| Cagliostro | Mit Beschluss der Reichsregierung hat das kleindeutsche Kaiserreich der preussischen Könige, anno 1806 diverse Regeln zur deutschen Sprache beschlossen. Nur der historische Ansatz ist ein anderer. Zum einen gilt es als Tatsache, dass das Hochdeutsche aus den süddeutschen, also alemannischen, suebischen und bairischen Sprachen entstanden ist, zum anderen ist die Reihenfolge der Sprachbildung in einer Art Geschichtsklitterung untergegangen. Nun, als sich parallel voneinander germanische Stämme an bestimmten Gebieten niederliessen, da war von Staatsbildung sicher noch lange nicht die Rede. Das heisst im Endeffekt, dass die deutsche Sprache in vielen voneinander unabhängigen Gebieten jedesmal neu erfunden wurde. Man muss nicht in einem Staat leben, um eine Sprache sprechen zu können. Der beste Beweis dafür sind die Schweizer. Somit war nicht die Hochsprache als erstes da, sondern die sogenannten Dialekte, die im Grunde selbständige Sprachen sind. Das Schwäbische, das Bairische, aber auch das Friesische haben eine eigene Grammatik, voneinander unabhängie Vokalbeln und sind letztendlich als autochtone Sprachen anzusehen, sowie vielleicht Luxemburgisch und Holländisch voneinander betrachtet. Das heisst zuerst waren die irgendwie miteinander verwandten deutschen Sprachen da, dann gab es eine deutsche Sprache. Eine Reihenfolge, auf die Wert zu legen ist! |
| Apex | Hm, ja das ist ein historischer Fakt. Die gemeinsame Hochsprache kam erst nach den "Dialekten". Aber wo ist hier der Diskussionsansatz? |
| Anaximander | [QUOTE][i]Original geschrieben von Apex [/i] [B]Hm, ja das ist ein historischer Fakt. Die gemeinsame Hochsprache kam erst nach den "Dialekten". Aber wo ist hier der Diskussionsansatz? [/B][/QUOTE] Das habe ich mich nach dem Durchlesen auch gefragt ;) Dass es in dem Gebiet des heutigen Deutschlands ursprünglich eine Vielzahl von unterschiedlichen germanischen Dialekten gegeben hat und dass sich das Hochdeutsch erst allmählich durchgesetzt hat, ist eine altbekannte Tatsache über die hier niemand wird streiten wollen. In anderen Ländern ist die Entwicklung der modernen Sprachen genauso verlaufen: Das moderne Italienisch z.B. ist in Wirklichkeit die florentinische Sprache, die sich im Zuge der italienischen Nationenbildung gegen andere italienische Sprachen bzw. Dialekte durchgesetzt hat. Aber worüber genau soll jetzt diskutiert werden? |
| Cagliostro | Auch hier gilt: es gibt keine Gemeinsamkeiten, es sei denn, eine Verwaltungsgemeinschaft beschliesst diese. D.h. es gibt keine Gemeinsamkeiten zwischen den Völkern der berliner Republik, es sei denn man bildet sie sich ein. Es ist ja nichtmal die deutsche Sprache, die uns eint, eher trennt. Süden und vor allem Osten. |
| Apex | Ja, aber warum machste dann n neuen Thread auf? Also irgendwie versteh ich deine Motivation grade nicht, wenn du aufzeigen willst, dass es heute noch große kulturelle Unterschiede zwischen Friesen und Schwaben gibt, warum schreibst du das nicht in deinen anderen Thread? |
| Cagliostro | Nun, zwischen Schwaben, Friesen und ja auch Sorben gibt es keine direkt grossen kulturellen Unterschiede, weil jeder in der Lage war, den Stein der Weisen für sich selbst zu finden. Das Problem ist, die Egalisierung der Sprache.Irgendwer hat behauptet, dass das Strassenköterdeutsch der Grossstädte Mass aller Dinge sei. Und das ist definitiv nicht der Fall. Das angenehmste Deutsch der G-städte ist vielleicht noch hamburgerisch. |
| Trauerwesen | Vielleicht sagst du einfach mal, worüber genau diskutiert werden soll. Ansonsten geht es hier damit weiter, dass Erkenntnisse von dir niedergeschrieben werden, die einige scheinbar eh schon wissen. Ich frage mich auch die ganze Zeit, wohin dieser Thread führen soll. |
| Apex | Langes Vokal = ß Net böse sein, aber ich hasse es, Straße mit ss geschrieben zu sehen ;) Wie dem auch sei, ich verstehe noch immer nicht, was du in dem Thread hier eigentlich diskutieren möchtest, aber ich lasse ihn jetzt erstmal offen, vielleicht hams ja andere kapiert. Und den schönsten städtischen Dialekt haben Meenz und Frankfurt ;) |
| Cagliostro | Anders formuliert: Die Gleichmacherei in der Bundesrepublik ist arg. Eigensinn der einzelnen Völkerschaften wird negiert. In den Schulen wird so getan,als gäbe es einie einzige Ausgabe des Hochdeutschen. Auch schweizer und österreichisches Deutsch sind Deutsch. Ergo auch bayerische und nordische Formen. Parallel und unabhängig voneinander. Es gibt keine zentrale Wahrheit. Eine deutsche Sprache nach französischem Vorbild zu kreeiern käme 200Jahre zu spät und ist ein Verbrechen. |
| curupira | Ich versteh zwar auch nicht ganz was du sagen willst, aber an sich ist eine einheitliche deutsche Sprache wirklich nicht verkehrt. Es geht darum das man sich untereinander verständigen kann. In den einzelnen Regionen kann doch jeder so reden wie er möchte. Es ist eine Amtssprache, die beherrscht werden sollte. Damit wird keineswegs irgendwelche kulturellen Eigenheiten unterbunden. Genauso wie eine Weltsprache ernannt wurde um sich über Grenzen hinweg unterhalten zu können. |
| Cagliostro | Das mag sein, aber Ratt und Batt statt Rad und Bad sind wohl kein überaus gutes Hochdeutsch. Somit wird in Hannover nicht automatisch das beste Hochdeutsch gesprochen. Wir könnten uns auch streiten, ob es Schinesen oder Kinesen heisst, für mich natürlich letzteres.Denn es heisst ja auch nicht Schiemsee. Oder der Auslaut -ig. Warum schreibt man nicht lustich, wenn es so heissen soll. Ergo spreche ich (persönlich) es als Lustik aus. Oder Ich ist ich, nicht isch. Usw. usf. |
| curupira | Ich denke wie jeder ein Wort ausspricht ist schon ihm selbst überlassen. Wenn du dich schon so darüber aufregst dases eine gemeinsame Sprache gibt, sollten dich doch so kleine Feinheiten nicht stören. Hauptsache ist das der andere dich versteht. Denn das wäre nicht gegeben wenn jeder seinen eigenen Dialekt ausleben würde. Bei diesen einzelnen Wörtern kommen eben diese Dialekte zum Vorschein was ich sogar sehr schön finde, denn dadurch kommt auch ein bischen leben in die Sprache. |
| Cagliostro | Nun, über Menschen, die ihren eigenen Dialekt ausleben rege ich mich überhaupt nicht auf. Rheinhessen oder rechtsrheiner, die ein Idiom sprechen, als wären sie Portugiesen, machen mir einfach Freude. Das ist nicht voyeuristisch gemeint, sondern ehrlich. Nach eingier Zeit kann man auch folgen, was der eine oder andere meint. Kein Thema. Menschen, die aus einer Region stammen, in der es keinen Dialekt gibt, sondern nur eine Alltagsabwandlung des Hochdeutschen können mitunter sehr selbstgefällig sein und lassen nur ihre Version gelten. Nochmals: es gibt keine zentrale Wahrheit, nach vll französischem Vorbild. Alles ist richtig! Deswegen sind wir ja föderal. Mir gehen ja auch Münchner am Keks, die meinen viele Fremdwörter benutzen zu müssen, die sie gar nicht kennen und falsch aussprechen, was leider nicht selten ist. |
| curupira | Erklär mir mal bitte was du mit französischen Vorbild meinst. Ich versteh immer noch nicht wirklich worauf du hinaus willst. Ich habe noch nie jemanden erlebt der meinte seine Art und Weise zu reden wäre die perfekteste. Was du mit den Fremdwörtern ansprichst. Diese haben teilweise sehr viel Einzug in die deutsche Sprache gezogen und es ist teilweise sogar notwendig diese anzuwenden. Natürlich beißt sich das teilweise mit dem Dialekt oder auch anderen Gründen. Wie würde denn für dich die perfekte Sprache aussehen? |
| Cagliostro | Nun, es gibt eine Academie Francaise, die bestimmt, was gutes Französisch sei. Das Staats- und Kulturbild der Franzosen ist ohnehin etwas zentral. Auf Arte zeigen sie immer irgendwelche Dinge, die in Berlin stattfinden und meinen ganz Deutschland.Lächerlich. Dieses Bild wäre auf Deutschland übertragen sinnlos, denn Berlin ist wirklich nicht representativ für Deutschland. Weder für den Kaiserdom zu Aachen, noch für die Porta Nigra in Trier oder die Römerkastelle in Regensburg oder Passau. Also wirklich nicht. Wie dem auch sei, Fremdwörter sollte man nur gebrauchen, wenn man ihren Sinn versteht. Was bei 8 von 10 Münchnern nicht bestätigt werden kann. |
| Anaximander | [quote]Auch hier gilt: es gibt keine Gemeinsamkeiten, es sei denn, eine Verwaltungsgemeinschaft beschliesst diese. D.h. es gibt keine Gemeinsamkeiten zwischen den Völkern der berliner Republik, es sei denn man bildet sie sich ein. Es ist ja nichtmal die deutsche Sprache, die uns eint, eher trennt. Süden und vor allem Osten.[/quote] Kapier ich nicht. Richtig ist, dass es mal eine Zeit gegeben hat, in der es keine einheitliche deutsche Sprache gegeben hat. Seit mindestens 300 Jahren (und im Wesentlichen bereits seit Martin Luther) gibt es aber eine solche deutsche Sprache. Die Unterschiede zwischen dem heutigen Bayerisch und dem heutigen Friesisch sind nur noch die Unterschiede zwischen zwei verschiedenen Dialekten und nicht mehr zwischen zwei verschiedenen Sprachen. Und unterschiedliche Dialekte stehen wohl kaum dem Zusammenleben in einem gemeinsamen Staatsgebilde im Wege. Genauso gibt es selbstverständlich so etwas wie eine gemeinsame deutsche Kultur. Und all das ist eine solide Grundlage dafür, die Deutschen zu einem gemeinsamen deutschen Staat zusammenfassen. Also was genau ist dein Problem? :confused: |
| autumnnight | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cagliostro [/i] Wir könnten uns auch streiten, ob es Schinesen oder Kinesen heisst, für mich natürlich letzteres.Denn es heisst ja auch nicht Schiemsee. [/QUOTE] und warum nicht schlicht und ergreifend CHINESEN? das CH als "ch" aussprechen?? so mache ich es.. und auch beim FUCHS sage ich nicht fux und bei der zahl SECHS schon gar nicht sex.. also ist es für mich logisch, dass ich auch CHINA sage und nicht kina oder schina.. |
| Anaximander | [quote]und auch beim FUCHS sage ich nicht fux und bei der zahl SECHS schon gar nicht sex..[/quote] "Fuchs" und "Fux" unterscheiden sich phonetisch nun wirklich aber nur minimal. Und "Sechs" und "sex" sind weniger durch den Unterschied zwischen "ch" und "x" unterschieden, als durch den Unterschied zwischen normalem und scharfem S ;) |
| autumnnight | ...meinem umfeld fällt es auf jeden fall immer sofort auf, dass ich FUCHS und SECHS anders ausspreche - zumal sie mich dann darauf ansprechen.. mag vielleicht aber auch an meiner anderssprachigen herkunft -gebürtige schweizerin- liegen, dass ich das CH noch ein bisschen anders betone.. wobei ich betonen möchte, dass ich nicht chchchch rassle, sondern einfach ein mehr oder weniger normales CH sage.. |
| Demon17 | Also ich muss passen, in meiner Heimat galt es als ungebildet platt zu kuiern, so haben die Leute es vor ca. 50-60 Jahren gelassen und die Versuche es in der Lokalzeitung wiederzubeleben fallen eher kläglich aus. Außerdem gab es ganze Wortfelder noch gar nicht, damals. Der ganze Computerbereich z.B. Im Grunde hat sich das Hochdeutsch seit Erfindung des Buchdruckes entwickelt. Die Lutherbibel wurde in ganz Deutschland verstanden und auch Goethe, Schiller, Lessing und Heine brauchten kein preussisches Amtsdeutsch um im ganzen deutschen Sprachraum die Bildungsschicht anzusprechen. Die Dialekte waren doch immer auch die Sprache der einfachen Leute. Für die Schriftsprache war die Aussprache ja belanglos. Wer es genauer wissen will, der schaue hier [URL=http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/deutsch.htm]http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/deutsch.htm[/URL] nach. |
| Odessa | Also für mich sind dialektlose Menschen nicht wirklich "echt"... jeder hat in seiner Sprache die Färbung seiner Heimat, somit einen Dialekt, und das gehört für mich zu einem Menschen dazu wie seine Mimik:) Im Übrigen sprechen alle mir bekannten "hochgeistigen Leute" (auch hier, Grüße an Dr. Menedemos & Co) ihren Dialekt ganz selbstverständlich - nichts ist gekünstelter und unnatürlicher wie jemand, der ständig nur Hochdeutsch spricht obwohl er eigentlich ein Bayer, ein Hesse oder ein Berliner ist. Man soll so reden wie einem der Schnabel gewachsen ist zumindest unter "den eigenen Leuten", und desweng kultivia i mei boarisch weil des scho a Ludwig Thoma und a Ganghofer gmachd hom und des is gelebte Kulturpflege, hosd me? ;) --- Mir gehen ja auch Münchner am Keks, --- Münchner sind meist keine Münchner, sondern zuagroasde Breissn oder, noch schlimmer, Franken :cool: |
| AlienSexFiend | [QUOTE][i]Original geschrieben von autumnnight [/i] [B]und warum nicht schlicht und ergreifend CHINESEN? das CH als "ch" aussprechen?? so mache ich es.. und auch beim FUCHS sage ich nicht fux und bei der zahl SECHS schon gar nicht sex.. also ist es für mich logisch, dass ich auch CHINA sage und nicht kina oder schina.. [/B][/QUOTE] ...wobei man an so etwas wie Sprache nicht unbedingt (nur) mit Logik dran gehen kann... |
| Demon17 | Ja in Bayern gehen die Uhren halt anders Odessa. ;) Spätestens seit der Erfindung des Rundfunks ... , aber das kommt noch warts ab. |
| Cagliostro | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B]Also ich muss passen, in meiner Heimat galt es als ungebildet platt zu kuiern, so haben die Leute es vor ca. 50-60 Jahren gelassen und die Versuche es in der Lokalzeitung wiederzubeleben fallen eher kläglich aus. Außerdem gab es ganze Wortfelder noch gar nicht, damals. Der ganze Computerbereich z.B. Im Grunde hat sich das Hochdeutsch seit Erfindung des Buchdruckes entwickelt. Die Lutherbibel wurde in ganz Deutschland verstanden und auch Goethe, Schiller, Lessing und Heine brauchten kein preussisches Amtsdeutsch um im ganzen deutschen Sprachraum die Bildungsschicht anzusprechen. Die Dialekte waren doch immer auch die Sprache der einfachen Leute. Für die Schriftsprache war die Aussprache ja belanglos. Wer es genauer wissen will, der schaue hier [URL=http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/deutsch.htm]http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/deutsch.htm[/URL] nach. [/B][/QUOTE] Da täuschte sich der Autor. Die Propagandalüge ist leider aufgegangen, wonach nur ungebildete Menschen Dialekt sprächen. Diese Lüge wurde nicht zuletzt auf Wunsch der Wirtschaft betrieben, einerseits in der Gründerzeit, als man Arbeiter brauchte. Diese wurden aus entfernten Gegenden des Reiches nach Berlin gekarrt, ein allzu eigenwilliger schlesischer Dialekt z.b. hätte dabei nur gestört. Arbeiter müssen Anweisungen verstehen usw. In heutiger Zeit will die Wirtschaft überall gleiche Bedingungen herstellen, damit die Räume vergleichen kann und Bilanzen auf gleicher Ebene funktionieren. Auch dabei stören Dialekte und örtliche Gegebenheiten. Lutherbibel: Nunja, ein Buch wird nicht wahrer oder besser, weil es auf Deutsch erscheint. Abgesehen von der grausamen Übersetzung Junker Jörgs. Es könnte auch sein, dass Luther mit seiner Bibel mit Schuld ist am Untergang der Glaubwürdigkeit der Kirche. Unfreiwillig. Das Verhalten der Lutheraner hat mich ohnehin immer eigenwillig berührt. In Bibelkreisen die "heilige" Schrift auswendig lernen, aber kein Wort davon kapieren. Da lobe ich mir doch meinen katholischen Nihilismus. Vermutlich ist die Ferne vom Dialekt in lutherischen Gegenden grösser, als in katholischen. Vielleicht ist man in lutherischen Kreisen auch etwas deutschnationaler, während der Katholik die Zwischenstufe der regionalen Identität kennt. Auch ein Erklärungsversuch. |
| Demon17 | Die Welt wächst zusammen, da kann man nichts machen. Zur Zeit meiner Großmutter wurde noch platt gesprochen, das sich von Ort zu Ort veränderte. Einzelne Dinge wurden im Nachbarort schon wieder anders bezeichnet. Starke Dialekte, die von anderen nicht mehr zu verstehen sind, sind ein kennzeichen von einer lokal isoliert lebenden Bevölkerung. Diese Isolation ist im Zeitalter der medialen Kommunikation jedoch nicht aufrecht zu erhalten. Ganz abgesehen davon, das neue Ideen sich heutzutage in Windeseile über die Welt verbreiten können und auch den letzten Winkel erreichen. Die Hochsprachlichkeit zeigte halt, das man überregional in einem Gedankenaustausch stand und auf dem aktuellen Stand der geistigen und Entwicklung war. Mag sein, das auch gebildete Menschen Dialekte pflegen, doch wenn sie sich im überregionalen Gedankenaustausch befinden, so müssen sie sich nun einmal einer Hochsprache bedienen. Das prägt und läßt den Dialekt an Bedeutung verlieren. Im Mittelalter war Latein die "Lingua Franka" , die Sprache der Gelehrten. Die Entwicklung einer deutschen Hochsprache war auch ein Zeichen der intellektuellen Emanzipation dieses Volkes und Voraussetzung für die Vermittlung von Bildung an breite Schichten der Bevölkerung. Hinzu kommt eine politische Komponente im 18. und 19. Jahrhundert, der Adel sprach ja häufig Französisch, eine deutsche Amtssprache war da auch ein Stück Selbsbestimmung. Man verstand den Erlass wenigstens. Das Pflege der Dialekte und des Brauchtums ist meiner Ansicht nach ein Reflex auf die Entfremdung durch die Modernisierung, die die Welt einerseits rationaler macht, die Armut aus Unwissenheit reduziert, aber auch zu einer emotionalen Verarmung und zur Vereinsamung des Einzelnen führen kann. Insofern sei er jedem gegönnt sein Dialekt, obwohl die Betonung eines autochthonen Wir, auch immer eine Ausgrenzung impliziert. |
| Odessa | --- Mag sein, das auch gebildete Menschen Dialekte pflegen, doch wenn sie sich im überregionalen Gedankenaustausch befinden, so müssen sie sich nun einmal einer Hochsprache bedienen. ---- Das ist richtig, demon - nur denke ich, daß man das auch dosiert einsetzen soll. Sehe ich mein familiäres Umfeld, höre ich an einem Tag, wenns gut läuft, 5 Sprachen (Deutsch, Arabisch, Zaza/kurdischer Dialekt, Italienisch und Russisch) und einige Dialekte, wenn ich im Freundes- und Bekanntenkreis schaue. Kommen diese Leute zu einem Fest zusammen, wird fast immer Hochdeutsch oder Englisch gesprochen weil das die Sprachen sind, die wir alle verstehen und sprechen. Sobald aber z. B. bei einem Treffen - auch mit Freunden - nur noch Bayern anwesend sind oder eine Mehrzahl an Sachsen oder Hessen, wird dann sofort wieder in den jeweiligen Dialekt zurückgefallen, so wie auch die Familienangehörigen sofort ins Arabische oder den kurdischen Dialekt zurückfallen, wenn die dt. oder englischen Freunde den Kreis verlassen haben. Das meinte ich mit "Heimat" - der Mensch soll natürlich eine Sprache sprechen, die auch außerhalb seines Landkreises verstanden wird, das gebietet schon allein die Höflichkeit, noch viel mehr aber der Wille und auch Zwang, sich beruflich und gesellschaftlich mit sprachlich differenten Mitmenschen befassen zu müssen. Aber diese Sprache zur alleinigen zu machen die gepflegt wird und sein angestammtes "Mundwerk" zu vergessen oder sich gar dafür zu schämen, erachte ich als nicht erstrebenswert. |
| Demon17 | Das ist sicher auch eine Frage der Identität, die darin zum Ausdruck kommt. Ich bedaure den Verlust oder Rückgang einer regionalen Identität jedenfalls nicht. Es gibt in der postmodernen Gesellschaft einfach zu viel Alternativen, die völlig unabhängig von der Herkunft sind und sich eher an Interessen orientieren. Ich meine so etwas legt einen ja auch auf ein wie auch immer geartetes Kollektiv fest. Mit allen vor und Nachteilen. Kollektive Identitäten haben sowohl integrative als auch exklusive Folgen. Es ist z.B. eine Funktion der Jugend-Subkulturen, soziale Unterschiede, die aus der Herkunft herrühren zu nivellieren und gleichzeitig neue zu etablieren. Wenn ich in eine andere Stadt ziehen würde, hätte ich im Internet gleich alle möglichen Ansprechpartner, die mir bei der Orientierung helfen könnten. Einfach weil es gemeinsame Interessen gibt. Es gäbe auch keine Probleme mit den Erwartungshaltungen, weil die eigentlich durch die Sozialisiation in etlichen Diskusionen und Clubbesuchen etc. längst geklärt sind. Auch die Verhaltensnormen sind bereits bekannt. Ich war in den 80ern und 90ern viel unterwegs, so zwischen Hamburg, Bochum und Amsterdam und es spielte eigentlich nirgendwo eine Rolle woher man kam, es kam halt auf die (erkennbare) Zugehörigkeit zur Szene an. Auch im subkulturellen Slang gab es eigentlich keine regionalen Unterschiede. In Holland haben wir halt englisch gesprochen, aber sonst... |
| Odessa | Ja, aber die Zuordnung zu irgendeiner Szene ist auch eine Festlegung, m. M. n. auch mit viel mehr negativen Kriterien verbunden (allein die Diskussionen um "was ist gothic", "warum bist Du gothic" oder "wieso zur Hölle müssen wir ständig darüber labern was wir sind oder zu sein haben, statt einfach wir selbst zu sein"... ups, den thread wollt ich ja mal eröffnen *zyn*). Es ist nicht so daß ich mich nur und ganz identifiziere über diesen/irgendeinen Dialekt dahingehend, daß ich nur deswegen oder nur dadurch irgendwelche Bindungen an eine Stadt oder an Menschen hätte. Dafür gibt es andere Gründe, die aber wiederum auch nicht an einer "Szenezugehörigkeit" hängen. Aber ein klitzekleines Stück weit hängt Identität dann bei mir schon daran, daß ich mich hier in Bayern, wo ich geboren bin und bisher nur die allerbesten Erfahrunge machte, "sauwohl" fühle, mit der bodenständigen und rauh-herzlichen, direkten Art der Menschen gut zurechtkomme (vermutlich weil sie der "Highlander"-Art der Schotten und auch der der arabischen Nomaden in vielem nahekommt), und da ist es für mich eine Art auch nach außen gezeigte Verbundenheit, die Sprache dieses Volkes gerne zu sprechen, ich wurde ja auch groß damit. Und das wird ein Friese für sein Friesland so sehen, ein Hesse für sein Hessen, ein Thüringer für sein Thüringen usw. , wenn er sich als Teil einer Gemeinschaft erlebt, in der er sich wohl fühlt :) |
| Demon17 | Ich habe eine Gegend immer nach ihren Berufschancen und dem Freizeitangebot beurteilt. OWL war da lange Zeit ein guter Kompromiss. Natürlich mag ich auch ein gewisses Mileu, aber das gibt es in jeder Großstadt, nur das ich ein bisschen mehr grün brauche, ein paar Wälder und so... |
| Cagliostro | @Demon 17 Nun, ich verstehe deinen Ansatz, aber was du Ansprichst mit dem überregionalen Gedankenaustausch und man deshalb die Hochsprache benutzt und sucht, hat so seine Tücken. Es gibt eine Zeitung in Obergermanien, die steigert ihre Verkaufsziffern durch arge Simplifizierungen. Meistens setzt sie einen durch knappe Schlagzeilen ins BILD. Auch ich kaufe mir die o.g. "Zeitung", weil es mitunter leicht zu konsumieren ist und weil ich sie für eine Art Realsatire halte. Den Gedankenaustausch würde ich dabei nicht suchen. Meistens findet man diese auch nicht, wenn man eine süddeutsche Zeitung kauft, oder eine norddeutsche, egal. Meines Erachtens gehören Menschen, die sich ausschliesslich auf diese reich bebilderte Zeitung verlassen, zur geistigen Unterschicht. (Geistige Unterschicht hat nichts mit Ausbildung oder finanzieller Ausstattung zu tun!) Nun, ähnlich wie früher der "Stürmer" benützt eine Zeitung die Hochsprache, um meine niedrigsten Instinkte anzusprechen und, wenn ich nicht wirklich keinen grossen geistigen Aktionsradius habe, meine seltsamen Meinungen zu bestätigen. Ja zum Teil meine Ressentiments gg.Klapperschlangen und Hausbootfahrer in Stimmung umzuwandeln und mir zu erzählen, das sei Mainstream. Deine Theorie hat also Löcher... Denn auch Landserhefte sind in der Hochsprache abgefasst (wobei sie harmloser sind, als ihr Ruf, sie sind auf ihre seltsame Weise geradezu putzig). |
| Move over Kate | [QUOTE]Mit Beschluss der Reichsregierung hat das kleindeutsche Kaiserreich der preussischen Könige, anno 1806 diverse Regeln zur deutschen Sprache beschlossen. [/QUOTE] 1806 gab es kein "kleindeutsches Kaiserreich der preussischen Könige". Vielleicht meinst Du aber die II. orthographische Konferenz von 1901?! |
| Cagliostro | [QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i] [B]Ja in Bayern gehen die Uhren halt anders Odessa. ;) Spätestens seit der Erfindung des Rundfunks ... , aber das kommt noch warts ab. [/B][/QUOTE] Tja, wegen der drei, vier strammen CSU-Westfalen, die sich den Bayernfunk im Kabel anschaun, heisst es neuerdings in den Nachrichten auch Schina, statt richtig Kina. Das Ch stammt aus dem Griechischen (Christos/Kristos). Kam über das Lateinische in den römischen Teil des heutigen Deutschland. Ganz klar, es heisst Kina. |
| Move over Kate | [QUOTE]Das Ch stammt aus dem Griechischen (Christos/Kristos). Kam über das Lateinische in den römischen Teil des heutigen Deutschland. Ganz klar, es heisst Kina.[/QUOTE] Findest Du es nicht ein wenig merkwürdig, dass Du oben argumentierst, die Hochsprache sei ein "Kunstprodukt", hier aber behauptest, dass es "ganz klar Kina" heissen muß?! Ist es nicht etwas widersprüchlich, einerseits zu erklären, dass es unzählige, gleichberechtigte Sprachformen gäbe - hier aber apodiktisch "Kina" zur einzig richtigen zu erklären?! :rolleyes: |
| Demon17 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cagliostro [/i] [B]Tja, wegen der drei, vier strammen CSU-Westfalen, die sich den Bayernfunk im Kabel anschaun, heisst es neuerdings in den Nachrichten auch Schina, statt richtig Kina. Das Ch stammt aus dem Griechischen (Christos/Kristos). Kam über das Lateinische in den römischen Teil des heutigen Deutschland. Ganz klar, es heisst Kina. [/B][/QUOTE] CH wird im deutschen nun einmal nur als K gesprochen, wenn ein [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Konsonant]Konsonant[/URL] folgt. Folgt ein Vokal wird ch eben mit einem weichen Zischlaut gesprochen, der im hinteren Bereich der Mundhöle gebildet wird. dg Christoph;) |
| Desengano | also ich hab das wort "chor" noch nie weich ausgesprochen. *gg* der duden sagt, dass beides (schina und kina) richtig sei und es soll meiner meinung nach jeder so aussprechen wie er möchte. irgendwelche ethymologischen ansätze helfen da glaub nicht. ^^ ich persönlich finde dialekte an sich ja toll, obwohl ich keinen spreche. aber ich finde auch, man sollte das hochdeutsche (was auch immer das jetzt sein mag) dahingehend beherrschen, dass einen auch jeder versteht. und wenn cih jemanden aus der oberpfalz vor mir stehen hab und ich versteh nichts, dann sage auch offen und ehrlich, er möge doch bitte hochdeutsch sprechen, da ich seinen dialekt nicht verstehe. hinzu kommt die grammatik. starke dialekte haben auch häufig die angewohnheit sämtliche grammatische regeln übern haufen zu werfen. seitdem ich in franken wohne, komme ich mit den hilfswerben reichlich durcheinander. @_@ udn wenn ich dann noch im germanistik-seminar sitze und mir die angehenden lehrer und lehrerinnen anschaue und -höre, wie sie ihre referate halten, wirds mir dann doch etwas anders. zumindest im deutschunterricht sollte der lehrer die korrekte grammatik sprechen udn wörter verwenden, die man nicht nur auf seinem dorf kennt. oder am telefon! ich kann doch nicht mit jemandem aus einer anderen filiale in einem anderen bundesland tiefstes bayrisch sprechen, vor allem wenn ich noch höre, dass die jeweilige person noch einen slavischen akzent hat! da kann ich die mutter meines freundes schon verstehen, dass sie das gespräch dann an einen andern abgibt oder sagt, er möge doch bitte hochdeutsch sprechen. ihr (hoch)deutsch ist fast perfekt. aber man kann ja nicht von jedem, der deutsch lernt erwarten, dass er sich nebenbei auch noch die gängigsten dialekte aneignet. cih finde jeder sollte so sprechen können, wies ihm passt. in seinem jeweiligen umfeld. was meiner meinung nach aber nicht geht, ist dass man erwartet, jeder würde einen verstehen udn dass seine aussprache von gewissen wörtern die richtige sei. |