Nun, jetzt kommt halt die Retourkutsche für die bundesdeutsche Arroganz. Natürlich gibt es auch hier Kinderarmut, Obdachlose usw. Warum sollten dann nicht auch mal Afrika oder Indien für uns spenden. Solch eine Tat rückt einfach mal ein paar Dinge zu recht, von wegen, hier sei das Paradies und alle anderen seien nur Almosenempfänger. Vor gut drei Jahren hab ich übrigens einen Missionar aus Indien kennengelernt. Und in der Nähe Tübingens hat ein anderer Inder seine Kirche eröffnet, in der sich manch verlorene ´deutsche Seele schon einfand. Auch hier die Umkehrung: nicht wir sagen der Welt, wo's langgeht. Sondern mittlerweile kommen andere Völker und versuchen, uns an unsere Wurzeln zurückzuführen. Klar, daß Deutschland dringend christliche Missionare aus Bangladesh braucht. Denn wir sind drauf und dran, unsere Orientierung zu verlieren. Globalisierung hat auch ihre guten Seiten. ;) |
| Darket | Ganz ehrlich gesagt find ich das irgendwie süß, auf eine sehr sympathische Art und Weise. Was ist grundsätzlich so verkehrt daran? Wir haben hier natürlich auch Armut (auf recht hohem Niveau zum Großteil), weshalb eine solche Spende als Weltuntergangssignal sehen und nicht als das, was sie ist, eine dankbare und menschenfreundliche Geste? |
| decay73 | [QUOTE][i]Original geschrieben von overdose [/i] [B]Ist das ironisch gemeint, nach dem Motto "Jammern auf hohem Niveau"? :confused: Wenn nicht: armes Deutschland. Macht den Laden zu. [/B][/QUOTE] das ist doch irgendwie wieder die gretchenfrage “was ist armut?” ist armut relativ zu der dem armen umgebenen gesellschaft, also eine irgendwie festgelegte größe (z.b. verhältnis zum mittleren einkommen) oder etwas absolutes wie z.b. eine warme mahlzeit pro tag, eine warme wohnung (gibt es ja schon teilweise nicht mehr) oder warme winterkleidung, wie es das arbeitgebernahe institut der deutschen wirtschaft (IW) definiert wissen möchte? oder muss ein armer auch akzeptieren nur noch nahrungsmittel mit abgelaufenem mindesthaltbarkeitsdaum zu bekommen, weil sie so schlecht ja meist doch noch nicht sind? dann hätte man mit spenden aus kenia ja auch kein problem, denn man hätte die niveaus angeglichen. oder sollten sie sozialleistungen mindestens die menschwürde sichern, wie es der paritätische wohfahrtsverband fordert, wobei man auch dort noch näher definieren müsste? |
| Tiberon | Die Armut, die "der Hartz-IV-Empfänger" hat, kann auch mit "Spenden" aus Kenia nicht bekämpft werden. Denn wenn man von so einer Bananenrepublik viel holen kann - lernen, was Gemeinschaftlichkeit ist, das geht nicht - eine solche Spende würde ich also eher unter Anmaßung oder Lächerlichkeit einordnen. |
| xxxzinixxx | @ tiberon: versteh ich jetzt nicht ganz: hartz 4 empfänger wissen nicht was gemeinschaftlichkeit ist? ich finde das jedenfalls auch sehr nett von den kenianern. hier wird schließlich auch immer geld überall in die welt hingespendet und im land selbst wärs auch nicht so ganz schlecht angelegt gewesen. jeder spendet eben da, wo er meint. man kann natürlich auch alles immer negativ auslegen, wenn man sich auf den schlips getreten fühlt... was nun allerdings christliche missionare aus bangladesh hier gegen die armut tun sollen, oder überhaupt irgendwelche anderen glaubensrichtungen, das würde mich irgendwie schon interessieren... sollen die uns vielleicht wieder mehr gemeinschaftsdenken lehren? da wäre es mir allerdings egal, wer das nun macht... darf auch n psychiater oder sowas sein... diese spendenaktionen ist doch schon ein ganz guter ansatz: jeder gibt stets, was und wieviel er eben geben kann... das wäre doch das paradies auf erden... *träum* |
| Goat93 | Ich find das toll :) Vor allem kommt dadurch (hoffentlich) mal das Volk von dem hohen Thron runter und öffnet die Augen etwas :D |
| Zerbrochener | [QUOTE][i]Original geschrieben von Montrose [/i]Nun, Indien hat als zweitgrößtes Volk der Erde eine fantastische Landwirtschaft, eine Menge Gewerbe und holt mittlerweile in Sachen Industrie deutlich auf. Kurzum, Indien ist ein reiches Land, in dem viele Menschen in Wohlstand leben.[/QUOTE] [img]http://twoday.net/static/vloo/images/slum.jpg[/img] |
| xxxzinixxx | @ zerbrochener: für sehr viele deutsche ist es doch völlig ausreichend, wenn menschen ein dach über dem kopf haben, um von (relativem) reichtum zu sprechen... was für ein dach auch immer...:rolleyes: |
| Tiberon | [QUOTE][i]Original geschrieben von xxxzinixxx [/i] [B]@ tiberon: versteh ich jetzt nicht ganz: hartz 4 empfänger wissen nicht was gemeinschaftlichkeit ist?[/B][/QUOTE]Das habe ich nicht gesagt. Jeder Einzelne, ob Sozialhilfeempfänger oder Mananger, kann dies sehr gut wissen - aber genau das "jeder Einzelne" ist das Problem. In der Gesellschaft selbst existiert "Gemeinschaft" höchstens als Relikt vergangener Zeiten - als [i]eingebetet[/i] kann man es jedenfalls nicht bezeichnen. Auch lohnt es sich anzuschauen, was Spenden eigentlich sind. Da haben wir die private Spende, mit der, wie es irgendein Afrikaner so schön sagte, die Armen der reichen Länder, die Reichen der armen Länder finanzieren. Und wir haben Sachen die im Großen und Ganzen unter Entwicklungshilfe laufen - diese allerdings können in einem marktwirtschaftlich, kapitalistischen System naturgemäß nicht dazu dienen, eine partnerschaftliche, gleichberechtigte Beziehung herzustellen. In diesem Kontext sind dann auch einzelne Spenden, die man unter gewissen Gesichtspunkten gar als hilfreich bezeichnen könnte, nicht automatisch sinnvoll. |
| xxxzinixxx | ah so, dann war es wohl einfach nur mißverständlich, weil es eben hier um hartz 4- empfänger ging... und wegen den spenden: man könnte sie aber einfach auch mal nur unter dem positiven aspekt der gegenseitigen mitleidsbekundung betrachten. vielleicht hat eben dieses krankenhaus ja auch schon mal etwas hilfe aus deutschland erhalten und wollte einfach auch mal etwas zurückgeben. das muß man auch mal zulassen können, weil schenken und helfen nämlich manchen menschen wirklich freude bereitet. wenn natürlich jeder beschenkte immer nur mit argwohn reagiert, dann verdirbt sich der mensch selbst all seine vorzüge, indem er sie bei anderen ständig niedermacht. und dann würde mich interessieren, was das wohl für ein afrikaner war, der das gesagt hat. und warum er meint, daß das so ist. |
| Montrose | Ich seh auf dem Bild Kinder, die lächeln. Und, wo ist sonst die Botschaft? Ich sehe wackelige Hütten, eine fehlende Haustüre, keinen Mercedes vor dem Haus. Aber ich sehe immerhin Kinder, die lächeln. Vielleicht ist dieses Lächeln viel wertvoller als das ganze andere Zeug, was man nicht auf dem Bild sieht. Das mit der Landwirtschaft etc. stimmt übrigens wirklich. Ein 900 Mio. Volk durchzubringen ist so einfach nicht. Der ganze Kontinent ist angepflanzt. Da wird viel gearbeitet. |
| Beowulf | [QUOTE][i]Original geschrieben von xxxzinixxx [/i] und dann würde mich interessieren, was das wohl für ein afrikaner war, der das gesagt hat. und warum er meint, daß das so ist.[/QUOTE] Was das für einer ist, kann ich dir zwar nicht sagen, aber warum er es so sieht: Sehr viele - auch die Kenianische Regierung - sind korrupt und unfähig, und leben in relativem Luxus während die Bevölkerung zum Großteil (aber nicht ausschließlich) am verhungern ist. Ein Großteil der Spenden, bleiben dann auch in den Korrpuptionskanälen stecken, und erreichen nie die Menschen die sie benötigen. |
| xxxzinixxx | dann ist das doch genau wie hier... vielleicht nicht ganz so unauffällig... @ montrose: ich wünsche dir ja dann wohl nichts schlechtes, wenn ich dich in naher zukunft an eben dieser stelle wohnen sehen möchte... viel spaß... |
| xxxzinixxx | mal n kleiner reisebericht über die armen dieses lustigen völkchens: ...Und die Slums sind es, die die Stadt explodieren lassen. Immer mehr Menschen drängen in die Slums, die sich jetzt schon bis zum Flughafen ausdehnen. Unmöglich, hier das Elend zu «übersehen», es folgt einem auf Schritt und Tritt. Auf der Strasse vom Flughafen in die Stadt leben (?) die Ärmsten der Armen, die nicht mal eine Hütte habe, sondern direkt auf dem Trottoir schlafen, nachts zugedeckt mit einem Karton. Und aus den gesichtslosen Slumbewohnern werden plötzlich Menschen, denen man in die Augen blicken muss, ob es passt oder nicht. Dann nämlich, wenn das Taxi an der Ampel steht und plötzlich knorrige und ausgemergelte Finger ans Fenster klopfen und um ein paar Rupien betteln. Greise, Kinder, Aussätzige, Krüppel in jeder Form, ausgetrocknete Mütter mit Babies auf dem Arm, von denen man nicht weiss, ob sie gleich sterben werden oder schon tot sind, Blinde die von Hinkenden von Auto zu Auto geführt werden, deren bettelnde Hand gestützt und in die richtige Richtung gelenkt werden muss. Verlumpte Kinder, die gerade mal über den Rand des Taxifensters gucken können, das pure Elend. Es würgt einen im Hals, es ist kaum auszuhalten, man will nur weg, hofft, dass endlich grün wird und der Wagen losfährt. Ein Gefühl wie vor dem Fernsehkasten, wenn wieder mal Horror-Nachrichten gesendet werden – wegzappen und heile Welt einstellen! Aber das funktioniert hier nicht, denn an der nächsten Kreuzung wiederholt sich das Ganze. Vor dem Eingang zur Bahnstation liegt eine Greisin, ein Gesicht zwischen Lederstrumpf und Schrumpfkopf, der zerbrechliche kleine Körper bloss noch Haut und Knochen, zu kraftlos um aufrecht zu sitzen, und deshalb streckt sie flach am Boden liegend nur gerade noch ihr dünnes Ärmchen in die Luft in der Hoffnung auf ein paar Rupien... heute zum letzten Mal? Vielleicht. Die Leute hetzen an ihr vorbei. Natürlich verteilen wir ein paar unserer Rupien, aber gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass das alles keinen Sinn macht. Was für ein trostloses Leben, was für eine Hoffnungslosigkeit für diese Menschen! Während unseres ganzen Aufenhaltes in der Grossstadt bleibt ein Klotz im Hals. Und wie gehen die Einheimischen mit diesem Elend um? Erstaunlich gelassen. Sie nehmen diese Form der Armut als «gottgegeben» hin, schauen kaum noch, wenn sich Krankheit, Siechtum und Tod zeigt. Ist das nun Abstumpfung, Anpassung an die Normalität oder Lebensauffassung? Wahrscheinlich von allem etwas. Immerhin haben die Hindugläubigen ja eine sehr praktische Religion zur Hand: Der verkrüppelte Bettler hat doch noch Tausende von Leben vor sich, und dass es ihm im jetzigen so beschissen geht, ist seine eigene Schuld, denn er hat sich im letzten Leben mies benommen und muss jetzt dafür büssen, ist also selber verantwortlich für seine Lage... und stinken soll es da zum erbrechen... aber auf jeden fall ganz praktisch mal wieder für den staat, diese sache mit dem glauben... |
| Tiberon | [QUOTE][i]Original geschrieben von xxxzinixxx [/i] [B]und dann würde mich interessieren, was das wohl für ein afrikaner war, der das gesagt hat. und warum er meint, daß das so ist. [/B][/QUOTE]Das bekomme ich leider nicht mehr raus (die Suche bei Telepolis ist komplett fürn Eimer ...) |
| xxxzinixxx | macht doch nix, ich weiß ja jetzt wenigstens, wie´s gemeint ist... |
| Zerbrochener | [QUOTE][i]Original geschrieben von Montrose [/i] [B]Ich seh auf dem Bild Kinder, die lächeln. Und, wo ist sonst die Botschaft? Ich sehe wackelige Hütten, eine fehlende Haustüre, keinen Mercedes vor dem Haus. Aber ich sehe immerhin Kinder, die lächeln. Vielleicht ist dieses Lächeln viel wertvoller als das ganze andere Zeug, was man nicht auf dem Bild sieht. [/B][/QUOTE] Genau darauf wollte ich hinaus. Warum lächeln die Kinder ? Vielleicht weil sie seit Tagen mal wieder eine warme Mahlzeit hatten ? Und warum sollte man nur Lächeln wenn man im Überfluss lebt ? Daran sollten sich die "westliche" Welt ein Beispiel nehmen. Die meisten wissen noch gar nicht was Elend bedeutet. Ein Hartz 4-Empfänger hat mit Sicherheit mehr Grund zum Lächeln als jemand der in einer Kloake lebt. Wenn der deutsche Bürger nur glücklich ist, wenn er einen Merzedes vor seiner Haustüre parkt, ist es um dieses Land in der Tat schlecht bestellt. Vielleicht sollten einige mal herunter von ihrem hohen Roß ? "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" |
| Tiberon | Das betrachte ich für Unsinn! Es geht hierbei nämlich nicht um um Mercedes oder fließendes Wasser, sondern um den Status in der eigenen Gesellschaft. Was nutzt es mir, wenn ich irgendwo am Arsch der Welt mit meinen drei Euro fünfzig als Bonze durchgehe, wenn man in der eigenen "Gemeinschaft" in seiner Eigenschaft als beispielsweise Hartz-IV-Empfänger, als Schmarotzer gilt? |
| Zerbrochener | [QUOTE][i]Original geschrieben von Tiberon [/i] [B]Es geht hierbei nämlich nicht um um Mercedes oder fließendes Wasser, sondern um den Status in der eigenen Gesellschaft. Was nutzt es mir, wenn ich irgendwo am Arsch der Welt mit meinen drei Euro fünfzig als Bonze durchgehe, wenn man in der eigenen "Gemeinschaft" in seiner Eigenschaft als beispielsweise Hartz-IV-Empfänger, als Schmarotzer gilt? [/B][/QUOTE] Dann reden wir halt aneinander vorbei. Denn mir ging es nicht um die Ignoranz sozialer Unterschiede, sondern lediglich um die "Ach uns geht es so schlecht"-Mentalität in Verbindung mit zunehmenden Materialismus. Nicht mehr und nicht weniger ... |