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  Forum: Des Kaisers Bart
    Thema: Richtig oder falsch?
nullpromilleIch habe gestern in der Büchertruhe meines Bruders, die er nach seinem Umzug noch im Keller hat stehen lassen ein merkwürdiges Buch entdeckt und blind aufgeschlagen. Es ist Houellebecqs "Ausweitung der Kampfzone".

Ich möchte die Stelle zitieren und Euch zu Eurer Einschätzung und Eurem Urtei zul folgender Feststellung befragen:

"Eine solche Lebensweise lässt das menschliche Wesen verarmen, sie fügt ihm menschliche Schäden zu, die manchmal schwerwiegend und stets irreperabel sind. Die Liebe als Unschuld und Fähigkeit zur Illusion, als Gabe, die Gesamtheit des anderen Geschlechts auf ein einziges geliebtes Wesen zu beziehen, widersteht selten einem Jahr sexueller Herumtreiberei, niemals aber zwei. In Wirklichkeit zerrütten und zerstören die zahllosen, während des Heranwachsens angehäuften sexuellen Erfahrungen jede Möglichkeit gefühlsmäßiger, romantischer Projektion. Nach und nach, tatsächlich aber sehr rasch, wird man so liebesfähig wie ein altes Wischtuch. Man führt dann unvermeidlich ein Wischtuchleben; mit fortschreitendem Alter wird man weniger verführerisch und in der Folge verbittert. Man ist eifersüchtig auf die Jungen und hasst sie daher. Dieser Hass, der uneingestanden bleiben muss, wird bösartig und immer brennender; schließlich mildert er sich und verlöscht, wie alles verlöscht. Es bleiben nur noch Verbitterung und Ekel, Krankheit und Warten auf den Tod."

Ich persönlich würde mich sofort fragen: Oder ist es umgekehrt? Ist eine seelnlose Lebensführung (oder kann sein) nicht das Ergebnis von Seelenlosigkeit - eher als ihre Ursache? Vielleicht gibt es aber auch gar kein System.

Ich habe das restliche Buch nicht gelesen, mir ist diese Sprachführung zuwider und nur wieder Ausdruck von vollkommener Hoffnungslosigkeit.
SenecaWo er recht hat, hat er recht...
Die Theorie mag uns modernen Lustmenschen unbequem sein, lässt sich aber leicht nachvollziehen und bestätigen.
aurora borealiskleiner Tipp vorab: wenn Dir eine solche Schreibweise missfällt, dann lass die Finger auch lieber von Sibylle Berg.

Zu M.H. bzw. dem Geschriebenen:
wie Seneca schon meint, gibt es dafür sicherlich Belege. Die Frage ist nur, ob man sich dazu zählt / zählen will oder einfach dadurch reflektieren vermag, wie es um die eigenen Werte und Vorstellungen von Liebe, Zuneigung, Hingabe, Leidenschaft, Auswahl und Frequenz der (Sexual)Partner etc. bestellt ist. Und die Beurteilung dessen hängt wiederum auch von der jeweiligen Situation/den Umständen ab.
nullpromilleHm...

Ich wollte nicht so sehr die Frage nach Liebe etc. stellen und ihrem Verhältnis zur Sexualität. Der Autor des Buches beschränkt sich auf diese Aspekte? Ich habe -wie gesagt- das Buch nicht gelesen. Es stellt sich mir allgemeiner die Frage nach Seelenverlust - der sich ja nicht allein in sexueller Fixierung äußert sondern genereller in emotionaler Verflachung und einer Animalisierung des Menschen.

Bsp::

Liebe vs. Sexualisierung
Zugehörigkeit vs. Nationalismus
Ordnung vs. Pedanterie
Glaube vs. Fanatismus
Kraft vs. Gewalt
Freiheit vs. Chaos

etc. ...

Ich danke trotzdem für Eure Antworten - die mir in ihrer Wertorientierung sympathisch sind. Es geht aufwerts.
aurora borealisich vermute, dass manche dieser Dinge hier auch angesprochen wurden:
[url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=42299[/url]

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