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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: privatpatient oder kassenpatient - menschen erster und zweiter klasse
zwergleuchtenwie findet ihr, dass sich viele ärzte je nach lage (ob sie einen privatpatienten vor sich haben oder einen kassenpatienten) so unterschiedlich verhalten.

beim warten im wartezimmer fängt es schon an. ein ganzer pulk von menschen wartet vielleicht stunden schon darauf, dran genommen zu werden. wenn ein privatpatient kommt, so darf dieser auch ohne angemeldet zu sein sofort (also vor den anderen, die schon viel länger gewartet haben) in das besprechungszimmer.

das gleiche gilt für das vereinbaren von arztterminen.während der kassenpatient manchmal wochen oder monate auf einen termin warten muss, darf ein privatpatient sofort kommen.

habt ihr auch solche erfahrungen gemacht?
Schwarzer PrinzJa, Privatpatienten werden bevorzugt behandelt.
VardaNeulich kam ein Interview mit einem Arzt im ZDF. Und der erklärte, dass die Ärzte gar nicht anders können. Der Grund: Wenn sie nicht eine bestimmte Anzahl Privatpatienten im Monat annehmen, dann arbeitet die Praxis mit roten Zahlen. Die Ärzte müssen laut seiner Aussage so handeln, weil sie sonst dicht machen müssten.

Ich weiß nun nicht, ob das genau so stimmt, schließlich ist er als Betroffener ja nicht neutral. Aber ich finde, dass man manchmal ein bißchen vorsichtig sein muss, wem man die Schuld in die Schuhe schiebt. Ich kann mir das schon gut vorstellen, dass das so ist wie er es sagt. Und es ist ja heute auch nicht mehr so, dass man pauschal sagen könnte Ärzte wären alle reiche Leute mit Villa und Mercedes.

Dass man beim Warten im Wartezimmer bevorzugt wird, ist mir noch nicht aufgefallen; das lange Warten auf einen Termin kenne ich nur von Spezialisten wie z.B. Radiologen. Bei Haus- und Frauenärztin bekomme ich meist binnen einer Woche einen Termin.

Wie gesagt, vielleicht weiß ja jemand genaueres. Ich wäre auf jeden Fall vorsichtig die Schuld bei den Ärzten zu suchen.
Anaximander[quote]wie findet ihr, dass sich viele ärzte je nach lage (ob sie einen privatpatienten vor sich haben oder einen kassenpatienten) so unterschiedlich verhalten. [/quote]
Finde ich als Privatpatient sehr in Ordnung ;)

Ein bisschen Klassengesellschaft und Hierarchie zur Erinnerung wird doch wohl in Ordnung sein. :p
JesterIch habe mich auch auch einmal mit meinem Hausarzt über die Thematik unterhalten, ein beeindruckender Mann, welcher noch wirklich als Arzt als solcher zu bezeichnen ist. Entgegen allen Horrormärchen die es ja so gibt, gehört er zu jener Sorte Arzt die wirklich für seine Patienten kämpft, versucht ungerechtigkeiten soweit es geht zu bekämpfen. Das alles sieht man ihm leider an. Er wirkt immer sehr gestresst, sehr ausgezehrt, und nicht einmal kam er schon in den Behandlungsraum und sagte, das er unglücklich sei, das er wieder seit Tagen für etwas kämpft, das er eigentlich als so selbstverständlich ansehen würde, das aber irgendwo in einer Finanzabteilung eines Krankenhauses auf die lange Bank geschoben wird, da die Gelder einfach nicht verfügbar seien.

Und auch er hat erzählt, egal wie traurig es doch sei, das auch er gerade auf Privatpatienten angeweisen wäre, da sonst das Geld nicht reichen würde. Und das Problem dabei ist, das die Privatpatienten mitlerweile auch ziemlich verwöhnt sind, das sie sich daran gewöhnt haben, für ihr Geld gut behandelt zu werden. Man muss sie letzendlich also bei der Stange halten, damit sie nicht einfach einen anderen Arzt aufsuchen wo sie dergestalt bevorzugt werden, wie sie es sich vorstellen. Es besteht einfach eine Abhängikeit von en Privatpatienten, da durch sie das hauptsächliche Einkommen einer Praxis mitlerweile abhängt, da Privatpatienten sich ihre Gesundheit mehr kosten lassen und somit die Praxen am laufen halten.

Man mag sich darüber beschwerde, allerdings liegt es in dem meisten Fällen nicht auf der Hand sich dann bei den Ärzten zu beschweren. Diese sind, gerade bei kleineren Praxen eher die Opfer der Gesamtsystematik.
Nigthmare@Anaximander:

Kassenpatienten sind wohl finanziell schlechter gestellte Menschen. Verabscheungswürdige also.
Und was glaubst du wohl, welche Art Patient hier rumnöhlt? :p

MfG
Nigthmare
zwergleuchtenes spielt keine rolle, welcher versicherungsart man angehört, um das geschilderte wahrzunehmen. es muss sich niemand schämen weil er das ungerecht findet.

vielleicht ist es so, dass ärzte auf privatpatienten angewiesen sind. komischerweise gibt es verschiedene umgangsweisen. ich suche mir ärzte danach aus, ob sie sich fair verhalten, ob als privatpatientin oder nicht. es gibt fähige und faire ärzte. wer fair reagiert, dem nehme ich eher ab dass er noch was vom hypokratischen eid hält.
VardaWas verstehst du dabei unter fair, wenn man keine anderen Möglichkeiten hat?

Nur weil man im Wartezimmer schneller drankommt oder einen Termin bei einem anderen Arzt eher kriegt als bei einem anderen hat das noch nichts mit Fairness zu tun! Vielleicht ist der Arzt dann einfach weniger besucht. Das sind doch alles Dinge, die man als Patient nicht weiß. Ich suche mir meinen Arzt danach aus, wie gut er mich behandelt. Und ich warte bei meiner Hausärztin gerne 2 Stunden im Wartezimmer, weil sie sich dann mindestens eine halbe Stunde für mich Zeit nimmt - obwohl ich nur ein bißchen Ernährungsberatung brauche.

Man kann keine pauschalen Urteile fällen.
NigthmareAber andere Privatpatienten könnten dich für deine moralischen Apelle hassen lernen wenn sich unsereins länger als zehn Minuten mit den sozial Heruntergekommenen einen Raum teilen muss.
Ist nicht bei jedem so, schon klar, aber ich komme lieber sofort dran als mir im Wartezimmer gleich noch weitere Krankheiten einzufangen. :o

MfG
Nigthmare
zwergleuchtendas wäre mir eine ehre. ich werde gern von leuten gehasst die nichts von ethik halten.
curupiraAnaximander:
Ist es wirklich notwendig das sich Gruppen von Menschen sich über andere Menschen stellen?
NigthmareAlternativ kannst du auch darauf bestehen, dass dein Arzt jemand oder allen anderen den Vortritt überlässt. Einem privaten schlagen die bekanntlich keinen Wunsch aus. :p

MfG
Nigthmare
matheaGanz schon asoziale Meinung für Jemanden der sich für etwas Besseres hält @Nightmare.

Und dass Privatpatienten bervozugt behandelt werden liegt zudem daran, dass der Arzt sein Geld vom Patienten selbt bekommt, der seinerseits das Geld von seiner Kasse zurück holt oder nicht. Zudem sind die Ärzte bei einem Privatpatienten nicht an das Budget der gesetzlichen Krankenkassen gebunden.

Die Ärzte können einfach "darauflos" behandeln ohne vorher erst zu schauen ob, er das laut Budget noch machen kann.

Ich habe die Ungleichbehandlung konkret bei meinem Autounfall gesehen. Mein Partner (privat versichert) war nach 20 Minuten durch alle Behandlungen, was ihm aber im Endeffekt nichts nutzte, weil er dann noch knapp eine Stunde auf mich (gesetzlich versichert) warten musste, und dass obwohl meine Berufsgenossenshaft die Behandlung bezahlte.

Und es ist ihm auch schon mehr als einmal passiert, dass er einen Termin beim Facharzt haben wollte wo man ihm zuerst in ein paar Wochen einen Termin gab. Dann wurde nach der Krankenkasse gefragt und *huch*, da hatten die doch glatt übersehen, dass just in einer Stunde noch ein Termin für ihn frei war.

Ich finde das sehr fragwürdig aber durchaus nachvollziehbar bei unserem Gesundheitssystem, wo jeder, auch ein Arzt, zusehen muss wo er bleibt.
NigthmareMan ist nunmal Privatpatient um bevorzugt behandelt zu werden, mathea. Wofür gebe ich denn dann Geld aus wenn sich meine Behandlung von der anderen nicht positiv unterscheidet?

MfG
Nigthmare
zwergleuchtenich akzeptiere solche leistungen bis zu einem gewissen grad. es geht um behandlungsmethoden, medikamente. sofern der kassenpatient wirklich alle leistungen erhält, die er braucht, um bestens versorgt zu werden, und der privatpatient das erhält was noch darüber hinaus geht, kann ich damit leben. das funktioniert aber nicht so. die kassenpatienten erhalten nicht die leistungen, die sie brauchen um bestens versorgt zu werden und zusätzlich werden sie auch noch weniger mit freundlichkeit behandelt, müssen längere wartezeiten in kauf nehmen. und an so einer stelle geht es über das maß des vertretbaren hinaus in den bereich der deklassierung und gängelei hinein.
HellscreamGesellschaftliche Degeneration. Die welche sowie so schon gezeichnet sind werden noch schlechter Behandelt als ohnehin schon und die anderen immer besser. Dann wird sich gewundert warum diese so gerne als „sozial Heruntergekommenen“ denn allgemeinen Anschluss immer schlechter schaffen. Das kann es doch nicht wirklich sein oder.

Ab imo pectore Hellscream Midgard Der Moloch
darkmav[QUOTE][i]Original geschrieben von Hellscream [/i]
[B]Gesellschaftliche Degeneration. Die welche sowie so schon gezeichnet sind werden noch schlechter Behandelt als ohnehin schon und die anderen immer besser. Dann wird sich gewundert warum diese so gerne als „sozial Heruntergekommenen“ denn allgemeinen Anschluss immer schlechter schaffen. Das kann es doch nicht wirklich sein oder.[/B][/QUOTE]
Das sehe ich auch so. Normalerweise bin ich kein Sozi, aber Gesundheit ist etwas, das mit "höherer Gewalt" zu tun hat; d.h. man kann nichts dafür, ob man nun mit Diabetes geboren wird, eine Depression erleidet etc. Darum sollte hier der Gesetzgeber einschreiten, und

a) private Krankenkassen abschaffen, oder wenigstens
b) einen verbindlichen Satz für alle Kassen schaffen; d.h. Ärzte bekommen von privaten und gesetzlichen Kassen für gleiche Leistung das gleiche Honorar. Dann hätte das mit dem ständigen Bevorzugen der privat Versicherten mal ein Ende.

Btw. Ich glaube nicht, daß Ärzte finanziell schlecht da stehen. Ich kenne keinen, der am Hungertuch nagt. Meine Hausärztin (Allgemeinmediziner sind keine Gutverdiener im Vergleich zu den Spezilaisten) kann sich jede Menge Urlaub leisten. Immer wenn ich ihre Hilfe benötige, hat sie den Laden geschlossen (obwohl sie in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet). Welcher Gewerbetreibende kann sich heutzutage leisten, sein Geschäft nach Gutdünken zu schließen? Wieso hat eigentlich kaum ein Arzt am Samstag offen? Offensichtlich, weil die Herren in weiß diesen Wettbewerbsvorteil nicht nötig haben.

Zu den Fakten:
[quote]
Die Einkommenssituation der Vertragsärzte variiert nach Versorgungsbereich (Hausarzt/Facharzt), nach Fachgebiet und nach Standort deutlich.

* Bundesdurchschnittlich und über alle Arztgruppen (allerdings ohne psychologische Psychotherapeuten) betrug der Umsatz je Arzt im Jahr 2003 202.588 Euro. Im Westen lag der Umsatz je Arzt über alle Arztgruppen bei 205.257 Euro, im Osten bei 187.693 Euro.
* Nach Abzug der Praxiskosten ergibt sich im Westen über alle Fachgebiete ein Überschuss je Arzt in Höhe von 84.976 Euro, im Osten in Höhe von 78.268 Euro.
* Dem Bruttoeinkommen müssen noch die Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten hinzu gerechnet werden. Im Westen machen diese je nach Fachgebiet zwischen 16 und 33 Prozent aus; im Osten erwirtschaftet ein Arzt je nach Fachgebiet zwischen 7 und 30 Prozent seines Umsatzes mit Privatpatienten (Daten aus 1999 hochgerechnet).

Im Ergebnis sind die Internisten in den alten Bundesländern mit einem durchschnittlichen Praxisüberschuss inkl. Privatliquidation in Höhe von 137.016 Euro die Arztgruppe mit der durchschnittlich besten Einkommenssituation. Aufgrund der geringeren Einnahmen aus Privatliquidation erzielen Internisten in den neuen Ländern trotz höherer Umsätze mit GKV-Versicherten einen geringeren Praxisüberschuss incl. Privatliquidation als ihre West-Kollegen; ihr (Brutto-)Einkommen beläuft sich auf 116.869 Euro. Am unteren Ende der ärztlichen Einkommensskala liegen die Hautärzte im Osten; sie erzielen inkl. Privatliquidation durchschnittlich ein Einkommen von 62.892 Euro.

Das durchschnittliche Bruttoarbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer lag im Jahr 2004 bei 32.834 Euro, das durchschnittliche Volkseinkommen je Erwerbstätigem bei 42.192 Euro.
[/quote]
(aus [url]http://www.payer.de/arztpatient/arztgehalt.htm[/url])

Da Ärzte also durchschnittlich alleine durch die gesetzlich Versicherten 80.000 € p.a. "einfahren" (nach Abzug der Praxiskosten versteht sich), wären sie eigentlich auf die Mehreinnahmen durch Privatpatienten nicht angewiesen - womit die Argumentation von Varda und Jester entkräftet wäre. Es ist vermutlich die pure Geldgier, die sie dazu treibt.
Move over KateEins vorweg - ich bin (zwangsläufig) auch privatversichert. Und ja - es gibt gewaltige Unterschiede. Ein paar Anekdoten:

Wegen eines Umzugs musste ich mir einen neuen Hausarzt suchen. Beim ersten Besuch (proppenvolles Wartezimmer, gereizte Stimmung - die Praxisgebühr war gerade eingeführt worden) komme ich zur Sprechstundenhilfe. [I]"Guten Morgen. Haben Sie einen Termin?" "Nö, aber ne Bronchitis"[/I]. Skeptischer Blick. [I]"Dann geben Sie mir mal Ihre Versichertenkarte." "Hab ich nicht."[/I] (Eigentlich die falsche Antwort - eine Versichertenkarte haben nämlich auch Nichtversicherte nicht - für die zahlt das Sozialamt Krankenhilfe. Und wie ein Privatpatient seh ich normalerweise nicht aus...). Böser Blick der Sprechstundenhilfe. [I]"Sie sind nicht versichert?!" "Doch!" "Wo denn?" "DBV-Winterthur". "Ach, Herr D., sie sind Privatpatient - das hätten Sie doch gleich sagen können. Nehmen Sie doch bitte kurz im Wartezimmer platz - und die Praxisgebühr müssen Sie natürlich auch nicht zahlen!"[/I] Böse Blicke aus der Warteschlange.

Ich setze mich auf den letzten freien Platz ins Wartezimmer, greife nach einer Zeitschrift. Knisternder Lautsprecher, krächzende Stimme: [I]"Herr D., bitte Zimmer 1."[/I] Noch mehr böse Blicke, während ich die Zeitschrift weg lege, ohne überhaupt einen Blick rein geworfen zu haben. Ich setze mich ins Behandlungszimmer, eine junge Auszubildende bringt meine frisch angelegte Patientenakte. Neben meinem Namen prangt ein rosa Textmarker-Ausrufezeichen. [I]"Wofür steht denn das Ausrufezeichen?" "Das heißt, dass sie Privatpatient sind!" [/I]. Ah, verstehe. Der Arzt kommt rein. [I]"Herr D., was kann ich für sie tun?"[/I] Ich schildere mein Problem. Besorgter Blick des Arztes, Abhöhren der Lunge, Blutdruckmessung. Alles eine Sache von 5 Minuten. [I]"Zur Sicherheit machen wir aber einen Lungenfunktionstest!"[/I] Na gut, wenn das sein muss. Ich geh mit der Sprechstundenhilfe in den Nebenraum, puste in die Maschine. [I]"Warten Sie doch bitte hier vorne, Herr D., der Doktor schaut sich das Ergebnis gleich an!"[/I]. Ich warte gerne. Der Arzt schaut sich das Meßprotokoll an, entspannte Miene. [I]"Na, das sieht ja gut aus!"[/I] Trotzdem schreibt er mir zwei Inhalatoren, zwei Antibiotika und zwei Tabletten zum "schleimlösen" auf. [I]"Und stellen sie sich Anfang nächster Woche unbedingt wieder vor! Was machen Sie eigentlich beruflich?"[/I] Ich erzähl es ihm. Das Gespräch wechselt von der Lage am Entsorgungsmarkt über Studienorte zu Berlin, wo Doktors Tochter studiert. Berlin hat hervorragende kulturelle Einrichtungen zu bieten, wie ich erfahre. Fein.

Die Medikamente kosten mich in der Apotheke ca. 150 Euro, die ich erstmal vorstrecken darf - die Versicherung zahlt erst auf Antrag - und ob ich sie mir überhaupt erstatten lasse, ist fraglich, weil dann meine Beitragsrückgewähr flöten geht. Die Behandlungsrechnung (auch ob ich die Einreichen soll, weiß ich nicht, s.o.) umfasst neben der ausführlichen Untersuchung verschiedener Organsysteme ein umfangreiches Beratungsgespräch. Wenn ich nochmal nach Berlin komme, wird es mir helfen.

Wann immer ich eine Erkältung habe, ist der Lungenfunktionstest seitdem Pflicht. Mann will ja nichts riskieren. Aber noch besser ist: Als mein Unterarm neulich schmerzte (Überlastung von Sport und Gitarrenspiel), wollte ich mir etwas gegen die beginnende Sehnenscheidenentzüngung verschreiben lassen:

[I]"Machen Sie Sport? Belasten Sie den Unterarm regelmäßig?" "Klar. Ich spiel Gitarre, schreibe den ganzen Tag am PC - und Sport mach ich auch."[/I] Zuversichtlicher Blick des Arztes. Plötzlich Stirnrunzeln. [I]"Ich seh gerade - Sie sind ja Privatpatient. Machen wir lieber noch ein EKG, um Herzprobleme auszuschließen![/I]." Ach so. Ein Kassenpatient hätte wohl leider das Nachsehen gehabt. Erinnert mich irgendwie an Helge Schneider.

Und was ich so im Krankenhaus und beim Zahnarzt erlebt habe, erzähle ich lieber nicht, sonst bekommt ihr das kalte Kotzen. :mad:

Das Ärgerliche an der ganzen Sache ist, dass sich das geltend machen der Arzt- und Medikamentenrechnungen bei der Privaten erst ab einem gewissen Betrag lohnt - nämlich dann, wenn die zu erwartende Erstattung die mögliche Rückgewähr der Beiträge übersteigt. Die Versicherungen zahlen nämlich eine Prämie, wenn man sie nicht in Anspruch nimmt. Dazu kommt der ganze Papierkram. Den haben die gesetzlich Versicherten nicht am Hals - und die merken auch nicht, was so alles abgerechnet wird - ob es sinnvoll ist, oder nicht.
Xenomorph[QUOTE][i]Original geschrieben von Hellscream [/i]
[B]Gesellschaftliche Degeneration. Die welche sowie so schon gezeichnet sind werden noch schlechter Behandelt als ohnehin schon und die anderen immer besser. Dann wird sich gewundert warum diese so gerne als „sozial Heruntergekommenen“ denn allgemeinen Anschluss immer schlechter schaffen. Das kann es doch nicht wirklich sein oder.

Ab imo pectore Hellscream Midgard Der Moloch [/B][/QUOTE]

Soziale Selektion. Das ist der alleinige Sinn und Zweck dieses ganzen "Gesundheitssystems"...am besten ist es daher auch, man geht überhaupt nicht mehr zum Arzt und erspart sich damit sämtliche Probleme...an die Schulmedizin glaube ich ohnehin nicht mehr...
darkmavWas bei Ärzten oft auch schon hilft: Promoviert sein. Wenn die zwei Buchstaben für mich bisher einen greifbaren Nutzen gehabt haben, dann in der Arztpraxis/im Krankenhaus.

Als erstes wird man dann gefragt "Sie sind ein Kollege?". Trotz Verneinung wird man dann sehr höflich behandelt, und es wird einem alles erklärt, was mit einem passiert. Habe mir schon mal überlegt in irgendein Lehrbuch über Psychiatrie (oder so) reinzugucken, und mich dann mal als fachfremden Mediziner auszugeben. Mal gucken, was dann passiert...

Tja... die bei den Ärzten zählt der "Dr." noch was. Deswegen promovieren die ja alle, obwohl sie weder Bock darauf haben, noch die Promotion in der Praxis wirklich brauchen.
rainravenIch vermeide es sowieso tunlichst, krank zu sein, aber manchmal kann man einfach nicht anders und muß einen Arzt aufsuchen. Ich hab zum Glück meine Haus-und Stammärzte und die kennen mich und meine Familie und lassen mich auch nicht übertrieben warten oder ich hätte nicht den Eindruck, daß ich zu herablassend oder zuwenig beraten und untersucht werde.
Im Krankenhaus oder bei einem Arzt, den man nicht so nötig hat wie z.B. Hautarzt, Sportarzt (also was mit Schönheit oder Wellness zu tun hat etc.) habe ich dagegen schon das Gefühl, daß man wie ein Patient zweiter Klasse behandelt wird, vor allem, wenn man keine "akuten" Beschwerden hat. Da muß ich dann in einem Monat wiederkommen, wenn ich befürchte, Hautkrebs zu haben oder einen Bandscheibenvorfall, solange ich mich noch bewegen kann...Aber da kann man ja auch mal etwas deutlicher werden...:mad:
Manchmal fragen die Ärzte bzw. Sprechstundenhilfen das sogar am Telefon, wie man versichert ist, und meine Oma (wir sind alles Kassenpatienten)meinte darauf nur schnippisch, daß das keine Rolle spielen sollte und suchte sich einen anderen Arzt, bei dem sie auch sofort drankam...

Ich finde das aber zum Kotzen, denn für seine Krankheiten kann man im allgemeinen nichts (mal abgesehen von selbst induzierten Gebrechen durch z.B. Extremsport oder Kettenrauchen etc. )und wäre auch lieber gesund als beim Arzt. Und es gibt halt auch Leute, die sich den bevorzugten Versichertenstatus einer Privaten nicht leisten können.
Wenn jetzt jemand sagt, "na und, sollen die halt verrecken, mir doch egal, ich kann es mir ja leisten, eine Versorgung zu bekommen", dann gehört denjenigen mal eine ernste Krankheit an den Hals, gegen die selbst die beste Krankenversicherung nicht ankommt...
Ich stimme zwergleuchten in jeglicher Hinsicht zu. Ich verlange nicht irgendwelche überflüssigen Sonderbehandlungen, ich will nur, daß mir im Notfall ordentlich geholfen wird, egal, welche Versicherung mich versichert.
demelza[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Im Krankenhaus oder bei einem Arzt, den man nicht so nötig hat wie z.B. Hautarzt, Sportarzt (also was mit Schönheit oder Wellness zu tun hat etc.) habe ich dagegen schon das Gefühl, daß man wie ein Patient zweiter Klasse behandelt wird, vor allem, wenn man keine "akuten" Beschwerden hat. [/B][/QUOTE]

oder man läßt sich von seinem hausarzt wegen eines akuten Atemproblems aufgrund einer Pollenallergie zu einem
Spezialisten z.B. Lungenfacharzt, und man bekommt dann zu hören: "neue Patienten nehmen wir aber nicht vor Juni bzw. Juli" -
nachdem ich mir diesen Spruch bei zwei Ärzten anhören durfte, habe ich voller Sarkasmus fallenlassen "danke schön, falls ich bis dahin noch nicht erstickt bin" - hat zwar nicht wirklich geholfen, aber mir war in dem moment wohler
Lady LigeiaKomisch, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Ich bin Kassapatient, aber bei ner guten Kasse und muss genau so lange warten wie alle anderen selbst wenn sie Privatpatienten sind. Okay, ich werde eh nach bestellsystem abgefertig und wenn da ein privatpatient ist, kommt er trotzdem erst nach mir dran. Finde aber nicht, dass das etwas mit 2KlassenGesellschaft zu tun hat ...

2 KlassenGesellschaft ist eher ... du hast nen Job oder Nicht!!!
Manleymanchmal kommt man aber auch mit beharrlichkeit weiter...

gespräch an einem donnerstag anfang dezember 2005 mit einer röntgenpraxis, wegen einer kiefersperre.

manley: guten morgen. ich habe eine überweisung zum mrt und hätte gern einen termin.
praxis: wie sind sie denn versichert?
manley: *grummel* ich bin kassenpatient.
praxis: da kann ich ihnen ende januar einen termin anbieten.
manley: ich denke nicht.
praxis: wie bitte?
manley: ich denke nicht. bis dahin bin ich verhungert.
praxis: wieso, was haben sie denn?
manley: eine kiefersperre. ich kann so gut wie nichts essen und wir wollen dem auf den grund gehen, bevor ich nur noch ein strich in der landschaft bin.
praxis: *kurzes schweigen* na, wenn das so ist - wie passt ihnen denn nächsten montag um 8 uhr?
manley *grins* das passt prima. bis nächsten montag dann.

kann sein, dass ich nur glück hatte. aber bislang bin ich meist an ärzte geraten, denen die natur meiner krankenkasse verhältnismäßig egal war. klar müssen ärzte privatpatienten behandeln, keine frage. für den normalen kassenpatienten bekommen sie ja nicht viel, und auch ein arzt will nicht am hungertuch nagen. allerdings gehe ich auch nicht mehr zu ärzten, die privatpatienten dermaßen bevorzugt behandeln, dass es echt auffällt. meine hausärztin nimmt sich jedenfalls immer genau die zeit, die ich brauche, wenn ich mal ein problem habe (wobei ich da auch nicht mehr war, seit ich freiberufler bin...). mein zahnarzt ebenso - auch für ein gespräch abseits des themas zähne ist er immer zu haben.
wie das im krankenhaus ist, kann ich nicht beurteilen, da war ich zum glück in den letzten jahren immer nur ambulant und außerdem so interessant für die ärzte, dass ich immer gleich dran kam... ;) sonderbare krankheiten haben manchmal auch vorteile. ;)
Lady LigeiaBeziehungen bringen es auch dazu das Kassenpatient bevorzugter als Privatpatient ist :)
camouflageheartalso ich gehe zu keinem arzt, der privatpatienten auffällig bevorzugt. es kam noch nie vor, dass ich in der "warteschlange" vorgezogen wurde, das wäre mir auch gar nicht recht.
CHANTEMan versetze sich mal in die Lage eines Arztes. ;) Umso mehr ich mache und verschreibe, desto mehr Geld bekomme ich. Und ich bekomme es (relativ) schnell.


Wer würde nicht dem Ruf des Geldes folgen, wenn es so einfach ist? Klar, dass ist (aus Sicht eines Kassenpatienten) absolut verwerflich. Aber es ist auch eine Marotte der Gesellschaft, mit der man sich (leider) abfinden muss. Ich kenne keinen Arzt, der [B]alle[/B] Patienten gleich behandelt. Die meisten verschreiben natürlich auch andere Medikamente. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...

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